Falls Du nicht mit George Soros oder Warren Buffet verwandt bist: Lass die Finger von Einzelaktien!

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Überspitzt ausgedrückt, ich weiß. Aber für jeden, der kein erfahrener und profitabler Trader/Investor ist und Geschäftsberichte nachts um zwei rückwärts lesen kann, gilt das.

Aber Maschinist“, wirst Du mir entgegnen, „Daimler hat derzeit eine Dividendenrendite von 5% und die Deutsche Bank ist so günstig wie noch nie“. Das stimmt geschätzter Leser, aber wusstest Du eigentlich, dass von den dreißig Unternehmen des Dow Jones Index aus dem Jahr 1926 nun 90 Jahre später nur noch eines (!) davon darin enthalten ist (General Electric). Alle anderen wurden entweder aufgekauft, zerschlagen, restrukturiert oder noch schlimmer, gingen bankrott. Hast Du zufällig einmal von der Radio Corporation of America (RCA) gehört? Das war die Apple Aktie der zwanziger Jahre. Super innovativ und weltweit führend im Bereich der Radio- und später Fernsehgeräte Herstellung. Nach einem langen Siechtum wurden die Reste in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts von General Electric aufgekauft. Die Aktionäre gingen damals fast leer aus. Es gibt tausend weitere Beispiele. Aktuelle aus Deutschland sind derzeit nach meiner Einschätzung EON, RWE oder die Deutsche Bank. Ich meine, wer hätte vor zehn Jahren auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass diese Konzerne nun insolvenzbedroht sein könnten?


Aber es ist die Realität. Wir sehen Sie oft nur nicht, da wir Menschen so gerne in Konstanten Denken. Ein Unternehmen, egal wie groß, dass über mehr als 50 Jahre besteht, ist fast schon die Ausnahme.

Das Wesen des freien Marktes ist langfristig die Zerstörung der etablierten Konzerne durch kleine aber innovative Wettbewerber. Von außen betrachtet ist es unfassbar, dass ein kleines Unternehmen gegenüber einem großen Konzern mit nahezu unbegrenzten Ressourcen irgend eine Chance haben könnte. Aber ich habe 15 Jahre bei einem DAX Konzern gearbeitet und kann Dir bestätigen, dass es geht. Die Manager in den großen Konzernen werden nach einiger Zeit oft träge und ein großer Teil der Gedanken dreht sich dann primär um das nächste Monatsgehalt und den jährlichen Bonus.

Etwas zu riskieren, wird zwar als offizielle Firmenpolitik propagiert aber die Realität sieht ganz anders aus. Die Mitarbeiter sehen das natürlich und spielen das Spiel mit. Manager bekommen kein Problem, wenn Sie nicht innovativ sind, sondern eher, wenn Sie unbequeme Vorschläge zur falschen Zeit machen. Ich habe schon gesehen, wie Führungskräfte vom Vorstand vor versammelter Mannschaft entlassen wurden, weil Sie genau die richtige Idee hatten! Ja wirklich, es war eine phänomenale Idee und Sie hätte dem Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag gespart (und den Aktionären gebracht). Der Manager hat einfach den Fehler gemacht, seine Idee zu früh zu äußern, bevor er sich Rückendeckung und geeignete Mitstreiter gesichert hatte. Machiavelli hätte seine helle Freude an meinem Konzern gehabt. Und der ist keine Ausnahme. Studienkollegen haben mir oft genug beim Bier über Ihren eigenen Wahnsinn berichtet. Manchmal ist es eher ein Wunder, das diese großen Unternehmen trotz all Ihrer Trägheit noch so lange bestehen.

So. Die Konzerne gehen also fast alle irgendwann Pleite und Du willst mir erzählen, dass Du die richtigen Einzelaktien aussuchen kannst, um Sie dann über Jahre oder Jahrzehnte in Deinem Investmentdepot zu halten? Denk nochmal darüber nach.

