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RV Fit und RV Fit Kompakt

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Siduva
(@siduva)
Beiträge: 406
Silber Freiheitskämpfer
Themenstarter
 

Laut Suchfunktion war das hier bisher noch kein Thema, daher kurz nachfolgende Info.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet seit ein paar Jahren das sogenannte RV Fit und RV Fit Kompakt Programm an.

Teilnahmeberechtigt sind alle berufstätigen Personen, die innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 6 Monate Rentenversicherungsbeiträge in Deutschland gezahlt haben.

Der Fokus des Programms liegt auf Prävention, nicht auf Rehabilitation, d.h. eine attestierte gesundheitliche Einschränkung ist für die Teilnahme nicht erforderlich.
Mit meinen Worten würden ich sagen, dass das Ziel der Rentenversicherung mit diesem Programm der Erhalt der Arbeitskraft bzw. die Vermeidung einer vorzeitigen Leistungspflicht seitens der Rentenversicherung ist.

Im Rahmen der Prävention werden die Themen Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung behandelt bzw. gefördert.

Das Programm besteht im Wesentlichen aus 3 bzw. 4 Phasen:

  1. Startphase: 3 Tage ganztägig ambulant freigestellt (RV Fit) bzw. 5 Tage ganztägig stationär freigestellt (RV Fit Kompakt)
  2. Begleitete Trainingsphase: 3 Monate 1-2 mal pro Woche berufsbegleitend (RV Fit) bzw. selbstständig zu Hause (RV Fit Kompakt)
  3. Unbegleitete Trainingsphase: 3 Monate selbstständig zu Hause
  4. Abschlussphase / Auffrischung: 1 Tag ganztägig ambulant freigestellt (RV Fit) bzw. 3 Tage ganztägig stationär freigestellt (RV Fit Kompakt)

 

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmer während der Start- und Abschlussphase bezahlt freizustellen.

Die individuell passende Klinik sucht man über den o.g. Link aus. Dabei ist zu beachten, dass nicht jede Klinik das RV Fit Kompakt Programm anbietet.

 

Ich habe mittlerweile bereits zwei Mal das Programm RV Fit Kompakt mitgemacht und werde auch ein drittes Mal teilnehmen (neuer Antrag kann frühestens 1 Jahr nach Beendigung der Abschlussphase beantragt werden).
Ich nutze es, um aus dem Alltag (Job, Familie) herauszukommen und mich 5 Tage (Startphase) bzw. 3 Tage (Abschlussphase) wirklich nur mit mir und meiner Gesundheit zu beschäftigen.
Dabei achte ich bei der Klinikauswahl darauf, dass die Abschlussphase nicht über das Wochenende läuft sondern ich wirklich 8 volle Tage von der Arbeit freigestellt bin.
Bisher war ich beide Male in Gruppen, in denen ich niemanden kannte - das liegt auch daran, dass unverständlicherweise niemand in meinem Bekanntenkreis motiviert war, das mit mir gemeinsam zu machen.
Die behandelten Themen zu Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung waren mir nicht grundlegend neu, dennoch habe ich von dem starken Fokus auf diese Themen während des Programms profitiert. Das Wissen bzw. die Informationen selbst sind heutzutage ja eh nicht das Problem, sondern die konsequente Umsetzung. Daher hilft mir persönlich die regelmäßige Wiederholung bzw. fokussierte Beschäftigung mit diesen Themen abseits des Alltags.

 

Wer hat denn ebenfalls schon Erfahrungen mit dem Programm und kann sie teilen?

 

edit: passt vielleicht eher in Ernährung & Fitness, bei Bedarf verschieben @maschinist


 
Veröffentlicht : 3. Januar 2026 20:49
Keinen_Plan, viper2333, morrich und 5 weitere Freiheitskämpfer mögen das
Heisenberg
(@heisenberg)
Beiträge: 317
Bronze Freiheitskämpfer
 

@siduva

danke!! Das Programm kannte ich überhaupt nicht. Kannst du vielleicht mehr von deinen Erfahrungen erzählen und auch wie dein Arbeitgeber darauf reagiert hat?

was bedeutet 5 Tage stationär? übernachtet man 5 Tage im Krankenhaus?

