Millionär Interview 21 – Martin – Rock’n’Roll im Osten

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Teile die Freiheitsmaschine

Die Millionär InterviewsMillionär Interview 21 - Reich werden in Ostdeutschland der Freiheitsmaschine laufen weiter mit Volldampf.

Menschen haben sich mit eigener Anstrengung ein Vermögen erschaffen. Sie haben sich Ziele gesetzt und sie haben sich dabei selbst erlaubt zu träumen.

Und hier bei uns wirst Du dafür nicht schräg angesehen sondern beglückwünscht.

Denn wie immer gibt es für uns alle dabei etwas zu lernen.

Heute schreibt uns Martin. Er hat sich in einer auf den ersten Blick eher strukturschwachen Gegend in relativ kurzer Zeit ein kleines Immobilienreich aufgebaut:

 

  • Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?
Ich bin 38 und meine Partnerin ist 30 Jahre alt. Wir haben uns 2012 kennengelernt.

 

  • Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?
Wir haben zwei Kinder im Alter von 4 und 1 Jahr. Die Kinderplanung ist noch nicht abgeschlossen, da ich immer eine große Familie wollte.

 

  • Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?
Nach mehreren Jahren in direkter Citylage von Leipzig haben wir uns stark verändert und sind ins östliche Thüringen in ein kleines Dorf in Pendeldistanz zu den Wirtschaftspolen Jena, Leipzig und Chemnitz umgezogen. Unser Haus gehört zu einem Gutshof in Familienbesitz, den wir schrittweise sanieren.

 

  • Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?


Ich bin in leitender Position tätig, meine Frau ist in einem Teilzeit-Angestelltenverhältnis. Gemeinsam kommen wir auf ein Haushaltsbruttoeinkommen von 134.000 EUR. Aus Investments in Immobilien und Aktien nehmen wir aktuell ca. 26.000 EUR pro Jahr zusätzlich ein. Ich finde unsere Lebenssituation für unser Alter recht normal, dennoch gehören wir in einer eigentlich ländlich geprägten Region ohne weiteres Zutun zu den absoluten Topverdienern.

 

  • Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?
Wir haben ein Gemeinschaftskonto, von dem die monatlichen Ausgaben für unsere Hausfinanzierung und die allgemeinen Kosten (Kinderbetreuung, Lebensmittel) bestritten werden. Das sind ca. 1.500 EUR im Monat. Darüber hinaus haben wir jeweils eigene Privatkonten, mit denen jeder machen kann was er will.
Meine monatliche Spar- und Investitionsquote der nach Abzug für das Gemeinschaftskonto noch vorhandenen ca. 4.000 EUR Netto liegt bei ca. 75%.
Meine Frau verdient ca. 1.900 EUR netto und ist ebenfalls recht sparsam, ohne direkt das FIRE-Konzept im Sinn zu haben.

 

  • Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?
Summa summarum: 1.170.000 EUR

 

Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)

Ich liste einfach mal auf, was sich da angesammelt hat, denn ich habe mit dem Start ins Berufsleben direkt mit dem Investieren in Sachwerte begonnen, nachdem ich bereits mehrere Jahre recht sparsam und minimalistisch gelebt hatte, aber kein richtiges Investment-Konzept oder eine Philosophie hatte:

 

  • 2 Eigentumswohnungen in Leipzig in semi-hippen Vierteln:
–> Wert 190.000 EUR – 70.000 Euro Kredit = 120.000 EUR
  • Neun Hektar bestes Ackerland, die ich geerbt habe: 155.000 EUR
  • Dreifamilienhaus in nachgefragter ländlicher Lage in Ostthüringen plus einfache zwei Zimmer Eigentumswohnung:
–> Wert: 330.000 EUR – 115.000 EUR Kredit = 215.000 EUR
  • Gutshof mit saniertem Wohnhaus (280qm Wohnfläche), Nebengelassen und zwei sanierten 5-Zimmer-Einliegerwohnungen:
–> Wert: 900.000 EUR – 250.000 EUR Kredit = 650.000 EUR
  • kleines Aktienpaket (wird in Abständen als Eigenkapital für Immobilienzukäufe eingesetzt, daher stark schwankend): 2.000 EUR
  • Vermögen meiner Frau: 20.000 EUR
  • zusätzlich stecken noch ca. 10.000 EUR in diversen Sparplänen, die aber eher weniger intensiv bespart werden, da ich gerne direkte Kontrolle über meine Investments habe.
Erklärungen dazu:
Meine Aktieninvestments (auch solche in Anleihen und ETFs) betrachte ich als schnell liquidierbare Assets. Daher nutze ich diese auch aktiv als Puffer, um langfristige Immobilieninvestitionen zu tätigen. Daher ist der Bestand aktuell so niedrig. Vor Jahresfrist war es mitten in unserer Haussanierungs-Phase immer ein Bestand jenseits der 20.000 EUR.
Dieser Aktienanteil wird derzeit monatlich wieder um 1.000 EUR aufgestockt. Dies bestreite ich aus meinem Nettoeinkommen. Entsprechend höher fällt der Anteil in Monaten mit Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder nach dem Steuerjahresausgleich aus.
Grundsätzlich habe ich als Starthilfe keine meiner aktuellen Vermögensgegenstände nutzen können. Zwar sind auf die einzelnen Investments entsprechend Grundschulden eingetragen, diese wurden jedoch seitens der Banken aufgrund meiner Einkommenssituation gewährt.
Beispielsweise konnte ich das ererbte Ackerland zum Zeitpunkt der Hausfinanzierung nicht als Eigenkapital einsetzen, da es mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht überschrieben war. Alle Finanzierungen haben wir alleine stemmen müssen und konnte stets einen positiven Cash-Flow aus Arbeitseinkommen demonstrieren. Zudem achte ich sehr auf einen positiven Cash-Flow aus allen Investments zu jedem Zeitpunkt. Dieser verbessert auch weiterhin mein Standing bei den Banken. Überdies fand ich es immer einfacher, Fremdkapital zu erhalten, je mehr laufende Finanzierungen ich im Portfolio hatte. Ohne diesen in unserem Falle positiven Track Record wäre der Ausbau des Immobilienportfolios wahrscheinlich nicht gelungen.

