Millionär Interview 15 – Kleinunternehmer ganz groß

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Die Millionär Interviews begeistern!

Es vergeht fast keine Woche, ohne das mich ein Leser anschreibt, wie gut Ihm diese Serie gefällt. Wir Menschen können neue Dinge oft am schnellsten lernen, wenn andere als Vorbild diesen, die diesen Weg schon gegangen sind. Es ist Motivation und Wissen gleichzeitig das so vermittelt wird.

Heute schreibt uns Kleinunternehmer. Er zeigt uns, dass man mit Bodenständigkeit auch ohne sechsstelliges Einkommen oder in der Welt umher zu tingeln, schon früh ein Vermögen aufbauen kann.

 

Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?

Ich bin 38, meine Freundin 37 Jahre alt. Wir sind seit 13 Jahren zusammen.

 

Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?

Zwei Kinder, 0 + 2,5 Jahre alt.

 

Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?

Ländlich und außerhalb des D-A-CH Raums.

 

Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?

Da ich Einzelunternehmer bin, schwankt mein Einkommen stark. Die letzten Jahre waren es 30-60k Euro netto Arbeitseinkommen je nach Auftragslage.


Die Freundin bleibt aktuell bei den Kindern und erhält Arbeitslosen- plus Kindergeld. Insgesamt um die 10k Euro jährlich.

 

Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?

Meine monatlichen Ausgaben:
  • Hauskredit inkl. Tigung: 1500 Euro
  • Pflichtausgaben: ca 1.000 (Versicherungen, Gas, Strom, Müll, Internet, Haushaltsgeld Freundin/Kinder)
  • Freizeitgeld/Puffer: ca.500 (Haushaltsbuch hab ich nach 10 Jahren vor 2 Jahren aufgegeben)
  • Freundin benötigt für sich ca. 500€ wird aber hier nicht einbezogen. Sie ist von Haus aus sparsam und fällt bei mir eigentlich nicht ins Gewicht. Wenn sie später wieder arbeiten geht was sie auch möchte, erhöht sich die Sparleistung.

 

Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?

Meines geschätzt 1.0 Mio. Euro
Freundin 65k Euro

Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)?

Haben:
  • 530k Euro Eigenheim laut Schätzung
  • 250k Euro Firmenimmobilie selbstgenutzt und abbezahlt
  • 200k Euro Firmenwert (geschätzt wenn ich Verträge, Kunden, Mitarbeiter, Auftragslage aktuell verkaufe)
  • 130k Euro ETF Depot (bespare ich seit vier Jahren und zu 90% thesaurierend, da an meinem Lebensort dadurch keine Besteuerung vor Verkauf)
  • 110k Euro aktuelle Pensionsansprüche
  • Cash: 2-5k
  • Freundin: 27k Euro in einer Zusatzrente, 17k in ETF, 21k Euro als Bargeld
Soll:
  • 120k Euro Restbetrag Hypothek als Annuitätendarlehen mit Euribor 3M +1,3% – Laufzeit bis Ende 2025
  • 42k Euro Lombardkredit auf Aktiendepot – Bereitstellung 0% – Zinsen 0,75% auf Ausnützung


Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?

