Millionär Interview 27 – Der Autodidakt – Mutige Lernmaschine

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Millionär Interview 27 Mutige LernmaschineWenn mir vor einigen Jahren jemand gesagt hätte, dass hier in der Freiheitsmaschine mehr als zwei Duzend deutschsprachige Menschen Ihre gemachten Fehler und Learnings auf dem Weg zu Ihrem selbsterschaffenen Millionenvermögen beschreiben, hätte ich Schwierigkeiten gehabt, das zu glauben.

Aber hier sind wir: Die Millionär Interviews – Nr. 27!

Heute schreibt uns „Der Autodidakt“ und sein selbstgewählter Name passt wie kaum ein anderer zu seinem bisherigen Lebensweg.

Er hat sich in etwas über einer Dekade ein mehrere Millionen Euro schweres Vermögen selbst erschaffen.

Und das trotz (oder gerade aufgrund…?) einer Vielzahl an Rückschlägen, selbstverursachten Fehlern und der Ausgangssituation „Girokonto mit 0 € und ein Zimmer im Hotel Mama“.

 

Aber lest selbst

 

Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?

Ich bin 36, meine Partnerin ist 33 Jahre alt. Wir leben seit 15 Jahren zusammen, sind allerdings nicht verheiratet.

 

Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?

Wir sind vor 6 Monaten das erste Mal Eltern geworden.

 

Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?

Wir leben in einer ländlichen Region in Hessen.

 

Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?

Ich bin Unternehmer und vertreibe von mir selbst entwickelte Softwarelösungen.
Ich habe mir in den letzten 10 Jahren ein stattliches Portfolio an Produkten aufgebaut, welches mir jährliche passive Bruttoeinkünfte von rund 250.000 € erwirtschaftet.
Ich besitze 8 Wohneinheiten, von denen 6 vermietet sind und eine jährliche Bruttomiete von 34.000 € abwerfen. Abzüglich 16.200 € Zinszahlungen bleiben hier 17.800 € an zu versteuernden Mieteinnahmen übrig. Dazu kommen Dividenden aus Aktieninvestments in Höhe von rund 9.000 €.
Alle Angaben zu meinen Einkünften sind Bruttowerte, von denen noch Einkommensteuer bzw. Kapitalertragssteuer und Soli abzuführen sind.
Meine Lebensgefährtin ist Beamtin und erhält im Moment 23.500 € Elterngeld samt Kindergeld. Vor der Elternzeit waren es rund 40.000 € Netto.

 

 

Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?

• Haushalt und Lebensmittel: ca. 7.000 €
• Wohnnebenkosten: ca. 3.250 €
• 3-mal Private Krankenversicherung für die gesamte Familie: 5.520 €
• Urlaube: ca. 8.000 €
• Benzin bzw. Strom, Steuer, Versicherung, Wartung & Reifen für 2 Autos: ca. 4.500 €
• Bücher: ca. 500 €
• Geschenke: ca. 1.000 €
• Kleidung: ca. 500 €
• Barausgaben, Konsum und Hobby: ca. 3.000 €

 

– Zu diesen in Summe ca. 33.000 € Ausgaben im Jahr kommen dann noch Reparaturkosten und Abschreibungen, z.B. an Auto, Hausrat oder Wohnung, die allerdings nicht jedes Jahr auftreten und daher hier nicht aufgeführt sind.
– Zinsen und Kosten für die vermieteten Immobilien werden hier nicht aufgeführt, da diese steuermindernd sind.
– Außer Krankenversicherung und einer Privathaftpflicht haben wir sonst keinerlei Versicherungen abgeschlossen und wir zahlen auch nichts in die öffentlichen Sozialsysteme ein.
– Ich bin begeisterter Heimwerker und gebe daher sehr gerne Geld für gute Werkzeuge und für diverse Materialien für Bauprojekte aus.

 

 

Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?

Inklusive der Firma liegt das Vermögen bei rund 2.460.000 €.
Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)
• Firmenwert: 1.500.000 € (EBIT Multiple)
Immobilien abzüglich Schulden: 435.000 €
• Aktien: 370.000 €
• Cash: 100.000 €
• Edelmetalle physisch: 65.000 €


Der Posten Immobilien besteht aus einer vermieteten Eigentumswohnung und einem Mehrfamilienhaus mit sieben Wohneinheiten, von denen fünf vermietet sind und zwei selbst genutzt werden. Die beiden selbstgenutzten Einheiten wurden komplett mit Eigenkapital bezahlt, sodass alle anfallenden Zinsen im Zusammenhang mit der Vermietung steuerlich geltend gemacht werden können.
Das Aktienvermögen ist auf 50 Unternehmen (USA, Europa und Asien/Pazifik ohne China), sowie 7 US REITs verteilt. Bei der Auswahl meiner Unternehmen ist das wichtigste Kriterium eine konstante Steigerung der Gewinne, Cashflows und evtl. Dividenden über Jahrzehnte hinweg.
Beispiele sind hier: 3M, Aptar Group, Canadian National Railway, Danaher, Essilor Luxottica, KDDI, Fresenius Medical Care, Hormel Foods, Jack Henry & Associates, McDonalds, Microsoft, Novo Nordisk, Rollins, Ross Stores, Roper Technologies, SAP, Unilever und VISA. Anteile verkaufe ich nur wenn bei einem Unternehmen etwas so dermaßen im Argen liegt, dass ich keine Zukunftsperspektive mehr sehe.
Die hohe Cash Position ist zum einen für größere Reparaturen an den Immobilien vorgesehen (bei dem Mehrfamilienhaus ist z.B. in den kommenden Jahren die Heizung fällig) und zum anderen als Schießpulver, wenn es an den Kapitalmärkten mal wieder richtig bergab geht.
Edelmetalle werden physisch in Form von Münzen gehalten. Am liebsten für immer.

 

 

Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?

Meine Ausgangssituation war ein Girokonto mit 0 € und ein Zimmer im Hotel Mama.
Ich habe dann 2003 angefangen Chemie zu studieren und in den Semesterferien als Werkstudent in einem DAX Konzern gearbeitet. Die Aufgabe in meinen ersten Semesterferien war es tausende von Dokumenten auf einem Server in einer neue Verzeichnisstruktur zu ordnen.
Da ich mich schon von Kindesbeinen an viel mit Computern und Programmieren beschäftigt hatte und auch schon immer nach Abkürzungen bei der Arbeit Ausschau hielt, habe ich kurzerhand ein kleines Programm geschrieben, welches alle Dokumente automatisch in die neue Verzeichnisstruktur einsortiert. Meine Aufgabe, für die eigentlich die gesamten Semesterferien vorgesehen waren, war somit nach einem Tag erledigt. Mein damaliger Chef war völlig verblüfft, dass so etwas überhaupt möglich ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe direkt eine kleine Gehaltserhöhung bekommen, wurde in ein eigenes Büro gesetzt und meine Aufgabe war es fortan die Abläufe in diversen Word-Formularen über Makro-Programmierung zu automatisieren. Außerdem wurde mein Vertrag auf ein Jahr verlängert und ich habe auch während des Semesters 20 Stunden pro Woche dort gearbeitet. Das Ganze habe ich dann zwei Jahre lang gemacht und mich währenddessen intensiv in die Programmierung von Makros und Add-Inns für Microsoft Office eingearbeitet.
Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich nach meinem Studium niemals in einem Konzern arbeiten möchte: Zuviel interne Politik und Schachereien zwischen den Kollegen, kombiniert mit der kompletten Inflexibilität in den Arbeitsabläufen aufgrund hierarchischer Strukturen.
Also habe ich nach insgesamt zwei Jahren meinen Vertrag dort nicht mehr verlängert und stattdessen mein erstes Gewerbe angemeldet. Zu dieser Zeit bin ich auch von Zuhause ausgezogen und in altes Gebäude meiner Großeltern gezogen. Hier gab es keine Zentralheizung und in den Wintermonaten musste mehrmals pro Woche Holz gehackt werden, weil die Räume mit Holzöfen beheizt wurden. Im Gegenzug habe ich dort keine Miete bezahlt, sondern nur die entstandenen Nebenkosten.
Mit meinem Gewerbe habe ich nun Dienstleistungen im Bereich Makro und Add-Inn Entwicklung für Microsoft Office angeboten und diese Online beworben. Das hat auch auf Anhieb gut funktioniert und hat mir für studentische Verhältnisse ein ordentliches Einkommen von gut 1.000 – 1.500 € pro Monat eingebracht. Das habe ich dann weitere 2 Jahre gemacht, wobei sich in dieser Zeit mein Fokus immer weiter weg vom Studium hin zur Selbstständigkeit verlagert hatte.

