Warum P2P-Kredite Blödsinn sind

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Der Maschinist hält sich für einen netten Menschen. Er verbringt gerne Zeit mit seiner Familie, trifft sich gerne mit Freunden und ist als gebürtiger Rheinländer ein großer Verfechter des „Leben und leben lassen“ Prinzips, nachdem jeder nach seiner Fasson glücklich werden soll, so lange er andere Menschen auf Ihrem Lebensweg nicht schadet.

Aber gerade weil das rheinländische Laissez Faire Glaubensbekenntnis nicht nur aus einem, sondern aus zwei Teilsätzen besteht, sieht sich der Maschinist in der Pflicht seinen Finger auf diese bei Finanzbloggern so vieldiskutierte Anlageklasse zu legen und das Kind beim Namen zu nennen.

P2P-Kredite sind Blödsinn!

Sie sind bei aktueller Ausgestaltung ein schlechtes Investment für Anleger und der überwiegende Teil der Geldgeber wird damit längerfristig Geld verlieren.

Und um noch einen Schritt weiter zu gehen: Wer diese Börsen im Jahr 2018 bei aktueller Ausgestaltung im deutschsprachigen Raum immer noch empfiehlt, hat entweder keine Ahnung oder wird von finanziellen Interessen geleitet.

Bevor jetzt alle wieder aufschreien und mich wahlweise der Respektlosigkeit oder gleich der Bloggerschändung beschuldigen, hier das Big Picture.

 

Die Idee hinter diesen monetären Kreditplattformen zum privaten Geldverleih ist eigentlich gut und der Maschinist war davon vor einigen Jahren selbst begeistert.

Aber wie bei anderen Ideen auch, die sich auf den ersten Blick wahnsinnig gut anhören (Wie zum Beispiel Sozialismus oder Kindererziehung ohne Regeln), entpuppt sich auch diese bald als Albtraum.

Im Fall der privaten P2P-Kredite (Peer-to-Peer) war die Idee aus der Überlegung geboren, dass sich bisher rein kommerzielle Unternehmen wie Kreditkartenfirmen und Finanzinstitute diesen so lukrativen Markt über viele Dekaden lang alleine aufteilen konnten. Das ermöglichte diesen Unternehmen Bruttorenditen vergleichbar nur mit dem Aktienmarkt zu erzielen. Aber im Unterschied zu diesem mit viel geringeren Schwankungen.

Deshalb wird man z.B. gerade in den USA mit Kreditkarten- und Konsumkredit Angeboten geradezu bombardiert, nachdem man etwas Kredithistorie in diesem Land aufgebaut hat. Für verantwortungsvolle Nutzer sind Kreditkarten dabei einfach ein nützliches Werkzeug um Dinge zu bezahlen und dabei nützliche Zusatzleistungen zu genießen. Aber für Menschen, die nicht mit Geld umgehen können, sind Kreditkarten und ganz besonders Konsumentenkredite oft der Eintritt in die persönliche Schuldenmaschine, in der man dann statistisch wie ein süchtiger Raucher oft jahrzehntelang ein williger Geldsklave ist und bei dem die eigene Freiheitsmaschine rückwärts läuft.

Kreditgeldgeschäfte nun auch zwischen Privatpersonen zu ermöglichen, ist jetzt erstmal eine gute Idee und zwar für Geldgeber wie auch die Kreditnehmer.

Denn zum einen erhöht man damit theoretisch den Kreditwettbewerb, was zu geringeren Kreditkosten für die Kreditnehmer führen sollte (und damit im besten Fall Menschen langfristig aus Ihren Schuldenturm befreien) und zweitens können nun alle Menschen mit Vermögen erstmals an diesem für die großen Unternehmen so lukrativen Geschäft teilhaben.

Dadurch ist nun erstmals eine zuvor unzugängliche Anlageklasse für alle Vermögensbesitzer verfügbar, die theoretisch neben dem Aktienmarkt als Diversifikation dienen kann.

Das hört sich doch wunderbar an, oder?

Theoretisch schon. Aber wie angedeutet, war auch die ehemalige DDR auf dem Papier ein Traumland und wirtschaftlich hätte Sie die westdeutschen Gebiete mit Ihrem „bösen und menschenverachtenden Kapitalismus“ eigentlich locker hinter sich lassen müssen. Wer arbeitet schon gerne für das „Kapital“, wenn er im Sozialismus direkt für die anderen Menschen etwas schaffen kann…

Wie sich heraus gestellt hat, war auch hier das Ergebnis der guten Idee, ein direkter Weg in die Hölle!