Nach dem frühen Tod meines Vaters war ich mit fünf Jahren plötzlich Mitbesitzer unseres privaten Wohnhauses, inkl. einer Wohnung für Oma.
Das war ein privater Schicksalsschlag. Trotzdem hatte ich später ein kostenloses Dach über dem Kopf. Ich glaube viele wissen das nicht zu schätzen.
Während der Sommerferien hab ich eigentlich immer gearbeitet seit ich 12 war. Somit hatte ich auch immer eigenes “Geld in der Tasche”.
Nach Abschluss der Schule mit 18 habe ich gleich meine Firma gegründet. Natürlich mit viel Unwissenheit und Blauäugigkeit.
Nebenher ging ich aber zu Beginn auch angestellt arbeiten und war als Lehrer tätig.
Geld kam immer rein. Zu Beginn aber auch viel raus. Es war damals im Rückblick ein sehr unbekümmertes Leben. 2k Euro im Monat als Ausgaben plus kostenlose Unterkunft find ich heute nicht ganz wenig… Wenn ich meine Firmenbilanzen von damals anschaue, graut es mir. Ich hatte damals nur ca. 10-20k Euro auf der hohen Kante.
2007 war ich nur mehr in der Firma tätig und lernte meine Freundin kennen. Ab da wurde es dann deutlich besser. Die Ausgaben sanken um ca. 50% und das Einkommen stieg auch deutlich.
2009 Baubeginn des Geschäftsbüros als Eigenbau. (In einem Konsortium konnte ich es deutlich günstiger realisieren)
2011 Fertigstellung und Einzug. Finanziert wurde es mit dahin angespartem Geld, eigener Sparleistung und einem zinslosen Kredit von ca. 30k Euro von meiner Mutter
2015 Komplette Sanierung und Erweiterung des Mehrfamilienhauses (es ist ein historisches Gebäude vom 18.Jh). Kostenpunkt dafür waren 300k Euro für meinen Anteil für 130m² mit Garten, Garage und Stellplatz.
Finanziert habe ich es neben dem Eigenkapital von meiner Freundin und mir über einen 170k Euro Kredit über 10 Jahre. Das sind hohe Summen aber dadurch kam es auch zu einer deutlichen Wertsteigerung der Immobilie.
Bei uns können Sanierungen steuerlich abgesetzt werden. Somit konnte ich für die Freundin eine Steuerersparnis von 2,5k Euro Jahr und für mich von 10k Euro im Jahr für die jeweils nächsten 10 Jahre herausholen. Dadurch stiegen auch wieder unsere Nettogehälter.
Seit 5 Jahren wird nun der gesamte Überschuss in mein ETFs Depot gesteckt. Das Depot hab ich schon im Forum hier gepostet.
Zusammenfassend also:
Hohe Sparrate seit ca. 13 Jahren, Immobilieninvestitionen mit sehr viel Eigenbauleistung und Ausnutzung der Steuergesetze.

 

Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?

Größere Fehler fallen mir jetzt eigentlich keine ein. Kleinere jedoch mehrere.
Mein teurer und unvernünftiger Lebensabschnitt war zum Glück nur eine Phase und die möchte ich dadurch auch nicht als Fehler bezeichnen. Es war schon eine schöne Zeit, die ich erlebt habe.
Ein anderes Beispiel: Ich hab mal 95% meiner Ersparnisse in aktiv gemanagte Osteuropa- und Russlandfond gesteckt.
Nach zwei Jahren hatte ich von 18k nachsteuerlich 40k gemacht und zum Glück benötigte ich danach das Geld.
Größere Einbußen in finanzieller Hinsicht hatte ich bisher eigentlich noch nicht.

 

Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?

Hier kann ich nur das aus anderen Millionärsinterviews wiederholen und bestätigen:
Sparsam und bewusst leben, Im Beruf 100% geben (nicht wie ich die ersten Jahre) und auch etwas tun was einem Freude bereitet.

 

Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen/erhalten oder noch zu erhöhen?

Aktuell lebe ich in meinem „selbsterstellten Hamsterrad“, dass ich meistens aber mag und das monatlich gesparte Geld wird ins ETF Depot gesteckt.

 

Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?

Ja – 500k Euro im ETF Depot, Immobilienkredit abbezahlt und die Firma aufrechterhalten, bzw. optimieren.

 

Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deine Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?

Ich glaube ich bin auf einem guten Weg zu meinen Zielen. Theoretisch wäre ich ja schon finanziell frei, wenn ich alles verkaufe und auf Sparflamme lebe.
Ich werde sicherlich noch 5-6 Jahre Gas geben. Viele Freiheiten in meiner Firma kann ich mir ja jetzt schon nehmen. Mir ist der Luxus, mein eigener Chef zu sein, viel wert. Z.B. mal einfach so für eine Stunde nach Hause zum Sohn, weil mal was nicht läuft, ist einfach Gold wert.
Unser Lebensort bleibt sicherlich hier. Für mich ist es das Paradies und wenn es mich doch einmal in die Ferne ziehen sollte, dann sollte ich das ja in ein paar Jahren ja auch machen können.
Mag ich deshalb immer meine Arbeit? Manchmal ist es schon Kräfte zehrend. Aber kaum bin ich einige Tage nicht im Büro zieht es mich auch wieder gern hin.
Hier ist mein Ziel, die Firma so aufzubauen, dass sie mich weniger braucht. Das ist bei einer kleinen Firma aber nicht so einfach. Ich kann mir auch vorstellen in einigen Jahren jemanden an meiner Stelle anzustellen und ich bin dann nur noch sporadisch dort. Neben meinem ETF Depot müssten halt ca. 15-20k Euro jährlicher Cashflow übrig bleiben, wenn ich die Firma behalte.

 

Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?

