Wie frei ist Björn?

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Finanzen Kapitalerträge Steuern Krankenversicherung GünstigerprüfungDie Freiheitsmaschine wächst unermüdlich.

Mittlerweile rufen die Freiheitskämpfer in Summe mehr als 200.000 Freiheitsmaschinenseiten im Monat auf.

ZWEIHUNDERTTAUSEND!

2016 als Sommerferienspaß gestartet, bringt Ihr mittlerweile den Server zum Glühen.

 

Und neben der Verzweiflung des Hosters gibt es mittlerweile noch ein zweites „Problem“.

In der Freiheits-Community ist mittlerweile eine solche Kompetenz versammelt, dass der Maschinist es schwer hat, überhaupt noch Themen von dort zu neuen Artikeln zu verarbeiten.

 

Der folgende Beitrag ist so ein Beispiel

Schon kurz nach Fragestellung, gab es in der Community von mehreren Freiheitskämpfern eine dermaßen umfangreiche Beratung, dass Teile meines Beitrages schon obsolet waren, bevor ich überhaupt ans Veröffentlichen denken konnte.

Das Projekt Freiheitsmaschine hat sich also zu einer Wahnsinnssache entwickelt und ich freue mich jeden Tag darüber.

Danke an alle, die dabei sind!

 

Den folgenden Beitrag von Björn gibt es hier trotzdem.

Denn neben seiner finanziellen Situation, die im Forum selbst schon zum guten Teil geklärt wurde, lauert auf den zweiten Blick das eigentliche Thema.

 

Wie frei ist Björn?

Er ist als verheirateter Mittvierziger mit zwei Kindern und knapp 500.000 Euro Vermögen an einem Punkt, an dem er überlegt das persönliche „Tausche Lebenszeit gegen Geld“ Spiel seines Angestelltenjobs zu beenden.

Beim Durchlesen wird klar, dass er sich schon viele Gedanken zum finanziellen Bereich gemacht hat.

Aber ist das auch das wichtigste bei diesem Thema?

Oder anders gefragt: Hat er alle Elefanten in seinem Raum damit erwischt?

Hier sein Beitrag

 

“Hallo liebe Freiheitsmaschinen Gemeinde.

Als neues Mitglied möchte ich zu einem Thema beitragen, das mir beim Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit Probleme macht und Euch gleichzeitig um Euer Wissen bitten: 

Die Kosten die (bei diesem Lebensmodell) versursacht werden, nämlich Steuern, Rentenversicherung und vor allem Krankenversicherung. 

Ich gehe dabei davon aus, dass diese Kosten vorher durch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung „gedeckt“ waren und weder Krankenversicherung noch Rentenversicherung (im neuen Lebensabschnitt) verzichtbar ist.

Die Steuer ist eh unvermeidlich.

Bei dieser Gelegenheit teile ich dann auch gleich mal was ich bisher herausgefunden habe und auch meine Schlüsse dazu.

 

Zuvor ein kurzer Abriss wer ich bin und wo ich stehe:

Ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und 2 Kinder.
Meine Frau ist Beamtin und arbeitet Teilzeit und ist sehr happy mit ihrem 60% Job. 
Ich selbst war nicht so glücklich in meinem Job und beginne im Januar einen neuen. 

(Leider erst) in den letzten Monaten bin ich dann auf „FIRE“ gestoßen und habe das Thema für mich entdeckt. Ob ich in genau dem Beruf überhaupt noch glücklich werde, steht in den Sternen. Habe den neuen Job aber angenommen, um erst mal wieder ein zweites Einkommen zu generieren und damit auch die Zeit zu überbrücken bis das vorhandene Geld investiert ist. 

Alles auf einmal zu investieren erscheint mir doch zu riskant, also per Sparplan auf 2 Jahre ausgelegt um nach und nach zu investieren. Zusätzlich ich hoffe auf günstige Nachkaufgelegenheiten bei Markteinbrüchen was den Zeitraum verkürzen würde, bis alles investiert ist.

Wenn dann alles investiert ist, und ich mit einer Entnahmerate von 3,5% rechne (inkl. Dividenden) käme ein Ertrag von 15.150 Euro / Jahr zustande (1.262 Euro / Monat).

Gerne würde ich das meiste über Ausschüttungen abbilden um effektiv so wenig wie möglich verkaufen zu müssen.

Die Frage die sich mir gestellt hat war, ob wir auch ganz ohne mein Einkommen, also nur mit dem Teilzeit Einkommen meiner Frau, sowie den Erträgen aus den Investments bereits jetzt „finanziell frei“ sein können?

Wenn wir das so machen würden, entstünde bei uns eine Lücke von effektiv 1.020 Euro, die dann durch die Kapitalerträge gedeckt werden müssten.

Also, die Antwort zunächst : Im Prinzip ja. 1.262 Euro Erträge vs. 1.020 Euro Lücke.

Spot On ! Reicht!

Aber halt, leider doch nicht.

 

Erst mal die Steuer: Auch wenn es manche Frugalisten immer wieder anders rechnen. Abgesehen vom Freibetrag fällt nun eben doch der Grenzsteuersatz an, bzw. dann die 26,35 % Abgeltungssteuer inkl. Soli, zzgl. Kirchensteuer, insgesamt 27,819 % (BW). Und das schon bei den 2.610 Euro Brutto Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit von meiner Frau.

Bleiben nur also noch 910,92 Euro von den Kapitalerträgen.

Dann die Rentenversicherung: Da ich bereits einige Jahre gearbeitet habe und früh begonnen, darf ich bereits mit 65 in Rente gehen (besonders langjährig Versicherte) in 20 Jahren. Aber nur wenn ich auch weiter versichert bleibe. Würde man den Fall annehmen dass ich theoretisch nicht mehr Arbeite, bleibt nur die Möglichkeit der freiwilligen gesetzlichen Rentenversicherung. Die Mindestsumme beträgt 83,70 Euro / Monat.

Bleiben nur noch 827,22 Euro von den Kapitalerträgen.

Und nun zur Krankenversicherung: Bis Juni 2019 war ich privat versichert. Die Beiträge zur PKV sind dabei von anfänglich 250 Euro auf zuletzt über 600 Euro gestiegen. Und dabei war das Ende der Fahnenstange sicher noch lange nicht erreicht. Seit Juni bin ich nun gesetzlich versichert.

Für mich fällt der Vergleich gesetzliche Versicherung vs. Private Versicherung eindeutig zu Gunsten der gesetzlichen Krankenversicherung aus – zumindest für alle die früher oder später ganz oder teilweise von ihren Erträgen leben wollen.

Von den Leistungen her mag die private Versicherung besser sein, das Grundrisiko das es abzudecken gilt, wird aber auch von der gesetzlichen Kasse gedeckt.

Bei den PKV-Beiträgen sehe ich die Gefahr, dass die besseren Leistungen im Alter, wenn man sie gerade brauchen würde, unbezahlbar werden und Beträge von weit über 1.000 Euro im Raum stehen. 
Da hilft dann nur die Leistung zu reduzieren damit der Beitrag fällt – auch nicht im Sinne des Erfinders.

Mit Erreichen der Rente bekommt man von der gesetzlichen Rentenkasse lediglich einen Zuschuss in Höhe von 7,3% (höchstens aber die Hälfte des PKV Beitrages). Das entspricht der Hälfte des gesetzlichen Beitrags. Angenommen jemand bekommt eine stattliche Rente in Höhe von 2.500 Euro, dann bekäme er gerade mal 175 Euro als Zuschuss für seine Krankenversicherung. Wenn diese 1.000 Euro kostet, bleibt derjenige auf der Differenz sitzen. 