Denn was wie so oft dazwischen kommt, ist die Natur des Menschen.

Genau wie sich im Sozialismus nach einiger Zeit fast niemand mehr besonders anstrengt, wenn er nicht selbst zumindest einen Teil seiner Leistung selbst behalten darf, so funktionieren auch die P2P Kreditbörsen bei aktueller Auslegung längerfristig nur auf dem Papier und am Ende werden die Rechnung diejenigen begleichen müssen, die sich finanziell auf der Habenseite darauf eingelassen haben. — > Die Kreditgeber.

Aber warum ist das so?

Das Problem ist die Motivation der drei Parteien in diesem Geschäft. Es gibt neben den offensichtlichen Kreditnehmern und Dir als Kreditgeber als Dritte Partei die Tauschplattformen. Und diese sind, entgegen der nach einer gegenseitig einstehenden Dorfgemeinschaft klingenden P2P Idee, ein rein gewinnorientiertes Unternehmen.

Welches Eigeninteresse haben diese drei Parteien?

Nun in Deinem Fall ist das recht einfach. Du willst eine möglichst hohe und konstante Rendite aus Deinen Investments und natürlich auch Dein eingesetztes Geld zurück erhalten.

Bei den Kreditnehmern ist das schon interessanter. Natürlich wollen die Kreditnehmer möglichst geringe Zinszahlungen leisten aber im Gegensatz zum Kreditgeber sind Sie in einer völlig anderen Situation. Sie zeigen mit Ihrer Verschuldung, dass Sie zumindest bisher mehr Geld ausgegeben haben als Sie einnehmen. Und da P2P Kredite zu fast 100% Konsumkredite sind, steht diesen Krediten oft kein echter Gegenwert gegenüber. Dieses bisher gezeigte Verhalten des Überkonsums ist auch interessant für eine andere Statistik. Wie hoch ist der Wille, diese Schulden zu bedienen?

Bei einem Menschen mit selbsterschaffenem Vermögen ist die Antwort einfach. Natürlich würden Sie Ihre Verpflichtungen erfüllen und als Vertrag reicht normalerweise ein Handschlag. Man kann sich auf diese Menschen verlassen, denn Sie zeigen durch Ihren verantwortungsvollen Umgang mit Geld in unserem marktwirtschaftlichen System meistens ein verlässliches Verhalten.

Bei einem durchschnittlichen Konsumkreditschuldner sieht das völlig anders aus. Diese Menschen zahlen Ihre Schulden oft nur, weil Sie etwas dazu zwingt. Sie haben sich gleichzeitig aber finanziell nur sehr wenig im Griff, andernfalls hätten Sie kein negatives Vermögen und was noch schlimmer ist, Sie haben dieses geliehene Geld nur in den Konsum gesteckt.

Die großen Konsumkreditunternehmen kennen das alles.

Sie wissen, wie wenig Sie dem durchschnittlichen Kreditkarten- und Konsumkreditschuldner trauen können. Sie haben deshalb über die Dekaden ein sehr ausgefeiltes Schuldeneintreibesystem entwickelt, bei dem der zahlungssäumige Konsumkreditschuldner mit fast täglichen Anrufen und Briefen zur Zahlung bewegt werden soll und meistens auch wird. Diese permanente unangenehme Konfrontation ist für die Kreditnehmer mit nur wenig ausgeprägter Impulskontrolle gegenüber sich selbst, die wirksamste und oft einzige Möglichkeit Sie zur Bedienung Ihrer Kredite zu bewegen.

Wenn für diese Menschen ein Handschlag oder ein Ehrenwort zählen würde, hätten Sie sich meistens gar nicht auf den Schuldenjunkie-Weg begeben, bei dem diese Menschen Ihr eigenes zukünftiges Ich betrügen.

Kannst Du einem Menschen vertrauen, der sein eigenes zukünftiges Ich betrügt? Natürlich nicht, muss Deine Antwort lauten. Aber dafür gibt es doch als dritte Partei die P2P Kreditbörsen oder?