Wie gesagt, wenn Du ein erfahrener Investor bist, und Du über lange Sicht den Markt geschlagen hast; Glückwunsch! Mach weiter so und genieße Deinen Erfolg. Wenn Du aber wie 95% der Menschen berufstaetig bist und nun einfach nach einem Weg suchst, Dein kostbares und mühsam verdientes Geld gewinnbringend anzulegen, dann sind gebührenarme Index ETF oder Fonds genau das richtige für Dich. Du wirst mit Ihnen langfristig den überwiegenden Teil aller aktiven Spekulanten und sogar Hedge-Fonds schlagen. Du darfst Sie nur nie verkaufen, sondern im Gegenteil musst sie so lange aufstocken, bis Du finanziell unabhängig bist. Das geniale an passiven Index ETF‘s ist ja gerade, dass schwache Unternehmen aus dem Index herausfallen und neue Innovative darin neu aufgenommen werden. Du bist also auf lange Sicht immer bei den größten und auch erfolgreichen Unternehmen investiert und Du brauchst Dir überhaupt keine Gedanken darum zu machen, ob z.B. Apple in fünf Jahren noch genügend Smartphones verkauft. So lange in der freien Welt die Marktwirtschaft herrscht, wird es immer neue Innovationen geben und Dir als Index Investor kann es egal sein, von wem diese Innovationen kommen.

 

Schreib dem Maschinisten unter Maschinist@Freiheitsmaschine.com

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27 Kommentare auf "Falls Du nicht mit George Soros oder Warren Buffet verwandt bist: Lass die Finger von Einzelaktien!"

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Gast

Hallo Maschinist,
ich habe eben einen Artikel von Daniel Solin gelesen.Er ist Bestsellerautor und Direktor bei der Organisation unabhängiger Finanzberater.
Er empfiehlt genau das gleiche wie Du. Vanguard.
In meinem Fall den Vanguard Balanced Fund.
Das Wichtigste sind geringe Kosten !!!!

Ich tue mir noch etwas schwer mit dem Kauf eines Index Funds. Hier fehlt mir die Belohnung für das was ich mir jeden Monat am Mund abspare.
Ich habe Werte wie: Altria,BASF;BP,Coke,Danaher, Daimler,P&G,Philip Morris,MCD, Intel,usw. Diese schütten mir Dividenden aus. Diese werden auch bei vielen Werten Jahr um Jahr erhöht. Da kommt der Zinseszins voll zum tragen.Das ist so wundervoll auf den Depotauszügen zu sehen, da fühle ich mich gut, das bestärkt mich das ich jeden Monat spare.
Wenn ich einen Index-Funds kaufe, sehe ich nur die Anteile.
Kannst Du mir die Vorteile eines Index Funds nennen. Ich meine nicht den Konkurs einer einzelenen Firma.!!

Welche Vanguard ETF´s soll man noch bzgl. der Streuung nehmen. Asien, Schwellenländer etc.

Was ist deiner Meinung nach der richtige Weg wenn man erst 1/5 seines Zieles erreicht hat!!

Vielen Dank und LG

auf_dem_Weg

Gast

Ok, vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag.Ich werde versuchen die einzelnen Aktien nacheinander abzustoßen.Habe leider auch Werte wie LHA oder Allianz oder Airbus die deutlich im Minus sind. Da tue ich mir immer schwer mit dem Verkauf. Würde diese gerne halten bis ich wieder eine schwarze 0 sehe.
Geld benötige ja eh nicht.
Passt deine OHI in solch ein Depot ? Als Beimischung zur passiven Strategie!!
aktuell bei 35,40 $

Viele Grüße

Gast

Ersteinmal herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für diese super Seite!!!
MIch würde jedoch deine Meinung zu der Problematik bei ETFs interessieren, sollte der Herausgeber des Indexfonds insolvent gehen. Klar, bildet der Indexfonds physisch nach, gehören einem theoretisch die einzelnen Aktien. Aber wie läuft sowas ab, sollte tatsächlich mal der Fall eintreten? Kennst du da Beispiele?
Letztlich steckt ein rießiger Teil des eigenen Vermögens in einem Indexfonds eines Anbieters.
Vom “Gefühl” her geht es mir persönlich besser, Einzelaktien im Depot zu haben. Ich weiß, dass man davon nicht leiten lassen sollte, aber wie denkst du über diese Problematik bzw. wie handhabst du diese Sache persönlich?
Danke und viele Grüße in die USA,
Stefan

Gast

Wie viel Prozent schüttet der Vanguard im Jahr durchschnittlich aus?

Nach http://www.multpl.com/s-p-500-dividend-yield/ dürften es nur 2 Prozent sein (2000 bis jetzt).

Gast

Ich spare für meine Kinder über den Broker Cortal Consors zwei ETF`s.
ComStage MSCI World WKN ETF110 und den der Deutschen Bank WKN DBX1MW.
Cortal Consors bietet dies mir Kostenfrei an!!
Beide werden Synthetisch nachgebildet.
Kann es hier zu Problemen kommen ? Stehe ich dann mit leeren Händen da??
LG

Gast

Hallo Maschinist,
auch von mir Glückwunsch zu einer der besten deutschen Seiten zum Thema im Netz. Zu Deinen Empfehlungen habe ich folgende Frage:
Du empfiehlst einen S&P500-ETF mit einer Mischung andere Märkte (Europa, Asien) zu besparen. Was wäre denn an an der zweier ETF-Kombination aus MSCI World und Emerging Markets schlechter. Im MSCI World sind auch zum großen Teil amarikanische Unternehmen enthalten.
Viele Grüße und weiter so!