Man lebt meines Wissens nur einmal – Also macht was daraus!
Lasst euch dabei auch was zukommen, aber das ganz bewusst!
Man ist dadurch zufriedener und ausgeglichener.
Das Ziel ist ein zufriedenes und glückliches Leben. Mit Geld und Vermögen im Rücken lebt es sich leichter aber es ist im Endeffekt nur Mittel zum Zweck.

 

Abschließend habe ich an den Maschinisten und die anderen Leser der Freiheitsmaschine noch eine Frage:
Ich habe aktuell die Möglichkeit einen Kredit auf meine Firma aufzunehmen und überlege dieses Geld dann in mein ETF Depot zu investieren. Die Konditionen dazu lauten: 120k Euro zu 2,1% bei 8 Jahren Laufzeit. Getilgt werden in dieser Zeit 50% des Kredites, die anderen 60k Euro sind fällig nach Laufzeitende.
Als mögliche Absicherungen plant meine Partnerin in drei Jahren wieder arbeiten zu gehen, was unser monatliches Nettoeinkommen dann um weitere 300-500 Euro erhöht.  Bei Worst Case (meine eigene Arbeitsunfähigkeit) hätte ich auch die Möglichkeit das Büro mit einer Hypothek zu beleihen.
Ich mag einfach nicht einen so hohen Anteil meines Vermögens in der eigenen Immobilie und der Firma investiert haben. Eine zusätzliche Beleihung und das Investieren in ETF sieht optisch erst einmal gut aus und die Asset Aufteilung wäre so auch besser geregelt.
Bei einer angenommenen ETF Depotrendite von jährlich 7% hätte ich ein Gewinnpotenzial nach Abzug der Kreditkosten von insgesamt ca. 42.000 Euro über die 8 Jahre.
Bin ich hier zu gierig?
Worst Case (Arbeitsunfähigkeit bei Börsencrash) könnte ich die Büroimmobilien noch beleihen, und somit die Fixkosten bis einen halbwegs Erholung des Aktienmarkts überbrücken.
Also könnte ich sicherlich 4-5 Jahre die Fixkosten noch ohne Depotverkauf überbrücken.
Oder soll ich einfach standardmäßig fortfahren?

 

Das war das Interview mit Kleinunternehmer. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast und anderen einen Einblick in Dein Leben gibst!

Als Antwort zu Deiner Frage im letzten Abschnitt:

Ich persönlich würde das in Deiner Lebenssituation und mit diesen Konditionen aktuell nicht tun.

Folgende Punkte sind dabei entscheidend:

  • Du hast aktuell schon einen in seiner prozentualen Höhe grenzwertigen Lombardkredit auf Dein Aktiendepot laufen. Außerdem gibt es noch den restlichen Immobilienkredit.
  • Die Börsen sind über einen Zeitraum von 20 Jahren so gut wie immer positiv aber über 8 Jahre ist das bei einer investierten Einmalsumme zu Beginn des Zeitraums nicht der Fall.
  • Historisch betrachtet kann es passieren, dass der Wert dieses investierten Geldes dabei temporär am Ende der Laufzeit auf nur ca. 60% der ursprünglichen Summe gefallen ist, bevor er sich wieder erholt und neue Höhen erklimmt.
  • Anbei siehst Du eine jährliche Worst Case Drawdown Betrachtung des US Aktienmarktes seit dem Jahr 1970. Der Worst Case war dabei das Investieren als Einmalsumme im Jahr 2000. Im Jahr 2009 war das Depot dabei nominal 40% temporär unter Wasser (Jahr 9):

Eine weltweite Aufteilung des Vermögens hilft hier zwar und auch das anteilige Investieren in REITs (Real Estate Investment Trusts), die bei ähnlicher langfristiger Rendite die Volatilität reduzieren. Hier ein Beispiel mit 45% USA ETF, 45% außerhalb USA ETF und 10% US REIT ETF:

Charts und Quelle von Portfoliocharts zum Selbertesten

Die Gefahr eines temporären deutlichen Depoteinbruchs über diese Laufzeit bleibt also weiterhin bestehen.

  • Dein Unternehmen bietet Dir viel mehr Freiheiten als die eines Angestellten aber dafür ist Dein Einkommen stark schwankend und als Bonus ist Deine Partnerin aktuell mit Kleinkindern zu Hause und euer Leben ist aktuell wahrscheinlich schon „spannend genug“.
  • Dieses Darlehen hätte einen 50%igen Anteil, der am Ende der Laufzeit komplett fällig wird – Wenn sich Deine Lebenssituation plus die Zinssituation bis dahin deutlich ändert, hast Du in Summe zusammen mit den Parametern oben ein Problem.
  • Selbst wenn alles gut geht, beträgt der mögliche finanzielle Vorteil bei Deinen Parametern nur ca. 500 Euro netto im Monat.

