Freiheitskämpfer Interview 26 – Der Spätzünder

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Freiheitskämfer Interview Spätzünder IslandDie Freiheitskämpfer Interviews der Freiheitsmaschine.

Menschen bis 35 mit sechsstelligen, selbsterschaffenen Vermögen berichten hier von Ihren Höhen und Tiefen auf Ihrem Weg zu finanzieller Unabhängigkeit und Freiheit.

 

Heute schreibt uns der Spätzünder

Er hat schon vor seinem eigentlichen Berufsstart eine beeindruckende „Karriere“ hingelegt.

Diese fing auf der Bildungsseite sehr weit unten an und zeigt, dass es in diesem Bereich für uns als Gesellschaft neben der vorhandenen Durchlässigkeit noch viel Verbesserungspotential gibt.

Aber lest selbst.

 

Lieber Maschinist,
auf die Freiheitsmaschine wurde ich vor gut 3-4 Jahren aufmerksam. Damals stand die eigene Bildung was Finanzen angeht ganz weit oben und ich konnte und kann hier viel mitnehmen.
Da ich in ein paar Monaten 35 Jahre alt werde, möchte ich die Gunst der Stunde nutzen und meinen Weg ebenfalls mit der Community teilen.
Die Zahlen sind vielleicht nicht so beeindruckend wie bei anderen, aber ich hoffe dass für alle Leser etwas dabei ist.
Let’s go.

 

Wie alt bist Du (& der Partner falls vorhanden), wie lange seid Ihr schon zusammen und habt Ihr Kinder?

Ich bin 34 Jahre alt, meine Frau ist 32 und wir haben 2-jährige Zwillinge. Wir sind seit 9 Jahren zusammen und feiern dieses Jahr unseren 5. Hochzeitstag.

 

Wo auf der Welt lebst Du / Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?

Wir haben bis vor gut einem Jahr im Speckgürtel einer süd-west-deutschen Großstadt gelebt. Dann sind wir aus Platzgründen (Kinder) etwas mehr auf Land gezogen. In die Großstadt sind es nun 45min mit dem Auto, mehrere Kreisstädte sind im Radius von 15min erreichbar. Bei der aktuellen Immobilien-Lage war es für uns die beste Entscheidung. Hinter dem Haus beginnt gleich der Wald was für die Kinder ideal ist, wir sind eigentlich jeden Tag draußen.

 

Wie sieht Dein bisheriger Lebensweg aus und welche beruflichen wie privaten Erfahrungen hast Du dabei gemacht?

Fangen wir ganz von vorne an. Nach der 5 Klasse wechselte ich wegen meiner Legasthenie von der Realschule auf die Hauptschule.
Nach 4 Jahren und einem Hauptschulabschluss 2001 war ich mit 15 Jahren einfach nicht bereit für eine Ausbildung bzw. zum „Arbeiten“.
Deswegen besuchte ich eine Berufsfachschule für Elektrotechnik um meinen Realschulabschluss nachzuholen. Hier fing es dann wirklich an Spaß zu machen, die Naturwissenschaften und technischen Sachen haben mich schon immer interessiert.
2 Jahre später war ich nach dem Abschluss aber immer noch nicht bereit eine Ausbildung zu starten. Verlockender fand ich, dass es auf der weiterführenden Schule (auf der ich war) ein Berufskolleg gab, mit dem man die Fachhochschulreife erlangen konnte. Hier stand nun Elektrotechnik, Digitaltechnik und Programmieren ganz oben auf dem Stundenplan.
Auch meine Legasthenie wurde mithilfe von Kinesiologie (Achtung: Nicht das mit den bunten Bändern zum tapen) dann besser. Hier kam übrigens raus, dass meine Gehirnhälften für alles was das Thema Sprachen angeht nicht richtig „zusammenarbeiten“.
Nach der Fachhochschulreife stand dann erst einmal der Zivildienst an. Im Sommer 2006 startete ich dann eine technische Ausbildung, als Sohn einer Nicht-Akademiker-Familie war das Studium doch etwas fremd.
Der Einsatz in mehreren Versetzungsabteilungen in der Firma während meiner Ausbildung hat mir dann aber letztendlich die Augen geöffnet – wenn du später mal was cooles machen möchtest, benötigst du ein Studium.
Dies führte dazu, dass ich nahtlos an die Ausbildung ein technisches Studium begonnen habe. Meiner Firma konnte ich während des Studiums als Werkstudent und auch anschließend als Ingenieur treu bleiben.
Nach dem Bachelor und einigen Monaten im Arbeitsalltag habe ich dann ein berufsbegleitendes Master-Studium angefangen, welches ich nach 2,5 Jahren erfolgreich beendet habe. Nach gut 6 Jahren Berufserfahrung als Ingenieur in der Entwicklung habe ich die Firma gewechselt (Grund war auch der Umzug) und bin nun im Vertrieb. Dies war so geplant und gewünscht, nach 6 Jahren im Labor war Zeit für etwas Neues.

