Gerdas schlaflose Nächte

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Der Maschinist erhält mittlerweile einen ganzen Haufen Leserbriefe. Schon vor einiger Zeit hat mir Gerda geschrieben. Ich finde den Fall sehr interessant, da er die Situation vieler älterer Menschen in unserem schönen Land beschreibt:

Dekadenlang fleißig und finanziell vernünftig gelebt. Aber das Thema Börse lange nicht angegangen und den Kapitalaufbau auch nicht wirklich priorisiert. Außerdem ein ganzer Wust an verwirrenden Finanztöpfen.

Aber lest selbst:

 

Hallo Maschinist,

ich bin eine begeisterte stille Mitleserin Deines Blogs und Danke Dir für die vielen wirklich hilfreichen und ausführlichen Beiträge. Es ist toll, dass es Menschen wie Dich gibt, die sich die Zeit nehmen, um anderen mit Ihrem Wissen behilflich zu sein.

Aktuell benötige ich jetzt selbst Entscheidungshilfe. Ich stehe auf dem Schlauch. Meine Gedanken drehen sich im Kreis und ich weiß nicht, was ich tun soll!

Du schreibst, dass sich freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse zum Ausgleich der Abschläge bei vorzeitiger Altersrente unter Umständen lohnen, während rund um mich herum alle Leute einschließlich der Rentenberatungsstelle mir davon abraten. Leider bekomme ich meine Gedanken nicht so klar und sachlich strukturiert, wie das bei Dir und vielen Bloglesern der Fall ist, so dass ich um Deine und ggf. auch der sonstigen Blogleser um geschätzte Hilfe u. Ratschläge bitte.

Ich hoffe sehr, dass es nicht unter Deiner Würde liegt, auch einem „Kleinvieh“ zu helfen, denn ich kann weder hinsichtlich Bildung, Einkommen noch Sparquote  mit den meisten Menschen, die sich hier in diesem aber auch anderen Blogs tummeln (Finanzwesir, Tim Schäfer, Zendepot, Gerd Kommer, ja und auch bei garnixoderguru 🙂 u.a., mithalten.

Kurze Infos zur Person, Einkommen  und Vermögensverhältnissen:

Baujahr 1962, lebe alleine, keine Kinder, Realschule, kfm. Ausbildung, seitdem ununterbrochen als Angestellte Vollzeit berufstätig, seit 2012 jedoch nur noch Teilzeit 30 Std/Woche. Eine Hälfte von mir ist konservativ/sparsam/genügsam, aber die andere Hälfte schlägt schon mal quer!

Ich bin gesund und fit und beabsichtige, gesunde und fitte ü/100 zu werden – Also gilt, ein langes  Leben einzuplanen. 

Mein Jahresbruttoeinkommen beträgt 39.550,00 EUR (netto 25,1 TEUR). Bin gesetzlich krankenversichert und zahle keine Kirchensteuer. 

 

Vermögen


Einfamilienhaus lastenfrei, Verkehrswert z.Z. ca. 200 TEUR  (ich wohne auf dem Dorf und beabsichtige in ca. 10 Jahren das Haus zu verkaufen und in eine Großstadt in NRW zu ziehen, dann wieder zur Miete). Mit dem Geld aus den Lebensversicherungen und dem Hausverkauf würde ich dann weitere ETF-Anteile kaufen, um dann maximal 3% p.a. zu entnehmen, um Rente zu erhöhen bei vollem Kapitalerhalt. Ich möchte auf jeden Fall auch Kapital erhalten, damit ich es an eine mir wichtige Organisation / Verein vererben kann.

Tagesgeld 15 TEUR

Immobilien-Crowdinvesting 9 TEUR (verteilt auf 3 Plattformen und jeweils nur in Tranchen von 1 TEUR bzw. max. 2 TEUR)

Depotvermögen z.Z. 25,3 TEUR (davon entfallen ca. 6,9 TEUR auf 3 ETFs Ishares World, EM u. S&P500 mtl. Sparplan 500 EUR – habe ich erst in 2017 begonnen und – jetzt bitte keine Schnappatmung bekommen –  2000 Aktien Cytosorbent (CTSO) – den garnixoderguru nebst Aktie habe ich darum in mein tägliches Gebet aufgenommen. Diese Aktie ist quasi mein Lottospiel und soll mal mein Kapital erhöhen – auweia! Die Aktien sollen also irgendwann verkauft werden, dafür werde ich dann wieder weitere ETF-Anteile kaufen).

Gold- u. Silberunzen im Wert von z.Z. 61 TEUR

LV/Versicherungsleistung nur Garantiebetrag = 22 TEUR zum 01.12.2022

LV/Versicherungsleistung nur Garantiebetrag = 35 TEUR zum 01.10.2026

Mein Erbanteil an Ackerlandfläche =  ca.  23 TEUR (noch nicht auseinandergesetzt, steht noch im Eigentum der Erbengemeinschaft) – soll hier erst mal außen vor bleiben.

 

Zur Rente

Ich kann die Regelaltersrente mit 66 Jahren u 8 Monaten beziehen = ab 01.12.2028.

Meine Renteninformation im Jahr 2018:

Regelaltersrente (66 Jahre+8 Mon.) ab 01.12.2028 brutto mtl. 1.616 EUR = Berechnung für die bisher gespeicherten rentenrechtlichen Zeiten; sollten bis zum Beginn der Regelaltersrente Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre gezahlt werden, bekäme ich ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen mtl. Brutto 1.965 EUR. (Anmerkung Maschinist: 32,03x 1,09×10)

Bisherige Entgeltpunkte = 50,45 (Rentenwert alte Bundesländer).

 

Ich war kürzlich bei der Rentenberatungsstelle und habe folgende Auskünfte bekommen:

Frühstmögliche Rente mit 63 ab dem 01.04.2025 möglich mit Abschlägen von 13,2 % (sowie 3,66 Beitragsjahre weniger an Einzahlungen).

Meine Rente würde dadurch brutto 1.595 Euro betragen (Anmerkung Maschinist: ((1.616 + (34,91×6,33)) x 0,868))

Bei freiwilliger Einzahlung von ca. 55 TEUR zum Ausgleich der Abschläge bleibt es mit 63 Jahren bei brutto 1.837 EUR. (Anmerkung M: 1.616 + (34,91×6,33))

 

Rente für besonders langjährig Versicherte (45 Beitragsjahre erreiche ich am 01.08.2023)

kann ich aber frühestens ab dem 01.12.2026 (bin dann 64,8 J. alt) erhalten. Bruttorente dann

= 1.895 EUR. (Anmerkung: 1.616 + (34,91×8))

Und das für 48 Jahre Arbeit?! Käse, ich weiß ja, Dummheit wird bestraft! Bin ich selber schuld.

Nach diesen Zahlen gab´s dann die schlaflosen Nächte!

 

Was will ich?

Auf jeden Fall die frühestmögliche Rente und natürlich so hoch wie möglich!

Und jetzt geht es bei mir komplett durcheinander und ich komme zu keinem Ergebnis.

Ich dachte daran, Gold u Silber zu verkaufen und 55 TEUR als freiwillige Leistung in die Rentenkasse einzuzahlen, um die Abschläge auszugleichen. Aber eigentlich wollte ich mit dem  Gold/Silberverkauf  noch etwas warten, da ich in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Preise rechne, zumindest dann, wenn die Börse tatsächlich mal richtig abstürzt.

Oder besser für das Geld jetzt weitere ETF-Anteile kaufen? Bis 2022 spare ich auf jeden Fall noch die 500 EUR mtl. in meine vorhandenen ETFs, bis dahin wären das dann gesamt so um die 30 TEUR + die 60 TEUR ab 2019 verzinst mit 5%p.a. ergibt dann ein Kapital von ca. 106,7 TEUR. Dann weiterlaufen lassen bis ich dann ab Rentenbezug ab 2025 maximal 3% entnehme (bei ewigem  Kapitalerhalt).

Und es kommen ja noch die zwei Auszahlungen der Lebensversicherungen von 22 TEUR und 35 TEUR dazu und später die Hälfte aus dem Hausverkauf, wofür ich dann wieder weitere ETF-Anteile kaufen wollte. Also würde sich der mtl. Auszahlungsbetrag (immer nur 3% Entnahme) wieder etwas erhöhen.

Bin ich hier zu optimistisch?

