Wie der Maschinist sein halbes Vermögen an der Börse verlor und warum das eines der besten Dinge ist, die Ihm je passiert sind

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Alte Geschichten! Wie schön und manchmal auch schmerzhaft, so lange Sie noch nicht ganz verarbeitet sind. Wenn einem so eine schmerzhafte Erfahrung passiert, ist es direkt danach erst einmal schwer, irgend einen positiven Nutzen für sich daraus zu ziehen.

Bei vielen alltäglichen Dingen, ist das einfacher. Dann ist es von vorneherein offensichtlich, dass wir erst einmal schlecht in einer Sache sind, die wir neu ausprobieren und wir kalkulieren das mit ein. Niemand startet zum Beispiel eine neue Sportart und plant direkt für das nächste Jahr die Olympia-Teilnahme.


Richtig groß wird das Überraschungspotenzial dagegen, wenn wir meinen, schon richtig gut in einer Sache zu sein, bevor dann meistens kurze Zeit später die Abrechnung kommt. Das ist oft bei Dingen so, in der die Menschheit historisch wenig noch Erfahrung hat und bei der uns die Komplexität der Aufgabe am Anfang nicht ersichtlich ist. Nur der einfache Teil bzw. der mögliche Benefit liegen dann klar vor uns und locken uns an, diese Sache zu tun.

Nach meiner Erfahrung gibt es kaum einen besseren Ort, um die eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten besser und schneller kennen zu lernen, als an der Börse. Selbst wer direkt am Anfang mit der sanftesten und meist auch vernünftigsten aller Handelsmethoden beginnt, (dem passiven Investieren), wird in einem starken Bärenmarkt mit einer Vielzahl von Gefühlen konfrontiert. Das Fight-Or-Flight Verhalten ist z.B. ein perfektes Beispiel hierfür, das nicht nur bei unerfahrenen Börsianern bei fallenden Kursen einsetzt. Der ganze Aktienmarkt wird in Panikzeiten zum großen Teil von der Angst bewegt.  Positionen werden dadurch oft nahe der Tiefpunkte abgestoßen, wenn der Wert des Investments, wie bei unserem Goldhühnerbeispiel am allergrößten ist.

Der Maschinist ist natürlich auch heute noch nicht frei von solchen Gefühlen an der Börse. Er hat nur in den letzten 16 Jahren unter vielen Schmerzen gelernt, Sie richtig einzuordnen und Sie bei Entscheidungen an der Börse möglichst nicht mehr zu berücksichtigen.

Von einem meiner schmerzhaftesten Momente an der Börse möchte ich heute erzählen. Es ist aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet, eine der besten Sachen, die mir jemals passiert ist. Damals im Jahr 2002, dachte ich allerdings eher, ich müsste sterben. Ach ja, Frühjahr 2002, wie schön! Der junge Maschinist arbeitete damals nach seinem Studium nun seit zwei Jahren bei einem großen Unternehmen. Zum ersten Mal im Leben hatte er einen konstant hohen Cashflow und da er von seinen Eltern ein paar sehr nützliche Dinge bezüglich Sparen und allgemeiner Lebensweise gelernt hatte, war sein Vermögen in den gut 24 Monaten Angestelltendaseins von nahe null auf ca. 40.000 Euro angewachsen. Eine tolle Leistung. Er hatte weder zuvor jemals so viel Geld gehabt, noch wusste er, was man mit dem Geld am allerbesten macht (Investieren am Aktienmarkt).

Er hatte dagegen bei seinen Arbeitskollegen gesehen, dass man damit aktiv Spekulieren kann. Diese Kollegen hatten zwar im Crash in den beiden Jahren zuvor einen guten Teil Ihres Depotvermögens beim aktiven Handel verloren aber dem Maschinist würde das bestimmt nicht passieren (Hahaha, ich liebe den nun offenen Spannungsbogen an dieser Stelle!).

