Freiheitskämpfer Interview 32 – Die Camperin

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Camperin Freiheitskämpfer Interview 32Die Freiheitskämpfer Interviews der Freiheitsmaschine.

Junge Menschen bis 35 berichten von Ihrem beruflichen Werdegang und dem Aufbau Ihres sechsstelligen Vermögens.

Sie erzählen von Ihren Träumen und Plänen für ein selbstbestimmtes und freies Leben.

 

Heute schreibt uns Die Camperin

Neben dem Bericht über Ihren Vermögensaufbau inkl. der mittlerweile sehr hohen Sparquote bietet Sie in Ihrem Interview sehr interessante Einblicke in den medizinischen Bereich inkl. eines lesenswerten Fazits für alle potentiellen Nachahmer.

Auf die Freiheit und los geht’s:

 

Lieber Maschinist,
die Freiheitsmaschine und die Freiheitskämpfer- und Millionärsinterviews sind für mich seit dem Beginn meiner „Investmentkarriere“ eine große Inspirationsquelle. Hier merkt man, dass man nicht alleine ist mit seinen Gedanken und man kann sich bei Dir einen enormen Motivationsschub holen.
Ich hoffe, dass ich mit meinem Interview eine weitere Quelle dieser Inspiration für andere sein kann.
Vor allem für Frauen, die sich in Bezug auf Finanzen vielleicht noch unsicher sind.
Die Camperin

 

Camperin Motorrad Freiheitskämpfer Interview 32

 

Wie alt bist Du (& der Partner falls vorhanden), wie lange seid Ihr schon zusammen und habt Ihr Kinder?

Ich bin 34 Jahre alt und mein Partner ist 37. Wir sind seit knapp 3 Jahren ein Paar, nicht verheiratet und haben keine Kinder.

 

Wo auf der Welt lebst Du / Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?

Wir leben ziemlich zentral in einer kleineren Großstadt im Herzen des Ruhrgebiets zur Miete.

 

Wie sieht Dein bisheriger Lebensweg aus und welche beruflichen wie privaten Erfahrungen hast Du dabei gemacht?

Da meine Eltern klassische Arbeiter waren, haben sie mich immer dazu „gedrängt“ eine große Gewichtung auf Bildung und Ausbildung zu legen.
Dafür bin ich ihnen sehr dankbar, denn ich habe als Erste in unserer Familie die Hochschulreife erlangt und ein Studium abgeschlossen. Leider ist aber die finanzielle Bildung zu Hause etwas zu kurz gekommen, weshalb ich mir diesen Teilbereich des Lebens mit Anfang 30 selbst beigebracht habe.
Zu sehen wie andere schon lange Geld verdienen während ich noch studiere (2 Jahre Wartezeit + 6 Jahre Studium Humanmedizin + 1 Jahr Ehrenrunde bei Uniwechsel) und mich mit Studentenjobs abrackere, frustriert am Anfang schon. Meine erste richtige Stelle als Ärztin habe ich erst mit 29 angetreten. Der Verdienst im ersten Jahr mit 4.680€ monatlich brutto ist gut, jedoch verdienen anderen in diesem Alter schon weitaus mehr und haben bereits Personalverantwortung etc.
Ja, das Gehalt steigt von Jahr zu Jahr und durch Dienste kann man sein Grundgehalt um ca. 1000-2000€ brutto aufstocken, aber nach spätestens 10 Jahren landet man im Burnout oder hat einen Herzinfarkt, da 60 Std/Woche mit ca. 6-8 x 24 Std. Diensten im Monat Standard sind. Das ist auch der Grund, warum ich nach 2 Jahren im Beruf auf eine 4 Tage Woche reduziert habe. Viele meiner Kollegen ziehen ihre 100% Stelle bis zum Abschließen der Facharztausbildung (5-6 Jahre) durch, leiden darunter aber sehr, physisch, wie auch psychisch. Das war es mir einfach nicht wert.
Rückblickend steht der Ausbildungs- und Arbeitsaufwand in diesem Beruf und die Federn, die man dabei lässt nicht in Relation mit der Vergütung. Ich würde nicht noch einmal Humanmedizin studieren, sondern ein duales Studium bei einem großen Konzern machen, gezielt in die Wirtschaft gehen oder zur Feuerwehr.
Aktuell habe ich jedoch ein ganz gutes Modell für mich gefunden, indem ich Teilzeit (80%) angestellt (nicht im Krankenhaus) und nebenbei selbstständig bin. Das lässt sich im Moment für mich am besten mit meiner Work-Life-Balance und Flexibilität vereinbaren.

 

Wie hoch ist Dein / Euer aktuelles jährliches Nettoeinkommen. Wie hat es sich entwickelt und wie sieht die weitere Entwicklungsmöglichkeit in Deinem Bereich aus?