Es könnte ja auch sein, dass die Börse erst mal noch um 50 bis 90 % abstürzt und dann auch noch 30 Jahre lang unten bleibt, dann hätte ich das Spiel ja etwas verloren.

Mir fällt gerade noch ein: meine ETFs von Ishares sind alle physisch replizierend und thesaurierend, da ich ja z.Z. noch Kapital aufbauen möchte. Soll ich bei den ggf. weiteren Käufen von ETF-Anteilen für ggf. die 60 TEUR, aber auch für die weiteren Gelder aus dem zukünftigen  Aktienverkauf (Lottoaktie), den Lebensversicherungen und Hausverkauf besser zwar physisch replizierende aber jetzt dann „ausschüttende ETF“ kaufen? Dann brauche ich später evtl. keine bzw. nicht ganz so viele Anteile zu verkaufen?

Ich wäre wirklich sehr froh, wenn man mir hier mit Vor- und Ratschlägen behilflich sein könnte.

Vorab schon mal vielen lieben Dank an Dich und alle sonstigen Mitleser für Eure Meinungen.

Wünsche Euch allen Gesundheit, Freundschaft und Liebe und Erfolg bei Euren Zielen.

Einen schönen Abend und LG

Gerda

 

Hallo Gerda,

danke für Deinen Brief. Das ist ein ganzer Wust an Informationen, die wir zuerst ein wenig sortieren müssen.

Als Erstes

Höre bitte auf, Dich unter den Scheffel zu stellen!

Jeder Mensch sollte zwar sein eigenes Handeln schonungslos analysieren aber wenn eigene Schwachstellen gefunden sind, geht es neben der Verbesserung auch darum, sich selbst für die vergangenen Fehler zu verzeihen und positiv nach vorne zu schauen.

Die Vergangenheit kannst Du nun nicht mehr ändern.

Was Du aber tun kannst, ist gut auf Dich aufzupassen. Und das kannst Du nur, wenn Du Dich selbst schätzt und gut über Dich denkst und redest!

 

Außerdem gibt es zum Trübsal blasen keinen Grund

Als Lebensleistung bist Du seit vier Jahrzehnten angestellt, hast dabei für Dich selbst gesorgt. Und wenn Du einmal die ganzen Geldkörbe plus Immobilie und Lebensversicherungen von Dir zusammenrechnest, sprechen wir bei Dir aktuell schon über mehr als 350.000 Euro Gesamtvermögen, dass jetzt jährlich weiter wächst.

Du hast Dir damit mehr Vermögen erschaffen, als die meisten Deiner Landsleute.

Natürlich wäre mehr möglich gewesen. Aber das wäre es bei jedem von uns. Was zählt ist nun das hier und jetzt und die richtige Planung für Deine kommenden Jahrzehnte in selbstbestimmter Freiheit.

Teilen wir Dein Thema in zwei Bereiche.

 

1. Gesetzliche Rente und

2. Dein privates Vermögen

 

 

Deutsche gesetzliche Rente:

Freiheitsmaschinenleser wissen: Die gesetzliche Rente ist sicher! Die Rentenleistungen werden in den nächsten zwei Dekaden nicht nur die Inflationsrate ausgleichen sondern sehr wahrscheinlich noch zusätzliche leichte Realrentensteigerungen aufweisen.

Da wir positiv denken aber konservativ planen, rechnen wir hier „nur“ mit dem Inflationsausgleich. Das heißt, die aktuellen Geldsummen werden mit gleicher Kaufkraft für die Planung Deiner Zukunft verwendet.

 

Grundsätzlich

Für Menschen die z.B. wegen des nicht anrechenbaren Studiums auf keine 45 Rentenbeitragsjahre kommen (wie z.B. ich auch) lohnt sich aus finanzieller Sicht fast immer die frühere Rente mit 63 (wenn man die dadurch entstehende Rentenlücke dann anderweitig schließt).

Die dadurch auftretenden Abschläge von jährlich 3,6% auf die vorhandenen Rentenpunkte in Kauf zu nehmen, „lohnt“ sich schon rein nominal bis zu einer Lebenserwartung von 90 Jahren (Rechnung: 1,0 x 24 Rentenbezugsjahre ist weniger als 0,964 x 25 Rentenbezugsjahre).

Selbst wenn jemand dann noch einige Jahre länger lebt, hat früheres Geld einen höheren Wert, da es erstens nach Kapitalertragsrechnung wieder verzinst werden kann und zweitens die allermeisten Mittsechziger noch mehr mit Geld anfangen können als ein Mensch während seiner letzten Lebensjahre.

Was die Sachlage in Deinem Fall ändert, ist die Sonderregelung für besonders langjährig Versicherte mit 45 Rentenbeitragsjahren, die Du in Anspruch nehmen kannst.

Die „jährliche Steilheit“ der Ab- oder Zuschläge erhöht sich dadurch bei Dir von den angesprochenen 3,6% pro Jahr auf jährlich 7,9 Prozent zwischen einer frühen Rente mit 63 und Deiner abschlagsfreien Rente mit 64,66 Jahren (für alle ab 1964 geborenen liegt dieser Punkt bei 65 Jahren und damit bei jährlich 7,2% mehr/weniger Abschlag im Vergleich zur Rente mit 63).

Dadurch liegt Dein persönlicher break-even, bei dem sich die frühe Rente mit 63 im Vergleich zur Abschlagsfreien mit 64,66 nicht mehr lohnt, schon bei 76 Lebensjahren. Und das übertriffst Du als nichtrauchende 56 jährige Frau statistisch ohne jede Anstrengung um mehr als eine Dekade.

Das heißt in dem Punkt gibt es eine klare Empfehlung von mir:
Abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte mit 64 Jahren und 8 Monaten anstreben.

 

Freiwillige Renteneinzahlungen

So zu tun als würdest Du mit 63 in Rente gehen, die dadurch auftretende Rentenkürzungen mit eigenen Zahlungen per Antrag ausgleichen und schließlich dann doch später in Rente zu gehen (in Deinem Fall mit 64,66 Jahren), steht Dir natürlich auch zu.

Regel

Da Du diese freiwilligen Nachzahlungen aktuell schon zu 86%, nun jährlich steigend und ab 2025 komplett von der Steuer absetzen kannst und Deutschland eine progressive Einkommenssteuer hat, nimmst Du im Falle des Falles keine Einmalzahlung vor, sondern Du verteilst diese freiwilligen Einzahlungen über möglichst viele Jahre (bis zu Deinem (dann nicht stattfindendem Rentenbeginn mit 63). Das senkt über diese Jahre Deine Gesamtsteuerbelastung.

Solltest Du das tun?

Die ca. 55.000 Euro, die Du über die nächsten 7 Jahre dafür einzahlen würdest, kannst Du als Mischwert zu etwas mehr als 90% von der Steuer absetzen. Dein Grenzsteuersatz bei einem Jahres brutto von aktuell 39.000 Euro beträgt nach Krankenkassenabzug ca. 32%. (Der mittlere Steuersatz des abzugsrelevanten Teils ca. 30%). Das heißt, Du zahlst zwar in Summe 55.000 € ein aber durch die Steuerabsatzfähigkeit beträgt das Delta netto in Summe über diesen Zeitraum nur ca. 40.000 €.

Diese 40.000 € netto als Alternative dagegen in den Aktienmarkt investiert, würden bei einer konservativen drei Prozent Entnahme aktuell 100 Euro brutto im Monat und nach 10 Jahren in der größten Wohlstandsmaschine grob ca. 165 Euro brutto im Monat (5% Zins) erzeugen. Bei einer jährlichen 4% Entnahme (über max. 25 Jahre Entnahme auch zu 100% inflationsbereinigt sicher), wären es dann schon ca. 220 € im Monat.

Als Einzahlung in die gesetzliche Rente bringt Dir dieses Geld ebenfalls 220 Euro an zusätzlicher Rente (siehe Rechnung oben in Deinem Beitrag).

Die Steuersätze für Einkommen (Grenzsteuersatz) und Kapitalerträge (25%) sind bei Deiner Rentenhöhe ungefähr vergleichbar, das heißt Sie kürzen sich fast ganz raus und nur die zusätzlichen Krankenkassenbeiträge der Rentner bleiben als Unterschied bei pflichtversicherten Rentnern wie Dir (in Summe aktuell also ca. 10% Abgabennachteil in Deinem Fall bei der Variante Einzahlung gesetzliche Rente).

