Millionär Interview 20 – Forest Dweller – Vom Realschüler zum TecDax Vorstand

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Einer der Vorteile vom Treffen der Freiheitskämpfer sind viele neue Millionär Interviews in der Freiheitsmaschine.

Menschen im deutschsprachigen Raum möchten sich über Geld, Investments und andere potential lebensverändernde Dinge austauschen.

Und Sie sind auch bereit anderen zu helfen, wenn Sie merken, dass man Sie nicht für einen kurzfristigen Vorteil unter den Bus wirft.

Heute schreibt uns Forest Dweller, dessen beruflicher Werdegang absolut beeindruckend ist und der ehrliche Umgang damit auch hilfreich für andere.

Bühne frei:

 

  • Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?
Ich bin 52 und meine Frau ist 49 Jahre alt. Wir sind seit knapp 15 Jahren verheiratet und haben uns kennengelernt wenige Wochen bevor ich einen längeren Auslandsaufenthalt in China angetreten habe.

 

  • Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?
Wir haben zwei Söhne 12 und 13 Jahre alt.

 

  • Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?
Wir leben auf dem Land in einem kleinen Städtchen am Rand des Schwarzwalds. Entfernung nach Pforzheim, Karlsruhe, Tübingen und Stuttgart etwa 40 Minuten bis eine Stunde. Praktisch ist, dass wir alle Schulen am Ort haben und unsere Jungs zu Fuß in 5 Minuten am Gymnasium sind, welches auch überregional einen sehr guten Ruf hat. (Das ist die Allgemeinmeinung – ich persönlich sehe das etwas kritischer).

 

  • Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?
Das Nettoeinkommen meiner Frau liegt bei etwa 12k Euro (Teilzeit) und mein Einkommen ist derzeit Null, da ich Ende 2018 mit Abfindung aus meinem Job geleitet wurde.


In den Jahren davor lag unser Haushaltsnettoeinkommen im Durchschnitt bei ca. 150k+ Euro. Bei mir betrug der variable Gehaltsanteil 50% d.h. es gab Schwankungen.
Dann gibt es noch Einkünfte aus Vermietung und aus Aktien (Dividenden) derzeit i.H.v. ca. 20k Euro.

 

  • Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?
Wir führen kein Haushaltbuch – Asche auf mein Haupt. Ich würde mal sagen wir leben normal – keine Hobbys wie Sportwagen, Motorrad, Pferd oder ähnliches.
Wir gehen in der Regel zweimal in Urlaub: einmal den obligatorischen Sommerurlaub mit und für die Kids und einmal eine Woche Entspannung, Wandern und phänomenales Essen in Südtirol, natürlich auch mit den Kids. Zuhause ab und an zum Italiener Pizza essen. Der Sommerurlaub könnte bald durch Städtereisen ersetzt werden – da kommt bei unserem älteren Sohn jetzt langsam das Interesse.
Meine Frau und ich haben uns vor zwei Jahren eBikes gekauft und bei solchen Anschaffungen geht für mich Qualität vor Kosten. Anderes Beispiel ist unser Grill: Einmal viel Geld ausgeben aber dann seit mittlerweile 6 Jahren im Schnitt einmal pro Woche mit wachsender Freude darauf Essen zubereiten.

 

  • Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?
Nach Abzug der Verbindlichkeiten beträgt unser Reinvermögen ca. 2mio Euro.

 

  • Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)
  • Wir leben im eigenen Haus welches schuldenfrei ist. Wert ca. 550k Euro.
  • Vermietete Immobilie mit einem Wert von ca. 500k Euro. Allerdings verschuldet mit 450k Euro.
  • Barvermögen in Tagesgeld- und anderen Konten ca. 400k Euro.
  • Bausparverträge, RVs, LVs und andere unsinnige Fondsanlagen bei unserer Hausbank ca. 400k Euro (diese Anlagen sind der Grund, warum ich mich seit meiner Freistellung auf der Freiheitsmaschine und anderen Finanzblogs herumtreibe. Ein Teil davon habe ich schon aufgelöst und in die folgenden Anlageklassen umgeschichtet.)