Im Jahr 2021 lag mein Nettoeinkommen bei ca. 73.000€, im Jahr 2020 bei ca. 60.000€. Wäre ich zu 100% nur in einer Klinik angestellt, würde ich nicht so viel verdienen bzw. müsste enorm viele Dienste machen, um auf dieses Gehalt zu kommen, worunter mein Privatleben und meine Gesundheit aber sehr leiden würden.
Dazu muss ich sagen, dass die Einnahmen auch aus privaten Verkäufen auf diversen Secondhand Plattformen stammen. Der Verkauf von Kram und Trödel aus den Kellern der Verwandtschaft und von Freunden ist eine kleine Leidenschaft von mir, die uns aber auch ab und an den Jahresurlaub finanziert.
Mein Partner hat ein Jahreseinkommen von ca. 46.000€ netto, worin auch Steuererstattungen und Schenkungen enthalten sind.
Durch meine Selbstständigkeit kann ich mein Einkommen jährlich etwas steigern, worüber ich sehr dankbar bin. Aber auch da gibt es Grenzen. Die Arbeit als Arzt/Ärztin ist leider nicht gut skalierbar. Der Schlüssel zu nachhaltiger Gehaltssteigerung ist wie immer Weiterbildung, Erlangung von Kompetenzen und eine Promotion.
Mein nächstes Ziel ist es, die Facharztprüfung abzulegen, um mich dann außerhalb von Klinik und öffentlichem Gesundheitswesen, vielleicht auch in der Wirtschaft nach einem neuen Wirkungskreis umzuschauen. Dort würde ich mich auch mit weniger Geld zufriedengeben, wenn der Job (endlich wieder) Spaß macht.

 

Würdest Du Deine / Eure berufliche Tätigkeit anderen Menschen empfehlen, wenn es um die Punkte Einkommen, Entwicklungsmöglichkeiten und persönliche Erfüllung geht und was sind die Gründe dafür?

Wie schon oben erwähnt, würde ich nicht noch einmal Medizin studieren und rate auch jedem davon ab.
Der Beruf an sich ist schön, am Anfang ist man sehr idealistisch, aber nach einem Jahr im Beruf (bei dem einen vielleicht später) höhlt einen diese Arbeit und das System von innen aus, da ärztliches und pflegerisches Handeln nur noch auf Profit ausgelegt ist. Der Patient und seine Sorgen, Ängste und Nöte treten komplett in den Hintergrund und es wird nur noch geschaut wie man am schnellsten das meiste Geld aus einem Menschen herausquetscht mit Operationen oder unnötiger Therapie. Das frustriert in einem Beruf, in dem man eigentlich helfen möchte, sehr.
Das Einkommen ist gut, aber dafür arbeitet man auch richtig viel und hart. Auch Oberärzte haben gute Gehälter (120.000€ brutto + Boni aus AT Verhandlungen), aber auch sie haben große Verantwortung und sind Tag und Nacht in der Klinik bzw. abrufbar. Wenn man nicht wirklich teflonbeschichtet ist, wird man von dieser Atmosphäre recht schnell vergiftet. Nicht umsonst flüchten auch sehr viele meiner ärztlichen Kollegen in Praxen, MVZ, in die Selbstständigkeit oder die Wirtschaft bzw. Pharmaindustrie.
Mein Partner arbeitet auch im patientennahen Gesundheitswesen und wird sich auf Dauer nach etwas anderem umschauen, da auch er ständiger Nacht- und Schichtarbeit ausgesetzt ist.

 

Wie hoch sind Deine / Eure aktuellen jährlichen Ausgaben und in welchen Bereichen schränkst Du Dich ein, um eigenes Vermögen aufzubauen?

Da mein Partner seine Ausgaben nicht trackt, gebe ich hier nur meine Hälfte der Ausgaben an. Seine sind definitiv geringer, da er weniger für KFZ und Konsum ausgibt.
Im Jahr 2021 lagen meine Ausgaben bei 25.600€, 2020 noch bei 35.000€. Ich setze mir am Ende jeden Jahres ein Ziel.
Für 2022 möchte ich meine Ausgaben auf ca. 20.000reduzieren.

 

2021:
  • 7500€ Miete inkl. aller NK/Jahr
  • 5600€/Jahr Steuern (schwankt von Jahr zu Jahr stark bei Selbstständigkeit)
  • 4500€ Haushaltsgeld/Jahr für Lebensmittel/gemeinsame Anschaffungen etc.
  • 2500€ Kfz/Jahr mit Versicherung, Werkstatt, Reparaturen etc.
  • 1400€/Jahr Konsum
  • 840€/Jahr Sprit
  • 744€/Jahr Freizeit/Essen gehen
  • 205€/Jahr Handy
  • restlichen 2300€ Kleinkram wie Versicherungen, Geschenke, Spenden etc.

 

Ich versuche bewusst weniger „Bullshit“ zu konsumieren, wie z.B. Kleidung, Lifestyle oder Luxus Artikel. Wir kochen lieber selber anstatt ständig essen zu gehen. Ich repariere alles, was noch zu reparieren ist und wenn mal etwas angeschafft werden muss, schauen wir uns erst auf dem Secondhand Markt um. Wir legen jedoch Wert auf gute Lebensmittel (Bio Qualität bzw. regional) und Urlaube.
Das Jahr 2020 hat finanziell etwas mehr reingehauen, da wir uns einen VW Bus gekauft und selber ausgebaut haben. Wir sind Ende 2020 zusammengezogen, weshalb wir 2021 noch einige gemeinsame Anschaffungen wie Möbel, Küche etc. getätigt haben.
Einzige Schwachstelle meiner Ausgaben ist mein Auto (Stern – Jahreswagen), den ich mir bekloppterweise von meinen ersten Gehältern + Kredit gekauft habe. Diese Karre verschlingt im Unterhalt enorm viel Geld (ca. 2000 – 2500€ pro Jahr ohne Sprit), von den Anschaffungskosten mal abgesehen.