Gast

Warum bevorzugst Du so ETF`s.Wegen der Kosten. Aber was ist mit den vielen Werten die in einem ETF enthalten sind die man persönlich nie kaufen würde??
Was hälst Du von reinen Konsumaktien.
Ein Depot das man sich im Supermarkt zusammenstellt.
Procter&Gamble, Coke, Nestle, Unilever, Henkel, Jack Henry, Internationl Flavors, MCD usw.
Die Produkte dieser Werte nutzen wir täglich!!
Einmal kaufen, und für immer halten.Dann sparen wir sogar die jährl. Gebühren!!!!

Gast

Was hälst Du von den Traderfox Strategie Indizes oder auch dem QIX. Lohnt es sich die erhöhte Gebühr dafür zu zahlen.
Du schreibst von Streuung: 50% S&P, Rest HongKong, Singapur etc.

Ich würde jetzt gerne anfangen zu besparen, kann ich es mir einfach machen und nur den Vanguard A1JX52 All-World Monat für Monat kaufen???

Dankeschön

Gast

Hallo Maschinist,

super Blog!
Das Problem bei den Vanguard-ETFs ist aus meiner Sicht, dass sie nicht steuereinfach sind. Das heißt, man hat als Deutscher immer Aufwand mit der Steuererklärung.
Oder sehe ich das falsch?

Gruß
Mattoc

Gast

Hallo Maschinist,

ok, danke!
Dass die verlinkten ETFs in Deutschland zugelassen sind, ist richtig. Damit sind sie allerdings leider nicht automatisch steuereinfach. Die Unterschiede sind hier recht gut beschrieben:

https://www.justetf.com/de/news/etf/steuereinfach-in-etfs-investieren.html

Das Fondsdomizil der Vanguard ETFs ist Irland, und ich gehe davon aus, dass die ausschüttenden ETF-Versionen teilthesaurieren, da das Geschäftsjahresende in einem Monat liegt, in dem nicht ausgeschüttet wird. Damit sind sie nicht steuereinfach sondern steuerhässlich. Und das nervt leider etwas.

Vielen Dank für die vielen guten Artikel.
Mattoc

Mitglied

Was ist deine Meinung bezüglich der neuen “Vorabpauschale” in Deutschland, die ab 2018 auf Fonds/ETFs zukommt? Die Besitzer von ausschüttenden ETFs, also genau die Leute, die von den Dividenden leben wollen, und eine Buy-and-Hold Strategie betreiben, würden benachteiligt, da sie in End-Effekt mehr Steuern zahlen müssen. Da wäre ich lieber in einem bereit diversifizierten Einzelaktienportfolio investiert. Eine “Vorabpauschale” finde ich fast so widersinnig wie negative Zinsen.

P.S. Entschuldigung für etwaige Sprachfehler – ich lerne deutsch noch.

Mitglied

Ich habe gerade diesen Bericht gelesen:
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2016/03/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-5-reform-investmentbesteuerung.html

Ausschlaggebend sind die folgenden Zitate:

“Die Vorabpauschale greift grundsätzlich immer dann, wenn im Veranlagungszeitraum die Ausschüttungen des Investmentfonds die Höhe einer risikolosen Marktverzinsung, den sogenannten Basisertrag, nicht erreichen.”

“Die Vorabpauschale ist auf den Wertzuwachs des Investmentfondsanteils innerhalb des Kalenderjahres begrenzt. Die tatsächlichen Ausschüttungen mindern die Vorabpauschale im Veranlagungszeitraum gegebenenfalls bis auf null.”

So weit ich es verstanden habe, sollte die Vorabpauschale im Normalfall nicht auf höher ausschüttende Dividenden-ETF zugreifen. Die Beispielrechnung schafft Klarheit. Ein weiterer Vorteil wäre, dass man ab 2018 auch in den bisher steuerhässlichen ETFs investieren kann, da “die Besteuerungsregelungen werden so ausgestaltet, dass sie weitestgehend ohne Mitwirkung der Investmentfonds umsetzbar sind.”

Nur bei den thesaurierenden ETFs wird es komplizierter.

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