Sicherlich werden Rücklagen gebildet und der gesetzliche Zuschlag von 10% fällt bei Rentenbeginn weg, auch Krankentagegeld Wegfall bewirkt etwas. Die Frage ist am Ende, wie hoch ist der Beitrag nach diesen Reduzierungen. Wie ich höre, oft noch über 1.000 Euro…

Also bleibt die gesetzliche Krankenversicherung für Freiheitsliebende die langfristig denken alternativlos. Nur gibt es auch dort Unterschiede, gerade für Leute die noch privat versichert sind oder waren. Bei Rentenbeginn gibt es die freiwillige gesetzliche Versicherung, in diese kommt man wenn man zuvor gesetzlich versichert war. 

Und dann gibt es noch die Krankenversicherung der Rentner (KVdR). In diese kommt man auch wenn man vor der Rente gesetzlich versichert war, aber nur wenn man in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens 9/10 der Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied war (egal ob in der Familienversicherung, freiwillig versichert oder Pflichtversichert). Pro Kind gibt’s 3 Jahre „Bonus“.

Der Vorteil: In der KVdR zahlt man bei Rentenbezug KEINE Beiträge auf Dividenden, Zinsen oder Mieteinnahmen, bei der freiwilligen gesetzlichen Versicherung schon. Auch private Renten bleiben von der Krankenversicherungspflicht befreit, bei der freiwilligen gesetzlichen nicht.

Nach meinen Berechnungen und davon ausgehend dass die heutigen Regelungen bestand haben werden (was auch nicht sicher ist), ist die gesetzliche Krankenversicherung der privaten vorzuziehen und dabei möglichst die Versicherung bei der KVdR anzustreben da deutlich mehr von den Erträgen übrig bleibt beim Rentenbezug.

 

Meine Konstellation:

Frau (Beamtin) privat krankenversichert, Beihilfeberechtigt. 
Ich, gesetzlich versichert und will es bleiben (siehe oben). 
Familienversicherung funktioniert eh nicht bei der privaten KV (generell).

Also müsste ich mich freiwillig versichern und dann wird’s blöd. Wenn ich nicht mehr arbeiten würde, wäre ich also nicht erwerbstätig und bekäme auch kein Arbeitslosengeld. 
Dividenden, Ausschüttungen zählen zum Einkommen, genauso wie das volle Einkommen meiner Frau zu meinem Gehören würde.

https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/versicherung/freiwillige-krankenversicherung-tk/haeufige-fragen-zu-beitraegen-fuer-freiwillig-versicherte/beitragshoehe-freiwillig-versichert-nicht-erwerbstaetig-2006970

 

https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/versicherung/freiwillige-krankenversicherung-tk/beitragspflichtiges-einkommen/ehegatteneinstufung-beitragsberechnung-einkommen-voraussetzungen-2006844

Demnach müsste ich also 14,6 % aus dem Einkommen meiner Frau bezahlen =  391 Euro pro Monat 
sowie 14,6 % aus den Einnahmen aus Kapitalertrag (vor Steuer versteht sich) = 184 Euro pro Monat 
sowie 3,05% aus dem Einkommen meiner Frau für die Pflegeversicherung = 79,90 Euro pro Monat 
sowie 3,05% aus den Einnahmen aus Kapitalertrag für die PV = 38,5 Euro

Also insgesamt 693,40 Euro bezahlen nur um krankenversichert und pflegeversichert zu sein!

Also bleiben von den ursprünglichen Erträgen von 1.265 Euro nach Abzug von Steuern, Rentenversicherung und Krankenversicherung nur noch 133,82 Euro übrig… 😮

Das ist, wie soll ich sagen, ziemlich entmutigend.

Das einzige was ich mir vorstellen könnte wäre dann eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit zu finden, dann würden die Posten KV und RV entfallen. Ich hätte zwar ohnehin nicht vor gehabt nichts mehr zu tun aber unter Freiheit hätte ich mir auch gewünscht auf keine Arbeit mehr angewiesen zu sein.

Jetzt hoffe ich dass ich hier irgendeine Lösung übersehen habe oder vielleicht sogar einen Denkfehler gemacht habe und ihr mich da korrigieren könnt. Wenn nicht, ist das Thema Finanzielle Freiheit doch für viele Leute die eben auch schon gearbeitet haben und nicht von 1.200 Euro monatlich leben können oder wollen und damit unter allen Freibeträgen bleiben doch recht weit die Ferne gerückt, speziell natürlich in dieser Konstellation da Partner Beamtin und privatversichert.”

Ende

 

Ok Björn – Erstmal Willkommen bei den Freiheitskämpfern.

Dein Leserbrief schneidet einige große Themen an und nicht alle sind auf den ersten Blick ersichtlich.

Um das Ganze nicht zum gordischen Knoten werden zu lassen, konzentrieren wir uns im ersten Teil auf den finanziellen Bereich, bevor wir im zweiten Abschnitt zu den im menschlichen Miteinander oft wichtigeren Softfakts kommen.

In Deiner Rechnung sind einige Bugs, die im Forum schon zum guten Teil aufgedeckt wurden und die sich bei Korrektur zu Deinen Gunsten auswirken.

 

Besteuerung der Renten- und Krankenversicherungsbeiträge

Die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sowie in die Krankenversicherung erfolgen aus Deinem unversteuerten Bruttoeinkommen.

Sie zählen beide als Vorsorgeaufwendungen. Bei der Krankenversicherung umfasst das die Basisversorgung, also Deinen GKV-Umfang.

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung sind alle Einzahlungen im Jahr 2019 schon zu 88% steuerlich absetzbar und dann jährlich steigend im Jahr 2025 zu 100%.

 

Höhe der Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse

Ein größerer Bug liegt in der Berechnung Deiner Krankenkassenbeiträge zur GKV. Die Anrechnung des anteiligen Einkommens Deiner Partnerin erfolgt zwar wie von Dir angegeben, da unter Deinen Bedingungen Dein Einkommen aus den Kapitalerträgen niedriger wäre. Es gibt dabei aber bis zu einem gewissen Familieneinkommen eine Anrechnungsgrenze, von 2.268,75 Euro im Jahr 2019.

Das bedeutet für Dein Beispiel der Techniker Krankenkasse für Dich einen Gesamtbeitrag zur Krankenkasse inkl. Pflegeversicherung für Paare mit Kindern von 402,71 Euro im Monat, da euer gesamtes Familieneinkommen inkl. eurer Kinderfreibeträge und weiterer absetzbarer Kosten wie der (abhängig vom Alter) Rentenvorsorge deutlich unter den weiteren Grenzen dieser Regelung für euch liegen.

 

Versteuerung von Kapitalerträgen

Du musst nur deshalb Deine Kapitalerträge mit 26,38% plus Kirchensteuer versteuern, weil Deine Frau durch die Zusammenveranlagung Deinen Grundfreibetrag benutzt und Ihr so bei diesem Arbeitseinkommensanteil weniger Steuern zahlt.

Falls Du ein Single nur mit Kapitalerträgen aber ohne Arbeitseinkommen wärst, würde sich für Dich die Günstigerprüfung bis zu einem Einkommen von mehr als 50.000 Euro im Jahr an Kapitalerträgen lohnen.

Wir haben das Thema in der Freiheitsmaschine mit verschiedenen Beispielen schon durchgerechnet. Als Annäherung kommt man durch die ausländische Quellensteuer grob bei einem Steuersatz von 15% heraus, der für Dich bei Alleinbetrachtung auf diese Kapitalerträge anfallen würde.

Die gemeinsame Steuerveranlagung für das Arbeitseinkommen Deiner Frau und die normalen 26,38% plus Kirchensteuer auf die Kapitalerträge (bzw. die neue ETF Besteuerung nach dem 2018er Investmentsteuergesetz) macht für euch wahrscheinlich trotzdem Sinn.

Aber für die Diskussion mit Deiner Partnerin wäre das ein valider Punkt.

 

Ergebnis

Bei angenommenen Kapitalerträgen von monatlich 1.262 Euro Brutto wird daraus nach GKV, Pflegeversicherung sowie fiktiven 15% Quellensteuern durch Günstigerprüfung ein Netto aus diesem Einkommensbereich von 731 Euro im Monat.