Autokauf für finanziell schlaue Menschen

Ich habe das Auto aber sehr liebgewonnen und kann mich (noch) nicht trennen. Rückblickend würde ich so eine Anschaffung nicht noch einmal tätigen, sondern mir eine kleinere Version kaufen, die günstig im Unterhalt ist. Ein Auto ist für mich unerlässlich, da ich auch häufig in ganz NRW zu meinen Auftraggebern unterwegs bin.
Ich weiß auch, dass es durchaus noch Einsparpotential gibt, jedoch würde das, z.B. beim Wohnen zu Lasten unserer Lebensqualität gehen.
Im Jahr 2021 konnte ich 48.000€ sparen, was ich beachtlich finde. Für 2022 wird es wesentlich weniger sein. Warum das so ist, lest ihr unter dem Punkt Lebensziel.

 

Wie hoch ist Dein / Euer aktuelles Vermögen, wie hast Du es investiert und was möchtest Du in Zukunft dabei noch besser machen?

Da ich erst spät angefangen habe mit dem Investieren, habe ich natürlich enorm viel „Zeit“ verschenkt. Damals leuchtete mir einfach nicht ein, von meinem mickrigen Studentenjobgehalt noch was abzuzwacken für meine Rente/FI. Aber mit 31 Jahren kam dann glücklicherweise „das Erwachen“. Jetzt habe ich natürlich das Gefühl schnell aufholen zu müssen, erstens, weil ich so spät angefangen habe gutes Geld zu verdienen und zweitens, weil ich so spät angefangen habe zu investieren. Mir ist bewusst, dass ich durch mein Studium mein Humankapital enorm gesteigert habe und ich dies mit meiner Weiterbildung zur Fachärztin auch hoffentlich noch steigern werde.
Mein aktuelles Vermögen beläuft sich auf 122.700€:
79.400€ in ETF (MSCI World, MSCI EM, Multifactor ETF, REIT ETF; Thesaurierer)
36.500€ in bar/Giro/Tagesgeld
4.300€ in P2P Investing (Bondora, Mintos)
1.500€ in physischem Gold (in Schmuck), wird bald verkauft

 

Brokervergleich Depotvergleich Der beste Broker

 

Eine Immobilie ist nicht vorhanden und der Erwerb ist auch vorerst nicht geplant.
Jedoch komme ich von dem Thema „Immobilie als Investment“ nicht los, obwohl ich eigentlich eine Gerd Kommer Anhängerin bin… aber vielleicht gibt es hier Tipps oder Inspiration von der Community. Mir ist durchaus bewusst, dass es aktuell keinen Sinn macht, Objekte als Investition zu erwerben, da die Preise in den relevanten Regionen einfach exorbitant hoch bzw. überbewertet sind. Mich schreckt aber dauerhaft die hohe und lange Verschuldung ab, die man auf sich nimmt, um Immobilien zu erwerben.
Es schlummern noch Rentenansprüche in der DRV, der Ärzteversorgung und einer Zusatzversorgungskasse. In die letzten beiden zahle ich natürlich weiterhin ein.
Das Vermögen meines Partners beläuft sich aktuell auf 30.000€ investiert in ETF, Tagesgeld und Barvermögen. Auch hier gibt es natürlich Rentenansprüche bei DRV und einer Zusatzversorgungskasse, worin weiter eingezahlt wird. In den nächsten 12 Monaten erwartet er eine Schenkung in Höhe von ca. 130.000€.
Da wir aktuell DINKs (double income, no kids) sind und wahrscheinlich auch bleiben werden, lässt sich das Vermögen in Zukunft noch gut steigern.

 
Hast Du ein bestimmtes Vermögensziel?

Ich würde gerne die Millionen knacken, um finanziell „unabhängiger“ von diversen Arbeitgebern zu sein und von einem Teil der Zinsen zu leben. Für mich ist arbeiten lediglich Mittel zum Zweck und kein Lebensinhalt. Vor allem erhoffe ich mir damit Flexibilität zu erkaufen, um mehr Reisen zu können bzw. den Tag mit Dingen zu füllen, die mir Spaß machen.
Eine Reduktion meiner Arbeitszeit auf dauerhaft 50% wäre schon ein Anfang.
Die magischen 3 Wörter, welche in meinem Kopf herumgeistern sind: „Entnahmeplan OHNE Kapitalverzehr“. Es klingt so wunderbar, ich kann aber nicht ganz kalkulieren, ob wir dieses Ziel jemals erreichen werden. Vielleicht gibt es auch da von der Community etwas Anregung 😉
Das Verlangen nicht arbeiten zu müssen ist bei mir etwas stärker ausgeprägt als bei meinem Partner, da ich immer das Gefühlt habe mein AG beraubt mich meiner kostbaren Zeit, in der ich so viele andere schöne Dinge tun könnte.

 

 

Welche weiteren Lebensziele hast Du. Wo und wie möchtest Du Leben und was treibt Dich aktuell besonders an?

