Gerdas schlaflose Nächte

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Rente mit 63, Abschlagsfreie RenteDer Maschinist erhält mittlerweile einen ganzen Haufen Leserbriefe. Schon vor einiger Zeit hat mir Gerda geschrieben. Ich finde den Fall sehr interessant, da er die Situation vieler älterer Menschen in unserem schönen Land beschreibt:

Dekadenlang fleißig und finanziell vernünftig gelebt. Aber das Thema Börse lange nicht angegangen und den Kapitalaufbau auch nicht wirklich priorisiert. Außerdem ein ganzer Wust an verwirrenden Finanztöpfen.

Aber lest selbst:

 

Hallo Maschinist,

ich bin eine begeisterte stille Mitleserin Deines Blogs und Danke Dir für die vielen wirklich hilfreichen und ausführlichen Beiträge. Es ist toll, dass es Menschen wie Dich gibt, die sich die Zeit nehmen, um anderen mit Ihrem Wissen behilflich zu sein.

Aktuell benötige ich jetzt selbst Entscheidungshilfe. Ich stehe auf dem Schlauch. Meine Gedanken drehen sich im Kreis und ich weiß nicht, was ich tun soll!

Du schreibst, dass sich freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse zum Ausgleich der Abschläge bei vorzeitiger Altersrente unter Umständen lohnen, während rund um mich herum alle Leute einschließlich der Rentenberatungsstelle mir davon abraten. Leider bekomme ich meine Gedanken nicht so klar und sachlich strukturiert, wie das bei Dir und vielen Bloglesern der Fall ist, so dass ich um Deine und ggf. auch der sonstigen Blogleser um geschätzte Hilfe u. Ratschläge bitte.

Ich hoffe sehr, dass es nicht unter Deiner Würde liegt, auch einem „Kleinvieh“ zu helfen, denn ich kann weder hinsichtlich Bildung, Einkommen noch Sparquote  mit den meisten Menschen, die sich hier in diesem aber auch anderen Blogs tummeln (Finanzwesir, Tim Schäfer, Zendepot, Gerd Kommer, ja und auch bei garnixoderguru 🙂 u.a., mithalten.

Kurze Infos zur Person, Einkommen  und Vermögensverhältnissen:

Baujahr 1962, lebe alleine, keine Kinder, Realschule, kfm. Ausbildung, seitdem ununterbrochen als Angestellte Vollzeit berufstätig, seit 2012 jedoch nur noch Teilzeit 30 Std/Woche. Eine Hälfte von mir ist konservativ/sparsam/genügsam, aber die andere Hälfte schlägt schon mal quer!

Ich bin gesund und fit und beabsichtige, gesunde und fitte ü/100 zu werden – Also gilt, ein langes  Leben einzuplanen. 

Mein Jahresbruttoeinkommen beträgt 39.550,00 EUR (netto 25,1 TEUR). Bin gesetzlich krankenversichert und zahle keine Kirchensteuer. 

 

Vermögen


Einfamilienhaus lastenfrei, Verkehrswert z.Z. ca. 200 TEUR  (ich wohne auf dem Dorf und beabsichtige in ca. 10 Jahren das Haus zu verkaufen und in eine Großstadt in NRW zu ziehen, dann wieder zur Miete). Mit dem Geld aus den Lebensversicherungen und dem Hausverkauf würde ich dann weitere ETF-Anteile kaufen, um dann maximal 3% p.a. zu entnehmen, um Rente zu erhöhen bei vollem Kapitalerhalt. Ich möchte auf jeden Fall auch Kapital erhalten, damit ich es an eine mir wichtige Organisation / Verein vererben kann.

Tagesgeld 15 TEUR

Immobilien-Crowdinvesting 9 TEUR (verteilt auf 3 Plattformen und jeweils nur in Tranchen von 1 TEUR bzw. max. 2 TEUR)

Depotvermögen z.Z. 25,3 TEUR (davon entfallen ca. 6,9 TEUR auf 3 ETFs Ishares World, EM u. S&P500 mtl. Sparplan 500 EUR – habe ich erst in 2017 begonnen und – jetzt bitte keine Schnappatmung bekommen –  2000 Aktien Cytosorbent (CTSO) – den garnixoderguru nebst Aktie habe ich darum in mein tägliches Gebet aufgenommen. Diese Aktie ist quasi mein Lottospiel und soll mal mein Kapital erhöhen – auweia! Die Aktien sollen also irgendwann verkauft werden, dafür werde ich dann wieder weitere ETF-Anteile kaufen).