Eine weitere Optimierungsmöglichkeit wäre jetzt z.B. noch die Vermeidung von ausschüttenden ETF und der Kauf von Thesaurierern, da dadurch besonders zu Beginn der Entnahmephase weniger Steuern (und möglichweise auch geringere Beiträge zur GKV) anfallen würden.

Es ist betreff Ausfallsicherheit Deines Depots egal, ob Du einen ausschüttenden ETF mit 3,5% Dividendenrendite besitzt und von den Dividenden lebst oder den gleichen ETF als thesaurierende Variante nimmst und dann im Jahr 3,5% der Anteile verkaufst.

Steuerlich macht es aber besonders zu Beginn der Entnahmephase einen Unterschied, da die verkauften 3,5% ETF Anteile im Jahr bei der thesaurienden Variante dann rechnerisch nur zu einem geringen Anteil aus schon akkumuliertem Kapitalertrag bestehen, sondern größtenteils noch aus zuvor von Dir schon versteuertem Vermögen.

 

Deine Anrechnung des freiwillig geleisteten Mindestbeitrages für die gesetzliche Rentenversicherung zur Erreichung der Versicherungsgrenzen für besonders langjährig Versicherte, macht nach meiner Meinung keinen Sinn, da es eine freiwillige Entscheidung von Dir ist um später einmal einen zusätzlichen Rentenvorteil zu genießen.

Außerdem erhöhen diese freiwilligen Einzahlungen ja auch wieder Deine spätere Rente.

Mit den ausgerechneten 731 Euro Nettokapitalerträgen im Monat bist Du zwar immer noch nicht bei Deinen angestrebten 1.020 Euro im Monat.

Aber so weit weg ist es nicht um mit neuer Motivation noch ein bisschen Gas im Beruf zu geben.

 

Und damit sind wir auch schon beim Stichwort zum zweiten und nach meiner Meinung wichtigerem Teil dieser Betrachtung:

 

Deine Familie

Der grundsätzliche Plan von Dir lautet: Ein Partner lebt anteilig schon von Kapitalerträgen während der andere weiter arbeitet.

Und bei Dir spezifisch: Du verrechnest den Cashflow aus dem investierten Familienvermögen zu einem Einkommensteil und Deine Frau bleibt voraussichtlich noch längere Zeit in Ihrer aktuellen Beamtentätigkeit.

Und das nicht nur, weil sie Ihren Beruf mag, sondern in eurer aktuellen Vermögenssituation ist das wahrscheinlich noch viele Jahre notwendig, falls Du kein weiteres Einkommen mehr verdienst.

 

Mir fallen dazu z.B. folgende Diskusionspunkte ein, über die ich mir vorher auf jeden Fall Gedanken machen würde:
  • Was bedeutet dieses Konzept langfristig für Eure Partnerschaft?
  • Wie stark könnte sich dadurch eure Beziehung ändern?
  • Welche Reibungspunkte entstehen über die Zeit, die zu Beginn dieses “Deals” noch nicht absehbar sind.
  • Wie sähe die Situation im Falle einer (hoffentlich niemals stattfindenden) Scheidung aus?
  • Was würde in dem Fall mit eurem zumindest zum Teil gemeinsam akkumulierten Vermögen passieren?

 

Dieser Themenbereich ist nach meiner Meinung in eurer aktuellen finanziellen und persönlichen Situation sehr interessant.

Ich würde mir die Szenarien dazu einmal durchspielen und überlegen, wie frei Du dabei dann nicht nur beruflich sondern auch in den anderen Lebensbereichen, wie Deiner Partnerschaft, wirklich wärst.

  • Welche neuen Abhängigkeiten könnten für Dich dadurch entstehen?
  • Und wären die Vorteile es wert, diesen Weg trotzdem zu gehen?

Davon ausgehend könnt Ihr euch dann Alternativen zu eurem Radikalszenario des direkten Austiegs überlegen.

Eine Teilzeittätigkeit von Dir, würde euch zum Beispiel nicht nur weiteres Einkommen bringen, sondern auch Deine Krankenkassenbeiträge auf die Kapitalerträge beseitigen.

Weitere Ideen dazu kommen euch bestimmt, wenn ich euch ausführlich damit beschäftigt.

 

Was denkt Ihr darüber?

  • Wie frei wäre Björn in dieser Konstellation?
  • Was würdet Ihr Ihm raten?
  • Und wie handelt und plant Ihr das in eurem eigenen Leben?

 

Schreibt im Kommentarbereich!

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Mr. B
Gast
Mr. B

Ist eine Scheidung hier evtl. von Vorteil?

Wenn Björn nicht verheiratet wäre, würde es doch steuerlich aber auch vor allem was den Krankenkassenbeitrag angeht wesentlich günstiger aussehen.

Sehr Interessanter Beitrag. Ich bin in ähnlicher Situation. Auch zwei Kinder, aber nicht verheiratet und noch glücklich mit meiner Teilzeitstelle.

Viele Grüße,
Mr. B

Joerg
Gast
Joerg

@Bjoern,
zunaechst mal herzliche Glueckwuensche, mit 45J habt ihr schon ein betraechtliches Vermoegen aufgebaut/Zugang dazu.
Die Frage “ob es schon reicht” ist m.E. die Falsche. Darunter liegende Schichten rausfinden (warum Sicherheit, warum nicht arbeiten, was bin ich wert, was will ich, woher komme ich, wohin will ich, was macht mich froh, etc).
Das ist voellig normal sich um die Lebensmitte nochmal tiefgreifendere Gedanken zu machen 😉 Jetzt geht’s vom “ich wurde gelebt” in die “ich lebe bewusster” Phase?

In der Sache gaebe es schon Hacks, aber die bringen dich vermutlich nicht weiter (nur Symptom-Behandlung)? Nur um einige Anregungen zu geben, damit du von einer Position der “(Pseudo)Sicherheit” weiterkommst:
– Bleib‘ oder suche dir einen angenehmen Teilzeitjob zwecks GKV fuer den Anfang
– Investiere nicht alles Geld, sondern halte so viele Monatsverbraeuche, wie es Euch sicher erscheint, als Cash (1, 2, 3, 5 Jahre?). Diese werden erstmal verbraucht. Darauf muesst Ihr keine Steuern oder Sozialversicherungen zahlen.
– Mit dem Rest gehst du nach Zeit- und/oder Ziel-Staffel (siehe https://freiheitsmaschine.com/2019/08/18/millionaer-werden-bleiben-interview-24-christian-superboost-im-ausland/#comment-3508)
in den Aktien-Markt mit Thesaurierern. Diese(s) Depot(s) knabberst du dann nach den ersten 3-5 Jahren allmaehlich an. Und zwar so:
– Lese diesen Artikel+Kommentare so lange bis du ihn verstanden hast: https://frugalisten.de/steuern-kapitalertraege-privatier-optimieren/ Du strukturierst die ETFs nach Kursgewinn (du willst ja ueber 2 Jahre kaufen, da gibt’s schon 10-15% Kursgewinn-Unterschiede) und entsparst immer zuerst aus dem am wenigsten Gewinn stehenden Thesaurierer.
So musst du auf den Entnahmebetrag nur minimal Steuern zahlen (zB auf 200€ Kursgewinn, statt auf 1.000€/mo Dividende).
– Mach Fachschul-/Hochschulreife(Abi) nach (falls nicht vorhanden) und melde dich dann neben deiner Teilzeitarbeit zu einem interessanten Fernstudium (oder bei der Uni bei Euch um die Ecke?) an. Ja, man kann auch als „alter“ Mensch in D studieren.
Dann kannst du in die studentische GKV (ca. um die 95€/mo), dann hast du wieder 4-5 Jahre ueberbrueckt (bis dahin, verspreche ich dir, dass du eh’ eine neue interessante Taetigkeit entwickeln/suchen wirst, oder bist du ernsthaft krank?)
– Falls es die Rente mit 63J (mit Abschlag) dann noch gibt, kannst du (wenn du es dann willst) den Stecker ziehen. Mit dem Vermoegen die Zeit ueberbruecken, bis die Pension deiner Frau anfaengt.
LG & alles Gute Joerg (schreib’ mal in 3 Jahren, wo du dann stehst)

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

“Dann kannst du in die studentische GKV (ca. um die 95€/mo), dann hast du wieder 4-5 Jahre ueberbrueckt (bis dahin, verspreche ich dir, dass du eh’ eine neue interessante Taetigkeit entwickeln/suchen wirst, oder bist du ernsthaft krank?)”

