( ……………………………………. )

Veröffentlicht am
Teile die Freiheitsmaschine

Wir haben heute einen fast ungehinderten Zugang zu Informationen. Wo Menschen noch vor wenigen Dekaden fast ausschließlich vom Wissensstand Ihres direkten Umfelds abhängig waren, kannst Du nun mit wenigen Klicks von den jeweils besten Ihres Fachs lernen und das ganz unabhängig von Thema oder Wohnort.

Die Möglichkeiten sich etwas ganz Neues anzueignen und damit das eigene Leben zu verbessern sind dadurch unendlich. Und eigentlich müssten alle Menschen der westlichen Welt auf Grund dieser Möglichkeiten unter anderem mit durchtrainiertem Körper in glückseliger Partnerschaft und großem Freundeskreis im Geld schwimmen.

Aber wenn ich meine Augen aufmache, bin ich selbst in einer der wohlhabendsten, sichersten und offensten Regionen der Welt überhaupt, dem deutschsprachigem Raum, davon weit entfernt.

Ich sehe z.B. anstatt eines fitten und finanziell unabhängigen 55 jährigen Gutverdieners jemanden mit Bierplautze, der sich wackelnd und keuchend im Firmentreppenhaus darüber beschwert, dass der Aufzug gerade nicht geht und was für einen Blödsinn sich die „hohen Herren“ (das Topmanagement) wieder einmal ausgedacht haben.

 

Ich würde dann gerne antworten:

  • „Junge! – Warum bist Du nach 30 Jahren Angestellt sein überhaupt noch hier, wenn es Dir nicht passt und Du gleichzeitig in diesen Dekaden in Summe einen größeren siebenstelligen Eurobetrag für Deine eingetauschte Lebenszeit erhalten hast?
  • Das Geld sollte Dir schon lange aus Ohren- und Nasenlöchern gleichzeitig kommen, wenn Du nur einen kleineren Teil davon nicht ausgegeben und stattdessen passiv an der Börse oder in vermieteten Immobilien investiert hast!
  • Und wieso hast Du Deinen Körper mehrere hunderttausend überschüssige Kalorien in Form von Fettzellen speichern- und Deine Muskeln erschlaffen lassen, anstatt beides mit wenigen Stunden Aufwand pro Woche gesund und in Form zu halten?
  • Daran sind keine „hohen Herren“ schuld, sondern nur Du selbst!“


Aber der Maschinist hält sich zurück.

Erstens ist es unsinnig, sich Menschen ohne Grund zu Feinden zu machen und zweitens würde es sowieso nichts bringen.

 

Aber was ist hier eigentlich los?

Wir wissen, dass der Unterschied zwischen einem Millionär und einem Schuldensklaven nur aus ein paar Gewohnheiten besteht und beim Thema Fitness und Gesundheit sieht es nicht anders aus.

Mit diesen Gewohnheiten wachsen zwar nicht alle auf, aber jeder Mensch kann sich diese heutzutage einfach aneignen, oder?

Wieso gehen einige Menschen diesen Weg der Selbstoptimierung – viele andere aber offensichtlich nicht. Und das obwohl es so einfach ist wie nie zuvor an die notwendigen Informationen zu gelangen?

 

Heute Mittag im Fitnessstudio

war ich beim Kreuzheben gedanklich gerade mit dieser Frage beschäftigt, als ein anderer Besucher ein Gespräch mit mir anfing. Ich sehe diesen Menschen dort fast jede Woche seit wir aus den USA zurück sind und fast jedes Mal kommt er dann zu mir.

Er erzählt mir dann zum Beispiel, welche Wehwehchen er gerade hat, dass Politiker alle Betrüger sind oder dass sein Geld auf Bank durch die „Idioten in Brüssel“ immer weniger wert wird.

Jetzt müsste man denken, dass nach dieser langen Zeit und der Anzahl an Gesprächen auch von meiner Seite her Informationen fließen würden. Zu einigen Themen könnte ich schließlich bestimmt etwas beisteuern.

Aber dem ist nicht so – Das interessiert diesen Menschen anscheinend gar nicht.

Es gibt eigentlich immer nur einen einseitigen Monolog (den ich mittlerweile immer mehr versuche abzublocken).

Diesen Fitnessstudiobesucher interessiert in Wirklichkeit nicht was ich mache oder denke. Es geht Ihm stattdessen anscheinend nur darum, selbst zu sprechen.

 

Ergibt das Sinn?