    ETF-Sparpläne und Aktien ca. 540k Euro.
  • Und dann noch die obligatorische vielleicht aber auch unsinnige Notreserve in physischem Gold mit derzeit etwa 60k Euro. Gekauft habe ich das Gold überwiegend im Jahr 2007.

 

  • Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?
Ab der 4. Klasse Grundschule hatte ich neben der Schulzeit immer Nebenjobs und während des Studiums zusätzlich noch Ferienjobs.
Wichtigstes Asset war und ist sicherlich mein Anspruch und Können IMMER unter meinen Verhältnissen zu leben. Selbst während meiner Lehre und während der Wehrdienstzeit habe ich monatlich einen Teil vom Sold gespart. Leider habe ich nicht immer klug investiert, aber ich habe seit ich denken kann monatlich Geld gespart. Am Anfang 2-stellig und später 4-stellig. Ich empfand das selten belastend, es hat mir im Gegenteil eigentlich sogar Spaß gemacht das zu schaffen.
Ich habe nach der Realschule eine Lehre zum “Mechaniker im Maschinenbau“ gemacht. Nach der Bundeswehr und 3 Gesellenjahren habe ich das Fachabitur nachgeholt und Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Meine Diplomarbeit habe ich bei einem kleinen Unternehmen für Industriedesign im Silicon Valley gemacht und habe dort auch meinen ersten Job nach dem Studium begonnen. Das war 1995. Kein Expatvertrag, keine Greencard! Gehalt wurde am 15. und am 30. des Monats per Scheck übergeben. Den vom 15. habe ich jeweils direkt meinem Vermieter weitergegeben…
Ende 1999 bin ich zurück nach Deutschland. Mein Erspartes war in den USA in „aussichtsreiche” Dotcom-Werte investiert die sich beim Platzen der Blase im Jahr 2000 in Nichts aufgelöst haben. Im Jahr 2000 begann finanziell eine neue Zeitrechnung: Start bei Null.
Ich habe dann bei einem Maschinenbaukonzern über Assessment Center als Führungsnachwuchskraft angefangen.
Anfang 2002 wurde ich nach China entsandt um im dortigen Produktionswerk in Shanghai die technische Leitung zu übernehmen:

2003 wurde mir die Gesamtleitung für das Werk in China übertragen. Meine Freundin war mir zwischenzeitlich nachgezogen. 2004 haben wir geheiratet und 2005 kam das erste Kind.
Das war der Zeitpunkt als wir uns Gedanken über eine Immobilie machten. Meine Frau war diesbezüglich sehr zögerlich, da wir uns in China verschulden mussten und irgendwann – bei einer Rückkehr nach Deutschland – das Haus wieder verkaufen und das Geld aus China herausbekommen mussten. Allerdings wollte sie auch einen kleinen Garten für sich und das Kind. In unserer Mietwohnung in Downtown Shanghai hatten wir nur einen Minibalkon.
Ein Haus zu mieten am Stadtrand von Shanghai war für uns jedoch undenkbar. Die Miete für ein Haus lag um Faktor 2,5 über dem Betrag den ich als Mietzuschuss von meiner Firma erhielt. Mietzuschüsse von 5.000 USD und darüber bekamen nur die Expats von Bosch, VW, Deutsche Bank etc. finanziert. Bei Gesprächen mit befreundeten Chinesen hat sich dann gezeigt, dass der Kaufpreis und die Finanzierung einer Immobilie wesentlich günstiger ist als die Mietkosten für das gleiche Objekt. Die Mieten waren ja von den schlauen Chinesen für die Expats der großen internationalen Konzerne “angepasst“.
Jedenfalls haben wir dann ein schönes Haus mit dem Mietkostenzuschuss meines Arbeitgebers quasi zum Nulltarif finanziert und später trotz Finanzkrise und Zeitdruck in 2009 mit gutem Gewinn wieder verkauft. (Bemerkung: 2009 war der Hauswert noch nicht 7-stellig – heute liegt es vermutlich bei über 3mio Euro) Fazit: wir hätten zwei von den Dingern kaufen sollen… hätte, hätte…
Zurück in Deutschland ging es erstmal als Bereichsleiter bei einem Hightech Maschinenbauer weiter. Dann kam die Berufung in den Vorstand eines anderen mittelständischen Hightech Maschinenbauers der ebenfalls Börsennotiert ist. Wir reden hier bei weitem nicht von Salären wie bei DAX-Vorständen wie man sie immer wieder in der Zeitung präsentiert bekommt, aber bei unserer oben beschriebenen Lebensweise bleibt monatlich einfach viel übrig.

