Der Maschinist ist seit mehreren Jahren finanziell unabhängig. Seit knapp einem Jahr hat er nun auch keinen „normalen Job“ mehr und lebt, seitdem er 52 Jahre alt ist, mit seiner Familie primär von den selbst aufgebauten Kapitalströmen.
Warum beides verschiedene Dinge sind – und warum Letzteres für Dich vielleicht noch nicht das Richtige ist, liest Du hier.
Das Wichtigste in Kürze
- Finanzielle Freiheit: Deine passiven Einkommensströme decken nach Steuer (und Krankenversicherung) Deinen kompletten Lebensunterhalt.
- Aufhören aktiv zu arbeiten ist etwas anderes. Das eine ist ein Vermögensstand, das andere eine Lebensentscheidung.
- Viele Vorteile der finanziellen Freiheit bekommst Du, ohne zu kündigen. Der Sicherheitspuffer, die Gelassenheit, die Optionen, das „Nein sagen können“.
- Wer kündigt, verändert nicht nur einen Geldstrom, sondern auch seine Zeitstruktur, soziale Kontakte, Status und kollektive Ziele. Diese Dinge musst Du berücksichtigen und selbst nachbauen.
- Es gibt Zwischenstufen: Teilzeit, Sabbatical, Projektarbeit, Barista FIRE. Freiheit ist individuell und kein Lichtschalter.
Was finanzielle Freiheit wirklich bedeutet
Finanzielle Freiheit bedeutet, dass die Summe Deiner passiven Einkommensströme so hoch ist, dass Du damit nach Steuer und Krankenversicherung Deinen gesamten Lebensunterhalt bestreiten kannst.
Das ist bei den meisten Menschen im deutschsprachigen Raum quasi als default ab dem Lebensabschnitt mit Ende 60 der Fall. Nach einem Leben voller Arbeit haben sie durch eine Kombination aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente, Versorgungswerk, manchmal einer abbezahlten Immobilie und hoffentlich auch Ersparnissen ausreichend hohe passive Einkommensströme aufgebaut bzw. der Staat hat sie gezwungen, diese aufzubauen. Bei Selbstständigen und Unternehmern ist der Anteil der Eigenvorsorge meistens größer. Aber auch hier gibt es einen Zeitbereich, ab dem ein ausreichender passiver Cashflow zu Dir laufen sollte.
Es gibt generell das Restrisiko, dass das Land, aus dem Du Deine gesetzliche Rente beziehst, Deine Zahlungen deutlich kürzt, weil es ihm finanziell sehr schlecht geht. Aber schau Dir die Machtverhältnisse an der Wahlurne an: Bei der letzten Bundestagswahl waren rund 60 Millionen Menschen wahlberechtigt, und etwa jede vierte wahlberechtigte Person war über 70 Jahre alt. Zusammen mit der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen stellen die Älteren rund 40 Prozent aller Wahlberechtigten – und sie gehen deutlich zuverlässiger wählen als die Jungen. Als Ergebnis wird es an dieser Stelle zwar vertretbare Kürzungen geben müssen aber dabei wird immer genau hingeschaut werden.
Der Weg der Freiheitskämpfer
Wir in der Freiheitsmaschine haben das Ziel, diesen Zustand der finanziellen Freiheit schon deutlich früher als zum offiziellen Renteneintrittsalter zu erreichen. Dafür bauen wir Einkommensströme durch Investments im Aktienmarkt und/oder auch im Immobilienbereich auf. Damit kannst Du Dir Deine eigene „Rente“ schon deutlich früher selbst herstellen.
Dadurch bist Du viel weniger auf den Staat angewiesen und hast Dir unendlich viele Freiheiten erarbeitet, von denen der Großteil der Menschen nur träumen kann. Wie das konkret funktioniert und welche Meilensteine es auf dem Weg gibt, findest Du im kompletten Leitfaden zur finanziellen Freiheit und im Artikel Der Maschinist erklärt: Vermögensaufbau.