Das ist keine Option!
Die studentische GKV ist nur bis zu einem Alter von 30 Jahren bzw. 14 Fachsemestern möglich. Das wäre ja sonst einfach, ich wäre dann nämlich auch in der studentischen GKV bis ultimo versichert…

Joerg
Gast
Joerg

Stimmt, Danke AD,
Da sind wir also eher bei 190€/mo (“Anschließend – oder wenn Sie die Einkommensgrenze überschreiten – zahlen Sie die regulären Beiträge für freiwillig Versicherte. Sie hängen von Ihrem Einkommen ab. Für die Krankenversicherung beträgt der Beitrag mindestens 152,64 Euro im Monat. Der Mindestbeitrag für die Pflegeversicherung liegt bei 31,67 Euro im Monat, für Kinderlose ab 23 Jahren bei 34,26 Euro monatlich.” https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/versicherung/freiwillige-krankenversicherung-tk/haeufige-fragen-zu-beitraegen-fuer-freiwillig-versicherte/beitragshoehe-absolvent-freiwilliger-student-2006956). Das waere also das Minimum fuer Bjoern?! Klingt auch nicht sooo schrecklich, oder?

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

Nein, das ist ja gerade Björns ursprüngliches Problem. In seiner Konstellation (Frau privat versichert, weil Beamtin) wird das gesamte(!) Familieneinkommen zur Berechnung des freiwilligen GKV-Beitrags herangezogen. Wenn sich Björn freiwillig gesetzlich versichert, würde es rund 400 € pro Monat kosten.

Joerg
Gast
Joerg

Sorry, hatte jetzt erst Euren Faden im Forum gelesen … (wie unprofessionell, dzdzdz)

Tatsaechlich eine Benachteiligung fuer Verheiratete!
Aber immerhin weiss ich jetzt, warum Du Deine Beamten-Freundin nicht heiratest? 😉 😉

Also, FIRE-ambitionierte Leute mit Beamten-Freundin: nicht heiraten wegen der GKV/PKV.

Gibt’s wirklich keinen Hack dafuer?
LG Joerg

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

Hehe, jetzt bis du mir doch noch auf die Schliche gekommen! 😀 😀

Da gibt’s wohl keinen Hack. Eigentlich ist es ja auch nur fair, dass es so ist. Weil im Gegenzug in der Familienversicherung die Familien massiv profitieren. Im übrigen sind Beamte nicht gezwungen sich privat zu versichern, auch die können sich freiwillig gesetzlich versichern… Macht aber eigentlich keinen Sinn, weil man dann den Anspruch auf Beihilfe verliert.

Gast
carlos

Vielleicht bin ich ja etwas pessimistisch, aber eine Konstellation, die darauf beruht, dass einer arbeitet und einer nicht kann meiner Ansicht nach nicht sinnvoll funktionieren und ist von Freiheit sehr weit entfernt. Wenn man ein (Familien-)Team ist, dann sind entweder beide frei oder keiner.

Und etwas zurückgerechnet: Mit 4 Leuten (2 Erw. 2 Kinder) und grob Überschlagen 400k€ Vermögen ist man gut situiert aber weit weg von frei, es sei denn, man verlegt den Lebensmittelpunkt in ein Billig-Land, aber dann ist das Beamteneinkommen wohl weg.

Mit einer arbeitenden Frau und 2 Kindern halte ich einen weiteren aktiven Broterwerb für äußerst sinnvoll.

Kuma
Gast
Kuma

Die Betrachtung wird völlig uneindeutig beim Thema Rente. Aus meiner Sicht ist das Ziel gar nicht definiert.
Entweder ich habe ab 65 (kein sinnvoller Ansatz) oder eben ab 67 Jahren eine ausreichend hohe Rente, die meinen Lebenstandard sichert, oder die Rente ist nicht ausreichend hoch.
Im ersten Fall benötige ich die Überbrückung “nur” für 22 Jahre. Das dürfte bei 500.000 € Vermögen auch gänzlich ohne Rendite möglich sein. Im zweiten Fall überbrücke ich 22 + X Jahre, wobei ich aber ab Renteneintritt zumindest wohl weniger entnehmen muss.
Ohne Einbeziehung der Rentenhöhe kann man nicht zielführend diskutieren.
Anders gesagt: Eine strikte Entnahmerate von 3,5% ist bei bestehenden Rentenansprüche völlig realitätsfern. Sie müsste sich ab Rentenbezug ändern und es ist wohl unstrittig, dass sie bei Erwerbslosigkeit vor Rentenbezug höher ist als ab dem Rentenbezug.

Rina
Gast

Sehr interessanter Ansatz! Meiner Meinung nach gibt es bei dem Ansatz allerdings zu viele Reibungspunkte in der Beziehung. Auch wenn man am Anfang damit konform ist, wird es bei einer Auseinandersetzung ein Punkt sein, der ausgespielt werden kann, gerade wenn es um die Frau geht. Es wäre toll, wenn du von einem Ergebnis berichtest.

Liebe Grüße
Rina

Ruben
Gast
Ruben

Ich sehe es wie Carlos. Zum einen ist die Summe für eine 4 köpfige Familie aus meiner Sicht nicht hoch genug und zum anderen sollten beide Partner etwas davon haben. Wieso für den Anfang nicht auch auf 50-80% reduzieren?

Michael
Gast
Michael

Hallo Björn,

noch zwei Denkanstöße für dich, was die Kranken- und Rentenversicherung anbelangt.

Als Ehegatte einer Beamtin bist du beihilfeberechtigt, sofern dein Einkommen unterhalb gewisser Grenzen liegt. Ich komme zwar nicht aus BW, aber auf der Internetseite des Landesamtes für Besoldung und Versorgung steht geschrieben, dass diese bei 18.000€ liegt. Damit musst du nur den 30%-Anteil privat versichern und die Kosten dürften dann deutlich unter der GKV liegen.

Die Rentenwartezeit erfüllt man auch mit einem Minijob, sofern man zusätzlich 3,5% seines Gehalts in die Rentenkasse einzahlt. Der Minijob ist auf Arbeitnehmerseite steuerfrei und zählt nicht zum Gesamtbetrag der Einkünfte, der für die Beihilfe relevant ist.

Viele weitere Tricks und Kniffe dazu hat der Privatier (der-privatier.com) parat, vielleicht mal einen Abstecher wert.

Ich wünsche eine gute Entscheidungsfindung und noch besseres Gelingen bei der Umsetzung.

Georg
Gast

Ein wirklich sehr interessanter Fall! Unter der Annahme, dass ihr als Paar auch zukünftig ein Paar bleibt das gemeinsam wirtschaftet, verstehe ich die 3,5% Regel nicht. Denn ihr müsst eigentlich nur noch 20 Jahre überbrücken bis deine Frau eine üppige Beamtenpension und du deine Rente erhältst. Ab diesem Punkt werdet ihr deutlich weniger oder auch nichts mehr von eurem Kapital benötigen. Für eine genauere Einschätzung müsste ich eure Rentenansprüche kennen.