Ergebnis

Es bleibt ein leichter Vorteil Einzahlung in die gesetzliche Rente in Bezug auf die monatlich sichere garantierte Auszahlung im Vergleich zur konservativen 3% Entnahme beim Aktienmarkt (bei 4% Entnahme kein Vorteil mehr).

Dafür hast Du generell den Nachteil der Nichtvererbbarkeit dieses Vermögenteils und auch weniger finanzielle Flexibilität im Zeitraum nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben.

 

Empfehlung im Bereich freiwillige Beitragszahlungen gesetzliche Rente

Ob Du die zusätzlichen Einzahlungen in die Rentenversicherung leistet, ist in Deinem Fall eher eine persönliche Entscheidung je nachdem wie viel Vermögen Du auf der einen Seite besitzen und später vererben willst, und wie hoch Dein „Sicherheitsdenken“ auf der anderen Seite ist.

Bei Menschen die seit Dekaden routinierte Aktienanleger sind, würde ich bei Deinen Parametern zum Aktienmarktinvestment dieses Vermögenanteils raten, da er mehr Flexibilität bietet und zusätzlich vererbbar ist.

Diese Empfehlung sähe anders aus, wenn der Grenzsteuersatz z.B. bei 45% liegt und sich die Person nur wenige Jahre vor dem Rentenbezug befindet.

Für Menschen, die sich mit der Börse dagegen bisher kaum beschäftigt haben und bei einem Aktienmarktcrash dadurch eher unsicher werden, würde ich dagegen auch bei Deinen Parametern eher zu einer freiwilligen Renteneinzahlung tendieren, um sich im Extremfall vor sich selbst zu schützen. Begründung siehe unter Edelmetalle & CTSO Aktie.

 

Kommen wir zum zweiten Teil der Beratung: Dein privates Vermögen

Leseranfragen wie Deine bestehen überraschend oft aus einer ganzen Reihe von ungeordneten finanziellen Positionen in verschiedenen Geldtöpfen.

Das Ganze ist dann für mich so geschrieben, als hätte der Verfasser selbst keinen wirklichen Überblick über seine Finanzsituation. Wenn dann noch Immobilien- und Konsumkredite hinzukommen, ist es oft ganz vorbei.

 

Regel für alle Leser:

Wenn der Maschinist Dich mitten in der Nacht aus Deinem Tiefschlaf reißt und nach Deinem Nettovermögen fragt, kannst wie aus der Pistole geschossen mit einer Gesamtsumme antworten!

 

Und das ganz unabhängig davon, aus wie vielen Einzelpositionen Dein Vermögen besteht oder noch Kredite davon abgezogen werden müssen!

Wie willst Du Pläne bezüglich Deiner finanziellen Zukunft machen, wenn in Deinem Kopf zwanzig verschiedene Einzelpositionen herumschwirren, die Du selbst noch gar nicht geordnet hast?

Bei Gerda sieht das Ganze so aus

  • Immobilie     200.000 €
  • Gold & Silber 61.000 €
  • CTSO Aktie   18.000 €
  • Tagesgeld      15.000 €
  • Crowdinvest    9.000 €
  • Aktien ETF:     7.000 €
  • Schulden:        0 €
Vermögen aktuell: +310.000 €

 

Weiteres

  • Lebensvers. A  22.000 €
  • Lebensvers. B  35.000 €
  • Sparleistung       6.000 € / Jahr

Vermögen im Dezember 2026 (der Beginn der gesetzlichen Rente für besonders langjährige Mitglieder und gerechnet mit 0% Realrendite und Aufsummierung der weiteren Sparleistung bis zum Rentenbeginn):

Keine Sonderzahlungen in gesetzliche Rente: 415.000 €
Mit Sonderzahlungen in gesetzliche Rente: 375.000 €

Nichtbetrachteter Bonus: Erbanteil Ackerland  23.000 €

 

Bewertung Kapitalaufteilung

Du hast zwar ein schönes Vermögen, aber aktuell fast kein Geld in planbar Cashflow erzeugenden Investments. Deine Aufteilung so wie sie ist, taugt deshalb aktuell nicht für eine planbare Entnahmerate.

Deshalb, und auch weil (D)eine Immobilie als Hauptbestandteil langfristig statistisch nur den Inflationsausgleich schafft (und Tagesgeld meistens sogar real Geld verbrennt) rechnen wir hier als Basis konservativ mit einer 0% Realrendite bis zum Ausscheiden aus Deinem Berufsleben.

 

Gold und Silber

Die Maschinisten Familie besitzt, genauso wie z.B. Warren Buffet, Null Euro in Form von Edelmetallen. Der Grund ist, dass diese Anlageklasse über lange Sicht nur den Inflationsausgleich bringt und dabei zusätzlich noch stark schwankt.

Der Aktienmarkt bringt dagegen zusätzlich zum Inflationsausgleich seit 200 Jahren jährlich mehr als 6% an Dividenden und Kapitalerträgen. Wer braucht totes Metall, wenn als Alternative mit ein paar Klicks die größte Wohlstandsmaschine aller Zeiten für alle Menschen zur Verfügung steht.

Wenn Du jetzt z.B. schon 250.000 Euro in Gesamtmarkt Aktien ETF investiert hättest und argumentieren würdest, dass Deine Edelmetallposition zwar Deine Gesamtrendite reduziert aber dafür auch Deine Depotschwankungen, hätte ich dafür noch Verständnis.

Aber so nicht!

Diese toten Gold- und Silbermünzen machen aktuell mehr als die Hälfte Deines liquiden Vermögens aus! Das muss sich ändern.

Aber vorher musst Du Dir überlegen, wieso Du diese Münzen überhaupt gekauft hast.

 

Frage

Kanntest Du damals die viel bessere Alternativen noch nicht? Oder hast Du Dich in einem emotionalen Moment von irgendwelchen Marktschreiern dazu verleiten lassen?

Falls es letzteres ist, musst Du an Dir arbeiten und das auch berücksichtigen, wenn Du Dein Aktien ETF Depot füllst.

Sonst handelst Du auch dort wieder emotional. Und das geht bei einem Aktienmarkteinbruch, wie er mehrmals pro Dekade vorkommt, dann ins Auge.

 

Einzelaktie CTSO

Eine schöne Story – Ein Blutfilter rettet Menschenleben. Viele Biotechunternehmen sind aktuell schöne Stories.

Kann sein, dass daraus noch eine große Nummer wird aber seit mehr als 10 Jahren ist CTSO nun am Aktienmarkt und hat bisher nur das Geld der Investoren verbrannt (und die Kurse dann durch 1:10 Reverse Splits optisch wieder nach oben gezogen. Den Altaktionären half das allerdings nicht).

Wie bei der Edelmetallposition, passt auch hier die hohe Gewichtung nicht zu Deiner liquiden Gesamtvermögenssituation und von außen betrachtet bist Du hier jemandem gefolgt ohne Dir eigene Gedanken dazu zu machen.

Bei der aktiven Spekulation bist Du sehr oft das Fischfutter, wenn Du anderen Spekulanten emotional folgst und Dir selbst keine wirklichen Gedanken zu dem Trade machst.

Hast Du Deine Hausaufgaben dazu wirklich gemacht?

Wusstest Du z.B., dass CTSO aktuell deutlich mehr als die Hälfte seines jährlichen finanziellen Umsatzes einfach verbrennt? Das erfährt man nicht, wenn man nur Deinen genannten Blog liest, sondern beim eigenständigen Durchlesen der Finanzkennzahlen.

–> Job für Gerda: Edelmetalle und CTSO Aktie in der nächsten Zeit bereinigen

 

 

Tagesgeld

Ist in dieser Höhe bei Dir ok

Crowd-Investment

Kannst Du in dieser Höhe lassen, wenn es Dir Spaß macht. Aber eine Überrendite nach Steuern im Vergleich zum Aktienmarkt erzielst Du damit langfristig nicht.

Die weitere Sparleistung von monatlich 500€

Geht ab nun in die ETFs.

 

ETF Aufteilung

Im World ETF ist der US Aktienmarkt aktuell schon mit mehr als 50% Anteil enthalten. Wenn Du nun parallel noch einen S&P500 ETF besparst, erzeugst Du eine Übergewichtung des US Marktes in Deinem Depot.