 

Im Jahr 2007, als ich bereits 7 Semester studiert hatte und immer noch kein Ende in Sicht war, habe ich dann die einsame Entscheidung getroffen mein Studium abzubrechen und mich zu 100% auf die Selbstständigkeit zu fokussieren. Dass es hier von allen Seiten Kritik hagelte, muss ich wohl nicht erwähnen. Niemand hätte es für möglichgehalten, dass ich es ohne formalen Abschluss zu irgendetwas bringen könnte. Zugleich war jeder der Meinung, dass eine Selbständigkeit doch viel zu riskant sei…
Meine Vision war es gewesen, vom Dasein als Dienstleister, der Zeit gegen Geld tauscht, wegzukommen, hin zum Unternehmer, der mit Verkäufen von Standartsoftware ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaftet. Das Ganze hat sich dann schwieriger erwiesen als angenommen.

 

Die Jahre 2007 bis 2009 waren extrem hart für mich, gesäumt von Rückschlägen und einer 90 Stunden Woche. Meine Softwareprodukte haben sich alle als monetärer Flop erwiesen und ich habe mich weiter mit Dienstleistungen über Wasser gehalten. Im Nachhinein weiß ich, dass es nicht an den Produkten selbst gelegen hatte. Ich war einfach nicht in der Lage, meine Produkte ordentlich zu positionieren und zu vermarkten.
So ich habe während dieser Zeit extrem viel gelernt und mir Duzende an Fertigkeiten angeeignet, von denen ich bis heute massiv profitiere: Diverse Programmiersprachen, Design-Skills, das beherrschen diverser Softwaretools, Serveradministration, hervorragende Englischkenntnisse, Online Marketing und Verkauf, und vieles mehr…
Wenn man sich zwei Jahre lang jede Woche 90 Stunden mit etwas beschäftigt, dann wird man zwangsläufig ziemlich gut darin werden.

 

Und so kam dann Mitte 2009 der Durchbruch und ich schaffte es mit einem meiner Produkte mehr zu erwirtschaften als mit meinen Dienstleistungen. In diesem Jahr hatte ich knapp 60.000 € an Bruttoeinnahmen. 2010 waren die Einnahmen dann schon bei über 100.000 €. Jetzt ging es aufwärts!
Da ich aufgrund der Angst mit der Selbständigkeit eventuell doch noch scheitern zu können immer extrem sparsam gelebt habe und von meinen Einnahmen eigentlich nur die allernötigsten Lebenshaltungskosten bezahlt habe, hat sich auf meinem Konto mittlerweile ein mittlerer 5-stelliger Betrag angehäuft.
Meine finanzielle Bildung war zu diesem Zeitpunkt gleich Null. Das einzige was ich von Zuhause im Hinblick auf Finanzen mitbekommen habe war, dass man niemals Konsum auf Kredit finanziert– eine Regel an der ich bis heute eisern festhalte!

 

2010 habe ich dann auf Anraten eines Familienmitglieds („Du musst deine Steuerlast verringern…“) meine erste Immobilie gekauft: Eine Eigentumswohnung mit Sonder-Afa. Ich habe das Objekt bis heute, allerdings würde ich diese Investition heute definitiv nicht mehr tätigen. Der gesamte Steuervorteil wurde damals vom Bauträger natürlich direkt auf den Kaufpreis aufgeschlagen. Ich hätte also auch einfach eine gewöhnliche Eigentumswohnung zu einem vernünftigen Preis kaufen können und wäre ähnlich oder gar besser gefahren.

 

2011 war dann ein absolutes Spitzenjahr mit Bruttoeinnahmen im mittleren 6-stelligen Bereich. Mittlerweile war mein Lebensstil dann nicht mehr ganz so sparsam: Ich bin mit meiner Lebensgefährtin in eine große schicke Wohnung gezogen und habe diese komplett neu eingerichtet, habe mir ein schnelles Auto gekauft, wir haben teure Urlaube gemacht, sind in teure Restaurants essen gegangen usw… Eben das volle Programm.
Da ich Anfang des Jahres meine gesamte Buchhaltung an ein Familienmitglied abgetreten hatte und diese Person somit auch Einsicht auf mein Firmenkonto hatte, wurde mir geraten: „Du musst was machen, du kannst doch keine Viertelmillion auf dem Girokonto rumliegen lassen. Mach doch mal einen Termin bei Herrn XY auf der Bank… Aber verzocke das Geld bloß nicht an der Börse!“.
Dem einen Teil dieses gut gemeinten Ratschlags bin ich gefolgt und habe einen Termin bei dem Bankberater gemacht, der in mir allerdings prompt das Interesse an der Börse geweckt hatte. In den folgenden Jahren habe ich dann wild und querbeet Aktien, Anleihen, Optionsscheine und sonstige Derivate gekauft und meist bei kleinem Gewinn sofort wieder verkauft. Die Ordergebühren summierten sich hier über die Jahre auf viele Tausend Euro – ein gutes Geschäft für die Bank. Ich habe damals die falschen Bücher gelesen und habe in dieser Zeit auch meinen bislang folgenschwersten finanziellen Fehler begangen. Mehr dazu später.

 

Ende 2012 wurde mir dann das Mehrfamilienhaus mit 7 Wohneinheiten, in dem auch wir unsere Wohnung hatten bzw. bis heute haben, zum Kauf angeboten. Ich habe gekauft, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt absolut keine Ahnung von Immobilieninvestments hatte. Allerdings hat sich der Kauf im Nachhinein als echter Glücksfall erwiesen.

 

Die Jahre 2012 bis 2014 waren weiterhin solide Jahre für mein Unternehmen.

 

2015 kam dann der Wendepunkt und ich habe begonnen mich intensiv mit meinen Finanzen und finanziellen Themen im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Bis dahin war ich der Meinung, dass Geld dafür da ist, um sich einen luxuriösen Lebensstil mit reichlich materiellen Dingen zu ermöglichen und dass man mit Wertpapieren und Immobilien Spekulationsgewinne erwirtschaftet. Das hatte sich dann komplett geändert und ich begriff, dass Geld, wenn man es nicht verkonsumiert, sondern klug investiert, der zentrale Aspekt für Freiheit und Unabhängigkeit ist. Ich habe verstanden, dass die Investition in Unternehmen und Immobilien die beste Möglichkeit ist, um einen regelmäßigen positiven Cashflow zu erzeugen.

 

Bis 2015 habe ich immer noch Dienstleistungen angeboten, obwohl die Einnahmen meiner Produktverkäufe die der Dienstleistungen schon seit Jahren um ein Vielfaches überstiegen. Im Gegenzug ging aber gut die Hälfte meiner Arbeitszeit für diese Dienstleistungen drauf. So habe ich Ende 2015 dann die Zusammenarbeit mit allen Kunden aufgekündigt und begonnen die Abläufe in meinem Unternehmen so zu automatisieren, dass es mit einem überschaubaren wöchentlichen Aufwand einen regelmäßigen monatlichen Cashflow liefert.
Ich habe begonnen meine Finanzen in Ordnung zu bringen, habe mir eine Übersicht über meine Ausgaben verschafft und diese massiv reduziert, habe mir ein solides Portfolio aus Qualitätsunternehmen zusammengestellt und damit begonnen jeden Monat regelmäßig mindestens 50% meines Einkommens in diese Unternehmen zu investieren. Ich habe seitdem keine einzige Aktie mehr verkauft, keinen Optionsschein gehandelt oder sonstigen Unfug an der Börse getrieben.
Seitdem bin ich wirklich unabhängig und kann jeden Tag das tun was ich will, wo ich will und mit wem ich will.

 

 

Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem Jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?