Aktuell treibt mich und uns ein kleines Sabbatical von 6 Monaten an, welches wir dieses Jahr realisieren wollen. Der Plan ist in unserem selbst ausgebauten VW Bus durch Europa zu fahren.
Camperin Freiheitskämpfer Interview 32 Umbau

 

Mein Partner hat dafür Zeit bei seinem AG angespart und ich werde in dieser Zeit erwerbslos/arbeitslos sein, habe mir aber dafür ein großes liquides Polster zurückgelegt.
Der Plan ist in Zukunft regelmäßig solche Auszeiten einzubauen. Ideal wäre 6 Monate arbeiten, 6 Monate reisen o.ä.
Das ist langfristig gesehen das angestrebte Lebensziel, was auch beinhaltet sich mehr auf sich selbst, Familie, Freunde und Hobbies zu fokussieren. Am liebsten würde ich von unterwegs arbeiten, was aber als Ärztin eher schwierig ist.

 

Was sagt Dein Umfeld generell zu Deinen Plänen und wirst Du dabei unterstützt?

Mein Umfeld und das Umfeld meines Partners kennen meine/unsere Pläne gar nicht bzw. man wird häufig belächelt, wenn man die Thematik „Investieren, FI, FIRE“ anspricht. Deshalb halte ich mich damit im meinem Familien- und Freundeskreis eher zurück, was sehr schade ist, da ich mich gerne mehr über das Thema Investieren, FI, FIRE & Co. austauschen würde und für jede Inspiration dankbar bin. Ich versuche besonders meine weiblichen Freunde für das Thema Finanzen und Investieren zu begeistern, jedoch schlägt das leider auf taube Ohren.
Deshalb bin ich auch häufig auf diversen Finanz- und FIRE-blogs unterwegs und sehe gerade diesen Blog und die Interviews als große Inspirationsquelle. In diesem Sinne vielen Dank an vorherige Interviewgeber und die Community!
Mein Partner habe ich vor 2 Jahren mit dem Thema regelrecht angefixt, weshalb wir uns gut austauschen und gegenseitig pushen können.

 

Gibt es noch etwas, dass Du den anderen Freiheitskämpfern mitgeben willst?

Der unglaublich wichtigste Rat, den ich jedem mitgeben kann:
 >>>Fangt früh an zu investieren! <<<
Auch im Studium oder der Ausbildung, auch mit einem monatlichen Sparplan von nur 25€ oder 50€, egal!
„Pay yourself first“!

 

Lasst euch außerdem nicht von Lifestyleinflation und Luxusgütern verleiten. Wenn das Einkommen durch den ersten Job steigt, keine dicke Karre kaufen, sondern fett investieren, es sei denn eine fette Karre gibt dir mehr Lebensqualität und -zufriedenheit als ein langfristig nachhaltiges Investment. Aber dann würdest du das hier wahrscheinlich nicht lesen. 😉
Ich freue mich über Inspiration und Feedback in den Kommentaren bezüglich Ausgaben, Investments, Sparrate etc.!

 

 

Camperin Freiheitskämpfer Interview 32 Camping VW

 

Das war das Freiheitskämpfer Interview mit Der Camperin

Herzlichen Dank für Deine Teilnahme und Glückwunsch zum erreichten Vermögen!

Danke auch für Dein ehrliches Feedback betreff Deines eingeschlagenen Berufswegs. Das hilft einerseits anderen interessierten Menschen. Andererseits machst Du mich damit nachdenklich bezüglich unserer zukünftigen medizinischen Versorgung.

 

Und jetzt Ihr

Welche Fragen oder auch Ratschläge habt Ihr an die Camperin, schreibt dazu gerne im Kommentarbereich.

Außerdem mach auch Du mit bei den beiden Interviewreihen der Freiheitskämpfer oder den Millionär Interviews.

Schreib dem Maschinisten unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und sei dabei.

Neben dem Fakt den anderen hier etwas zurück zu geben, lernst Du durch das Interview selbst wieder Neues und kannst das Feedback für Deinen weiteren Weg nutzen.

Ich garantiere allen Teilnehmern dabei absolute Anonymität.

Und bei der großen Freiheitskämpfer Community sind natürlich alle Menschen eingeladen, die Ihr Leben verbessern und neue Dinge lernen möchten.

Gib Gas mit der Freiheitsmaschine und mach Dein Leben zu einem wunderbaren Abenteuer.

19 thoughts on “Freiheitskämpfer Interview 32 – Die Camperin”

  1. Hallo, spannendes Interview! Danke für die Einblicke. Ich finde es beachtlich, wieviel du in nur 4 Jahren sparen konntest, dein Ziel ist keineswegs utopisch!
    Ich würde mich über Infos zu deiner selbständigen Nebentätigkeit freuen. Wie funktioniert dein Geschäftsmodell? Bin ja auch so eine Ebay-Queen, aber nur privat für mich, wobei ich seit ca. 2 Jahren auch Familienmitgliedern beim Abgeben helfe… meine Mutter verzichtet gelegentlich auf den Erlös, aber damit rechnen kann ich nicht.
    Schade, dass du in Bezug auf deinen Beruf so desillusioniert bist, ich kann es aber nachvollziehen. Genau diesen Eindruck macht das Gesundheitssystem für Außenstehende…
    Wäre dein Wunsch nach Reisen und sinnstiftender Tätigkeit als Ärztin nicht durch ein Engagement bei Ärzte ohne Grenzen oder einer anderen NGO zu vereinbaren?
    Liebe Grüße!

