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Dein Weg zur finanziellen Freiheit  

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Vincent
(@vincent)
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Hallo zusammen,

ich lese ziemlich viele Finanzblogs und dachte, ich hab da eigentlich alles im Blick. Der Freiheitsmaschinist ist mir allerdings durch die Lappen gegangen! Erfahren habe ich von seiner Existenz erst kürzlich durch die Ex-Studentin Jenny, die ja auch schon Artikel beigesteuert hat.

Und dann steht da gleich die Aufforderung im Raum, über den Weg zu seiner finanziellen Freiheit zu schreiben!

Dieser „Wettbewerb“ kam wie gerufen. Seit dem ich den Begriff „finanzielle Freiheit“ das erste Mal gehört habe, frage ich mich wie groß mein Vermögen sein muss, damit ich diesen Zustand erreicht habe. Bin ich vielleicht bereits finanziell frei?

Jedenfalls habe ich sofort den Redaktionsplan meines noch jungen Blogs umgeworfen, komme von einem Contest (3 Wochen BlogMomentum von Markus Cerenak) zum nächsten (diesem hier) und nutze nun die Gelegenheit und gehe bezüglich meiner finanziellen Freiheit in mich.

In dem ich die Leitfragen des Maschinisten beantworte, teile ich meine Gedanken dazu mit dir. Ich sag’s gleich: Mein Beitrag wird etwas länger! Der Weg zur finanziellen Freiheit ist halt meistens eher Marathon als Sprint…

Eine um ca. die Hälfte gekürzte Version findest du hier.

Wenn du alle Einzelheiten willst, zieh es dir hier ungekürzt rein:

 Reich ohne Plan! Finanziell frei, ohne es zu wissen?

 Wie bin ich aufgewachsen?

In einer Kleinstadt in der Lüneburger Heide habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Meine Eltern waren ganz weit weg von reich aber wir hatten alles was man für ein normales Leben brauchte.

Ich weiß nicht woher das kam aber mir war wirklich als Kind schon klar, dass meine Eltern dafür arbeiten gehen müssen, wenn Sie mir etwas kaufen. Dabei rede ich nicht mal von typischen Kinderwünschen (Playmobil Ritterburg, etc.). Das schloss sogar Schulsachen mit ein. Will sagen: Es war mir sogar unangenehm nach Geld für einen Schreibblock zu fragen, den ich für die Schule brauchte.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass das nicht anerzogen war. Auch nicht unterbewusst. Da hat niemand mit den Augen gerollt oder gar „nein“ gesagt, wenn ich etwas brauchte. Wir waren nicht arm und die Aussage „das können wir uns nicht leisten“ habe ich von meinen Eltern nie gehört. So etwas wie finanzielle Bildung im Elternhaus gab es nicht. Trotzdem war in mir immer das Bewusstsein vorhanden, dass alles was man kauft erarbeitet werden muss. Damit war klar, dass ich wohl nie der große Verschwender werden würde.

Meine berufliche Laufbahn

Ich war froh als sich die (Real)schulzeit dem Ende näherte. Abitur hätte ich laut meiner Lehrer auch geschafft. Aber ich hatte keinen Bock mehr auf Schule und wollte Geld verdienen. Berufswunsch: Hubschrauberpilot! Die Recherche bei meinem Vater (ehemaliger Zeitsoldat; 12 Jahre) und meinem Onkel (damals noch als Berufssoldat im Dienst) hatte ergeben, dass das Ziel mit einer entsprechenden Karriere bei der Bundeswehr zu erreichen ist. Dort nachgefragt was die Chancen dieses Ziel zu erreichen erhöhen würde, ergab den Hinweis auf eine Ausbildung zum Fluggerätbauer (so hieß das früher). Ich habe 3 Bewerbungen geschrieben. Gleich die erste war erfolgreich. Soweit so gut! Aber schon während der Ausbildung begann der Pilotenplan zu bröckeln.

Nachwuchs kündigte sich an. Wie konnte das passieren? Das ist ein anderes Thema. Die Bundeswehr als nächster Schritt kam jedenfalls nicht mehr in Frage. Ich wollte ja nun schließlich auch was von den Vaterfreuden haben und nicht von Vater Staat kreuz und quer durch die Republik versetzt werden. Da Wehrpflicht herrschte musste ich sogar den Kriegsdienst verweigern und auf alles Mögliche schwören, dass ich keiner Fliege was zu leide tun könnte. Ungeachtet der Tatsache, dass ich ein paar Monate früher noch bereit gewesen wäre die übelsten Kampfmaschinen zu fliegen, um an die staatlich bezahlte Lizenz zum Helikopterführen zu kommen, hat man mir die Pazifistennummer abgekauft. So landete ich als Glühbirnenwechsler im örtlichen Kreiskrankenhaus, wo ich meinen Zivildienst im Technischen Dienst ableistete.

Eigentlich ne lässige Zeit, in der ich coole Leute kennenlernte aber unter finanziellen Gesichtspunkten eher der Super Gau. Hatte ich mich vorher doch noch reingekniet, um die Ausbildung ein halbes Jahr zu verkürzen (was bei guten Leistungen möglich war), weil mir ein schlaues Kerlchen vorgerechnet hatte, dass ich als Facharbeiter ein Vielfaches meiner Ausbildungsvergütung verdienen würde und somit eben 6 Monate früher viel mehr Geld verdienen würde.

Die Ausbildung konnte ich tatsächlich verkürzen, die Aussicht auf das große Geld hat meine Leistungen beflügelt. Ich wurde sogar direkt in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Allerdings folgte nach wenigen großen Lohntüten der elendige Zivildienst mit einem Sold der nicht mal halb so hoch ausfiel, wie meine ehemalige Ausbildungsvergütung! Das hat schon sehr an meinen „Geldnerven“ gezehrt und die Wartezeit auf den Geldregen um weitere, sich ewig ziehende, 13 Monate verlängert!

Danach, zurück bei meinem eigentlichen Arbeitgeber, gab es aber kein Halten mehr. Die Krise in der Branche war endgültig vorbei. Der Laden brummte und die Auftragsbücher füllten sich ohne Ende. Gute Voraussetzungen für einen finanziell ausgehungerten Ex-Zivi. Ich nahm jede Überstunde und Extraschicht mit. Da ging was! Jahrelang bin ich beruflich kontinuierlich aufgestiegen. Vom kleinen Keuler zum Vorarbeiter und später sogar vom Arbeiter zum Angestellten ins Büro. Ein Techniker-Studium hat mir die Firma unter Bezahlung meines vollen Lohnes ermöglicht (dafür musste man sich qualifizieren und es gab ganze 8 Plätze pro Halbjahr). Seit über 23 Jahren laufe ich nun im Hamsterrad (welches ich ganz lange nicht als ein solches empfunden habe) des gleichen Arbeitgebers. Langweilig wurde es nie. Die Firma ist groß und bietet so  viele Möglichkeiten, dass das wirklich das kleinste Problem ist. Ich war also größtenteils mit Spaß dabei und lasse nichts auf meinen Brötchengeber kommen!

Vor ein paar Jahren habe ich dann erkannt, dass ich mir den nächsten Karriereschritt gut überlegen sollte. Der würde zwar noch einmal einen Gehaltskick geben aber damit wäre das bisschen Restleben was man ja als „Hamster“ neben dem Job eh nur hat, auch noch weg. Man wäre fast ausschließlich nur noch für den Job da. Immer erreichbar, wichtige Meetings von morgens bis abends und die entspannte Mittagspause würde strategischen Businesstalks weichen.

Heute bin ich froh, dass ich mich für das „Restleben“ entschieden habe. Kurz vor der Schwelle so wichtig zu sein, dass man seinen Urlaub mit anderen „unersetzlichen“ Kollegen abstimmen muss und wo die Videokonferenz mit den Kollegen oder Kunden in Übersee den Zeitpunkt des Feierabends bestimmen und nicht man selbst. Die „Gage“ stimmt ja auch eine Gehaltsstufe darunter.

 

Der Wunsch nach finanzieller Freiheit war in mir, bevor ich den Begriff überhaupt kannte

Ich habe schon kurz nach dem Zivildienst gesagt, dass ich mit 30 in Rente gehen will. Das war eigentlich immer mehr so ein Spruch. Sicherlich reizvoll aber doch irgendwie mehr Phantasiewelt als realitätstauglich. Wie erwähnt kamen dann erstmal all die Jahre harter Arbeit. In der Zeit habe ich auf viel verzichtet und wer quasi rund um die Uhr arbeitet, kann kaum Geld ausgeben. Meinem Vermögensaufbau kam das zu Gute. Aber einen echten Plan oder ein konkretes Ziel hatte ich nicht. Ich handelte eher intuitiv und nach dem Motto „alles mitnehmen solange es noch geht – wer weiß, wann die fetten Jahre vorbei sind“.