1. Irrwitzige Spekulation in hochriskante Pennystocks
Mein teuerster und zugleich wichtigster Fehler war es in den Jahren 2011-2014 knapp 110.000 € mit einem Pennystock zu verspekulieren. Frei nach dem Motto „Gier frisst Hirn“ habe ich mich damals mit den falschen Leuten herumgetrieben und bin einer Story aufgesessen, die sich im Nachhinein als Luftnummer entpuppt hat.
Das tragische ist, dass ich noch Anfang 2014 mit 40.000 € im Plus war, aber ich wollte ja unbedingt den legendären „Verzehnfacher“. Uns so kam es, wie es kommen musste: Das Listing der Aktie wurde Ende 2014 eingestellt und das Geld war weg. Ich habe die Papiere anschließend in ein eigens dafür eröffnetes „Schrottdepot“ ausgelagert, welches seither als Mahnmal dient.
Der Fehler war zwar unglaublich teuer, aber es war dieses Ereignis, was mich hinsichtlich meiner Finanzen zu einem kompletten Umdenken gebracht hat. Außerdem bin ich dadurch den meisten in meiner Generation dahingehend einen Schritt voraus, dass ich bereits weiß wie es ist, mit seinem Depot über eine lange Zeit hinweg 80% im Minus zu sein und ich habe die Gewissheit, dass ich damit umgehen kann. Das wird sich in der nächsten Krise als nützlich erweisen.
Rat an mein jüngeres Ich: „Die Investition in Aktien ist langweilig und braucht einen langen Zeithorizont. Wenn du Nervenkitzel willst, dann hebe dir einen gewissen Betrag von der Bank in Bar ab und fahre damit ins nächste Kasino.“

 

2. Investitionen aus Steuerspargründen
Wie oben schon beschrieben habe ich eine Immobilie rein aus Steuerspargründen gekauft, was ich heute nicht mehr machen würde. Zudem lief die Finanzierung der Immobilie über ein Endfälliges Darlehen, das an einen Bausparvertrag gekoppelt war. Auch diese Konstruktion würde ich heute nicht mehr wählen, sondern einfach mit einem stinknormalen Annuitätendarlehen mit ordentlicher Tilgung finanzieren. Auch hier eine kleine Anekdote: Die Anschlussfinanzierung ab Anfang 2020 von 65.000 € läuft nun über ein Annuitätendarlehen, welches ich in 5 Jahren komplett tilgen werde. Daraufhin die nette Frau von der Bank: „Aber sie wissen schon, dass Sie dann nach den 5 Jahren ein Steuerproblem bekommen?“ Ich meinte: „Welches Problem?“ Sie: „Naja, sie müssen dann die Mieteinnahmen voll versteuern, weil sie keine Zinsen mehr entgegensetzen können. Am besten besprechen Sie das noch einmal mit Ihrem Steuerberater…“
Rat an mein jüngeres Ich: „Kosten nur aufgrund der Steuerersparnis zu verursachen ist mathematischer Schwachsinn. Wenn du 1 Euro ausgibst um 50 Cent zu sparen, hast du am Ende 50 Cent weniger.“

 

3. Kapitalerträge verkonsumiert, anstatt zu reinvestieren
In der Zeit in der ich an der Börse wild hin und her spekuliert habe, habe ich meine Spekulationsgewinne zum Großteil für Konsum verschwendet, anstatt sie wieder zu reinvestieren. Heute ist mein Depot eine Einbahnstraße: Alles was auf das Depotkonto eingezahlt wird oder an Dividenden eingeht steht fortan nur noch für Investitionen zur Verfügung. Eine Rückbuchung auf mein privates Girokonto ist quasi untersagt.
Rat an mein jüngeres Ich: „Lass bloß dein Kapital in Frieden! Einmal investierte Beträge und die daraus resultierenden Erträge dürfen nicht mehr für Konsumzwecke ausgegeben werden. Der Zinseszins-Effekt muss maximal genutzt werden.“

 

 

Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?

Hütet euch vor rein monetären Zielen.
Wenn Ihr nämlich mit vollem Ehrgeiz daran arbeitet, eine bestimmte Einkommenshöhe oder auch Vermögenshöhe zu erreichen, werdet Ihr diese wahrscheinlich schneller erreichen als Ihr denkt. Dieses Spiel könnt Ihr dann einige Male Wiederholen und den Betrag nach oben anpassen. Irgendwann ist hier aber Schluss.
Ich habe aus diesen monetären Zielen eine enorme Energie geschöpft und bin jeden Morgen voller Elan aufgestanden und an meine Arbeit gegangen. Im Jahr 2013 war diese Quelle der Motivation bei mir dann endgültig erschöpft und ich hatte im folgenden Jahr eine extrem schwere Zeit. Ich hatte keinen Antrieb mehr zu Arbeiten und an vielen Tagen keinen Grund mehr morgens aus dem Bett zu steigen.
Das ist jetzt für jemanden der noch nicht in dieser Situation war vermutlich nicht nachvollziehbar. Außer mit meiner Partnerin habe ich daher auch nie mit jemandem darüber gesprochen, aus Angst auf Unverständnis zu stoßen.
Überlegt euch daher gut, woraus Ihr eure Motivation und Lebensenergie zieht. Geld alleine ist zu wenig!

 

 

Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen/erhalten oder noch zu erhöhen?

Ich investiere jeden Monat stur mindestens 50% meiner Einkünfte in mein Wertpapier-Portfolio und tilge fleißig die Immobilienschulden. Bis 2028 möchte ich schuldenfrei sein. Das mag rein mathematisch im aktuellen Zinsumfeld keinen Sinn machen, aber es ist für mich ein weiteres Level der Freiheit und Unabhängigkeit.

 

 

Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?

Ich habe keine bestimmte Vermögenshöhe mehr als Ziel. Ich habe mehr als genug und gehe von einem stetigen Wachstum des Vermögens aus.

 

 

Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deines Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?

Seit 2016 arbeite ich nur noch 10-20 Stunden pro Woche für mein Unternehmen. Ich habe seitdem sehr viel gelesen, viel Neues gelernt und diverse Heimwerkerprojekte umgesetzt.
Zudem gebe ich seit mehreren Jahren ehrenamtlich Nachhilfe in Mathe, Chemie und Physik.
Außerdem verbringe ich viel Zeit mit der Familie. Meine Lebensgefährtin wird nächstes Jahr wieder Arbeiten gehen und ich werde mich dann um den Kleinen kümmern.
Da ich das Interesse an den Naturwissenschaften seit meinem Studium nie verloren habe, habe ich kürzlich ein Physikstudium in Teilzeit begonnen.

 

 

Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?

1. Fokussiere dich am Anfang auf die Erhöhung deines Einkommens und vergrabe dich nicht in irgendwelchen Excel Sheets zur Optimierung deiner Investments.
Man wird nicht vermögend, indem man sich den ganzen Tag auf irgendwelchen Finanz-Blogs rumtreibt, sich mit dem optimalen ETF-Portfolio oder der Suche nach dem günstigsten Depotanbieter beschäftigt. Man überschreitet hier sehr schnell den Grenznutzen, denn das grundlegende Wissen darüber, wie man klug Investiert, hat man sich sehr schnell angeeignet.
Du brauchst ein beachtliches Vermögen um beispielsweise 500 € monatlich an Dividenden zu erhalten, es ist aber ein Leichtes sich 500 € monatlich nebenher dazuzuverdienen. Von daher: Komme ins Handeln und beginne damit dein Einkommen zu erhöhen!
Und denjenigen, die fest der Meinung sind, dass für einen Nebenerwerb ja gar keine Zeit vorhanden ist, kann ich nur raten:
Verkauft euren Fernseher und löscht eure Social Media Accounts samt WhatsApp und Konsorten! Ich habe seit 10 Jahren kein Fernsehen mehr geschaut, hatte noch nie einen Social Media Account und nutze auch keine Messenger Apps. Ich habe trotzdem ein intaktes Sozialleben und bin gut informiert.

 

2. Investiere deine Zeit in die Entwicklung neuer Fähigkeiten!
Je mehr Fähigkeiten du hast, desto mehr Möglichkeiten werden sich dir bieten, um zusätzliches Einkommen zu generieren. Das Lernen von Fähigkeiten geht immer mit Üben einher. Reine Theorie ist in der täglichen Realität ziemlich nutzlos.