Wichtig ist eine saubere Trennung, die viele durcheinanderwerfen:
- Finanzielle Unabhängigkeit – Die Erträge aus Deinem Vermögen decken Deine Grundbedürfnisse. Du könntest im Notfall eine ganze Weile aufhören zu arbeiten.
- Finanzielle Freiheit – Dein Vermögen deckt Deinen gewünschten Lebensstil komplett. Arbeit ist optional geworden.
- Nicht mehr arbeiten – Eine Entscheidung, die Du treffen kannst, aber nicht musst. Und darüber reden wir heute.
Eigenes Vermögen ist wie Atemluft
Der PKW oder die Heizung sind defekt. Ein Familienmitglied braucht dringend finanzielle Unterstützung. Das Dach muss neu gedeckt werden. Mit eigenem Vermögen ist die Lösung jeweils nur einen Mausklick entfernt, anstatt viel Lebensenergie zu investieren, wie man das Geld dafür auftreiben kann.
Eigenes Vermögen ist wie Atemluft. Wenn man genug davon hat, nimmt man sie kaum wahr und kann sich auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren: Familie, Freunde, Gesundheit, Community, Lebensort. Wenn sie allerdings knapp ist, verbringt man einen Großteil seiner Lebensenergie damit, das knappe Gut einzuteilen.
Das heißt: Eigenes finanzielles Vermögen und passive Geldströme bringen Dir Freiheit auf verschiedenen Ebenen. Und die meisten dieser Ebenen bekommst Du, lange bevor Du irgendetwas kündigst:
- Du kannst zu einem Projekt Nein sagen, ohne nachts wachzuliegen.
- Du kannst einen schlechten Chef aussitzen oder den Arbeitgeber ohne Existenzangst wechseln.
- Du kannst Stunden reduzieren, wenn zu Hause etwas Wichtiges ansteht.
- Du kannst eine Krise, einen Crash oder eine Kündigung überstehen, ohne dass Deine Familie es finanziell merkt.
- Du gehst mit einer inneren Ruhe ins Büro, die Deine Kollegen nicht erklären können.
Das ist der eigentliche Gewinn. Der Rest ist Kür.
🔧 Du hast noch kein oder nur ein eigenes Depot?
Deine finanzielle Atemluft baust Du nicht mit einem Sparbuch auf, sondern mit mehreren Aktiendepots und einer hohen Sparquote. Die Gebührenunterschiede sind heutzutage weniger wichtig als ein guter und verlässlicher Service Deines Depotanbieters.
Musst Du Deinen Job aufgeben, um „frei“ zu sein?
Musst Du Deine aktiven Geldströme, also zum Beispiel Deine Erwerbsarbeit, zwangsweise beenden, um viele der Vorteile der finanziellen Unabhängigkeit zu genießen? Absolut nicht.
Für manche Bürger kann es sogar kontraproduktiv sein, ihren „Job“ aufzugeben, nur weil sie es aus finanziellen Gründen nicht mehr müssen. Gerade bei Menschen, die noch gar kein eigenes Vermögen aufgebaut haben und zum Beispiel von Lottogewinnen und schnellen Reichtümern träumen, kann die Aufgabe der eigenen Erwerbsarbeit langfristig zerstörerisch wirken.
Ich habe selbst über zwei Jahrzehnte als gut verdienender Angestellter investiert und war schon finanziell unabhängig, bevor ich das Angestelltenverhältnis beendet habe. Das war eine bewusste Entscheidung. Denn es gibt Punkte, über die Du Dir vorher im Klaren sein musst.
1. Soziale Kontakte kommen bei vielen Menschen zum Großteil aus dem Berufsleben
Du kannst Dir noch so sehr vornehmen, Deine Arbeitskollegen auch nach Deinem Ausscheiden weiter zu treffen und die Kontakte zu pflegen. Es wird langfristig meistens nicht passieren. Wenn ihr nicht wirklich Freunde seid, werden diese Kontakte einschlafen.
Der Grund ist, dass euch beidseitig die Themen verloren gehen, die euch zuvor eine Gemeinsamkeit gegeben haben. Es gibt keine automatisch gemeinsam verbrachte Tageszeit mehr, kein automatisches Thema „Arbeitgeber / gemeinsame Firma“ mehr. Und wenn Du Dich gerne treffen würdest – tagsüber, unter der Woche – hat niemand Zeit, der einer Vollzeitarbeit nachgeht.