 

  • Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?
Fehler Nummer Eins: Bei meinen ersten Aktieninvestments in den USA und auch noch danach: Ich habe total überschätzt wieviel Geld man kurzfristig am Aktienmarkt verdienen kann. Und ich habe komplett unterschätzt wieviel Geld man am Aktienmarkt mit Ruhe und Bedacht langfristig verdienen kann.
Fehler Nummer Zwei: Ich habe aus Zeit- und Bequemlichkeitsgründen zu viel und zu lange in Vermögens- bzw. Sparprodukte von Banken und sogenannten Investmentberatern investiert. Irgendwie dachte ich auch, dass man das so macht, wenn man ein gutes Gehalt hat. (Gleichzeitig habe ich mich immer gewundert warum die sogenannten Berater größere Autos fahren als ich…?)
Fehler Nummer Drei: Freunde sind wichtig, aber manchmal sollte man nicht auf sie hören: Meine erste Mietwohnung in Shanghai (beste Lage Downtown) hätte ich im Jahr 2002 für umgerechnet 100k Euro kaufen können. Mir war damals eigentlich klar, dass sich die Immobilienpreise in Shanghai langfristig in Richtung Hongkong, Tokyo und Singapur bewegen müssten. Alle Gesprächspartner von damals sahen das aber völlig anders und ich blieb am Ende ein Hasenfuß der lieber Miete zahlte. Etwas über zwei Jahre später musste ich raus wegen Eigenbedarfs des neuen Besitzers – er hatte 500k Euro bezahlt…
—> Wenn man selber der beste Experte für eine Sache ist (weil man vor Ort ist oder was auch immer) sollte man nicht auf Menschen hören die sich das Thema nicht vorstellen können oder wollen.
Ich würde mich nicht mehr privat krankenversichern und ich würde durchgehend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Dies habe ich während unserer Auslandsaufenthalte nicht getan. Heute sehe ich die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland mehr aus der Perspektive der Gemeinschaftlichkeit. Sicher gibt es Verbesserungsbedarf, aber ich denke auch wir finanziell besser Gestellten sollten unseren Teil zum Erhalt eines gemeinschaftlichen Generationenvertrags mittragen. (Anmerkung: Während meiner Vorstandstätigkeit war ich “freiwillig pflichtversichert“ in der gesetzlichen Rentenversicherung und wurde deshalb von Vorstandskollegen verspottet.

 

  • Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?
Ich sehe mich derzeit nicht finanziell Unabhängig. Zum einen haben wir zwei heranwachsende Kinder deren Studium (falls sie studieren wollen) finanziert werden muss. Zum anderen haben wir unser aktuelles Vermögen suboptimal allokiert.
Um Vermögen aufzubauen braucht es meiner Meinung nach einen gewissen Grad an Ehrgeiz oder Leistungswillen, um im Job (egal ob angestellt oder selbstständig) ein gutes Einkommen zu erreichen.
Rückblickend muss ich sagen dass ich immer mit viel Engagement und persönlichem Einsatz gearbeitet habe. In meinem letzten Job waren es konstant über 60h von Mo-Fr und dann noch Telefonate und Präsentationsvorbereitungen am Wochenende. Der Rest ist Interesse an finanziellen Dingen, Bescheidenheit und Durchhaltevermögen.

 

  • Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen/erhalten oder noch zu erhöhen?
Unsere Vermögensallokation muss optimiert werden. Dazu sind wir gerade dabei alte und unrentable Zöpfe (RVs und LVs) – da wo es sinnvoll geht – abzuschneiden.

 

  • Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?
In zehn Jahren möchte ich schuldenfrei sein. Wenn es zusätzlich gelingt, bis dahin mit 2mio Euro in ETFs und Einzelwertpapieren investiert zu sein, wäre das schön.