Gold- u. Silberunzen im Wert von z.Z. 61 TEUR

LV/Versicherungsleistung nur Garantiebetrag = 22 TEUR zum 01.12.2022

LV/Versicherungsleistung nur Garantiebetrag = 35 TEUR zum 01.10.2026

Mein Erbanteil an Ackerlandfläche =  ca.  23 TEUR (noch nicht auseinandergesetzt, steht noch im Eigentum der Erbengemeinschaft) – soll hier erst mal außen vor bleiben.

 

Zur Rente

Ich kann die Regelaltersrente mit 66 Jahren u 8 Monaten beziehen = ab 01.12.2028.

Meine Renteninformation im Jahr 2018:

Regelaltersrente (66 Jahre+8 Mon.) ab 01.12.2028 brutto mtl. 1.616 EUR = Berechnung für die bisher gespeicherten rentenrechtlichen Zeiten; sollten bis zum Beginn der Regelaltersrente Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre gezahlt werden, bekäme ich ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen mtl. Brutto 1.965 EUR. (Anmerkung Maschinist: 32,03x 1,09×10)

Bisherige Entgeltpunkte = 50,45 (Rentenwert alte Bundesländer).

 

Ich war kürzlich bei der Rentenberatungsstelle und habe folgende Auskünfte bekommen:

Frühstmögliche Rente mit 63 ab dem 01.04.2025 möglich mit Abschlägen von 13,2 % (sowie 3,66 Beitragsjahre weniger an Einzahlungen).

Meine Rente würde dadurch brutto 1.595 Euro betragen (Anmerkung Maschinist: ((1.616 + (34,91×6,33)) x 0,868))

Bei freiwilliger Einzahlung von ca. 55 TEUR zum Ausgleich der Abschläge bleibt es mit 63 Jahren bei brutto 1.837 EUR. (Anmerkung M: 1.616 + (34,91×6,33))

 

Rente für besonders langjährig Versicherte (45 Beitragsjahre erreiche ich am 01.08.2023)

kann ich aber frühestens ab dem 01.12.2026 (bin dann 64,8 J. alt) erhalten. Bruttorente dann

= 1.895 EUR. (Anmerkung: 1.616 + (34,91×8))

Und das für 48 Jahre Arbeit?! Käse, ich weiß ja, Dummheit wird bestraft! Bin ich selber schuld.

Nach diesen Zahlen gab´s dann die schlaflosen Nächte!

 

Was will ich?

Auf jeden Fall die frühestmögliche Rente und natürlich so hoch wie möglich!

Und jetzt geht es bei mir komplett durcheinander und ich komme zu keinem Ergebnis.

Ich dachte daran, Gold u Silber zu verkaufen und 55 TEUR als freiwillige Leistung in die Rentenkasse einzuzahlen, um die Abschläge auszugleichen. Aber eigentlich wollte ich mit dem  Gold/Silberverkauf  noch etwas warten, da ich in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Preise rechne, zumindest dann, wenn die Börse tatsächlich mal richtig abstürzt.

Oder besser für das Geld jetzt weitere ETF-Anteile kaufen? Bis 2022 spare ich auf jeden Fall noch die 500 EUR mtl. in meine vorhandenen ETFs, bis dahin wären das dann gesamt so um die 30 TEUR + die 60 TEUR ab 2019 verzinst mit 5%p.a. ergibt dann ein Kapital von ca. 106,7 TEUR. Dann weiterlaufen lassen bis ich dann ab Rentenbezug ab 2025 maximal 3% entnehme (bei ewigem  Kapitalerhalt).

Und es kommen ja noch die zwei Auszahlungen der Lebensversicherungen von 22 TEUR und 35 TEUR dazu und später die Hälfte aus dem Hausverkauf, wofür ich dann wieder weitere ETF-Anteile kaufen wollte. Also würde sich der mtl. Auszahlungsbetrag (immer nur 3% Entnahme) wieder etwas erhöhen.

Bin ich hier zu optimistisch?

Es könnte ja auch sein, dass die Börse erst mal noch um 50 bis 90 % abstürzt und dann auch noch 30 Jahre lang unten bleibt, dann hätte ich das Spiel ja etwas verloren.

