Rentenreform der Freiheitsmaschine

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Nachdem wir im ersten Teil gezeigt haben, wie die gesetzliche Rente aufgebaut ist und das es durch das Wirtschaftswachstum trotz der demographischen Situation zu weiteren realen Einkommenssteigerungen für zukünftige Rentenbezieher kommen wird, ist eines trotzdem klar:

Die deutsche gesetzliche Rente ist nicht perfekt

In der Nachkriegszeit war dieses Umverteilungssystem die beste Lösung, da beim Durchschnittsbürger damals kein Vermögen mehr vorhanden war und den damaligen Rentnern dadurch eine Lebensgrundlage gegeben wurde.

Auch heute ist die Idee der Generations-Solidarität und des finanziellen Ausgleichs prinzipiell gut aber aus dem Blickwinkel der damit erreichbaren Gesamtrendite verdient das Konstrukt nur eine ausreichende Bewertung.

Das heißt nicht, dass es deutlich schlechter geht.

Alternative Rentenprodukte wie Riester und viele private Rentenangebote mit hohen Gebühren und Garantieverzinsungen um die Nulllinie (und damit als Ergebnis einer Rendite deutlich unterhalb der gesetzlichen Rente) bekommen vom Maschinisten die Note ungenügend.

Gerade über längere Laufzeiten lohnt sich so etwas trotz staatlicher Förderung aktuell nur für wenige Menschen.

 

Konzentrieren wir uns deshalb heute auf die gesetzliche Rente und deren Verbesserungsmöglichkeiten

Gibt es diese Verbesserungsmöglichkeiten für die Masse der Bürger überhaupt?

Ja, die gibt es. Und wenn man dem Ergebnis vorweg greift, könnte man das System mit wenigen Maßnahmen mittel- und langfristig für die breite Bevölkerung attraktiv gestalten ohne die Belastung der Bürger in der „Einzahlungsphase“ nennenswert zu steigern.

 

Die Leitplanken

Da die deutsche gesetzliche Rente aktuell eine reine Umverteilungsmaschine ist, bei der die junge Generation die Rente der heutigen Rentner bereitstellt, kann selbst bei homogener Bevölkerungsstruktur immer nur der direkt umverteilte prozentuale Anteil der aktuellen Wirtschaftskraft des Landes zur Verfügung stehen.

Und wenn sich die demographischen Parameter verschlechtern, wie es aktuell in großen Teilen der westlichen Welt der Fall ist, dann ist auf diese prozentual umverteilte Wirtschaftsleistung pro Rentner noch ein Abschlag notwendig, da sich das Verhältnis zwischen Einzahlern und Rentenbeziehern verschiebt.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Wie wir im ersten Teil der Rentenreihe gesehen haben, wird das weitere Wirtschaftswachstum in Deutschland diesen Abschlag voraussichtlich mehr als ausgleichen, so dass es zu weiteren realen Einkommenssteigerungen der Rentner kommen wird.

Es wird bei dieser Entwicklung trotzdem zu Spannungen in der Bevölkerung kommen, da sich durch die mittels Nachhaltigkeitsfaktor schon erfolgte und in Zukunft stärker auftretende Absenkung des prozentualen Rentenniveaus, das Delta-Einkommen im Vergleich zur arbeitenden Bevölkerung vergrößert.

 

Auch in den nächsten Dekaden werden die Menschen, wie immer in einem marktwirtschaftlichen System, fast alle wohlhabender.

Aber ohne ein Gegensteuern der arbeitende Teil der Bevölkerung dabei prozentual mehr als die Rentner.

Und da wir Menschen uns mit unserer direkten Umgebung vergleichen aber kaum mit dem Rest der Welt oder der Generation zuvor, werden Menschen einen Mangel fühlen.

 

„Victor Marie Hugo: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist!“

 

Ok – Die Demographie können wir nicht ändern. Was könnte man also tun um die langfristige Rendite der Rente trotzdem deutlich zu steigern ohne die aktuellen Rentenzahlungen zu gefährden?

Wir fügen eine Kapitalmarktkomponente hinzu!

Als Vorbild kann hier das schwedische Rentensystem dienen bei dem ein kleiner Anteil der aktuellen Rentenabzüge der arbeitenden Bevölkerung nicht direkt an die Rentner weiter verteilt wird, sondern in einen staatlichen Anlagefonds personenbezogen investiert.

Mögliche Ausgestaltung:

Vorab: Bei der Ausgestaltung eines solchen Kapitalmarktfonds ist es wichtig, dass die hiesige Finanzindustrie nicht wie bei der Riester Rente die Rahmenbedingungen diktiert, sondern es muss per Gesetz eine gebührenfreie Anlage in einem weltweiten Equity Fonds sein, der am Besten zu 100% aus Aktien besteht.

  • Da die Rentenzahlungen an die derzeitigen Rentner nicht sinken dürfen, ist eine leichte Erhöhung der Rentenbeiträge notwendig.
  • Aktuell werden 18.6% des Bruttolohns bis zu einer Grenze von 78.000 Euro pro Jahr für die gesetzliche Rentenversicherung einbehalten (die Hälfte dieser 18.6% bezahlt bei nichtselbständig Beschäftigten der Arbeitgeber).

 

Erster Vorschlag der Freiheitsmaschine zur Nachhaltigkeit der deutschen Rente:

Erhöhung des Beitragssatzes von aktuell 18.6% auf 20.6%. Das heißt Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben jeweils 1% zusätzlichen Aufwand. Da dieses Geld aus dem Brutto entnommen wird und die Rentenbeiträge voll steuerabzugsfähig sind, beträgt die Nettolohnreduzierung daraus je nach Steuersatz nur ca. 0,55 – 0,75%.

Ein guter Zeitpunkt diesen Zusatzbeitrag einzuführen, wäre beim kommenden Abbau des Solidaritätszuschlag (für hoffentlich alle Bürger und Unternehmen) um in Summe eine Zusatzbelastung mindestens auszuschließen.

Ergebnis:

Ein kleiner Teil der Rentenbeiträge wird in Zukunft also direkt gebührenfrei und aus dem Bruttogehalt in die größte Wohlstandsmaschine aller Zeiten investiert und kann dort dann steuerfrei wachsen.

Was bedeutet das z.B. für unseren Eckrentner?

Aktuell gibt es bei einem jährlichen Bruttolohn von 37.873 Euro bei dadurch insgesamt 18.6% Einbringung in die Rentenversicherung einen Rentenpunkt im Wert von 32.03 Euro Rente pro Monat.

Hätte dieser Arbeitnehmer auch in den letzten 40 Jahren dieses (inflationsbereinigte) Eckrentengehalt verdient, würde er nun zum Renteneintritt eine Rente von 1.281 Euro erhalten.  Damit kann man zwar besonders inkl. einer abbezahlten Immobilie leben. Aber so richtig prall ist das nicht. Und das besonders wenn der andere Ehepartner wie so oft in der westdeutschen Vergangenheit kaum eigene Rentenanwartschaften aufgebaut hat.

Würden nun alternativ die vorgeschlagenen 2% des Bruttolohns (insgesamt durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer) monatlich in einen gebührenfreien Staatsfonds mit 100% Aktien ähnlich eines passiven Welt ETF investiert, dann würden aus diesen monatlichen 63 Euro Einzahlung in diesen Fond über 40 Jahren bei einem Zinssatz von 6.5% nach Inflation wie in den letzten 200 Jahren im US Aktienmarkt ein Endwert von ca. 137.000 Euro inflationsbereinigt für unseren deutschen Eckrentner daraus werden.

Dieses Geld könnte dann vor Rentenbeginn teilweise in ein schwankungsarmes Produkt mit geringerem Aktienanteil überführt werden, dass die Inflationsrate ausgleicht und das dann über die statistisch nächsten ca. 20 Jahre Rentenbezugszeit ausbezahlt wird.

Wenn man diese 137.000 Euro auf 20 Jahre aufteilt, kommen wir auf monatlich 570 Euro zusätzlich zur normalen Rente von 1.281 Euro, also auf insgesamt 1.851 Euro. Unser deutscher Eckrentner ist also von einer kargen Rente ausgehend zu einer 44% höheren Rentenauszahlung gekommen und das mit einem Bruttomehreintrag von nur 10,7% (20,6/18,6). Und Netto ist die Belastung während der Ansparphase durch die Bruttogehaltsentnahme natürlich noch geringer. Und wenn man es gegen das Abschmelzen des Solidaritätszuschlages gegenrechnet ist die zusätzliche Belastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber kleiner als null.

Wie bei der normalen Rente auch, könnte der deutsche Staat dabei relativ einfach eine Zahlungsgarantie bis zum Lebensende geben, indem dieses Geld nach Renteneintritt rechtlich in einen Topf geworfen wird und Rentner die lange Leben von den Menschen die früh sterben mitfinanziert werden.

Die Rentenprobleme der aktuell jungen Generation wären damit also gelöst und auch die wahrscheinlich notwendigen Beitragssteigerungen für die normale gesetzliche Rente nach ca. 2030 könnte so zum Teil abgemildert werden.

„Warum wird dieser Punkt nicht sofort umgesetzt obwohl das Modell schon aus anderen Ländern bekannt ist?“

Dazu muss man sich die wirkliche Stellenbeschreibung eines Politikers ansehen.

Der Vorgesetze eines Politikers ist der Querschnitt seiner aktuellen Wähler. Um diesem Wähler möglichst gut zu gefallen, schaut sich ein Politiker die aktuellen Sorgen seines durchschnittlichen Wählers an.

Dieser ist zumeist von kurzfristigen Interessen geleitet und ein kurzfristig denkender Mensch sieht erst einmal die Mehrbelastung (auch wenn Sie gering ist). Zweitens wäre der Rentenvorteil für die aktuell schon älteren Arbeitnehmer natürlich deutlich geringer, da hier der Zinseszins deutlich weniger wirken kann.

Gesetze, die erst in mehreren Dekaden sehr positive Auswirkungen haben, stehen bei Politikern rein systembedingt nicht besonders hoch im Kurs.

Besonders Politiker des linken politischen Spektrums haben außerdem gar kein wirkliches Interesse die eigenen Wähler finanziell unabhängiger zu machen, da diese dadurch in Zukunft viel weniger bedürftig sind. Das ist eine große berufliche Gefahr für diesen Politiker, der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, die Ängste und Sorgen seiner Wähler zu bedienen.

 

Um ein solches Gesetz einzuführen, bedarf es also der Gunst der glücklichen Gelegenheit.

Das ist entweder eine besonders vorteilhafte Situation wie z.B. das kleine Zeitfenster der deutschen Wiedervereinigung oder auch die überraschende Einführung der deutschen Schuldenbremse durch die große Koalition.

Oder ein Staatsmann fasst sich irgendwann ein von seinem Gewissen getriebenes Herz und setzt ein solches Gesetz auch gegen persönliche Nachteile um. Wie z.B. Gerhard Schröder bei den Sozialmarktreformen.

Diese haben Ihn das Amt und seiner Partei die Wiederwahl gekostet aber das Land und damit uns Bürger langfristig vorangebracht. Es kann sich vielleicht niemand mehr an Arbeitslosenraten von mehr als 11% bei einem gleichzeitig völlig verkrusteten Arbeitsmarkt erinnern. Aber Anfang der letzten Dekade war genau das in Deutschland Realität und nicht umsonst wurde dieses Land damals von seinen europäischen Nachbarn als „Der kranke Mann Europas“ bezeichnet.

Also nochmal danke Hr. Schröder!

 

Langfristig hätten wir die gesetzliche Rente mit dieser Reform also gesundet und der Generationenvertrag bliebe trotzdem erhalten.

Was wir jetzt noch brauchen ist eine mittelfristige Lösung gegen die sich abzeichnende deutliche Erhöhung der Anzahl von Menschen die später in die Grundsicherung fallen, weil Sie zwar lange gearbeitet haben aber aufgrund niedriger Löhne trotzdem nicht genug Rentenpunkte aufgebaut haben.

Der Maschinist hat hier eine klare Meinung:

Die Grundsicherung für Rentner ist absolut unwürdig für Menschen die Dekaden lang gearbeitet haben! Diese Menschen werden dadurch zu Bittstellern degradiert, die vor einem solchen Leistungsbezug den Großteil Ihres Vermögens auflösen müssen und dann während des Bezuges selbst noch nicht einmal mehr unbegrenzte Bewegungsfreiheit außerhalb der deutschen Grenzen haben.

 

Und damit kommen wir direkt zum zweiten Rentenreformvorschlag der Freiheitsmaschine:

Einführung eines Faktorverfahrens bei der Rentenermittlung bei gleichzeitiger Anhebung der Sozialversicherungsgrenzen!

Als Beispiel dient hier die USA, die mit Ihrem „Social Security“ System ebenfalls eine „Gesetzliche Rente“ haben. Im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich gänzlich unbekannt, ist dieses System deutlich sozialer aufgebaut als die deutsche Rente.

Während in Deutschland z.B. ein Rentenpunkt z.B. immer den gleichen Rentenwert hat und auch Ein- und Auszahlungen in das System eine lineare Funktion haben, finanzieren in den USA Menschen mit sehr hohen Einzahlungen zum Teil Menschen mit geringer Finanzkraft.

Aber das auf intelligente Art und Weise, die die menschlichen Emotionen und Motivationen berücksichtigt.

Also bevor jemand aufschreit, dass Ihm seine hart erarbeitete Rente weggenommen wird, schauen wir uns dieses System einmal genau an.

Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt, seht Ihr nachfolgend den Vergleich zwischen dem US Social Security System und der deutschen gesetzlichen Rente als schematische Darstellung:

 

Erklärung: Der Aufbau von Rentenpunkten erfolgt beim US Social Security System nicht linear wie bei der deutschen Rente, sondern bis zu bestimmten Rentenanwartschaftsgrenzen mit unterschiedlicher Steilheit.

  • Bis zum ersten Knickpunkt bei ca. 850$ monatlicher Rentenleistung werden Rentenansprüche beim US-System sehr schnell aufgebaut
  • Im mittleren Abschnitt folgt der Aufbau dann ungefähr vergleichbar mit dem deutschen Rentensystem
  • Gut- und Spitzenverdiener erreichen irgendwann einen zweiten Knickpunkt über dem der Anstieg nur noch langsam erfolgt. Aber das erst, nachdem Sie Ihre eigene Anwartschaft bis zu dieser Höhe in der ersten Berufshälfte extrem schnell aufgebaut haben.

 

Was sind die Vorteile eines solchen Faktorsystems wie der amerikanischen Social Security gegenüber der deutschen Rente mit Ihrem linearen Aufbau:

  • Alle Einzahler in dieses System erleben in jungen Jahren einen schnellen Aufbau von Rentenleistungen bis zur Höhe einer Grundversorgung für alle. Im Alter kann einem dadurch schon nicht mehr etwas wirklich Schlimmes passieren. Das gibt ein gutes Gefühl nicht nur für Gering- und Medianverdiener, sondern auch für Gut- und Spitzenverdiener in der schnellen Aufbauphase.
  • Durch diesen schnellen Aufbau ist der spätere Fall in das Grundsicherungsystem der Rentner nach deutscher Art im Alter sehr unwahrscheinlich. Das aktuelle deutsche System ist für Dekaden lange Geringverdiener entwürdigend und entmündigend. Menschen die viele Jahrzehnte lang gearbeitet haben, dürfen so nicht behandelt werden. Arbeit muss sich für alle Menschen lohnen.
  • Die Gering- bis Medianverdiener werden beim Faktorsystem durch den eigenen schnelleren Aufbau von Rentenanwartschaften motiviert weiter eine Leistung zu erbringen und sich nicht auf einer Sozialleistung wie dem Hartz4 System auszuruhen mit dem Argument, das man im Alter sowieso in der Grundsicherung landet.
  • Und ein ganz wichtiger Punkt: Gut- und Spitzenverdiener haben erst dann prozentual nur noch kleine Rentensteigerungen trotz der hohen Einzahlungen, nachdem Sie sich schon selbst eine gute Rente aufgebaut haben und schon im zweiten Teil Ihres Berufslebens stehen. Fleißige Berufsanfänger oder Menschen in der ersten Berufshälfte mit hohen Einkommen können sich dagegen schnell eine gute Rente bis zum zweiten Knickpunkt aufbauen. Sie fühlen sich gut dabei und haben nicht das Gefühl, dass Sie enteignet werden.

 

Nach meiner Meinung würden auch in Deutschland die allermeisten Gut- und Spitzenverdiener ein solches System unterstützen. Der Grund liegt darin, dass der geringere Rentenanstieg und die damit überproportionale Einzahlung in das Faktorsystem nur Menschen ab der zweiten Berufshälfte trifft, die zuvor schon Dekaden lang gut verdient und sich etwas aufgebaut haben.

In diesem Alter spüren Menschen, denen es in unserer freien Welt gut geht, die sich schon etwas aufgebaut haben und die nun oft auch Ihre eigenen Kinder aufwachsen sehen, immer stärker eine Emotion:

Dankbarkeit!

 

Wir leben in einem der besten Länder der Welt und das historisch betrachtet zur besten aller Zeiten. Du konntest Dir als Gut-/Spitzenverdiener schon viele Jahre lang etwas aufbauen und Vermögen bilden. Du hast viel erreicht und wenn Du Dich etwas anstrengst hast Du bald sogar „Genug“.

Ich selbst wäre nach dem zügigen Erreichen eines guten Rentenniveau wie im US Social Security System absolut bereit, weiteres Geld in das gesetzliche Rentensystem einzuzahlen und dabei nur noch einen geringen weiteren Aufbau meiner Anwartschaften in Kauf zu nehmen, wenn dadurch deutlich weniger Menschen in die Alters-Grundsicherung fallen würden und diese Menschen dadurch selbst mehr Motivation hätten, weiterhin etwas zu leisten.

Beim eigenen Berufsbeginn vor knapp zwei Dekaden hätte mich ein solcher hoher Abschlag dagegen noch sehr gestört und auch meine Motivation wahrscheinlich negativ beeinflusst. Aber in meinem aktuellen Lebensabschnitt ist das nicht mehr der Fall und ich sehe, wie wahrscheinlich die meisten anderen Menschen in meiner Lebenssituation, die hohe Sinnhaftigkeit eines solchen Faktorverfahrens wie in den USA.

Zu dieser Maßnahme gehört auch, die Sozialversicherungspflichtgrenzen zu erhöhen, damit mehr Spitzenverdiener diesen zweiten Knickpunkt im Chart in der zweiten Berufshälfte irgendwann erreichen und danach die Geringverdiener unterstützen.

Bei einer Erhöhung der Sozialversicherungsgrenze von aktuell 78.000 Euro auf z.B. 115.000 Euro im Jahr würden diese Menschen drei Rentenpunkte pro Jahr für sich selbst generieren und durch den zusätzlichen Faktor beim Rentenaufbau zu Beginn extrem schnell eine gute Rentenanwartschaft aufbauen und dann in den nächsten ca. zwei Dekaden bis zum zweiten Knickpunkt im Chart auch eine gute Gesamtrente. Hinzu käme die Rente aus dem kapitalgedeckten Aktienanteil wie im ersten Abschnitt beschrieben.

Mit Mitte / Ende 40 könnten diese Menschen wie ich dann beginnen etwas zurückgeben, indem nach Erreichen des zweiten Knickpunkt (dann schon mehr als 2.000 Euro Rentenanwartschaft im Monat plus kapitalgedeckter Rentenbaustein) die eigene Rente nur noch geringfügig steigt aber die Einzahlungen konstant hoch bleiben und so den Gering- bis Medianverdienern helfen.

Der Staat spart bei diesem System im Endeffekt viel Geld durch vermiedene Grundsicherungsleistungen, die natürlich aus dem Steueraufkommen der Allgemeinheit stammen.

Der Abschlagfaktor nach Erreichen einer guten Rente für die Gutverdiener muss deshalb wahrscheinlich gar nicht allzu hoch ausfallen und falls doch könnte auch alternativ die Einkommenssteuergesetzgebung in Richtung geringerer Steuersätze überarbeitet werden. Leistung würde sich dadurch noch mehr lohnen und die Menschen würden durch eine reduzierte Steuerbelastung zusätzlich motiviert.

 

Das waren Sie:

Die Reformvorschläge der Freiheitsmaschine für eine gute und nachhaltige gesetzliche Rente für alle Menschen in diesem Land.

Was haltet Ihr vom kapitalgedeckten Rentenbaustein im Aktienmarkt und der Einführung des Faktorverfahrens für das aktuelle Generationsmodell der gesetzlichen Rente in Deutschland?

Schreibt dem Maschinisten im Kommentarbereich.

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Thorsten
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Hi Maschinist,

sehr gute Ideen und Vorschläge, daran sollte sich in der Tat manch ein Politiker mal ein Beispiel nehmen!

Leider triffst Du den Nagel auf den Kopf – sowohl Politiker wie auch viele Entscheider in der Wirtschaft denken heute sehr kurzfristig. Dabei sind die wirklich wichtigen Weichenstellungen etwas, dass sich erst langfristig auswirkt. Dafür dann aber umso mehr.

Den Ansatz eines langsamen Umbaus (oder bei Dir eher Ergänzung) der reinen Umlagerente in eine kapitalgedeckte / -ergänzte finde ich den absolut richtigen Ansatz.

Man könnte noch diskutieren, ob man nicht (aus Steuermitteln, zB anstatt Solizuschlag) anfängt einen gemeinschaftlichen (ähnlich Norwegen) Staatsfonds aufzubauen, der mit seinen Dividendenerträgen die Umlage in Zukunft ergänzt und entsprechend das “Demografie-Defizit” (ganz/teilweise) ausgleicht.

Ich würde auch zusätzlich noch die Möglichkeit ins Spiel bringen, Anlagen zur Altervorsorge in günstige ETFs, bis zu einem gewissen Betrag aus dem Brutto zu ermöglichen. In den USA sind das glaube ich diese 401k (und andere) Pläne. Sollte man dann vor dem 62sten (67sten?) Lebensjahr drauf zugreifen wollen, würde ich als Hürde eine entsprechende Nachbesteuerung einbauen.
[denn die heute staatlich geförderten Ideen zur eigenen Altersvorsorge (Stichwort: Riester) sind ja wie dargestellt eher nicht tauglich]

Sehr schöne Diskussion – willst Du irgendwo für einen Landtag, Bundestag oder so kandidieren? 😉

Viele Grüße
Thorsten

Gast
Oskar

Hallo Maschinist,

vielen Dank für diesen großartigen Beitrag! Als stiller Mitleser bin ich Deiner Seite schon eine ganze Weile treu, doch dieser Beitrag ist für mich einer der gelungensten Vorschläge zum Thema Rente überhaupt (dabei gehöre ich zu den bereits älteren Gutverdienern, die ihren Beitrag gerne leisten würden).

Wenn man bei der kapitalgedeckten Lösung den Fonds dann noch als breiten Deutschlandfonds auflegen würde (zB als DAX 500), könnte man außerdem einerseits in gewissem Rahmen die deutsche Wirtschaft vor allzu heuschreckenartigen Übernahmen amerikanischer Hedgefonds oder chinesischer Investoren schützen und andererseits die Aktienkultur in Deutschland fördern.

Maschinist for Superminister für Wirtschaft und Soziales!!! ;-))

Grüße und mach weiter so,
Oskar

Gast
Pascal Weichert

Das mit dem Dax 500 hat so seine Tücken^^
Es würde dann das Geld (welches ja durch das Kapitaldeckungsverfahren mehr ist) innerhalb Europas/ Deutschlands gefangen in den Unternehmen. Dies würde zum einen die heimischen Devisen und assets teuer machen. Zum anderen würden wir dann eine Menge deutscher Unternehmen (zum großen Teil) im Staatsbesitz haben.

Deshalb investieren die Schwedischen und Finnischen Fonds hauptsächlich im Ausland.

Für mich muss es gewährleistet sein, dass der Fond unter keinem Umständen von der Politik angefasst wird und dies auch heftigst unter Strafe gestellt werden soll (bei der EZB “keine Staatsfinanzierung” hat es auch net so gut geklappt).

An sich würde ich das Politische System ändern. Hier in Deutschland wird in max. 4 Jahres Perioden gedacht. In der Schweiz (so wie ich es verstanden habe) wird innerhalb von Projekten gearbeitet, der Politiker muss dann für das Projekt grade stehen, nicht für die 4 Jahre Amtszeit des vorherigen.

Wenn ich schon dabei bin, würde ich unser Krankensystem ändern. Wenn ein Kerngesunder, der auf seine Ernährung achtet genauso viel Beiträge leisten muss, wie jemand der sehr Adipositas wird. Dann sind die Anreize falsch gesetzt. Von der Bürokratie mal abgesehen.

Das dies alles mehr als schwer zu ändern sein sollte klar sein, grade in Deutschland 🙂 (Ich meine wir hatten ja nicht in den letzten 100 Jahren 2 mal eine Sozialistische Diktatur innerhalb Deutschlands)

Wenn ich das richtig verstanden habe,
ist man in den Usa mit Renteneintritt über das Medicare system Krankenversichert?

Gruß,
Pascal

Thorsten
Mitglied

“dabei gehöre ich zu den bereits älteren Gutverdienern, die ihren Beitrag gerne leisten würden”

Interessant, da scheint die Politik eine Bereitschaft in der gutverdienenden Population zu verkennen. Mit dem Maschinisten, Dir und mir sind es schon 3 Leute in ähnlichen Lebenssituationen, die bereit wären hier etwas/ mehr beizutragen.

Ähnlich wie bei der Rente, sollte es dann übrigens auch für die Krankenversicherung eine entsprechende Reform geben – denn dass sich überwiegend Gutverdienende, Jüngere, Beamte, etc nicht an der Solidargemeinschaft beteiligen, halte ich für falsch.

Stattdessen dreht die Politik kurzfristig denkend zur Finanzierung an der Beitragsschraube, sodass noch mehr Leute den Anreiz haben, das Solidarsystem zu verlassen.

(Aus dem Grund bin ich selbst immer noch in der gesetzlichen Krankenkasse, auch wenn ich mir ausrechnen kann, wieviele Tausende Euro ich in den letzten Jahren hätte sparen können – und praktisch keine Leistungen in Anspruch genommen habe)

Und bevor der Einwand kommt, dass einige das “System belasten”: a) Ja, kann sein, aber die breite Masse sicher nicht, b) Das ist bei einem SOLIDARsystem nunmal so und c) Bin ich durchaus für Anreize zu gesünderer Lebensweise

Gast
Joerg

Moin M., danke fuer die guten Ideen!

IDEE_1 (2% in Staatsfonds):
Bei Idee_1 bin ich skeptisch, weil:
– wir kein Volk von Aktienanlegern sind (und es sich auch nicht schnell aendert?). Halte Realisierung also fuer sehr unwahrscheinlich.
– stell dir vor es gibt einen Crash, dann ist das Volk aufgebracht
– stell dir vor alles laeuft bombig, aber der Staat braucht spaeter mal Kohle und “leiht” sich dann was beim Renten-Staatsfonds? Hab’ ich auch wenig vertrauen …
– eine deutsche Loesung waere wohl eher 70% Renten / 30% Aktien anstatt (noetige) 100%-Aktien?
-> Sprung als Tiger, Landung als Bettvorleger …
– dass bei Eintritt in’s Rentenalter eine Umschichtung in TIPs geplant waere, faende ich pers. auch nicht gut (zu viele Jahre Aktienmarktrendite verschenkt?).
Das ist doch dann wieder wie bei Riester oder Ruerup?

Was ich gut finde:
– die Idee den Soli in’s schwed. Modell zu switchen finde ich gut (hilft aber nur den “viel-Soli-Zahlern”, nicht “Liesschen Mueller”?)

Alternativen:
Wieso nicht v.a. private Vorsorge staerken (steuerfreie Altersvorsorge Depots)?
Weil es nur “Geldgebildeten-mit-Kuddeln-zum-Aktionaer”, aber nicht “Liesschen Mueller” nuetzt?

IDEE_2 (Knickpunkt/Faktor-Modell, schnelle Grundsicherung, spaetere Deckelung):
Skeptisch:
– Als Besserverdienender ertappe ich mich schon manchmal dabei, daran zu denken doch weniger zu arbeiten (“Genug” ist erreicht), nicht wegen der Arbeit (die macht Spass), sondern wegen der Steuer- und Abgaben-Last.
Ich habe kein Problem zu Geben und zu Spenden. Allerdings entscheide ich gerne SELBST fuer wen / fuer was … Mich nervt ungemein staatliche Verschwendung und Ineffizienzen sowie Zwangsgebuehren (GEZ & Co) oder mangelnde Anreiz- und Bestrafungsmechanismen bei Behoerden/Politikern (BER, Energiepolitik, etc).
Deshalb tendiere ich eher dazu: “Staat, halte dich moeglichst aus meinem Leben raus, schaffe gute Rahmenbedingungen & Anreizsysteme, Hilfe fuer die gaaanz Schwachen und gut is'”.
Nany-Staat & Minderheiten-Inflationismus nerven.

Wir haben ja in D schon einen sehr starken Ausgleich ueber die Besteuerung. Rechtlich wird es deshalb schwer/unmoegl?, in Versicherungsleistungen wie der Rente weitere “starke-Schultern-tragen-mehr”-Elemente einzubauen?
Ich verstehe zwar die “gute Psychologie”, die du fuer das KnickPunkt-Modell ausbreitest, aber in USA ist (meine ich?) die Steuer- und Abgabenlast viel geringer (keine Progression sondern Brackets), dafuer dann die Knickpunkte bei der SocialSec.?

Die Knickpunkte sind das, was in D mit der Besteuerung realisiert wird: Grundrente einerseits, hohe Steuerprogression auf Pensionen, Versorgungswerk-Auszahlungen, Einkommen, etc andererseits
mit den beschriebenen, psychologischen Problemen (Grundrente = Hungerlohn fuer Bittsteller; Steuerprogression = gefuehlter Raub).

Trotzdem: Sind es nicht schon insgesamt zuviel Abgaben/Steuern hier in D?
Eine Ebene hoch:
Ich pers. finde, das ist schon ein Ablenkgungsmanoever des Staates auf best. Unter-Etats und deren Optimierung zu schauen (Renten-Kommision, Krankenvers./Pflegevers.-Verschlimmbesserungen, …) anstatt mal ALLES auf den Pruefstand zu stellen.
Wir haben so ein komplexes, zT verkorkstes Staatsfinanz-/Steuerwesen (auch viel Gutes, ja), dass doch eine Gesamtschau am Anfang stehen sollte (Bierdeckel-Steuererkl., SV-Vereinfachung) und dann Top -> Down die groessten Kosten-/Verschwendungstreiber identifiziert werden sollten und in Angriff genommen gehoeren?
(ich weiss, widerspreche mir hier selbst, es kann keine grossen Veraenderungen geben – ausser in katastrophischen Szenarien – sondern nur Flickschusterei).
Da mir aber der Glaube fuer mutige Politiker fehlt, mich die Erfahrung lehrt, dass sich nicht zwangslaeufig Vernuenftiges durchsetzt, sondern oft genug sinnfreies Gekungel, was fuer mehrheitsfaehig gehalten wird (Emotionen schlagen Fakten),
halte ich das System fuer eine Schoenwetterveranstaltung. Ich bin dankbar, dass es – soweit so gut – lief, aber falls es grosse Probleme gibt: lieber flexibel bleiben (was macht deine Auswanderungsreihe)?!

Deshalb wehre ich mich mit pawlowschem Reflex stets gegen “noch mehr Geld fuer dies oder das (was ja fuer sich betrachtet sinnvoll klingt)” anstatt zu betonen, wie hoch und wie breit und wie gross schon die Steuern und Abgaben auf Gueter/Dienstleistungen/Einkommen in D angeschwollen sind.
Also lieber: “vorhandenes Geld besser nutzen, statt noch ein bisschen mehr Geld fuer diese oder jene Wohltat rausquetschen”?

Gott-sei-Dank sind wir sehr unterschiedliche Menschen. Solange es genug “Gerne-Zahler” gibt, falle ich auch nicht weiter auf … ;-). Und soooo schlecht ist es hier ja wirklich nicht.
Und du hast ja recht: das beste pers. daraus machen – woanders ist auch bloed.
Also, gehst du zur FDP? oder wer soll dein Konzept umsetzen?

Gast
Joerg

hier ein weiterer schoener, ausgewogener, lesenswerter Blog-Artikel zum Thema von Andreas:
https://generation-finanzen.de/was-die-politik-tun-muss-um-die-rente-der-generation-y-zu-sichern/

Gast
Ruben

Hallo Maschinist,

danke für deinen gelungenen Beitrag, könnten wir wenn es nach mir ginge sofort umsetzen.
Leider haben wir hier eine sehr Aktien feindliche Kultur und ich rechne in absehbarer Zeit nicht mit einem Staatsfonds.
Leider kann ich nicht sagen “kann mir ja egal sein, ich kann für mich selbst vorsorgen”. Erstens möchte ich, dass es auch den anderen Menschen in Deutschland gut geht und jeder würdig leben kann. Zweitens ist klar wer geschröpft wird, wenn Menschen wegen einem fehlenden Staatsfonds und fehlender privater Vorsorge zusätzlich unterstützt werden müssen.

Soweit ich weiß ist die “Minimalrente” in der Schweiz ebenfalls besser als unsere Grundsicherung, denn:
“Die Höhe der Rente ist nach unten wie nach oben begrenzt: Die Maximalrenten sind höchstens doppelt so hoch wie die Minimalrenten. Festgelegt sind ein Mindestbetrag von (2016) 1.175 SFr (= 1.073 €/Wechselkurs Anfang 2016) und ein Höchstbetrag von 2.350 SFr = 2.145 €. Ehepaare bekommen höchstens 150 Prozent der Maximalrente.”

http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/223631/laenderbeispiele

Alles Gute,
Ruben

Gast
Martin H

Mein Vorschlag:
Anderweitig selbsterhaltungsfähige* Rentner dürfen durch Komplettverzicht auf ihre Rente (und Rückzahlung bereits erhaltenem Geldes) ihre Nachkommen von der Rentenversicherungspflicht freikaufen.
Die Rentenversicherung verliert dadurch optimalerweise symmetrisch Auszahlungen und Einzahlungen, womit sie finanziell kaum belastet wird.
Die freigekauften Nachkommen erhalten einen Freibetrag für selbst-organisierte Altersvorsorge in Höhe vom Rentenversicherungssatz.

* Damit einerseits die Leute nicht einfach nur in Hartz IV wechseln, und andererseits auch einen nennenswerten Zahlungsstrom aufgeben.

Gast
Oliver

Hallo Maschinist,
ich bin jetzt mal der böse Bube, der nicht so ganz auf dem Fahrwasser deiner Vorschläge schwimmt. Nicht, weil ich sie für völlig nutzlos halte, sondern weil die Erfahrungen mit den verantwortlichen Politikern so schlecht ist. Selbst wenn man das Glück hat, eine gute Generation zu erwischen, gibt es viele Ablösungen mit – sagen wir – inkompetenteren Personal.

Mit Frau Nahles haben wir z.B. eine Politikerin, die das völlig nutzlose und überteuerte Riesterprogramm weiterverwaltete und sich jetzt u.a. um die Renten kümmert. Dabei zeichnet sie sich aus, Gastgeschenke zu verteilen, um sich Wählerstimmen einzukaufen. Dinge, die sich vordergründig gut anhören (Mütterrente, Rente mit 63) sollten aber keine Bausteine sein, die einfach so in eine laufende Rentenversicherung eingebaut werden, dass sehr langfristig aufgebaut ist. In der Vergangenheit gab es schon viele Frau Nahles und in der Zukunft wird es auch Frau Nahles in anderer Form (eine für mich der unfähigsten Politiker Deutschlands) geben.

Das heißt, die gesetzl. Rentenversicherung kann jederzeit durch die Politik torpediert werden und das wird sie in schönster Regelmäßigkeit. Leider auch für die anderen gesetzl. Sozialversicherungen. Seid ich denken kann, hat sich die gesetzl. Krankenversicherung von den Leistungen immer weiter verschlechtert und hat heute nichts mit der Versicherung in den 70er-Jahren zu tun.

Das die gesetzl. Rentenversicherung eine Umlageversicherung ist, hat mit den vergangenen Währungsreformen zu tun. Man wollte damit die Inflation ausschalten und das macht schon Sinn. Diese Art der Verteilung ist im Gegenzug der Kapitalversicherung völlig wesensfremd. Da der Staat (dumm-)sicher denkt, würde als Variante einer Kapitallebensversicherung wahrscheinlich ein Konstrukt zwischen Anleihen und Aktien mit mehr Anleihen herauskommen. Es wäre für den Staat natürlich super, sich so mit geringen Zinssätzen Geld von den Bürgern über die Rentenversicherung zu leihen, weil dies mündelsichere Papiere sind. Nur überlege mal: Wenn die Quote z.B. 70% Anleihe/ 30% Aktie ist und leider, leider eine Inflation kommt, ist 70% des Geldes weg. Kommt der Staat in finanzielle Schwierigkeiten – Du kannst es dir denken. Die Versuchung der Politik ist dabei einfach viel zu groß, weil hier liegen Möglichkeiten der Finanzierung in vielen Milliarden wenn nicht Billionen – und das ganz ohne Kapitalmärkte mit ihren Gebühren.

Von daher lehne ich solche staatlichen Monster ab.

Würden uns so Dinge wie die 401k – Konten helfen? Leider nur einen bestimmten Prozentsatz der Bevölkerung. Man muss akzeptieren, dass es nicht wenige Menschen gibt, die nichts oder zu wenig verdienen, um nennenswert etwas sparen zu können. Das ist leider die Realität. Für die haben wir heute keine Lösung und ich habe auch nicht den Eindruck, dass diese ernsthaft gesucht wird. Mir geht’s da gar nicht darum, nur den Geringverdiener mit 45 Jahren Arbeitszeit anzusprechen, sondern der komplette Bevölkerungsanteil, der arm ist. Ob er nun durchgehend gearbeitet hat oder nicht. Als alter Mensch wirst Du zunehmend schutzlos und es gibt viele Personen, die neben der Armut auch völlig vereinsamt sind. Durch die Individualität wird das zunehmen.