Der Deutsche Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen zeigt z.B. diesen Effekt: Im Erwerbsalter zwischen 43 und 65 Jahren fühlen sich Erwerbstätige statistisch deutlich weniger einsam als Nicht-Erwerbstätige. Ab dem üblichen Ruhestandsalter verschwindet dieser Unterschied wieder, weil dann alle im selben Boot sitzen. Wer mit Anfang 50 aussteigt, sitzt in dem Zeitfenster, in dem es vielen Menschen weh tut.
Was Du dagegen tun kannst: Bau Dir vor dem Ausstieg andere soziale Standbeine auf, die nichts mit Deinem Arbeitgeber zu tun haben. Verein, Sportgruppe, Musik, Ehrenamt, Nachbarschaft, eine Community von Gleichgesinnten. Wenn Du diese Strukturen erst nach Deinem letzten Arbeitstag aufbaust, ist es zu spät. Bei uns im Freiheitsforum findest Du übrigens solche Gleichgesinnten – Menschen, die dieselben Fragen umtreiben und oft auch tagsüber ansprechbar sind.
2. Du kannst Dich selbst nicht gut organisieren und Dir wird schnell langweilig
Freiheit bringt Verantwortung mit sich. Wenn niemand mehr Deine Lebenszeit einteilt, musst Du das selbst erledigen.
In meinem Umfeld habe ich erwachsene Menschen kennengelernt, die während der Corona-Pandemie im Homeoffice anfingen zu trinken, weil ihnen alleine zu Hause tagsüber langweilig wurde und die sozialen Leitplanken aus dem Büro nicht mehr vorhanden waren. Auch das ist kein Einzelfall: Im Global Drug Survey gaben von den Befragten, die mehr tranken, als Grund schlicht Langeweile an.
Bei anderen höre ich bei Treffen auch schon mal den Satz: „Ich wüsste gar nicht, was ich den ganzen Tag machen sollte.“ Wenn Du Dich dort gedanklich wiederfindest, würde ich bei dem Thema aufpassen.
Was Du dagegen tun kannst: Überprüfe Dich, bevor Du kündigst. Nimm mehrere Wochen am Stück Urlaub, bleib zu Hause und plane bewusst nichts. Kein Reiseprogramm, keine Renovierung, kein Besuchsmarathon. Nur Dein normales Leben ohne Arbeit. Wenn Du nach einer Woche nervös wirst und spürst, wie Dir die Themen ausgehen, hast Du eine Antwort. Wenn Du nach dem „Eigenprojekturlaub“ stattdessen denkst, „schade, dass es vorbei ist“, hast Du auch eine.
3. Du beziehst einen Großteil Deines Selbstwertes aus Deinem Beruf
Wie viel Deines Selbstwertgefühls hängt am Feedback, das Du für Deine berufliche Leistung von Deinen Mitmenschen erhältst? Wäre es Dir unangenehm, wenn Deine Nachbarn denken könnten, Du wärst vielleicht entlassen worden und jetzt arbeitslos oder Hausmann?
Die meisten Mitmenschen können es nicht einordnen, wenn jemand mit Anfang 50 plötzlich keiner aktiven Erwerbsarbeit mehr nachgeht. Das ist einfach so. Die Frage ist, wie Du damit umgehst.
Mir persönlich ist mittlerweile komplett egal, was andere von mir denken. Ich lenke das Gespräch gerne auf aktuelle Projekte, die mich aktuell interessieren und frage natürlich auch nach dem Leben des Gegenübers. Wer damit nichts anfangen kann, der passt dann einfach nicht zu meinem aktuellen Lebensabschnitt. Wenn Dir das berufliche Ansehen wichtig ist und Du Dich zum Beispiel neuen Kontakten mit „Hi, ich bin Thomas und bin Teamleiter bei der XY-AG“ vorstellst, hast Du hier ein Thema, bevor Du daran denkst, Deinen Job zu kündigen.