Mir fällt gerade noch ein: meine ETFs von Ishares sind alle physisch replizierend und thesaurierend, da ich ja z.Z. noch Kapital aufbauen möchte. Soll ich bei den ggf. weiteren Käufen von ETF-Anteilen für ggf. die 60 TEUR, aber auch für die weiteren Gelder aus dem zukünftigen  Aktienverkauf (Lottoaktie), den Lebensversicherungen und Hausverkauf besser zwar physisch replizierende aber jetzt dann „ausschüttende ETF“ kaufen? Dann brauche ich später evtl. keine bzw. nicht ganz so viele Anteile zu verkaufen?

Ich wäre wirklich sehr froh, wenn man mir hier mit Vor- und Ratschlägen behilflich sein könnte.

Vorab schon mal vielen lieben Dank an Dich und alle sonstigen Mitleser für Eure Meinungen.

Wünsche Euch allen Gesundheit, Freundschaft und Liebe und Erfolg bei Euren Zielen.

Einen schönen Abend und LG

Gerda

 

Hallo Gerda,

danke für Deinen Brief. Das ist ein ganzer Wust an Informationen, die wir zuerst ein wenig sortieren müssen.

Als Erstes

Höre bitte auf, Dich unter den Scheffel zu stellen!

Jeder Mensch sollte zwar sein eigenes Handeln schonungslos analysieren aber wenn eigene Schwachstellen gefunden sind, geht es neben der Verbesserung auch darum, sich selbst für die vergangenen Fehler zu verzeihen und positiv nach vorne zu schauen.

Die Vergangenheit kannst Du nun nicht mehr ändern.

Was Du aber tun kannst, ist gut auf Dich aufzupassen. Und das kannst Du nur, wenn Du Dich selbst schätzt und gut über Dich denkst und redest!

 

Außerdem gibt es zum Trübsal blasen keinen Grund

Als Lebensleistung bist Du seit vier Jahrzehnten angestellt, hast dabei für Dich selbst gesorgt. Und wenn Du einmal die ganzen Geldkörbe plus Immobilie und Lebensversicherungen von Dir zusammenrechnest, sprechen wir bei Dir aktuell schon über mehr als 350.000 Euro Gesamtvermögen, dass jetzt jährlich weiter wächst.

Du hast Dir damit mehr Vermögen erschaffen, als die meisten Deiner Landsleute.

Natürlich wäre mehr möglich gewesen. Aber das wäre es bei jedem von uns. Was zählt ist nun das hier und jetzt und die richtige Planung für Deine kommenden Jahrzehnte in selbstbestimmter Freiheit.

Teilen wir Dein Thema in zwei Bereiche.

 

1. Gesetzliche Rente und

2. Dein privates Vermögen

 

 

Deutsche gesetzliche Rente:

Freiheitsmaschinenleser wissen: Die gesetzliche Rente ist sicher! Die Rentenleistungen werden in den nächsten zwei Dekaden nicht nur die Inflationsrate ausgleichen sondern sehr wahrscheinlich noch zusätzliche leichte Realrentensteigerungen aufweisen.

Da wir positiv denken aber konservativ planen, rechnen wir hier „nur“ mit dem Inflationsausgleich. Das heißt, die aktuellen Geldsummen werden mit gleicher Kaufkraft für die Planung Deiner Zukunft verwendet.

 

Grundsätzlich

Für Menschen die z.B. wegen des nicht anrechenbaren Studiums auf keine 45 Rentenbeitragsjahre kommen (wie z.B. ich auch) lohnt sich aus finanzieller Sicht fast immer die frühere Rente mit 63 (wenn man die dadurch entstehende Rentenlücke dann anderweitig schließt).

Die dadurch auftretenden Abschläge von jährlich 3,6% auf die vorhandenen Rentenpunkte in Kauf zu nehmen, „lohnt“ sich schon rein nominal bis zu einer Lebenserwartung von 90 Jahren (Rechnung: 1,0 x 24 Rentenbezugsjahre ist weniger als 0,964 x 25 Rentenbezugsjahre).

Selbst wenn jemand dann noch einige Jahre länger lebt, hat früheres Geld einen höheren Wert, da es erstens nach Kapitalertragsrechnung wieder verzinst werden kann und zweitens die allermeisten Mittsechziger noch mehr mit Geld anfangen können als ein Mensch während seiner letzten Lebensjahre.