 

  • Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deine Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?
Ich wurde von einem Vorstandskollegen aus dem Job gedrückt der offensichtlich eine bessere Lobbyarbeit beim Aufsichtsrat gemacht als ich. Seit Januar 2019 bin ich Zuhause, habe mich um die Fertigstellung und Vermietung der oben genannten Immobilie gekümmert und arbeite jetzt an meiner Person mit eigener und gecoachter Weiterbildung. Außerdem kümmere ich mich derzeit stark um meine Gesundheit/Fitness und um meine Familie. Beides ist die letzten 5 Jahre definitiv zu kurz gekommen.
Kurz- bis mittelfristig möchte ich wieder in eine verantwortungsvolle Position in einem international aufgestellten Unternehmen.
An unserem Lebensstil sehen wir derzeit keinen großen Änderungsbedarf. Meine Frau und ich kommen aus der Gegend in der wir jetzt wohnen. Die Kinder fühlen sich auch sehr wohl, sodaß es auf absehbare Zeit keine Wegzugsgedanken gibt.
Außerdem gibt es quasi vor unserer Haustür viele Waldwege und Trails die meinem Mountainbiker-Herz regelmäßige Ausschüttungen an Glückshormonen bescheren 🙂

 

  • Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?
Wenn Du die richtige Partnerin / den richtigen Partner findest: Gründe eine Familie! Es ist die spannendste und am meisten Sinn stiftende Unternehmung deines Lebens und die mit der höchsten regelmäßigen “Dividendenrendite“. Ja, ein 24-7 Job ist es auch. Aber er wird mit emotionaler Erfüllung vergütet.

 

 

Das war das Interview mit Forest Dweller.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast und auch für den netten Email Austausch.

Und ganz herzlichen Glückwunsch, was Du beruflich erreicht hast! Das ist absolut beeindruckend.

Betreff “Investment” in eine Familie wenn es passt, kann ich Dir nur zustimmen.

Als Hinweis empfehle ich neben der generellen Reduzierung Deines Cash Anteils, wirklich einmal ein paar Monate eure Familienausgaben zu tracken. Es geht bei Dir dabei kaum darum, Einsparpotentiale zu finden sondern ein Gefühl dafür zu bekommen wie viel Vermögen Ihr eigentlich noch braucht, um eine weitere Arbeitsaufnahme optional zu gestalten.

Deine knapp 1,4M Euro an liquiden Mitteln in einem breiten weltweiten Aktienkorb gäben mit etwas Zusammenstellung leicht 3,5% jährliche Dividende und das kaum/ohne Risiko eines Einzelaktieninvestments. Das wären verlässliche ca. 50k Euro Brutto an Dividenden. (Dividenden eines Länder / Gesamtmarkt ETF´s werden auch in einer Rezession kaum gekürzt).

Inkl. Kindergeld und dem Teilzeitjob Deiner Frau könnten viele Familien in Deutschland mit dieser Summe komfortabel leben. Es geht dabei nicht darum nicht mehr zu arbeiten sondern um das unbeschreibliche Gefühl, dass man es nicht mehr wegen des Geldes tun muss, sondern einfach kann.

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen Investitionen, Deinen Fitness und Familienplänen und natürlich auch, dass Du beruflich weiter machen kannst so wie Du es willst.

Und jetzt zu euch. Was würdet Ihr gerne von Forest Dweller wissen und was interessiert euch besonders an seinem Lebensweg.

Feuer frei im Kommentarbereich!

Und als (angehender) Millionär schreibst Du natürlich dem Maschinisten unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und wirst selbst Teilnehmer bei den Millionär Interviews!

 

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vonaufdenboden

Hi Forest,
danke für deine Geschichte!

Es ist ein wenig seltsam, denn bei mir ist alles ziemlich genau so wie bei Dir, nur um drei Jahre nach hinten versetzt.

Mein Alter, das meiner Frau und das meiner Kinder, die Anzahl der Jahre verheiratet, der Job, Auslandsaufenthalt (nur in anderen Länder), das Haus um 550k mit 400k Schulden (allerdings daheim in Bayern und vermietet), wohnhaft im kleinen Städtchen (wir in der Schweiz), die Kinder gehen 5 Minuten zur Schule, nicht oft aber dafür gute Qualität bei Restaurant und Urlaub, die Lehre als Maschinenschlosser, die Arbeit als Geselle, danach Abitur mit anschliessendem Studium zum Wirtschaftsingenieur, immer Neben- und Ferienjobs, Start bei Null Vermögen, Kinder fühlen sich wohl und deshalb bleiben wir, unser Nettovermögen liegt jetzt bei 1,1M und in drei Jahren (bei halbwegs normalem Börsenverlauf und mit durschnittlichem Bonus) bei 2,0M.