 

  • Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?
Ich bin ein klassisches Wendekind und habe sehr gut zu Hause mitbekommen, wie mein Vater sein Handwerksunternehmen durch wirtschaftlich sehr schwierige Phasen führen musste. Daher rührte immer eine Urangst, nicht genug Geld zu haben oder von anderen abhängig zu sein.
Mit 15 habe ich Zeitungen ausgetragen, mit 17 stand ich bei McDonalds und IKEA hinter der Kasse. Von meinen zwei Geschwistern war ich immer der materiellste, ich hatte aber auch immer das meiste Geld. Ich habe mit 18 in Aktien von web.de auf der Höhe des Internet-Hypes investiert weil ein Berater der lokalen Sparkasse meinte, das wäre ein heißes Ding. Die Papiere rauschten umgehend in den Keller. Es war eine Lehre, sich selbst direkt mit seinen Investments und der Substanz zu befassen.
Auch später wurde ich immer wieder in Bankgesprächen von provisionsgetriebenen Beratern zu irgendwelchen Finanzprodukten hingeführt, die ich nicht brauchte oder nicht verstand. Ich habe daher begonnen mich selbst zu belesen und war erstaunt, wie handwerklich und simpel die Regeln des Value Investing sind. Das ist Mathematik und Statistik, keine unkontrollierbare Phantasie!
Das Internet, vor allem im englischsprachigen Teil der Welt ist voll von brauchbaren Anleitungen für Privatinvestoren. Das ist dort auch nötig, da vielfach die Altersversorgung selbst durch Aktieninvestitionen erwirtschaftet werden muss. Auch ist der Kapitalmarkt dort viel besser auf die Bedürfnisse von Altersinvestoren eingerichtet, denke man nur an die monatlichen Dividendenausschüttungen der REITs.
Somit eignete ich mir Wissen an und war fasziniert vom Konzept des passiven Einkommens. Ich habe dann bald zum richtigen Zeitpunkt günstig in Immobilien investiert und einen großen Wertzuwachs realisiert. In Abständen habe ich (zum Leidwesen meiner Frau) günstig dazugekauft.

 

  • Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?
Ein früher Fehler war, sich mit Vertretern von Strukturvertrieben und Banken über meine Altersversorgung zu unterhalten. Aus dieser Zeit rühren noch absolut renditeschwache Finanzprodukte, die am Ende zwar auch in Fonds investieren, deren Fondsmanager und ihre Entscheidungen ich aber weder kenne noch beeinflussen kann.
Zudem trage ich nach mehreren Jahren immer noch die Abschlußkosten für ein Produkt, das ich mit einem entsprechenden Aktien- oder Fondskorb einfach hätte nachbasteln können. Schön doof. Also selbst aktiv werden, selbst direkt investieren. Keine Fonds, außer ETFs, keine Finanzprodukte von Banken und Vertriebsgesellschaften, keine Produkte mit viel Phantasie wie Kryptowährungen, Pennystocks, etc.