Die verborgenen Funktionen der Arbeit
Ich bin Ingenieur und mag Statistiken sowie Modelle, die erklären, warum etwas ist, wie es ist.
Die Sozialpsychologin Marie Jahoda hat in den 1930er Jahren in der Marienthal-Studie untersucht, was mit Menschen passiert, die ihre Arbeit verlieren. Ihr Ergebnis, heute bekannt als das Modell der manifesten und latenten Funktionen der Erwerbsarbeit: Arbeit hat eine offensichtliche Funktion, den Gelderwerb. Und außerdem fünf weitere versteckte:
- Zeitstruktur – Der Tag hat Leitplanken und ist von außen bestimmt.
- Soziale Kontakte – Regelmäßiger Austausch außerhalb der Familie.
- Status und Identität – Ein Platz in der Gesellschaft, eine Antwort auf „Was machst Du?“.
- Teilhabe an kollektiven Zielen – Man zieht mit anderen an etwas Größerem.
- Regelmäßige Tätigkeit – Man tut etwas, das sichtbar wird.
Und jetzt kommt die Pointe für uns Freiheitskämpfer: Finanzielle Freiheit ersetzt eine der Funktionen – den Gelderwerb. Die anderen fünf fallen erst bei einer Kündigung ersatzlos weg, egal wie hoch Dein Depotstand ist. Ein Millionär, der aufhört zu arbeiten und sich nichts Neues aufbaut, erlebt psychologisch ohne Vorbereitung dasselbe wie ein Arbeitsloser. Nur ohne Geldsorgen. Mehr Geld bedeutet, dass Du mehr so sein kannst wie Du gerade bist und Dich gerade fühlst. Falls Du nach einer Kündigung dann in ein seelisches Loch fällst, ist das absolut keine gute Ausgangssituation.
Es ist Deine Aufgabe, schon vor dem Ausstieg diese fünf anderen Funktionen selbst nachzubauen. Wer das vorher plant, hat einen wunderbaren Lebensabschnitt vor sich. Wer es nicht tut, sitzt nach wenigen Monaten auf dem Sofa und fragt sich, wo jetzt der Sinn des Lebens liegt.
Der Selbsttest: Bist Du bereit?
Geh diese Punkte durch.
- Ich habe mehrere Aktivitäten, die mich auch dann begeistern, wenn niemand zusieht.
- Ich habe soziale Kontakte, die nichts mit meinem Arbeitgeber zu tun haben und außerhalb der Familie liegen.
- Ich stehe morgens auch ohne Wecker und ohne Termin zu einer vernünftigen Zeit auf.
- Ich kann eine Woche ohne Struktur verbringen, ohne unruhig zu werden.
- Es ist mir egal, was die Nachbarn oder meine Verwandten über meinen Erwerbsstatus denken.
- Mein Partner bzw. meine Partnerin trägt die Entscheidung mit und wir haben besprochen, wie unser gemeinsamer Alltag danach aussieht.
- Meine Entnahmerate ist mit maximal 4% pro Jahr konservativ gerechnet (besser sind 3-3,5% bei Beachtung von Steuern).
- Ich habe einen Cash-Puffer für zwei bis drei Jahre Lebenshaltung, um einen Crash oder auch plötzlichen Liquiditätsbedarf abzudecken.
- Ich habe Krankenversicherung, Steuern (inkl. Quellensteuerabzug auf Dividenden) und meine Rentenansprüche konkret durchgerechnet.
- Und am wichtigsten: Ich laufe nicht nur vor etwas weg, sondern auch auf etwas zu.
Punkt 10 ist wie beschrieben der wichtigste. Wer nur weg will vom Chef, Pendeln oder Stress ohne etwas Neues zu gestalten, wird bald in ein Loch fallen. Wer dagegen eine klare Vorstellung hat, wofür er seine zurückgewonnene Lebenszeit einsetzen will, hat den Kern verstanden.