 

Das Thema Finanzen war für mich bis vor ca. 6 Jahren vollkommenes Neuland.
Bis dahin habe ich mich darauf verlassen was mir mein Bankberater empfohlen hat. Irgendwann sind mir auch hier die Schuppen von den Augen gefallen und ich habe mein Wissen mit Hilfe von Finanzblogs und Büchern erweitert. Seitdem kümmere ich mich komplett selbst darum, so wie es eigentlich jeder machen sollte.
In der Schule sowie auch im Studium (ausgenommen BWL etc.) fehlt es an einer gewissen Finanzbildung in diesem Land.

 

Wie hoch ist Dein / Euer aktuelles jährliches Nettoeinkommen. Wie hat es sich entwickelt und wie sieht die weitere Entwicklungsmöglichkeit in Deinem Bereich aus?

Mein jährliches Nettoeinkommen liegt bei rund 50.000€. Je nachdem wie es in den nächsten Jahren weiter geht ist hier noch Luft nach oben.
Ich strebe es auf jeden Fall an, mich beruflich noch etwas weiterzuentwickeln. Meine Frau ist verbeamtete Lehrerin und aktuell in Elternzeit. Sobald die Jungs im Kindergarten sind will sie wieder mit ca. 30% einsteigen. Dann habe ich noch ein Nebengewerbe mit dem ich aktuell ca. 6.000€ netto pro Jahr mache.

 

Wie hoch sind Deine / Eure aktuellen jährlichen Ausgaben und in welchen Bereichen schränkst Du Dich ein, um eigenes Vermögen aufzubauen?


Das Ganze ist mit Kindern nicht mehr ganz so einfach zu kalkulieren. Im letzten Jahr waren es ca. 50.000€. Dies lag aber auch daran, dass wir von einer Wohnung in ein Haus gezogen sind und einiges neu anschaffen mussten (Möbel, Garten, Küchengeräte, etc).
Kinder kosten natürlich und da wir alles gleichzeitig doppelt benötigen und nicht wie andere Geschwisterkinder Sachen doppelt nutzen können, sind die Ausgaben höher. Wenn man 2 neue Paar Winterstiefel und Schneeanzüge benötigt, überlegt man kurzfristig welche Position im Depot man dafür auflöst J.
An den Kindern sparen wir auf jeden Fall nicht, vor allem aktuell nicht. Da wird dann mal ein Klettergerüst gebaut welches so nicht geplant war, weil es aktuell kein Kinderturnen gibt oder es gibt hier und da mal ein Puzzle oder Spielzeug.
Wir versuchen aktuell gut als Familie durch die Pandemie zu kommen und schauen aktuell nicht so sehr auf das Geld. Im Normalfall bleiben 300-500€ pro Monat übrig zum Sparen. Das Geld aus dem Nebengewerbe fließt zu 100% in die ETF’s.

 

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Wenn meine Frau wieder anfängt, soll ebenfalls der Großteil ihrer Bezüge in die ETF’s fließen. Einen speziellen Sparplan gibt es nicht, wenn Summe X auf dem Konto ist wird nachgekauft.