Ich würde an Deiner Stelle einfach so weiter machen wie bisher. Du hast mit gerade einmal 38 Lebensjahren die Möglichkeit in den nächsten Jahren noch Gas zu geben. Die von Dir angeregte Rendite aus einer zusätzlichen Beleihung könntest Du ja auch aus etwas mehr Einkommen aus Deinem Unternehmen erreichen und das ohne nachts den Schlaf zu verlieren, wenn die Börsen wieder einmal temporär einbrechen und in den Boulevardzeitungen dann wieder das Ende der Welt beschworen wird.

 

Und jetzt zu den Lesern. Wie seht Ihr diesen letzten Punkt oder habt Ihr eine vergleichbare Geschichte? Habt Ihr eigenes Vermögen aufgebaut und könnt niemandem davon im echten Leben erzählen?

Hier in der Freiheitsmaschine ist das anders!

Hier könnt Ihr anderen Menschen auf Ihrem Weg damit sehr helfen und beim zwanglosen Austausch dabei selbst noch neue Ideen erhalten.

Schreibt dem Maschinisten im Kommentarbereich oder betreff Interview unter maschinist@freiheitsmaschine.com und werdet selbst Teilnehmer bei den Millionär Interviews!

Und jetzt Feuer frei im Kommentarbereich! Was interessiert euch speziell am Weg von Kleinunternehmer. Was hilft euch besonders weiter und was möchtet Ihr von Ihm wissen.

 

 

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Dominik von depotstudent.de
Gast

Lieber Maschinist,

wieder ein sehr cooles Interview!

Zum Thema Aktien bzw. ETFs auf Kredit: Da bin ich ja bekanntlich einer der ersten, der neugierig wird. Beleihe und heble mein Depot ja auch selbst mittels Kredit.

Ich muss Dir aber zustimmen, dass das in der derzeitigen Lage von Kleinunternehmer nicht unbedingt eine gute Idee sein muss. Den Grundgedanken mittels Kredit eine bessere Asset-Allocation zu erreichen (und natürlich gerne Gewinne mitzunehmen) kann ich im Grundsatz voll nachvollziehen. Natürlich besteht ein gewisses Klumpenrisiko aufgrund von Firma und Immobilie, aber ist eine ausgeglichenere Asset Allocation wirklich ein Grund dafür, sich andere Risiken ins Haus zu holen?

120k bei 8 Jahren entsprechen 15.000 € pro Jahr. Wenn über die Laufzeit lediglich 60k getilgt werden, sind das immer noch 7.500 € im Jahr und 625 € im Monat. Ohne Zinsen. Wird Dich bei Deinem Einkommen nicht übertrieben belasten, ist aber natürlich Cash-Flow-technisch nicht unbedingt optimal, wenn das eigentliche Ziel ja Freiheit lautet. Da die Brutto-Kursgewinne rein fiktiv sind, helfen diese ohne Verkäufe auch nicht unbedingt, um Deinem Wunsch nach Freiheit gerecht zu werden.

Ich würde eher alles was übrig ist in den Aktienmarkt investieren und über diesen Weg Schritt für Schritt eine ausgeglichenere Vermögensverteilung erreichen.

Den Wertpapierkredit sehe ich in dieser Situation persönlich eher als selbstauferlegte Beschränkung, um besser zu diversifizieren und möglicherweise (!) früher “frei” zu sein. Da Du Dich aber in einer anderen Situation befindest als ich mich beispielsweise, finde ich ganz passend:

Wieso was man hat riskieren für etwas, das man nicht braucht?

Liebe Grüße
Dominik

Mitglied
Kleinunternehmer

Hallo Dominik,
Wieso was man hat riskieren für etwas, das man nicht braucht?
Der Grundgedanke war noch etwas rauszuholen, was nebenherlaufen sollte. Deshalb die Frage ob ich zu “gierig” wäre.