Was die Sachlage in Deinem Fall ändert, ist die Sonderregelung für besonders langjährig Versicherte mit 45 Rentenbeitragsjahren, die Du in Anspruch nehmen kannst.

Die „jährliche Steilheit“ der Ab- oder Zuschläge erhöht sich dadurch bei Dir von den angesprochenen 3,6% pro Jahr auf jährlich 7,9 Prozent zwischen einer frühen Rente mit 63 und Deiner abschlagsfreien Rente mit 64,66 Jahren (für alle ab 1964 geborenen liegt dieser Punkt bei 65 Jahren und damit bei jährlich 7,2% mehr/weniger Abschlag im Vergleich zur Rente mit 63).

Dadurch liegt Dein persönlicher break-even, bei dem sich die frühe Rente mit 63 im Vergleich zur Abschlagsfreien mit 64,66 nicht mehr lohnt, schon bei 76 Lebensjahren. Und das übertriffst Du als nichtrauchende 56 jährige Frau statistisch ohne jede Anstrengung um mehr als eine Dekade.

Das heißt in dem Punkt gibt es eine klare Empfehlung von mir:
Abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte mit 64 Jahren und 8 Monaten anstreben.

 

Freiwillige Renteneinzahlungen

So zu tun als würdest Du mit 63 in Rente gehen, die dadurch auftretende Rentenkürzungen mit eigenen Zahlungen per Antrag ausgleichen und schließlich dann doch später in Rente zu gehen (in Deinem Fall mit 64,66 Jahren), steht Dir natürlich auch zu.

Regel

Da Du diese freiwilligen Nachzahlungen aktuell schon zu 86%, nun jährlich steigend und ab 2025 komplett von der Steuer absetzen kannst und Deutschland eine progressive Einkommenssteuer hat, nimmst Du im Falle des Falles keine Einmalzahlung vor, sondern Du verteilst diese freiwilligen Einzahlungen über möglichst viele Jahre (bis zu Deinem (dann nicht stattfindendem Rentenbeginn mit 63). Das senkt über diese Jahre Deine Gesamtsteuerbelastung.

Solltest Du das tun?

Die ca. 55.000 Euro, die Du über die nächsten 7 Jahre dafür einzahlen würdest, kannst Du als Mischwert zu etwas mehr als 90% von der Steuer absetzen. Dein Grenzsteuersatz bei einem Jahres brutto von aktuell 39.000 Euro beträgt nach Krankenkassenabzug ca. 32%. (Der mittlere Steuersatz des abzugsrelevanten Teils ca. 30%). Das heißt, Du zahlst zwar in Summe 55.000 € ein aber durch die Steuerabsatzfähigkeit beträgt das Delta netto in Summe über diesen Zeitraum nur ca. 40.000 €.

Diese 40.000 € netto als Alternative dagegen in den Aktienmarkt investiert, würden bei einer konservativen drei Prozent Entnahme aktuell 100 Euro brutto im Monat und nach 10 Jahren in der größten Wohlstandsmaschine grob ca. 165 Euro brutto im Monat (5% Zins) erzeugen. Bei einer jährlichen 4% Entnahme (über max. 25 Jahre Entnahme auch zu 100% inflationsbereinigt sicher), wären es dann schon ca. 220 € im Monat.

Als Einzahlung in die gesetzliche Rente bringt Dir dieses Geld ebenfalls 220 Euro an zusätzlicher Rente (siehe Rechnung oben in Deinem Beitrag).

Die Steuersätze für Einkommen (Grenzsteuersatz) und Kapitalerträge (25%) sind bei Deiner Rentenhöhe ungefähr vergleichbar, das heißt Sie kürzen sich fast ganz raus und nur die zusätzlichen Krankenkassenbeiträge der Rentner bleiben als Unterschied bei pflichtversicherten Rentnern wie Dir (in Summe aktuell also ca. 10% Abgabennachteil in Deinem Fall bei der Variante Einzahlung gesetzliche Rente).

Ergebnis

Es bleibt ein leichter Vorteil Einzahlung in die gesetzliche Rente in Bezug auf die monatlich sichere garantierte Auszahlung im Vergleich zur konservativen 3% Entnahme beim Aktienmarkt (bei 4% Entnahme kein Vorteil mehr).

Dafür hast Du generell den Nachteil der Nichtvererbbarkeit dieses Vermögenteils und auch weniger finanzielle Flexibilität im Zeitraum nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben.