 

Erste Investitionen und große Fehler

Die ersten Aktien gleich nach der Ausbildung. Kurz nach dem Zivildienst die erste Wohnung als Kapitalanlage. Danach noch mehr Aktien und noch mehr Wohnungen. Zockereien mit Optionsscheinen, Aktienmärkte im Rausch, Börsencrashs, krasse Gewinne, Totalverluste und Opfer von Betrügern. Ich habe in den letzten 20 Jahren alles mitgemacht. Glücklicherweise habe ich nie alles auf ein Pferd gesetzt. Große Rückschläge wie 

-  Optionsscheine/Calls auf Porsche am 11. September 2001; dummerweise sofort verkauft    

-  Versenken von 200.000€ in verschiedenen geschlossenen Beteiligungen durch Insolvenzen  und Betrügereien 

-  Neuwagen gekauft (ich war jung und wusste es nicht besser) und innerhalb kurzer Zeit Schrott gefahren (Sekundenschlaf wegen Überarbeitung)

konnten nicht verhindern, dass mein Vermögen bis heute auf eine ansehnliche Summe angewachsen ist. Hartnäckigkeit und die Zeit in Kombination mit dem Zinseszins hatten jeweils schon spürbar ihre Wirkungen entfaltet.

Zwischentief

An dem Punkt mit der Restlebensentscheidung wurden die Gedanken weniger zu arbeiten, vielleicht sogar früher in den Ruhestand zu gehen, wieder präsenter. Ich machte auch mal früher Feierabend, haute mich im Park in die Sonne zum Lesen und Dösen, unternahm viel mit Freunden, begann noch mehr zu reisen, usw.

In der Zeit kümmerte ich mich kaum noch um meine Finanzen. „Kaum“ - das ist bei mir allerdings immer noch deutlich mehr als bei 95% meiner Mitbürger. Das zeitfressende Technikerstudium war beendet, meine langjährige Beziehung fast zeitgleich ebenfalls. Die neue private Situation und wahrscheinlich auch etwas desillusioniert von der Finanzkrise und meinem Desaster mit den geschlossenen Beteiligungen ließ ich vieles einfach so laufen (investierte in irgendwelche Fondssparpläne und legte den Rest in Tagesgeld an) und war nicht mehr ständig auf der Suche nach dem nächsten dicken Ding, mit dem ich mein Vermögen derbe pimpen konnte.

Das kam dann aber irgendwann von ganz alleine. Lass mich aber noch einmal zurückblicken. Was waren eigentlich meine Geldquellen.

Als Schüler:

Werbeprospekte und Wochenanzeiger austragen

Ferienjob in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb

Während der Zivizeit:

putzen, und Hilfstätigkeiten auf Baustellen von Bekannten

Anfangs neben meinem Hauptjob:

Küchenhilfe und Servicekraft in einem Gastrobetrieb

Bis dahin also das übliche "Zeit-gegen-Geld-Spiel". Aber auch das passive Einkommen fing damals an zu fließen. Auch wenn ich da noch nicht wusste, dass man das so nennt und was der große Vorteil davon ist. Jedenfalls erhielt ich Tagesgeldzinsen (ja, so etwas gab es damals noch!), Dividenden, und Mieteinnahmen. Das Geld sprudelte und statt auf Konsum setzte ich auf (Re)Investition. Ich muss damals schon eine wahnsinnige Sparquote gehabt haben. Das Wort kannte ich aber auch nicht und folglich habe ich sie auch nicht errechnet. Jedenfalls wollte ich mehr Geldquellen auftun, bei denen man nicht 1 zu 1 Zeit gegen Geld tauscht. Es musste doch Möglichkeiten geben, nebenbei auch mit verhältnismäßig wenig Zeiteinsatz Kohle in meine Richtung fließen zu lassen…

Wie ich „Herbergsvater“ wurde

Auf der Arbeit war ich schon länger dabei eine Entsendung ins Ausland hinzubekommen. Ich hatte von den üppigen Konditionen gehört. Gepaart mit dem Sammeln von Auslandserfahrung und tendenziell besseren Aufstiegsmöglichkeiten war das doch etwas Erstrebenswertes. Irgendwann war es soweit. Ab nach Frankreich. Dort habe ich schon am Anfang, während meiner Orientierungsphase, einen Bedarf an Unterkünften für Kollegen die wochenweise auf Dienstreise an den Standort kommen, identifiziert. Somit habe ich ein großes Haus gemietet und bin nebenbei Herbergsvater geworden. Ein sehr einträgliches Geschäft. Und wohlgemerkt ein win-win Deal. Denn auch die Kollegen haben bei mir einen Großteil ihrer Übernachtungspauschale, die sie von der Firma bekamen, gespart. Im Hotel hätten sie mindestens das Doppelte bezahlt. Es gab sogar Zeiten, in denen es weit und breit keine freien Hotelzimmer mehr gab und mich irgendwelche Sekretärinnen aus meiner Firma anriefen und sich nach Übernachtungsmöglichkeiten für die Kollegen erkundigten. Von den Kollegen, für die ich keinen Platz hatte und von denen die sich nicht getraut haben oder zu bequem waren, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen gab es natürlich viel Gerede. Vor allem Übertreibungen und Unwahrheiten. Am Anfang hat mich das traurig gemacht. Irgendwann habe ich darin nur noch Neid und Missgunst gesehen. Der Rubel rollte jedenfalls jahrelang. Sogar als ich selber gar nicht mehr vor Ort war. Ich habe Kollegen beteiligt, die sich um alles gekümmert haben und hatte fast jeden Monat noch Gewinne aus der „Jugendherberge“. Und als ich im Laufe der Zeit selber wieder 2 mal 7 Monate dort arbeitete hatte ich sofort eine Unterkunft und habe die Geschäfte wieder übernommen. Nach ziemlich genau 8 Jahren habe ich den Mietvertrag für das Haus beendet. Die Firma kündigte an für eine längere Zeit kaum noch Kollegen an, den Standort zu schicken. Das Ende der Herberge fiel auch in die Zeit der schon erwähnten ruhigeren Phase der Neuorientierung.

Nach der Trennung lebte ich nun allein in einer Wohnung in Hamburg und bin dann irgendwie auf Airbnb gestoßen. Da ich solchen (damals) neuen Möglichkeiten und dem Geldverdienen offen gegenüberstehe und positiv auf meine langjährige Erfahrung als „Herbergsvater“ zurückblickte habe ich das gleich mal ausprobiert. Das lief super. Was sicher daran liegt, dass Hamburg einfach perfekt für dieses Modell ist. So hatte ich ziemlich schnell einen guten Teil der Miete wieder drin. Neben Airbnb habe ich dann auch über ähnliche Plattformen wie wimdu, 9flats und andere angeboten. Ich hatte bald mehr Anfragen als ich Leute unterbringen konnte, habe die Preise erhöht und die Gäste genauer selektiert.

Mit Autos Geld verdienen, ohne sie zu verkaufen

Dann war da noch der gute E-Klasse vor der Tür. Zwar als Jahreswagen und über die Firma vergleichsweise günstig erworben aber die meiste Zeit stand das Auto nutzlos rum. Also machte ich mich auf die Suche nach „Airbnb für Autos“. Da brauchte es keine lange Suche und ich habe mich sofort bei mehreren Plattformen angemeldet. Heute sind die Hauptplayer in dem Markt tamyca und drivy. Mit dem Auto lief es ähnlich gut, wie mit der Wohnung. So machte auch das Auto endlich wieder Sinn und ein guter Teil der Unkosten wurde von den Mietern bezahlt!

Inzwischen lebe ich mal wieder in Frankreich und der Mercedes ist verkauft. Für den Umzug habe ich mir einen großen Transporter gekauft, den ich auch als Camper in den Bergen und am Meer nutze. Trotzdem brauche ich die Karre natürlich nicht oft. Aber ständig ziehen Leute um oder müssen etwas Größeres transportieren. Der Otto-Normalbürger hat aber keinen eigenen Transporter. Das Ding ist fast jeden Tag vermietet und verdient Geld ohne Ende!

An dieser Stelle will ich kurz erwähnen, dass man auch für diese Einnahmen einen gewissen Aufwand betreiben muss und die Erfahrungen nicht zu 100 Prozent nur gut sind. Darauf werde ich aber noch ausführlicher in meinem Blog eingehen.

Weiter mit neuem Schwung

Nach einer Weile habe ich mich auch wieder intensiver anderen Anlageklassen gewidmet. Mit P2P-Krediten habe ich 2008 schon mal bei smava rumprobiert. Dabei aber einen typischen Anfängerfehler gemacht. Viel zu große Summen in einzelne Projekte gesteckt. Das letzte davon, welches noch läuft liegt in den letzten Zügen. Bei smava werde ich mit einem kleinen Minus rausgehen. Etwas später bin ich auch bei auxmoney eingestiegen. Da läuft es etwas besser aber auch nicht sensationell. Ich investiere weder bei smava noch bei auxmoney in neue Kredite. Das tue ich aktuell bei Mintos, Twino, Bondora und Viventor. Die nehmen keine Anlegergebühren, die möglichen Renditen sind höher und es gibt teilweise „buy-back“ Garantien. Wenn der Kreditnehmer zahlungsunfähig ist bekommt man sein Geld inklusive Zinsen vom Darlehensanbahner wieder. Wie nachhaltig das funktioniert, wenn massenweise Kredite ausfallen oder die nächste große Finanzkrise kommt muss man sehen. Für den Moment finde ich diese Plattformen um Längen besser als die deutschen. Lendico habe ich auch ausprobiert. Da ist alles undurchsichtig, viel zu wenig Kreditprojekte und die nehmen auch Anlegergebühren und bieten keine „buy-back“ Kredite.