Gast
max

Hallo,
erstmal vielen Dank an den Maschinisten für den tollen Blog. Die Interviews und Berichte sind immer so positiv. Ich freue mich immer sowas zu lesen.
Vom ETF auf Kredit würde ich dringend abraten. Wenns mal stark bergab geht am Markt ist man viel entspannter ohne Kredit. Also einfach weitermachen wie bisher.
In Kostolanys Buch “Die Kunst über Geld nachzudenken” findet man dazu auch schöne Geschichten.
Ich besitze zwei Immobilien

Mitglied
Natman

Hi Kleinunternehmer, Glückwunsch von mir und Respekt! Ich lese heraus, dass du sehr geplant vorgegangen bist und dass du bis jetzt hart gearbeitet hast. Ich habe noch ein paar Fragen:

– wie sicherst du deinen Berufsausfall ab, da ja derzeit das passive Vermögen noch nicht üppig ausreicht?
– wie hast du die Vorsorge / Rentenansprüche geschätzt / berechnet (habe diese bei mir noch gar nicht auf dem Schirm nur eine vage Vorstellung)
– wie wahrscheinlich kannst du wirklich in deinem Unternehmen kürzer treten? Kenne viele, die es nicht schaffen…

Von dem Kredit halte ich nicht so viel. Meine Idee wäre gewesen, die Kinder in die Kita ab 1 (das Kleinste) und dann dass deine Frau mehr arbeitet. Ist aber die Frage, ob man das unabhängig von den Finanzen so machen will. Vorteil wäre mehr Diversifikation zur Firma und antifragiler.

Viele Grüße von Natman

Mitglied
Kleinunternehmer

Hallo Natman
hier die Antworten zu deinen Fragen.
– wie sicherst du deinen Berufsausfall ab, da ja derzeit das passive Vermögen noch nicht üppig ausreicht?
Hab meiner Ansicht nach ausreichend Versicherungen und machen fast den größten Teil meiner privaten Fixkosten aus: Krankheit mit Invalidität, Unfall mit Tod, Privat Haftpflicht, Autoversicherung, Familienrechtschutz, Berufhaftpflicht
Gesamtausgaben ca. 2000€/Jahr
Bei Krankheit Tagegeld 150€
Bei Unfall Tagegeld 150€, Invalidität 250k, Tod 150k

– wie hast du die Vorsorge / Rentenansprüche geschätzt / berechnet (habe diese bei mir noch gar nicht auf dem Schirm nur eine vage Vorstellung)
Bei mir läuft es so, was eingezahlt wird, erhalte ich nach Pensionsantritt mit z.Z 4,5-6% bis Lebensende ausbezahlt. Je nach Rentenantritt. Betrag wird lediglich um Inflation aufgewertet. Deshalb wird das aber am wenigsten betrachtet und gilt lediglich als Zusatz im hohen Alter.
Zurzeit stünde ich bei ca. 900€/Monat Brutto ab 2050

– wie wahrscheinlich kannst du wirklich in deinem Unternehmen kürzer treten? Kenne viele, die es nicht schaffen…
Wo ein Wille da ein Weg. Ich denke und hoffe es wird ein schleichender Prozess sein mit Stundenreduzierung und aufteilen meiner Tätigkeiten.
Wunsch wäre ja die Firma behalten und nur das machen was einem Spaß macht. Lästige Pflichtarbeiten abgeben bzw. outsourcen.
Unterm Strich sollte halt noch was überbleiben oder bei kompletter Spaßarbeit eine 0 rauskommen.
Ich denke die es nicht können, jedoch die Möglichkeiten hätten, wollen es einfach nicht. Also kann man nicht weiterhelfen.

– die Kinder in die Kita ab 1 (das Kleinste) und dann dass deine Frau mehr arbeitet
Freundin war jetzt 2,5 Jahre zuhause, da die finanziellen Mehreinnahmen minimal waren, und die Zeit mit den Kleinen kann man nicht nachholen.
Ja das war schon ca. so geplant, aber es muss halt auch passen, nicht dass wir dann wegen einigen hundert Euro mehr, alle gestresst sind. Hinbringen, zur Arbeit, Abholen, Hausarbeit, Kochen, Krankheitsfall, … usw.
Mal sehen hier haben wir ja noch etwas Zeit.

Djerun82
Gast
Djerun82

Hallo,
mich würde mal interessieren wo es einen Lombardkredit zu den genannten Konditionen gibt?
Danke…LG!