Das würde ich aufgrund der relativ hohen US Aktienmarktbewertung aktuell nicht machen.

Am Einfachsten ist es den S&P500 ETF jetzt so liegen zu lassen und nur noch World ETF + Emerging Markets ETF mit einer Aufteilung von z.B. 70/30% anzusparen.

Die Lebensversicherungen steckst Du wie geplant nach Auszahlung anteilig ebenfalls in diese beiden Gesamtmarkt ETF.

 

Was ergibt all das nun in Summe?

Basisszenario

Du gehst im Dezember 2026 offiziell in die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Rentenversicherte und leistest keine zusätzlichen freiwilligen Renteneinzahlungen.

 

Deine gesetzliche Rente

1.895 € brutto ergeben für einen Rentner der im Jahr 2026 erstmalig eine Rente beantragt eine Nettorente von 1.553 € netto (86% Besteuerung der Rente eines „2026-Rentners“)

Wenn Du als Annahme in (D)einer (200k Euro) Immobilie wohnen bleibst, besitzt Du Ende 2026 ein liquides Vermögen von 215.000 €. Wenn wir die 15.000 € Tagesgeld nicht berücksichtigen, bringen die 200.000 € in den ETFs bei einer sehr konservativen 3% Entnahme monatlich 500 € brutto.

Diese mit 26,38% (Abgeltungssteuer & Soli) versteuert (wegen Vergleichbarkeit keine 2018er EU Fondsbesteuerung) sowie kein Krankenkassenabzug, da Du in der Krankenkasse der Rentner pflichtversichert bist, ergeben netto weitere 368 € an monatlichem Cashflow für Dich. Durch diese konservative Entnahme, steigt Dein Vermögen über lange Sicht weiter an und Du hast eine schöne Summe zum Vererben.

Das sind in Summe dann jährlich 23.000 € Nettoeinkommen für Dich plus Deine abbezahlte Immobilie.

Aktuell lebst Du von ca. 19.000 Euro im Jahr (25.000 € minus 6.000 € Sparleistung). Da ist also noch Luft (beim Cashflow wie auch bei der Entnahmerate in Deinem dann fortgeschrittenen Lebensabschnitt).

Und da Du sowieso möglichst früh aus dem Berufsleben ausscheiden willst, kommen wir zum Szenario:

 

Ausstieg drei Jahre vor Deinem offiziellen Rentenbeginn

Du scheidest damit also schon mit 61 Jahren und 8 Monaten aus dem Berufsleben aus (12/2023).

Du arbeitest damit genau so lange, bis Du die 45 Jahre an Renteneinzahlungen voll hast.

Und du hältst weiterhin am offiziellen gesetzlichen Rentenbeginn mit 64 Jahren und 8 Monaten fest und beantragst weiterhin keine frühe Rente mit 63, weil sich Diese in Deinem spezifischen Fall finanziell nicht lohnt.

Die drei Jahre bis zu Deinem Rentenbeginn überbrückst Du dabei mit Deinem eigenem Geld.

Durch die drei Jahre weniger an Sparleistung hast Du dadurch 18.000 Euro weniger in den ETFs. Und weil Du in diesen drei Jahren vor dem Rentenbeginn eine hohe jährliche Entnahmerate hast, brauchst Du auf dem Tagesgeldkonto mehr Geld um das Risiko einer Entnahme aus dem ETF Portfolio nach einem Crash zu vermeiden.

Der Mindestbeitrag zur Kranken+ Pflegeversicherung während dieser drei Jahre beträgt bei Dir in Summe jährlich etwas über 2.000 €, die Du zusätzlich zu Deinen 19.000 € an jährlichen Lebenshaltungskosten aufbringen musst.

Während dieses Dreijahreszeitraums sind das in Summe 63.000 €, die Dir neben den 18.000 € an verminderter Sparleistung beim Zahlungsbeginn der gesetzlichen Rente fehlen.

Diese gesetzliche Rente selbst beträgt durch drei fehlende Beitragsjahre dann „nur“ 1.790 € brutto. Das sind im Jahr 2023 dann 1.480 € netto an gesetzlicher Rente inkl. des gesetzlichen Krankenkassenabzugs.

An liquiden ETF Vermögen hast Du dann „nur“ ca. 120.000 €, die Dir konservativ monatlich 300 € brutto / 220 € netto bringen (Sparerfreibetrag nicht beachtet)

Das macht in Summe für Dich konservative 1.700 € im Monat / 20.400 € im Jahr an Nettoeinkommen.

Das würde also im Vergleich zu deinen aktuellen Ausgaben noch reichen auch wenn es natürlich einen deutlichen Vermögensunterschied gibt.

 

Arbeitslosengeld 1

Viele Menschen „optimieren“ die letzten Monate vor Ihrem Renteneintritt mit der Inanspruchnahme von ALG1, das neben einer prozentualen „Gehaltsfortführung“ auch die Krankenkassenbeiträge sowie Einzahlungen in die Rentenversicherung übernimmt.

Ob man den Weg dieser „Simulierung eines Interesses“ an weiterer Arbeitsaufnahme auf dem Arbeitsamt gehen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Nach 45 produktiven Jahren und damit Steuerzahlungen hättest Du Dir das nach meinem persönlichen Fairnessmodell definitiv verdient.

Finanziell macht das einen deutlichen Unterschied.

Falls Du diesen Weg gehen willst, beachte dass der Zeitraum der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld 1 nicht als Anrechnungszeitraum für die Rente nach 45 Beitragsjahren gilt. Diese Option hast Du also nur für den Zeitraum nach August 2023. Ansonsten verwirkst Du Deinen Sonderrentenanspruch für besonders langjährige Rentenversicherungsmitglieder.

 

Kommen wir zu Deinen weiteren Punkten

ETF thesaurierend vs. ausschüttend

Thesaurierende ETFs werden mittlerweile auch besteuert, wenn auch aufgrund des derzeit niedrigen Basiszinses im Euroraum aktuell noch geringer als ausschüttende ETF bei aktienmarktüblicher Dividende. Außerdem wird die Gesetzgebung dazu alle paar Jahre geändert.

Ich würde mich bei der ETF Auswahl deshalb auf die großen Emittenten mit niedrigen Gebühren und hohem Fondsvolumen konzentrieren und das Thema thesaurierend vs. ausschüttend danach generell als unwichtig abhaken.

Auch wenn es sich hart anhört:

Du hast in den letzten Dekaden hunderttausende Euro an Vermögensaufbau plus Rendite durch Dein Nichtinvestieren in den Aktienmarkt verpasst. Schau jetzt, dass Du dabei bist, dabei bleibst und Dein Geld nicht in Edelmetallen einfrierst oder mit Zockeraktien vernichtest!

Ob Du jetzt bei thesaurierenden Fonds 3% der Anteile im Jahr verkaufst oder bei ausschüttenden ETFs die Dividende nimmst, ist das Gleiche. Bezüglich Besteuerung wird sich die Gesetzgebung bis zu Deinem Renteneintritt wahrscheinlich sowieso noch einmal ändern. Vanguard als für mich ethischer und kundenfreundlicher Benchmark (da Genossenschaft mit den ETF Besitzern als Firmeninhabern) hat nur ausschüttende ETF.

 

Immobilienbesitz vs. Mieten

Ich weiß, diese Frage hattest Du nicht gestellt aber Sie „stellt sich bei Dir“ trotzdem.

Eine eigene Immobilie hat im Vergleich zum Mieten, und dann mehr notwendigem Cashflow aus Kapitalerträgen für die Kaltmiete, einige Vorteile (und das sage ich als aktueller Mieter).

Einer dieser Vorteile ist, dass die absolut sichere Entnahmerate von 3% bei einem ETF Vermögen von z.B. 200.000 € brutto „nur“ 500 € im Monat an Cashflow bringt.

Netto ist es aufgrund der Besteuerung dann noch ca. 25% weniger.

Wenn Du für diesen Betrag eine gleichwertige Immobilie mieten kannst, ist alles ok.

Falls nein, würde ich das Thema Immobilienbesitz noch einmal kritisch durchdenken.

Zusätzlich zur Rendite kommt bei Dir auch hier wieder das Thema relativ geringe Erfahrung im Aktienmarkt zum Tragen.

Falls Du mietest, hättest Du bis zu ca. 400.000 € in ETF, die im Falle eines temporären Crashs dann für große absolute Vermögensschwankungen sorgen würden.