Optionsscheine und ähnliches fasse ich schon lange nicht mehr an. Insgesamt bin ich aus der Anlageklasse zwar mit Gewinn rausgegangen aber die Nerven, die Zeit und den Aufwand will ich heute nicht mehr dafür investieren. Meine Lektion was geschlossene Beteiligungen angeht habe ich gelernt und teuer bezahlt!

Auch für den Extremfall abgesichert

Da zumindest ein Mini-Verschwörungstheoretiker in mir schlummert, habe ich mir auch ein  Gold- und Silberpolster zugelegt und immer mal ein bisschen aufgestockt. Nicht als Anlage. Das Zeug dient als reine Absicherung. Ich sehe gute Chancen, dass uns das globale Finanzsystem früher oder später gehörig um die Ohren fliegt. Mit welcher Intensität bleibt abzuwarten, aber ich gehe davon aus, dass ich mit meinen Edelmetalltalern eine gewisse Zeit über die Runden komme. Nenn mich Spinner aber ich habe auch etwas Bargeld unter dem Kopfkissen, falls es zu einem Bankenrun kommt und für den Fall, dass es noch schlimmer wird, sogar etwas Alkohol und ein paar Stangen Zigaretten gebunkert. Hat sich in der Vergangenheit als Ersatzwährung auf dem Schwarzmarkt bewährt. Ich hoffe genauso wie du, dass ich die Sachen nie als Geldersatz benutzen muss. Aber sicher ist sicher!

Verschiedene Anlageklassen und Einkommensströme

Indexzertifikate habe ich schon länger. Ein paar teure Fonds habe ich im Laufe der Zeit gegen günstige EFTs getauscht. Ich bin ja lernfähig. Was Wertpapiere angeht investiere ich inzwischen nur noch in ausgewählte Qualitätsaktien und das meiste in verschiedene ETF-Sparpläne. Wohnungen habe ich inzwischen sieben Stück gekauft aber noch nicht alle abbezahlt. Eine in Leipzig und den Rest in Hamburg.

Was die Altersvorsorge angeht, habe ich das Glück eine Betriebsrente zu bekommen. Da legt der Arbeitgeber etwas an, ob man will oder nicht. Nach 23 Jahren Betriebszugehörigkeit ist da bis jetzt eine sechsstellige Summe zusammengekommen und theoretisch muss ich ja mindestens noch mal so lange ackern… Dazu gesellt sich eine – ACHTUNG! ALLE MANN IN DECKUNG! – Riesterrente! Ich will das Thema hier nicht diskutieren. Nur so viel: Ich kassiere die Zulagen und spare jedes Jahr ordentlich Steuern mit dem Ding. Und JA, ich bin mir der Nachteile bewusst und du brauchst mir nicht vorrechnen was alles besser taugen würde, als ne olle Riester.

 

Meine Asset-Allokation in Prozenten (ca. Angaben!):

Wertpapier-Depot 39%

Immobilien 29%

P2P-Kredite 8%

Edelmetalle 3%

Altersvorsoge 14%

Tages- und Festgeld 6%

Cash 1%

 

Meine Einkommensströme:

Hamsterrad

Mieteinahmen

Untervermietungseinnahmen

Dividenden

Zinsen

Car-Sharing

Sonstiges (Bonusprogramme, Kunden werben Kunden, Depotüberträge, Meinungsumfragen, etc.) falls du schmunzelst - summiert auf über 1000€/Jahr, vieles davon wird aber zukünftig der 80/20 Regel zum Opfer fallen.

Und was ist nun der Plan?

Meine Sparquote liegt derzeit durchschnittlich übers Jahr gesehen bei ca. 65%. Die momentane Situation gibt das her. Beispielsweise weil mein Arbeitgeber mir die Miete hier im Ausland zahlt, ich mir ab und zu Untermieter in die Wohnung hole (mit schriftlicher Genehmigung vom AG) und meine Wohnung in Deutschland mit leichtem Gewinn untervermietet ist. Bei Rückkehr sieht das dann wieder anders aus.

Grundsätzlich mache ich meinen Job nach wie vor gerne und Stand jetzt würde ich wohl auch im Falle der finanziellen Freiheit nicht kündigen. Natürlich würde ich die Stunden reduzieren. Wahrscheinlich irgendwann soweit wie es geht. Seit ein paar Monaten arbeite ich nur noch 3 Tage in der Woche. Das ist aber nur eine Testphase von der im Moment keiner weiß wie lange ich das so beibehalten kann. Gefällt mir aber super. So oder so ähnlich stelle ich mir das vor. Bis zu einem Jahr Auszeit kann ich in der Firma auch nehmen. Das ist auf jeden Fall auch noch eine sehr wahrscheinliche Option. Ganz unabhängig von der finanziellen Freiheit.

Solche Möglichkeiten haben mich angetrieben so viel Gas zu geben, und schon in jungen Jahren hart am Vermögensaufbau arbeiten lassen. Zukünftig soll eben in Form von Stundenreduzierung und Auszeit mehr gelebt werden.

Wo ich leben möchte, wenn ich die finanzielle Freiheit erreicht habe ergibt sich schon aus der vorherigen Aussage, dass ich wohl bei meinem Arbeitgeber bleiben werde. Dadurch läuft es zwangsläufig auf Hamburg und Umgebung hinaus. Um meine Freizeitgestaltung mache ich mir im Freiheitsfall keine Sorgen. An Langeweile in meinem Leben kann ich mich nicht erinnern! Noch mehr Reisen steht mit ganz oben auf der Liste. Das Winterhalbjahr ist in Hamburg nicht auszuhalten. Zumindest empfinde ich das so! Deswegen gönne ich mir schon seit Jahren eine Winterflucht. Die darf dann gerne zeitlich ausgedehnt werden 😉

Was mein Umfeld von meinen Freiheitsplänen hält, weiß ich nicht genau. Ich gehe nicht damit hausieren, dass ich die finanzielle Freiheit anstrebe. Meine Partnerin hat es zur Kenntnis genommen aber sich nicht groß dazu geäußert. Natürlich halten einige es für übertrieben, wie ich in manchen Dingen, die mit Geld zu tun haben, agiere. Ich höre immer wieder, dass ich dies oder das doch gar nicht nötig hätte. Hab ich auch nicht aber ich bin gut damit gefahren. Wenn ich mir dann ansehe wo diejenigen finanziell stehen, die mir Übertreibung vorwerfen, fühle ich mich bestätigt. Es ist natürlich ganz individuell wie man auf dem Gebiet vorgehen möchte. Ich denke ich habe auf meine Art viel erreicht und die anderen hatten eben soweit ein entspannteres Leben. Jeder wie er will. Ich zwinge ja auch niemandem meinen Weg , in der Konsequenz wie ich ihn lebe, auf. Allerdings wird es höchste Eisenbahn für mich, wirklich etwas „runterzufahren“ und endlich mehr zu leben. Es wird Zeit die Ernte einzufahren und dabei das neu aussähen nicht zu vergessen. Das will und muss ich schaffen!

Was genau hinter dem Begriff der finanziellen Freiheit steckt wissen glaube ich die meisten eh nicht. Das ging mir bis vor gar nicht allzu langer Zeit ähnlich! Ich war dann relativ erstaunt, dass das was ich all die Jahre im Hinterkopf hatte, einen Namen hat und dass sich eine ganze Szene mit dem Thema beschäftigt. Herrlich naiv! Aber geil als ich drauf gestoßen bin. Das hat einiges bei mir viel konkreter gemacht. Und ich hatte auf einmal das Gefühl, doch kein Spinner zu sein. Also schon irgendwie aber nicht ganz so schlimm wie ich zwischenzeitlich befürchtet hatte. Ich habe angefangen alles was es darüber gab zu verschlingen und zu schauen wie ich selbst nun genau dastehe. Seitdem hat alles vielmehr Struktur bekommen und ich hatte endlich mal einen echt umfassenden Überblick. Inklusive der Erkenntnis, dass sich mehr angehäuft hatte, als ich erwartet hatte.

Nur der wichtigste Punkt ist für mich noch nicht geklärt. Ich habe keinen Schimmer wie viel Kohle ich brauche um mich als finanziell frei zu betrachten! Wahrscheinlich bin ich es schon.

