Millionär Interview 15 – Kleinunternehmer ganz groß

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Die Millionär Interviews begeistern!

Es vergeht fast keine Woche, ohne das mich ein Leser anschreibt, wie gut Ihm diese Serie gefällt. Wir Menschen können neue Dinge oft am schnellsten lernen, wenn andere als Vorbild diesen, die diesen Weg schon gegangen sind. Es ist Motivation und Wissen gleichzeitig das so vermittelt wird.

Heute schreibt uns Kleinunternehmer. Er zeigt uns, dass man mit Bodenständigkeit auch ohne sechsstelliges Einkommen oder in der Welt umher zu tingeln, schon früh ein Vermögen aufbauen kann.

 

Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?

Ich bin 38, meine Freundin 37 Jahre alt. Wir sind seit 13 Jahren zusammen.

 

Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?

Zwei Kinder, 0 + 2,5 Jahre alt.

 

Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?

Ländlich und außerhalb des D-A-CH Raums.

 

Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?

Da ich Einzelunternehmer bin, schwankt mein Einkommen stark. Die letzten Jahre waren es 30-60k Euro netto Arbeitseinkommen je nach Auftragslage.


Die Freundin bleibt aktuell bei den Kindern und erhält Arbeitslosen- plus Kindergeld. Insgesamt um die 10k Euro jährlich.

 

Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?

Meine monatlichen Ausgaben:
  • Hauskredit inkl. Tigung: 1500 Euro
  • Pflichtausgaben: ca 1.000 (Versicherungen, Gas, Strom, Müll, Internet, Haushaltsgeld Freundin/Kinder)
  • Freizeitgeld/Puffer: ca.500 (Haushaltsbuch hab ich nach 10 Jahren vor 2 Jahren aufgegeben)
  • Freundin benötigt für sich ca. 500€ wird aber hier nicht einbezogen. Sie ist von Haus aus sparsam und fällt bei mir eigentlich nicht ins Gewicht. Wenn sie später wieder arbeiten geht was sie auch möchte, erhöht sich die Sparleistung.

 

Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?

Meines geschätzt 1.0 Mio. Euro
Freundin 65k Euro

Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)?

Haben:
  • 530k Euro Eigenheim laut Schätzung
  • 250k Euro Firmenimmobilie selbstgenutzt und abbezahlt
  • 200k Euro Firmenwert (geschätzt wenn ich Verträge, Kunden, Mitarbeiter, Auftragslage aktuell verkaufe)
  • 130k Euro ETF Depot (bespare ich seit vier Jahren und zu 90% thesaurierend, da an meinem Lebensort dadurch keine Besteuerung vor Verkauf)
  • 110k Euro aktuelle Pensionsansprüche
  • Cash: 2-5k
  • Freundin: 27k Euro in einer Zusatzrente, 17k in ETF, 21k Euro als Bargeld
Soll:
  • 120k Euro Restbetrag Hypothek als Annuitätendarlehen mit Euribor 3M +1,3% – Laufzeit bis Ende 2025
  • 42k Euro Lombardkredit auf Aktiendepot – Bereitstellung 0% – Zinsen 0,75% auf Ausnützung


Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?

Nach dem frühen Tod meines Vaters war ich mit fünf Jahren plötzlich Mitbesitzer unseres privaten Wohnhauses, inkl. einer Wohnung für Oma.
Das war ein privater Schicksalsschlag. Trotzdem hatte ich später ein kostenloses Dach über dem Kopf. Ich glaube viele wissen das nicht zu schätzen.
Während der Sommerferien hab ich eigentlich immer gearbeitet seit ich 12 war. Somit hatte ich auch immer eigenes “Geld in der Tasche”.
Nach Abschluss der Schule mit 18 habe ich gleich meine Firma gegründet. Natürlich mit viel Unwissenheit und Blauäugigkeit.
Nebenher ging ich aber zu Beginn auch angestellt arbeiten und war als Lehrer tätig.
Geld kam immer rein. Zu Beginn aber auch viel raus. Es war damals im Rückblick ein sehr unbekümmertes Leben. 2k Euro im Monat als Ausgaben plus kostenlose Unterkunft find ich heute nicht ganz wenig… Wenn ich meine Firmenbilanzen von damals anschaue, graut es mir. Ich hatte damals nur ca. 10-20k Euro auf der hohen Kante.
2007 war ich nur mehr in der Firma tätig und lernte meine Freundin kennen. Ab da wurde es dann deutlich besser. Die Ausgaben sanken um ca. 50% und das Einkommen stieg auch deutlich.
2009 Baubeginn des Geschäftsbüros als Eigenbau. (In einem Konsortium konnte ich es deutlich günstiger realisieren)
2011 Fertigstellung und Einzug. Finanziert wurde es mit dahin angespartem Geld, eigener Sparleistung und einem zinslosen Kredit von ca. 30k Euro von meiner Mutter
2015 Komplette Sanierung und Erweiterung des Mehrfamilienhauses (es ist ein historisches Gebäude vom 18.Jh). Kostenpunkt dafür waren 300k Euro für meinen Anteil für 130m² mit Garten, Garage und Stellplatz.
Finanziert habe ich es neben dem Eigenkapital von meiner Freundin und mir über einen 170k Euro Kredit über 10 Jahre. Das sind hohe Summen aber dadurch kam es auch zu einer deutlichen Wertsteigerung der Immobilie.
Bei uns können Sanierungen steuerlich abgesetzt werden. Somit konnte ich für die Freundin eine Steuerersparnis von 2,5k Euro Jahr und für mich von 10k Euro im Jahr für die jeweils nächsten 10 Jahre herausholen. Dadurch stiegen auch wieder unsere Nettogehälter.
Seit 5 Jahren wird nun der gesamte Überschuss in mein ETFs Depot gesteckt. Das Depot hab ich schon im Forum hier gepostet.
Zusammenfassend also:
Hohe Sparrate seit ca. 13 Jahren, Immobilieninvestitionen mit sehr viel Eigenbauleistung und Ausnutzung der Steuergesetze.

