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Hilfe bei der Entnahmestrategie

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sportler
(@sportler)
Neuer Freiheitskämpfer

Hallo zusammen,

ich bin seit einiger Zeit passiver Mitleser und auch im Allgemeinen beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema "Finanzielle Freiheit / vorzeitiger Ruhestand". Ich bin mitte 40 und habe es durch Unternehmertum und einem eher genügsamen Lebensstil geschafft einen siebenstelligen Kontostand zu erreichen. Mehr oder weniger zufällig kam ich mit dem Thema FIRE in Berührung, checkte den Kontostand und dachte - das könnte funktionieren. Gesagt getan. Jetzt habe ich die Herausforderung 1,3 Mio. anzulegen. Meine Firma ist verkauft und ich bin dadurch schon mal frei.

Wie ich das Thema grundsätzlich angehen sollte, ist mir hoffentlich klar. Ich suche jetzt konkrete Anlagetitel, die ich mir ins Depot legen kann. In Bezug auf die generelle Aufteilung der Werte bin ich noch nicht ganz sicher. Da ich von einer Planung 40 Jahre plus ausgehe, sollte der Aktienanteil wohl gegen 100% gehen.

Wichtiger Punkt hierzu: Mir ist unklar, ob ich das Kapital über die Jahre ggf. mit aufzehren sollte, um weniger "Risiken" eingehen zu müssen. (Dinge wie Marktschwankungen, Rendite-Reihenfolge-Risiko usw. sind mir bewusst)

Vererben ist kein grundsätzliches Thema. Das Geld kann am Ende weg sein. Wenn etwas übrig ist, soll es an Menschen gehen, die weniger Glück im Leben hatten. Ich denke, dass das einen erheblichen Unterschied bei der Anlagestrategie ergeben dürfte - also Kapital stehenlassen oder Kapital mit aufbrauchen.

Folgendes habe ich bereits:

13k im XTR.DAX 1C thesau.
130k im VANG.FTSE A.W. DLA thesau.
65k im LYXOR MSCI WORLD ETF I ausschüt.
11k im ISHARES MDAX UC.ETF EOA thesau.
12k im IS.S.E.600 HEA.C.U.ETF A. ausschüt.

Jetzt geht es darum, 1,3 Mio noch so anzulegen, dass ich davon die nächsten 40/45 Jahre gut leben kann. Als mtl. Wunschbetrag dachte ich an ca. 4000€ nach Steuern mit entsprechender Inflationsanpassung. Die 4000€ sind eher großzügig angesetzt, ich würde auch mit 3000€ gut klarkommen. Später könnte dieser Betrag natürlich deutlich mehr werden, mögliche Pflege z.B.

Ich bin übrigens nicht alleine, habe eine wundervolle Frau, keine Kinder und lebe in einer freien Immobilie.

Mein Problem ist also die grundlegende Frage, ob mit oder ohne Kapitalverzehr, und dazu passend die Auswahl der Anlagewerte. Und ehrlich gesagt auch ein psychologisches Problem. Insofern, dass ich das tatsächlich selbst in die Hand nehme und keinen Verwalter / Berater dazuhole, der mir "Ratschläge" gibt. Allerdings "glaube" ich nach so vielen Lektüren und Videos (Kommer, Hackler, Beck, Mission Money, und den anderen üblichen Verdächtigen (das dort auch viel "bla-bla" dabei ist, ist klar) dass ich bei einem Berater auch nicht wirklich viel revolutionär Neues erfahren würde..?

Dann doch eher Rat holen, bei den Menschen, die schon einen Schritt weiter sind als ich. Also ihr Smile

Ein Portfolioansatz hat mir gut gefallen: 80% msci world all country und 20% msci world small cap. Dazu noch ein Cashpuffer für etwa 2 Jahre, um gerade am Anfang, falls das Depot nicht gut anläuft, keine Entnahmen tätigen zu müssen und/oder ggf. auch nachkaufen zu können.

Oder ist das für euch viel zu Allgemein und es ist doch ratsamer weiter zu streuen (emerging Markets, Edelmetalle usw.) Ein Freund von Immobilien und Cryptos bin ich übrigens nicht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn es ein paar Freiheitskämpfer gibt, die mir ihre Gedanken dazu geben würden.

Ich bedanke mich schon mal herzlichst im Voraus. Fragen beantworte ich natürlich gerne. Ich wollte jetzt aber nicht noch mehr schreiben und den Post sprengen.