In den Monaten zuvor hatte er zwar auch mit Geld an der Börse spekuliert aber durch eine Mischung von Zufall und Glück unter dem Strich trotz Bärenmarkt kein Geld dabei verloren. Der Maschinist war halt einfach ein Börsengenie und wenn der Bärenmarkt nun bald vorbei sein würde und er dann die richtigen Unternehmen auswählt, steht dem künftigen Reichtum nichts mehr im Weg.
Beim Lesen in einschlägigen Foren und einigen Quartalsberichten wurde er bald auf eine absolute „Börsenperle“ aufmerksam. Thiel Logistik! Der Wert der Aktie war von ca. 50 Euro im Jahr 2000 auf nun ca. 10 Euro zurück gekommen. Der Trend im Chart war zwar noch deutlich fallend aber von solchen Dingen hatte der Maschinist damals noch keine Ahnung. Die Firmenleitung sprach davon, dass Sie auch nicht verstehen könnte, warum die Aktie so günstig wäre und das Umsatz und Gewinn aktuell weiter steigen würden. Die Aktie war somit einfach super günstig. Der Maschinist geriet in Verzückung. Wenn die Aktie zurück auf 50 Euro laufen würde…, dann ja dann wären das 500% Gewinnpotenzial. Hammer!

Der Maschinist fing also an zu kaufen. Erst eine kleine Position aber je länger er darüber nachdachte, desto mehr wurde Ihm bewusst, dass er hier richtig fett dabei sein musste. Er kaufte mehr und dann noch mehr. Nach wenigen Tagen hatte er 25.000 Euro in diese Aktie investiert. Was für einen finanziell unabhängigen Menschen immer noch eine schöne Summe Geld ist, Ihn aber nicht mehr um den Verstand bringt, war damals für den Maschinisten mehr als die Hälfte seines Vermögens. Alles selbst verdient und mit viel Verzicht zusammen gespart!
Aber der Maschinist war sich sicher, das die Aktie nun drehen würde und Ihm in kurzer Zeit eine Verdopplung des Vermögens bringen würde. Mindestens! Es konnte doch nichts schief gehen, oder? Das Unternehmen selbst sagte doch, dass alles bestens sei? Die Zahlen waren super. Der Markt täuscht sich bestimmt, aber der Maschinist ist schlauer!

Nachdem mein jetziges Ich so schön in den Gefühlswirren des jungen Maschinisten gebadet hat, ist es Zeit für den Rest der Geschichte: Der Wert erholte sich danach sogar für wenige Wochen von ca. 10 auf ca. 13 Euro in der Spitze. Der Maschinist war völlig hin und weg. Er hatte mehr als 6.000 Euro in kurzer Zeit „verdient“. Und jetzt würde es noch viel, viel mehr werden. Leider hatte er in Wirklichkeit und hauptsächlich mit Glück, die Aktie an einem lokalen technischen Tiefpunkt im langfristigen Abwärtstrend gekauft. Der Wert hatte sich einfach etwas erholt, wie es bei stark fallenden Werten immer wieder zwischendurch passiert.

Kurz danach fing die Aktie wieder an zu schwächeln. Erst nur ein wenig aber nach wenigen Tagen war der Wert wieder beim Einstiegskurs von 10 Euro. Mhhh, nicht schön aber bestimmt werden hier nur die letzten unsicheren Aktienbesitzer „heraus geschüttelt“. Der Maschinist hatte diese Redewendung jetzt so oft in Aktienforen gelesen, das er selbst fest daran glaubte. Die dummen Aktionäre. Steigen nun aus, kurz bevor Sie alle wohlhabend sein könnten; selbst schuld!

Den folgenden Teil der Geschichte habe ich nie vergessen und er ruft sogar heute noch eine Gänsehaut bei mir hervor, wenn ich darüber schreibe. Die Aktie stand also wieder bei 10 Euro und es war ein Freitag. Der Maschinist, war diesem Wochenende mit seinen Freunden bei „Rock am Ring“ und er hatte viel Spaß. Die Stimmung war ausgelassen. Am Pfingstmontag ging es dann zurück zum Wohnort des Maschinisten und am frühen Dienstag morgen gut gelaunt zurueck an den Büroschreibtisch. Ah, wie schön. Das Wochenende war klasse! Nun noch eine Tasse Kaffee, kurz die Börsenkurse gescheckt und dann ran ans Tageswerk. Thiel Logistik war jetzt bestimmt schon wieder gestiegen. Die ganze Kohle kommt zu mir. Ich bin einfach ein Börsenprofi!