Für mich wäre es ok, wenn auch ich in etwa drei Jahren am 31.12.2022 “verabschiedet werde”. Das ist nämlich genau das Datum, an dem wir als Familie rechnerisch auch in der Schweiz nicht mehr unbedingt arbeiten müssten (4% SWR).

Wie gesagt, alles sehr seltsam und eigenartig!

Allerdings beschäftige ich mich bereits seit vielen Jahren intensiv mit meinen persönlichen Finanzen. Und gemäss Deines Nettovermögens “müsstest” auch Du nicht mehr arbeiten. Du “kannst” natürlich. Jedenfalls ist bei Deiner jetzigen asset allocation noch einiges zu tun. Aber da bist Du ja gerade intensiv damit beschäftigt.

Ich dachte auch schon über ein Interview beim Maschinisten nach. Aber das hat sich ja damit erledigt ;-).

Weiterhin Alles Gute!

Liebe Grüsse,
vonaufdenboden

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Forest Dweller

Danke für Deinen Kommentar, vonaufdenboden!
Die Deutschen und insbesondere wir Süddeutschen scheinen einen Entsendungslustiges Volk zu sein. Jedenfalls trifft man uns überall auf der Welt – was zu einem großen Teil natürlich auch unserer sehr international ausgerichteten Wirtschaft zuzuschreiben ist.

Ich bin mir sicher, dass in Deiner Lebensgeschichte, trotz gewisser Ähnlichkeiten, andere Aspekte und Inhalte auftauchen, die für die Leser der Freiheitsmaschine interessant wären. Von daher: Mach das Interview.

Beste Grüße in die schöne Schweiz
Forest Dweller

Thorsten
Mitglied

Hey Forest,

Wirklich beeindruckender Lebenslauf – da hast Du Dich ordentlich rein gehängt und kannst stolz auf das Erreichte sein, Respekt!

Gibt es einen Grund, warum Du die Euro 2mn anstrebst…der Maschinist hatte es ja auch schon erwähnt, dass Dein Kapital (dann in Kürze besser allokiert) ja eigentlich heute schon reichen müsste, trotz Kinder, Studium, etc?

Hintergrund der Frage: Ich überlege für mich auch, wann es “genug” ist und schaue immer etwas, was andere so annehmen…

Viele Grüße
Thorsten

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Gast
Forest Dweller

Hallo Thorsten und danke für Deinen Kommentar!

Für die 2m gibt es keinen besonderen Hintergrund. Da ich jedoch wieder arbeiten möchte, setze ich mir dieses vielleicht Anspruchsvolle aber m.E. erreichbare Ziel. Immer vorausgesetzt, dass die eigene Gesundheit und die Familie das mitmachen.

Ich war schon immer so gepolt, dass ich mir das Unternehmen und die Aufgabe sehr genau anschaue bevor ich mich entscheide einzusteigen. Dann gebe ich 110%. Geht bei mir irgendwie nicht anders – ich kann nur so arbeiten. Das hat, bis auf meine letzte Stelle, immer sehr gut funktioniert. An meiner Wahrnehmung und Interpretation interner Unternehmenspolitik muss ich offensichtlich noch arbeiten…

Ich suche also wieder etwas was ich spannend finde und wo ich glaube, dass ich einen “Value Add” einbringen kann.