    1. Hi Yakari, vielen Dank für deinen Kommentar. Meine Nebentätigkeit bewegt sich auch im ärztlichen Rahmen. Grob kann man sagen, dass ich Städte und Krankenhäuser bei personellen Engpässen ärztlich unterstütze, vor allem im Rettungsdienst. Das funktioniert entweder als Honorartätigkeit oder als Arbeitnehmerüberlassung. Die Anregung bezüglich Ärzte ohne Grenzen oder ähnliches ist leider sehr hürdenreich, v.a. braucht man vorher den Facharzttitel, den ich noch nicht habe. Aber ein solches Vorhaben peilen mein Partner und ich ggf. in Zukunft an.
      VG

      1. Hey, ich hatte auf ein Ebay-Shop getippt, oops. Die Rettungsdienste sind sehr lukrativ im Nebenerwerb, das habe ich auch schon mehrfach mitbekommen!
        Lass dich von Hindernissen nicht beeindrucken. Beharrlichkeit schlägt alle Hindernisse
        LG

  2. Hey,
    ich möchte dir etwas Geduld und eine Zielrichtung anraten.
    Du möchtest unfassbar schnell FIRE sein und trotzdem Sabbaticals und Co machen. Das ist ein Trade Off.
    Verkaufe den Benz. Nach ein paar Monaten hast du dich an das günstigere Auto gewöhnt.

  3. Moin moin, vielen Dank für das sehr interresante Interview und herzlichen Glückwunsch zum erreichten Vermögen! Ich kann dein Gefühl “aufzuholen” total nachempfinden, da es mir bedingt durch meinen ausbildungsbedingten (Zivi, Studium, Promotion, Referendariat) späten Berufseintritt mit 30 da sehr ähnlich ging. Kann man nicht mehr ändern, daher muss man das Beste drauß machen und sich auf die eigenen Ziele fixieren. Bei deinem sehr guten Einkommen und der hohen Sparquote bist du mit 45 Millionärin und hast dann 90% deiner Altersgenossen “überholt”.

    Abschließend möchte ich dich und deinen Partner gerne zum nächsten regionalen Freiheitskämpfertreffen einladen, welches die letzten beiden Male im Ruhrpott stattgefunden hat (Termin wird noch abgestimmt). Details- wenn du magst- gerne per PN.

    Schönes Wochenende und VG

  4. Hi Camperin danke für dein Interview: ich habe ein paar Fragen:
    – warum gefällt dir der Arztberuf nicht so gut, dass du ihn langfristig nicht mehr machen willst? Das hab ich nicht herauslesen können. Es ist doch mMn ein Stück weit Berufung und hat auch positive Seiten…
    – wieso wollt ihr ohne Entsparen entnehmen, wenn ihr keine Kinder plant
    – zahlst du immer das Maximum in die ÄV ein (interessiert mich da meine Frau auch Ärztin)?

    Sonst gratuliere ich zum aufgebauten Vermögen und freue mich, wenn ihr eine tolle Reise mit dem Camper macht.

    1. Hi Natman,
      danke für dein Kommentar.
      – Als Berufseinsteiger*in ist es vielleicht noch Berufung, leider ist man nach 12-24 Monaten schon sehr desillusioniert. Gründe dafür gibt es viele: unbezahlte Überstunden, oder vermeintlich dokumentierte Überstunden werden von Vorgesetzten oder Personalabteilungen wieder aus dem Zeiterfassungssystem gelöscht; Tarifverträge werden nicht eingehalten; null Wertschätzung nach dem Motto: Nicht gemeckert ist Lob genug!; unmenschliche Arbeitsbedingungen, toxisches Arbeitsumfeld nach dem Motto: wer am lautesten schreit hat Recht; 24 Std. + x Std. Dienste in denen man durcharbeitet und am Ende dafür 80€ netto rauskommen, Patient ist nur Ware (Je mehr Operationen oder invasive Verfahren, desto mehr Geld gibt es), es geht wirklich nur noch ums Geld etc.; könnte hier endlos weiter machen, aber ich denke deine Frau kann dir die Bedingungen in deutschen Kliniken auch ganz gut erläutern…
      – Punkt 2 ist eine gute Frage… vielleicht habe ich auch nur Angst mit 85 Jahren dazustehen, das Geld ist futsch und ich kann die Seniorenresidenz nicht mehr bezahlen. Aber laut dem sehr aufschlussreichen Kommer Artikel (s.o.) hat sich das eh erledigt.
      – zahle nur meinen AN Anteil der ÄV von 9,3% und der AG die anderen 9,3%. Wenn ich erwerbslos bzw. auf Reisen bin (wie im Moment) zahle ich nur den minimalen Betrag (aktuell 383,40€) ein, um weiterhin den Schutz der BU zu genießen und die Mindestzahl von Punkten zu erwerben; meiner Meinung nach ist das outcome der Rente durch die ÄV nicht gleichwertig wie die Rendite eines ETF Depot, deshalb stocke ich den Beitrag nicht auf (zumal ich über meinen eingezahlten Betrag nicht verfügen kann und sich die ÄV vorbehält Renten anzupassen)
      VG

      1. Danke für die Antwort Camperin, wir kennen einige Aspekte im Krankenhaus aber sehen es nicht so negativ wie du. Kommt aber sehr darauf an, ob Tarifvertrag oder nicht und wie es aussieht mit Überstundenauszahlungen etc.