 

danke vorab!


 
Veröffentlicht : 3. Januar 2026 22:27
Maschinist mag das
Siduva
(@siduva)
Beiträge: 406
Silber Freiheitskämpfer
Themenstarter
 

@heisenberg seitens Arbeitgeber war es bei mir gar kein Problem. Ich arbeite bei einem großen DAX Unternehmen der Automobilindustrie, da werden gesetzliche Vorgaben strikt befolgt. Ich habe aber auch von anderen Teilnehmern aus kleinen Unternehmen anderes gehört.

In der Kompakt-Variante übernachtet man auswärts, also stationär in einer teilnehmenden Reha-Klinik der Rentenversicherung oder einem von denen mit der Unterbringung beauftragten nahen externen Hotel/Gasthof/Pension usw. (kein Krankenhaus). Bei mir war es so, dass die Startphase mit der Anreise am Sonntag Nachmittag begann und bis Freitag Mittag dauerte. Meine erste Abschlussphase ging von Freitag Nachmittag bis Sonntag Mittag (uncool), die zweite von Mittwoch Nachmittag bis Freitag Mittag (super).

Das Programm der stationären Startphase ist intensiv, man macht gemeinsam mit den anderen in der Gruppe ein intensives Sportprogramm (Ergometer/Ausdauer, Krafttraining, Beweglichkeitsübungen, Wandern, Nordic Walking). Daneben gibt es Vorträge/Austausch zum Thema Ernährung (inkl. gemeinsamer Zubereitung eines gesunden Abendessens) und Stressmanagement (inkl. autogenem Training und progressiver Muskelentspannung). Man absolviert alles in der Gruppe und diese Gruppe ist in der Reha-Klinik eine Art Fremdkörper, da alle anderen ja eine Rehabilitation durchlaufen. Man ist offiziell auch kein Patient sondern Gast im Rahmen dieser Prävention.

In der Trainingsphase ist man auf sich gestellt, macht also alles daheim im Alltag. Dabei erhält man die ersten 3 Monate Unterstützung durch eine App, in der man wöchentlich Motivation durch das Personal der Reha-Klinik in Form von kurzen Textnachrichten bekommt. Man gibt in die App alles ein, was man zum Thema Sport, Ernährung und Stressmanagement so gemacht hat. Beim Thema Sport dabei im Detail mit den Aktivitäten und Zeiten, da es auch ein Soll zu erfüllen gibt. Am Ende ist die App aber auch ein Stück weit freiwillig - jeder kann da eingeben was er will oder nicht will, es soll einen anhalten, dran zu bleiben und die Themen in den Alltag zu integrieren, damit es nicht wieder einschläft.

Die stationäre Abschlussphase ist im Verhältnis zur Startphase entspannt, eine oder zwei Sporteinheiten, Erfahrungsaustausch, Auffrischung zum Thema Ernährung und Stressmanagement.

Ich persönlich finde das Programm super, insb. bei meiner ersten Teilnahme habe ich viel mitgenommen und im Alltag nachhaltig umgesetzt (z.B. dass neben Ausdauertraining auch die Themen Beweglichkeit und Kraft zwingend Aufmerksamkeit/Übungen erfordern, zudem Strategien bzgl. Stressmanagement). Mir hat auch geholfen, mal komplett 5 bzw. 3 Tage aus dem Alltag mit Familie und Kindern raus zu sein - ich hatte die Möglichkeit, mich länger als sonst mit mir, meinem Alltag und den o.g. Themen zu beschäftigen.

Meine Frau hat ebenfalls schon zwei Mal teilgenommen und solange die Rentenversicherung diese Möglichkeit bietet, nehmen wir das in Anspruch.