Mitglied
Kleinunternehmer

Hallo,
hier hab ich den Lombardkredit laufen
https://finecobank.com/en/online/mutui-e-prestiti/credit-lombard/

Mitglied
Kleinunternehmer

Danke für die ersten Rückmeldungen.
Je mehr ich über den Kredit nachdenke, desto einleuchtender wird mir auch selbst, dass ich mir hier eine zusätzliche Last auferlege. Es gibt sichere bessere Möglichkeiten die ganze Sache zu optimieren. Die nächsten Monate nachts nicht schlafen, kann ich aber wahrscheinlich trotzdem nicht 🙂

Bezüglich Lombardkredit:
Diesen hab ich erst vor ca. einem halben Jahr beantragt. 42k ist die maximal Belastung bei 70k ETF Papiere(60% beliehen) Grundgedanke war einen kostenlosen Kreditrahmen zu beantragen, um die Liquidität bei unvorhergesehen Ausgaben zu haben.
Hier wurde dann der Kreditrahmen des Firmenkontos und die offenen Forderungen der Kunden ausgeglichen. Diesen immer voll auszunutzen ist auch nicht geplant. Deshalb auch nur der kleine Cashbestand, da man ja hier noch jederzeit Zugriff hätte.

Ich sollte wohl etwa Firma und Privat 2 seperate Liquiditätspolster anschaffen, und das einfach strikter trennen. Fixen Nettogehalt bezahlen bsp. 3500×12, und die Firma(ich selber) muss sehen wie sie das Geld dazu auftreibt. Wenn zuviel Geld in der Firma liegen bleiben sollte mit Prämien auszahlen und in die ETF stecken.

Oliver
Gast
Oliver

Hallo,
ich würde es auch nicht machen. Im Artikel sind schon einige sehr stichhaltige Gründe dagegen aufgeführt worden. Trotzdem kann es natürlich sein, dass wenn Du es nicht machst dir sagst: Nach 8 Jahren sind die Märkte so gestiegen, was war ich doch für ein Esel. Es ist ein Experiment, dass gut laufen kann, aber nicht muss.

Trotz der Chancen solltest Du einiges andere bedenken. Du hast einen guten Kapitalstock, warst in der Lage in den letzten 4 – 5 Jahren ein sehr gutes ETF-Portfolio aufzubauen. Das zeigt, dass Du gegenwärtig hohe Überschüsse erzielst, die Du anlegen kannst. Du bist aber schon in dem Vermögensbereich, wo deine erste Priorität sein sollte, dein Vermögen zu erhalten und mit moderatem Risiko auszubauen. Moderat heißt, z.B. in die besagten ETFs zu investieren und einfach abzuwarten, was passiert. Zum zweiten bist Du Unternehmer (kenne ich selber, bin heute nur noch Einzelunternehmer, hatte aber früher auch Unternehmen mit Angestellten) und wie Du schreibst, sind deine Erträge je nach Auftragslage schwankend. Von daher weißt Du sicher aus eigener Erfahrung, dass sich manche Dinge auch mal schlechter entwickeln können und da ist so ein Lombardkredit mit jährlicher Zins/Tilgung sicher nicht das, was Du gerne sehen möchtest. In der Kombi mit dann vielleicht schlechtem Aktienmarkt eine unverhältnismäßige Belastung. OK, das klingt nach German Angst, aber ich bin ein Mensch, der gern einkalkuliert, was passieren kann, wenn es schlecht läuft. Die Entscheidung musst Du treffen.

Mir ist der Satz aufgefallen, dass Du nicht so viel in deine Immobilie und Firma investiert haben möchtest. Gibt es dafür spezielle Gründe? Wenn ich eine Immobilie hätte (ich eigne mich nicht sonderlich dazu und mag außer in REITs darin nicht direkt investieren), wäre mein Ziel, dass ich irgendwann die Belastung eines Kredites los bin. Obwohl dort die Sollzinsen bei richtiger Verhandlung nicht groß sind, so sind sie immer eine Verbindlichkeit. In meinen Augen sind hohe Verbindlichkeiten (regelmäßige monatliche bzw. jährliche Kosten) der gefährlichste Baustein, um in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu kommen. Das Thema wird von fast jedem unterschätzt, da die Verbindlichkeiten mit entsprechendem Einkommen keine große gefühlte Belastung darstellen. Das Thema wird aber sofort akut, wenn man keine Einkommensquelle mehr hat. Machen wir es im kleinen: Viele haben eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft von z.B. 60 EURO monatlich mit Vertrag. Keine Ausgabe, wo man größer drüber nachdenkt und wenn man gerne hingeht, zahlt man das auch gerne. Aber ein normaler Arbeitnehmer, der arbeitslos wird, für den werden i.d.R. die 60 EURO ein großes Problem, weil er aus dem Vertrag nicht sofort rauskommt. Geh das mal mit deinen Verbindlichkeiten durch. Der Kredit ist vorrangig so eine Verbindlichkeit, die normalerweise niemals negativ in Erscheinung tritt, aber die sich genau als so etwas entwickeln kann. Wäre ich jetzt z.B. Single, hätte wenig Geld, dann würde ich es sofort machen. Habe ich eine Familie mit 2 kleinen Kindern, ein entsprechendes Vermögen in der Hinterhand, dann wäre für mich der Benefit einfach nicht groß genug. Im Grunde ist es eine Mentalitätsfrage.