Die Entnahmedauer ist auf jeden Fall bei der Entnahmerate zu berücksichtigen. Der folgende Artikel enthält im letzten Abschnitt eine Grafik dazu. Aus dieser kannst du ablesen wie sich die sichere Entnahmerate in Abhängigkeit von der Dauer der Entnahmephase verhält.

https://www.finanzen-erklaert.de/vorsicht-vor-der-4-regel/

So betrachtet wären bei dir auch 4% möglich, und du damit der finanziellen Freiheit wieder etwas näher 🙂

Martini
Gast
Martini

Den hier gemeinsam besprochenen Case möchte ich gerne nutzen um eine Frage zu stellen, die mich bereits seit längerem beschäftigt: ist man wirklich finanziell frei wenn man auf Unterstützung der Gesellschaft angewiesen ist? Und zwar geht es mir insbesondere um die Krankenversicherung. Die Gesundheitskosten die ein Mensch verursacht sind im Schnitt gleich und unabhängig von der Form der Versicherung. Auf der anderen Seite liest man im Rahmen von Fire häufig von Tipps wie man den Beitrag zur KV reduzieren kann. Oben wurde zB empfohlen sich als Student zu versichern um möglichst wenig zu zahlen. Die Differenz zum eigenen Beitrag und den tatsächlichen Kosten muss dann die Gesellschaft tragen. Ohne diese würde es nicht funktionieren, ergo ist man dann nicht aus sich heraus finanziell frei.

Ist es nicht so, dass bei einer ordentlich funktionierenden Gesellschaft jeder nach seinen Möglichkeiten beiträgt? Den Schwachen helfen die Starken. Wer aber zu den Starken gehört und keinen Beitrag mehr leisten möchte, der sollte zumindest auch keine Unterstützung beziehen. Sondern sein Ding autonom durchziehen. Bei der KV kann das nur bedeuten privat versichert zu sein. Nur wer sich das leisten kann ist wirklich finanziell unabhängig.

Ähnliches denke ich mir wenn ich von Tipps lese zu Beginn des vorzeitigen Ruhestands noch Arbeitslosengeld zu beziehen. Wer auf diesen Baustein angewiesen ist, der ist nicht finanziell unabhängig.

Eure Meinung zu meinen Gedanken interessiert mich sehr.

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

Absolute Zustimmung! Wahre Unabhängigkeit bedeutet für mich in allen möglichen Belangen unabhängig zu sein. Erstrebenswerte Ziele wären hier:
– Nicht von einem Arbeitgeber oder Auftraggeber abhängig zu sein.
– Nicht von staatlichen Sicherungssystemen wie GKV oder Rente abhängig zu sein.
– Nicht von Banken abhängig zu sein (Stichwort Kredite).
– Nicht von der Rendite einer einzigen Assetklasse abhängig zu sein.
– Nicht finanziell vom Partner abhängig zu sein.

Daraus ergeben sich natürlich Konsequenzen. Wenn es in Deutschland z.B. verpflichtend wird, dass auch Selbstständige in eine „Bürgerversicherung“ oder in die Rentenversicherung einzahlen müssen, dann würden wir direkt das Land in Richtung USA oder Kanada verlassen.

Martini
Gast
Martini

Danke für Deine Zustimmung. Die Konsequenzen, die du ziehen würdest finde ich aber nicht richtig. Das was du bisher erreicht hast, hast du der Deutschen Infrastruktur zu verdanken. Würde man zB das KV System in Richtung einer Bürgerversicherung verändern weil es gesellschaftlich notwendig ist, dann willst du auswandern.

Ich finde es sehr schade in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt. Viele versuchen nur noch diese maximal auszusaugen. Ich vermute, dass es an der Größe der Gesellschaft liegt. Ab einer gewissen Gruppen-Größe gehen die Zwischenmenschliche Beziehungen verloren. Jeder ist nur noch auf seinen maximalen Profit bedacht. In einem kleinen Stamm der aus sagen wir mal nur 50-100 Personen besteht wäre so etwas undenkbar.

Menschen wie du werden in unserem Land gebraucht. Du hast selbst in jungen Jahren davon profitiert, also fühle dich bitte auch dafür verantwortlich etwas zurückzugeben, nach deinen Möglichkeiten beizutragen und das System am laufen zu halten. Wenn jeder nur noch egoistisch an sich denkt, dann sieht bald ganz Deutschland aus wie heute schon der Osten.

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

@Maschinist

„Das heißt die Gutverdiener finanzieren in den USA rententechnisch massiv die Geringverdiener.“

Ja, das ist ja auch vollkommen OK. Im Gegenzug sind die Steuern auf Einkommen auch viel geringer. Davon abgesehen ist das Konstrukt deutlich liberaler, denn jeder Cent über der Kappungsgrenze ist davon nicht betroffen. Man stelle sich mal vor man würde bei uns eine Kappungsgrenze bei irgendwelchen Abgaben einführen… wir kennen nur Progression!

Nicht falsch verstehen. Solidarität in einer Gesellschaft ist wichtig (die bei uns von staatlicher Seite her deutlich höher ausfällt als anderswo). Es ist richtig, dass die Starken die Schwächeren mittragen.

@Martini:

Das was ich bisher erreicht habe, habe ich nicht der „Deutschen“ Infrastruktur zu verdanken. Es wäre in jedem anderen westlichen Land ebenso möglich gewesen.

Mir geht es in Bezug auf die Rentenversicherung um folgendes:
Ich habe mein komplettes Berufsleben bisher selbst aus versteuertem (!) Einkommen vorgesorgt und habe genau 0 € an Rentenansprüchen. Das was ich Student in die Rentenkasse eingezahlt habe, habe ich mir zurückerstatten lassen.
Meine Einstellung zu der Sache hat etwas mit Rechtssicherheit zu tun: Mir wurde damals das Recht eingeräumt, aus der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung auszutreten – mit allen Konsequenzen! Das nun im Nachhinein rückgängig zu machen, wäre für mich ein nicht zumutbarer Eingriff in meine Auffassung von Freiheit.

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

Ja stimmt. Oh man… habe eben beim schreiben krampfhaft überlegt, wo es in Deutschland bei Abgaben eine Kappungsgrenze gibt und vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen 😀 😀

Martini
Gast
Martini

Lass uns zum eigentlichen Thema zurückkehren. Was unterscheidet jemanden der aus Faulheit von Sozialhilfe lebt, obwohl er arbeiten könnte, von jemandem der als 50 Jähriger erwägt sich als Student zu versichern um so seine Kosten zu reduzieren? Das ist für mich asoziales Fire. Oder habe ich einen wichtigen Punkt übersehen?

Joerg
Gast
Joerg

Moin Martini,

was hast du schon alles fuer die Gesellschaft getan?

Wir haben viele 100k € Steuern und einige 100k € Sozialabgaben bisher in unserem Leben bezahlt. Ich war noch nie arbeitslos und kaum krank.

Wir spenden, engagieren uns fuer Fluechtlinge, haben Patenkinder in Afrika und sind insgesamt “nette” Leute. Und darauf bilde ich mir gar nix ein!
Das alles empfinden wir als Gnade und kaum/nicht als unseren Verdienst & Leistung!

Trotzdem muss ich dir sagen, dass mein Empfinden ist, als Raedchen im deutschen Raederwerk, jetzt nicht alles automatisch gut zu heissen was von “unserem” Geld gemacht wird/wie mit “unserem” Geld umgegangen wird.
Es ist Privileg Deutscher sein zu duerfen, aber uns kostet es auch etwas („breite Schultern koennen mehr tragen“ – und so).

Fuer mich ist entscheidend, wie die Regeln aufgesetzt sind. So lange etwas legal und nicht gegen meine pers. Moral ist, habe ich keine Probleme auch Regeln zu meinem Vorteil zu nutzen.
Schliesslich bezahlen wir die Politiker dafuer gute Regeln zu machen, falsche Regeln abzuschaffen, bloede Regeln zu aendern!

Wuerdest du mir jetzt eine laengere Arbeitslosikeit vor der Rente “goennen” oder nicht?
Wuerdest du mir “goennen” gar nix zu tun und mit weniger als 1/3 der momentanen GKV-Beitraege noch ein paar Jahre bis zur Rente herumreisend zu verbringen?