 

Hältst Du das dann aus oder drehst Du dann durch und geißelst Dich selbst aufgrund Deiner Entscheidung pro Miete?

Im Extremfall verkaufst Du Dein ETF Portfolio dann nahe des Tiefpunktes in Panik und ruinierst Deine Altersplanung.

Diese Frage musst Du Dir im Vorfeld unbedingt selbst beantworten!

Wenn es dann Zweifel gibt, würde ich bei Dir dazu tendieren eine Immobilie zu besitzen, wodurch Du keine Kaltmietkosten hast. Es muss ja nicht die gleiche sein, die Du aktuell besitzt.

 

Ich wünsche Dir alles Gute für die nächsten Jahre und Deinem weiteren Kapitalaufbau! Ich hoffe und wünsche Dir auch, dass Du permanent im Aktienmarkt investierst bleibst und Dich die normalen Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen.

Es würde uns natürlich alle interessieren, wie es bei Dir weitergeht und welche Erfahrungen Du auf Deinem weiteren Weg machst!

 

Egal ob Gerda, Marsupilami oder Familie Mustermann:

Die Freiheitsmaschine bietet Lebensberatung für alle Menschen

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Spare Geld mit dem Maschinisten:
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Peter

Wieder ein sehr interessanter Artikel, dazu aber zwei Anmerkungen:

1.) Ausschüttend vs Thesaurierend:
Ich persönlich bevorzuge ausschüttende ETF (Den ACWI von Vanguard um genau zu sein). Warum? Einfach weil mich die Dividende pro Quartal daran erinnert, dass ich in produktive Unternehmen und nicht in Zettel, die zufällig Aktien heißen, investiere. Das kann man natürlich sehen, wie man will, aber ich mag den stetigen Kapitalfluss alle 3 Monate. 🙂

2.) Die Immobilie:
Ich schätze mal, dass Gerda die Immobilie aus dem einfachen Grund verkaufen will, weil sie sich die Instandhaltung und Pflege mit 65+ nicht mehr zutraut. Zudem bedarf es in der Stadt keines Autos, da man im Bestfall in der Nähe alles hat, was man braucht. Zwar ist die ersparte Miete ein großer Vorteil, nur wie sieht es aus, wenn Gerda einen Pflegeplatz benötigt und dann das Haus zwingend verkaufen muss? Dann kann es gut sein, dass sie die kalkulierten 200T als Erlös nicht realisieren wird und für deutlich weniger das Haus verkaufen muss, als gedacht. Wenn sie sich für den Verkauf entscheidet, dann doch eher, wenn sie nicht darauf angewiesen ist.

Liebe Grüße und für Gerda alles Gute und einen glücklichen Lebensabend!

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Gast
Felix

Geniale Analyse und nachvollziehbare Beratung, besser geht’s kaum. Solltest du je Vermögensberatung anbieten, gib Bescheid!

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Tulpenmanie

Zur Zeit der beste Finanzblog, weiter so!

Auch wenn ich es genauso mache, hinterlässt das Mantra du-musst-in-den-Aktienmarkt-investieren bei mir ein leichtes Geschmäckle, seit ich Taleb gelesen habe. Ist es wirklich so schlau sich komplett auf eine Anlageform zu verlassen? Im Sinne einer Risikoanalyse sollte man auch bis jetzt nicht denkbare Ereignisse mit einbeziehen, denn “seltene Ereignisse sind immer unerwartet, sonst würden sie ja gar nicht passieren” (Taleb, Narren des Zufalls). Den Menschen im Osten wurde schließlich auch 40 Jahre lang eingetrichtert, dass der Sozialismus das einzig wahre System ist, “und dann, dann kam die Wende und alles zu Ende” (Die Ärzte, Hurra).

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slowroller

Moin Maschinist!

Erstmal: Ein sehr schöner Artikel von dir, der sehr viele verschiedene Themen und Gedankenpunkte zusammen verarbeitet. Manchmal frage mich immer, ob die Gerdas, Brunos oder “Leser D” wirklich reale Personen oder imaginäre Schulungsentitäten für uns sind – im Grunde ist das aber auch total egal 🙂

Zwei Themen sind mir aber aufgefallen, auch wenn sie nicht sonderlich drastisch sind.
Die Abgeltungssteuer zahlt man natürlich nur auf den Gewinnanteil. Gerade bei Gerda, die ja recht spät mit der Börse angefangen hat, wird so wohl maximal auf die Hälfte des Verkaufserlöses (leider FIFO) steuern zahlen. Ein Punkt, der gerade bei Rentnern wichtig ist bzw. werden kann: Man hat immernoch die Veranlagungsoption, mit der man die Kapitalerträge zum vielleicht niedrigeren persönlchen Steuersatz versteuern kann. Ich kenne hier die Grenzen nicht genau – aber bei vielen Rentnern wirds dadurch nochmal deutlich weniger. Hat man viel Einkommen, Renten, Betriebsrenten, Kapitalerträge… wirds halt doch der Abgeltungssteuersatz.

Du hast die Gestaltungsoption (die eigentlich keine ist 😉 ) über das Arbeitslosengeld genannt – wenn man eigentlich ausgesorgt hat finde ich es viel Interessanter eine zeitlich geringere, vielleicht nicht gut bezahlte aber sinnstiftende Tätigkeit auszuüben. Vielleicht sucht die Gemeinde, das Tierheim oder das örtliche Senioren- oder Kinderheim für Mindestlohn eine motivierte Teilzeitkraft. Vielleicht kann Gerda aber auch in ihrem Job langsam aber sicher kürzer treten. All dieses bringt eben eine kostenlose Krankenversicherung, ein bisschen Einkommen, ein bisschen Rente, Rentenjahre und eben einen langsameren Eintritt in die schöne Rentenzeit. Ich kenne viele, die garnicht mehr unbedingt ganz aufhören sollen, wenn das Licht am Ende des Tunnels erstmal erreicht ist.

Ansonsten hast du mit den Edelmetallen und CTSO natürlich recht – gerade in dieser Lebensphase ist der Wert viel zu hoch. Ich würde 2000 Euro als Lottolos liegen lassen (verhundertfacht sich der Wert reicht das auch, oder? 😉 ) und die Differenz sowie den Großteil der Edelmetalle in ETF und Tagesgeld verteilen. So bleibt man auch auf der Guru-Investorenliste stehen und kann ihn und sich selbst beschimpfen wenns schief geht 😛

So, ich hoffe im neuen Jahr wieder auf viel unterhaltsamen Input von dir – bis dahin: Frohes Neues!

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Ulrich

Hallo Maschinist,

für das Modell “Ausstieg drei Jahre vor Deinem offiziellen Rentenbeginn” gibt es noch die Möglichkeit einer Teilrente.
Nur die Teilrente ist dann von den Abschlägen betroffen, der Vorteil besteht bei gesetzlicher Krankenversicherung, wenn die gesetzliche Teilrente eine bestimmte Bagatellgrenze überschreitet, entsteht durch die Teilrente eine Krankenversicherung zu sehr günstigen Bedingungen.
Damit ließe sich der selbstfinanzierte Übergang nach 45 Beitragsjahren und 2 Jahren ALG bis zur abschlagsfreien (nicht mehr ganz) Vollrente brücken.

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Jürgen

Wieder einmal ein super Blogeintrag von dir. Bitte mehr davon!

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Dustin

Hallo Maschinist,

ich finde diesen Beitrag auch sehr gelungen. Auch wenn die Situation bei mir in etwas weiterer Zukunft liegt habe ich auch für mich etwas aus der Situation mitgenommen.

Zur eventuellen Korrektur der Gesamtsituation muss in deiner Rechnung noch berücksichtigt werden, dass Gerda nur die Hälfte aus dem Hausverkauf zufällt und sie eventuell nicht nur ausziehen will sondern muss (zeitlich begrenztes Wohn- oder Nießbrauchrecht?).

Wie du schon geschrieben hast sollte sich Gerda im klaren sein, ob sie den Aktienmarkt wirklich aushält und sich auch von Ihrem Edelmetall und CTSO Investment trennen bzw. dieses stark verringern.