 

Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?

Größere Fehler fallen mir jetzt eigentlich keine ein. Kleinere jedoch mehrere.
Mein teurer und unvernünftiger Lebensabschnitt war zum Glück nur eine Phase und die möchte ich dadurch auch nicht als Fehler bezeichnen. Es war schon eine schöne Zeit, die ich erlebt habe.
Ein anderes Beispiel: Ich hab mal 95% meiner Ersparnisse in aktiv gemanagte Osteuropa- und Russlandfond gesteckt.
Nach zwei Jahren hatte ich von 18k nachsteuerlich 40k gemacht und zum Glück benötigte ich danach das Geld.
Größere Einbußen in finanzieller Hinsicht hatte ich bisher eigentlich noch nicht.

 

Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?

Hier kann ich nur das aus anderen Millionärsinterviews wiederholen und bestätigen:
Sparsam und bewusst leben, Im Beruf 100% geben (nicht wie ich die ersten Jahre) und auch etwas tun was einem Freude bereitet.

 

Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen/erhalten oder noch zu erhöhen?

Aktuell lebe ich in meinem „selbsterstellten Hamsterrad“, dass ich meistens aber mag und das monatlich gesparte Geld wird ins ETF Depot gesteckt.

 

Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?

Ja – 500k Euro im ETF Depot, Immobilienkredit abbezahlt und die Firma aufrechterhalten, bzw. optimieren.

 

Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deine Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?

Ich glaube ich bin auf einem guten Weg zu meinen Zielen. Theoretisch wäre ich ja schon finanziell frei, wenn ich alles verkaufe und auf Sparflamme lebe.
Ich werde sicherlich noch 5-6 Jahre Gas geben. Viele Freiheiten in meiner Firma kann ich mir ja jetzt schon nehmen. Mir ist der Luxus, mein eigener Chef zu sein, viel wert. Z.B. mal einfach so für eine Stunde nach Hause zum Sohn, weil mal was nicht läuft, ist einfach Gold wert.
Unser Lebensort bleibt sicherlich hier. Für mich ist es das Paradies und wenn es mich doch einmal in die Ferne ziehen sollte, dann sollte ich das ja in ein paar Jahren ja auch machen können.
Mag ich deshalb immer meine Arbeit? Manchmal ist es schon Kräfte zehrend. Aber kaum bin ich einige Tage nicht im Büro zieht es mich auch wieder gern hin.
Hier ist mein Ziel, die Firma so aufzubauen, dass sie mich weniger braucht. Das ist bei einer kleinen Firma aber nicht so einfach. Ich kann mir auch vorstellen in einigen Jahren jemanden an meiner Stelle anzustellen und ich bin dann nur noch sporadisch dort. Neben meinem ETF Depot müssten halt ca. 15-20k Euro jährlicher Cashflow übrig bleiben, wenn ich die Firma behalte.

 

Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?

Man lebt meines Wissens nur einmal – Also macht was daraus!
Lasst euch dabei auch was zukommen, aber das ganz bewusst!
Man ist dadurch zufriedener und ausgeglichener.
Das Ziel ist ein zufriedenes und glückliches Leben. Mit Geld und Vermögen im Rücken lebt es sich leichter aber es ist im Endeffekt nur Mittel zum Zweck.

 