 

3. Habe keine Angst vor Fehlern!
Beim Lernen und Ausprobieren neuer Fähigkeiten machst du zwangsläufig Fehler. Fehler sind extrem wichtig und ein integraler Bestandteil des Lernprozesses.

 

4. Frage niemals einen Angestellten ob du dich selbständig machen sollst.
Das gilt genauso wie Ernährungstipps von Übergewichtigen zu ignorieren oder Dir von Pleitegeiern keine Empfehlungen zum Vermögenaufbau geben zu lassen usw…
Allgemein ausgedrückt:
Hole dir grundsätzlich nur Rat bei den Leuten, die das was du erreichen möchtest, nachweislich bereits erreicht haben!
Das kann auch über Bücher, Blogs, Foren etc. geschehen.

 

 

Das war das Interview mit dem Autodidakten

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen und Mühe gemacht hast! In Deinem Interview stecken viele Goldnuggets und ich bin begeistert, wie Du Dich ohne aufzugeben durch die besonders schwere Zeit zu Beginn Deines Unternehmertums gekämpft hast.

Auch bei Deinem Interview kam bei mir der Wunsch hoch, meinem jüngeren Ich diesen Text zu lesen zu geben.

Und das aus dem Grund, um selbst schneller mutiger zu werden, mich dadurch schneller mehr zu trauen und auch mehr „zu unternehmen“.

Und jetzt Ihr

Welche Fragen und Anregungen habt Ihr an den Autodidakten. Schreibt dazu im Kommentarbereich.

Und als (angehender) Millionär schreibst Du dem Maschinisten natürlich sowieso unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und wirst selbst Teilnehmer bei den Millionär Interviews.

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Joerg

Tolle Story, Autodidakt, Danke!

Magst du uns schreiben, warum ihr (noch?) nicht geheiratet habt?
Was haelt dich davon ab, volle Verantwortung zu uebernehmen?
Wie heisst Euer Sohn mit Nachnamen? Wie du oder wie sie?

LG
Joerg

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Der Autodidakt

Hi Joerg,

Warum meinst du, dass ich durch eine Heirat ein Mehr an Verantwortung übernehmen würde?

Man kann fast alle rechtlichen Vorteile, die eine Ehe in Deutschland mit sich bringt auch anderweitig über die jeweiligen Ämter regeln (Anerkennung einer Vaterschaft, gemeinsames Sorgerecht usw..). Und solche Dinge wie (was viele nicht wissen) Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung müssen auch bei Verheirateten gemacht werden. Da ich nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahle, gibt es auch keinen Hinterbliebenenschutz in Form von Witwenrente oder ähnlichem.
Wegen dem Nachnamen der Kinder: In vielen Teilen der Welt ist es ganz normal, dass nicht alle Mitglieder einer Familie den gleichen Nachnamen tragen. Ich kann damit gut leben, dass der Kleine nicht meinen Nachnamen trägt.
Bleibt noch der Steuervorteil: Hierzu verweise ich auf Fehler Nummer 2 im Interview (Keine Investition aus Steuerspargründen).

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Gast
Joerg

Lass dich nicht aergern ;-).

Aber Du hast nicht geschrieben, warum du (noch) nicht geheiratet hast?
Fast jede Frau wuenscht sich das.

Die Argumentationskette, weshalb das sinnvoll sein koennte:
Mensch = soziales Wesen => kulturelle Konventionen => wir gehoeren zusammen, uebernehmen Verantwortung und ZEIGEN das der Aussenwelt mit dem “ueblichen” Vertrag dafuer.

Nun koenntest du dich fragen, warum dir die Aussenwelt (Freunde, Verwandte) egal ist? oder Sohn/Frau es nicht wert/egal sind, sich fuer sie vertraglich zu binden /(im extrem) auf/hinzugeben?
Nur wegen dem jugendlichen Bockig-Sein? Oder schlechte/traumat. Erfahrungen?

Man kann in der Tat vieles auch so Regeln (wie sieht’s aus mit Patientenverfuegung, Vollmachten?), aber wozu so kompliziert? Was steckt wirklich dahinter?

Das schadet nix, das mal zu durchdenken und sich klar zu werden 😉

Wie waere es mit einem gedanklichen Experiment:
“Du sagst deiner Partnerin, dass du sie gerne heiraten willst (romantische Ring-Uebergabe) und stellst dir vor, wie sie wohl reagieren wuerde?”
Vielleicht machst du es dann doch in der Realitaet – aus Liebe?

LG Joerg

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Der Autodidakt

Naja, warum wir nicht heiraten werden, ist schnell beantwortet: Wir lassen uns unsere Lebensgestaltung nicht von gesellschaftlichen Konventionen diktieren und die Institution der Ehe ist eine dieser Konventionen, die einfach keinerlei Bedeutung für uns hat! Sorry 😉

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Andy

“um der Verwandschaft & Gesellschaft Willen” kann keine Begründung sein in unserer Zeit. Tolles Mindset.

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Joerg

Moin Andy, ist das nicht eine Ausrede? Wie alt bist du? Wie lange lebst du schon in einer festen Beziehung?

Der Schwerpunkt bei “Heiraten – oder nicht”, liegt nicht auf der Frage “muss ich mich an Konventionen halten und soll mich die Sicht/Meinung anderer interessieren?”.
Ist dies nicht eine vordergruendige “Ausrede” (frei sein = sich nicht an Konventionen halten)?

Der wahre/tiefere Grund nicht zu Heiraten liegt eher da: “Angst vor Kontrollverlust (eigene Freiheit/Kontrolle aufgeben); Angst/keine Lust volle Verantwortung fuer andere zu uebernehmen”.
Verantwortung uebernehmen gehoert aber zur Liebe und zu jeder tieferen Beziehung untrennbar dazu.

Schau’, bei jeder Geschaeftsbeziehung macht du ja auch Vertraege. Wenn alles so toll klappen wuerde (ohne Vertraege) beim Versprechen unter vier Augen: braeuchte es keine Vertraege. Ein tiefer Blick in die Augen wuerde genuegen …

Got it?

Die angebliche, „unkonventionelle Freiheit“ ist nur zu oft das Feigenblatt fuer mangelnde Uebernahme von Verantwortung / Ablehnung von “Skin in the Game” speziell, wenn dann auch noch Kinder im Spiel sind. Uebrigens fast immer bei (jungen) Maennern ;-).

Freiheit ohne Entscheidung zur Verantwortung fuer Dich selbst UND fuer andere gibt’s nicht, sie ist eine Illusion, die in die Zielverfehlung & Einsamkeit fuehrt.
Ein Versprechen nur unter vier Augen zaehlt weniger als vor dem Clan. Sonst heisst es schnell(er): “Das hab’ ich aber anders gemeint/verstanden, kann mich nicht mehr erinnern … da steht dann Wort gegen Wort”

Keine Frage, Verantwortung zu waehlen, ist schwerer/anstrengender aber auch echter/schoener/erfuellender …
What’s your quest? Also heb‘ deinen bloeden Ring auf und schaff‘ ihn nach Mordor!

Meine Meinung, braucht jetzt hier keine Grundsatzdiskussion zu werden, will nicht von den Finanz-Freiheitsspielchen wegfuehren … 😉

LG Joerg

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Der Autodidakt

Hi Joerg,

das Problem deiner gesamten Argumentation ist, dass sie alleine auf Annahmen und Unterstellungen beruht, die du leider für allgemeingültig hältst. Eventuell trifft das ja alles auf dich und dein Umfeld zu, aber deshalb kannst du doch daraus nicht auf die Lebensumstände anderer schließen.

Ich könnte diese Methode ebenso nutzen. Das würde dann etwa so klingen:
„Scheinbar ist dir das Vertrauen, was sich zwei Menschen entgegen bringen nicht bindend genug. Also brauchst du aus Angst des Verlustes (na, schlechte Erfahrungen gemacht?) einen starken bindenden Vertrag (bis dass der Tod uns Scheidet).“ usw.

Das ist doch albern!

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Gast
Andy

Hi Joerg,

aktuell lebe ich in Asien und sehe auch hier die gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf Religion & althergebrachte Konventionen.

Hier sind es insbesondere die Eltern, die die jungen Leute in alte ihnen bekannte Muster drücken wollen, ohne an das Glück der Kinder zu denken.