Von daher bin ich für persönliche Lebensrentenkonten und einer Grundrente für jeden. Keine Knicks und keine unterschiedliche Summen, sondern jeder Bürger bekommt ab einem bestimmten Alter z.B. 1.000 EURO/Monat. Für dieses Geld zahlt jeder, egal was er macht entsprechend seinen Obolus ein. Keine Ausnahme, egal ob Unternehmer, Beamter, Angestellter und sog. eine Pauschale als H4-Empfänger (auch wenn die Pauschale nur ein Zeichen guten Willens ist). Gesetzlich verankert wird, dass die Inflationsrate automatisch jährlich eingerechnet wird. Durch weniger Bürokratie (man muss ja nichts berechnen) und insgesamt wahrscheinlich geringerer Auszahlungssummen kann man die Abgaben verringern. Die Politik muss nichts machen und es sollte ein Gesetz geben, dass sie nur mit 75% Mehrheit im Bundestag und Referendum bei der Bevölkerung geringwertige Änderungen vornehmen darf.

Bei den Lebensarbeitszeitkonten geht es von der Geburt an: 25% des Kindergeldes wird dort eingezahlt. Der Staat muss keinen eigenen Fonds gründen, sondern man kann z.B. mit mehreren Unternehmen wie Vanguard, Blackrock etc. Verträge abschließen und es gibt für das Geld den Standard World Fonds mit 0,1% Gebühren. Fängt jemand zum arbeiten an, werden automatisch 5% vom brutto (der das Brutto verringert) auf dieses Lebensarbeitszeitkonto eingezahlt. Ab 18 darf jeder entscheiden, was er kaufen möchte unter den Standardwertpapieren (keine Optionen oder schwierige Derivate – nur ETFs mit bestimmten Inhalten, Aktien und ein gewisser Prozentsatz Anleihen, der sich mit dem Alter erhöhen kann). Entscheidet sich einer für nichts, automatische Anlage in den Standard World-ETF. Keine große Raketenwissenschaft daraus machen. Im H4-Satz ist automatisch ein 10%-Satz für die Einzahlung erhalten (hier höher, weil die Summen so klein sind und damit etwas zusammen kommt). Diese Konten sind generell unpfändbar.

Die Konten werden in einer staatlichen Gesellschaft verwaltet, agiert aber als eigenes Unternehmen. Der Staat garantiert für die Einlagen. Auszahlungen sollte ab 55 Jahren mit höheren Steuersätzen möglich sein, ab 65 Jahren dann als ganz normales Einkommen. Die Auszahlungshöhe sollte im Jahr maximal 3% der Summe des Vermögens auf dem Konto sein. Der Staat schafft nur Rahmenbedingungen, ist aber nicht befugt, irgendwelche Gastgeschenke wie heute durchzuführen. Ist auch nicht nötig, das System ist transparent und selbst arme Leute haben durch das Lebenszeitkonto im Alter etwas Geld zur Verfügung.

Leider bin ich sehr pessimistisch, dass dein oder mein Vorschlag jemals umgesetzt wird. Unsere Politiker sind leider nicht kompetent genug, haben zu viele Eigeninteressen und der Staat war noch nie dafür bekannt, effektiv zu arbeiten. Eher das Gegenteil. Von daher sind das alles Sandkastenspiele und ich verwalte halt mein eigenes Lebenszeitkonto, wie das die meisten Leser hier auch machen.

Grüße Oliver

Gast
Dr.Bundy

Ok, irgendwann aufgehört zu lesen? Erhöhung der Beitragssätze haha. Nie im Leben. Wie wäre es mit Abbau der Bürokratie (einfach mal mit Schweiz vergleichen), da wird so viel Geld verschleudert, da könnte man nicht nur alles finanzieren und verbessern, sondern könnte die Staatsquote deutlich reduzieren = höherer Nettolohn. So als Beispiel:
Mein Jahresbruttolohn lag bei 108.000 CHF, Quellensteuer 8,3%, Kosten der privaten Krankenversicherung 240 CHF im Monat (meine direkten Zahlungen betrugen max. 30 CHF im Jahr, also alles zusammen viel weniger als Arbeitnehmer- und -geber Anteil in Deutschland), In die Rentenversicherung zahle ich ca. 5% ein, mein projiziertes Altersguthaben im Jahr 2044 liegt bei 704.000 CHF und das ist zu niedrig, weil mein Gehalt noch ordentliche Sprünge machen wird. Ich will hier nicht prahlen, ich finde die Zahlen wichtig um zu begreifen, wie hart ihr in Deutschland betrogen werdet. Und im übrigen werden die Steuern in meiner Gemeinde (Schwyz) und einer Nachbargemeinde (Küssnacht) gesenkt, weil die Haushalte im Plus sind und das seit Jahren.

Gast
Luisa

Wer schlau ist, verabschiedet sich aus dem sozialistischem Umverteilungssystem der sogenannten “Deutschen Rentenversicherung”.

Eine einfache Rechnung, was nur die Arbeitnehmeranteile börslich verzinst an persönlicher Rente bringen lässt einen sehr große Augen machen.

Eventuelle von Linken eingeredete “schlechte Gewissen” können durch karikative Spenden ausgeglichen werden – Geld ist schließlich bei solchen Personen später genug da.