Wenn ich realistisch und ehrlich zu mir selbst bin, komme ich um diese Feststellung nicht herum. Mir fehlt wohl der Mut es gegenüber mir selbst „einzugestehen“. Vielleicht bin ich auch zu gierig. Oder zu sehr Sicherheitsfetischist (eigentlich ja nicht, wenn man bedenkt wie und wo ich teilweise mein Geld anlege). Aber den sicheren und sehr gut bezahlten Job (ganz) aufzugeben wäre doch fahrlässig! Zumal das angehäufte Vermögen in diesem Moment zwar real vorhanden ist und beruhigt aber wie weit ist es mit der finanziellen Freiheit noch her, wenn ein Black-Swan-Ereignis eintritt, die Aktienmärkte dieser Welt einbrechen und ungewöhnlich lange brauchen, um sich einigermaßen zu erholen, es zu einer Immobilienblase kommt und diese platzt, das Finanzsystem endgültig kollabiert, oder, oder, oder,…

Resümee und was du deinen Kindern mitgeben solltest

In ein paar Tagen werde ich 40. Spätestens das ist der Eintritt in die zweite Lebenshälfte. Mein statistischer Todestag ist der 14.03.2056 (mit nicht mal 79 Jahren). Tatsächlich hoffe ich aber bei entsprechender Gesundheit über 100 zu werden. Ich muss ja auch noch Zeit haben das ganze Geld auszugeben, falls kein Black-Swan-Ereignis mein Vermögen pulverisiert J

Ich empfinde tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass es bis hier her so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Ich hatte viel Glück. Mit meinem Job. Ich erfreue mich dauerhaft bester Gesundheit. Habe eine inzwischen erwachsene Tochter, auf die ich stolz bin. Ich habe nach jahrelanger Odyssee eine Partnerin gefunden mit der ich glücklich bin. Son Knaller wie mich muss man erstmal auf Dauer ertragen können. Das tut sie mit einer herrlichen Ruhe, die mir ein gutes Gefühl gibt und den Rücken für alle meine Macken frei hält. Es gab finanzielle Rückschläge, die ich inzwischen auf- und verarbeitet habe. Passend sind die nie aber sie holen mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und lassen Demut wieder in den Vordergrund treten. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass wohl jeder finanziell erfolgreiche Mensch mindestens einmal einen Haufen Geld verloren hat. Die wahre Qualität ist es halt trotzdem „zurück zu kommen“.

Ich habe auf meinem Weg durch das Leben bisher viel gelernt. Einiges davon konnte ich meiner Tochter vermitteln. Dass sie nicht alles an- und übernimmt ist normal und auch wichtig. Sie hat natürlich schon mitbekommen, dass ich ein gewisses Vermögen angehäuft habe. Dadurch, dass ich so früh ihr Vater geworden bin wird sie aber hoffentlich erst etwas von mir erben, wenn sie über 80 ist. Dann ist mein Wunsch wirklich alt zu werden aufgegangen. Deswegen muss sie sich das meiste selber erarbeiten. Finanzielle Aufklärung und das Ganze entsprechend vorzuleben halte ich jedenfalls für wichtig. Eine andere Quelle für Finanzwissen haben unsere Kinder in der Regel nicht. Da sind wir als Eltern in der Pflicht. Du setzt vielleicht andere Schwerpunkte als ich aber du weißt was ich meine. Das Wichtigste, das du deinen Kindern mitgeben solltest ist, dass sie nicht ungefiltert auf den Bankverkäufer und Finanz-Vertriebler hören dürfen. Diesen Geiern muss man mindestens auf Augenhöhe begegnen können. Das dafür nötige Knowhow sollte sich jeder draufschaffen. Da müssen wir unsere Kinder hinbekommen!

Auch andere Personen aus meinem Umfeld fragen mich bei Finanzthemen immer wieder um Rat. Ich helfe da gerne, schaue was zu der jeweiligen Person passen könnte und gebe meine Erfahrungen in Form von Empfehlungen weiter. Vor kurzem habe ich beschlossen, das in Blogform auch für Andere und Fremde zugänglich zu machen. Ich habe selber viel von Blogs und Podcasts profitiert und möchte gerne etwas an Leute zurückgeben, die Ihren Vermögensaufbau auch in die eigenen Hände nehmen wollen.

Vielleicht ist etwas Inspiration für dich dabei. Übernehme Dinge die für dich passen und spare dir meine großen Fehler!

Jetzt, wo wir uns schon so gut kennen, kannst du mich auch mal besuchen kommen 😉

Auf meinem Blog.

Bis dann!

Vincent

AntwortZitat
Veröffentlicht : 03/11/2016 8:59 pm
Steffi, Mirjam, moneyhildchen und 6 Leute mögen
Vincent
(@vincent)
New Member

PS: Für die Länge des Posts übernehme ich die volle Verantwortung. Was aber die merkwürdige Formatierung angeht, wasche ich meine Hände in Unschuld 😉

AntwortZitat
Veröffentlicht : 03/11/2016 9:04 pm
Vincent
(@vincent)
New Member

Tim Schäfer hat auf die Aktion auf seiner Facebook-Seite aufmerksam gemacht!

https://www.facebook.com/timschaefermedia/?hc_ref=NEWSFEED&fref=nf&__mref=message_bubble

AntwortZitat
Veröffentlicht : 04/11/2016 8:14 am
Monika Reich
(@monika-reich)
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Hallo, 

mein Weg zur finanziellen Freiheit ist ein langer. Er war aber nicht beschwerlich, sondern gekennzeichnet von vielen interessanten Meilensteinen. Vieles hat sich so zusammengefügt und würde hier den Rahmen sprengen. 

In jedem Fall habe ich es geschafft: Seit etwa drei Jahren bin ich finanziell frei. Wie ich das definiere? Sehr einfach. Meine Einnahmen aus Kapitalerträgen decken unsere Lebenshaltungskosten. Nicht für einen feisten Luxus. Aber für die Grundkosten und ein bisschen darüber hinaus. Dabei leben wir recht sparsam und ich würde sagen, dass diese Grundhaltung auch dazu geführt hat, dass ich mit 45 bereits finanziell frei war. Es hat mir nie viel ausgemacht, kostenbewusst zu leben.

Aber der Reihe nach: Ich heiße Monika, bin inzwischen 48 Jahre alt und verheiratet. Ich arbeite als Beraterin in Nachhaltigkeitsfragen und gebe nebenbei Yogastunden. Bis 2008 war ich angestellt und habe als CSR Beraterin ganz gut verdient.

Die Idee, irgendwann nicht mehr angestellt arbeiten zu müssen, kam mir bereits mit 18 Jahren. Ich habe mich auf Lehrstellen beworben und fand diese Prozedur der Anbiederung irgendwie ziemlich blöd. Genauso wie die Vorstellung, für einen Arbeitsgeber 40 Stunden und mehr die Woche aufzubringen. Damals habe ich einfach mal ausgerechnet, wie viel Geld ich sparen muss, um von den Zinsen leben zu können. Die Rechnung war damals noch recht naiv, ich ging von 6% Tagesgeldzinsen aus, andere Geldanlageformen waren mir damals noch eher fremd. Dennoch war es eine Option, die ich mit 40 erreichen wollte und bei der ich im Grundsatz auch daran geglaubt habe, dass dies zu schaffen sei.

Die wesentliche Investition habe ich mit 28 getätigt. Eher zufällig, an ein Investment habe ich gar nicht gedacht. Eigentlich wollten wir eine Kommune mit mehreren Menschen gründen, was aus vielfältigen Gründen scheiterte. Zurück blieben ein Architekt und ich. Wir beide fanden die Idee gut, ein Mietshaus zu kaufen und dort dann gemeinschaftlich einzuziehen. Ersteres haben wir geschafft, letzteres hat sich aus Jobgründen nie verwirklicht. Aber ich hatte durch diesen Kauf fünf Eigentumswohnungen, die mich zwar auch reichlich gestresst haben, die aber in den letzten zwanzig Jahren eine schöne Wertsteigerung hingelegt haben. In den aufgenommenen Kredit habe ich immer schön reingetilgt, so dass dieser vor drei Jahren abbezahlt war. Eine Wohnung habe ich irgendwann verkauft, vom Gewinn haben wir uns ein kleines Reihenhaus gekauft, in dem mein Mann und ich heute leben. Da dieses auch nicht mit einem Kredit belastet ist, sind unsere monatlichen Kosten relativ gering (< 2.000 €). Als mir klar wurde, dass unsere Kosten durch die Kapitaleinkünfte gedeckt werden, habe ich eine ganze Weile gebraucht, um diesen Zustand zu akzeptieren. Um nicht zu sagen, es hat Jahre gedauert und nur ganz langsam habe ich mich von Arbeiten verabschiedet, die mir eigentlich keinen Spaß machten. Das was ich heute mache, macht mir großen Spaß: Ich entwickle sehr gerne Nachhaltigkeitskonzepte für Firmen und mein Yogaunterricht gehört zu meiner Leidenschaft. Also mache ich es, warum auch nicht. Zumal Geld mehr ist, als nur das Mittel zur Deckung von Lebenshaltungskosten. Im Geld steckt unglaublich viel Anerkennung. Und ohne diese kann ich nicht gut. Unbewusst bedient die Arbeit auch mein Sicherheitsbedürfnis. Es könnte ja sein, dass sich beim Thema Geld oder überhaupt unsere allgemeine Lebenssituation grundlegend verändert. Da finde ich es für mich hilfreich, zu wissen, dass ich mich auch mit meinem Kopf und meinen Händen irgendwie ernähren kann und nicht auf die Mieteinnahmen oder sonstige Kapitalerträge verlassen muss. Die sonstigen Kapitalerträge sind im wesentlichen Dividenden, manchmal verkaufte Aktien oder Zinszahlungen aus Darlehen. Ich habe auch einiges Geld in ETFs angelegt, die ich aber nicht verkaufe, sondern wachsen lasse. 