Jeder frei denkende Mensche sollte selbst entscheiden, ob & wie er leben möchte. Wenn sich zwei Menschen finden die sich lieben und bspw. gern heiraten möchten – warum auch nicht?

Und wenn sie sich entscheiden bpw. dem Pastafarianismus beizutreten sollte es auch ok sein. Ich habe gerade gelernt, dass diese mittlerweile auch heiraten. ^^

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/fliegendes-spaghettimonster-erstes-legale-heirat-der-spass-kirche-in-neuseeland-14181955.html

LG Andy

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Gast
Sebastian

Alter, geht’s noch?
Ich bin ja immer ein Verteidiger von Etiquette und sachlicher Argumentation – gerade auch online, aber du, Joerg, schießt den Vogel ab.
Es kann dir doch schnurz-piep-egal sein, wer wen heiratet und wer nicht, aus was für Gründen auch immer.
Was falsch an deinen Argumenten ist, hat der Autodidakt dir schon sachlich genug dargelegt, aber eventuell solltest du dir mal überlegen wie anmaßend deine Einmischung in anderer Leute Privatleben ist.

Respekt vorm Autodidakt, wie zurückhaltend er darauf reagiert hat…

Zum Interview: Ich respektiere die Leute hinter solchen Geschichten immer sehr. Ich bin den konventionellen Weg gegangen, habe nie ein Thema gefunden, zu dem ich mir ausreichend großes Wissen aufbauen wollte, um daraus Kapital zu schöpfen und hänge nun an der Sicherheit meines Angestelltenverhältnis mit dem Traum dem irgendwann mal zu entfliehen.
Von daher: Hut ab. Immer sehr inspirierend zu lesen.

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Gast
Joerg

Vom Freiheitskaempfer zum Bettvorleger?

Moin Sebastian,

Lebst du schon in einer Beziehung? Habt ihr ein Kind?

Es ist mir egal, wer heiratet und wer nicht. Ich will die Argumente fuer “warum nicht” besser verstehen.

Meine (bestimmt voellig schiefe?) Wahrnehmung ist, dass junge/juengere Maenner manchmal Schwierigkeiten damit haben, “ganze” Verantwortung fuer ihre Frauen/Familien zu uebernehmen.
Mir scheint “heroische Unabhaengigkeit von gesellschaftlichen Konventionen / wir brauchen das nicht … / wir haben uns, das ist genug” ist nur ein Vorwand.

Warum nicht ehrlich sein? Warum nicht zugeben:
– ich bin mir nicht sicher ob er/sie fuer sehr lange Zeit der/die richtige ist?
– “bis dass der Tod euch scheidet”? das ist viel zu lang … was, wenn sich einer veraendert, alt wird, komisch wird? Besser nicht festlegen, oder?
– naja, fuer unser Kind ist es schon bloed, hoffentlich muss es sich in der Schule nicht zu oft erklaeren …?
– aber wozu binden, wenn es auch so geht? Jetzt wursteln wir mal weiter und schauen wie es laeuft …
– meine Eltern/Verwandte/Freunde hatten einen haesslichen Rosenkrieg; mir passiert das nicht …
– ich bewahre mir meine letztinstanzliche Unabhaengigkeit, bin doch nicht doof …
– ich habe ja keine unmittelbaren Nachteile (Frau vielleicht ein bisschen; und Kind? naja, ist noch klein, wird es hoff. spaeter mal verstehen …)
– usw

Es ging mir darum, herauszuarbeiten, wie man ueberprueft, ob da ein tieferer/unbewusster Grund vorhanden sein koennte (Kontrollverlust, Egoismus, neg./traum. Erfahrungen im Umfeld, etc) und dass man kulturell/gesellschaftlich fast nie individuell entscheidet/entscheiden kann sondern im Kontext mit sozialen Kontakten (Verwandte, Freunde, Kollegen, Bekannte, Clan, etc).
Liebe hat nach einer kurzen Verliebtheitszeit v.a. mit Entscheidung fuer den anderen zu tun. Sicher ist so wieso nix. Unterwegs lernen und besser machen. Verantwortung uebernehmen und nicht wegducken oder durchmogeln, wenn’s muehsam wird. Nach Hilfe fragen, wenn man es alleine nicht schafft. Das ist das Wesen von Freiheitskaempfern.
Deshalb heiraten ueber kurz oder lang auch die meisten. Wenn die Maenner “erwachsen” werden, fragen sie idR irg.wann ihre Partnerinnen 😉

Also, was sind deine pers. Argumente fuer oder gegen Heiraten? Welche Erfahrungen hast Du damit?
Welches sind fuer dich noch Tabu-Fragen, die man niemandem stellen darf?

LG Joerg

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Mitglied
Der Autodidakt

Hi Joerg,

deine zentrale These ist ja, dass man mit einer Eheschließung ein Mehr an Verantwortung übernehmen würde.
Mir ist dieser Zusammenhang immer noch unklar. Eine Ehe ist doch ebenso schnell wieder geschieden, wie sie geschlossen wurde. Ob man Verantwortung (jeglicher Art) übernehmen möchte oder nicht, ist eine reine Entscheidungsfrage, die sich jeder selbst stellen muss.

Ich möchte gerne mal auf deine möglichen Bedenken im Einzelnen eingehen:

– ich bin mir nicht sicher ob er/sie fuer sehr lange Zeit der/die richtige ist?

Wenn ich Zweifel daran hätte, ob ich mit einer Person mein Leben verbringen und teilen möchte, dann würde ich mich eher von demjenigen trennen als mit der Frage zu hadern, ob wir heiraten sollten oder nicht.

– “bis dass der Tod euch scheidet”? das ist viel zu lang … was, wenn sich einer veraendert, alt wird, komisch wird? Besser nicht festlegen, oder?

Ob jemand im Fall der Fälle diese Verantwortung übernimmt, ist alleine eine Frage des Charakters und keine Frage ob verheiratet oder nicht! Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: In sehr naher Verwandtschaft kam es zu einem Pflegefall, der dann nach quälenden Jahren letztendlich zur Scheidung führte. Wie kann das sein? Man hat sich doch vor dem Standesbeamten festgelegt und Verantwortung übernommen…

– naja, fuer unser Kind ist es schon bloed, hoffentlich muss es sich in der Schule nicht zu oft erklaeren …?

Das wäre im Jahr 1970 vielleicht noch so gewesen. Heute muss sich niemand mehr erklären, wenn die Eltern nicht verheiratet oder gar geschieden sind. Das ist heutzutage doch überhaupt kein Thema mehr. Genauso wie heute kein Hahn mehr danach kräht, wenn sich homosexuelle Paare in der Öffentlichkeit küssen.
In meiner nächsten Verwandtschaft haben wir 7 Kinder im Alter von 0-18. Keiner der Eltern ist verheiratet, keines der Kinder trägt den Nachnamen des Vaters und niemand hat damit in irgendeiner Weise jemals schlechte Erfahrungen gemacht oder hat sich erklären müssen. Es ist einfach vollkommen normal.

– aber wozu binden, wenn es auch so geht? Jetzt wursteln wir mal weiter und schauen wie es laeuft …

Als ob eine Ehe ein Patentrezept für eine glückliche Beziehung wäre. Mit „wursteln“ unterstellst du ja, dass eine eheliche Beziehung in irgendeiner Weise überlegen ist.

– meine Eltern/Verwandte/Freunde hatten einen haesslichen Rosenkrieg; mir passiert das nicht …

In der Tat, es sind bestimmt 50% der Ehen in meinem Umfeld und Freundeskreis geschieden. Aber zu einem Rosenkrieg kam es in keinem Fall.
Meine Eltern sind auch geschieden und die Scheidung an sich hat uns Kinder überhaupt nicht belastet, im Gegenteil. Was uns damals belastet hat, waren die ständigen Streitereien meiner Eltern. Die hätten sich aber auch genauso gestritten, wenn sie nicht verheiratet gewesen wären.

– ich bewahre mir meine letztinstanzliche Unabhaengigkeit, bin doch nicht doof

Ich hätte in einer Ehe das gleiche Maß an Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit wie auch jetzt. Die Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit ergibt sich doch aus dem Rahmen, den man für seine Beziehung setzt und die Werte, die für uns in einer Beziehung wichtig sind, ändern sich doch nicht durch einen Gang zum Standesamt.