Rein Interesse halber, wo stehst du auf der gesellschaftlichen Leistungsskala? Netto-Zahler oder Netto-Empfaenger bis hier hin?

LG Joerg

Martini
Gast
Martini

Hallo Joerg,

wenn du in der Lage bist deinen Vorruhestand aus eigener Tasche zu leisten, dann finde ich es ok.

Nicht ok ist, wenn man Arbeitslosengeld bezieht ohne arbeitssuchend zu sein. Mir persönlich wäre es auch zu doof 18 Monate lang immer wieder beim Arbeitsamt aufzuschlagen und dort eine Show abzuziehen. Das ist nicht mein Niveau. Genau genommen ist das sogar illegal. Da du illegale Methoden selbst ablehnst, gehe ich davon aus dass wir in diesem Punkt übereinstimmen.

Das Thema Krankenversicherung mag legal sein, ich halte es aber für moralisch verwerflich. Wo man seine persönliche Grenze zieht muss jeder selbst wissen. Ich werde jedenfalls unter anderem genau aus diesem Grund auch bei vorzeitigem Ruhestand weiterhin privat versichert bleiben. Das ich es mir damit etwas schwerer mache ist mir klar. Aber diesen Preis zahle ich gerne für ein gutes Gewissen. Meiner Meinung nach lässt sich das auch nicht mit anderen freiwillig geleisteten Wohltaten kompensieren.

Wer für den vorzeitigen Ruhestand bei gleichzeitig vorhandener Arbeitskraft auf soziale Unterstützung angewiesen ist, der ist nicht finanziell frei sondern ein Sozialschmarotzer.

Natman
Mitglied
Natman

Die Frage ist halt wie definiert man nicht abhängig von Arbeitgeber / Auftraggeber zu sein? Die wenigsten dürften es schaffen, nur 10% von diesem abhängig zu sein sondern eher Richtung 30%… Ich sehe es so, dass man echte Unabhängigkeit nur schafft, wenn man entweder echt groß im siebenstelligen Bereich ist oder seine Lebenskosten minimiert hat wie z.B. der Maschinist oder Olli vom Frugalisten. Ob ich das wirklich in allen Punkten will z.B. bin ich mir nicht recht sicher… mir würde es reichen, wenn die Fixkosten durch die Einkommensquellen gedeckt sind und man sich den Luxus on top noch erarbeiten darf (wie Putzfrau, teurere Sportarten, Essengehen…)

Die anderen Spiegelstriche ab dem zweiten sind für mich einfacher umzusetzen…

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

Das sind ja auch nur meine persönlichen Vorstellungen von finanzieller Unabhängigkeit. Was erstrebenswert ist, muss jeder selbst definieren!

Andreas
Gast
Andreas

“Bei der KV kann das nur bedeuten privat versichert zu sein.”

Ich bin seit dem Ende meines Studiums in der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung und zahle seither den Höchstbeitrag (zur Zeit 815 Euro inkl. PV). Sehe ich richtig, dass ich mich mangels privater Krankenversicherung nicht als frei bezeichnen darf?

Finanz-Durchblick
Gast

Hallo Maschinist,

ich gebe zu, dass ich mir jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen habe. Aber mir ist folgendes aufgefallen, wo ich meine, dass ich eine andere Meinung habe.

Du hast geschrieben, dass die Günstigerprüfung für einen Single bis etwas mehr als 50000 Euro greift.

… Wenn ihr die Günstigerprüfung (Anlage KAP, Zeile 4) beantragt, werden die Kapitalerträge nur mit dem persönlichen Steuersatz versteuert, wenn dieser unter 25 Prozent (Grenzsteuersatz) liegt…

Man beachtet den in Klammer gesetzten Grenzsteuersatz.

Gemäß der Einkommenssteuertabelle 2019 lohnt sich die Beantragung der Günstigerprüfung bis zu einem zu versteuernden Einkommen von etwas mehr als 16000 Euro.

Denn ab der 16000 Euro Grenze ist der Grenzsteuersatz von 25 Prozent erreicht. Das ist ein gewaltiger Unterschied und wird einige tausend Euro ausmachen.

Wenn ich mich allerdings geirrt habe, dann bin ich auch froh darüber, wenn mich jemand eines Besseren belehrt.

Viele Grüße
Steffen

Andreas
Gast
Andreas

Ich kann dem Maschinisten hier beipflichten. Der Unterschied auf der Einnahmenseite liegt darin, dass die 25% Abgeltungssteuer direkt auf den ersten Euro Kapitaleinnahmen abgeführt werden (ab 802 Euro bei Ausnutzung des Sparer-Pauschbetrags), während der Grundfreibetrag und die Progression von der auszahlenden Stelle bei der Berechnung der Lohnsteuer bzw. der Lohnsteuertabellen berücksichtigt werden.

Es ist also richtig, dass man bei der Lohnsteuer den Grenzsteuersatz ab 16.000 Euro erreicht. Weil die Abgeltungssteuer aber eine Pauschalsteuer ist, erreicht man ihn hier schon mit dem ersten Euro. Dementsprechend lohnt sich die Günstigerprüfung.

Andreas
Gast
Andreas

Und noch einige Anmerkungen von mir:

1. Was Kuma sagt, ist richtig. Rentenanwartschaften, egal ob privat oder gesetzlich gehören zum Vermögen dazu. Ihre Höhe ist für die Planung des Auskommens maßgeblich.

2. Eine Bierdeckelrechnung: Man nehme das heutige Bruttojahreseinkommen (davon kann die Familie heute gut leben) und multipliziere es unter Berücksichtigung einer jährlichen Inflation von 2% mit der Lebenserwartung. Björn darf weitere 40 Jahre seines Lebens finanzieren. Bei einem geschätzten Bruttojahreseinkommen von 50.000 Euro wäre das eine Planungsgröße von 2 Millionen Euro.

3. Ich würde ohne weiteres sagen: Wenn er diesen Betrag heute auf der hohen Kante hat, ist er finanziell frei. Hat er nicht.

4. Er kann trotzdem frei sein, wenn zu erwarten ist, dass er den oben genannten Betrag seriös bis zum Lebensende erwirtschaften wird. Also rechnen wir:
* 15.150 Euro Kapitalerträge x 40 Jahre -> 600.000 Euro
* 45 Rentenpunkte * 33,05 Euro * 15 Jahre -> 270.000 Euro
-> Lücke: ca. 1,1 Millionen Euro.

Ergebnis: Björn hat einen beachtlichen Batzen Fickdichgeld, ist aber nicht finanziell frei. Wenn seine Frau den Plan mitmacht, reicht das Geld möglicherweise, aber er ist trotzdem nicht frei, weil er und die Kinder von ihr abhängig sind.

4. Die Rechnereien mit Steuersätzen, Krankenversicherung und langjähriger Einzahlung in die Rente sind Unsinn. Wirktlich. Jeder dieser Faktoren kann in den nächsten 40 Jahren von der Politik umgestaltet werden.

Man kann diese Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, wenn die Freiheit eingetreten ist. Aber eine solide Finanzplanung für den Rest des eigenen Lebens und mit unterhaltspflichtigen Kindern darf niemals an fehlenden 100 Euro scheitern.

Georg
Gast

Hallo Andreas,

nur auf die Lebenserwartung abzustellen ist gefährlich. 50% der Menschen leben länger als erwartet. Ich würde das sog. Langlebigkeitsrisiko durch einen Aufschlag bei der Lebenserwartung in der Planung berücksichtigen. Ich z.B. plane daher bis 100.

Bezüglich der Bewertung der staatlichen Rente habe ich mir Gedanken gemacht wie man korrekt vorgeht. Ein 45 jähriger Mann mit 45 Rentenpunkten hat nach meinen Überlegungen einen Rentenbarwert von 45 x 8.591 = 386.595 Euro. Das sind gute 100k mehr im Vergleich zur Bierdeckel-Rechnung. Die Details findest Du hier:

https://www.finanzen-erklaert.de/du-bist-reicher-als-du-denkst/

Gruß
Georg

Andreas
Gast
Andreas

Hallo Georg,

ich stimme grundsätzlich zu und plane persönlich auch bis 100, was insofern auch interessant ist, weil die verbleibenden 20 Jahre nach der Rechnung ca. 40% der Gesamtsumme ausmachen.