Gibt es bei Dir noch Baustellen? Dann ist die Antwort zum Thema kündigen nicht „nein“, sondern „noch nicht“. Und das ist eine gute Nachricht, denn an allen Punkten kannst Du arbeiten, während Du weiter Vermögen aufbaust und Deinen Sicherheitspuffer und damit auch Deine Gelassenheit weiter erhöhst.
Freiheit ist kein Lichtschalter
Ein Denkfehler in der Diskussion ist die Annahme, es gäbe nur zwei Zustände: Vollzeit im Hamsterrad oder komplett raus. Zwischen diesen beiden Polen liegt ein Spielfeld:
- Stundenreduzierung: Z.B. drei statt fünf Tage. Du gibst netto einen kleineren Gehaltsanteil ab und bekommst 104 zusätzliche freie Tage im Jahr. Deine Krankenversicherung ist auch weiterhin abgedeckt (bei der GKV sogar mit geringeren Beiträgen). Wer schon finanziell unabhängig ist, merkt den Netto-Gehaltsverlust kaum.
- Sabbatical oder unbezahlter Urlaub: Ein Testlauf mit Rückfahrkarte. Sechs Monate raus, danach weißt Du Bescheid. Der Maschinist hat in 2008 mitten im Berufsleben auch einmal ein einjähriges Sabbatical gemacht und er hat dabei viel über sich gelernt (inkl. der Reaktionen von Kollegen und Vorgesetzten).
- Ein Wechsel in den „schlechter bezahlten aber besseren“ Job: Wenn Geld keine Rolle mehr spielt, kannst Du nach Inhalt statt nach Gehalt auswählen.
- Barista FIRE: Ein kleiner Nebenverdienst deckt einen Teil der Kosten, hält Dich sozialversichert und gibt Dir Struktur. Wie das in der Praxis aussieht, erzählt Freiheitskämpfer im Millionär Interview 52 – Barista FIRE mit 40.
- Projekt- oder Freiberuflichkeit: Du arbeitest, wann Du willst, mit wem Du willst.
- Ehrenamt und eigene Projekte: Liefert kollektive Ziele und Status, ohne dass jemand über Deine Zeit verfügt.
Wie unterschiedlich die Wege aussehen können, siehst Du bei den über fünfzig Menschen in unseren Millionär Interviews und den Freiheitskämpfer Interviews. Nur wenige von ihnen haben einfach einen Schalter umgelegt.
Deutsche Praxisthemen, die viele übersehen
Krankenversicherung
Das kann für Privatiers in Deutschland ein teurer Posten sein, den viele unterschätzen. Ohne Arbeitseinkommen werden als freiwillig gesetzlich Versicherter alle Einkünfte zur Beitragsberechnung herangezogen – also auch Kapitalerträge, Dividenden und Mieteinnahmen. Es gibt eine Mindestbemessungsgrundlage nach unten und die Beitragsbemessungsgrenze nach oben. Je nach Einkommen landest Du grob zwischen etwa 260 Euro und gut 1.200 Euro im Monat inklusive Pflegeversicherung. Die aktuellen Werte findest Du bei der Verbraucherzentrale. Rechne diesen Posten in Deine Entnahmerate ein, sonst verschiebt sich Dein Freiheitsdatum um Jahre. Lösen kannst Du das Thema entweder mit einem Midi Job oder auch einem fiktiven Arbeitsverhältnis, wie es der Maschinist gemacht hat (Stichwort: Geldwertkonto bei der DRV-Bund).
Rentenansprüche
Deine bis zum Ausstieg gesammelten Entgeltpunkte bleiben Dir erhalten – Du bekommst später eine entsprechend reduzierte Rente. Wichtig ist die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren und auch der Meilenstein 35 Jahre Gesamtversicherungszeit (inkl. Studium und Pflichtdiensten), um eine frühe Rente ab 63 in Anspruch nehmen zu können. Deine persönliche Situation siehst Du in der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung und eine Kontenklärung hilft, eigene Versicherungslücken zu erkennen und nachzumelden.
Der Weg aus dem Arbeitsverhältnis
Eine Eigenkündigung führt beim Arbeitslosengeld I in der Regel zu einer Sperrzeit und kürzt die Anspruchsdauer. Ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung kann steuerlich und praktisch die deutlich elegantere Lösung sein. Wer ohnehin geht, sollte hier nicht aus Ungeduld Geld verschenken.
Entnahmerate und Puffer
Wer mit Anfang 50 aussteigt, plant nicht für 30 Jahre Entnahme, sondern statistisch eher für 40 und in einer Ehe mit zwei Partnern auch konservativ mit 50. Deshalb halte ich die wie ein Mantra wiederholte 4-Prozent-Entnahme-Regel, gerade bei hohen Börsenbewertungen wie aktuell, für zu optimistisch. Warum ich selbst bei drei Prozent gelandet bin, habe ich hier ausführlich hergeleitet: Warum die 4%-Regel wahrscheinlich scheitern wird – und was Du dagegen tun kannst. Wer noch tiefer einsteigen will, findet bei Early Retirement Now eine detaillierte Analyse zu sicheren Entnahmeraten je nach persönlicher Situation und aktueller Aktienmarktbewertung.
Und ein anderer wichtiger Punkt: Die Entnahmen laufen über Dein Depot. Wenn Du in der Entnahmephase regelmäßig Anteile verkaufst, zahlst Du bei einem teuren Anbieter über Jahrzehnte einen vierstelligen Betrag mehr an Gebühren als nötig. Prüfe im aktuellen Depotvergleich der Freiheitsmaschine, ob Dein Depot noch das richtige ist. Der Maschinist besitzt für sich und seine Familie eine Vielzahl an Aktiendepots. Bei einem Anbieter mit automatischer Steuerabfuhr macht das nach Depoteinrichtung null zusätzliche Arbeit. Aus Redundanzgründen würde ich ab einem sechstelligen Vermögen immer mehr als ein Depot führen.
„Hey Maschinist, warum sagst Du mir das alles? Sind diese Punkte etwa auch für Dich ein Thema, seitdem Du nicht mehr angestellt bist?“
Ein klares Nein. Ich habe mich bezüglich all dieser Punkte in den Jahren vor meinem Ausscheiden aber selbst hinterfragt und mich dann bei der Entscheidung für gut befunden. Ich habe die Hobbys, die Kontakte und die Struktur weiter geführt bzw. aufgebaut, während ich noch gearbeitet habe. Der letzte Arbeitstag war deshalb kein Sprung ins Leere, sondern nur der Wegfall eines Zeitblocks, den ich nun wie geplant neu einteilen und meine Freiheit genießen kann.
Ich sehe aber, dass diese Punkte für viele andere Menschen sehr wohl ein Thema sind. Und ich sehe, dass fast niemand ausreichend darüber spricht, weil sich „Werde frei und alles wird gut“ besser verkauft.
Wie mein Leben heute aussieht
Ich selbst bin so glücklich in meinem neuen Lebensabschnitt, dass ich es eigentlich niemandem sagen kann, weil ich bei anderen Menschen keinen Neid erzeugen möchte.
Ich kann genau die Dinge tun, auf die ich Lust habe. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gestresst oder auch nur angespannt war, und habe deutlich mehr Lebensqualität.
- Dienstagmorgens zu einer langen Motorradtour aufbrechen.
- Einfach tagsüber auf der Terrasse sitzen und lesen.
- Fast jeden Tag Gitarre üben. Und dadurch so gut darin werden wie noch nie zuvor.
- Mittags durch den Stadtpark gehen, frei denken können und mich dabei erinnern, dass ich geradezu vom Glück geküsst bin.
- Weiterhin in Topform sein und trainieren, wann ich will.
- Familien- und Paarzeiten planen, sowie Urlaube und eigene Auszeiten ohne Stress organisieren.
- Die weltweiten Aktienmärkte verfolgen, wie ich Lust habe, mit Zeit zum Handeln und Nachdenken.
- Und ja: Auf dieser Seite schreiben. Ganz so wie ich Lust und Laune habe.
Schau Dir diese Liste noch einmal an. Da sind Zeitstruktur, regelmäßige Tätigkeit, kollektive Ziele und Identität dabei. Nur eben selbst gebaut statt vom Arbeitgeber vorgeplant oder der „Gesellschaft“ erwartet.
Wie sich das über einen längeren Zeitraum entwickelt hat, kannst Du in meinem Update 8 Jahre finanzielle Freiheit – der Maschinist im Millionär Interview nachlesen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen finanzieller Unabhängigkeit und finanzieller Freiheit?
Bei der finanziellen Unabhängigkeit decken die Erträge aus Deinem Vermögen Deine Grundbedürfnisse. Bei der finanziellen Freiheit decken sie Deinen gewünschten Lebensstil komplett. Beides sagt nichts darüber aus, ob Du weiter arbeitest.
Muss ich meinen Job kündigen, wenn ich finanziell frei bin?
Nein. Finanzielle Freiheit ist ein Vermögensstand, kein Handlungsauftrag. Die meisten Vorteile – Gelassenheit, Verhandlungsmacht, Krisensicherheit – wirken sofort, auch wenn Du weiter angestellt bleibst.
Wie viel Vermögen brauche ich, um aufhören zu können?
Als grobe Faustregel das 25-Fache Deiner Jahresausgaben bei 4 Prozent Entnahme. Bei einer konservativeren Entnahmerate von 3 Prozent – die ich bei einem sehr langen Entnahmezeitraum für realistischer halte – ist es das 33-Fache. Und rechne die Krankenversicherung sowie alle Steuern (inkl. Quellensteuerabzug) mit ein.
Werde ich mich langweilen, wenn ich nicht mehr arbeite?
Das hängt davon ab, was Du vorher aufgebaut hast. Wer mit Hobbys, Projekten und Kontakten aussteigt, langweilt sich nie. Wer nur mit Geld aussteigt, fast garantiert.
Was passiert mit meiner Krankenversicherung als Privatier?
Im Standardfall wirst Du freiwillig gesetzlich versichert. Dann zählen alle Einkünfte inklusive Kapitalerträge und Mieteinnahmen zur Beitragsberechnung – begrenzt durch Mindestbemessungsgrundlage und Beitragsbemessungsgrenze. Wer vorplant, kann auch hier eventuell zu einer besseren Lösung kommen.
Was sage ich Nachbarn und Bekannten?
Was immer Du willst. Wem diese Frage jetzt schon unangenehm ist, der sollte vor dem Ausstieg an seinem Selbstwert arbeiten, nicht nur an seiner Sparquote.
Wie ist Deine Situation, wie sieht Dein Plan aus?
Bist Du schon finanziell unabhängig und arbeitest bewusst weiter? Hast Du gekündigt und bereust es? Oder stehst Du gerade genau vor dieser Entscheidung und bist noch am Zweifeln?
Schreib dazu im Kommentarbereich. Die Community der Freiheitsmaschine lebt davon, dass Menschen von ihren Erfahrungen berichten.
Gib Gas mit der Freiheitsmaschine und mach Dein Leben zu einem wunderbaren Abenteuer!
Weiterführende Artikel und Links
- Der Maschinist erklärt: Finanzielle Freiheit – Der umfassende Leitfaden
- Der Maschinist erklärt: Vermögensaufbau – So baust Du Dein Vermögen auf
- Der große Depotvergleich – Die besten Aktiendepots für Deinen ETF-Sparplan
- Warum die 4%-Regel wahrscheinlich scheitern wird – und was Du dagegen tun kannst
- Millionär Interview 52 – Barista FIRE mit 40
- Der Maschinist im Millionär Interview – 8 Jahre später
- Alle Millionär Interviews und alle Freiheitskämpfer Interviews
- Die Freiheitskämpfer Community
- Marie Jahoda: Die latenten Funktionen der Erwerbsarbeit – Warum Arbeit mehr ist als Geld
- Deutsches Zentrum für Altersfragen: Einsamkeit und Erwerbsstatus im Deutschen Alterssurvey
- Bundesgesundheitsministerium: Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung
- Early Retirement Now – Safe Withdrawal Rate Serie (englisch)
- Podcast-Interview mit dem Maschinisten beim Finanzrocker