Nachdem der Rechner hochgefahren war und die entsprechende Seite aufgerufen, passierte irgend etwas komisches. Dort, wo der Kurswert der Aktie stehen sollte, stand eine sonderbare Zahl. Die Zahl ZWEI! Dort stand die Zahl zwei hinter dem Aktienwert meines Unternehmens, dass mir die erste von vielen schnellen Vermögensverdopplungen bescheren sollte. Kann ja gar nicht sein. Der Wert stand bei 10 Euro am Freitag. Meinen die vielleicht 20? Völlig lächerlich! Nachdem der Maschinist sich dann in sein Online Aktiendepot eingeloggt hatte, wurde Ihm erst heiß und kalt, dann war er schockiert und am Schluss wurde Ihm übel. Richtig schlecht! Auf der Firmentoilette fand das Gefühl danach seinen Ausdruck in einem entleerten Magen! 20.000 Euro! Weg! Nicht mehr da! Das halbe Vermögen! Ein Lebensjahr Sparanstrengung weg! Die Hoffnung auf eine Vermögensverdopplung; weg! Das Selbstbild als Börsenprofi; WEG!

Das Unternehmen hatte damals einfach bezüglich seiner Geschäftszahlen gelogen. Es gab diese Gewinne so nicht. Es gab höchstens die Hoffnung darauf! Aufgrund der viel zu laschen Deutschen Gesetzgebung im Aktionärsrecht, passierte das viel zu oft zur damaligen Zeit.

Dieses Erlebnis war krass! Es war mit das extremste, was der Maschinist jemals erlebt hat. Doch all diese Schmerzen, all das verlorene Geld und das zerbrochene Selbstbild waren aus heutiger Sicht notwendig. Und es war nicht nur notwendig. Nein, es war aus heutiger Sicht sogar mit die beste Sache, die mir für meinen weiteren Erfolg je an der Börse passiert ist! Ohne diese frühe und extreme Erfahrung, hätte ich nie so schnell gelernt, worauf es an der Börse wirklich ankommt! Es ist ein perfektes Beispiel für das: „Scheitere oft, scheitere früh und scheitere schnell!“ Prinzip, dass beim Erlernen einer komplett neuen Sache, in der nur ganz wenige Menschen Erfahrungen haben, so hilfreich ist!
Es wäre langfristig viel schlimmer und viel teurer gewesen, wenn diese Spekulation für mich damals funktioniert hätte. Wenn ich damals wirklich mein Vermögen verdoppelt hätte, wäre ich danach wahrscheinlich den ganzen Bullenmarkt 2003 bis 2007 über auf der Sonnenseite der Börse gesegelt. Ich hätte weiteres Geld verdient aber überhaupt nicht gelernt, worauf es an der Börse eigentlich ankommt. Dann, mit viel mehr gespartem Geld, mit viel mehr investierter Zeit und viel weniger eigentlicher Erfahrung, hätte es mich im Bärenmarkt 2008 komplett rausgeworfen! Der Schock und der Verlust wäre um ein vielfaches größer gewesen. Und die Chance, dass alles wieder auszugleichen, viel geringer. Vielleicht hätte ich dann sogar aufgegeben, nachdem so viel zerstört worden wäre und meine „Illusionszeit” so viel länger angedauert hätte.

Scheitern ist fast eine Grundvoraussetzung etwas komplett neues zu erlernen, bei dem Du keinerlei Mentor hast. Du musst nur dafür Sorgen, dass es möglichst schnell und möglichst früh in Deinem Leben passiert.