Vielleicht wird Der sichtbar, wenn wir uns einmal auf die andere Seite des Spektrums bewegen:

Ein Leser der Freiheitsmaschine hat mich angeschrieben, der gegen finanzielle Entlohnung ein persönliches Consulting von mir haben wollte.

Nachdem wir uns geeinigt und dazu ausgetauscht hatten, wurde klar, dass dieser Leser ein aus Einkommens- und Bildungssicht sehr erfolgreicher Mensch ist und in seinen jungen Jahren schon mehr erreicht hat, als viele andere bis zu Ihrem Lebensende.

Als es dann nach der schriftlichen Auswertung an das Telefongespräch ging, bei dem ich Ihm neben den offensichtlichen positiven Aspekten sein Verbesserungspotential aufzeigte das aus meiner Sicht vorhanden ist, passierte folgendes:

 

Dieser erfolgreiche Mensch hörte einfach zu was ich zu sagen hatte

Er versuchte dabei weder, sich für die eigenen (aus meiner Sicht noch vorhandenen) Defizite zu rechtfertigen noch versuchte er andere Schuldige zu finden. Er war einfach still.

Und darüber hinaus war er fähig, meine Einschätzung mit kurzen Sätzen einzuordnen und er nahm diese dann einfach an. Er sprach während der ganzen Zeit eigentlich nur, wenn er Fragen hatte um das Gesagte besser zu verstehen.

Es gab von seiner Seite dabei kaum eigenes Ego in der Besprechung sondern nach meinem Gefühl das echte Interesse die Meinung eines anderen zu hören und für sich selbst dann möglichst viel davon mitzunehmen.

Und das kann dann auch bedeuten, Dinge nicht zu tun, nachdem man das Thema verstanden und für sich selbst abgeprüft hat.

Jetzt hätte der erstgenannte Fitnessstudiobesucher durch die vielen Zusammenkünfte in Summe eine deutlich größere Chance gehabt, sich mit mir wirklich auszutauschen und dabei je nach eigenem Interesse auch einmal nachzufragen.

Aber im Gegensatz zum zweiten Beispiel, weiß dieser Mensch auch heute noch rein gar nichts von mir.

Der Grund ist nicht, weil ich nichts dazu sagen würde, sondern weil es diesen Menschen gar nicht interessiert.

Oder besser gesagt:

 

Das Ego dieses Menschen verhindert, dass es Ihn interessiert

Dieses Ego interessiert sich stattdessen für etwas ganz anderes.

Es ist so stark damit beschäftigt, seinen Besitzer (hauptsächlich vor Ihm selbst) in einem guten Licht erscheinen zu lassen, dass für diesen Menschen selbst überhaupt keine Möglichkeit mehr besteht, etwas Neues von anderen zu lernen!

 

David Dunning & Justin Kruger

Diese beiden Herren sind unter dem Begriff „Dunning Kruger Effekt“ bekannt geworden. Er besagt, dass Menschen mit nur geringem Wissen sich selbst als deutlich kompetenter einschätzen als Sie es in Wirklichkeit sind (und das dann auch oft lautstark der ganzen Welt erzählen).

Diese Menschen hätten nach eigener Überzeugung zum Beispiel längst die großen Probleme unserer Zeit gelöst, wenn man Sie denn ließe. Die Rente wäre höher, die Steuern niedriger und unsere Straßen wieder sicher. Und die EU hätten Sie auch besser im Griff.

Wenn nur die anderen Menschen endlich Ihr großes unerkanntes Potential erkennen würden…

Bei diesen Menschen mit oft nur geringem Wissen und auch leider fehlender Tendenz daran etwas ändern zu wollen, ist das eigene Ego der Verursacher für dieses für Außenstehende oft sonderbare Verhalten.

Es schützt den Besitzer damit (erfolgreich) vor der schmerzhaften Wahrheit, eigentlich vergleichsweise wenig Ahnung zu haben.

 

Und im Gegensatz dazu, verhalten sich Menschen, die sich oft ein sehr hohes Wissen angeeignet haben, z.B. in dem Sie anderen Menschen zuhören können, oft überraschend zurückhaltend.

Sie fragen nach und lassen andere Ihre Position erklären und aussprechen. Sie hören nicht nur zu um möglichst effektiv mit Gegenargumenten kontern zu können, sondern um den anderen Standpunkt zu verstehen. Und Sie denken auch nicht, dass Sie der Besitzer der allheiligen Wahrheit sind und alle anderen ausführlich darüber belehrt werden müssen.