– ich habe ja keine unmittelbaren Nachteile (Frau vielleicht ein bisschen; und Kind? naja, ist noch klein, wird es hoff. spaeter mal verstehen …)

Welche Nachteile hat denn eine Frau pauschal, wenn sie nicht verheiratet ist? Und wegen der Kinder, siehe oben…

Die Ehe ist doch lediglich eine Idee, die dem gemeinsamen Zusammenleben einen bestimmten festgelegten Rahmen gibt. Wir können aber eine ebenso erfüllende Beziehung nach unseren Vorstellungen führen – daran ändert eine Eheschließung ja nichts.
Nicht falsch verstehen: Jeder soll heiraten, wenn er das gerne möchte, aber uns bietet eine Ehe einfach nichts.

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Joerg

Prima, vielen Dank fuer das Mitteilen. Daumen hoch, Autodidakt.

Mit der Einstellung koenntest du auch heiraten 😉 Waere das nicht einfacher/weniger komplex? Habe immer noch nicht kapiert, warum du (noch) nicht heiraten willst … ich hatte ja versucht moegliche Bedenken “zu erraten” aber deine waren ja offensichtlich nicht dabei?

Was meinst du zum Vertrags-Argument? (Du leihst ja auch nicht ohne Vertrag im Bekanntenkreis Geld? oder laesst ohne Mietvertrag jemand bei dir Wohnen? Fuer jeden Pups schliesst man einen Vertrag ab, weil es Zeit spart, Rechtssicherheit gibt, … ein Workaround ist manchmal moeglich aber kostet halt mehr Aufwand/Zeit/Energie/Geld).

Jetzt wuerde mich noch brennend die Sicht deiner Partnerin interessieren?
Falls sie aber hier nicht mitliest: bitte schreibe Du in 3-5 Jahren ein Update?

Oder lesen hier andere Frauen mit Kind (die noch keinen Antrag bekommen haben) mit? Mich wuerde noch eine betroffene, weibliche Sicht auf die Dinge interessieren (Benachteiligungen Frau/Kind, Erziehung, AV, Erben, Karriere, etc)

LG Joerg

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bilbo

Du bist wirklich intelligent! Bewunderswert!

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Joerg

Danke Bilbo 😉

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Thomas

Hallo,

Eine Anmerkung zum Thema Steuern und Heirat: bei einem Vermögen in deiner Größenordnung ist das Thema Erbschaftsteuer relevant.

Stichworte:

Wer erbt wenn du stirbst?

Deine Lebensgefährtin gilt steuerlich als „dritte Person“. Freibetrag Inder Erbschaftsteuer gerade mal €20.000. Steuersatz mindestens 30%.

Bei Verheirateten deutlich höherer Freibetrag (€400.000) und Steuersatz beginnend bei 7%.

Existiert ein Testament?

Ich rate Dir hier unbedingt zu prüfen wie Deine Situation ist und ob du hier gut aufgestellt bist!

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Thomas

Sorry. Kleiner Fehler. Der Freibetrag für Verheiratete liegt bei €500.000.

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Der Autodidakt

Hi Thomas,

danke für deine Hinweise, weiß ich zu schätzen!

Wir sind uns der Steuersachlage im Erbfall bewusst. Wir haben beide kein Testament, ist aber auch nicht nötig, denn die gesetzliche Erbfolge ist bisweilen in unserem Sinn:
Seitdem wir den Kleinen haben, geht alles auf ihn. Vorher wäre es auf Eltern, Geschwister und deren Kinder aufgeteilt worden.

Meine Lebensgefährtin ist selbst gut aufgestellt, sodass hier keine Absicherung nötig ist. Erst bei weiteren Kindern ist das Thema Testament interessant für uns.
Was für uns viel wichtiger ist, ist die Frage: Was passiert, wenn einer von uns Entscheidungs- bzw. Handlungsunfähig wird (etwa durch Krankheit oder Unfall). Dann kann es nämlich schnell passieren, dass auf einmal vom Amtsgericht ein Betreuer bestellt wird, der fortan (auch über das Vermögen) entscheidet.
Und hier haben wir uns sehr wohl mit gegenseitigen Vorsorgevollmachten ausgestattet.

Und ja, es werden im Erbfall Steuern in nicht unerheblicher Höhe an den Staat fließen. Die Erben werden es überleben, denn es bleibt noch genug übrig 😉

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Thomas
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Christian

Alle Achtung, genau so sollte es sein. Das ist der Perfekte Weg.
Gruß Chris

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Der Autodidakt

Hi Christian,

vielen Dank!

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Son Goku

Wahnsinns Story. Wie hast du denn am ersten Tag im Studentenjob ein Programm schreiben können, dass tausende Dokumente richtig in eine neue Struktur einordnen kann? Gab es dafür so einfache Sortierkriterien? Ansonsten ist das eine sehr komplexe Aufgabe, Respekt.

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Der Autodidakt

Die Dokumente waren in einem riesigen Verzeichnisbaum abgelegt, der einer gewissen Systematik gefolgt ist. Es musste da keine Inhaltsanalyse oder ähnliches gemacht werden. Ich habe das damals mit VBScript auf einem XP Rechner mit Boardmitteln (Editor) zusammengeschustert. Am Ende sind dann ein paar 100 Dokumente durchs Raster gefallen, die wurden dann manuell einsortiert 😉

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Kleinunternehmer

Hallo Autodidakt,
super Story! Kompliment.
Entscheidend war sicherlich der Start zum Unternehmer und das “Durchhalten” bis zum Durchbruch! Bravo!

Mich würden noch einige Themen zum Unternehmen interessieren, vielleicht kannst du ja diesbezüglich noch was verraten.
Hast du die Produkte alleine oder im Team mit Angestellten erstellt?
Da es ja eine passive Einnahmequelle ist, werden die Produkte weiterentwickelt, oder einfach verkauft solange sie noch aktuell sind?
Wie läuft der Support oder Wartung ab?
Die Entscheidung dich von den Kunde der Dienstleistung zu trennen ist sicherlich keine leichte gewesen?
Hast du die Kunden einem “Nachfolger empfohlen” oder warum nicht die Kontakte verkauft oder mittels kleiner Provision(ev. 1-2 Jahre) weitergegeben?

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Der Autodidakt

Hi Kleinunternehmer,

Vielen Dank!

Zu Deinen Fragen:

Ich habe alle Produkte als „Einzelkämpfer“ entwickelt: Von der Idee, zur Konzeption, über die Programmierung, das Design, die Vermarktung bis hin zu den Websites. Da meine Produkte alle in vielen Sprachen übersetzt sind, kaufe ich lediglich die Übersetzungen als Fremdleistung ein. Das läuft dann über Freelancer, die Muttersprachler der jeweiligen Sprache sind.

Einige der Produkte werden aktiv weiterentwickelt mit neuen Features, andere hingegen sind kleine Tools die einfach „Feature Complete“ sind. Hier wird lediglich Wartung betrieben.
Und die allermeisten Produkte (bestimmt 60 %) wurden nach einiger Zeit einfach eingestampft, weil sie entweder keiner wollte oder unrentabel waren;)

2016 habe ich dann phasenweise versucht mit Freelancern zusammenzuarbeiten, die dann auch Programmieraufgaben übernehmen sollten. Das hat aber alles nicht funktioniert. Das lag aber nicht an den Freelancern, sondern eher daran, dass ich extrem schlecht darin bin meine Ideen und Vorstellungen zu kommunizieren 😉 Ich habe meist ein sehr konkretes Bild von dem im Kopf, wie es nachher aussehen und funktionieren soll. Ich wurde dann oft ungeduldig und habe die Sachen am Ende dann doch wieder selbst gemacht. Das hat dann weder mir noch den anderen Jungs verständlicherweise viel Spaß gemacht und daher bin ich seitdem wieder als „Einzelkämpfer“ unterwegs.

Support habe ich schon immer selbst gemacht. Der reine Support beschränkt sich auf 1-2 Stunden pro Woche.

Den Kunden als Kontakt zu verkaufen hätte in diesem Fall nicht funktioniert. Das waren Großkonzerne, die die Projekte dann an Agenturen weitergeben haben.

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Lorem

Danke für deinen Beitrag hier!