      2. Hallo Camperin,
        danke für dein Interview und deine Einblicke!
        Schade, dass du so desillusioniert bzgl. deinem Job bist. Da kenne ich noch jemanden: (-Link zum Coachingangebot entfernt-) vielleicht könnt ihr was zusammen machen? Manchmal braucht es nur ein bisschen Inspiration.
        Alles Gute!

  5. Liebe Camperin,

    ich fürchte, Du hast die falsche Stelle. Ärzte, speziell deutsche (oder sagen wir mal so: welche, die einigermaßen auf deutsch kommunizieren können), sind aktuell ziemlich selten und können sich (fundamental anders als z.B. vor 10 Jahren) ihre Stelle aussuchen. Schau einfach mal in die einschlägigen Tarifverträge. Wenn solche Sachen vorkommen wie Nichtanerkennung von geleisteter Arbeitszeit, gibts erstmal ein Schreiben an den entsprechenden Vorstand und den Betriebsrat und beim zweiten Mal die Kündigung. Solche Scherze kann sich aktuell eigentlich kein Krankenhaus mehr leisten.

    “Ärztin” ist als Beruf nicht spezifisch genug, “Ingenieur” ist es auch nicht. Die Verhältnisse sind in den unterschiedlichen Disziplinen erheblich unterschiedlich. Du bist jetzt noch jung. Hast Du mal daran gedacht, die Disziplin zu wechseln? JETZT ist der Zeitverlust noch nicht groß. Wenn Du mal 10 Jahre im Beruf bist und dann wechseln willst, ist der Aufwand größer.

    Eins darf ich Dir allerdings ans Herz legen: Wenn Du ein MVZ ins Auge faßt, schau Dir mal vorher an, wie so ein Ding konstruiert ist. Es ist sicher kein Zufall, daß das Personal in einem MVZ üblicherweise ziemlich schnell wechselt.

    (Für alle: Ein Medizinisches Versorgungszentrum MFZ ist eine Praxis, die einem Finanzinvestor (oft Nichtmediziner) gehört, der primär eher nicht das Wohl des Patienten, sondern primär den eigenen Gewinn im Auge hat. Großes Problem z.B. bei Augenärzten, wo man mittlerweile so gut wie keinen selbständigen Augenarzt mehr findet. Es gibt sicher auch unter selbständigen Praxisinhabern Bestabrechner, bei einem MFZ allerdings ist Bestabrechnung geradezu garantiert.)

    Du verdienst eine ganze Menge Geld (das ich Dir gönne). Ein Assistenzarzt im 6. Berufsjahr verdient in einer 80%-Stelle (4 Tage pro Woche) im Jahr normalerweise um die 36 kEUR/a (plus Dienste). Da ist zu Deinen 60 bzw. 73 kEur/a eine Menge Luft, was im Umkehrschluß heißen könnte, daß Du Dich mit Diensten und Notarztdiensten ganz erheblich engagierst, was Deine Arbeitsbe- oder gar -überlastung erklären könnte. Mir persönlich wären bereits die 6 oder 7 Dienste pro Monat, die an den meisten Kliniken “normal” sind, schon zuviel. Hätte ich in solcher Situation die Wahl, würde ich das Geld sausen lassen und meine Freizeit/Freiheit genießen. Gerade junge Ärzte sehen das vielfach anders. Die Lifestyle-Inflation ist in diesen Kreisen ganz enorm (auch bei Dir mit Deinem Benz). Die fahren gern teure und neue Autos (“Man gönnt sich ja sonst nichts.”), was aus der Sicht des Vermögensaufbaus natürlich ziemlich kontraproduktiv ist. Andersherum kenne ich Ärzte, die ganz gern Dienste in der Klinik machen (die je nach Disziplin recht unterschiedlich anstrengend sind). Einer meiner Bekannten hat in der gewissermaßen erzwungenen Bürozeit ein Gutteil seiner Habilitation geschrieben.

    Ein Oberarzt bekommt nach Tarif im Grundgehalt in der höchsten Stufe etwa 110 kEUR/a (plus Dienste, plus Pool). 110 kEUR/a brutto sind netto bei einem Ledigen etwa 60 kEUR/a.

    Mit Ebay-Verkäufen, die Dir den Jahresurlaub finanzieren, solltest Du vorsichtig sein. Das ist mindestens ein ordentlich vierstelliger Ertrag im Jahr (Umsatz vermutlich noch mehr). So viele Dinge kann man aus eigenem privatem Besitz eigentlich nicht verkaufen. Wenn Du den Hausrat Deiner Großfamilie vertrödelst, könnte irgendwann einmal das Finanzamt bei Dir anklopfen und seinen Teil abhaben wollen.