Dann lass uns mal schauen, wie deren finanzielle Motivation aufgebaut ist:

Die P2P Kreditbörsen sind selbst nicht haftbare Unternehmen (GmbH Struktur, LLC  oder Limited je nach Geltungsraum). Sie verdienen Ihr Geld mit Gebühren, die Sie auf die Kreditzahlungen der Kreditnehmer aufschlagen. Um das zu tun, brauchen Sie als allererstes Geld, dass Sie im Gegensatz zu den echten Kreditkarten- und Konsumkreditfirmen aber selbst nicht haben oder nicht bereitstellen wollen 😉 .

Deshalb brauchen Sie Dich.

Um Dich dazu zu bewegen, Dein Geld an die Kreditnehmer zu verleihen, lassen Sie sich einiges einfallen. Neben normaler Werbung mit dem Versprechen hoher Zinsen, wurden dazu auch Affiliate Modelle aufgebaut, bei dem Meinungsbildner im Internet immer dann eine finanzielle Entlohnung erhalten, wenn ein neuer Kreditgeber über diese Plattform kommend sein Geld für diese P2P Kredite gibt.

Bei einigen Anbietern erhält ein Affiliate für jede Registrierung eines neuen Kreditgebers auf der Plattform einige Euro und wenn der Kreditgeber dann Geld investiert, erhält der Affiliate noch einmal 1% der gesamten investierten Summe. Der Kreditgeber „erhält“ dieses eine Prozent auch. Aber im Gegensatz zum Affiliate bezahlt er das Geld natürlich im Endeffekt selbst, da Sie von den laufenden Zinszahlungen der Kreditnehmer stammen. Das heißt ohne diese prozentualen Entlohnungen hätte der Kreditgeber natürlich einen höheren Zinssatz für sich selbst.

Wie sieht es denn jetzt mit der Motivation der P2P Kreditbörsen aus, Dein einmal investiertes Geld im Fall des Zahlungsverzuges mit aller Macht einzutreiben?

Bei den großen Kreditkartenunternehmen ist die Sache klar. Das verliehene Geld kommt von Ihnen selbst. Sie setzen im Fall des Zahlungsausfalls Himmel und Hölle in Bewegung um den Schuldner zur Zahlung zu bewegen. Ein Gefängnisaufenthalt ist wahrscheinlich nichts gegenüber der Situation als ein Schuldner in einer solchen Lage zu sein.

Bei den P2P Börsen wo Du Dein Geld investieren sollst, ist die Situation anders. Diese Unternehmen leben zwar auch von den Zinsflüssen zwischen Dir und dem Schuldner aber im Gegenzug zu den echten Konsumkreditunternehmen tut Ihnen das verlorene Geld im Zahlungsausfall nicht weh.

Das ist vergleichbar mit meinen so gern herangezogenen Zigarettenherstellern. Es geht den Unternehmen darum, die Menschen zu Rauchern zu machen. Wenn Sie einmal süchtig sind, läuft der Laden wie von selbst und wenn ein Mensch dann statistisch ca. 10 Jahre früher als ein Nichtraucher stirbt und am Ende zusätzlich sehr hohe Gesundheitskosten verursacht, wird das mit einem relativen Schulterzucken hingenommen. Nicht so gut, als wenn der süchtige Mensch noch zehn weitere Jahre Zigaretten gekauft hätte aber auch kein großer Verlust, so lange neue Raucher rekrutiert werden können…

Wenn das Zigarettenbusiness dagegen wie das Kreditgeschäft der großen Anbieter aufgebaut wäre, sähe die Sache ganz anders aus. Wenn in jeder Schachtel Zigaretten gleichzeitig ein hoher fünfstelliger Eurobetrag enthalten wäre, den die Zigarettenhersteller nur zurück erhalten, wenn der Raucher bei der letzten Zigarette noch lebt, würden Sie sich viel mehr Gedanken darüber machen, die Lebenserwartung eines Rauchers möglichst stark zu erhöhen und zweitens älteren Rauchern nach einem Check überhaupt keine Zigaretten mehr zu verkaufen. Halt genauso, wie es Finanzinstitute auch tun, bevor Sie Geld verleihen.