Abschließend habe ich an den Maschinisten und die anderen Leser der Freiheitsmaschine noch eine Frage:
Ich habe aktuell die Möglichkeit einen Kredit auf meine Firma aufzunehmen und überlege dieses Geld dann in mein ETF Depot zu investieren. Die Konditionen dazu lauten: 120k Euro zu 2,1% bei 8 Jahren Laufzeit. Getilgt werden in dieser Zeit 50% des Kredites, die anderen 60k Euro sind fällig nach Laufzeitende.
Als mögliche Absicherungen plant meine Partnerin in drei Jahren wieder arbeiten zu gehen, was unser monatliches Nettoeinkommen dann um weitere 300-500 Euro erhöht.  Bei Worst Case (meine eigene Arbeitsunfähigkeit) hätte ich auch die Möglichkeit das Büro mit einer Hypothek zu beleihen.
Ich mag einfach nicht einen so hohen Anteil meines Vermögens in der eigenen Immobilie und der Firma investiert haben. Eine zusätzliche Beleihung und das Investieren in ETF sieht optisch erst einmal gut aus und die Asset Aufteilung wäre so auch besser geregelt.
Bei einer angenommenen ETF Depotrendite von jährlich 7% hätte ich ein Gewinnpotenzial nach Abzug der Kreditkosten von insgesamt ca. 42.000 Euro über die 8 Jahre.
Bin ich hier zu gierig?
Worst Case (Arbeitsunfähigkeit bei Börsencrash) könnte ich die Büroimmobilien noch beleihen, und somit die Fixkosten bis einen halbwegs Erholung des Aktienmarkts überbrücken.
Also könnte ich sicherlich 4-5 Jahre die Fixkosten noch ohne Depotverkauf überbrücken.
Oder soll ich einfach standardmäßig fortfahren?

 

Das war das Interview mit Kleinunternehmer. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast und anderen einen Einblick in Dein Leben gibst!

Als Antwort zu Deiner Frage im letzten Abschnitt:

Ich persönlich würde das in Deiner Lebenssituation und mit diesen Konditionen aktuell nicht tun.

Folgende Punkte sind dabei entscheidend:

  • Du hast aktuell schon einen in seiner prozentualen Höhe grenzwertigen Lombardkredit auf Dein Aktiendepot laufen. Außerdem gibt es noch den restlichen Immobilienkredit.
  • Die Börsen sind über einen Zeitraum von 20 Jahren so gut wie immer positiv aber über 8 Jahre ist das bei einer investierten Einmalsumme zu Beginn des Zeitraums nicht der Fall.
  • Historisch betrachtet kann es passieren, dass der Wert dieses investierten Geldes dabei temporär am Ende der Laufzeit auf nur ca. 60% der ursprünglichen Summe gefallen ist, bevor er sich wieder erholt und neue Höhen erklimmt.
  • Anbei siehst Du eine jährliche Worst Case Drawdown Betrachtung des US Aktienmarktes seit dem Jahr 1970. Der Worst Case war dabei das Investieren als Einmalsumme im Jahr 2000. Im Jahr 2009 war das Depot dabei nominal 40% temporär unter Wasser (Jahr 9):

Eine weltweite Aufteilung des Vermögens hilft hier zwar und auch das anteilige Investieren in REITs (Real Estate Investment Trusts), die bei ähnlicher langfristiger Rendite die Volatilität reduzieren. Hier ein Beispiel mit 45% USA ETF, 45% außerhalb USA ETF und 10% US REIT ETF:

Charts und Quelle von Portfoliocharts zum Selbertesten

Die Gefahr eines temporären deutlichen Depoteinbruchs über diese Laufzeit bleibt also weiterhin bestehen.

  • Dein Unternehmen bietet Dir viel mehr Freiheiten als die eines Angestellten aber dafür ist Dein Einkommen stark schwankend und als Bonus ist Deine Partnerin aktuell mit Kleinkindern zu Hause und euer Leben ist aktuell wahrscheinlich schon „spannend genug“.
  • Dieses Darlehen hätte einen 50%igen Anteil, der am Ende der Laufzeit komplett fällig wird – Wenn sich Deine Lebenssituation plus die Zinssituation bis dahin deutlich ändert, hast Du in Summe zusammen mit den Parametern oben ein Problem.
  • Selbst wenn alles gut geht, beträgt der mögliche finanzielle Vorteil bei Deinen Parametern nur ca. 500 Euro netto im Monat.

Ich würde an Deiner Stelle einfach so weiter machen wie bisher. Du hast mit gerade einmal 38 Lebensjahren die Möglichkeit in den nächsten Jahren noch Gas zu geben. Die von Dir angeregte Rendite aus einer zusätzlichen Beleihung könntest Du ja auch aus etwas mehr Einkommen aus Deinem Unternehmen erreichen und das ohne nachts den Schlaf zu verlieren, wenn die Börsen wieder einmal temporär einbrechen und in den Boulevardzeitungen dann wieder das Ende der Welt beschworen wird.

 

Und jetzt zu den Lesern. Wie seht Ihr diesen letzten Punkt oder habt Ihr eine vergleichbare Geschichte? Habt Ihr eigenes Vermögen aufgebaut und könnt niemandem davon im echten Leben erzählen?

Hier in der Freiheitsmaschine ist das anders!

Hier könnt Ihr anderen Menschen auf Ihrem Weg damit sehr helfen und beim zwanglosen Austausch dabei selbst noch neue Ideen erhalten.

Schreibt dem Maschinisten im Kommentarbereich oder betreff Interview unter maschinist@freiheitsmaschine.com und werdet selbst Teilnehmer bei den Millionär Interviews!

Und jetzt Feuer frei im Kommentarbereich! Was interessiert euch speziell am Weg von Kleinunternehmer. Was hilft euch besonders weiter und was möchtet Ihr von Ihm wissen.

 

 

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