Also danke an das alte Management von Thiel Logistik für diese Erfahrung! Arschlöcher seid Ihr allerdings trotzdem! 🙂

 

Edit: Da ein Leser den Ablauf der Geschichte angezweifelt hat, hier ein Chart von Thiel Logistik aus dem Jahr 2002.

thiel-logisitik-2002

Der blaue Punkt ist der Kauf bei 10 Euro. Danach erholte sich der Kurs bis über 13 Euro je Anteil und bröckelte nachfolgend wieder ab. Der Schlusskurs vor dem Wochenende waren knapp unter 9 Euro. Bei Börseneröffnung in der folgenden Woche ging der Kurs Intraday bis auf 2 Euro, um sich bis Börsenschluss wieder auf über 3 Euro zu erholen. Der Chart stellt leider nur Tagesschlusskurse dar, deshalb ist das Intraday-Drama nicht in vollem Umfang sichtbar. Der Maschinist hat damals in dieser emotionalen Ausnahmesituation und der fehlenden Erfahrung natürlich morgens nahe des Tiefpunktes verkauft. Nach dem Teileinstieg von Frau Klatten ging der Kurs in den darauf folgenden Wochen dann sogar noch einmal im Juli bis auf ca 8 Euro hoch. Aber das natürlich ohne den Maschinisten, der sich zu dem Zeitpunkt immer noch mit seinem Trauma des halbierten Depots beschäftigte.

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28 Kommentare auf "Wie der Maschinist sein halbes Vermögen an der Börse verlor und warum das eines der besten Dinge ist, die Ihm je passiert sind"

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Mitglied

gut hast Du nicht aufgegeben! Ich habe meine ersten Aktienfonds glaub 1998 oder 1999 gekauft, den Neuen Markt dann aber nicht mehr mitgemacht, gut Federn gelassen aber nix verkauft, einfach nicht mehr beachtet, so habe ich sogar 2007 völlig ignoriert, ich hatte mittlerweile völlig andere Interessen, letztes Jahr hab ich dann mal das Depot angeschaut, einen Grossteil verkauft oder umgeschichtet, seit exakt 23.8.2015 hab ich angefangen wieder zu Investieren, führe Haushaltsbuch, spare 50-55% meines Gehaltes (vor Steuern) und hoffe so dem ollen Hamsterrad 2 Jahre vor der ordentlichen Pensionierung zu entrinnen, ich wünschte ich hätte mich in diesen Jahren besser um meine Geldanlage gekümmert, aber Jammern nutzt nix, Vorwärtsschauen!
Du hast es ja dennoch geschafft, trotz der betrügerischen Firma, bravo!

Mitglied

Danke für deine Geschichte. Bei mir war es auch so, mit dem Unterschied, dass ich Jahre lang die Börse gemieden habe und 2007 wie die Meisten wieder da war und wieder Jahre vergeudet habe. Im Sinne von nichts gelernt. Erst durch Nachwuchs und das Alter, habe ich angefangen die Börse nicht als das “schnelle Geld” zu sehen und Gedanken zu machen.

Gast

Danke für die Geschichte. Sie ist ein typisches Beispiel, was man falsch machen kann. Eigentlich absurd, dass man eine einzige Aktie kauft, aber ich habe es früher auch getan. Es war BASF, dann Lufthansa und dann Daimler. Unterm Strich kein Horrorerlebnis, aber Profit gemacht habe ich auch nicht bei der Sache.

Ich habe damals dann auch kapiert, dass es nicht klug ist, einen einzelnen Wert zu kaufen, oder eben drei Aktien zu haben.

Mittlerweile kaufe ich trotzdem wieder Einzelwerte UND ETFs. Das geht beides gleichzeitig. also passiv und aktiv investieren. Wenn man 15 – 20 Standardwerte kauft, kann man das machen finde ich. Klar gibt es dann Studien, dass man den Markt ohnehin nicht schlägt, aber es macht mir Spaß und ich traue den ETFs einfach nicht ganz über den Weg. Alleine die Ausschüttungen finde ich instransparanet. Wenn ich wissen will, warum meine ETFs den Betrag X ausschütten, wie es genau zu stande kommt, kann mir das keiner genau sagen.

Bei meinen Einzeltiteln weiß ich es. Ich weiß, dass CocaCola x $ ausschüttet vierteljährlich, J&J y $, Mc Donalds z $. Das gefällt mir sehr gut. Du bist anderer Meinung, aber ich fühle mich mit einem relativ defensiven Depot mit fast tausschließlich Bluechips sehr wohl. Ich will das liegen lassen, mein Horizont ist 40 + x Jahre.