 

  • Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?
Selbst Verantwortung übernehmen. Risiko tragen lernen. In der Schule und während der Ausbildung bekommt man nichts über die Funktion des Kapitalmarkts beigebracht. Noch immer stauen Bekannte und Kollegen, dass ich mit Immobilien und Aktien mein Vermögen aufbaue. Sie können nicht zwischen Spekulation und Value Investing unterscheiden, was absolut grundlegend ist. Dieselben beschweren sich dann über zu niedrige Zinsen. Ich rechne den eklatanten Mangel an Finanzbildung in unseren Schulen signifikant dem linken ideologischen Drall unserer Lehrerschaft zu, aber das führt hier zu weit…

 

  • Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen/erhalten oder noch zu erhöhen?
Die Immobilien sind fremdverwaltet, ich investiere aber stetig und wertsteigernd in Ausstattung und den allgemeinen Bauzustand. Ich strebe in jeder Hinsicht geklärte Verhältnisse bei Mietverhältnissen, Abrechnungen und Unterhalt an. Ziel ist eine Immobilie, die quasi auf „Autopilot“ läuft. Da ich voll berufstätig bin, kann ich die Verwaltung nicht selbst stemmen. Zudem kostet die Verwaltung selten mehr als 16-20 EUR pro Einheit, mein persönlicher Stundenlohn liegt da schon mal höher. Spitz im Sinne von „make or buy?“ gerechnet, lohnt sich der Zukauf dieser Dienstleistung.
Zudem monetarisiere ich zielstrebig die bisher nicht genutzten Teile unseres Privatimmobilienbesitzes. Der große Gutshof will gepflegt werden und das kostet. Alle nicht privat genutzten Flächen werden entweder zu Marktpreisen vermietet (Wohnungen) oder zur Bewirtschaftung durch Dritte abgegeben (3000qm Streuobstwiese als Weideland). Dadurch sinken unsere direkten Kosten und wir decken diese durch zusätzliche Einnahmen.
Aktuell kommen wir auf eine Rendite unseres Privatgrundstücks von ca. 4%, was ich schon beachtlich finde da es nicht in erster Linie um Rendite, sondern unseren privaten Lebensbereich geht. Diese Einnahmen aus letztlich landwirtschaftlichen Grundstücken sind aber dennoch eher gering und historisch stabil, aber renditeschwach. Sie werden umgehend in höher rentierende ETFs, REITs oder Unternehmen (vornehmlich Dividenden-Aristokraten aus DEU, EU, USA) investiert. Wir agieren also lokal, um global zu investieren.

 

  • Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?
Zunächst so viel, dass wir unsere monatlichen Ausgaben aus passivem Einkommen decken können. Zunächst geht es um die Rückführung des Verschuldungsgrades. Aber: the sky is the limit. Prinzipiell geht es um die Schaffung eines eigenen Finanzökosystems aus verschiedenen privaten Investments, die eine gute Rendite erwirtschaften.
Die Gold-Liga wäre der Einkommens-Millionär, aber das ist der übernächste Schritt.

 

  • Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deine Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?
Unser Lebensort wird sich nach aller Voraussicht auf lange Zeit nicht ändern. Wir wohnen in einem großzügigen Herrenhaus mit luxuriösen Platzverhältnissen und leben gleichzeitig gut aus dem Garten und von dem was diverse Privatanbieter in der Umgegend Gesundes produzieren. Selbst für unsere Kinder wäre samt deren Familien Platz. Unsere bisherigen Investmententscheidungen ermöglichen uns ein lokales, gutes, sozial eingebundenes Leben.
Ich finde nicht, dass wir in unserer privaten Lebensführung sonderlich sparsam sind. Wir fahren mit den Kindern in den Urlaub, kaufen normal ein. Lokale Einkünfte mehren wir durch die Teilnahme am globalen Kapitalmarkt. So können wir eigentlich Gegensätzliches gewinnbringend verbinden.
Perspektivisch wäre nochmal interessant, das Immobilienvermögen steuermindernd in eine Offshore-Gesellschaft (estnische OÜ, o.ä.) auszulagern. Das ist aber noch unausgegoren, wäre aber ein netter Wachstumsturbo für das Immobilienportfolio.
Zudem wäre bald eine Diversifikation sinnvoll, eine Unternehmensbeteiligung im Technologiebereich wäre hier von größerem Interesse.
Mit anderen Formen wie P2P, Optionen, Edelmetallen kenne ich mich nicht genug aus.

 

  • Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?
Auch die persönlichen Finanzen brauchen Pflege, Führung und Verantwortung. Viele wollen diese nicht übernehmen oder schieben ihr Unvermögen auf äußere Verhältnisse. Schaut Euch bitte die Vorträge des kanadischen Psychologen Jordan Peterson über das Tragen von Verantwortung an. Mehr muss man dazu nicht sagen.

 

Das war das Interview mit Martin.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit dafür genommen und auch meine Rückfragen beantwortet hast.  Und herzlichen Glückwunsch zum bisher erreichten. Eine solche Vermögenssumme vor dem 40.ten Lebensjahr aufgebaut zu haben, ist beeindruckend.

Interessant fand ich auch, dass Du es geschafft hast, Deine selbstgenutzte Immobilie zu einem Cashflow erzeugenden Investment umzubauen.

Und jetzt zu euch. Was würdet Ihr gerne von Martin wissen. Was interessiert euch besonders an seinem Lebensweg.

Feuer frei im Kommentarbereich! Und als (angehender) Millionär schreibst Du natürlich dem Maschinisten unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und wirst selbst Teilnehmer bei den Millionär Interviews.

 

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