Dass wir finanziell frei sind, merken die meisten Menschen nicht. Denn dieses Lebenskonzept ist in Deutschland so fremd, dass ich immer das Gefühl habe, ich werde von einer Welle von Unglauben, Neid und dummen Bemerkungen überrollt. Das macht keinen Spaß!  Zumal es dann kaum jemanden interessiert, wie ich es geschafft habe und welche Probleme es auf dem Weg dorthin zu bewältigen gab. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Vermieterin zu sein, sei ein Zuckerschlecken. Über lange Strecken habe ich das gehasst. Und auch bei meinem Aktiendepot ist nun wirklich nicht immer Sonnenschein. Ganz zu schweigen von der Grundhaltung, alle Kosten immer wieder in Frage zu stellen und mit viel Energie bei Investments ins Risiko zu gehen. Denn diese beiden Haltungen sind in meinen Augen die wesentlichen, um Vermögen aufzubauen.

Im Sommer 2015 habe ich mein Schweigen zum Thema Geld gebrochen. Im Buch „Finanziell frei“  habe ich meine Geschichte aufgeschrieben und versucht, möglichst viele Tipps für die Leserin und den Leser zu sammeln, die irgendwie allgemeingültig sein könnten. Tatsächlich war ich selber erstaunt, wie sich mein Weg entwickelt hatte. Im Gehen schaut man ja nicht laufend zurück und bewundert die eine oder andere Windung. Es war schön, zu sehen, wie sich alles gefügt hat. Und weil mir das Schreiben so viel Spaß macht, blogge ich regelmässig bei Klunkerchen.wordpress.com, einer Seite, die überwiegend Frauen das Thema Geld näherbringen will. Euch könnte wahrscheinlich mein Artikel zu den Nachteilen der finanziellen Freiheit interessieren. Denn ich möchte auch über die nicht so schönen Seiten der finanziellen Freiheit erzählen. Diese hätte ich mir nie träumen lassen, dass es die überhaupt gibt. Ich selbst habe diese erst entdeckt, als ich tatsächlich in der Situation war. Sie sind auch alle nicht so schlimm, dass sie nicht lösbar wären. Aber das es überhaupt Probleme gab und gibt, das hat mich selbst überrascht. Dennoch will ich auch immer wieder zusammenfassen, dass ich es als riesengroßen Luxus begreife, dieses Leben so leben zu können, wie ich es aktuell leben darf! 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 04/11/2016 6:04 pm
Michael und Maschinist zugestimmt
Mike
 Mike
(@mike)
New Member

 Hello the Machinest und hallo an alle Leserinnen und Leser,

unsere Geschichte begann bei unserem ersten Date am 05. März 2010 in einem Restaurant in Aschaffenburg.

Wie das mit Geschichten so ist, merkt man erst viel später, wo eigentlich der Anfang war, so dass wir uns zu dieser Zeit darüber noch gar nicht bewusst waren.

Heute feiere ich meinen 30. Geburtstag, was ungefähr so surreal ist, wie die über sechsjährige Beziehung und den gemeinsam eingeschlagenen Weg zur finanziellen Freiheit.

Wir sind übrigens Mike und Marielle – 30 und 24 Jahre alt – Psychologe und Betriebswirtin – Blogger – zukunfts-, ziel- und entwicklungsorientiert – Theatergänger – Gesellschaftsspielliebhaberinnen – zukünftig finanziell frei.

Warum wir uns da so sicher sind, dass wir es erreichen werden? In den vergangenen Jahren haben wir uns ein sehr solides Fundament aufgebaut.

Unsere Beziehung

Sie ist unser größter Antrieb und unser stärkstes Fundament auf dem Weg zur finanziellen Freiheit. Über die Jahre haben wir durch harte Arbeit und ständige, offene Kommunikation einen Raum aufgebaut, in dem wir uns vollkommen auf den/die andere/n verlassen können.

Wir haben aus vielen, vielen Trennungsgründen gelernt und uns jedes Mal weiterentwickelt. Wir denken im Sinne unserer Beziehung ohne die Bedürfnisse des Einzelnen zu vernachlässigen.

In den letzten Jahren haben wir es geschafft von wenigen gemeinsamen Interessen und Überschneidungspunkten immer mehr Unternehmungen und Ziele zu finden, die uns beiden großen Spaß bereiten. Und, wo wir beide unsere jeweilige Expertise einbringen können.

Dies gilt nicht nur für unseren Blog und unsere Investitionen, sondern auch unsere Hobbies wie Sport, Gesellschaftsspiele, Theater, Kochen und vieles mehr. Wir sind sehr gut darin, zusammen Dinge zu entwickeln und aufzubauen.

Unsere Heterogenität

Was zu Beginn noch als Nachteil zu empfinden war, ist mittlerweile eine unserer größten Stärken und der Grund, warum wir zusammen und individuell erfolgreich sind.

Aufgrund unserer unterschiedlichen Interessensgebiete haben wir in grundverschiedenen Bereichen sehr viel Wissen angesammelt. Und mittlerweile Punkte gefunden, in denen wir es vereinigen können.

Marielle ist ein absolutes Organisationstalent und von Umsetzung getrieben. Ich bin viel mehr durch neue Ideen getrieben und kann mich für Neues unfassbar schnell begeistern. Marielle würden also die Ideen fehlen und mir der Drang zur Umsetzung. Zusammen bekommen wir beides hin.

Unsere Homogenität

Eine Sache, die 2010 nur bei sehr naher Betrachtung ersichtlich war, ist unsere ähnliche Denkweise hinsichtlich Werten, Entwicklung und Zielsetzung.

Wir sind auf den zweiten Blick also gar nicht so verschieden, wie es zunächst den Anschein bereitet. Unsere größte Übereinstimmung finden wir, bei dem Bedürfnis uns persönlich weiterzuentwickeln. Und dies lässt sich auf alle Lebenslagen ausweiten: Unsere Beziehung, unsere Karriere, unser Wissen, unsere Eigenschaften, unsere Finanzen, unsere Unternehmungen und so weiter.

Ein echter Glücksgriff: Heterogene Fähig- und Fertigkeiten und homogene Bedürfnisse und Ziele!

Unser weiterer Weg

Seit etwa 18 Monaten lesen wir uns umfangreiches Wissen rund um Investitionsmöglichkeiten an. Seit einem Jahr investieren wir gemeinsam aktiv in Aktien und freuen uns über den bisher kurzfristigen Erfolg unserer Strategie.

Im kommenden Jahr stehen weitere Investitionen hinsichtlich Aktien, Immobilien und die Gründung unseres ersten (nebenberuflichen) Unternehmens an.

Weiterhin werden wir in unsere Beziehung, unsere Bildung, unsere Gesundheit und unsere Projekte investieren, um unser Fundament weiter zu festigen und auszubauen.

Unser Mindset

Wir haben die finanzielle Freiheit bereits erreicht.

Nicht, dass unser passives Einkommen höher wäre als unsere Ausgaben. Aber

  • · wir führen beide Berufe aus, die uns erfüllen und jede Menge Spaß und Entwicklungsmöglichkeiten bieten;
  • · wir können unsere Freizeit beliebig gestalten;
  • · wir haben jede Menge Ziele und die nötige Lust diese zu verfolgen und zu erreichen;
  • · wir könnten zufriedener kaum sein und arbeiten hart daran, dass es so bleibt;
  • · wir lernen immer mehr Menschen kennen, die dieselben Bedürfnisse und Ziele haben.

Unser Anfang

Alles begann mit einem leckeren Essen, einem unterhaltsamen Abend und dem Selbstverständnis, dass jede/r für sich selbst zahlt.

Vielen Dank für Eure spannenden Geschichten. Wir finden es immer wieder inspirierend andere Geschichten und Wege zu verfolgen!