Wenn eines “meiner” Unternehmen in Schieflage gerät, kann ich reagieren. Bis eine Firma aus dem S&P 500, EuroStoxx oder Dax fliegt habe ich das auch gemerkt…

Am Ende noch Danke für diesen Blog, ich lese hier sehr gerne! Daumen hoch!

Gast

Danke für deinen ehrlichen Beitrag. Ich investiere auch in Einzeltitel, setze aber nicht alles auf eine Karte. Ich habe auch schon etliche Fehler durch *lach*

Gast

Vielen dank für das Teilen dieser Geschichte.

Bei vielen Leuten, die erfolgreich an der Börse sind, gibt es zwar auch so eine Geschichte, nur wird diese nur von sehr wenigen erzählt, da sie schließlich zum Ausdruck bringen würde, dass man gescheitert ist.
Das wichtigste ist einfach, dass Du aus deinen Fehlern lernst und sie dann nicht mehr machst.

Irgendein erfolgreicher Geschäftsmann hat mal gesagt:

“Ein Fehler ist nur schlecht, wenn du ihn ein zweites mal machst.”

Ich kann dieser Aussage nur vollends zustimmen.
Besonders bei der Börse und dem Thema Geld machen viele Menschen Fehler (Beispiel die Telekom-Aktie) und lernen nichts daraus.
Ganz im Gegenteil sagen sie sogar, dass die Börse Betrug sei und nur Abzocker und Trader damit Geld verdienen könnten.
Das ist schade, denn damit verbauen sie sich den besten Weg zum eigenen Reichtum.

Schöne Grüße

Dominik

Gast

hallo

Die für mich sinnigste Einstellung zu eigenen Fehlern ist folgende.

” Da ich mich jederzeit als die Hauptursache aller Widerwärtigkeiten, die mir zustießen, erkannte, habe ich mich stets mit Freuden in der Lage gesehen, mein eigener Schüler zu sein, und pflichtschuldigst meinen
Lehrer geliebt.”

G. G. Casanova
1725-1798

Gruß
Hilfsschlosser

Gast

Der Artikel trifft einen Nerv. Ich kann es inzwischen für mich wie folgt auf den Punkt bringen: es geht nicht darum über Fehler zu lesen, sondern sie selbst zu machen. Und sie zu spüren, in all ihren Auswirkungen. Die erste Aktie war es bei mir nicht, eher die Geschichte, dem Kursverlauf von Adidas nicht zu trauen. Nee, lieber den Gewinn von 100% bei einem Kurs von 122 Eur mitnehmen, dieser Kursanstieg ist doch völlig surreal. Aus rein masochistischer Selbstkasteiung schaue ich noch ab und zu auf den Wert und der Höchststand lag jüngst bei über 157 Eur. Ich werde mir selbst das nächste Mal jedenfalls nicht glauben, wenn mir der Gedanke kommt: “Das kann doch gar nicht passieren! Völlig unrealistisch!”.

Gast

In meinen frühen Börsenjahren hatte ich Gelegenheit zusehen zu dürfen, wie andere scheitern – und habe daraus ebenfalls meine Lehren gezogen. Das war als Student bei der DAB Bank, wo ich im Kundenverkehr an einer Art Schalter mit vielen Terminals für die Kundschaft zum Traden drum rum (ja – das gab es damals tatsächlich) über zwei Jahre lang gearbeitet habe. Das war von Oktober 2000 bis Ende 2002. Also genau in der Zeit des Zusammenbruchs des Neuen Markts, wo auch du deine Erfahrungen gesammelt hast. Die immer länger werdenden Gesichter und Gespräche mit zunächst vom Erfolg verwöhnten, dann umso härter auf dem Boden der Tatsachen landenden Kunden, werde ich nicht vergessen.

Natürlich habe auch ich danach noch daneben gegriffen und mache ich weiter Fehler. Aber allein das Beherzigen einiger Grundregeln verhindert einen so krassen Fehler, wie er dir mit Thiel Logistics unterlaufen ist (Diversifikation, …).

Gruß!

Torsten

Gast

“Glück” trifft es sehr gut. Ich hatte im ersten Satz zunächst auch tatsächlich “Glück” anstelle von “Gelegenheit” geschrieben. Aber darf man von Glück schreiben, anderen beim Unglück zu zu sehen?