Die Bierdeckelrechnung hat nicht den Anspruch, über einen Zeitraum von 40 Jahren und mehr korrekt zu sein, sondern sie dient als Abschätzung der Größenordnung, in der man sich bewegt.

Es macht für Björn heute keinen Unterschied, ob ihm 1,1 Millionen fehlen oder nur 1,0. Das Vermögen, das er bräuchte, würde bei sinnvoller Anlage jederzeit um diesen Betrag schwanken können.

Mitglied
Bjoern112

Hallo Andreas,
einige deiner Anmerkungen werfen Fragen auf, auch Fragen die damit zusammenhängen wann man sich tatsächlich als frei bezeichnen darf und : Wie viel Sicherheit braucht man ?
Zu Deiner Bierdeckelrechnung (hat schon bei Merz nicht funktioniert ) :

Berechnungsgrundlage 2.000.000 Euro

Basierend auf dem Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto als Bedarf und den bekannten Entnahmestrategien, ausgehend von der Trinity Studie welche von einer sicheren Entnahme von 4% für 30 Jahre ausgeht, bis hin zur variablen Cape/Shiller ist von einer tatsächlich sicheren, langfristigen (>30 Jahre) Entnahmerate im Bereich von 3-3,5% zu lesen. Bei den Entnahmestrategien ist die Inflation mitberücksichtigt und kann mit entnommen werden.
https://www.finanzen-erklaert.de/vorsicht-vor-der-4-regel/
Deine Annahme jedoch für diesen Case beruht auf 2,5%. Das leuchtet mir nicht ein.
Eine Entnahmerate im Bereich um 3,5% zugrunde gelegt für die 50k macht insgesamt eine Summe in Höhe von 1,428 Mio als Ausgangssumme für die Finanzierung des Familieneinkommens.

Kapitalerträge

Die genannten 15.150 Euro Kapitalerträge basieren auf einer Entnahmerate von 3,5% und resultieren dementsprechend aus Erträgen aus vorhandenem Kapital i.H.v ca. 435.000 Euro. Nach meinem Verständnis rechnest Du hier mit den Summen über Lebenszeit und dem Vermögen über Lebenszeit – warum auch immer.
In dieser Rechnung ist das heute vorhandene Kapital von 435.000 Euro aber gar nicht berücksichtigt. Lediglich die Erträge i.H.v. 600.000 Euro (15120*40) aus dem Vermögen sind berücksichtigt.
Selbst wenn man davon ausgeht dass sich das Vermögen innerhalb der 40 Jahre deiner Rechnung komplett entsparen würde, (was in den seltensten Fällen anhand der Monte Carlo Simulationen – Fire Rechner der Fall ist) so sollte es doch zumindest in der Bewertung des Standes „Heute“ mit einbezogen werden, da dieser ja grobe Entscheidungsgrundlage und gewissermaßen Zweck deiner Rechnung sein soll.

Rente

Bei der Berechnung der Rente komme ich auch auf viel mehr als Deine Bierdeckelrechnung.
Wenn man von einer jährlichen Rentenanpassung in Höhe der zuvor angenommenen Inflation von 2% ausgeht, macht dieser Posten 433.000 Euro und nicht 270.000 Euro aus (20 Jahre).
Die Pension der Frau lässt du bei der Betrachtung ganz außen vor und dürfte sogar noch höher liegen. Das müsste man doch eigentlich auf der Einnahmenseite auch berücksichtigen wenn man auf der Ausgabenseite das Familieneinkommen zugrunde legt ?
Wenn man jetzt die neuen Lebenszeitwerte ins Verhältnis setzt kommt ein komplett anderes Ergebnis raus und es fehlt… keine Million mehr.
Insgesamt halte ich die Rechnung dennoch, nicht mal grob, für nicht zielführend, da die Vermögensentwicklung ebenso nicht berücksichtigt wird, weder positiv noch negativ. Diese Größe ist enorm schwer zu greifen, in einer Lebenszeitrechnung aber mit entscheidend. Gerade deshalb wurden ja sichere Entnahmestrategien entwickelt, damit ist die Lebenszeitsumme nicht mehr entscheidend wird, weil diese generell zu hoch angesetzt werden muss bei Risikoausschluss.
Wenn man jetzt mal von davon ausgeht dass beide zusammen wie in deiner Annahme momentan 50.000 Euro benötigen als Familieneinkommen und durch den Renten- bzw. Pensionsanspruch bzw. eine Betriebsrente gehe ich mal davon aus dass es ca. 42.000 Euro ab 67 daraus kommen (beide dann jeweils Inflationsangepasst). Also bliebe eine Lücke von nur 8000 Euro ab Renteneintritt was problemlos durch die Erträge gedeckt aus dem Vermögen gedeckt werden könnte.
Vermutlich werden die Kinder in 20 Jahren aus dem Haus sein, das Familieneinkommen also nicht mehr so wie zu dem Zeitpunkt als noch zwei Kinder mitzuversorgen waren. Deine Rechnung geht davon aus, dass das Familieneinkommen bis 85 Jahre Lebensalter gebraucht wird.
Bleibt also der Zeitraum von 45 bis 67 Jahre , also 22 Jahre. Für diesen kürzeren Zeitraum könnten sogar höhere Entnahmeraten bei gleichem Risiko angepeilt werden (durch die kürzere Zeit) und dann ab Rentbeginn ein „reset“ und Neuadjustierung der Entnahme abhängig vom Vermögensstand dann. Bei 4% Entnahmerate für die ersten 22 Jahre, ergäbe dies 17320 Euro / Jahr vor Steuer. Das bewegt sich ca. im Rahmen dessen was an Cashflow fehlen würde.
Ob man damit dann aber frei ist, das ist wieder eine andere Frage.

Ist man erst frei wenn man sein eigenes Einkommen komplett ersetzt hat ?

Ist man erst dann frei wenn man den unkündbaren Job des Partners und dessen daraus resultierendes Einkommen auch durch passives Einkommen ersetzt hat ?

Ist man erst dann frei wenn man den unkündbaren Job des Partners und dessen daraus resultierendes Einkommen auch durch passives Einkommen ersetzt hat ?

Ist man erst frei wenn man die sich auch die aus Rente und Pension erarbeiteten Ansprüche durch passives Einkommen ersetzt hat ?

Ist man erst frei wenn man eine Scheidung und die darauf hin entstehenden finanziellen Folgen gleich zu Beginn mit „einpreist“, also ist man erst frei wenn beide Partner nach einer, vielleicht nie stattfindenden Scheidung, weiterhin beide komplett finanziell frei sind ? Mit Wohnung, Auto usw. ?
Ist man als kinderloser erst frei wenn man mit einem zwei oder wie vielen Kindern genau plant und darf dabei ein Kind eine Behinderung haben ?

Ist man erst frei wenn man die Pflegeheimkosten für wie viele Jahre im Alter mit eingeplant hat ?
Ist man erst frei wenn man privat krankenversichert ist und ab Beginn der finanziellen Unabhängigkeit alle dann wegfallenden Sozialabgaben durch freiwillige Beiträge ohne Leistungsanspruch an die Versichertengemeinschaft gibt um nicht asozial zu sein und diese im Stich zu lassen ?