 

Wie hoch ist Dein / Euer aktuelles Vermögen, wie hast Du es investiert und was möchtest Du in Zukunft dabei noch besser machen?

In Summe sind es aktuell rund ~211.000 € die sich wie folgt verteilen.
Aktien-ETF’s:              ~ 115.000€
Cash-Reserve:                20.000€
Krypto-Wallet:               ~45.000€
bAV:                              ~31.000€
Einen Riester und Bausparvertrag hatte ich, wie wahrscheinlich viele hier, auch. Diese habe ich aber schon vor einigen Jahren gekündigt und alles in ETF’s gesteckt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die Sachen waren mir zu kompliziert und undurchsichtig.
Bei den ETF’s liegen rund 50% in einem All-World. Die anderen 50% sind in spezielle Branchen verteilt für mehr Rendite. Die Themen KI, Big Data, Digitalisierung und digitale Infrastruktur sind in den nächsten Jahren definitiv gefragt.
Beim Thema Krypto bin ich kein Experte. Ich bin hier Ende 2016 rechtzeitig genug mit etwas Spielgeld eingestiegen und das ist mittlerweile zu einer bedeutenden Vermögensposition angewachsen. Hier schaue ich einfach, was die nächsten 5 Jahre passiert.
Immobilien sind aktuell kein Thema für mich.

 

Hast Du ein bestimmtes Vermögensziel?

Ich denke die „magische“ Million im Depot will jeder erreichen, dies ist natürlich auch mein Ziel.
Sonst wäre ich mit 50 Jahren gerne soweit, dass ich beruflich etwas kürzer treten kann, wenn mir danach ist. Wenn ich dann mit 60 Jahren soweit bin, dass ich nur noch arbeiten „kann“ und nicht mehr „muss“ wäre mein Ziel zu 100% erfüllt.

 

Welche weiteren Lebensziele hast Du? Wo und wie möchtest Du Leben und was treibt Dich aktuell besonders an?

Der Plan für die nächsten Jahre ist erstmal in unserer Miet-Immobilie zu bleiben – zumindest bis die Kinder aus dem Haus sind (also noch mindestens 16-18 Jahre).
Was danach passiert bleibt offen, wenn es die Kinder in eine andere Ecke zieht gehen wir vielleicht mit oder evtl. zieht es uns dann doch wieder etwas mehr in den urbanen Raum. Vielleicht legen wir uns mit dem ersparten auch eine Immobilie zu… es wird sich zeigen.
Auch wenn mir der Winter hier in Deutschland nicht so schmeckt (abgesehen vom Snowboarden), kann ich mir aktuell nicht vorstellen in einem anderen Land zu leben aber evtl. ist das in 30 Jahren anders.
Beruflich bemühe ich mich natürlich und hoffe, dass es in den nächsten Jahren noch etwas weiter nach oben geht auf der Leiter.
Meine Frau und ich haben schon einiges auf der Welt gesehen und wollen dies natürlich (nach Covid-19) mit unseren Jungs auch noch einmal erleben.

 

Freiheitskämpfer Interview Spätzünder Dolomiten

 

Freiheitskämpfer Interview Spätzünder New York

 

Aktuell steht natürlich die Gesundheit an vorderster Stelle und allgemein gut durch die Covid-19-Situation zu kommen aber in einer ruhigen Minute denke ich gerne an eine Rundreise durch Kalifornien mit der ganzen Familie.

 

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Was sagt Dein Umfeld generell zu Deinen Plänen und wirst Du dabei unterstützt?


Mit meinen Eltern und Schwiegereltern spreche ich nicht darüber, die sind bei der Sparkasse und werden es auch bleiben und wenig offen für Neues.
Ich habe einen guten Bekannten mit dem ich mich regelmäßig austausche. Er hat zwar einen etwas anderen Weg aber wir verfolgen im Großen und Ganzen die gleiche Sache. Meine Frau ist natürlich auch eingeweiht, ich erzähl ihr immer von den aktuellen Geschehnissen aber ihr Interesse hält sich bei dem Thema in Grenzen. Sie vertraut mir aber hier und freut sich, wenn das Plus im Depot wieder ein bisschen gewachsen ist.