Grüße Oliver

BigMac
Gast
BigMac

(Kommentar muss nicht veröffentlicht werden)
===================================
“Unglücklich formuliert” – könnt ihr bitte den Satz

“Neben dem privaten Schicksalsschlag war der Vorteil davon, dass ich später ein kostenloses Dach über dem Kopf hatte.”

ändern!? Ich glaube nicht, dass gemeint ist, dass dieser Schicksalsschlag ein Vorteil war.

Penelope
Gast
Penelope

Toller Artikel und tolle Leistuung!
Mich interessiert, ob du deine Freundin absicherst. In einem Fall der Trennung o.ä. hat sie ein wesentlich kleineres Vermögen und Ausfallzeiten durch die Kinder.

Mitglied
Kleinunternehmer

Hallo Penelope,
gute Frage, das haben wir auch schon gemeinsam diskutiert. Wir handhaben es eigentlich schon immer das wir finanziell unabhängig agieren – jeder sein Konto und seine Ausgaben. Da ich wesentlich mehr verdiene als sie, hab ich auch schon Jahre vorher Freizeitspesen für uns beide übernommen, oder die halbe Miete ihrer kleinen Wohnung von früher. Deshalb konnte sie ja auch den finanziellen Polster für sich aufbauen. Das Kapital welches sie in meine Wohnung steckte hab ich Ihr unterschrieben bekommt sie in Falle einer Trennung auch von mir bezahlt. Ab 2016 Geburt des 1. Sohnes haben wir dies so besprochen, sie erhält das Kindergeld, das Elterngeld, das Arbeitslosengeld. Wohnung und Haushaltsgeld (Essen, Strom usw.) geht alles auf meine Kappe. Somit hat sie auch hier noch ein Sparpotenzial. Finanziell geht es ihr so auch noch besser, als ob sie normal arbeiten geht und Fixspesen zum Teil mitfinanziert. Anders sieht’s gegen Ende des Jahres aus. Dann erhält sie 200€/Monat Kindergeld und fertig. Dann werden wir sicherlich die ganze Sache nochmals durchsprechen, sie hat ja auch wieder Interesse arbeiten zu gehen. Bei frühzeitigen Tod meinerseits ist sie abgesichert und bei einer Trennung ist schon mein Interesse, dass sie nicht die Hälfte des Vermögens erhält.

Gast
Kleinunternehmer

Mir ist aufgefallen, dass ich hier einige Minus erhalten habe. Darf ich fragen wieso? Ich dachte eigentlich wir haben das fair vereinbart. Was wären eure Vorschläge, wie man das handhaben könnte oder sollte bei getrennten Finanzen?

Gast
Natman

Hi Kleinunternehmer, kann dir keinen Vorschlag für getrennte Finanzen nennen, wir haben zusammengelegt (verdienen auch ähnlicher).
Mein Minus kam daher, dass ich den letzten Satz etwas hart fand. Nicht so sehr vom Inhalt, klang etwas berechnend. Vielleicht wirkte es auch nur so…

Karl
Gast
Karl

Hallo Kleinunternehmer,

mich würde auch interessieren wie du die 110k Pensionsansprüche als Bestandteil deines Vermögens bewertet hast. Du schreibst du erwartest 900 Euro brutto pro Monat, was 10.800 Euro pro Jahr enstpricht. Handelt es sich hierbei um einen Rückkaufswert einer Rentenversicherung oder wie bist du auf 110k gekommen? Ich frage weil ich ein ähnliches Problem habe. Ich bin selbst bei mir so vorgegangen, dass ich die jährliche Zahlung mit 25 multipliziert habe, und den resultierenden Betrag dann mit 7% Aktienmarktrendite abgezinst habe. In deinem Fall würde das einen Wert von ca 35k erzeugen.