Bei dem Geschäftsmodell der privaten P2P Kredite ist das aber alles kein Thema. Es gibt die Motivation eines möglichen Einlageverlustes für die P2P Börsen nicht und deshalb verhalten sich diese Anbieter auch wie Zigarettenhersteller. Ein ausgefallener Kredit (ein toter Raucher) ist unschön aber kein Beinbruch so lange neue Kreditgeber „rekrutiert“ werden können und Diese dabei möglichst lange über das wirkliche Risiko des Geldverleihs (des Rauchens) im Unklaren gelassen werden können.

Nassim Thaleb beschreibt dieses Phänomen in seinem wunderbaren Buch Antifragilität mit dem Prinzip des „Skin in the game“, nachdem Systeme wunderbar dauerhaft funktionieren, solange der Systembetreiber selbst etwas bei einem möglichen Scheitern des Systems zu verlieren hat. Wenn das nicht der Fall ist, passieren langfristig irgendwann völlig unerwartete Dinge, da Risiken falsch eingeschätzt werden, weil Sie von den Systembetreibern ohne “Skin in the game” nicht nur verheimlicht, sondern sogar aktiv verschleiert werden.

Und was ist jetzt mit Kreditausfallgarantien, wie Ihn einige P2P Börsen anbieten?

Diese sind ein gutes Beispiel dafür, das langfristige Risiko für den Kreditgeber möglichst lange zu verschleiern. So lange die Wirtschaft wie jetzt gut läuft, kann die P2P Börse das Angebot einlösen und damit Vertrauen erzeugen.

In einer Rezession, wenn die Ausfallhöhe dann den Cashflow für das Unternehmen überschreitet, sieht es sehr wahrscheinlich anders aus. Diese Anbieter sind wie beschrieben Unternehmen mit Haftungsausschluss. Aktuell haben Sie einen schönen Cashflow und davon leben die Besitzer und Teilhaber dieser Unternehmen. Im Krisenfall kann das Unternehmen dann einfach haftungsfrei geschlossen werden. Der dann schon aus dem Unternehmen gezogene Cashflow ist geschützt und für den Kreditgeber bleibt nichts übrig, außer dem Versprechen der Konsumschuldenjunkies Ihren Kredit zu bezahlen. Wie es dann um dessen weiteren Zahlungswillen ganz ohne fehlende Aufsicht bestellt ist, kann sich jeder ausmalen…

Aber selbst jetzt im Jahr 2018 mit unglaublich starkem weltweitem Aufschwung, sinken die Rendite der P2P Börsen immer weiter ab und Sie sind oft sogar schon auf Jahressicht negativ.

Wie kann das sein, fragst Du Dich.

Nun einerseits haben die P2P Anbieter über die Jahre gelernt Ihr Geschäftsmodell zu „optimieren“. Das heißt, bei der Kreditvergabe immer weniger hinzuschauen. Mit unserem Rauchergleichnis gesprochen, werden mittlerweile auch Lungenkrebskranke dazu animiert, doch bitte mit dem Rauchen zu beginnen. So gibt es zumindest einige Monate lang einen Cashflow für die Börsen bevor die Kreditgeber dann dumm aus der Wäsche schauen. Zweitens haben auch die Schuldner mittlerweile gelernt, dass sie bei P2P deutlich weniger gequält werden, wenn Sie in den Zahlungsausfall rutschen als bei echten Kreditunternehmen. Die Versuchung dann den Kredit nicht mehr zu bedienen ist bei dieser Klientel dadurch deutlich gestiegen.

Das System ist also selbstlernend und wie immer funktionieren diese Dinge im Kapitalismus nach dem Prinzip der finanziellen Entlohnung im Verhältnis zum möglichen Verlust.

Als Ergebnis kann man Geldgebern bei aktueller Ausgestaltung nur davor abraten, Geld in P2P Börsen zu investieren.

Ich würde darum einen großen Bogen machen, bis das Businessmodell nach der nächsten Rezession und dem unvermeidbaren Bankrott einiger dieser Anbieter deutlich in Richtung der Geldgeber verbessert wurde.

Bis dahin gibt es weiterhin eine einfache Empfehlung für Dein Geld. Es ist dieselbe wie schon in den letzten zweihundert Jahren. Die größte Wohlstandsmaschine aller Zeiten. Der Aktienmarkt!

Investiere in passive Aktien ETF oder andere Dinge, denen echte Werte gegenüber stehen und werde wohlhabend und frei.

 

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Annabella

Hallo Maschinist,

bei Bitcoin habe ich exakt 3 Tage überlegt und es dann verworfen, ich bin dafür nicht gemacht,
bei P2P habe ich noch nie eine Sekunde dran verschwendet, das kommt für mich nicht in Frage,
ich bleibe bei Aktien, einen Buchverlust bei einer Einzelaktie das halte ich ganz gut aus, ich kann aufstocken wie vor Kurzem bei BAT, bei P2P Verlusten hingegen würde ich Gift und Galle spucken, und den säumigen Schuldnern die Pest an den Hals wünschen,
ne, das tue ich mir nicht an 🙂

ob jetzt Blogger mit dem Kram Geld verdienen ist mir schlussendlich völlig egal, sie nehmen mir nix weg, muss Jeder selber entscheiden ob er sich darauf einlässt oder nicht, aber wiegesagt, an P2P verschwende ich meine Zeit nicht.

Die Sonne scheint, ich gehe besser Laufen,
Liebe Grüsse

Gast

Danke für die Darstellung. Stimme dir im wesentlichen zu und würde auch kein Geld in P2P stecken.

Interessant und wichtig ist die Frage “wer will was von wem?” Da sollte den meisten schon klar werden, wo der Hase lang läuft… Ich finde die angepriesenen 5-10% Zinsen für einen Kredit jetzt auch nicht besonders attraktiv, wenn man ähnliche Renditen passiv am Aktienmarkt erreichen kann…

Gast

Lieber Maschinist,
Vielen Dank für Deinen Artikel, der sich wie so oft durch eine ganz klare Meinung auszeichnet.
Ich habe selbst (weniger als 1% meines Vermögens) in p2p Kredite investiert. Bisher wurde ich von mehreren Plattformen enttäuscht, konkret Lendico, Viventor und Bondora. Einzig mit meinem Investment auf der Plattform Mintos bin ich seit ca. 2 Jahren zufrieden.
Die von Dir genannten Punkte sind wohl zum Teil valide, einige Punkte sind aber klar überspitzt. Z.B. handelt es sich auch um besicherte Kredite (Car Loans, Hypotheken als Sicherheit). Die Vorkehrungen der Kreditvermittler (nicht der Plattform übrigens!!) nämlich Rückkaufgarantien zu geben bzw. einen Teil des Kredits auf dem eigenen Buch zu behalten, sind mE ein richtiger Schritt um Vertrauen zu schaffen. Gleichzeitig können diese Schritte natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Garantien von der Bonität des Kreditvermittlers abhängig sind.
Lange Rede kurzer Sinn – ich bin davon überzeugt, dass der nächste Wirtschaftszyklus zeigen wird, wie robust das p2p Modell ist. Die oft versprochenen Renditen von >10% werden dann im Verhältnis zu den Kreditausfällen stehen und entsprechend niedrigere reale Renditen zeigen – dies halte ich auch für realistisch und ist das Ziel meiner eigenen Investments in p2p Kredite.
Zudem wollte ich noch auf folgenden Artikel zum Thema hinweisen: https://meinefinanziellefreiheit.com/2017/03/23/p2p-passive-einkommensquelle/
Viele Grüße
MFF

Gast

Hallo Maschinist,

vielen Dank für die großartige Darstellung des Themas.
Das sind auch alles Gründe, warum ich mich nicht auf diese Investments einlassen möchte. Zusätzlich sind mit den verschiedenen P2P-Plattformen auch noch Opportunitätskosten wegen der zusätzlich verlangten Zeit für die Investition zu berücksichtigen.

Ich vergleiche das Thema gerne mit einem Selbstmörder, der sich vom Wolkenkratzer. Auf Höhe des fünften Stocks sagt er zu sich:

“Das springen ist doch gar nicht so gefährlich. Mir geht es doch schließlich gut.”

Ähnlich argumentativ fundiert sind von den meisten P2P-Anhänger die Aussagen:

“Ja P2P ist schon risikoreicher als der Aktienmarkt. Dafür habe ich ja auch immer Renditen über 10%.”

Da muss es nur eine Krise geben und schon sind die Gewinne der letzten 5 Jahre weg. Wenn Unternehmen pleitegehen, Staaten in Schieflage geraten, dann werden erst recht Konsumschhuldner noch stärker von der Krise betroffen sein. Ich bezweifle sehr stark, dass es dann noch positive Renditen gibt.

Schöne Grüße
Dominik

Gast

Schöner Beitrag. P2P ist so ein Fall von zu schön um wahr zu sein. Über 10% Zins & Rückkaufgarantie… Da kann was nicht stimmen. Die Frage ist nur, wann es offensichtlich wird.

Gast
Mezuki

Als ich auf den Artikel klickte, leuchtete mir als erstes die Smava-Werbung entgegen, die mir einen Kredit mit Negativzins anbieten wollen… was für eine Ironie.^^

Zum Thema:
Ich habe ein P2P-Investment bei Mintos mit einem maginalen Betrag (>1%), einfach um es mal auszuprobieren. Bisher bin ich mir auch nicht sicher, ob es sich dabei nicht doch in ein gut getarntes Schneeballsystem handelt, aber bisher wirft es brav jedes Quartal seine 10 Euro ab, die ich auch herausziehe… Ich bin gespannt, ob es so bleibt oder ob es irgendwann weg ist, aber vll habe ich bis dahin auch mehr Geld als investiert generiert. (:

Gast

Sehr gut geschriebener Artikel!!

Demnach müssten man jetzt dann eigentlich als Kreditnehmer auf der Matte stehen 😉
Die Zinsen sind dafür aber auch noch zu hoch meiner Meinung nach.

Ich lasse da ohnehin die Finger davon, war von diesen Investments noch nie so richtig überzeugt.
Habe mir wie gesagt schon öfter überlegt als Kreditnehmer zu fungieren, aber auch das überzeugt mich dann nicht so, wenn ich bei der Bank momentan günstigere Zinsen bekomme.

mfG Chri

Gast

Schöner Bericht muss ich bei den P2P Risiken http://p2p-game.com/p2p verlinken – auch wenn es natürlich noch Geschäfts und Immofinanzierungen gibt die ein wenig anders gelagert sind aber im Grundtenor stimme ich dir zu.
Mich fasziniert das ganze als großes Spiel das mich eben von der eigentlichen klassichen ETF Anlage ablenkt und dafür sorgt das ich meinen Spieltrieb ausleben kann 😉
Noch kommt dabei auch noch “etwas” rum sofern ich nicht massiv drauf zahle hat es (bisher) wenigstens Spass gemacht, aber klar sobald ein Anbahner mit Buyback (sei es RoboCash oder einer der Mintos Vasallen) ausfällt wurde mir der Spass auch schnell vergehen….

Gast
Oliver

Ich habe früher in einer Bank eine Ausbildung gemacht und gesehen, was bei der Kreditvergabe so alles abgeht. Ein Jahr war ich in einer Filiale mit den durchschnittlich schlechtesten Kunden einer Filiale der Bank. Wenn man es live miterlebt, weiß man, warum Banken so streng sind und hohe Zinsen verlangen. Es gibt einen Anteil der Bevölkerung, die entweder mit Finanzen völlig überfordert sind oder denen es schlichtweg egal ist, was passiert. Leider auch viele junge Leute, aber bei denen war es fast immer mangelndes Wissen. Von daher wurden damals noch viele Anträge abgelehnt. Heute ist das durch das automatische Scoring, welches häufig nicht die Situation des Kreditnehmers richtig abbildet, weitestgehend automatisiert und viele Sperrmechanismen greifen nicht mehr. Dir greifen erst, wenn es für den Schuldner zu spät ist und er nicht mehr viel machen kann. Äußerst unschön, das alles.

Ich habe mir die P2P-Börsen natürlich auch mal angeschaut und mich bei einer angemeldet. Ich habe mir dann die Angebote angeschaut und mir gedacht: Wie will ich denn aufgrund der mageren Infos einschätzen, ob das ein guter oder schlechter Schuldner ist? Sicher locken die Prozente, aber eigentlich ist das Risiko ggü. anderen Anlagen wesentlich größer. Aufgrund der Infos würde ich kleine Summen zu 30% Zinsen vielleicht anbieten, aber das ist sittenwidrig (zu Recht) und eigentlich würde ich mich selbst damit nicht wohlfühlen. Ein nicht mehr zurückgezahlter Kredit ist so teuer, dass ich damit viele andere gutlaufende benötige. Deshalb ist es bei der Anmeldung geblieben.

Wie Du richtig schreibst, sind da viel zu viele Showstopper, als dass man es in seinem Portfolio aufnehmen sollte. Dann schon lieber die Unterstützung der Startup-Unternehmen auf den einschlägigen Seiten. Da ist das Geld zumeist auch weg, aber man bekommt meistens eine Kompensation in Form von Naturalien an Dingen, die man interessant findet oder einfach gerne mag. P2P ist in der Theorie eine durchschnittliche Idee, in der Ausübung allerdings unbrauchbar. Selbst wenn es ein paar gibt, die davon profitieren. Aber die gibt’s im Lotto auch: Einfach nur die 6 mit Zusatzzahl tippen. Alles richtig gemacht.

Gast
max

Warum P2P-Kredite Kein Blödsinn sind”und dieser Artikel Blösinn ist
hier wird meist über paydayloans und plattformen ohne skin of the game behauptet-ist schlichtweg falsch-die meisten kredite sind auto imo und konsomumentenkredite etc -so wie es bei banken seit hunderten gibt—das eigentliche risiko ist die plattform selbst das ist richtig(fals sie mist baut)
kleine info p2p gibt es schon seit über 10 jahren siehe UK
und den blödsinn aktien und etfs in diesem marktsituaution zu empfhelen -grob farhlässig
es hängt wie immer davon ab WIE man investiert ist und WO—-denn ausfälle und kriesen wird es immer irgendwo geben ab aktien p2p etc

Gast
Rosi

Vielen Dank für den Beitrag. Ich denke jedoch, dass es zu kurz gedacht erscheint, den P2P-Plattformen jegliche Motivation zur Befriedigung der Kreditgeber abzusprechen.
Sollten diese eine nachhaltige Geschäftsphilosophie verfolgen, müssen sie sich un ihre Kreditgeber kümmern.

Denn (anders als bei Rauchern) ist die “Sucht” der Geldgeber nicht das ‘Rauchen” (also das finanzieren der Projekte) sondern die daraus resultierende Rendite.

Stellt sich also heraus, dass eine Plattform kein ordentliches Forderungsmanagement betreibt, spricht sich das schnell rum und die “Süchtigen” suchen sich andere Rendite-Drogen.

Dann kollabieren die Plattformen schnell und sind weg vom Fenster. Der größte deutsche Betreiber zumindest scheint das zu wissen und kümmert sich ähnlich wie eine Bank um die Beitreibung des Geldes ihrer Kreditgeber.

Gast
Fredrick Damian

(Geloescht wegen illegalem Angebot)

Gast
Julian

Ich finde den Artikel und die Kommenture für mich sehr interessant und informativ.
Bisher habe ich mich mit dem Thema P2P Kredite noch gar nicht beschäftigt.

Mir wird durch das Lesen und das Nachdenken darüber klar, warum ich dort nicht investieren möchte. Bei aller Offenheit für neue technologischen Prozesse.

Ich könnte mich vielleicht noch dafür erwärmen, wenn das Geld in Investitionen fließen würde die in der Zukunft für den Kreditnehmer einen Ertrag bringen würden. Er kauft davon Maschinen oder investiert in seine Bildung.

Das Geld scheint jedoch zu einem Großteil an Kreditnehmer zu gehen, die damit ihren Konsum finanzieren den sie sich eigentlich nicht leisten können.
Aus meiner Sicht sind das Menschen die A) Nicht rechnen können und B) Disziplinlos sind und sich selbst nicht im Griff haben
C) Unsicherere Zukunftsaussichten haben
Alles zusammen ergibt einen Cocktail der für den Kreditgeber ein hohes Risiko bedeutet. Zudem ist es ein Verhalten welches ich selbst bei mir zu vermeiden versuche und dementsprechend bei anderen nicht mit meinem Geld unterstützen möchte.

Wenn ich Geld für Zukunftinvestitionen bereitstellen und an den Erträgen teilhaben möchte, tue ich das lieber indem ich in Aktien/ETFs investiere.
Wenn ich in P2P Kredite investieren würde, würde mir das Geld dort fehlen.

Gast
Tim

Finde den Beitrag etwas dünn muss ich ehrlich sagen.

Natürlich ist P2P-Lending mit großen Risiken verbunden und wer meint, dass die Rückkaufgarantie immer und überall hält, sollte das nicht machen. Ich habe ca. 20% meines Vermögens in P2P-Lending und habe das beispielsweise bei Mintos auf 15 verschiedene Darlehensanbahner verteilt. Die letzten 2 Jahre habe ich damit mehr als 14% Zinsen p.a. gemacht und nur durch die Eurocent-Pleite ein paar Euros verloren. Das das nicht ewig so weitergeht, ist mir natürlich klar, allerdings sollte man ein Rezessions-Szenario auch mit den Alternativen vergleichen. Würde mein Portfolio nur aus Aktien und ETFs bestehen (derzeit 50%), hätte ich 2008/2009 einen Verlust auf diese Jahre gerechnet von 40% gehabt. Natürlich ist das danach wieder nach oben gegangen, aber nur diese beiden Jahre betrachtet, waren Aktien eine richtig miese Investition. Gehen wir davon aus, dass auch P2P-Investments in solch einem Szenario richtig bluten. Bei 15 Darlehensgeber müssten 6-7 insolvent gehen und die darunterliegenden Kredite zu 100% ausfallen um die gleiche Performance zu “erreichen” wie Aktien. Nach der Rezession geht es dann wieder mit 10-14% p.a. nach oben.

Ich möchte hier Aktien auf keinen Fall schlecht reden, besitze selbst genug davon. Aber P2P-Kredite zu verteufeln wegen einem (natürlich existenten) Risiko in einer Rezession und gleichzeitig Aktien nahe historischen Höchstständen zu empfehlen, macht für mich keinen Sinn. In guten Zeiten machen P2P-Kredite 1,5-2x so viel Rendite wie Aktien und in schlechten Zeiten glaube ich nicht, dass die komplette Junk-Kredit-Welt zusammenbricht. Das ist selbst mit LendingClub in den USA nicht passiert und auch die Erfahrungen in UK zur Finanzkrise zeigen, dass es zwar richtig auf die Mütze gab, wir allerdings nicht über einen Totalverlust sprechen.

Gast
Finanzwesir

Hallo Maschinist,
das P2P-Geschäftsmodell beruht meiner Meinung nach auf der Ausbeutung eines bestimmten Typs Mensch:
Der Kreditnehmer muss dumm genug sein, um einen Konsumentenkredit aufzunehmen und anständig genug, um ihn auch zu bezahlen. D.h. das, was man als “gute Kinderstube” bezeichnet.
Diese Ressource gilt es auszubeuten. Die Frage ist doch: Wie viele Menschen gibt es davon und wie viele kann ich davon auf meine Plattform lotsen?
Mittlerweile balgen sich dutzende von P2P-Plattformen um diese endliche Ressource.
Wenn alle P2P-Plattformen wachsen wollen, dann müssen sie – wie Du es schreibst und wie wir es vom US-Immomarkt 2007 kennen – auch schlechtere Kunden akzeptieren.

Deshalb bin ich skeptisch, was diese Anlageklasse angeht. Irgendwann wird einer diese Kredite bündeln, verbriefen und verkaufen und dann sind wir wieder bei den CDOs aus “The big short” 😉

Gruß
Finanzwesir

Gast

So ich nochmal
Das P2P nicht gleich Konsumentenkredite sind wurde ja schon mehrfach angesprochen und gerade die anderen Klassen (Business & Immos) sind interessant – vor allem da hier auch die Ausfallraten und Zahlungsmoral deutlich höher ist (ebenso wie die Kreitsummen da lohnt sich ein Inkasso mehr):
Ich habe die Tage einen etwas längeren Artikel zur Ausfallrate und Eintrittswahrscheinlichkeit von P2P Kreditausfällen erarbeitet – mit dem Ziel dafür eine Renditeprognose zu erstellen: http://p2p-game.com/warum-ein-kleines-portfolio-scheitern-wird-oder-der-einfluss-der-diversifikation-auf-die-rendite
Fazit – wenn sich die Rendite lohnen soll dann mit vielen Projekten/Krediten alles andere wird schnell zum “Verlust” Risiko – also mit ganz kleinem Geld ist das nichts – ein paar Tausend Euro müssen schon sein…