Beste Grüße
Mike und Marielle aka die Beziehungs-Investoren

www.beziehungs-investoren.de

AntwortZitat
Veröffentlicht : 05/11/2016 11:08 am
Mike, Michael, Marielle und 1 Leute mögen
Hallo
(@hallo)
New Member

Mein/unser Weg zur finanziellen Freiheit

Eigentlich wollte ich (noch keine 50 Jahre alt) keinen eigenen Beitrag verfassen. Dann habe ich aber Ende Oktober entdeckt, dass das Wachstum in unseren Depots und auf unseren Konten in den ersten 10 Monaten des Jahres 2016 unser Erwerbseinkommen überstieg. Wir hätten also noch gleich viel Geld wie Anfang Jahr, selbst wenn wir in diesem Jahr nicht erwerbstätig gewesen wären. Das könnte ja ein Indikator für finanzielle Freiheit sein (klar, besser wäre es, das allein mit Dividenden und ohne Kurssteigerungen erreicht zu haben, aber immerhin…)! Zur Feier des Etappenziels habe ich mir überlegt, aus Dankbarkeit und Freude über das Erreichte andere zu motivieren, indem ich meinen/unseren Weg zur finanziellen Freiheit beschreibe.

Zwei Vorbemerkungen

-  Vorausschicken muss ich, dass wir in der Schweiz wohnen, wo die Lebenshaltungskosten extrem hoch sind – aber natürlich sind auch die Löhne höher als andernorts.

-  In den folgenden Text sind 20 Tipps eingebaut, die anderen helfen könnten, aus unserem Weg zu lernen

Meine Kindheit

Ich bin in einer mehrköpfigen Familie aufgewachsen. Rückblickend war es wohl untere Mittelschicht – es fehlte uns an nichts, aber es gab auch keinen Luxus, z.B. keine Familienferien. Inspirierend für meinen Weg zur finanziellen Freiheit war sicher mein Vater. Er hat als einfacher, mittelloser Arbeiter begonnen, sich dann selbstständig gemacht und sein Leben lang fleissig gearbeitet und gespart. Mal hörte ich die Anekdote, dass er früher in die Stadt gefahren sei, dort mehrere Uhren gekauft und diese dann nebenberuflich auf dem Land in seinem Bekanntenkreis nach und nach mit Gewinn verkauft habe. Weil er sich damals als Selbstständiger in der Schweiz keiner Pensionskasse anschliessen konnte, musste er selber fürs Alter vorsorgen. Er hat dies mit Anleihen und mit Immobilien getan – an Aktien getraute er sich nicht (er verstehe nichts davon, sagte er mir mal). Als Jugendlicher habe ich ihn mal auf die Idee der finanziellen Freiheit angesprochen – er meinte nur, das habe er sich auch schon überlegt, aber das sei halt schwer. Selbst eine Million Franken würde mit sicheren Anleihen nicht ausreichen, eine Familie durchzubringen…

Ein nachhaltiges Kindheitserlebnis

Als Kind wurde uns Sparsamkeit eingeimpft. Wir brachten unser Geld regelmässig zur Bank. Einmal drückte uns unser Vater Geld für den Jahrmarkt in die Hand mit der Bemerkung: "Hier habt ihr etwas für den Jahrmarkt. Alles, was ihr mir am Abend wieder zurück bringt, verdopple ich euch!" Das war seine Art der Vermittlung finanzieller Bildung. Ich glaube, ich habe alles wieder zurückgebracht und abkassiert… (Tipp 1: Kurzfristige Bedürfnisse hinterfragen, langfristige Bedürfnisse stärker gewichten, d.h. Belohnungsaufschub).

Erste Berufsjahre

Um die Eltern finanziell nicht zu belasten, habe ich schnell einen Beruf mit solidem Einkommen gelernt (Tipp 2: schnell eine eigene, solide, ökonomische Basis aufbauen), bin ausgezogen, habe erstes eigenes Geld verdient und während vielen Jahren in einer Einzimmerwohnung gewohnt (Tipp3: Fixkosten tief halten). Meine (Arbeits-) Kollegen wohnten damals allein in Drei- und Vierzimmerwohnungen und flogen mehrmals jährlich in den Urlaub. Darauf und auf ein Auto habe ich verzichtet, auch wenn alle anderen eines fuhren (Tipp 4: Nicht am Statuswettbewerb teilnehmen). Nach Jahren habe ich mich beim Car-Sharing angemeldet. Erst als es beruflich unabdingbar wurde, habe ich mir meinen ersten gebrauchten Kleinwagen gekauft (Tipp 5: Dinge erst kaufen, wenn man sie so nebenbei sofort bezahlen kann, ohne im Vermögensaufbau-Prozess substanziell zurückgeworfen zu werden). Nach Jahren fand ich endlich eine doppelt so grosse Wohnung – die NOCH günstiger war als meine bisherige Einzimmerwohnung! Mit einem motorlosen Boot genoss ich damals die Freizeit auf dem nahen Badesee; mit Freunden gingen wir oft wandern. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Noch heute sagen mir teure Autos usw. überhaupt nichts (Tipp 6: Das Lebensglück in immateriellen Dingen suchen, nicht in kostspieligen materiellen Dingen). Mit dieser Lebensweise konnte schnell ein Notgroschen aufgebaut werden. Der Notgroschen wurde später nach und nach erhöht, er beträgt heute deutlich mehr als ein Jahr (Tipp 7: schnell einen ersten Notgroschen aufbauen und diesen dann laufend der Situation anpassen).

Erste Anlageerfahrungen

Früh wurde ich schwer krank. Manche Ärzte sagten mir ein kurzes Leben voraus. Da ich dennoch eine Familie plante, war ich mir meiner Verantwortung durchaus bewusst. Ich konnte wegen meiner Krankheit keine Lebensversicherung mehr abschliessen und musste deshalb selber beginnen, für finanzielle Sicherheit zu sorgen (Tipp 8: Finanzielle Angelegenheiten selber an die Hand nehmen). Ein guter Kollege weckte in dieser Zeit mein Interesse an der Börse. Da er bezüglich Finanzen wesentlich gebildeter war als ich, sagte er mir jeweils, welche Aktien nun ein Kauf oder Verkauf wären. Das ging eine Weile gut, mit der Dotcom-Blase kamen aber auch grössere Verluste. Ich verzichtete deshalb fortan auf die Zusammenarbeit mit diesem Kollegen. Vielmehr setzte ich anschliessend auf Fonds – denn ETFs waren mir damals noch nicht bekannt. In dieser Zeit las ich auch das Buch von Bodo Schäfer, das mich definitiv zur finanziellen Freiheit inspirierte, sowie und eine Menge anderer Geld-Bücher (Tipp 9: Ständige Weiterbildung).

Studium

Dann habe ich mir das Ziel gesetzt, doch noch ein Studium zu absolvieren. Mit meiner Ausgangslage war das nicht einfach. Mit viel Einsatz, habe ich es – selbst finanziert – dennoch auf die Reihe gekriegt, indem ich in reduziertem Ausmass weiter gearbeitet und parallel dazu studiert habe. Mit der Zeit habe ich dann am Abend zusätzlich zum Hauptjob und zum Studium verschiedene recht gut bezahlte Nebenjobs angenommen. Das war eine sehr strenge Zeit. Aber als Single mit Zielen hat die Woche 24x7 Stunden… (Tipp 10: Studienzeit nutzen, um parallel dazu Geld zu verdienen).  Auf jeden Fall blieb mir immer noch Zeit für Vereine, Ausgang, Natur, Freundin oder Sport – fragt mich nicht, wie ich das im Detail gemacht habe, aber in jungen Jahren ist die Energie einfach noch ungebremst…

Eigene Firma

Nach und nach flogen mir freiberuflich Aufträge und Projekte nur noch so zu. Ich machte es mir zum Motto, bei einer Anfrage immer zuerst zuzusagen und dann erst zu überlegen, ob ich das dafür nötige Know-How und die Zeitressourcen überhaupt besitze. Das führte dazu, dass ich mir laufend neue Kompetenzen aneignen musste (Tipp: 11: sich selber in ein Umfeld bringen, das einen immer weiter vorwärts pusht), was wieder zu neuen Aufträgen und Beziehungen führte. Grösstenteils waren dies Aufträge, bei denen ich nicht für meine aufgewendete Zeit, sondern für das fertige Produkt bezahlt wurde. Da die Nachfrage nach meinen Produkten damals hoch war, war meine Nebentätigkeit sehr einträglich (Tipp: 12: sich nicht für Zeit, sondern für Produkte bezahlen lassen). Irgendwann habe ich dann meine nebenberuflichen Tätigkeiten in einer eigenen Firma gebündelt. Wenn viel Arbeit anfällt, stelle ich temporär Leute ein, die mich unterstützen. Diese bringen mir ohne substanzielle Mehrarbeit ein zusätzliches Einkommen (Tipp 13: Andere für sich arbeiten lassen, das ist ein grosser Hebel).

Immobilien

Einige Zeit nach der Hochzeit mit meiner Frau haben wir ein Mehrfamilienhaus erworben, in dem wir in einer schönen, sehr grossen Wohnung selber wohnen und andere Wohnungen vermieten (Tipp 14: Falls Wohneigentum zur Selbstnutzung gewünscht wird, dieses erst relativ spät kaufen, wenn man es sich leisten kann ohne das ganze Depot zu plündern). Während es in Deutschland offenbar üblich ist, Hypotheken schnellstmöglich abzubezahlen, eilt es in der Schweiz nicht so sehr, da es steuerliche Anreize gibt, das Haus nicht abzuzahlen (Abzug des Schuldzinses vom Einkommen). Ausserdem ist der Hypothekarzins für unsere Belehnung von ca. 60% in den nächsten 10 Jahren fix extrem tief angebunden (Tipp 15: Hebelwirkung von kreditfinanzierten, fremdvermieteten Immobilien nutzen).