Menschen, die fähig sind sich neue Dinge anzueignen und auch einmal die eigene Meinung zu ändern, scheinen auf Ihrem langen und oft auch schmerzhaften Weg zu einer Erkenntnis gekommen zu sein.

 

Diese lautet:

Egal wie viel wir denken zu wissen –  es ist immer nur ein kleiner Ausschnitt des Ganzen und oft genug ist selbst dieses Wissen noch fehlerbehaftet. Wir tun gut daran uns zu hinterfragen und anderen Menschen zuzuhören. Und das besonders dann, wenn Sie eine andere Meinung haben.

 

Warum

Ich glaube mittlerweile, dass die meisten menschlichen Handlungen zumindest in der Vergangenheit einen evolutionsbedingten Vorteil haben mussten, sonst würde es das betreffende Verhalten nicht geben.

Der evolutionäre Sinn beim Beispiel von Menschen die meistens nur Reden und auch dadurch kaum dazu lernen, ist nach meiner Einschätzung folgender:

Wer auch im fortgeschrittenen Lebensabschnitt nur wenig weiß und dadurch viele Enttäuschungen erlebt hat, hätte dadurch eigentlich genügend Gründe, traurig und niedergeschlagen zu sein.

Um das zu verhindern, erzeugt das Ego dieser Menschen eine: „Illusion des Wissens“ um Sie vor der schmerzhaften Wahrheit zu schützen.

Ansonsten würde dieser Mensch nur noch deprimiert in der Ecke sitzen, anstatt sich überlegen und gut zu fühlen und dadurch Kompetenz (und damit Attraktivität beim anderen Geschlecht) auszustrahlen.

Für uns Menschen ist es anscheinend evolutionstechnisch vorteilhaft, unsere Defizite nicht einfach so zu erkennen, um uns selbst vor der schmerzhaften Wahrheit des Nichtwissens und auch der Eigenverantwortlichkeit an unserer aktuellen Situation, zu bewahren.

 

Will der Maschinist hier bestimmte Menschengruppen schlecht machen?

Ganz und gar nicht!

Aber ich habe einen Tipp für Dich und auch mich selbst:

Beobachte Dich beim nächsten Gespräch mit anderen Menschen einmal selbst, die Du neu kennen lernst oder erst wenige Male getroffen hast.

Schau dabei besonders auf Deinen Impuls, wie und wann Du dem anderen etwas erzählen möchtest.

Tust Du das dann, weil Du wirklich an der anderen Sichtweise interessiert bist oder ertappst Du Dich auch dabei, Dich selbst in einem möglichst guten Licht darzustellen?

Was hat der andere im Gespräch gesagt? Kannst Du Dich anschließend daran erinnern und wie denkst Du kommt der andere zu seiner Meinung.

 

Welchen Anteil hat unser eigenes Ego beim Umgang mit anderen?

Bevor Du jetzt vor Dir selbst zurückschreckst. So gut wie kein Mensch ist wirklich frei von den Versuchen seines eigenen Egos, den Besitzer (vor sich selbst und anderen) in einem möglichst guten Licht erscheinen zu lassen.

Der evolutionstechnische Vorteil dieses Verhaltens war und ist einfach zu groß.

Wie hoch ist der Egoanteil des Maschinisten diesen Blog zu schreiben?

Die genaue Aufteilung kenne ich nicht aber null Prozent sind es jedenfalls nicht. Wir sind alle dafür empfänglich.

Der Unterschied liegt darin es zu erkennen und sich daran zu erinnern, was Dein eigentliches Ziel ist: Als Mensch auf Deiner persönlichen Reise Dein Leben zu genießen und dabei zu wachsen. Und dazu gehört natürlich auch, neue Dinge zu lernen.

Erfolgreiche Menschen, die auf Ihrem Weg, wie wir alle, viele Fehler machen aber immer wieder aufstehen und fähig sind anderen wirklich zuzuhören, haben diesen Mechanismus erkannt.

Sie können Ihr Ego besser im Zaun halten, weil Sie durch Ihre gemachten Erfahrungen gelernt haben, dass niemand immer recht hat und es hauptsächlich darauf ankommt, begangene Fehler nicht zu wiederholen und von anderen Menschen zu lernen.

 

Und jetzt Du

Welche Erfahrungen hast Du auf Deinem Lebensweg gemacht.

Was hast Du bei Dir selbst geändert und welche Auswirkungen hatte das auf Dein Leben.

Schreib uns im Kommentarbereich.

Abonniere
Benachrichtige mich zu:
guest
58 Comments
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Rückmeldungen
Siehe alle Kommantare
58
0
Dein Kommentar!x
()
x