Übrigens wirkte das auf mich so abschreckend, dass ich nie aktives Trading gemacht habe, geschweige denn mit Derivaten spekuliert. Hatte zwei Vorteile: ich verlor automatisch weniger und musste weniger wissen als ein Trader.

Have a nice day, too!

Gast

Das sehe ich ähnlich. Wobei der Begriff “passives Investieren” noch ein wenig schwammig ist. ETFs mit Sparquote sind wohl das Extrembeispiel für “passiv”, während selbst gemanagte, langfristig ausgerichtete Depots für mich auch noch unter “passiv” fallen. Da bin übrigens ich zu Hause.

Aktiendepots haben ihre Besitzer sogar schon durch Weltkriege gebracht, siehe hier:

http://www.eifelzeitung.de/redaktion/interviews/die-geschichte-des-bankhauses-metzler-am-anfang-stand-der-tuchhandel-126773/

Gruß!

Gast

Super Artikel und danke das Du ehrlich einen Fehler aufgezeigt hast. Vielen spielen sowas eher runter oder versuchen es hinter sich zu lassen. Dann kommen immer Kommentare wie “Ich bin nur im Plus” oder “Ich habe noch keine Verluste gemacht”.

Was hast Du denn jetzt daraus gelernt? Denn das geht mir aus der Schlussphase deines Artikels jetzt nicht hervor.

Gast

Im Artikel streichst du meiner Meinung nach nicht genau genug heraus, was du als deinen Fehler, oder deine Fehler siehst. Mangelnde Diversiviersifizierung? Aktie im Abwärtstrend? Aktie/Firma zu wenig geprüft?

Den 80%-Verlust bei Thiel Logistik über ein Wochenende gab es jedenfalls nie. Wenn man genau hinschaut sieht man das schon am obigen Chart, ansonsten kann man das einfach anhand der historischen Schlusskurse im Sommer 2002 überprüfen.

Ich bin überzeugt als du den Artikel verfasst hast, warst du 100%ig davon überzeugt daß sich der Kursverlauf der Thiel-Aktie genau so zugetragen hat, wie du es geschildert hast.
Ich denke auch die Entwicklung der Thielaktie im Sommer 2002 war für dich ein bedeutendes Ereigniss in deinem Leben.
Worauf ich hinaus will ist, daß ich es extrem faszinierend finde wie einem das eigene Gedächtnis nach Jahren trügen kann, selbst bei Ereignissen, die für einen selbst sehr bedeutend sind!

Gast

Kann ich bei deinen Blog selbst irgendwie Bilder (Charts) Posten, oder irgendetwas verlinken?

Bei deinen Thiel-Chart über 3 Jahre ist der genauen Absturzverlauf 2002 schlecht erkennbar. Bei Finanzen.net oder Wallstreet-online.de kannst du dir die historischen Kurse von Thiel (heißt heute Logwin) anschauen, und dort kannst du die auch Charts für eine beliebige Zeitspanne anschauen. Und dort sieht man auch daß Thiel Pfingstdienstag 2002 bei 11€ geschlossen hat. Der Absurtz auf 2€ folgte erst ca. 7 Wochen später. Es gab dann zwar einen Minus-50%-Tag aber keinen Minus-80%-Tag. Pfingsdienstag war 2002 21.Mai. Das Passt auch zu RaR damals.

Gast

Was für eine spannende Story! Ich denke, dass es vielen so ergeht. Mir erging es ähnlich. Auch ich hatte ein einschneidendes negatives Ereignis, bei dem ich einiges verloren habe und aus dem ich viel mitgenommen habe.

Dein Artikel hat mich auf die Idee gebracht, diese Geschichte selbst einmal aufzuschreiben. Seitdem denke ich zuerst an das Risiko und nicht wie in der Zeit davor an Gewinne. Man kann fast sagen: In einer völlig komplexen Umgebung wie der Börse muss man zuerst ans Überleben denken.

Nur wer Fehler macht, kann auch etwas Neues lernen. Trotzdem wird es an der Börse immer wieder neue Schwierigkeiten geben, denen man sich stellen muss.

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