Sparquote und Asset-Allocation

Als Ehepaar mit zwei vollen Einkommen (ohne Kinder) konnten wir umfassende Rücklagen bilden (Tipp 16: Die Zeit als kinderloses Paar für den Vermögensaufbau nutzen – nachher wird es deutlich schwieriger). Nachdem eher spät Kinder dazu gekommen sind, können wir (das passive Einkommen ausgeklammert) «nur» noch etwa 20% des Erwerbseinkommens sparen. Unsere Ausgaben sind nun deutlich gestiegen, die Löhne aber auch – und zusätzlich haben wir ja noch das passive Einkommen. Nachdem mittlerweile ETFs in aller Munde sind, haben wir unsere Fonds verkauft und diese durch ETFs ersetzt, die wir langfristig halten und weiter aufstocken möchten (Tipp 17: Vermögensaufbau über kostengünstige, breite ETFs angehen). In unserer Asset-Allocation orientieren wir uns lose am Vorschlag von Kommer (Tipp 18: Bewusst eine Asset-Allocation festlegen, dann innerhalb exakter Bandbreiten daran festhalten und periodisch mittels Zukäufen ein Rebalancing durchführen):

Welt-ETF: 4% (Ziel: 4%)

Value-ETFs entwickelte Märkte: 11% (Ziel 12%)

Small Caps ETFs entwickelte Märkte (10% (Ziel: 12%)

Schweiz-ETFs (Large Caps und Small Caps): 9% (Ziel 12%)

Schwellenländer ETFs: 11% (Ziel: 12%)

60% des Eigenkapitals an selbstgenutzter und fremdvermieteter Immobilie: 20% (Ziel: 12%)

Rohstoffe, insbesondere auch Goldmünzen für den Super-GAU: 1% (Ziel: 2%)

Peer-to-Peer-Kredite: 4% (Ziel: 4%)

Anleihen: 5% (Ziel: 4%)

Notgroschen auf dem Konto: 25 % (Ziel: 26%)

Zusätzlich haben wir noch etwas Geld auf Pre-Payed-Kreditkarten, in unseren Geldbeuteln sowie in unserem Tresor.

Altersvorsorge und Steuern

Nicht einbezogen habe ich in die obige Übersicht unsere Pensionskassengelder, die wir uns bei der Pensionierung als Rente beziehen oder als Kapital ausbezahlen lassen können (z.B. um dann die Hypothek abzuzahlen). Das wird voraussichtlich eine recht üppige zusätzliche Summe werden, da wir beide immer sehr viel gearbeitet haben (dann muss man in der Schweiz auch zwingend in die Pensionskasse einzahlen). Daneben gibt es in der Schweiz die Möglichkeit zur steuerbegünstigten, freiwilligen Altersvorsorge. Insbesondere für Gutverdienende ist dies eine attraktive und einfache Steuersparmöglichkeit, die gegenüber der Lösung in Deutschland m.E. deutlich weniger Nachteile hat (man kann dieses Geld mittlerweile sogar in ETFs mit geringen Gebühren anlegen). Mit Altersvorsorge, eigenen Immobilien, eigener Firma und Angestelltenverhältnis gibt es in der Schweiz so einige Möglichkeiten, seine Steuerzahlungen zu optimieren – das nutzen wir im legalen Rahmen gerne aus (Tipp 19: Steuerliche Vergünstigungen gezielt suchen und im legalen Rahmen nutzen).

Gegenwart und Zukunft

Da meine Frau und ich beruflich sehr viel Freude erleben, haben wir keinen Anreiz, beruflich kürzer zu treten (beide arbeiten Teilzeit). Wir haben sehr viele Freiheiten, können eigene Projekte anreissen und durchziehen, ausserhalb des Büros arbeiten, die eigenen Kinder betreuen, Anerkennung gewinnen usw. Wir haben keine Stempeluhren, sondern enorm viele Freiheiten, so lange wir bei wichtigen Terminen/Meetings aufkreuzen und gute Ergebnisse liefern (Tipp 20: sich eine Lebens- und Arbeitswelt suchen und einrichten, in der es sich wohlsein lässt). So haben wir kaum Anreize, die Erwerbsarbeit aufzugeben, zumal wir noch schulpflichtige Kinder haben. Da ist Reisen nicht gerade unser Hauptthema. In unserem Umfeld verhalten wir uns eher unauffällig und bescheiden, damit wir nicht allzu viele Fragen beantworten müssen. Die haben wir ja hiermit alle beantwortet 😉

Hoffentlich konnte ich die einen oder anderen mit diesem Beitrag auf ihrem Weg zur finanziellen Freiheit motivieren. Nachdem ich es lange Zeit nur intuitiv für möglich gehalten habe, finanzielle Freiheit erreichen zu können, weiss ich seit kurzem, dass es definitiv möglich ist! Hoffentlich können meine Tipps andere dazu inspirieren, es uns gleich zu tun.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 06/11/2016 1:48 pm
Michael, Ahmet und Maschinist zugestimmt
Maschinist
(@maschinist)
Admin Admin

Nachfolgend noch der Beitrag vom Nutzer "Turtle to be", der hiermit auch zur Abstimmung steht.

“Geld ist nicht alles – oder doch?

“Geld ist nicht alles” entgegnete mein jugendliches, gerade pubertierendes Ich meinen Eltern. Ich dachte dabei an all das was einem in der Pubertät wichtig ist, statt mich auf die Sorgen meiner Eltern einzulassen. Ich kann mich nicht mehr im Detail erinnern, was meinen Eltern in diesem Moment finanzielle Sorgen bereitet hat, aber noch heute denke ich oft an ihre Reaktion: Sie lächelten mir zu. Nicht in dem Sinne, dass sie mich belächelten. Meine Antwort hätte sich für meine Eltern wie Hohn angehört, wenn es jemand anders gesagt hätte. Aber da stand ihr kleiner Junge vor ihnen, der noch nicht begriffen hatte, welche Entbehrungen meine Eltern durchgemacht hatten und die nächsten Jahre durchmachen sollten.

Kindheitserfahrungen als Triebfeder heutigen Verhaltens

Meine Eltern sind als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Mein Vater hat sein Leben lang in einem Stahlwerk gearbeitet, wahrscheinlich für die Hälfte des Lohns, den ich mit Mitte Dreißig nun bekomme.

Meine Mutter hat sich um die drei Kinder gekümmert hat. Beide haben kaum eine Schulbildung genossen und finanziell hat es an allen Ecken und Enden gefehlt. Eine gute Schulbildung für die Kinder war ihnen das wichtigste Ziel, dem sie alles untergeordnet haben. Ihr Leben war geprägt von maximaler Enthaltung und Einschränkung ihrer persönlichen Wünsche und Bedürfnisse, damit es den Kindern eines Tages besser geht. Es ist erstaunlich an welche Begebenheiten aus der Kindheit und Jugend man sich erinnert. Nicht ausschließlich gravierende oder dramatische Einschnitte, sondern belanglose Ereignisse. Z.B. erinnere ich mich, wie sehr ich mich gefreut habe, wenn mein Vater an bestimmten Tagen Kaiserbrötchen mitgebracht hat, die es einmal die Woche im Angebot gab.

Ich erzähle diese Episoden nicht um Mitleid zu erhaschen und sicherlich gibt es Menschen, deren Kindheit von größeren und gravierenden Entbehrungen geprägt war als meine. Die Sichtung der wöchentlichen Rabatte war eine Selbstverständlichkeit, hungern mussten wir niemals. Auch heute bin ich sehr gut im Bilde über die wöchentlichen Angebote und Sparmöglichkeiten, die es gibt, mittlerweile macht es mir auch nichts aus, wenn Bekannte und Freunde sich darüber lustig machen oder z.T. skeptisch reagieren.

Mein Beitrag fokussiert sehr deutlich meinen familiären Hintergrund und das Denke, dass meine Eltern bewusst und unbewusst an mich weitergegeben haben und mein Verhalten bis heute prägt. Denn mir ist in den letzten Jahren sehr deutlich geworden, dass meine Unfähigkeit dem Ziel finanzielle Unabhängigkeit auch nur in Ansätzen nahe zu kommen, mit den Erfahrungen in der Kindheit und Jugend zu tun hat. Diese Erfahrungen sind in meine DNA übergegangen und haben mein Verhalten geprägt und prägen es weiter.
Auf der anderen Seite teile ich die feste Überzeugung, dass eine Kindheit, die von materiellen Nöten geprägt war, mir die notwendige Motivation und v.a. den Durchhaltewillen bietet, dieses Ziel anzustreben und auch zu erreichen.