Wo siehst du aktuell Chancen, als einzelner Entwickler noch Produkte vermarkten zu können?

Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Was treibt dich noch an, wenn das Geld nicht mehr der zwingende Motivator ist?

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Der Autodidakt

Hi Lorem,

Chancen, um als einzelner Entwickler Software zu vermarkten gibt es eigentlich mehr denn je: Applikationen über eine Website, Windows Store, Mac App Store, iOS App Store oder Google Play Store vertreiben. CMS Plugins (z.B. für WordPress und Co) oder Browser Add-ons verkaufen. Du kannst auch Software Komponenten (SKDs, Libraries) für andere Entwickler anbieten usw.
Die Probleme sind heute eher:

1. Du konkurrierst überall mit großen Firmen und deine Produkte müssen in Funktion und Präsentation da mithalten können. D.h. die Punkte Design und Vermarktung sind extrem wichtig! Deine Sachen müssen professionell in der Darstellung sein. Nun ist es leider so, dass nicht jeder eine künstlerische Ader hat, daher würde es evtl. Sinn machen ein Team mit einem Designer zu bilden.

2. Du brauchst einen soliden Cashflow, sei es aus Dienstleistungen oder einem festen Job, denn die ganzen Sachen müssen beworben werden und das kostet Geld. Und mit „kostet Geld“ meine ich, dass das Geld am Anfang weg ist – bis du irgendwann den Dreh raus hast. Auf der anderen Seite gibt es heute unglaublich viele gute Ressourcen (für kleines Geld oder kostenlos) zum Thema Online-Marketing, die einem viel Lehrgeld ersparen.

Meine Zukunft sehe ich sehr optimistisch: Wir wollen noch weitere Kinder haben und mein Fokus wird sich stark auf diese verlagern. Ich werde weiterhin kreativ sein und neue Dinge erschaffen. Ich werde neues Lernen und bestehende Skills verbessern. Das sind die Dinge, die mir Freude und Zufriedenheit bereiten.

Was mich antreibt ist, anderen Menschen mit dem was ich mache einen Nutzen zu stiften.

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Pascal Weichert

Geil. Du stehst da wo ich ungefähr hinmöchte.
Jedenfalls bist du in vielen bereichen weiter.

Ich würde dich wirklich gerne zum Essen einladen, weil ich davon überzeugt bin, noch vieles von dir lernen zu können. Auch oder grade weil ich herauslese, dass wir ähnliche Gedankengänge haben. Schreib mir am besten einfach per PN. Ich werde mich da komplett nach dir richten, sowohl Zeitlich als auch Örtlich.

Gruß,
Pascal

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Der Autodidakt

Hi Pascal,

ich kann leider keine PN schicken, weil man dazu erst einen Beitrag im Forum geschrieben haben muss. Mir fällt jetzt gerade nichts sinnstiftendes ein, was ich im Forum posten könnte und irgendeinen Bla-Bla-Beitrag möchte ich da jetzt auch nicht reinspammen 🙂
Schick du mir doch kurz ne PN mit deiner Mail Adresse, das sollte ja funktionieren.

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Pascal Weichert

Okay.
Ist erledigt!

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Kaebsele

Eine beeindruckende Story, die mich motiviert!

Hast du uns noch Deine besten drei Bücher / Leseempfehlungen, die du spontan empfehlen würdest?

Beste Grüße

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Der Autodidakt

Hi Kaebsele,

freut mich!
Hier mal drei Bücher, die ich verschlungen habe und uneingeschränkt jedem empfehlen kann:

1) Sapiens: A Brief History of Humankind – Yuval Noah Harari:
https://amzn.to/2Wx0ikK

2) … trotzdem Ja zum Leben sagen – Viktor E. Frankl:
https://amzn.to/32ck7PP

3) Factfulness – Hans Rosling:
https://amzn.to/2WznleN

Das erste heist mit deutschem Titel “Eine kurze Geschichte der Menschheit”:
https://amzn.to/2JDxCkU

Viele Grüße!

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Xavi88

Hallo,

Vielen Dank für den Super Beitrag.

Hast du bestimmte Strategien angewendet um so viel zu lernen und dich zu motivieren ?

Wenn du etwas Neues lernst, wie gehst du vor?

Lg
Xavi

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Der Autodidakt

Hi Xavi,

sehr gute Frage!

Darüber habe ich selbst sehr lange Zeit überhaupt nicht reflektiert. Im Gegenteil, das ist alles immer sehr intuitiv und spielerisch abgelaufen. Erst in den letzten 3-4 Jahren habe ich mich mit dem Prozess wirklich einmal bewusst beschäftigt.
Ich habe da auch keine bestimmte Blaupause der ich folge, wenn ich etwas Neues lernen möchte. Aber es gibt hier einige Muster, die sich immer zu wiederholen scheinen:

– Schnelles Feedback: Wenn ich etwas Neues lerne, dann hat das ja meistens den Grund, dass ich hier irgendeinen Bedarf habe z.B. für irgendein Projekt. Das bedeutet, dass ich auch so schnell wie möglich in die praktische Umsetzung kommen will. Wenn das was ich mir da vorgenommen habe dann funktioniert, dann ist es dieses schnelle positive Feedback was mich motiviert weiterzumachen. D.h. ich setze mich nicht hin und lerne stumpf irgendwelche Theorie nach Lehrbuch, sondern ich suche mir das heraus, was so schnell wie möglich zu einer ersten praktischen Anwendung und somit Feedback führt.

– Mut zur Lücke: Ich lasse oft Dinge einfach weg oder ändere die Reihenfolge. Es ist OK, wenn du dir einfach die Dinge rauspickst, mit denen du am schnellsten Erfolge erzielst!
Konkretes Beispiel: Ich habe im Grundschulalter angefangen Gitarre zu lernen. Das lief in etwa so ab: Mein Vater hat mir die Akkorde A, D und G gezeigt. Mit diesen drei Akkorden habe ich dann wochenlang auf der Gitarre rumgeschrubbelt. Dann habe ich im zuhause ein Buch gefunden, in dem jegliche Akkorde in Tab-Schreibweise dargestellt waren (ein einfaches Schema, das zeigt welcher Finger auf welche Saite, in welchem Bund gelegt werden muss). So habe ich dann alle möglichen anderen Akkorde gelernt und konnte ziemlich bald sehr viele Lieder auf der Gitarre begleiten. Das hat alles Riesenspaß gemacht und abgesehen von den schmerzenden Fingern in den ersten Woche, hat es mir so nie an Motivation gefehlt. Die herkömmliche Herangehensweise wäre wohl gewesen: Kind will Gitarre lernen und besucht den klassischer Gitarrenunterricht: „So, jetzt müssen wir erst mal Noten und Tonleitern lernen. Und mach doch jeden Tag diese 5 Fingerübungen für deine rechte Hand.“ Da hätte ich zumindest ziemlich schnell die Lust verloren.

– Durchhalten: Sobald in mir das Gefühl aufkommt, dass ich etwas nicht schaffen kann, dann passiert bei mir nicht das, was bei sehr vielen Leuten passiert, nämlich zu sagen „Ach, das ist mir doch zu anstrengend… ich mach lieber was anderes“. In mir löst dieses Gefühl irgendwie einen Trigger aus, der mich erst recht anspornt weiterzumachen und nicht aufzugeben. Das ist auch eine Fähigkeit, die über viele Jahre aus der Erfahrung heraus gewachsen ist, dass wenn ich in dem Moment nur dranbleibe, ich es auf jeden Fall schaffen und danach in einem Zustand der absoluten Zufriedenheit sein werde. Es ist mittlerweile sogar so, dass mir diese Momenten signalisieren, dass ich jetzt in der Lernkurve steil nach oben gehe.

– Visualisieren: Ich habe währen des Lernprozesses immer den Zustand vor Augen zu dem ich hinwill. Das spornt mich auch ungemein an.

Und dann ist es halt so, dass die meisten Sachen einfach verdammt viel Zeit und Übung benötigen. D.h. du musst immer realistisch an die Sache herangehen, um nicht demotiviert zu werden. Wenn du dir etwas Großes oder Komplexes vornimmst, dann musst du es in kleine Häppchen zerteilen, eins nach dem anderen abarbeiten und die übrigen Häppchen währenddessen ignorieren.
Die gute Nachricht ist: Je mehr du lernst, desto leichter fällt dir das Lernen!