 

Empfehlung im Bereich freiwillige Beitragszahlungen gesetzliche Rente

Ob Du die zusätzlichen Einzahlungen in die Rentenversicherung leistet, ist in Deinem Fall eher eine persönliche Entscheidung je nachdem wie viel Vermögen Du auf der einen Seite besitzen und später vererben willst, und wie hoch Dein „Sicherheitsdenken“ auf der anderen Seite ist.

Bei Menschen die seit Dekaden routinierte Aktienanleger sind, würde ich bei Deinen Parametern zum Aktienmarktinvestment dieses Vermögenanteils raten, da er mehr Flexibilität bietet und zusätzlich vererbbar ist.

Diese Empfehlung sähe anders aus, wenn der Grenzsteuersatz z.B. bei 45% liegt und sich die Person nur wenige Jahre vor dem Rentenbezug befindet.

Für Menschen, die sich mit der Börse dagegen bisher kaum beschäftigt haben und bei einem Aktienmarktcrash dadurch eher unsicher werden, würde ich dagegen auch bei Deinen Parametern eher zu einer freiwilligen Renteneinzahlung tendieren, um sich im Extremfall vor sich selbst zu schützen. Begründung siehe unter Edelmetalle & CTSO Aktie.

 

Kommen wir zum zweiten Teil der Beratung: Dein privates Vermögen

Leseranfragen wie Deine bestehen überraschend oft aus einer ganzen Reihe von ungeordneten finanziellen Positionen in verschiedenen Geldtöpfen.

Das Ganze ist dann für mich so geschrieben, als hätte der Verfasser selbst keinen wirklichen Überblick über seine Finanzsituation. Wenn dann noch Immobilien- und Konsumkredite hinzukommen, ist es oft ganz vorbei.

 

Regel für alle Leser:

Wenn der Maschinist Dich mitten in der Nacht aus Deinem Tiefschlaf reißt und nach Deinem Nettovermögen fragt, kannst wie aus der Pistole geschossen mit einer Gesamtsumme antworten!

 

Und das ganz unabhängig davon, aus wie vielen Einzelpositionen Dein Vermögen besteht oder noch Kredite davon abgezogen werden müssen!

Wie willst Du Pläne bezüglich Deiner finanziellen Zukunft machen, wenn in Deinem Kopf zwanzig verschiedene Einzelpositionen herumschwirren, die Du selbst noch gar nicht geordnet hast?

Bei Gerda sieht das Ganze so aus

  • Immobilie     200.000 €
  • Gold & Silber 61.000 €
  • CTSO Aktie   18.000 €
  • Tagesgeld      15.000 €
  • Crowdinvest    9.000 €
  • Aktien ETF:     7.000 €
  • Schulden:        0 €
Vermögen aktuell: +310.000 €

 

Weiteres

  • Lebensvers. A  22.000 €
  • Lebensvers. B  35.000 €
  • Sparleistung       6.000 € / Jahr

Vermögen im Dezember 2026 (der Beginn der gesetzlichen Rente für besonders langjährige Mitglieder und gerechnet mit 0% Realrendite und Aufsummierung der weiteren Sparleistung bis zum Rentenbeginn):

Keine Sonderzahlungen in gesetzliche Rente: 415.000 €
Mit Sonderzahlungen in gesetzliche Rente: 375.000 €

Nichtbetrachteter Bonus: Erbanteil Ackerland  23.000 €

 

Bewertung Kapitalaufteilung

Du hast zwar ein schönes Vermögen, aber aktuell fast kein Geld in planbar Cashflow erzeugenden Investments. Deine Aufteilung so wie sie ist, taugt deshalb aktuell nicht für eine planbare Entnahmerate.

Deshalb, und auch weil (D)eine Immobilie als Hauptbestandteil langfristig statistisch nur den Inflationsausgleich schafft (und Tagesgeld meistens sogar real Geld verbrennt) rechnen wir hier als Basis konservativ mit einer 0% Realrendite bis zum Ausscheiden aus Deinem Berufsleben.

 

Gold und Silber

Die Maschinisten Familie besitzt, genauso wie z.B. Warren Buffet, Null Euro in Form von Edelmetallen. Der Grund ist, dass diese Anlageklasse über lange Sicht nur den Inflationsausgleich bringt und dabei zusätzlich noch stark schwankt.

Der Aktienmarkt bringt dagegen zusätzlich zum Inflationsausgleich seit 200 Jahren jährlich mehr als 6% an Dividenden und Kapitalerträgen. Wer braucht totes Metall, wenn als Alternative mit ein paar Klicks die größte Wohlstandsmaschine aller Zeiten für alle Menschen zur Verfügung steht.

Wenn Du jetzt z.B. schon 250.000 Euro in Gesamtmarkt Aktien ETF investiert hättest und argumentieren würdest, dass Deine Edelmetallposition zwar Deine Gesamtrendite reduziert aber dafür auch Deine Depotschwankungen, hätte ich dafür noch Verständnis.

Aber so nicht!

Diese toten Gold- und Silbermünzen machen aktuell mehr als die Hälfte Deines liquiden Vermögens aus! Das muss sich ändern.

Aber vorher musst Du Dir überlegen, wieso Du diese Münzen überhaupt gekauft hast.

 

Frage

Kanntest Du damals die viel bessere Alternativen noch nicht? Oder hast Du Dich in einem emotionalen Moment von irgendwelchen Marktschreiern dazu verleiten lassen?

Falls es letzteres ist, musst Du an Dir arbeiten und das auch berücksichtigen, wenn Du Dein Aktien ETF Depot füllst.

Sonst handelst Du auch dort wieder emotional. Und das geht bei einem Aktienmarkteinbruch, wie er mehrmals pro Dekade vorkommt, dann ins Auge.

 

Einzelaktie CTSO

Eine schöne Story – Ein Blutfilter rettet Menschenleben. Viele Biotechunternehmen sind aktuell schöne Stories.

Kann sein, dass daraus noch eine große Nummer wird aber seit mehr als 10 Jahren ist CTSO nun am Aktienmarkt und hat bisher nur das Geld der Investoren verbrannt (und die Kurse dann durch 1:10 Reverse Splits optisch wieder nach oben gezogen. Den Altaktionären half das allerdings nicht).

Wie bei der Edelmetallposition, passt auch hier die hohe Gewichtung nicht zu Deiner liquiden Gesamtvermögenssituation und von außen betrachtet bist Du hier jemandem gefolgt ohne Dir eigene Gedanken dazu zu machen.

Bei der aktiven Spekulation bist Du sehr oft das Fischfutter, wenn Du anderen Spekulanten emotional folgst und Dir selbst keine wirklichen Gedanken zu dem Trade machst.

Hast Du Deine Hausaufgaben dazu wirklich gemacht?

Wusstest Du z.B., dass CTSO aktuell deutlich mehr als die Hälfte seines jährlichen finanziellen Umsatzes einfach verbrennt? Das erfährt man nicht, wenn man nur Deinen genannten Blog liest, sondern beim eigenständigen Durchlesen der Finanzkennzahlen.

–> Job für Gerda: Edelmetalle und CTSO Aktie in der nächsten Zeit bereinigen

 

 

Tagesgeld

Ist in dieser Höhe bei Dir ok

Crowd-Investment

Kannst Du in dieser Höhe lassen, wenn es Dir Spaß macht. Aber eine Überrendite nach Steuern im Vergleich zum Aktienmarkt erzielst Du damit langfristig nicht.

Die weitere Sparleistung von monatlich 500€

Geht ab nun in die ETFs.

 

ETF Aufteilung

Im World ETF ist der US Aktienmarkt aktuell schon mit mehr als 50% Anteil enthalten. Wenn Du nun parallel noch einen S&P500 ETF besparst, erzeugst Du eine Übergewichtung des US Marktes in Deinem Depot.

Das würde ich aufgrund der relativ hohen US Aktienmarktbewertung aktuell nicht machen.

Am Einfachsten ist es den S&P500 ETF jetzt so liegen zu lassen und nur noch World ETF + Emerging Markets ETF mit einer Aufteilung von z.B. 70/30% anzusparen.

Die Lebensversicherungen steckst Du wie geplant nach Auszahlung anteilig ebenfalls in diese beiden Gesamtmarkt ETF.

 

Was ergibt all das nun in Summe?

Basisszenario

Du gehst im Dezember 2026 offiziell in die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Rentenversicherte und leistest keine zusätzlichen freiwilligen Renteneinzahlungen.

 

Deine gesetzliche Rente

1.895 € brutto ergeben für einen Rentner der im Jahr 2026 erstmalig eine Rente beantragt eine Nettorente von 1.553 € netto (86% Besteuerung der Rente eines „2026-Rentners“)

Wenn Du als Annahme in (D)einer (200k Euro) Immobilie wohnen bleibst, besitzt Du Ende 2026 ein liquides Vermögen von 215.000 €. Wenn wir die 15.000 € Tagesgeld nicht berücksichtigen, bringen die 200.000 € in den ETFs bei einer sehr konservativen 3% Entnahme monatlich 500 € brutto.

Diese mit 26,38% (Abgeltungssteuer & Soli) versteuert (wegen Vergleichbarkeit keine 2018er EU Fondsbesteuerung) sowie kein Krankenkassenabzug, da Du in der Krankenkasse der Rentner pflichtversichert bist, ergeben netto weitere 368 € an monatlichem Cashflow für Dich. Durch diese konservative Entnahme, steigt Dein Vermögen über lange Sicht weiter an und Du hast eine schöne Summe zum Vererben.

Das sind in Summe dann jährlich 23.000 € Nettoeinkommen für Dich plus Deine abbezahlte Immobilie.

Aktuell lebst Du von ca. 19.000 Euro im Jahr (25.000 € minus 6.000 € Sparleistung). Da ist also noch Luft (beim Cashflow wie auch bei der Entnahmerate in Deinem dann fortgeschrittenen Lebensabschnitt).

Und da Du sowieso möglichst früh aus dem Berufsleben ausscheiden willst, kommen wir zum Szenario:

 

Ausstieg drei Jahre vor Deinem offiziellen Rentenbeginn

Du scheidest damit also schon mit 61 Jahren und 8 Monaten aus dem Berufsleben aus (12/2023).

Du arbeitest damit genau so lange, bis Du die 45 Jahre an Renteneinzahlungen voll hast.

Und du hältst weiterhin am offiziellen gesetzlichen Rentenbeginn mit 64 Jahren und 8 Monaten fest und beantragst weiterhin keine frühe Rente mit 63, weil sich Diese in Deinem spezifischen Fall finanziell nicht lohnt.

Die drei Jahre bis zu Deinem Rentenbeginn überbrückst Du dabei mit Deinem eigenem Geld.

Durch die drei Jahre weniger an Sparleistung hast Du dadurch 18.000 Euro weniger in den ETFs. Und weil Du in diesen drei Jahren vor dem Rentenbeginn eine hohe jährliche Entnahmerate hast, brauchst Du auf dem Tagesgeldkonto mehr Geld um das Risiko einer Entnahme aus dem ETF Portfolio nach einem Crash zu vermeiden.

Der Mindestbeitrag zur Kranken+ Pflegeversicherung während dieser drei Jahre beträgt bei Dir in Summe jährlich etwas über 2.000 €, die Du zusätzlich zu Deinen 19.000 € an jährlichen Lebenshaltungskosten aufbringen musst.

Während dieses Dreijahreszeitraums sind das in Summe 63.000 €, die Dir neben den 18.000 € an verminderter Sparleistung beim Zahlungsbeginn der gesetzlichen Rente fehlen.

Diese gesetzliche Rente selbst beträgt durch drei fehlende Beitragsjahre dann „nur“ 1.790 € brutto. Das sind im Jahr 2023 dann 1.480 € netto an gesetzlicher Rente inkl. des gesetzlichen Krankenkassenabzugs.

An liquiden ETF Vermögen hast Du dann „nur“ ca. 120.000 €, die Dir konservativ monatlich 300 € brutto / 220 € netto bringen (Sparerfreibetrag nicht beachtet)

Das macht in Summe für Dich konservative 1.700 € im Monat / 20.400 € im Jahr an Nettoeinkommen.

Das würde also im Vergleich zu deinen aktuellen Ausgaben noch reichen auch wenn es natürlich einen deutlichen Vermögensunterschied gibt.

 

Arbeitslosengeld 1

Viele Menschen „optimieren“ die letzten Monate vor Ihrem Renteneintritt mit der Inanspruchnahme von ALG1, das neben einer prozentualen „Gehaltsfortführung“ auch die Krankenkassenbeiträge sowie Einzahlungen in die Rentenversicherung übernimmt.

Ob man den Weg dieser „Simulierung eines Interesses“ an weiterer Arbeitsaufnahme auf dem Arbeitsamt gehen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Nach 45 produktiven Jahren und damit Steuerzahlungen hättest Du Dir das nach meinem persönlichen Fairnessmodell definitiv verdient.

Finanziell macht das einen deutlichen Unterschied.

Falls Du diesen Weg gehen willst, beachte dass der Zeitraum der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld 1 nicht als Anrechnungszeitraum für die Rente nach 45 Beitragsjahren gilt. Diese Option hast Du also nur für den Zeitraum nach August 2023. Ansonsten verwirkst Du Deinen Sonderrentenanspruch für besonders langjährige Rentenversicherungsmitglieder.

 

Kommen wir zu Deinen weiteren Punkten

ETF thesaurierend vs. ausschüttend

Thesaurierende ETFs werden mittlerweile auch besteuert, wenn auch aufgrund des derzeit niedrigen Basiszinses im Euroraum aktuell noch geringer als ausschüttende ETF bei aktienmarktüblicher Dividende. Außerdem wird die Gesetzgebung dazu alle paar Jahre geändert.

Ich würde mich bei der ETF Auswahl deshalb auf die großen Emittenten mit niedrigen Gebühren und hohem Fondsvolumen konzentrieren und das Thema thesaurierend vs. ausschüttend danach generell als unwichtig abhaken.

Auch wenn es sich hart anhört:

Du hast in den letzten Dekaden hunderttausende Euro an Vermögensaufbau plus Rendite durch Dein Nichtinvestieren in den Aktienmarkt verpasst. Schau jetzt, dass Du dabei bist, dabei bleibst und Dein Geld nicht in Edelmetallen einfrierst oder mit Zockeraktien vernichtest!

Ob Du jetzt bei thesaurierenden Fonds 3% der Anteile im Jahr verkaufst oder bei ausschüttenden ETFs die Dividende nimmst, ist das Gleiche. Bezüglich Besteuerung wird sich die Gesetzgebung bis zu Deinem Renteneintritt wahrscheinlich sowieso noch einmal ändern. Vanguard als für mich ethischer und kundenfreundlicher Benchmark (da Genossenschaft mit den ETF Besitzern als Firmeninhabern) hat nur ausschüttende ETF.

 

Immobilienbesitz vs. Mieten

Ich weiß, diese Frage hattest Du nicht gestellt aber Sie „stellt sich bei Dir“ trotzdem.

Eine eigene Immobilie hat im Vergleich zum Mieten, und dann mehr notwendigem Cashflow aus Kapitalerträgen für die Kaltmiete, einige Vorteile (und das sage ich als aktueller Mieter).

Einer dieser Vorteile ist, dass die absolut sichere Entnahmerate von 3% bei einem ETF Vermögen von z.B. 200.000 € brutto „nur“ 500 € im Monat an Cashflow bringt.

Netto ist es aufgrund der Besteuerung dann noch ca. 25% weniger.

Wenn Du für diesen Betrag eine gleichwertige Immobilie mieten kannst, ist alles ok.

Falls nein, würde ich das Thema Immobilienbesitz noch einmal kritisch durchdenken.

Zusätzlich zur Rendite kommt bei Dir auch hier wieder das Thema relativ geringe Erfahrung im Aktienmarkt zum Tragen.

Falls Du mietest, hättest Du bis zu ca. 400.000 € in ETF, die im Falle eines temporären Crashs dann für große absolute Vermögensschwankungen sorgen würden.

 

Hältst Du das dann aus oder drehst Du dann durch und geißelst Dich selbst aufgrund Deiner Entscheidung pro Miete?

Im Extremfall verkaufst Du Dein ETF Portfolio dann nahe des Tiefpunktes in Panik und ruinierst Deine Altersplanung.

Diese Frage musst Du Dir im Vorfeld unbedingt selbst beantworten!

Wenn es dann Zweifel gibt, würde ich bei Dir dazu tendieren eine Immobilie zu besitzen, wodurch Du keine Kaltmietkosten hast. Es muss ja nicht die gleiche sein, die Du aktuell besitzt.

 

Ich wünsche Dir alles Gute für die nächsten Jahre und Deinem weiteren Kapitalaufbau! Ich hoffe und wünsche Dir auch, dass Du permanent im Aktienmarkt investierst bleibst und Dich die normalen Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen.

Es würde uns natürlich alle interessieren, wie es bei Dir weitergeht und welche Erfahrungen Du auf Deinem weiteren Weg machst!

 

Egal ob Gerda, Marsupilami oder Familie Mustermann:

Die Freiheitsmaschine bietet Lebensberatung für alle Menschen

 

 

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