Millionär Interview 33 – Andreas mit Unternehmens-Exit zum U40 Multimillionär

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Wie werde ich Millionär Interview UnternehmensexitWie werde ich Millionär? Diese Frage stellen sich viele Menschen.

Und einige davon machen sich dann auch wirklich auf den Weg und bauen sich mit Mut und viel Fleiß über die Zeit ein eigenes Vermögen auf.

Um anderen Menschen Anregungen, Mut und auch Durchhaltevermögen zu geben, gibt es dafür in der Freiheitsmaschine die große Millionär Interview Reihe.  Menschen berichten hier von Ihrem ganz persönlichen Weg hin zu einem großen, selbsterschaffenen Vermögen.

Und jeder der denkt, dass bei diesen Interviews nach über 30 an der Zahl so langsam alles gesagt sein sollte, wird hier bei uns regelmäßig eines besseren belehrt.

Denn jede Erfolgsgeschichte ist einmalig, genau wie wir Menschen selbst.

 

Ein weiteres Beispiel dazu ist das neueste Interview mit Andreas

 

Er berichtet uns von seinem außergewöhnlichen und extrem erfolgreichen Weg hin zu einem Multimillionenvermögen und befindet sich dabei selbst noch in seinem 4.ten Lebensjahrzehnt.

 

Bühne frei

 

Hallo Maschinist
ich habe schon einige Male in der Freiheitsmaschine kommentiert und bin irgendwann Deine Millionär Interview Frageliste durchgegangen. Ich glaube, es gab unter den bisherigen Interviews noch keinen Weg, der über den Aufbau und dann den Verkauf eines Unternehmens geführt hat.
Ich denke, dass das generell wiederholbar ist, aber auch nicht einfach so planbar. Man könnte die Ereignisse vom Ende her so erzählen, als wären sie das Ergebnis einer ausgefuchsten Strategie gewesen. Aber es gehört auch dazu, dass ein paar Menschen, die vielleicht nicht die allerblödesten waren, bei der Umsetzung ihrer Vorhaben auch genug Glück hatten.
Es haben auf dem Weg viele Faktoren gepasst.
Ich möchte ein paar neue Facetten zu den bisherigen Interviews beitragen.
Wenn man realisiert, dass die eigene wirtschaftliche Situation sich so entwickelt hat, dass sie kein Hindernis mehr bei der Gestaltung des eigenen Lebens ist, dann verändern sich damit auch viele Entscheidungen im Alltag.
Herzliche Grüße!
Andreas

 

 

  • Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen & habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?
Wir sind beide 39 Jahre alt, seit 15 Jahren zusammen und unsere Kinder sind 1 und 4.

 

 

  • Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?
Wir leben am Rand einer deutschen Stadt mit ca. 200.000 Einwohnern.

 

 

  • Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?
  • Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?
Wir beziehen zurzeit keine Gehälter.
Unser Nettoeinkommen aus Kapital- und Mieterträgen bewegt sich im Bereich von 60.000 Euro pro Jahr. Davon können wir unsere Lebenshaltungskosten decken.
Krankenversicherung und Kinderbetreuung bilden mit jährlich ca. 16.000 Euro unsere höchsten Fixkosten, gefolgt von den (kalkulatorischen) Kosten für Immobilien und Auto.
Wir geben gerne Geld für Essen – Kochen und Gastronomie – und Reisen aus, wobei die letztgenannten Ausgaben seit unserer Elternschaft kleiner geworden sind.

 

 

  • Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?
Etwa 4 Millionen Euro.

 

 

  • Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (z.B. Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)
Wir wohnen in einem Haus und vermieten eine Wohnung.
Unser freies Vermögen ist zu ca. 65% in Aktien und Aktien-ETFs angelegt.
Sowie zu ca. 30% in Festgeldern und Anleihe-ETFs.
Dazu kommen noch ein paar Altlasten (Versicherungen, Beteiligungen), Genossenschaftsanteile, sowie unser neues Unternehmen.
Wir halten Liquidität für etwa 1 Jahr vor.