VG sportler

PS: Falls das hier im Forum nicht an der richtigen Stelle veröffentlicht wurde, bitte dorthin schieben, wo es besser passt Smile

Zitat
Themenstarter Veröffentlicht : 13. Dezember 2022 23:52
Judge Dredd, Yakari, Natman und 1 User mögen das
Schlagwörter für Thema
Der Autodidakt
(@der-autodidakt)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @sportler

Folgendes habe ich bereits:

13k im XTR.DAX 1C thesau.
130k im VANG.FTSE A.W. DLA thesau.
65k im LYXOR MSCI WORLD ETF I ausschüt.
11k im ISHARES MDAX UC.ETF EOA thesau.
12k im IS.S.E.600 HEA.C.U.ETF A. ausschüt.

[...]

Allerdings "glaube" ich nach so vielen Lektüren und Videos (Kommer, Hackler, Beck, Mission Money, und den anderen üblichen Verdächtigen (das dort auch viel "bla-bla" dabei ist, ist klar) dass ich bei einem Berater auch nicht wirklich viel revolutionär Neues erfahren würde..?

Also, nach Kommer und Beck haben die Deutschland-Wetten (DAX und MDAX) und die Health-Care Sektorwette in einem Portfolio eigentlich nichts zu suchen Wink  

Aber zur eigentlichen Fragestellung:
 
Das was jetzt folgt ist jetzt nur meine ganz persönliche Meinung und den meisten wird sie nicht gefallen.
Aber ich denke nicht, dass du dir mit 1,3 Mio ein robustes Portfolio so zusammenbauen kannst, dass du dir bis zum Ende deines Lebens 3000-4000 € nach Steuer und inflationsbereinigt monatlich auszahlen kannst.
 
Diese ganzen Ideen wie Frugalismus oder diese unsäglichen 4%-Regel usw. gehen ja alle davon aus, dass es nie zu einer längerfristigen weltweiten Rezession kommt und dass du bis zum Ende deines Lebens nie ernsthaft erkrankst oder sonstige unvorhergesehen Dinge passieren. Es kann natürlich funktionieren, es kann aber auch genauso gut schief gehen.
- Was ist denn, wenn dein weltweit gestreutes ETF-Portfolio über einen Zeitraum von 5 oder sogar 10 Jahren nicht mehr die angepeilte Rendite abwirft? Könntest du dann wieder arbeiten gehen? Mit 70 in einer weltweiten Rezession? 
- Was passiert, wenn du krank wirst oder einen Unfall hast und aufgrund dessen z.B. ein Umbau nötig wird oder sogar häusliche Pflege?
- Deine abbezahlte Immobilie wird unvorhergesehen Kosten verursachen.
- Es werden Situationen eintreten mit denen stand heute kein Mensch rechnet.
 
Alleine die aktuelle Inflation sollte einem hier zu denken geben. Wer hat denn vor wenigen Jahren mit einer 2-stelligen Inflation gerechnet?
 
Diese ganze FIRE-Idee auf Basis eines auf Kante genähtem weltweiten ETF-Portfolios ist reine Theorie. Die Idee ist noch keine 20 Jahre alt, die Protagonisten sind alle größtenteils zwischen 30 und 40. Bisher hat noch niemand die Nummer tatsächlich bis zur Bare durchgezogen. Alle Simulationen und die sich daraus ergebenden Wahrscheinlichkeiten basieren auf theoretischen Backtests. Die Zukunft aber ist Ereignis-offen! Wir wissen nicht was passiert und wir können daher auch keine Wahrscheinlichkeiten angeben.
 
Meine Meinung: Wenn man diese FIRE-Geschichte tatsächlich robust gestalten will, dann braucht man einen fetten Puffer für all die schwarzen Schwäne, die uns in Zukunft noch besuchen werden. Dieser Puffer muss m.M.n. mindestens „kein Kapitalverzehr“ bedeuten. Wenn dein Kernkapital trotzdem wächst während du von einem Teil der Rendite lebst, dann bist du einigermaßen robust aufgestellt. Ansonsten gehst du eine Wette ein, deren Risiko du nicht einschätzen kannst.

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 09:04
sportler, Vroma, langfristinvestor und 3 User mögen das
Roman
(@roman)
Verdienter Freiheitskämpfer

@sportler

Zunächst Glückwunsch zum bisherigen Erfolg! Ich bin seit 2020 FIRE, meine Gedanken wie folgt:

Rein rechnerisch braucht es bei 1.5mio - ohne Inflation und Steuern - nur 1-2% Rendite um 4000 EUR pro Monat auf 40 Jahre zu erzielen (mit Kapitalverzehr). Bei 4-5% dürften diese abgedeckt sein, was relativ nahe an der erwarteten langfristigen Kapitalmarktrendite liegt. Allerdings nur in einer langfristigen Durchschnittsbetrachtung. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du dieses Einkommen nicht erzielen kannst wenn die tatsächlichen Renditen signifikant von den erwarteten Durchschnittsrenditen abweichen (was sie wie in diesem Jahr regelmässig tun).

Dafür trägst du aber eine ganze Reihe von Risiken. Frage dich zunächst, ob es deiner Risikotoleranz entspricht 100% im Aktienmarkt investieren und davon abhängig zu sein. Auch wenn Mainstream-Youtuber etwas anderes suggerieren, die meisten Leute werden sich in dieser Situation nicht komfortabel damit fühlen und die Volatilität akzeptieren. Es ist daher für die meisten nur ein Traum, dass man ein 1.5mio-ETF-Portfolio im "Autopilot" lassen kann und dann sorgenfrei 40 Jahre davon lebt.

Was es braucht ist entweder mehr Kapital und/oder mehr Kompetenz (entweder eigene oder externe) um weitreichende finanzielle Entscheidungen zu treffen und positive risikoadjustierte Renditen zu erzielen.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 11:53
Garagengold
(@garagengold)
Verdienter Freiheitskämpfer

Hallo, auch von mir Glückwunsch! Du hast viel erreicht, und weißt,  wie es weitergehen soll. Ich schließe mich meinen Vorrednern an. Das Risiko, dass es so nicht klappt, liegt vllt bei unter 10%, aber es ist da. Nehme Pascals Rat bitte Ernst.

Meine Gedanķen dazu:

Eine harte Nuss ist die Krankenversicherung. Damit steht und fällt vieles. Die Beiträge musst du unbedingt einbeziehen in die Kalkulation.

Den Markt hast du nicht im Griff. Dein Lebensstil schon. Ich finde 4000eu reell auszugeben, obwohl das Haus bezahlt ist, echt viel. Also nicht der Wunsch, 4000 zu haben, sondern die Tat, jeden Monat 4000eu Kosten zu verursachen. Das sind für mich zwei paar Schuhe. Solltest du mit 3000 Bedarf rechnen und reell nur 2500 ausgeben, ist schon viel Druck aus dem Kessel.

Willst du wirklich mit Mitte 40 nicht mehr arbeiten? Nicht böse gemeint die Frage. Für mich ist FIRE nichts. Ich möchte bis über 70 arbeiten. Oder ist es die Art, zu arbeiten? Verantwortung zu tragen. Probleme haben. Mein Nachbar ist finanziell frei, arbeitet aber sehr gerne bei mir, einfach aus Spaß, und projektbezogen als Handwerker. Er bastelt, ich zahle. Win/win für beide. Worauf will ich hinaus? Du hast deine Firma verkauft. Die Kasse stimmt. Gönne dir eine Auszeit. Mache eine Weltreise. Erfinde dich neu. Und nach einem Jahr, wenn dir die Decke auf den Kopf fällt, suche dir eine Tätigkeit. Jugendarbeit, Ausbildung, Beratung. Du hast dein Vermögen nicht grundlos gemacht. Gebe deine Skills weiter, in einem Rahmen, der DIR Spaß macht. Ein 450eu-Job spart dir über 100k Kapital. Ein Medijob deckt deine KV und Sozialversicherungsbeiträge. Als Freelancer füllst du einfach die Urlaubskasse. Das sind nur Beispiele. Aber mit Mitte 40 keine Aufgaben mehr zu haben, finde ich sehr unglücklich. 

Was würde ICH tun?

Ein Jahr Pause

Mich in Finanzthemen einlesen und weiterbilden, jung im Kopf bleiben. Meine Beziehung pflegen.

Aktienquote ca. 60%, breit gestreut ETFs

Zockerdepot mit 100k, den Rest sicher anlegen

Nach einem Jahr mir einen Einkommenszweig suchen, der zu meinem Leben passt. 

Viel Erfolg!

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 12:35
sportler, Vroma, Yakari und 2 User mögen das
Robi
 Robi
(@robi)
Freiheitskämpfer Silber
Veröffentlicht von: @der-autodidakt
- Was ist denn, wenn dein weltweit gestreutes ETF-Portfolio über einen Zeitraum von 5 oder sogar 10 Jahren nicht mehr die angepeilte Rendite abwirft? Könntest du dann wieder arbeiten gehen? Mit 70 in einer weltweiten Rezession? 
- Was passiert, wenn du krank wirst oder einen Unfall hast und aufgrund dessen z.B. ein Umbau nötig wird oder sogar häusliche Pflege?
- Deine abbezahlte Immobilie wird unvorhergesehen Kosten verursachen.
- Es werden Situationen eintreten mit denen stand heute kein Mensch rechnet.

Für all diese Fälle gibt es zwei Lösungen:

- Immobilie verkaufen 

- Gürtel enger Schnallen (was bei 3-4t Euro im Monat zu Zeit locker möglich ist)

 

Für den Fall einer länger Rezession könnte er sich auch ein größeres Cash/Gold Polster anlegen.

Ach ja @sportler : Herzlichen Glückwunsch zum Erreichten!

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 12:44
sportler, Yakari und Judge Dredd mögen das
Der Autodidakt
(@der-autodidakt)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @garagengold

Nehme Pascals Rat bitte Ernst.

Ich bin nicht @pascal 🤣, aber Pascals neuer Name hängt wohl irgendwie mit meinem zusammen...

Veröffentlicht von: @robi

Für all diese Fälle gibt es zwei Lösungen:

- Immobilie verkaufen 

- Gürtel enger Schnallen (was bei 3-4t Euro im Monat zu Zeit locker möglich ist)

Ja, absolut richtig! Aber das war ja nicht die Frage. Es ging darum:

Veröffentlicht von: @sportler

Jetzt geht es darum, 1,3 Mio noch so anzulegen, dass ich davon die nächsten 40/45 Jahre gut leben kann. Als mtl. Wunschbetrag dachte ich an ca. 4000€ nach Steuern mit entsprechender Inflationsanpassung. Die 4000€ sind eher großzügig angesetzt, ich würde auch mit 3000€ gut klarkommen. Später könnte dieser Betrag natürlich deutlich mehr werden, mögliche Pflege

Und zum Thema Gürtel enger schnallen, wenn der Karren gegen die Wand fährt, kann ich leider aus persönlicher Erfahrung sprechen:

Mein Vater war an Multipler Sklerose erkrankt, er hatte eine abbezahlte Immobilie und eine vermietete Wohnung, war sein ganzes Berufsleben bei ein- und demselben DAX Konzern angestellt, seine Frau hatte auch nicht schlecht verdient. Sein Gesundheitszustand wurde immer schlechter, sodass er mit Mitte 50 auf dem Berufsleben ausschied. Er bekam staatliche Rente und eine üppige Betriebsrente on top - knapp 3.000 pro Monat. 5 Jahre später war die vermietete Wohnung verkauft und alle Ersparnisse nahezu aufgebraucht, um diverse Umbauarbeiten im Haus durchzuführen. Jetzt war der Zustand aber bereits so schlecht, dass eine 24 std. Pflege nötig war... ohne den Zuverdienst seiner Frau und Unterstützung durch die Kinder wäre das nicht möglich gewesen. Was ich damit sagen will: Wenn "die Kacke so richtig am Dampfen ist" dann schnallt man nicht einfach mal so locker den Gürtel enger. @sportler hat das ja auch geschrieben: "Später könnte der nötige Betrag deutlich höher werden evtl. Pflege". Bei einem Pflegefall zerrinnt dir Geld nur so in den Fingern.

Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und will nicht schwarzmalen, sondern lediglich darauf hinweisen, dass ein Abschied aus der Erwerbstätigkeit mit auf Kante genähtem ETF-Portfolio nicht unerhebliche Risiken birgt - über die leider fast niemand in der Szene redet.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 13:37
sportler, pascal, Yakari und 5 User mögen das
Garagengold
(@garagengold)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @garagengold
Veröffentlicht von: @garagengold

Nehme Pascals Rat bitte Ernst.

Ich bin nicht @pascal 🤣, aber Pascals neuer Name hängt wohl irgendwie mit meinem zusammen

Ohhh sorry, man kommt hier ja durcheinander. War es nicht so, dass das Gehirn Wörter wie "Kein" und "Nicht" überliest? 

Du hast es ja gut herausgearbeitet. Das eine ist Youtube, das ist alles richtig und gilt in erster Linie als Motivation. Das zweite ist das echte Leben. Kann gut gehen, kann scheitern. Und es kommt nie so wie geplant. 

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 14:28
sportler, pascal, Yakari und 1 User mögen das
Roman
(@roman)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @der-autodidakt

Was ich damit sagen will: Wenn "die Kacke so richtig am Dampfen ist" dann schnallt man nicht einfach mal so locker den Gürtel enger. @sportler hat das ja auch geschrieben: "Später könnte der nötige Betrag deutlich höher werden evtl. Pflege". Bei einem Pflegefall zerrinnt dir Geld nur so in den Fingern.

Das ist korrekt, aber der Punkt ist m.E. ein anderer. Grundsätzlich kann eine lebensbedrohliche Krankheit jeden treffen, ob man einen Job hat oder nicht. In dieser Situation könnte es vergleichsweise besser sein nicht auf einen Job angewiesen zu sein und 1.5mio zu haben. Wichtig ist, wenn notwendig, entsprechend vorzusorgen bevor der Fall eintritt und die Kosten dafür seriös zu budgetieren.

Vielleicht ist es das stärkste Argument "pro FIRE", wenn man sich entscheidet die aktive Lebenszeit so zu gestalten, wie man will, und solange man kann.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 14:53
Vossi78, sportler, Judge Dredd und 3 User mögen das
Der Autodidakt
(@der-autodidakt)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @roman

Grundsätzlich kann eine lebensbedrohliche Krankheit jeden treffen, ob man einen Job hat oder nicht. In dieser Situation könnte es vergleichsweise besser sein nicht auf einen Job angewiesen zu sein und 1.5mio zu haben.

Ja, bei einer lebensbedrohlichen Krankheit sind die 1.5 Mio sicher besser als ein Job. Das Problem sind die nicht lebensbedrohlichen Umstände/Krisen, die über viele Jahre bis Jahrzehnte zu massiven Kosten führen können, an die vorher keiner gedacht hat. 

Aber grundsätzlich, hast du schon recht. Es ist natürlich ein Segen, wenn du in extremen Krisensituationen Zugriff auf entsprechendes Kapital hast und darüber frei verfügen kannst. 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 15:09
sportler, Judge Dredd, Roman und 1 User mögen das
Judge Dredd
(@judge-dredd)
Freiheitskämpfer Gold

Auch von mir herzlichen Glückwunsch zum erreichten Vermögen! Danke für die sehr guten Beiträge zu dem Thema.

 

1,3 Mio anzulegen und ca 0,2 Miobereits investiert, also insgesamt 1,5 Mio fürs Depot das ist eine richtig tolle Vermögenshöhe. Dazu eine abbezahlte Immobilie, eine sehr sehr gute Ausgangslage. Freue mich sehr für dich. Sowas zu lesen spornt mich immer an! Ich hoffe ich komme irgendwann auch mal in die Situation ;-)

 

Bei den Überlegungen was man macht/nicht macht würde ich mir definitiv viel Zeit für Planungen lassen um alles gut zu durchdenken. Ggf. auch noch mehr Expertise zum Thema Portfoliomanagment einholen. Und das Ganze natürlich auch mit deiner Frau besprechen und planen, nicht das du das ganze Jahr über verreisen willst, sie möchte aber noch 5-10 Jahre arbeiten.

 

Ein Aspekt ist der ja schon angesprochene Aspekt von Existenzrisiken (lange Pflege, Krankheit, Haftungsfälle). Hier kann man ggf. mit entsprechenden Versicherungspolicen je nach Risikoneigung Vorsorge betreiben und die Risiken minimieren.

 

Daneben sollte man möglichst genau die Ausgaben abschätzen und auch hier einen Puffer einbauen.

Bei den zu erwartenden Ausgaben würde ich definitiv auf ausreichend Versicherungsschutz achten. Die Krankenversicherung ist ja dann eine Unbekannte. Willst du dich freiwillig gesetzlich krankenversichern? Wie ist das mit der Krankenversicherung für deine Frau?

Bei den Ausgaben würde ich genug für die Instandhaltung der Immo berücksichtigen. Glaube je nach Baujahr werden in der Literatur 1-2% p.a. des Gebäudewertes genommen (weiß ich jetzt aber nicht auswendig).  Also da nochmal ganz genau die AUsgaben überprüfen. ich würde an deiner Stelle auch ein dickes Reisebudget einrechnen, denn wenn man Zeit für Reisen hat, will man das bestimmt auch machen. Oder auch andere  Aktivitäten die vielleicht Geld kosten. Mit mehr Zeit hat man einfach auch mehr Zeit zum Geld ausgeben.

 

Mit der 4% Regel ist das ja immer so eine Sache. Da kommt es ja auch auf den Zeitraum an, wann man mit der Entnahme beginnt. Ich habe gerade zu dem Thema einen Podcast gehört der auf eine Studie verwiesen hat (die kenne ich selbst leider noch nicht) wonach es einige Zeiträume gab, wo es mit der 4% nicht geklappt hätte. Glaube im ungünstigsten Fall war nach 27 Jahre  das Depot bei 4% jährlicher Entnahme aufgebraucht (nicht festnageln auf die Zahlen). Sicherer sind da 3 oder z.B. 2,5% Entnahme.

Ohne Steuern wären bei 3% und 1,5 Mio Depot 45K brutto pro Jahr mithin 3750 Euro brutto pro Monat drin. Das kommt deinem "Wunschwert" schon sehr nahe. Ich nehme an spätere Rentenzahlungen ab 67 sind nicht zu berücksichtigen? Das würde ja ansonsten ab 67 einen "sicheren" zusätzlichen Cashflow bringen.

 

Hinsichtlich der Assetallokation sollte man genau planen und die eigene Risikotragfähigkeit versuchen einzuschätzen. Denn bei 100% Aktien  und einem 40% Crash könnte ich mir vorstellen, dass sich das mit größerer Abhängigkeit zum Depot nicht mehr so "entspannt" anfühlt wie in der Ansparphase. Hier würde mir persönlich in einer Entnahmephase  ein Cashpuffer von 1-3 Jahresausgaben sowie etwas Gold Sicherheit geben, das ist aber eine Typfrage. Eine Berechnung ohne Kapitalverzehr wie bereits vom Autodidakten vorgeschlagen klingt sehr sinnvoll.

 

 

Viel Erfolg und halte uns mal auf dem Laufenden!

 

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 17:55
sportler, Vroma, Garagengold und 1 User mögen das
Fuso
 Fuso
(@fuso)
Verdienter Freiheitskämpfer

Der Blog von Georg, und sein Beratungsangebot, könnten etwas für Dich sein.

https://www.finanzen-erklaert.de/

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14. Dezember 2022 21:34
sportler mag das
Vroma
(@vroma)
Freiheitskämpfer Silber

@Sportler

Glückwunsch zum Erreichten! Sehr cool!

Ich weiß nicht was mein Rat zählt, da ich weder meine finanziellen Ziele erreicht habe, und deshalb auch keine Erfahrug in der Entnahme habe, aber ich würde das so machen:

1. Immobilie bezahlt => Cashrücklage dem Alter und Größe entsprechend (gerne aktuell in Gold)

2. Das Geld in den Vanguard All World investieren => Von den Dividenden sollte sich gut Leben lassen

3. 1x Jahresausgaben in Heimatwährung in Cash/Konto halten. (Die Dividenden laufen für das 2 Jahr auf)

4. Halbe Jahresausgabe als Notreserve in Gold.

5. Deine restlichen Aktienfonds für Spaß und Notfälle.

 

Wer hier noch meckert hat eine Angststörung. Wenn was passiert hast Du ein Jahr Zeit Dir Gedanken zu machen. Ein weiteres Arbeiten aus Spaß macht die Situation nur noch komfortabler. Man kann einen auf David Carradine machen, oder man wird halt krank. Leider kenne ich kaum bessere Ausgangssituationen um mit seiner Krankheit umgehen zu müssen...

AntwortZitat
Veröffentlicht : 15. Dezember 2022 10:11
Vossi78, sportler, Garagengold und 4 User mögen das
Mrtn17
(@mrtn17)
Verdienter Freiheitskämpfer

Auch von mir, erstmal Gratulation zum Erreichten! Von dieser Situation träumen viele.

Das Meiste wurde schon angesprochen, hier noch ein paar Gedanken von mir:

- Im Prinzip reicht ein Vanguard All-World. DAX/MDAX/HealthCare ist CountryBias bzw eine Wette.

- Es gab viele Diskussionen zur 4% Regel aber ich meine, dass sie noch intakt ist. Ich persönlich rechne mit einer CAPE (Cyclical adjusted price-to-earnings ratio) adjustierten Version. Grob gesagt, bei einem normalen CAPE von 20 passt eine SWR (Safe Withdrawal Rate) von 4%. Ist der Markt schwach bewertet mit einem CAPE von 15, wäre eine SWR von 5% möglich. Ist der Markt gehyped mit einem CAPE von 30, sollte man eine SWR von 3% anwenden. Ich nutze dabei die Formel SWR=0,01+0,6/CAPE , das sieht dann so aus:

Bildschirmfoto

Mehr dazu zu lesen gibt es bei BigERN https://earlyretirementnow.com/2020/08/31/the-half-percent-safe-withdrawal-rate/

- Fast alle Broker bieten ETF-Sparpläne aber nur sehr wenige ETF-Auszahlpläne. Beispielsweise Finvesto bietet sowas.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 15. Dezember 2022 13:22
sportler, Garagengold, ziola und 1 User mögen das
Maxibackblech
(@maxibackblech)
Aktiver Freiheitskämpfer

Da Georgs Seite ja schon genannt wurde und einigen hier gut bekannt sein dürfte, wundert es mich doch, dass viele die 4% Regel und die zugrunde liegende Trinity-Studie nicht richtig kennen.

Wichtige Einschränkungen der Studie:
Über einen Zeitraum von 30 Jahren ist das Pleiterisiko bei 4% Entnahme sehr gering. Nicht 0 und nicht wenn es über 30 Jahre hinaus geht. Ganz wichtig.

In der Studie wurde nur der US Markt betrachtet und nur 43 Zeiträume über 30 Jahre, die sich auch noch überlappen. 

So sicher wie sie oft bezeichnet wird, ist diese Regel also mitnichten. 

https://www.finanzen-erklaert.de/vorsicht-vor-der-4-regel/

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 15. Dezember 2022 14:42
sportler, Fuso, Roman und 1 User mögen das
Maschinist
(@maschinist)
Maschinist

@maxibackblech 

 

Das können wir hier bei uns auch:

https://freiheitsmaschine.com/warum-die-4-regel-wahrscheinlich-scheitern-wird-und-was-du-dagegen-tun-kannst/

 

;)

Schönen Tag

AntwortZitat
Veröffentlicht : 15. Dezember 2022 14:59
sportler und Der Autodidakt mögen das
Roman
(@roman)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @mrtn17

- Im Prinzip reicht ein Vanguard All-World. DAX/MDAX/HealthCare ist CountryBias bzw eine Wette.

- Es gab viele Diskussionen zur 4% Regel aber ich meine, dass sie noch intakt ist.

Sorry, aber diese Aussagen kann man nicht unkommentiert stehen lassen denn sie führen bei vielen möglicherweise zu falschen Schlussfolgerungen.

Gemäss den zugrundeliegenden Studien zu diesem Thema basieren die höchsten sicheren Auszahlungsraten nicht auf einem reinen Aktienportfolio, sondern einem deren Aktienanteil zwischen 50 und 75% liegt. Bei einem reinen Aktienportfolio liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit bei 30 Jahren gemäss aktuelleren Studien bei nur ca. 93%, bei 40 Jahren lediglich bei 88%.

Dass die 4%-Regel wurde in der Studie 1998 ursprünglich auf 30 Jahre berechnet mit historischen US-Daten die man nicht zwangsläufig auf Aktienrenditen in anderen Märkten wie MSCI, DAX etc beziehen kann. Da sich z.B. Kapitalrenditen in den letzten 20 Jahren zudem signifikant von denen in der ursprünglichen Studie unterschieden haben hat es diverse inoffizielle "Updates" zu dieser Studie gegeben, die mehrheitlich ergeben haben dass sichere Entnahmeraten für 40 Jahre eher bei 3% als bei 4% liegen.

Ob dynamische Entnahmeraten zu sicheren Entnahmen im Sinne einer höhen Erfolgswahrscheinlichkeit führen ist möglich, aber generell von der Assetgewichtung, den effektiven Kapitalmarktrenditen und weiteren Parametern abhängig.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 15. Dezember 2022 15:11
sportler mag das
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