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Der Autodidakt

Da es sich ja hier um einen Finanzblog handelt, hier noch drei absolut empfehlenswerte Finanzbücher:

1) Des klugen Investors Handbuch – Dr. Markus Elsässer
https://amzn.to/2WDkTnF

2) Stocks for the Long Run – Jeremy J. Siegel
https://amzn.to/329Qz55

3) Steuern steuern – Johann C. Köber
https://amzn.to/2N7n4wu

Buch Nummer 2 gibt es auch auf deutsch mit dem Titel „Aktien für die Ewigkeit“.
https://amzn.to/326L7jr

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joe

hallo autodidakt,

als leitender angestellter bin ich mit ziemlichen sinnlosen sachen beschäftigt und habe bereits ein konzept, welches mir bzw. der ganzen branche computerunterstützt diese arbeiten abnehmen soll. allerdings bin ich planlos was die umsetzung angeht. ich würde mich freuen wenn ich zu deinem kontakt kommen könnte und du mir die gelegenheit gibst kurz darüber zu sprechen.

besten dank im voraus.

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Der Autodidakt

Hi Joe,

sorry, aber da bin ich leider der falsche Ansprechpartner.
Ich habe zwar in den ersten paaren Jahren meiner Selbstständigkeit Dienstleistungen im Bereich Automatisierung rund um MS Office angeboten, aber alles was ich in den letzten 10 Jahren gemacht habe (Dienstleistungen sowie meine Produkte) ist im Bereich Anwendungsentwicklung für den Endkunden.
Irgendwelche Prozessautomatisierung oder Spezial Software für Unternehmen ist absolut nicht meine Baustelle.

Viele Grüße!

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Judge Dredd

Eine wirklich tolle Geschichte! Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für das “Teilen” dieser Story. Man sieht sehr eindrucksvoll, was mit Fleiß und Willen vieles möglich ist.
Wünsche Dir und Deiner Familie für die Zukunft alles Gute und vor allem Gesundheit.

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Der Autodidakt

Hi Judge Dredd,

vielen Dank!

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Highroller

Sehr spannendes Interview.

Danke für den Einblick und herzlichen Glückwunsch zum Erreichten Autodidakt!

Danke für das interessante und hilfreiche Format Maschinist!

Bin auch Selbständiger, der den Weg zum Unternehmer gerade schrittweise ausbaut. Weg vom selbst und ständig hin zum System. Besonders den allerletzten Punkt kann ich da voll und ganz bestätigen.

Oder um es in Bernd Strombergs Worten auszudrücken: “Wenn man wissen will, wie man fliegt, dann fragt man den Adler und nicht den scheiß Pinguin, der selber nicht weiß wie’s geht.”

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Der Autodidakt

Ja, so kann man es natürlich auch ausdrücken 😀

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Armin

Du hast mich mit dieser Aussage voll angesprochen:

„Wenn Ihr nämlich mit vollem Ehrgeiz daran arbeitet, eine bestimmte Einkommenshöhe oder auch Vermögenshöhe zu erreichen, werdet Ihr diese wahrscheinlich schneller erreichen als Ihr denkt. Dieses Spiel könnt Ihr dann einige Male Wiederholen und den Betrag nach oben anpassen. Irgendwann ist hier aber Schluss.
Ich habe aus diesen monetären Zielen eine enorme Energie geschöpft und bin jeden Morgen voller Elan aufgestanden und an meine Arbeit gegangen. Im Jahr 2013 war diese Quelle der Motivation bei mir dann endgültig erschöpft und ich hatte im folgenden Jahr eine extrem schwere Zeit. Ich hatte keinen Antrieb mehr zu Arbeiten und an vielen Tagen keinen Grund mehr morgens aus dem Bett zu steigen.“

Ich befinde mich auf dem Weg zu Deiner beschriebenen Situation.

Ich bin nach wie vor motiviert und habe Elan jedoch merke ich dass dies nachlässt und ich Angst habe genau in diese Situation zu kommen.

Kannst Du mehr verraten wie Du daraus gekommen bist und was Du getan hast diesen Umstand zu ändern?

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Der Autodidakt

Hi Armin,

das war langer Prozess. Im Endeffekt geht es darum irgendwie herauszufinden, was du im Leben wirklich willst. Und „Mehr Geld“ ist auf die Frage „Was will ich wirklich?“ ja keine befriedigende Antwort.

Du könntest dich ja mal hinsetzen und ein paar Fragen versuchen schriftlich (das ist wichtig) für dich selbst zu beantworten. Vielleicht ergibt sich so ein Schritt in die gewünschte Richtung. Zum Beispiel:
– Warum ist/war Geld überhaupt eine Motivation für mich?
– Was erfüllt mich? Woran habe ich Freude? Was lässt mich die Welt um mich herum vergessen?
– Wovor habe ich Angst?
– Was würde ich machen, wenn ich niemals Scheitern könnte?
– Wie würden andere mich beschreiben? Wir würde ich mich selbst beschreiben?
– …

Und dann kannst du das „Warum-Spiel“ spielen und dir auf deine Antworten die Frage „Warum ist das so?“ stellen.

Die Motivation was meine Arbeit angeht ist mittlerweile komplett weg vom Geld:
Mir geht es heute im Wesentlichen darum, sowohl anderen einen Nutzen zu stiften, als auch im kreativen Prozess selbst Zufriedenheit zu finden.
Viele meiner Produkte sind seit einigen Jahren komplett kostenlos erhältlich – ohne Werbung oder sonstige Monetarisierung. Aber alle diese kostenlosen Applikationen enthalten die Möglichkeit eines kostenpflichtigen Upgrades für erweiterte Funktionalität. So stifte ich den maximalen Nutzen und die Upgrade-User halten den Laden am Laufen.

Am Ende muss hier wohl jeder seinen eigenen Weg finden.

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Gast

Die Beschreibung deiner Produkte klingt nach Apps, eventuell wäre eine Verlinkung interessant? 🙂

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Der Autodidakt

Klar, sind da auch mobile Anwendungen dabei.

Wenn ich hier irgendwas verlinke, kann ich auch gleich meinen vollen Namen, samt Adresse posten. Sorry, das wird nicht passieren 😉

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Gast

Ok, das hatte ich nicht bedacht 😀
War bloß neugierig, wie Apps aussehen müssen, um damit reich werden zu können 😉
Ich habe schon öfters gelesen, dass es sich für kleine Apps unterhalb einer bestimmten Nutzeranzahl nicht lohnt, monetarisiert zu werden. Wie siehst du das? Hast du viele verschiedene Apps und erreichst das Einkommen durch die Masse, oder durch einzelne Schwergewichte?

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Andreas

Eine nachvollziehbare Geschichte und Glückwunsch zum Vermögen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dadurch einiges leichter wird. Man kann weniger arbeiten, sich Tätigkeiten teilweise aussuchen und die Lebenshaltungskosten sind trotzdem gedeckt. Ich habe auch kein konkretes Vermögensziel mehr, sondern versuche nur, verantwortungsbewusst mit dem Geld umzugehen und dafür zu sorgen, dass für die Familie gesorgt ist. Ich muss nur gerade zum zweiten Mal feststellen, dass auch ein dickes Depot nicht gegen den Schlafmangel beim zahnenden Kind (auch 6 Monate) hilft. Aber es geht vorbei, immerhin schläft er gerade.

Ich bin selbst verheiratet und halte das auch für einen guten Weg. Aber ich bin sehr zurückhaltend, meinen Weg als Königsweg für alle anderen zu sehen. Eine (zivile) Eheschließung ist am Ende auch nur eine Abänderung der vorher schon bestehenden rechtlichen Verhältnisse zwischen den Ehepartnern, was Erbfolge, Steuern und einige Kleinigkeiten anbetrifft. Romantik gibt es in einer Ehe zwar auch, aber nicht vom Standesbeamten. Wir konnten dadurch unseren Hauskauf so gestalten, dass ich ohne Schekungssteuer die Immobilie zahle und meiner Frau trotzdem die Hälfte gehört, aber das war lange nach der Heirat und wäre auch kein Grund zum Heiraten gewesen.