    Die Arbeit als Arzt ist (anders als Du es schreibst) durchaus skalierbar – in der eigenen Praxis. Jeder Inhaber einer gutgehenden Praxis verdient vermutlich mehr als Du – allerdings nicht in einer 4-Tage-Woche. Der Kardiologe am Ammersee, der sich nun, da etabliert, keine Füße mehr herausreißen muß, protzt in einem Forum, in dem ich verkehre, damit, daß er im Vorjahr mal wieder fünfstellig Kirchensteuer bezahlt habe. Magst selbst ausrechnen, wie hoch ein Einkommen bei 10 kEUR/a Kirchensteuer mindestens sein muß.

    Du gibst an, Du habest 6 kEUR/a Steuern bezahlt. Das erscheint mir ziemlich wenig für 73 kEUR/a netto. Bei mir steht bei deutlich geringerem Nettoeinkommen ein Mehrfaches dessen an Steuer im Steuerbescheid.

    Aus der Ärzteversorgung kommst Du nicht sinnvoll heraus, Du tust gut daran, sie auch im Sabbatical weiterzubezahlen. Bei der Zusatzversorgung kommt es darauf an, ob Du (vermutlich) eine Pflichtversorgung hast oder eine freiwillige Versorgung (oder vielleicht gar beide). Für die Pflichtversorgung brauchst Du 60 Beiträge, damit Du überhaupt einen Anspruch erwirbst. Gleiches gilt für die gesetzliche Rentenversicherung. Wenn Du die 60 Monate (noch) nicht hast, liegt das bisher eingezahlte Geld auf Eis, ist also quasi verloren. Du tust gut daran, die 60 Monate mit freiwilligen Einzahlungen voll zu machen. Dazu reicht der Mindestbeitrag (17 Flocken WIMRE bei der gesetzlichen Renten”versicherung”).

    Du rätst anderen Leuten (völlig zu Recht), sie sollten sich nicht zu Luxusgütern verführen zu lassen, speziell keine “dicke Karre” zu kaufen. Genau das hast Du aber getan.

    Ich bin schon ziemlich lang finanziell unabhängig. Schon vor vielen Jahren habe ich mir Zeit dafür gekauft, also die Arbeitszeit reduziert. Der Plan war, die Arbeitszeit mit den Jahren immer weiter zu reduzieren. Das habe ich aber nicht umgesetzt, weil mir mein Beruf einfach zu viel Spaß macht. Ein langes Wochenende und mehr “Urlaub” ist super, Arbeit ist aber auch super. Die plakative “Rente mit 40” habe ich nie angestrebt. Das muß aber jeder selber wissen, jeder Jeck ist anders.

    Mach Deine große Reise, solange Du jung bist, solange Du keine Kinder hast. Hinterher weißt Du, wie sie gewesen ist und weißt dann auch, ob Du dieses Abenteuer nochmal haben willst.

    1. Ganz so einfach ist das leider nicht. In der Theorie hat man sicherlich große Auswahlmöglichkeiten. Was ich von Kollegen die aus anderen Krankenhäusern gewechselt sind, höre sind die Arbeitsbedingungen aber anderswo auch nicht besser als in unserem Haus. Bestimmte Fachrichtungen gibt es nicht in jedem Haus. Dann ist halt auch nicht jeder Single. Der Partner oder Partnerin hat vielleicht nicht die gleichen Möglichkeiten in ganz Deutschland eine neue Stelle zu finden. Man ist für die Weiterbildung immer vom Wohlwollen des Chefs abhängig. Der muss nämlich bescheinigen, dass man bestimmte Untersuchungen durchgeführt hat. Gerade beim Wechsel zwischen Bundesländern wird es noch komplizierter, da teilweise gering andere Bedingungen zur Facharztreife benötigt werden.
      Die Weiterbildung ist zumindest bei uns ziemlich miserabel. Was ich praktisch lerne, lerne ich von erfahreneren Assistenz/Fachärzten, aber nicht von Oberärzten.
      Der Betriebsrat ist ein Witz. Ich war monatsübergreifend vom 20.06. – 15.07. mit lediglich dem 26.06. als einzigen freien Tag eingeteilt und nur auf Druck durch den leitenden Oberarzt meiner Stammklinik, konnte das verhindert werden und ich habe noch 2 weitere Wochenendtage frei bekommen. Eine Mail an die dienstplanenden Oberärzte hat nicht geholfen. Dem Betriebsrat ist bei Durchsicht der Dienstpläne vor Freigabe scheinbar ja auch nichts aufgefallen…
      Das Gehalt ist im Vergleich mit anderen Berufen sicherlich nicht schlecht. Sparquoten von 60%+ total einfach für mich (Außerhalb der Urlaubstage, kann man halt kaum Geld ausgeben). Dafür jedes zweite Wochenende, Überstunden, Nachtarbeit und mit der Verantwortung zu arbeiten, meiner Meinung nach wiederum nicht ausreichend.
      Bei uns scheint es ähnlich zu sein wie die Camperin es beschreibt. Ich arbeite nicht in NRW.
      Im PJ habe ich immer noch gedacht, die Assistenzärzte arbeiten aber lange, das bekommst du doch bestimmt anders hin…
      Ich würde ehrlich gesagt auch niemandem mehr empfehlen Arzt zu werden. Da selbst während Corona keine Veränderungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen angestoßen wurden, habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass es jemals besser werden wird.