 
Veröffentlicht : 3. Januar 2026 23:42
Keinen_Plan, morrich, Yakari und 2 weitere Freiheitskämpfer mögen das
Siduva
(@siduva)
Beiträge: 406
Silber Freiheitskämpfer
Themenstarter
 

Die "normale" RV Fit Prävention habe ich selber noch nicht durchlaufen. Der wesentliche Unterschied ist, dass man die ersten 3 Monate (begleitete Trainingsphase) ambulant macht statt komplett daheim. Ich vermute (weiß es aber nicht sicher), dass es auch Kooperationen mit Fitnesseinrichtungen gibt, so dass man dafür nicht immer in die Reha-Klinik muss, in der man die (kürzere) stationäre Startphase hatte.

Für mich war/ist das kein Modell, da ich lieber eine längere stationäre Start-/Abschlussphase habe und im Alltag schlecht 1-2 Mal pro Woche einen ambulanten Trainingstermin integrieren kann. Das mache ich dann lieber in eigenem Saft bzw. individuell und selbstbestimmt - dafür habe ich aber auch die Disziplin. Wer die Terminprobleme oder die Disziplin im Alltag nicht hat, dem ist mit dem regulären Programm auch gut geholfen.

Generell will ich nochmal sagen, dass man "nur" berufstätig sein und innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 6 Monate Rentenversicherungsbeiträge in Deutschland gezahlt haben muss, um teilzunehmen. Das trifft auf viele abhängig Beschäftigte zu. Man braucht kein Attest oder von einem Arzt ausgefülltes Formular, man kann kerngesund da teilnehmen. Hat man seine Reha-Klinik gefunden, ist der Online-Antrag in weniger als 5 Minuten erledigt. Ich kenne kein vergleichbares Programm unserer Sozialsysteme mit so geringen Teilnahmevoraussetzungen.


 
Veröffentlicht : 3. Januar 2026 23:56
Keinen_Plan, Yakari, Heisenberg und 1 weitere Freiheitskämpfer mögen das
Maschinist
(@maschinist)
Beiträge: 3609
Maschinist Admin
 

Danke für die ausführlichen Infos zum Thema Siduva!

Hatte ich bisher überhaupt noch nicht auf dem Schirm.

Andere wahrscheinlich auch nicht und deshalb wertvolle Infos.

Vielen Dank!


 
Veröffentlicht : 4. Januar 2026 11:44
Siduva mag das
(@arne)
Beiträge: 12
Freiheitskämpfer
 

Danke Siduva!

1) Das hört sich sehr spannend an! In den Bereichen Sport und Krafttraining kenne ich mich für aus. Bei der Ernährung und der Stressbewältigung gibt es aber noch Optimierungspotential. Wie wurde das genau behandelt? 

2) Mit der anstehenden Geburt meines Kindes kann ich mir grad nicht vorstellen für insgesamt 8 Tage die Familie zu verlassen. Vielleicht sehe ich das nach der Geburt anders, aber ich würde ungern meine Frau mit einem Neugeborenen alleine lassen. Daher würde ich wohl das ambulante Programm wählen. Was mich dabei wundert: Warum ist es so viel kürzer als das stationäre? Kennst du jemanden der das ambulante Programm durchlaufen hat und kannst du über die Unterschiede berichten? 

Viele Grüße

Keinen_Plan


 
Veröffentlicht : 26. März 2026 18:19
Siduva und Natman mögen das
Siduva
(@siduva)
Beiträge: 406
Silber Freiheitskämpfer
Themenstarter
 

@arne die genaue Ausgestaltung des Programms hängt am Ende von dem Rentenversicherungsträger und der gewählten Einrichtung ab. I.d.R. werden die Inhalte an die Gruppe im Rahmen von Gesprächen vermittelt. Neben einer eher theoretischen Herleitung der Zusammenhänge wird gemeinsa versucht, konkrete Erfahrungen und Tipps im Gespräch zu teilen. Alles keine Raketenwissenschaft, das Wissen selbst ist auch nicht neu, es geht eher darum, sich den Sachverhalt regelmäßig mit anderen Schwerpunktsetzungen in Erinnerung zu rufen und für sich indivduell zu überlegen, wie man die Dinge in den persönichen Alltag einbaut.