Da Gerda schon weiß wem sie das Erbe überlassen will ,bietet es sich eventuell an bei dieser Organisation/Verein auch schon vor ihrem Renteneintritt als freiwilliger Helfer tätig zu werden und die Stunden des Hauptjobs schrittweise zu reduzieren. So wäre dann ein fließenderer Übergang in die Rente möglich anstatt von 75 % (30 h Woche) auf 0 % zu fallen.

Da sie noch Geld vererben möchte, sollte sich Gerda eventuell auch Gedanken über einen möglichen (teuren) Pflegefall machen und für diese Richtung vorsorgen (Pflegeversicherung sinnvoll?). Es gibt bei uns in der Nähe z.B. Eigentums- oder Mietwohnungen mit angeschlossener Tagespflege. Gerade wenn keine Kinder und nur ein Ex-Mann vorhanden sind wird man eventuell schneller auf externe Hilfe angewiesen sein.

Viele Grüße

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Gerda

Lieber Maschinist,
liebe Mitleser,

allen zusammen erstmal noch ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
Und dann schonmal ganz herzlichen Dank für Deine Antwort und Darlegung lieber Maschinist und ganz herzlichen Dank an alle anderen Ratschlaggebende! Das ist einfach toll, dass es diese Möglichkeit gibt. Und ja, Mitleser Slowroller, mich gibt es tatsächlich in echt!

Nur kurz vorab: beim Überfliegen des Textes vom Maschinisten und der dortigen Rechenbeispiele und Möglichkeiten bzgl. des Renteneintritts und der genannten Beträge verstehe ich schon erstmal vieles nicht. Ich brauche bitte etwas Zeit. Ich habe da ganz sicher noch die ein oder andere Nachfrage.

Mit den weiteren Vorschlägen hinsichtlich Gold- u. Silberverkauf u. Erhöhung Cash-Bestand etc. stimme ich durchaus überein. Habe eben mal kurz nachgeschaut, die Gold- u Silberpreise liegen bereits jetzt über meinen damaligen Einkaufspreisen, so dass ich hier auch noch etwas mehr erwirtschafte. Warum habe ich Gold- u. Silber gekauft ?
Leider tatsächlich aus beiden vom Maschinisten genannten Gründen. Zum einen habe ich mich wohl vor allem durch irgendwelche Crash-Bücher anstecken lassen und zum anderen kannte ich noch keine Finanzblogs, YouTube oder ETFs.
Heute weiß ich es etwas besser und versuche, alles Negative zu vermeiden, dem ich ausweichen kann. Fernsehen schaue ich fast überhaupt nicht mehr und lese auch keine Finanzzeitungen mehr. Ich glaube, dass ich für den Aktienmarkt – Dank an Tim Schäfer – durchaus gefestigt bin, sein tägliches Mantra prägt sich ja gut ein. Will sagen, auch wenn alles auf rot steht, werde ich nicht verkaufen – das ist ja die goldene Gans (Bodo Schäfer).

Die Aktie CTSO war meiner “Spielerseite” geschuldet und nein, eine Aktienanalyse vornehmen kann ich nicht. Es war für mich einfach eine “Zock-Aktie”, mit der ich ggf. viel Kapital erreichen kann. Es war mir aber durchaus bewusst, dass ich das Spiel auch verlieren kann! Also, da bin ich schon selber für verantwortlich, das kann man dem garnixoderguru nun wirklich nicht zum Vorwurf machen. Man wird keine 56 bald 57 Jahre ohne irgendwelche Fehltritte und Blessuren! Da habe ich reichlich Erfahrung, ich stehe anschließend auch wieder auf! Ob es jetzt unbedingt “eine” Aktie sein musste und in dieser Anzahl, darüber kann man trefflich streiten! Ich werde mal in mich gehen und später berichten.

Ganz sicher bin ich mir, dass ich das Haus irgendwann verkaufen werde. Das hat Mitleser Peter schon richtig erkannt. Es kommen aber noch mehrere Gründe hinzu: das Haus ist für mich alleine langfristig in der Unterhaltung zu teuer hinsichtlich evtl. anstehender Reparaturen, Modernisierungen und vor allem bei den Versicherungsbeiträgen. Hausrat-, Wohngebäude u. Rechtsschutzversicherung finde ich extrem teuer, dass hatte ich alles so nicht, als ich anfangs zur Miete wohnte. Da konnte man auch die “abgespeckte” Version nehmen und manche brauchte ich gar nicht. Dann muss jedes Jahr der Gärtner kommen, weil ich eine rundumlaufende immergrüne Kirschlorbeerhecke habe, die so breit und groß ist, dass man das vom Zeit- u. Kraftaufwand gar nicht schafft. Das Geld, das man an Unterhaltung u Reparaturen etc. im Laufe der Zeit aufwenden muss, ist mir Zuviel. Dann könnte ich nichts in den Aktienmarkt anlegen, sondern bräuchte das Geld cash und weg wäre es. Außerdem bin ich nicht zeitlebens arbeiten gegangen, um dann meine endlich vorhandene “Freizeit” mit putzen und sonstigen Pflegemaßnahmen zu verbringen.
Hat jemand schonmal alte Leute im Dorf beobachtet? Da sind fast keine! Die hocken alle in ihren Häusern und kommen nicht raus! Wohin sollten Sie auch gehen?? Es ist nichts da, wo man hingehen könnte – außer dem Friedhof und der Kirche! Ja, eine Bäckerei u. 2 Gaststätten und 1 Pizzeria sind auch noch vorhanden, so oder ähnlich sehen hier alle Dörfer aus. Und dann fährt man ja ein Leben lang Auto ! Man fährt es auf dem Dorf dann auch noch mit 80 oder 90, da sage ich nur, rette sich wer kann! Nein, das steht für ganz klar seit langer Zeit fest: ich will in die Großstadt und zur Miete, also auch keine Eigentumswohnung, auch wenn sich das rechnet! Ich habe ganz einfach keine Lust mehr, mich um Eigentum zu kümmern! Für mich steht ganz klar seit langer Zeit fest, das Haus wird verkauft! Da bin ich stur und lasse nicht mit mir reden. Die Dramen mit meinen Eltern mit Ihrem “Betonklotz”, den sie natürlich nicht verlassen wollten, sind mir zu gut in Erinnerung.

Bei meinen ETFs werde ich also zukünftig nur den World u. EM besparen, den S&P 500 werde ich dann ruhen lassen.
Ob Umstellung auf “ausschüttende” ETFs, muss ich nochmal überlegen. Das ist wahrscheinlich eine “psychische” Komponente: ich kann mir vorstellen, es ist angenehmer, die Zahlungen automatisch zu erhalten als das man “Anteile” selber verkaufen muss. Vermutlich hat man dann das Gefühl, es wird immer weniger, obwohl das bei der Entnahme von 3% p.a. eigentlich ja nicht ist.

Und zwischenzeitlich hat sich auch noch wieder etwas im Leben ereignet: 1 Woche vor Weihnachten wurden wir vom Vorstand zu einer Versammlung eingeladen, um uns mitzuteilen, dass das Unternehmen verkauft wurde. Während wir also noch in der Versammlung saßen, wurde zeitgleich im Internet bereits die Mitteilung offiziell eingestellt.

Die Gerüchteküche brodelte schon seit Jahren und uns war im Grunde genommen auch klar, dass es irgendwann so kommen wird. Jetzt ist es also soweit. Bis zur vollständigen Datenübertragung wird es für die IT-ler und einige für die Abwicklung der Bestandsverträge noch bis 2021/2022 weitergehen, wir vermuten, dass die gesamten restlichen Mitarbieter entlassen werden – so auch ich. Mehr wissen wir noch nicht, ich schätze mal, dass wir bis zu meinem Geburtstag im März mehr erfahren werden. Mal sehen. Ich habe mich mental in den letzten Jahren darauf vorbereitet und eingestellt, bei mir überwiegt – jedenfalls noch – die Freude, endlich dort rauszukommen. Ich hoffe, dass die älteren Mitarbeiter eine Abfindung oder Altersteilzeit angeboten bekommen, das sind dann weitere Themen, um die ich mich kümmern muss. Ist noch zu früh, da uns noch keine weitere Mitteilung gegeben wurde. Ich werde weiter arbeiten, nur halt dann nicht mehr in meinem alten Beruf und natürlich nicht mehr mit den jetzigen Einkünften. Ich bin mir sicher, dass ich Arbeit finden werde, trotz meines Alters. Meine jetzige Tätigkeit hängt mir zum Hals raus und daher auch die Angabe, dass ich die frühestmögliche Rente mit 63 Jahren gerne in Anspruch nehmen würde.