  6. Wer was machen will, kriegt das schon hin. Vernünftige Dokumentation ist natürlich ein Muß, wenn man belegen will, daß das Arbeitszeitgesetz mit Füßen getreten wird. Welche große juristische Bedeutung eine saubere Dokumentation hat, weiß jeder Arzt von Berufs wegen.

    Betriebsräte mögen im Einzelfall schwach sein (unserer ist es beispielsweise), aber dann gibt es noch Arbeitsrechtsschutzversicherungen, und dann gibt es den Marburger Bund. Die Bedingungen an Deiner Klinik treffen ja vermutlich nicht nur Dich allein. Hier in der Gegend hat es eine Klinik gar nicht ernst genommen mit dem Arbeitszeitgesetz, die haben dann ganz heftig einen zwischen die Hörner bekommen. Man sollte nicht vergessen, daß es strafbar ist, Dienstpläne anzuordnen, die jenseits der Vorgaben sind.

    Man muß sich als Betroffener natürlich wehren. Und der alte Spruch von vor 20 Jahre, daß 20 Ärzte nur darauf warten, daß eine Stelle frei wird, zieht ja nicht mehr.

    Die Vorstellung, daß man das Messer nicht gerade halten kann, wenn man nicht schon mindestens 72 Stunden auf den Beinen ist, steckt auch in vielen jungen Ärzteköpfen drin, und so mancher läßt sich auch mit im Endeffekt relativ wenig Geld das Maul stopfen.

    Selbst schuld.

    Wir kommen aber vom Thema ab. Es geht in diesem Thread um die Camperin und nicht um überkommene Arbeitszeitmodelle in manchen gestrigen Kliniken.

  7. Hallo Camperin,
    toll das du so viel angespart hast in dieser kurzen Zeit. Un trotzdem noch Urlaub, Essegen gehen usw. machst. Glückwunsch!
    Welche Sparquote hast du monatlich? Variiert diese, oder kannst du dich gut daran halten?

  8. Hallo Campern,

    bin Kollege und sehe das, was dir gerade passiert mit großer Sorge. Ich hab die 50a schon hinter mir und hab damals nach dem Studium als AiP (Arzt im Praktikum, die Kliniken bekamen zwei Ärzte zum Preis von einem) für 1300 DM (das sind 650 Euro) 1998 mein erstes Geld verdient. Das WG Zimmer, in dem ich lebte hat 350 DM Miete gekostet, der Sprit ca. 1,10 DM, ein Abendessen bei einem einfachen Italiener zwischen 10 und 15DM. Mein Auto war ein rostiger Ford Fiesta mit 135000 km, der mich aber nie im Stich gelassen und viele Länder Europas gesehen hat. Ich hab damals etwa 100 bis 200 DM im Monat zur Seite gelegt, mehr war einfach nicht drin.

    Ja es war stressig, ja ich habe im Laufe meines bisherigen Lebens ungefähr 2 Jahre in der Klinik geschlafen, ABER ich liebe meinen Beruf und würde ihn (zumindest das, was am Patienten stattfindet) auch ohne Geld machen. Inzwischen habe ich aber auch Deutschland den Rücken gekehrt- darüber solltest Du auch ernsthaft nachdenken. Es ist unfassbar, mit welcher Arroganz man als Arzt in D insbesondere von Kliniksadministrationen behandelt wird. Das ist zumindest in Österreich schon einmal grundsätzlich anders. Auch ich denke inzwischen sehr ernsthaft über eine Selbstständigkeit nach, werde diese aber wahrscheinlich erst in 2-3 Jahren verwirklichen, bis dahin sollte ich die FI aber auch schon erreicht haben.
    Der Beruf des Arztes ist aus meiner Sicht kein Beruf wie jeder andere. Irgendwann haben wir uns dafür entschieden, anderen helfen zu wollen- nicht die große Knete zu verdienen. Mein Gehalt ist mit den Jahren deutlich angestiegen und inzwischen verdiene ich- mit Personalverantwortung und hoher Qualifikation- sehr ordentliches Geld. Das war aber eben nicht immer so und ich habe jahrelang für n Appel und n Ei auf der Intensivstation im Schichtdienst geschuftet. Von daher habe ich beim Lesen meiner Abrechnungen auch kein schlechtes Gewissen. Im Vgl zu den USA verdiene ich trotzdem etwa nur 30% des dortigen Salärs.
    Was mir Sorge bereitet, ist, dass viele junge Kollegen keine Lust mehr haben sich “durchzubeissen”. Nein, ich möchte auch nicht die Verhältnisse, unter denen ich Assistent war (Stichwort AiP) wiederauferstehen lassen. Aber in diesem Beruf muss ich nunmal auch nachts arbeiten, und gerade die interessantesten Fälle kommen gern auch mal am Wochenende. Das wussten wir aber vorher, darüber darf ich nicht jammern. Ich bekomme jedenfalls soviel Dank von zufriedenen Patienten, dass ich über die Nachteile unseres Berufs hinwegsehen kann. Und ich kenne keinen anderen “Job”, der soviel Sinn macht wie dieser.
    Ich hoffe Du findest auch einen Weg für Dich, der es dir ermöglicht, deine Fähigkeiten in der Medizin optimal für deine Patienten einzusetzen und dich zufrieden werden lässt!

    Liebe Grüße aus der Alpenrepublik

    Medicus

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