Wie weit geht man ? Wie ich finde vieles irgendwie valide Argumente. Jeder muss hier für sich seine Antwort finden.
Meiner Meinung nach sollte man es sich nicht schönrechnen, aber sich eben auch nicht vom Kurs abbringen lassen wegen faktisch unerreichbar hoher Ziele und Anforderungen oder Rechenmethoden. Das eigentliche Ziel von Fire sollte es sein sich Lebenszeit und Lebensqualität zu finanzieren (wie auch immer das dann aussieht, mehr Familie, anderer Job, unbezahlte Projekte, Ehrenamt…) anstatt Konsum und weiter unglücklich und abhängig im Hamsterrad rennen zu müssen. Das sollte man, so egoistisch es angesichts der Diskussion auch sein mag, nicht aus dem Auge verlieren !
Der Mut zum Risiko einer jeden wichtigen Entscheidung im Leben wird weiterhin benötigt und : Vollkasko Fire geht nicht.

Natman
Mitglied
Natman

Ich finde unabhängig von der finanziellen Diskussion die Fragen vom Maschinisten bzgl. deiner Frau am Wichtigsten. Ich lese aus Björns Posting heraus, dass er jetzt sehr finanziell denkt und alle Optionen durchrechnet. Es bleibt – wenn Björn früher aus dem Arbeitsleben ausscheidet, immer dieser Punkt, dass seine Frau noch arbeitet und ja auch die Beamtenpension kriegt und es nicht machen kann (früher auszuscheiden zumindest so leicht).

Wichtig ist, dass man als Familie einen gemeinsamen Plan hat und diesen gemeinsam gestaltet. Ob dies möglich ist, ist nicht so einfach von Außen abzuschätzen.

Mein Rat wäre, dass Björn sich einen Job sucht, den er etwas lieber macht als den jetzigen. Und etwas länger arbeiten als geplant. Ich denke, dann wird es auch finanziell einfacher und ihr könnt den gemeinsamen Weg in der Familie nochmal formen…

Mitglied
Judge Dredd

Hallo Björn,
noch einmal herzlich willkommen und Glückwunsch, dass du die Freiheitsmaschine entdeckt hast.

Schließe mich Natman voll und ganz an. Die FI ist in einer Ehe immer eine Teamarbeit. Als Beamtin könnte Björns Frau, soweit ich weiß, sich maximal 7 Jahre vor der Frühpensionierung ohne Bezüge beurlauben lassen (also mit 56). Würde daher noch 10 Jahre in einem Job den du magst weiter in Teilzeit oder Vollzeit arbeiten. So könntet ihr gemeinsam die neue Freiheit genießen.

Sämtliche Dividenden und einen Teil des Einkommens in der Zeit weiter reinvestieren und den kompletten Austieg aus dem regulären Erwerbsleben vielleicht so in 10 Jahren anpeilen. Bis dahin hätte sich Euer Vermögen verdoppelt. Sobald ihr nahezu 1 Mio Euro Kapital in Aktien investiert habt, wäre mit der 3,5% Entnahme-Regel ja die Phase bis zum Eintritt in Rente und Pension (7 Jahre) gut zu überbrücken. Und dann setzten ja ohnehin Pension und Rente ein.

Sven
Gast
Sven

Hallo. Ich möchte nur auf den Punkt GKV/RV eingehen.

Was wäre denn wenn Björn eine Teilzeitbeschäftigung bei seiner Frau eingeht? 500 Euro zahlt sie ihm brutto für Staubsaugen. Er ist pflichtversichert und zahlt ca 100 Euro Abgaben und sein AG (Frau) ebenfalls ca 100 Euro Lohnnebenkosten. Das Familieneinkommen spielt bei einer Pflichtversicherung im Gegensatz zu freiwilligen gesetzlichen Versicherung keine Rolle, oder?

Viele Grüße. Sven

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

Das wäre ein Betrugsdelikt und somit strafrechtlich relevant, da es sich hier um ein Scheinarbeitsverhältnis handeln würde.
Aus diesem Grund ist es auch nicht möglich den eigenen Ehegatten im privaten Haushalt als Minijobber anzustellen. Siehe Info im roten Kasten hier: https://www.minijob-zentrale.de/DE/01_minijobs/01_basiswissen/02_infos_kompakt_zu/01_familienangehoerigen/node.html

Sven
Gast
Sven

Danke für den Hinweis!
Sollte selbstverständlich kein Aufruf zur Scheinanstellung sein…
Können wir noch abschließend klären, ob das Familieneinkommen, Kapitalerträge und ggf. Einkommen durch Vermietung bei einer Pflichtversicherung im Rahmen eines Midijob eine Rolle spielt oder nicht?

Insgesamt eine mega Kompetenz hier!

VG Sven

Der Autodidakt
Mitglied
Der Autodidakt

„Insgesamt eine mega Kompetenz hier!“

Naja, eher das Ergebnis einer schnellen Google Recherche nach „Ehepartner Minijob“. 😉

Aber deine letzte Frage bringt uns der Sache näher:
Ein Minijob alleine ohne weiteres sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis ist wohl ohnehin in dem Zusammenhang nicht hilfreich, da man über einen Minijob alleine nämlich überhaupt nicht krankenversichert ist.

https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/versicherung/versichert-als-arbeitnehmer/besondere-beschaeftigungsarten/geringfuegig-beschaeftigt/krankenversicherung-minijob-geringfuegige-beschaeftigung-2005524

Sven
Gast
Sven

Danke für deine Antwort, aber Ich schrieb im zweiten Beitrag von “Midijob”. Nicht Mini…

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Midijob

Hätte ich vielleicht hervorheben sollen…

Bitte nochmal unter diesem Aspekt meine Frage anschauen. Die Frage finde ich sehr spannend!

Danke
Sven

Der Autodidakt
Gast
Der Autodidakt

Tatsächlich! Habe dieses Wort noch nie gehört…

Ist aber auch egal: Es handelt sich um ein sozialversicherungsPFLICHTIGES Beschäftigungsverhältnis und somit ist man in der GKV pflichtversichert. Der Beitrag bei Pflichtversicherung bemisst sich stets am Arbeitseinkommen.

Dem Wikipedia-Artikel ist zu entnehmen, dass die Besonderheit darin besteht, dass in diesem Einkommensbereich der Arbeitnehmeranteil der Sozialbeiträge progressiv ist. D.h. wenn das Einkommen gerade so über den 450 € liegt zahlt man rund die Hälfte weniger an Sozialabgaben. Ab 1300 € zahlt man dann die vollen Sozialbeiträge.

Sven
Gast
Sven

Das bedeutet also, Björn kann sich mit einem 451 Euro Job sozialversichern (gibt’s das Wort?) und das für relativ wenig Arbeitsstunden und Beitrag.
Gut ein paar wenige Euro Steuern muss er wohl zahlen wegen der gemeinsamen Veranlagung mit seiner Frau.

Ein anderer Alleinverdiener könnte so seine ganze Familie für ein paar Euro versichern und “nebenbei” Mieteinkünfte und Kapitalerträge in beliebiger Höhe verdienen…?

Und später bei einem Wechsel in die Krankenkasse der Rentner werden diese Einkünfte auch nicht mehr herangezogen.

Oder gibt’s doch noch einen Haken an der Sache?

VG
Sven (der Aktuell und seit mehr als 10 Jahren Höchstsatz in der GKV zahlt, bitte nicht falsch verstehen. Es geht um Theorie)

PS: sorry, wenn das für euch schon ein “Alter Hut” ist, ich bin neu hier und habe noch nicht viel gelesen.

Mario
Gast

Sehr spannender Fall!

Zum Thema Krankenversicherung: Partner von Beamten können u.U. in den Genuß der Beihilfe des Dienstherren kommen. (Ich bin zwar im Bereich Versicherung tätig, jedoch ist Krankenversicherung, speziell bei Beamten, ein eigenes komplexes Gebiet, in dem ich nur ganz oberflächlich eine Expertise habe.)
Allerdings sind viele Details zu beachten bzw. zu erfüllen. Ein prüfender Blick auf das Thema scheint mir aber sinnvoll zu sein. Ein erster Link dazu, den Google ausgespuckt hat ist hier: https://www.beihilferatgeber.de/wer-bekommt-beihilfe/angehoerige-von-beihilfeberechtigten/beihilfe-fur-ihren-ehepartner