Gruß
Karl

Mitglied
Kleinunternehmer

Hallo Karl,
Rentenansprüche sind ja von Land zu Land unterschiedlich. Bei uns läuft es für Unternehmer so: Man bezahlt Jahr für Jahr einen Betrag abhängig von Verdienst. in den staatlichen Rententopf. Die Beträge werden Jahr für Jahr inflationsbereinigt. Mein Stand der Einzahlungen und Aufwertungen sind zur Zeit ca. 110k. Wenn ich nun nicht mehr arbeiten würde und somit auch keinen Einzahlung mehr tätige, hätte ich im Jahr 2050 Kapital von ca. 180k. Und laut diesem Betrag erhalte ich dann die gesetzliche Rente. Anderes Beispiel ich arbeite noch 25 Jahre weiter zahle Jahr für Jahr ein, sagen wir mal im Schnitt 15k. Dann hätte ich einen Topf von ca. 650k. Laut diesem Topf erhalte ich dann je nach Rentenart 4,5-6% ausbezahlt ca. 32.500€ (bei 5%) Brutto.
Bitte nicht falsch verstehen, das ist nicht Geld das ich liquidieren kann, sondern Rentenansprüche. Die Parameter hängen von der Politik ab und liegen also nicht in meiner Hand. Wie läuft es in Deutschland? Hab gerade diesen Link gefunden, so ungefähr läuft es ja bei uns schon.
https://www.existenzgruender-jungunternehmer.de/p/versicherungen/rente.html

Karl
Gast
Karl

Hallo Kleinunternehmer,
die Feststellung des eigenen Vermögens ist ein spannendes Thema. Viele Leute übersehen hier Vermögenswerte und rechnen sich ärmer als sie sind. 110k über die man nicht frei verfügen kann, die man erst in höherem Alter für eine unbekannte Dauer ausbezahlt bekommt, und die nicht vererbbar sind voll einzurechnen halte ich aber für etwas zu optimistisch.
Ich persönlich halte es so, dass ich die verschiedenen Positionen in verschiedene Gruppen einteile und dann bewerte:
Gruppe A: Cash und börsengehandelte Produkte / sofort liquidierbar / Ansatz: Marktwert abzgl Steuern
Gruppe B: Verträge mit Ausstiegsoption / in wenigen Wochen liquidierbar (z.B. Lebensversicherung, Riester, Mietkaution) / Ansatz: Rückkaufswert bzw. eigene Bewertung (bei Riester z.B. Berücksichtigung von zurückzuzahlender staatlicher Förderung, Steuern etc).
Gruppe C: garantierte Rentenzahlungen / nicht liquidierbar, aber in ihrer Höhe exakt vorhersehbar (z.B. Rentenversicherung, betriebliche AV) / diese Positionen bewerte ich wie oben beschrieben
Gruppe D: unsichere Rentenzahlungen, d.h. Zahlungen bei denen man heute nur grob abschätzen kann wieviel man wann erhält. Dies ist i.d.R. die staatliche Rente, bei der noch keiner heute sagen wann und mit wieviel man in Rente geht. Diese bewerte ich ebenfalls sehr konservativ wie oben bereits beschrieben auf Basis des aktuellen Rentenbescheids und der Annahme diese ab 67 zu beziehen.

Gruß
Karl

Mitglied
Kleinunternehmer

Hallo Karl,
ja die Feststellung des Vermögens kann eine spannende Sache sein, und wie du erwähnst und man auch überall liest, gibt es x-verschiedenen Möglichkeiten. Ich habe deshalb auch ein geschätzt vorher stehen. Laut Zahlen wären es ja etwas mehr als 1Mio.
Thema Steuern ist ja auch ein Punkt, das meiner Meinung nach bei vielen nicht berücksichtigt wird. Kommt ja auch auf die “Exit” Strategie drauf an. Bei Firmeninhabern wird ja auch meist der Wert des Unternehmens herangezogen ohne steuerliche Berücksichtigung oder?

Dein Ansatz gefällt mir gut und ist meines Erachtens sehr konservativ.
Schönen Tag noch

Pete
Gast
Pete

Was heißt ländlich, außerhalb des DACH-Raumes? Ein bisschen konkreter darf es bitte schon sein, sonst kann man sich die Frage und die Antwort ja gleich sparen. Und ich bezweifle, dass man anhand der Angabe des Landes herausfinden kann, wer dieser Kleinunternehmer ist – falls dass die Sorge sein sollte, die hinter einer solchen Antwort steht.