 

 

  • Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?
Ich war ein guter Schüler mit vielen Interessen und habe schon damals recht viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, was man mit einem Computer alles anstellen kann.
Das war die Zeit, in der das Internet gerade zur Massenerscheinung wurde. Mein älterer Bruder hatte mir ein Modem besorgt.
Meine Eltern sahen wohlwollend bis zähneknirschend über zwei dreistellige Telefonrechnungen hinweg, weil ich Besserung gelobte. Sie drängten mich aber dazu, mich nach einem Ferienjob umzusehen, was ich halbherzig und erfolglos getan habe.

 

Mit 16 während der Streifzüge durch das Netz sah ich ein paar Dinge, die nach meiner Ansicht nicht so gedacht waren und teilte das dem Seitenbetreiber mit. Ich erhielt zunächst keine Reaktion. Wochen später war eine E-Mail in meinem Postfach, man wolle mit mir sprechen.
In der Erwartung, ich hätte etwas kaputt gemacht, rechnete ich mit Ärger und wurde stattdessen gefragt, ob ich in dem kleinen Unternehmen aushelfen mochte. So kam ich zu meinem ersten IT Aushilfsjob.
Fortan verbrachte ich dort nach der Schule zwei bis drei Nachmittage pro Woche. Meine erste Gehaltsüberweisung brachte 360 DM ein und meine Eltern gaben Ruhe.
Nach dem Abitur war ich unsicher, wie es weitergehen sollte. Vermutlich würden heute alle in meinem Umfeld sagen, dass es für mich keine andere Wahl geben konnte, als mich für Informatik einzuschreiben.
Das war jedenfalls kein Fehler, und aus meinem Schüler-Nebenjob wurde eine Werkstudententätigkeit.
Ich konnte in dieser Zeit insgesamt in Summe einen mittleren fünfstelligen Betrag zur Seite legen.

 

Kurz vor dem Diplom musste ich mir wieder Gedanken über die Zukunft machen.
Ich hätte die Möglichkeit gehabt, an der Uni zu bleiben und mich natürlich auch auf dem Arbeitsmarkt umsehen können.
Aus meinem Job heraus hatte ich aber die Gelegenheit, bei einer Gründung unter Kollegen dabei zu sein. Die Geschäftsidee war nicht meine, und ich hätte es alleine nie getan, aber ich kannte das Umfeld und die Menschen. Im neuen Unternehmen ging recht schnell die Post ab.
Bei meinem Einstieg habe ich dann einen Teil meiner Ersparnisse eingesetzt.
Für den Fall einer Pleite habe ich Wert darauf gelegt, das Studium abzuschließen, was ich unter großen Anstrengungen und mit moralischer Unterstützung meiner späteren Ehefrau parallel getan habe. Das war fachlich vielleicht nicht mehr so wichtig, aber die Zähigkeit und Geduld, die ich in dieser Zeit erlernen musste, empfinde ich bis heute als nützlich.

 

Der Umsatz unseres Unternehmens wuchs schnell und wir waren im dritten Jahr profitabel.
Nach den Gründungsjahren waren unsere Bruttoeinkommen vor allem durch variable Gehaltsbestandteile in Summe jenseits der 250.000 Euro angelangt, unsere Lebenshaltungskosten hatten sich aber kaum verändert.
Durch einen frühen Todesfall in der Familie habe ich zwischen diesen ganzen Ereignissen unerwartet noch ca. 80.000 Euro geerbt.
Wir konnten in diesem Zeitraum unsere Mietwohnung erwerben.
Das kapitalintensive Geschäftsmodell unseres Unternehmens wurde zunächst von regionalen Banken und Investoren ermöglicht, später durch eine Minderheitsbeteiligung eines Institutionellen. Ich war Vorstandsmitglied und stand nicht im Mittelpunkt.
Es war viel Arbeit, aber ich habe meine Tätigkeit in der Gründungsphase als den besten Job der Welt empfunden.

 

Im achten Jahr stand für den nächsten Wachstumsschritt ein weiterer Finanzinvestor vor der Tür, und dieses Mal stand eine Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Raum. Rückblickend wirkte das auf manche internen Probleme wie ein Katalysator.
Gleichzeitig veränderte sich das Koordinatensystem: Geschäft und klassische Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn und Verbindlichkeiten traten ein wenig in den Hintergrund, weil das Unternehmen selbst zur Ware wurde, die zum nächsten Exit – in der PE-Welt als in 3-6 Jahren – einen guten Preis erzielen sollte.
Mir war immer klar, dass ich nicht ewig dabei bleiben würde, und ich dachte zunächst, die kommende Investitionsphase würde meine letzte.
Unabhängig davon war mir klar, dass sich mein Leben durch unser Kind deutlich verändern würde. Neben der Kapitalerhöhung gab es dann ein Kaufangebot des Investors an alle Bestandsaktionäre.
Ich machte davon Gebrauch und war finanziell frei.

 

Das Kind war geplant, alle anderen Ereignisse wie Unternehmensgründung, Erbe, starkes Wachstum, Investoren, Immobilien, Ausstieg, waren es nicht.
Privat haben wir in der Zeit noch ein Haus gekauft, sind umgezogen, haben die Wohnung renoviert und vermietet.
Zum Ende der ersten Elternzeit habe ich dann zusammen mit meiner Frau ein neues IT-Unternehmen gegründet.
Unsere geschäftlichen Aktivitäten laufen zurzeit auf kleiner Flamme, weil wir sehr viel Zeit mit den Kindern verbringen.
Die bisherigen Gewinne der operativen GmbH belassen wir für spätere Investitionen in der Gesellschaft.

 

 

  • Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?
Es gibt eine Reihe inzwischen stillgelegter Lebens- und Rentenversicherungsverträge im Gepäck, die mir sehr engagiert „aufberaten“ wurden in einer hektischen Zeit. Das war bequem und teuer, aus heutiger Sicht aber glücklicherweise nicht gravierend. Heute unterschreibe ich keinen Vertrag mehr, ohne ihn zu Hause vollständig zu lesen und mindestens eine Nacht darüber zu schlafen.
Ich habe ein großes Bedürfnis nach Harmonie und bin sehr behütet aufgewachsen.
Vielleicht habe ich deshalb recht spät gelernt, meine Ziele für mich und gegenüber anderen zu formulieren und dafür zu streiten. Das hat mir manche unangenehme, vielleicht vermeidbare Situation beschert.
Heute gehe ich bewusster mit meinen Vorstellungen und etwaigen Konflikten um.
Ich beneide manche Mitmenschen um ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihre Rauflust und sage heute häufiger “nein”.

 

 

  • Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?
Menschen, ihre Fähigkeiten und ihre Bedürfnisse sind sehr verschieden und die Spannbreite dieser Verschiedenheiten ist viel größer als der eigene Tellerrand. Im Kreis meiner früheren Geschäftspartner gelte ich beispielsweise als risikoscheu, während die allermeisten in meinem privaten Umfeld
eine unternehmerische Betätigung oder eine Wertpapieranlage scheuen.
Einige Konzernkarrieren und Immobilienportfolios in der Millionär Interview Reihe finde ich sehr beeindruckend, aber sie wären für mich nicht gangbar.
Aus diesem Grund bin ich überzeugt davon, dass jeder für sich ein Umfeld finden muss, in dem die eigenen Stärken am besten zur Geltung kommen, und in dem man sich an geeigneten Vorbildern orientieren kann.
Zur finanziellen Unabhängigkeit war es tatsächlich ein “Weg”. In meiner Kindheit waren finanziell keine großen Sprünge möglich, und ich bewundere meine Eltern für das, was sie aus ihren Möglichkeiten gemacht haben.
Schon in den ersten Jahren meiner Erwerbstätigkeit habe ich gemerkt, dass bereits ein kleines Polster die Handlungsmöglichkeiten enorm erweitern kann.
Finanzielle Freiheit bedeutet auch, vollständige Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens zu übernehmen, weil diese Gestaltung nicht mehr von wirtschaftlichen Zwängen begrenzt ist.
Es ist phantastisch, dass wir eine bessere Lebensqualität haben, als unsere Eltern es für sich je zu träumen gewagt hätten, obwohl wir unterhalb unserer finanziellen Möglichkeiten leben. Dass wir jede Entscheidung ohne Zustimmung Dritter in der Kernfamilie treffen können, ist ein großes Privileg.

 

 

  • Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen / zu erhalten oder noch zu erhöhen?
Ich stehe immer wieder in Kontakt zu professionellen Vermögensverwaltern und einigen ihrer Kunden, verzichte aber auf deren Dienstleistungen.
In privaten Diskussionen, in der Presse, im Netz und leider auch bei den Verwaltern liegt der Schwerpunkt sehr darauf, den richtigen Aktientipp zur richtigen Zeit zu finden und wie viel Prozent die „Schnellgroß AG“ wieder gemacht hat. Das irritiert mich sehr, wir treffen deshalb alle Entscheidungen selbst.
Ich mache im Kern buy & hold, achte auf breite Streuung und beschränke mich auf ca. 5 Transaktionen pro Jahr. Ich denke, dass ein Minimal-Depot mit 1-2 ETFs ein sehr guter Weg ist, erlaube mir aber zusätzlich einen Korb von Einzelwerten, ohne damit den  Markt schlagen zu wollen.
Ich verstehe Aktien als Beteiligungen am Unternehmenserfolg und achte auf für mich verständliche, überwiegend langweilige Geschäftsmodelle.

 

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  • Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?
Nein.
Wir werden eher darüber nachdenken müssen, was wir der kommenden Generation hinterlassen möchten.

 

 

  • Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deines Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?
Meine Frau und ich haben unsere “eigenen” Aktivitäten in den vergangenen Jahren sehr stark eingeschränkt, um Zeit mit unseren Kindern zu verbringen. So wie es ihre Entwicklung zulässt, werden wir zukünftig wieder mehr reisen und einige unserer unternehmerischen Ideen ausprobieren.

 

 

  • Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?
Um in finanzieller Freiheit leben zu können, benötigt man eigenes Engagement und Glück.
Beide Faktoren sind notwendig, aber keiner für sich ist hinreichend. Der eigene Beitrag besteht darin, mit eigenem Geschick Chancen zu provozieren und diese zu beackern.
Das wird in dieser Interviewreihe zu Recht betont.
Nichtsdestotrotz müssen wir alle dankbar sein für eine Geburt im Frieden, für tolle Familien, für wirtschaftliche Stabilität, ein funktionierendes Staatswesen und schließlich unsere Gesundheit.

 

 

Das war das Millionär Interview mit Andreas

Herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast.

Ich finde es sehr beeindruckend, was Ihr zusammen erreicht habt und wie sehr Ihr dabei auf dem Boden geblieben seid. Dadurch könnt Ihr euch nun auf andere Dinge des Lebens konzentrieren, die euch wichtig sind.

Danke auch für die neue Perspektive, die Du mit Deinem Interview in die Interviewserie hinein gebracht hast.

Der Unternehmensexit noch in Deinem 4ten Lebensjahrzehnt und die Entscheidung, Dich mehr um die Familie zu kümmern, statt eines ungebremsten “höher-schneller-weiter”, finde ich extrem beachtenswert.

 

Und jetzt Ihr

Welche Fragen habt Ihr an Andreas. Was gefällt euch gut und was könnt Ihr für euch daraus mitnehmen. Schreib dazu im Kommentarbereich.

Außerdem: Mach auch Du mit bei den Millionär Interviews, wenn Du Dir aus eigener Kraft ein Vermögen von min. 500.000 Euro aufgebaut hast.

Schreib dem Maschinisten unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und sei dabei.

Neben dem Fakt den anderen hier etwas zurück zu geben, lernst Du durch das Interview selbst wieder Neues und kannst das Feedback für Deinen weiteren Weg nutzen.

Ich garantiere allen Teilnehmern auf Wunsch absolute Anonymität.

 

Wenn Du selbst Vermögen in Aktien aufbauen oder wie Andreas vorhandenes Vermögen in der größten Wohlstandsmaschine aller Zeiten anlegen willst, lies den aktuellen großen Brokervergleich der Freiheitsmaschine:

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Gib Gas mit der Freiheitsmaschine und mach Dein Leben zu einem wunderbaren Abenteuer.

12 thoughts on “Millionär Interview 33 – Andreas mit Unternehmens-Exit zum U40 Multimillionär”

  1. Hallo Andreas,
    hallo Zusammen,

    einmal mehr danke fürs Möglichmachen der inspirierenden Interviews lieber Maschinist.
    Andreas, großen Respekt für deine Leistung.
    Kannst und möchtest Du uns noch etwas darüber berichten, wie genau das mit 16 begann, was Du studiert hast, wie Du beruflich so durchstarten konntest, wann und weshalb Wendepunkte aufkamen und durch welche Erkenntnisse aus deinem Weg Du heute die Dinge so siehst, wie Du es nun tust?

    Danke und schönen Sonntag euch allen 🙂

    1. Eine Reihe provozierter Zufälle

      Ich war ein guter Schüler mit vielen Interessen und habe schon damals recht viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, was man mit einem Computer alles anstellen kann. Das war die Zeit, in der das Internet gerade zur Massenerscheinung wurde. Mein älterer Bruder hatte mir ein Modem besorgt.

      Meine Eltern sahen wohlwollend bis zähneknirschend über zwei dreistellige Telefonrechnungen hinweg, weil ich Besserung gelobte. Sie drängten mich aber dazu, mich nach einem Ferienjob umzusehen, was ich halbherzig und erfolglos getan habe.
      Während der Streifzüge durch das Netz sah ich ein paar Dinge, die nach meiner Ansicht nicht so gedacht waren und teilte das dem Betreiber mit. Ich erhielt zunächst keine Reaktion. Wochen später war eine E-Mail in meinem Postfach, man wolle mit mir sprechen.

      In der Erwartung, ich hätte etwas kaputt gemacht, rechnete ich mit Ärger und wurde stattdessen gefragt, ob ich in dem kleinen Unternehmen aushelfen mochte. Fortan verbrachte ich dort nach der Schule zwei bis drei Nachmittage pro Woche. Meine erste Gehaltsüberweisung brachte 360 DM ein und meine Eltern gaben Ruhe.

      Nach dem Abitur war ich unsicher, wie es weitergehen sollte. Vermutlich würden heute alle in meinem Umfeld sagen, dass es für mich keine andere Wahl geben konnte, als mich für Informatik einzuschreiben. Das war jedenfalls kein Fehler, und aus meinem Schüler-Nebenjob wurde eine Werkstudententätigkeit.

      Kurz vor dem Diplom musste ich mich mir wieder Gedanken über die Zukunft machen. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, an der Uni zu bleiben und hätte mich natürlich auch auf dem Arbeitsmarkt umsehen können. Aus meinem Job heraus hatte ich aber die Gelegenheit, bei einer Gründung unter Kollegen dabei zu sein. Die Geschäftsidee war nicht meine, und ich hätte es alleine nie getan, aber ich kannte das Umfeld und die Menschen. Im neuen Unternehmen ging recht schnell die Post ab.

      Für den Fall einer Pleite habe ich Wert darauf gelegt, das Studium abzuschließen, was ich unter großen Anstrengungen und mit moralischer Unterstützung meiner späteren Ehefrau parallel getan habe. Das war fachlich vielleicht nicht mehr so wichtig, aber die Zähigkeit und Geduld, die ich in dieser Zeit erlernen musste, empfinde ich bis heute als nützlich.

      (Fortsetzung folgt.)

  2. Hallo zusammen,

    vorweg auch von mir ein grosses Dankeschön an den Maschinisten, welcher die Interviews ermöglicht und uns so an den Denkweisen und Lebensgeschichten anderer teilhaben lässt. Diese sind immer wieder inspirierend, erweitern den eigenen Horizont und motivieren ungemein.

    Und hallo Andreas,

    herzlichen Glückwunsch zu dem was du bisher erreicht hast! Du scheinst mir mit beiden Beinen im Leben zu stehen, und trotz deines hohen Vermögens genügend Demut und Dankbarkeit zu besitzen.

    Du bist in der Tat der erste “Freiheitskämpfer”, der durch einen Exit zum Millionär geworden ist. Dies ist, aus meiner Sicht, ein Thema, welchem in der FIRE-Community viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Natürlich ist es nicht für jeden so umsetzbar, aber den Fokus auf die Steigerung der Einkommensseite zu legen (und nicht nur auf der Aufgabenseite anzusetzen) ist ein sehr guter Ansatz.

    Bzgl deiner Rahmendaten könnte ich fast dein Zwilling sein: 38, Informatik-Studium, schon seit früher Kindheit von Computern fasziniert gewesen. Leider habe ich erst vor zweieinhalb Jahren in der Schweiz meine eigene Firma gegründet, also deutlich später als du. Ich habe mich auch lange nicht als den klassischen Unternehmer gesehen, was sich mittlerweile zum Glück etwas geändert hat.

    Mir fallen jede Menge Fragen ein, die ich dir gerne stellen würde. Ich versuche es mal, auf die wichtigsten zusammen zu fassen:

    • Was hat sich bei dir im Mindset geändert, als du Unternehmer warst?
    • Wie bist du mit deinem Harmoniebedürfnis in der Firma zurechtgekommen? Deine Kollegen klingen, laut Beschreibung, eher nach aggressiveren Partnern.
    • Welche Stellung hattest du im Unternehmen?
    • Wie schnell seid ihr gewachsen?

    Zudem hätte ich noch ein paar Fragen bezüglich des Unternehmens an sich (in welchem Bereich, USP, spezialisierte Lösung oder Massenprodukt), aber das würde den Rahmen hier sprengen. Eventuell kann man sich ja über den Maschinisten kurzschliessen.

    Du hast mehrfach erwähnt, dass du auch Glück gehabt hast. Das stimmt natürlich, aber man muss auch etwas dafür tun. Ich vermute, du hast auch hart dafür arbeiten müssen. Du kannst stolz darauf sein, was du erreicht hast!

    Viele Grüsse aus Helvetia
    FIRE_CH

    1. (Fortsetzung)
      Der Umsatz wuchs schnell und das Unternehmen war im dritten Jahr profitabel. Das kapitalintensive Geschäftsmodell wurde zunächst von regionalen Banken und Investoren ermöglicht, später durch eine Minderheitsbeteiligung eines Institutionellen. Ich war Vorstandsmitglied und stand nicht im Mittelpunkt. Es war viel Arbeit, aber ich habe meine Tätigkeit in der Gründungsphase als den besten Job der Welt empfunden.

      Wie sich mein Mindset geändert hat, kann ich nicht sagen, denn ich hatte ja nie ein klassisches Arbeitsverhältnis. Die stärkste spürbare Veränderung war die gestiegene Verantwortung.

      Im achten Jahr stand für den nächsten Wachstumsschritt ein weiterer Finanzinvestor vor der Tür, und dieses Mal stand eine Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Raum. Rückblickend wirkte das auf manche internen Probleme wie ein Katalysator. Gleichzeitig veränderte sich das Koordinatensystem: Geschäft und klassische Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn und Verbindlichkeiten traten ein wenig in den Hintergrund, weil das Unternehmen selbst zur Ware wurde, die zum nächsten Exit – in der PE-Welt als in 3-6 Jahren – einen guten Preis erzielen sollte.

      Meine Partner von damals würde ich nicht als auffallend aggressiv bezeichnen, aber es war abzusehen, dass sie sich mit der veränderten Situation besser würden anfreunden können als ich. Als tatsächlich aggressiv erlebt habe ich einige Vertreter interessierter Investmentfirmen und ihre Anwälte – es gab in dieser Zeit viele Gespräche.

      Mir war immer klar, dass ich nicht ewig dabei bleiben würde, und ich dachte zunächst, die kommende Investitionsphase würde meine letzte. Unabhängig von davon war klar, dass sich mein Leben durch das Kind deutlich verändern würde. Neben der Kapitalerhöhung gab es ein Kaufangebot des Investors an alle Bestandsaktionäre. Ich machte davon Gebrauch. In meinem letzten Jahr stieg der Umsatz auf etwa 50 Millionen Euro.

  3. Hallo Andreas und Community,

    eine eigene Firma aufzubauen ist ein interessanter Weg über den vermutlich viel zu wenig geredet wird.
    Willst du hierzu noch ein paar Sätze sagen. Was warhabt euer Business Modell? Wie habt ihr das so schnell hochgezogen?
    Auch steuerliche Fragestellungen sind da durchaus interessant und ein riesen Hebel wenn man sich auskennt . In deinem Fall hab ich sofort an eine Wertpapier GmbH gedacht, wo du das Geld aus dem Verkauf steuergünstig über Umleitung über eine Holding einbringen könntest.

    Danke für das Interview! Sehr interessant!

    1. Zu den Details möchte ich nichts sagen, nein.

      Steuerliche Fragestellungen waren in diesem Zusammenhang ein Thema, aber ich bin kein Freund von komplizierten Gestaltungen.

  4. Hallo Andreas,
    toller Ein- und Ausstieg, was das Berufsleben angeht. Trotzdem habe eine kritische Anmerkung, die aber nicht persönlich gemeint ist.
    In Deutschland, so mein Eindruck, entstehen zwar durchaus auch Startups, sie werden aber nicht groß. Sobald sie eine gewisse Größe erreicht ist, werden sie verklopft. Deutsche Gründer haben kein Interesse zu einem großer Player zu expandieren. Warum ist das so?
    Die letzten, die das erfolgreich gemacht haben, waren mE die SAP-Gründer. Bei Wirecard hat es aus anderen, bekannten Gründen nicht geklappt. Ich bin gespannt, da die IT in dieser Hinsicht bislang ausfällt, ob es wenigstens einmal ein dt. Biotech-Unternehmen in die Champians-League schafft.

    1. Hallo Felix!

      Persönlich würde ich bestätigen, dass ein “großer Player” nicht zu mir passt. Ich bin aber wohl eher die Ausnahme.

      Ich glaube, Dein Eindruck entsteht durch einen Fehlschluss. Der archetypische Gründer findet groß schon gut. Aber die allermeisten Gründungen werden gehen pleite, bleiben klein, werden filetiert oder fusioniert, in Europa wie in Amerika.

      Die markanten Unterschiede drüben sind nach meiner Einschätzung: ein größerer Heimatmarkt, mehr verfügbares Kapital und ein Umfeld, in dem häufiger gegründet wird.

  5. Hallo Andreas,
    Super Story! Respekt.

    Du sprichst von Anleihe ETFs, könntest du kurz etwas näher darauf eingehen welche genau und warum in der aktuellen Zinsphase?
    Das wäre super Hilfreich

    LG
    Uli

    1. Hallo Uli,

      ich bin mir nicht sicher, ob meine Antwort hilfreich ist: im Niemandsland meines Depots befindet sich eine größere Position des Xtrackers EUR High Yield Corporate Bond (LU1109942653) aus der Zeit, in der ich nach dem Exit das Depot aufgebaut habe. Der Renditeverlauf korreliert mit dem der Aktien. Ich würde den Fonds heute wahrscheinlich nicht kaufen, aber er macht auch keine Sorgen.
      Nach dem Unternehmensverkauf habe ich einen Teil des Erlöses im Deka iBoxx EUR Liquid Non-Financials Diversified (DE000ETFL383) geparkt, bis die Steuern fällig wurden.
      Man muss dazu wissen: ich behandle mein Depot wie ein fauler Gärtner. Zu Beginn jedes Quartals suche ich 2-3 Kandidaten für eine Stop-Loss-Order, sodass alle 3 Monate das vermutlich schlimmste Unkraut aus dem Depot verschwindet (oder keines). Überschüssige Liquidität investiere ich entsprechend der Risikoaufteilung neu, und wenn sich keine neue Aktie aufdrängt, stocke ich beim FTSE All-World auf.

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