Zum Unterschied zwischen RV Fit und RV fit kompakt: Meines Wissens sind wie im ersten Beitrag geschrieben nur die Start- und Abschlussphase unterschiedlich - und auch dies nicht immer, je nach Ausgestaltung des Programms in der gewählten Reha-Klinik. Der Unterschied in der Startphase erklärt sich meiner Meinung nach dadurch, dass jemand, der die folgenden 3 Monate allein zu Hause statt unter Anleitung vor Ort trainiert, eine deutlich umfassendere Einführung mit unterschiedlichen Übungen braucht, da der Fremdimpuls danach nicht mehr erfolgt.

Deine Einschätzung, dass das Kompakt-Programm mit neugeborenem Kind eher ungünstig ist, teile ich zu 100%. Ggf. ist auch das "normale" Programm nicht geeignet, falls Du nicht eine Einrichtung in unmittelbarer Nähe hast, in der Du die wöchentlichen Termine wahrnimmst.


 
Veröffentlicht : 28. März 2026 13:14
Keinen_Plan mag das
(@arne)
Beiträge: 12
Freiheitskämpfer
 

Hört sich alles logisch an. Ich würde mein Fitnesslevel als gut einschätzen. Stärken in Kraft und Ausdauer, allerdings mit Schwächen in Bereich Beweglichkeit/Flexibilität. Auf der RV-Fit-Seite und bei dem Anbieter bei mir in der Nähe wurde beschrieben, dass es für alle Fitnessgruppen geeignet ist. Kannst Du das bestätigen? Nicht, dass man da hingeht und kaum gefordert wird.

Ich hab bei mir in der Nähe eine Einrichtung gefunden, die 10 Minuten mit dem Fahrrad weg ist. Die Überlegung ist, das Programm in den ersten Monaten nach der Geburt zu starten. Dieses Jahr plane ich mit meinem "normalen" Sportprogramm kürzer zu treten. Letztes Jahr habe ich noch an der DM mit dem Verein teilgenommen. Das hat 3-4 mal Training die Woche verlangt plus viele Wochenenden und Wegezeiten. Das fällt dieses Jahr weg und man könnte die Zeit für das Programm nutzen 🤔 Vor allem feste Termine finde ich klasse, da das mir hilft dran zu bleiben. 

Nächstes Jahr wäre es schwierig, da ich mich dann Vollzeit um das Kind kümmern darf 😊  


 
Veröffentlicht : 28. März 2026 17:58
Siduva und Maschinist mögen das
Siduva
(@siduva)
Beiträge: 406
Silber Freiheitskämpfer
Themenstarter
 

Dein Plan hört sich super an. Toll, dass Du eine Einrichtung in der Nähe hast.

Das Programm ist für jeden, von super sportlich bis total unsportlich, da Du meines Wissens ambulant individuell trainieren kannst und das nicht in einer Gruppe machen musst. Selbst wenn es in einer Gruppe stattfinden geht jeder sein Tempo und seine eigenen Übungen an. Meiner Erfahrung nach haben die Mitarbeiter auch Spaß mit den Präventionsleuten zu arbeiten, da die eine ganz andere Motivation mitbringen. Wenn Du klar kommunizierst was Du Dir vorstellst gehen die im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten auf Dich ein.

Berichte bitte wenn es soweit ist, bin auf weitere Erfahrungen und Meinungen gespannt.


 
Veröffentlicht : 28. März 2026 23:22
Keinen_Plan mag das
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