 

Gibt es noch etwas, dass Du den anderen Freiheitskämpfern mitgeben willst?

Heute vor 20 Jahren hatte ich noch nicht einmal den Hauptschulabschluss in der Tasche.
Damals hat man mich als „dumm“ abgestempelt und auf eine Ausbildung vorbereitet ohne große Perspektive.
Zuerst war es die Faulheit zu Arbeiten weshalb ich weiter auf die Schule gegangen bin.
Erst später ist dann der Groschen mit meiner Legasthenie und dem Studium gefallen.
Viele der Leser hier sind wahrscheinlich in einem ähnlichen Alter wie ich oder älter, nehmt dies mit der Schule aber bitte für eure eigenen Kinder mit.
Die aktuelle Schulform ist kein Aushängeschild für gute Bildung, es benötigt eine Reform die mehr auf die Stärken und Schwächen der jeweils einzelnen eingeht.

 

Außerdem hört nie auf an euch selbst zu arbeiten und entwickelt euch weiter.
Ein ehemaliger Kollege gab mir den Rat: „Man muss immer etwas nebenher am Laufen haben, wenn nicht bei den Frauen dann bei etwas Anderem“.
Vor 12 Jahren habe ich mein Nebengewerbe gegründet, vor 6 Jahren kam die finanzielle Bildung und aktuell nehmen die Kinder die übrige Zeit in Anspruch.
Mit den Kindern lernt man ebenfalls jeden Tag dazu (wenn vielleicht auch nicht immer gleich ersichtlich). In der Zukunft will ich mich definitiv weiter und noch tiefer mit dem Thema Aktien und Börse auseinandersetzen.

 

 

Das war das Freiheitskämpfer Interview mit dem Spätzünder

Vielen Dank, dass Du hier dabei bist.

Dein Weg vom „abgeschriebenen“ Hauptschüler zum abgeschlossenen technischen Masterstudium hat mich sehr beeindruckt!

Und ich kann Dir als Familienvater mit zwei schulpflichtigen Kindern nur zustimmen. Das deutsche Schulsystem würde von einer Reform, die auf die einzelnen Stärken und Schwächen der Kinder stärker eingeht, deutlich profitieren.

Wenn sich die Eltern nicht kümmern, tut es sonst überraschend oft im Schulbereich auch niemand. Und dann führt die frühe Trennung der Kinder ab der 5.ten Klasse aktuell zu einer deutlichen Benachteiligung der Kinder aus bildungsfernen Schichten.

Viele dieser Kinder, die dann (anders als Du) keinen späten Motivationsschub erhalten, holen das nicht mehr auf.

Das ist nicht nur vertanes Potential für diese Menschen selbst, sondern für das ganze Land.

Es gibt also weiterhin viel zu tun und prima, das Du das Zepter zwar spät aber dann souverän in die Hand genommen hast.

 

Und jetzt Ihr

Welche Fragen habt Ihr an den Spätzünder. Was gefällt euch gut und was würdet Ihr Ihm für seinen weiteren Weg mitgeben?

Außerdem mach auch Du mit bei der Interviewreihe, wenn Du Dich im Lebensabschnitt bis 35 und min. 100.000 Euro selbsterschaffenem Vermögen befindest.

Schreib dem Maschinisten unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und nimm an den Freiheitskämpfer Interviews teil.

Neben dem Fakt den anderen hier etwas zurück zu geben, lernst Du durch das Interview selbst wieder Neues und kannst das Feedback für Deinen weiteren Weg nutzen.

Als zusätzliche Möglichkeit, kannst Du Deinen weiteren Weg gerne in einem Tagebuch hier in unserer Community veröffentlichen.

 

Die Millionär Interviews laufen natürlich auch weiter und auch hier freue ich mich auf weitere Gäste.

Gib Gas mit der Freiheitmaschine und mach Dein Leben zu einem wunderbaren Abenteuer!

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