Als ich nach dem Abitur so langsam auf eigenen Beinen gestanden habe, habe ich die Sichtweise meiner Eltern bezüglich der immensen Bedeutung von Geld übernommen. Leider hat dies paradoxerweise zunächst dazu geführt, dass ich auf ein finanziell verlorenes Jahrzehnt zurückblicke. Ich war beseelt von dem unbedingten Willen Geld zu besitzen, es jedoch für den Konsum flüchtiger Dinge auszugeben. Dies waren, so denke ich mir, vergebliche Versuche die materiellen Entbehrungen zu kompensieren, die ich in der Jugend erfahren habe. Nicht in der Weise feiern können wie meine Freunde. Nicht ferne Länder in den Ferien bereisen zu können, oder sich das Mofa zu kaufen, das ich mir so sehr gewünscht hatte.

Ein neuer Lemming betritt die Börse

Auf der anderen Seite bin ich in den letzten Zügen der Dot-Com Blase mit der Börse in Berührung gekommen. Einen heißen Tipp eines Freundes folgend habe ich Eurogas gekauft, einen Pennystock, der wenn ich das richtig sehe, auch heute noch alle paar Jahre durchs Dorf getrieben wird. Weder wusste ich was die Firma machte, noch was eine Aktie ist. Aber der Zeitgeist hat Lemminge wie mich an die Börse gelockt und sie kurzzeitig belohnt. Die ca. 300 Mark hatten sich fast verdoppelt. Mein Sparkassenberater hatte mir noch zum Ausstieg gerieten, aber die Gier war stärker, so dass ich recht schnell meinen Einsatz fast vollständig verloren habe. Im Gegensatz zu vielen Freunden und Bekannten, die der Börse den Rücken gekehrt haben, bin ich der Börse treu geblieben. Ich bin zu der Zeit auf ein Zitat von Kostolany gestoßen, dessen Bedeutung wie gemacht für meine Situation schien: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muß spekulieren.“ Ich kann jedoch nicht behaupten, dass ich auf eine positive Performance verweisen kann. Immer wenn ich mir etwas Geld zusammengespart habe, habe ich es recht bald an der Börse verloren, zumindest habe ich mein Wissen erweitert: Ich habe gelernt die Finger von Pennystocks zu lassen, keine Optionsscheine anzurühren, keine ausgebombten Werte zu kaufen in der Hoffnung, dass sie endlich steigen. 2005 bin ich auf das Mastertraders-Forum von Simon Betschinger gestoßen, ein besseres Forum habe ich nicht mehr gefunden und schätze die Beiträge und die Denke der Mastertrader bis heute. Der Maschinist verzeiht mir sicher die Werbung, aber wer sowieso nicht dort auf dieses Angebot aufmerksam gemacht wurde, sollte sich die Seite bzw. das Netzwerk genauer anschauen.Hochprofessionelle und über Jahre erfolgreiche Trader bieten eine gute Orientierung und hilfreiche Hinweise auf Trends und aussichtreiche Aktien. Ich habe aber das Kunststück vollbracht fast alle der angebotenen Dienste zu abonnieren und trotzdem Verluste zu machen. Dies ist ausschließlich meiner Verantwortung zu zuschreiben. Was nützt einem das beste Angebot, wenn der “Dümmste anzunehmender Trader” hartnäckig und entgegen aller Hinweise meint es besser zu wissen, d.h. z.B. kein Risikomanagement zu betreiben, zu hoch gewichtete Trades einzugehen, in Fahnenstangen zu kaufen und nicht die Fähigkeit aufzubringen Verluste konsequent zu begrenzen. Meine gesamten Verluste der letzten 10 Jahre haben sich bisher auf ca. 15 Tausend Euro belaufen. Viele Leser werden sicherlich mit dem Kopf schütteln und fragen, warum ich weiterhin versuche etwas zu schaffen, an dem 90% der Anleger (inklusive mir) scheitern: dauerhaft Geld an der Börse zu verdienen.

Erfolg ergibt sich nur durch das richtige Mindset!

In den letzten beiden Jahren ist mir sehr klar geworden, wie wichtig mein Mindset, meine Einstellung zu Geld und meine familiären Erfahrungen für meine (erfolglose) Art zu handeln sind. Ich habe die Hoffnung, dass mit dieser Einsicht, der erste Stein gelegt ist, in Zukunft erfolgreich zu handeln. Dass die Reflektion der eigenen Einstellung mindestens so wichtig für den Erfolg ist, wie das konkrete Wissen um die Funktionsweise der Börse oder des Kursbildungsmechanismus, sehe ich an meiner Frau, die viel Verständnis für mein Handeln an der Börse hat, mich unterstützt und niemals Vorwürfe macht, wenn ich erneut Geld verloren habe. Alles was meine Frau über die Börse weiß, weiß sie von mir und ich bin mir sicher, dass sie eine erfolgreiche Traderin oder Investorin wäre, wenn sie den Lust hätte zu handeln.

Sie hat mir vor Jahren ein Buch über die Turtle Trader geschenkt und als Teil des Geschenkes das Buch gelesen, um mit mir zu diskutieren. Sie hat sehr deutlich die Bedeutung der Risikokontrolle erfasst, v.a. wie wichtig ein langweiliges, dafür beständiges und langfristig orientiertes Denken für den Erfolg ist. Langfristig in dem Sinne, dass sie nicht die Bedeutung des gegenwärtiges Trades, sondern der nächsten tausend Trades im Blick hat. Und genau an diesen Aspekten scheitere ich weiter. Mein Risikomanagement ist nicht konsequent, weil ich Angst habe. Angst habe Geld zu verlieren und daher die Stops nicht konsequent setze, um mir, solange es “nur” Buchverluste sind, nicht eingestehen müssen, Geld verloren zu haben. Ich habe aber auch Angst nicht genug Geld zu verdienen, was meine Gier erklärt. Ich kaufe in Fahnenstangen, obwohl ich weiß, dass ein Trend sich aus Bewegung und Korrektur zusammensetzt. Ich habe es doch tatsächlich geschafft, den Gewinn, den ich mit der ab 2009 beginnenden Hausse anfänglich gemacht habe, in der ersten Korrektur zu verlieren. Angst ist eine sehr wirkungsmächtige Uremotion, die viele beim Handeln an der Börse unterschätzen. Es werden körperliche Reaktionen hervorgerufen, die den konkreten Handel entscheidend prägen und zu Fehlern führen. Diese Angst muss ich in den Griff bekommen. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass meine Unfähigkeit erfolgreich zu handeln, so lange andauern wird, bis ich meine frühkindlich erworbene Einstellung zu Geld bzw. den unbedingten Willen Geld zu besitzen produktiv auflöse. Wenn ich es schaffe nicht so verbissen an die Börse heran zu gehen, werde ich Erfolg haben. Das ist meine tiefste Überzeugung. Ich fülle daher mein Trading-Konto monatlich mit ca. 200-300€ auf. Große Summen stehen mir derzeit nicht zur Verfügung, ich will aber “im Spiel bleiben”, denn erfolgreiches Handeln und die Bewältigung meiner Angst kann ich nur mit realem Geld einüben. Sobald es unsere finanzielle Situation zulässt, werden wir zusätzlich über ETFs ansparen, so dass wir langfristig passives Einkommen generieren können.

“Geld ist nicht alles” – oder doch?

Schlussendlich die Frage warum ich das Ganze eigentlich mache? Warum nehme ich den Frust auf mich? Die vielen Stunden am Rechner, die vielen Bücher und Webinare? Die dummen Kommentare und das Gelächter von Freunden, die um die Verluste wissen? Vor einigen Jahren wäre eine ehrliche Antwort gewesen: Nervenkitzel!. Auch diesbezüglich hat sich meine Einstellung geändert. Heute lautet meine Antwort: Weil mein pubertierendes Ich – auf eine andere Weise als ich es damals dachte – doch Recht hatte: Geld ist nicht das wichtigste im Leben: Geldbesitz sollte nicht Selbstzweck sein oder um ein Instagramm-Leben zu führen, mit tollen Autos, den neuesten Notebooks oder regelmäßigem Essen in teuren Restaurants. Aber mit Geld lassen sich diese wichtigen Sachen viel leichter, bequemer und z.T. überhaupt erst realisieren. Die Qualität des Zahnersatzes meines Vaters ist eine Frage des Geldes. Die Möglichkeit der Schulbildung meines Sohnes ist eine Frage des Geldes. In diesem einen Leben, das ich habe, soviel Zeit wie möglich mit meinen Liebsten verbringen zu können, ist eine Frage des Geldes. Zugegeben, dies sind überaus banale Erkenntnisse, aber es hat lange gedauert, bis ich dies realisiert habe. Wir werden sehen, ob diese Erkenntnis dazu führen wird, dass mein verhalten sich nachhaltig verändern wird. Wünscht mir Erfolg dabei!

AntwortZitat
Veröffentlicht : 07/11/2016 8:27 pm
Michael und Maschinist zugestimmt
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Spare Geld mit dem Maschinisten: