Hallo zusammen,
zum Abschluss von Q3 ein kurzes Update von mir.
Finanziell läuft es weiterhin stabil. Das liquide Vermögen liegt aktuell grob bei rund 890.000 Euro, das Gesamtvermögen bei etwa 1,4 Mio. Euro. Die Aufteilung hat sich leicht verschoben und liegt ungefähr bei:
Kategorie Anteil ca.
Income 47 %
Growth / Core 20 %
Cash / Liquidität 33 %
Die T-Bills sind inzwischen ausgelaufen und liegen wieder als Cash vor. Gleichzeitig baue ich den Growth-/Core-Anteil weiter aus, vor allem über regelmäßige Käufe in breit gestreute Welt-ETFs. Auch Income wurde etwas reduziert, unter anderem durch kleinere Verkäufe bei BDC- und High-Income-Positionen.
Die laufenden Ausgaben werden weiterhin im Wesentlichen aus Dividenden gedeckt. Alles darüber hinaus soll möglichst wieder investiert werden.
Privat waren wir gerade noch eine Woche in Dalmatien/Kroatien und haben dort wohl das letzte schöne Wetter mitgenommen. Schnorcheln war sehr schön, und als neues Familienhobby haben wir Kajakfahren entdeckt. Allerdings sind die knapp 1.500 km mit dem Auto schon echt viel — nächstes Mal wird es vermutlich eher Flug plus Mietwagen.
Mein Fazit nach Q3:
FIRE fühlt sich weiterhin richtig an. Der Alltag ist ruhiger, die Finanzen bleiben im Plan, und der Fokus verschiebt sich weiter von „Cashflow aufbauen“ zu „Struktur optimieren“.
Viele Grüße
ziola
Hallo Zusammen,
Ich habe mich heute etwas intensiver mit unserem Cashflow beschäftigt und dafür die Kontoauszüge der letzten sechs Monate analysiert, um ein möglichst realistisches Bild unserer tatsächlichen Geldflüsse zu bekommen.
Dabei habe ich auch unregelmäßige Ausgaben wie Urlaub, größere Anschaffungen und Instandhaltung auf Monatswerte umgerechnet. Daraus sind die beiden Diagramme entstanden.
Das erste Diagramm zeigt die Geldflüsse auf Ebene unserer Girokonten (inklusive meines FIRE-„Gehalts“). Das zweite bildet den gesamten Cashflow ab, also einschließlich der Dividenden und Zinsen.
Im Ergebnis liegen unsere durchschnittlichen Haushaltskosten bei rund 4.980 € monatlich. Dem stehen Einnahmen von etwa 6.475 € aus verschiedenen Quellen gegenüber. Rechnerisch bleibt damit ein monatlicher Überschuss von knapp 1.500 €.
Zusätzlich schichte ich monatlich rund 1.300 € aus vorhandener Liquidität in ETFs um. Das ist natürlich kein zusätzlicher Cashflow, sondern dient dem weiteren Vermögensumbau.
Interessant fand ich vor allem, dass die tatsächlichen Ausgaben doch etwas anders aussehen als die gefühlten. Gerade die vielen unregelmäßigen Kosten werden im Alltag gerne unterschätzt.
Für mich war die Auswertung jedenfalls hilfreich, um nach den ersten Monaten FIRE ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie tragfähig unsere Haushaltsfinanzen tatsächlich sind.
Gruß
ziola
Hi @ziola,
super, dass Du Dir die Mühe gemacht hast und dann auch hier das Ergebnis zu posten.
Auf jeden Fall sehr sinnvoll, mal über einen Zeitraum die eigenen Ausgaben zu tracken.
Hatte unsere Ausgaben nach mehreren Jahren Pause letztes Jahr nochmal getrackt und war schon überrascht über die Lifestyle Inflation mit zwei Teenagern.
Alles Gute und weiterhin viel Freude im Privater-Leben!
Hallo zusammen,
heute möchte ich ein Thema ansprechen, das bei FIRE aus meiner Sicht häufig zu kurz kommt: die sozialen und psychologischen Herausforderungen.
Über Finanzen, Entnahmestrategien und Depotaufteilungen wird viel diskutiert. Aber was passiert eigentlich, wenn man nach vielen Jahren im Berufsleben plötzlich nicht mehr arbeiten muss?
Nach inzwischen einigen Monaten als Privatier habe ich dazu ein paar Erfahrungen gesammelt.
- Vom geregelten Tagesablauf zur eigenständigen Tagesgestaltung
Früher war der Tag weitgehend durch berufliche Verpflichtungen strukturiert. Heute muss ich selbst entscheiden, wann und womit ich mich beschäftige.
Damit komme ich persönlich ziemlich gut zurecht. Ich bin von Natur aus gut organisiert und habe auch ohne Arbeitgeber genügend Struktur. Trotzdem sollte man diesen Punkt nicht unterschätzen: Freiheit bedeutet eben auch, selbst für Ordnung und Disziplin sorgen zu müssen.
- Ohne Interessen kann die Freiheit schnell zur Leere werden
Wer keine Hobbys, keinen Garten, kein Haus, keinen Verein oder andere Interessen hat, könnte ziemlich schnell feststellen, dass 24 Stunden am Tag ganz schön lang sein können.
Irgendwann hat man schließlich auch Netflix bis zum Ende geschaut.
Bei mir ist eher das Gegenteil der Fall. Ich habe weiterhin mehr Ideen und Aufgaben als verfügbare Zeit. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass fehlende Beschäftigung für manche zum ernsthaften Problem wird.
- Wenig Verständnis im sozialen Umfeld
Das ist für mich einer der nervigsten Punkte.
Sprüche wie „Du bist ja Millionär und musst nichts mehr tun – wir anderen müssen noch arbeiten“ kommen durchaus vor.
Dabei wird gerne übersehen, dass finanzielle Unabhängigkeit nicht vom Himmel gefallen ist, sondern das Ergebnis vieler Jahre Arbeit, Entscheidungen, Verzicht und Planung ist.
Inzwischen habe ich für solche Situationen übrigens meinen „privaten Finanzmanager“ in der Tasche.
Interessanterweise scheint diese Berufsbezeichnung als Erklärung dafür, warum ich dauerhaft zu Hause bin, ohne arbeitslos zu sein, ziemlich gut zu funktionieren. Offenbar braucht unsere Gesellschaft weiterhin eine passende Berufsbezeichnung, um jemanden einordnen zu können.
- Fehlende Wertschätzung und Verlust der beruflichen Identität
Diesen Punkt halte ich für besonders kritisch.
Wer viele Jahre Führungsverantwortung getragen hat, ist es gewohnt, Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen und dafür Anerkennung zu bekommen.
Plötzlich fällt diese Welt weg. Aus dem Manager wird in der Wahrnehmung mancher Menschen einfach der „Hausmann“, der ja jetzt genügend Zeit für alles hat.
Und obwohl Hausarbeit selbstverständlich nichts Minderwertiges ist, wird sie gesellschaftlich leider häufig genau so wahrgenommen. Die Anerkennung, die man für berufliche Leistungen bekommt, bleibt bei vergleichbarem Engagement im privaten Umfeld oftmals aus.
Interessanterweise war dieses Thema in den ersten Monaten auch innerhalb meines eigenen Familienkreises unterschwellig durchaus präsent. Nicht unbedingt durch offene Aussagen, sondern eher durch veränderte Erwartungen, kleine Bemerkungen und eine gewisse Verschiebung der Wahrnehmung meiner Rolle. Das hat mich teilweise mehr beschäftigt, als ich ursprünglich erwartet hätte.
Inzwischen hat sich vieles eingespielt. Trotzdem war es für mich eine interessante Erkenntnis, wie stark beruflicher Status offenbar auch innerhalb der Familie die gegenseitige Wahrnehmung beeinflussen kann.
Wenn man seinen Selbstwert stark aus beruflicher Anerkennung bezogen hat, kann dieser Rollenwechsel meiner Meinung nach ziemlich problematisch werden.
- Veränderungen innerhalb der Familie
Auch zu Hause muss sich einiges neu einspielen.
Wenn einer plötzlich dauerhaft verfügbar ist, entstehen schnell neue Erwartungen. Was früher selbstverständlich aufgeteilt war, wird neu verhandelt. Schließlich hat man ja jetzt „den ganzen Tag Zeit“.
Dabei bedeutet FIRE für mich nicht, automatisch für sämtliche Aufgaben zuständig zu sein. Es geht vielmehr darum, gemeinsam eine neue Balance zu finden.
- Freundschaften und soziale Kontakte
Ein weiterer Punkt, den ich persönlich unterschätzt habe, sind die beruflichen Kontakte.
Nach vielen Jahren im Management kennt man zahlreiche Menschen, arbeitet eng zusammen, tauscht sich regelmäßig aus und glaubt, dass zumindest ein Teil dieser Beziehungen auch nach dem Ausscheiden bestehen bleibt.
Diese Hoffnung würde ich rückblickend nicht zu hoch bewerten. Zumindest meiner Erfahrung nach reduzieren sich die Kontakte zu ehemaligen Kollegen ziemlich schnell, sobald die gemeinsame berufliche Grundlage wegfällt.
Das muss nicht einmal böse gemeint sein. Der berufliche Alltag verbindet eben stärker, als man vielleicht denkt. Sobald diese Gemeinsamkeit fehlt, gehen viele Beziehungen auseinander.
Gleichzeitig arbeiten die meisten Freunde und Bekannten weiterhin. Spontane gemeinsame Unternehmungen sind daher oft schwieriger, als man zunächst vermutet.
Man muss sich also auch um sein soziales Umfeld aktiver kümmern.
Mein bisheriges Fazit
Finanziell lässt sich FIRE relativ gut planen. Die sozialen und psychologischen Folgen sind dagegen deutlich schwieriger vorherzusehen.
Ich bereue meine Entscheidung keineswegs. Im Gegenteil: Meine Lebensqualität hat sich spürbar verbessert. Aber ich merke, dass finanzielle Unabhängigkeit nicht automatisch bedeutet, dass man sich auch von gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbildern oder dem Wunsch nach Anerkennung unabhängig macht.
Mich würde interessieren, wie andere Privatiers das erleben. Was war für euch die größte Herausforderung nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben? Und wie seid ihr damit umgegangen?
Viele Grüße
ziola
sozialen und psychologischen Herausforderungen
Deine Ausführung zu den „sozialen und psychologischen Herausforderungen“ unterschreibe ich sofort. Das hast du gut auf den Punkt gebracht.
Menschen, die nach FIRE streben, sparen sich oft etwas vom Munde ab, um Kapital für ihre Zukunft zu bilden. Die Außenwelt sieht am Ende jedoch nur das, was sie zukünftig besitzen und nicht die Entbehrungen, die dafür nötig waren.
Menschen, die nicht nach FIRE leben, sehen das oft kritisch – vermutlich auch deshalb, weil sie einen anderen Lebensstil pflegen und eine solche Entbehrung psychologisch nicht durchstehen würden. Letztendlich führt das oft zu dem Trugschluss, dass der Zinseszins quasi vom Himmel fällt.
Interessante Ausführungen, da werde ich mir mal meine Gedanken dazu machen …
Eine Ergänzung von mir zu deiner Auflistung: Der Weg zum FIRE-Ziel ist auch nicht ohne. Bei mir kam in den letzten drei Jahren insgesamt so viel Druck zusammen, dass ich mich aktuell in einer Psychotherapie befinde. Konzernkarriere, Immobilienvermietung, Depotgröße etc. haben mich schon sehr ausgelastet. Zum Schluss haben dann lebensbedrohliche Krankheitsereignisse im engsten Familienkreis mein Kartenhaus zum Einsturz gebracht, und ich habe die Reißleine gezogen.
Alles Gute für dich @dividendenpirat !
Danke dir! Mir geht es insziwschen so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr.Alles Gute für dich @dividendenpirat !
Die Außenwelt sieht am Ende jedoch nur das, was sie zukünftig besitzen und nicht die Entbehrungen, die dafür nötig waren.
Die „Außenwelt“ sieht nur, was sie sehen will, und was sie sehen soll.
Darum denken viele, dass diejenigen, die teure Autos haben, große Häuser, teure Klamotten und weit entfernte Urlaubsziele, vermögend sind. Sind viele bestimmt, aber ein Blick hinter viele Kulissen offenbart, dass zahlreiche „Blender“ sich am Rand des finanziellen Abgrunds bewegen oder schon längst gefallen sind, es aber nicht wahrhaben wollen oder können.
Genauso vermuten viele hinter einem bescheidenen Lifestyle Armut, dabei ist es meist Vernunft oder eben ein großes Ziel wie FIRE.
Ist eigentlich egal, was andere über einen denken, aber ich kann die Irritation von @ziola über die Irritation der Dritten verstehen. Sehr interessante Gedanken, Danke dir fürs Teilen!
und alles Gute @Dividendenpirat!