Allen noch einmal vielen Dank für die Hilfe, ich melde mich noch einmal, wenn ich mich mit den vom Maschinisten gemachten Angaben zum Renteneintritt u. Beträgen auseinandergesetzt habe.

Bis dahin, einen schönen Abend und liebe Grüße

Gerda

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Katrin

Hallo Gerda,

hier noch eine Stimme, die persönlich auch ausschüttende ETFs präferiert, obwohl es rechnerisch keinen Unterschied macht. So wie Du Deine bisherige Anlage und Vermögensaufteilung beschrieben hast, könnte ich mir vorstellen, dass es für Dich stressfreier ist, zumindest eine Einkommens-Basis aus den Ausschüttungen zu haben, und nicht Anteile verkaufen zu müssen, wenn die Kurse gerade unten sind.

Und falls Du Dich dafür entscheidest, lass Dich nicht von den Kommentaren in einigen Blogs verrückt machen, die dieses Vorgehen als Denkfehler darstellen. Ich investiere schon sehr lange und auch nicht nur am Aktienmarkt und halte es für extrem wichtig, dass man eine Strategie findet, mit der man sich selber auch langfristig wohlfühlt. Sonst hält man sie nämlich nicht durch und erzielt die hohen durchschnittlichen Renditen einer Langfrist-Anlage weder thesaurierend noch ausschüttend ;-).

Alles Gute und einen spannenden Neuanfang, falls es sich bei Deinem Job wirklich so entwickelt wie Du annimmst.

Katrin

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Waldemar

Hallo,

eine interessante Analyse zu einem nicht leichten und komplexen Thema.
Ich habe jedoch eine Anmerkung:

Ab einem gewissen Alter sollte man meines Wissens nach nicht mehr pur in ETF Geld investieren. Statistisch gesehen steht die nächste Wirtschaftskrise irgendwann vor der Tür. Im Worst-Case Szenario kann es nach der Rezension auch durchaus 4-5 oder gar 7-8 (wie bei der Dotcom Blase) dauern, bis der gemeine Anleger den Vermögenswert vor der Krise wieder erlangt hat.

Es sollte zumindest die Überlegung im Raum stehen, einen Teil in sogenannte Rentenfonds / Anleihen zu investieren bzw. umzuschichten.

Viele Grüße
Waldemar

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Gerda

Hallo Maschinist,
hallo @all,

Dank an Euch alle, die mir hier helfen!

Meine Vorgehensweise:

a) Verkauf von Gold- u. Silberunzen komplett zur teilweisen Einzahlung in die GRV (gestreckt auf die nächsten Jahre) , weitere ETF-Käufe, Cash-Anteil auf Tagesgeld (für die jährlichen Einzahlungen in die GRV, auch wenn es dort keine Zinsen gibt, ich fühle mich damit wohler; die genaue Aufteilung überlege ich mir noch)

b) Verkauf der Aktie CTSO komplett, dafür Kauf weiterer ETF-Anteile

c) Besparung zukünftig nur noch ETFs World und EM im Verhältnis 70/30 und

Umstellung der beiden ETFs auf ausschüttend anstelle von thesaurierend, (Danke Peter u Katrin, ich glaube, dass ich mich später damit wohler fühlen werde)

d) ETF S&P500 ruhen lassen und nicht weiter besparen

e) die 9 TEUR + Zinsen vom Crowd-Invest werde ich bis zu den jeweiligen Abläufen einsammeln und wenn alle beendet sind, wird der Betrag zum Kauf weiterer EFT-Anteile verwendet.

f) die in 2022 und 2026 auslaufenden Lebensversicherungen werden ich hauptsächlich anteilsmäßig in die beiden ETFs stecken, vielleicht noch ein kleiner Betrag für Cash zurückhalten, je nachdem, wie hoch in 2026 mein Cash-Bestand ist

g) es bleibt dabei, das Haus werde ich später verkaufen Ich werde keine Eigentumswohnung kaufen, da ich mit Sicherheit auch keine kleine ETW in der Großstadt zu einem vernünftigen Preis werde kaufen können. Ich nehme lieber ggf eine hohe Kaltmiete in Kauf.

@ Dustin: das Haus gehört mir alleine, wie der Maschinist schon schrieb, geht es nur um die spätere Aufteilung/Anlage des Kapitals aus dem Verkauf. Da hatte ich überlegt, 50% wieder in die ETFs zu schieben und 50% cash vorhalten. Je nachdem, wo ich später dann stehe, werde ich dies genauer abschätzen können. Dein Hinweis mit den Mietwohnungen mit angeschlossener Tagespflege ist genau richtig, das habe ich auch schon bedacht, werde die konkrete Überlegung erst anstellen, wenn ich mir eine Mietwohnung suchen muss und das Haus verkaufe. Ich stelle mir da ganz grob eine schön zentral und verkehrsgünstig und natürlich trotzdem im Innenbereich – parkähnlich angelegt – liegende Seniorenanlage vor, die Einzel- oder Zweizimmerwohnungen zur Miete als “betreutes Wohnen” anbietet. Man hat dann praktisch seine eigene Mietwohnung, kann aber einzelne Leistungen zubuchen und man darf die Gemeinschafts-/Geselligkeitsräume oder was da sonst angeboten wird, nutzen. Aktuell weiß ich von einer Frau, die in der Stadt, wo auch ich hinwill, so eine Wohnung in der Anlage für einen Mietpreis von ~ 20 EUR/qm gemietet hat, das wird später dann noch etwas mehr werden. Es steht dann erstmal auch die Entscheidung an, ob ich mir zunächst noch auf dem freien Mietmarkt eine Wohnung suche und dann erst später eine Wohnung mit betreutem Wohnen miete.
Später habe ich vor, ehrenamtlich etwas zu arbeiten. Aber ein Zusatzverdienst ist zumindest hier auf dem Dorf erstmal nicht zu verwirklichen: für mich wäre es das Tierheim, die meisten ehrenamtlichen Helfer dort zahlen aber die “Aufwandsentschädigung” wieder ans Tierheim zurück, weil die ohnehin immer zu wenig Geld haben. Oder eventuell die “Tafel”, da wird es hier aber ähnlich aussehen. Wie das jeweils in der Stadt aussieht, weiß ich nicht, werde ich dann später sehen. Danke für Deine Anmerkungen und Hinweise.

@ Waldemar:
ich erhalte ja später noch aus dem Hausverkauf Cash zurück, wieviel überlege ich mir dann erst. Rentenfonds/Anleihen werde ich aber definitiv nicht haben wollen, ich bleibe dann bei den ETFs World u. EM sowie Tagesgeld. Danke Dir.

Bezüglich meiner Rente schreibe ich gleich einen weiteren Beitrag. Jetzt erstmal draußen die Vögel füttern, meine Katzen und mich versorgen, dann wieder hier weiter. :-))

Danke an alle. Bei der Rente blicke ich nach wie vor nicht durch; Schande über mein Haupt! ;-))

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Natman

Hi Gerda,

ich bin bei a) über das Thema mit den Gold- und Silbermünzen gestolpert. Sind es eher Standard-Münzen (Bullion) oder besonderere z.B. farbig, Kleinstserien oder auch Polierte Platte? Wenn ja dann kann man bei Bedarf mehr Geld daraus machen. Ich habe als kleines Hobby eine Münzsammlung und habe auch einige Münzen gewinnbringend verkaufen können. Wenn du magst, kannst du mir eine Liste mit deinen Stücken nennen bzw. vielleicht kann ich auch etwas brauchen 😉

Beispiel: Es gibt kanadische Münzen, die in 5 Unzen Silber Größe teils einen Sammlerpreis von ca. 400 Euro haben, wobei der reine Silberpreis bei um die 100 lag. Wenige Stücke < 1000, dann noch Goldapplikation beidseitig mit rotgold)

Aktuell scheint Gold und Silber in 2019 etwas nach oben zu gehen, ich denke wir haben die tiefsten Preise da gesehen.

Wenn es Standardmünzen sind, bekommt man nur den Goldpreis mit einem kleinen Aufschlag.

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Gerda

Hallo Natman,

hatte eben schonmal geschrieben, das ist wohl im Nirwana verschwunden.
Nein, ich habe nur normale 1 Unzen Kapitalanlagemünzen, Krügerrand und Maple Leaf.
Der Gewinn aus dem Verkauf ist steuerfrei, da ich die Münzen ja bereits vor einigen Jahren gekauft habe.

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Gerda

Hallo Maschinist,
hallo Mitleser,

hier noch einmal die Angaben zu meiner Rente, die ich von der Rentenberatungsstelle erhalten habe:

a) Frührente mit 63 Jahren ab 01.04.2025 mit Abzug von 13,2% erhalte ich:
Brutto: 1.905,00 EUR
Netto: 1.470,00 EUR

b) Frührente mit 63 Jahren ab 01.04.2025 bei freiwilliger Einzahlung von 60 TEUR ohne Abschlag:
Brutto: 1.905,00 EUR
Netto: 1.695,00 EUR

c) Rente für besonders langjährig Versicherte (erreiche ich am 01.08.2023) kann ich erst ab dem
01.12.2026 erhalten und zwar dann:
Brutto: 1.975,00 EUR
Netto: 1.757,00 EUR.

Ich habe das beim Rentenberater so verstanden, dass die vorgenannten Beträge dann gelten, wenn ich weiterhin wie bisher arbeite und in etwa gleicher Höhe verdiene. Das setzen wir trotz aller Unwägbarkeiten mal voraus, ich werde mich jedenfalls bemühen.
Habe ich das so auch richtig verstanden, d.h. ich kann mit den o.a. Nettobeträgen rechnen?

Mir wäre es für mein Sicherheitsgefühl wichtig, die Einzahlung in die GRV zum Ausgleich der Abschläge zu tätigen anstatt diesen Betrag in die ETFs zu stecken. Zudem reduziert sich ja die einzuzahlende Summe von 60 TEUR, die ich in jährliche Tranchen splitte, noch durch die Steuerersparnis aufgrund der Absetzbarkeit als Altersvorsorgeaufwendungen.

Der Differenzbetrag liegt zwischen a) (Rente mit Abschlag) und b) Rente ohne Abschlag mit freiwilliger Einzahlung in die GRV bei monatlich netto 225,00 EUR.

Bei Anlage der Summe (60 TEUR zu 5% für 6 Jahre) in ETFs und anschließender Entnahme von 3% ab, sagen wir, Mitte 2025 erhalte ich ungefähr genau soviel, nur das das Kapital dann noch zum Vererben vorhanden bzw. ich finanziell flexibler wäre.

Aber wie bereits oben erwähnt, wäre es mir für diese Summe wichtig, die sicher zu haben. Zum Vererben bleibt ja dennoch genügend übrig, da die weiteren Beträge ja auch noch später dazukommen und sollte ich tatsächlich ü/100 werden, liegt das Kapital ja auch noch lange genug, um anzuwachsen.

Ist das ungefähr so richtig, wie ich das aufführe? Der Maschinist schrieb ja, das es in meinem Fall eher eine persönliche Entscheidung ist, je nachdem wie viel Vermögen ich besitzen und vererben will oder eben wie hoch mein Sicherheitsdenken ist. In diesem Fall bevorzuge ich die freiwillige Einzahlung.

Nun zu Punkt c) die Rente für besonders langjährig Versicherte ab dem 01.12.2026 (dann 64,8 Jahre alt). Die 45 Jahre erreiche ich am 01.08.2023, wenn alles gut geht.

Hierzu verstehe das vom Maschinisten unter “Ausstieg drei Jahre vor Deinem offiziellen Rentenbeginn” und “Arbeitslosengeld I” Geschriebene nicht so richtig.

Ich könnte also mit Erreichen der 45 Berufsjahre ab dem 01.12.2023 (mit 61 Jahren u. 8 Monaten) noch vor dem Beginn der Rente mit 63 aufhören zu arbeiten? Schön wär´s ja!

Dann müsste ich die Zeit zwischen dem 01.12.2023 bis zum 01.12.2026 privat mit eigenem Geld überbrücken. Das sind volle 3 Jahre. Und hier verstehe ich nicht so richtig, woher ich dieses Geld dann nehmen soll? Wenn ich doch meine Arbeitstätigkeit zum 01.12.2023 beende, erhalte ich doch kein Gehalt mehr, dann kann ich auch keine 500 EUR mehr sparen? Für die 3 Jahre bräuchte ich dann ein Summe von ca. 81 TEUR mit KV/PV-Beitrag. Dann reduzieren sich auch die oben aufgeführten Rentenbezüge zu a) und b), da ja dann ab 01.12.2023 nichts mehr in die Rentenkasse einzahle.
War das so gemeint, dass ich die 60 TEUR eben nicht freiwillig in die GRV einzahle, sondern sofort in ETFs anlege, um dann schon ab dem 01.12.2023 mit der 3%-igen Entnahme zu beginnen? Wäre es da wegen der geringen Jahresanzahl nicht besser, es direkt auf dem Tagesgeldkonto vorzuhalten?

Oder soll ich mich ab dem 01.12.2023 arbeitslos melden, um ALG I zu beziehen? Ich weiß ja nicht, wie es zukünftig berufsmäßig kommt, aber wenn ich selber kündige, habe ich ja erstmal eine Sperre. Ich hätte jetzt keine moralischen Bedenken, das ALG I in Anspruch zu nehmen, aber ich bin nicht sehr geschickt im persönlichen Umgang oder Verhandeln. Wahrscheinlich bin ich dann der Tuppes, der die 2 Jahre mit irgendwelchen Kursen, Fortbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verbringen muss. Erhält man dann überhaupt noch das ALG? Nicht, dass ich noch in einem 1-Euro-Job lande. Mit einer evtl. Krankschreibung wird das glaube ich auch eher schwierig, da ich tatsächlich bis jetzt keinen Hausarzt oder sowas habe und bisher auch noch nicht krankgeschrieben wurde. Aber da werde ich ja dann durchmüssen.

Habe ich das richtig verstanden: wenn ich diesen Weg beschreiten sollte, also Beendigung meiner Berufstätigkeit zum 01.12.2023, dass ich mich dann arbeitslos melden kann, ALG I beziehe für max. 2 Jahre, mich dann aber wieder spätestens zum 31.12.2025, bei der Arbeitsagentur abmelde, um dann später ab dem 01.12.26 die Rente für besonders langjährig Versicherte anzutreten? Dann bräuchte ich doch eigentlich nur 1 Jahr mit privaten Geldern überbrücken?
Und kann ich auch noch einmal zum Rentenberater gehen, dort angeben, dass ich zum 01.12.2023 aufhöre zu arbeiten, um mir dann die konkreten Brutto-/Nettorentenbeträge für die Rente für langjährig Versicherte ab 01.12.2026 mitteilen zu lassen oder ist das zu auffällig?
Die mtl. Bruttorente liegt dann lt. Maschinist bei nur 1790 EUR (netto 1480 EUR), das ist schon arg wenig, es fühlt sich nicht gut an.

Da stehen noch eine Menge Überlegungen und Entscheidungen bei mir an! Ich werde zunächst auch erstmal die aktuellen Entwicklungen bei mir auf der Arbeit bzgl. Angebote zur Altersteilzeit oder Abfindungszahlung abwarten, wenn wir überhaupt noch was angeboten bekommen. Und damit erstmal zum Rechtsanwalt gehen.

Tut mir leid, dass ich hier so viel Mühe mache.

Ich berichte zu gegebener Zeit weiter.

Einen schönen Abend.

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Blaustrumpf

Hallo, ich bin erst heute auf diese Seite gestoßen und habe mich gleich angemeldet, weil ich begeistert bin über die Beratung für Gerda. Ich (62) gehöre ebenso zu dieser älteren und leider uninformierten Generation. Auch ich war schön fleißig und werde als Belohnung eine magere Rente bekommen. Zum Glück habe ich jetzt etwas geerbt. Nur beruhigt mich das Geld komischerweise nicht. Im Gegenteil, ich möchte es auf keinen Fall in den Sand setzen und weiß nicht wie. Das bereitet mir – wie Gerda – schlaflose Nächte, aber es hat mich dazu gebracht mich endlich mt dem Thema Geldanlage zu befassen. Sonst wäre ich nicht hier gelandet. Ich hege die Hoffnung, dass mir hier geholfen wird. Ich grüße alle Mitglieder und wünsche einen relaxten Abend. Blaustrumpf