Das Thema “wann ist es genug” muss ich mir tatsächlich nochmal selbst erarbeiten und in mich hineinhören. Zu diesem Thema ein klasse Video: https://youtu.be/dFlYnL_SHQc

Viele Grüße
Forest Dweller

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ugly duckly

Hallo Waldkauz,
herzlichen Glückwunsch zu Deiner eindrucksvollen Bilanz und vielen Dank für die interessante Geschichte! Am meisten beeindruckt hat mich vor allem Dein offener Umgang mit Deinen anlagetechnischen Defiziten. Daraus kann man zumindest lernen, dass weit überdurchschnittliche Einnahmen alleine nicht ausreichen für die finanzielle Freiheit, noch nicht einmal in Kombination mit sparsamer Lebensführung. Insofern machst Du im Moment das Beste aus Deiner Situation der Freistellung, indem Du diese Defizite angehst. Unterm Strich wirst Du dadurch in einigen Jahren wahrscheinlich finanziell besser dastehen, als ohne dieses zunächst negative Ereignis.
Wie fühlt sich die viele Freizeit zurzeit für Dich an? Könntest Du Dir auch vorstellen, ganz aufzuhören mit dem Arbeitsleben, z.B falls sich in Eurer Gegend nichts adäquates findet?

Gruß aus dem Hinterlandswald, ugly duckly

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Forest Dweller

Hallo ugly ducky,

vielen Dank für Deinen Kommentar und die offenen Worte. Ich bin tatsächlich ein Spätzünder was finanzielle Bildung angeht. Von meinen Eltern habe ich nur gelernt, dass man hart arbeiten und sparsam leben muss. Das man sich um das Ersparte auch eigenverantwortlich kümmern sollte, habe ich erst später für mich selbst entdeckt – und leider nicht konsequent genug umgesetzt.

Zu Deiner Frage wie sich die aktuelle Freizeit anfühlt:
Da sind in der Tat sehr gemischte Gefühle: Am Anfang überwog Scham und Ärger. Ich wurde gefeuert – aus heiterem Himmel! Erklär das mal deiner Frau und deinen vorpubertären Kindern und danach deinem ganzen sozialen Umfeld. Mich hat das Anfangs ziemlich geschlaucht.
Ein befreundeter Personalberater hat mir dann mal gesagt: “Ein Vorstand der noch nie im Streit über die Unternehmensausrichtung gefeuert wurde, ist kein Vorstand!” Hm, hilft mir jetzt nicht so richtig, aber ich nehme die Sache auch nicht mehr so schwer und persönlich. Ich war mit meinen knapp 5 Jahren Amtszeit der dienstälteste Vorstand des Unternehmens. In dieser Zeit wurden zwei Kollegen gefeuert und einer ging freiwillig. Ich war der vierte Vorstandsabgang in dieser Zeit… fast Bundesliga-Niveau.
Nachdem die einigermaßen kräfte- und nervenzerenden Formalitäten mit dem Unternehmen erledigt sind, sucht man sich Ablenkung: Hausarbeit, lesen, kochen, mit den Kids lernen, Sport. Freunde besuchen in anderen Gegenden/Städten für die man sonst nie die Zeit findet. Im Moment verbringe ich viel Zeit mit Lesen und Weiterbildung sowohl online als auch in Seminaren. Sich seine Zeit relativ frei einteilen zu können und seinen Interessen nachzugehen ist ein toller Luxus!

Kann ich mir vorstellen ganz aufzuhören mit dem Arbeitsleben?
Klares Nein. Ich kann mir vorstellen anders zu arbeiten zB als Interimsmanager. Das würde meiner Arbeitsphilosophie mit 110% Einsatz bzw. “whatever it takes” entgegen kommen und gut zu mir passen. Und zwischen den Mandaten könnte man jeweils ein paar Wochen Pause einlegen – wenn sich das so steuern ließe…

Zum Aufhören fühle ich mich jedenfalls noch zu jung, zu energiegeladen und ich denke, dass ich mit der internationalen Erfahrung die ich habe in dem was ich tue sehr gut bin und mich immer noch weiterentwickle. Das macht auch Spaß. Außerdem finde ich das Thema der Digitalisierung, das in der gesamten Industrie in Deutschland nun endlich Fahrt aufnimmt, einfach zu spannend…

Beste Grüße
Forest Dweller

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David

Hallo Forest Dweller,

herzlichen Glückwunsch zur erreichten Leistung, auf die Du sehr stolz sein kannst.

Lass Dich von der Entlassung nicht runterziehen. In meinem Betrieb verlassen nahezu alle Führungskräfte so das Unternehmen und es ist schon irgendwie normal. Mich hat es dann auch vor einem halben Jahr erwischt (ich war Bereichsleiter in einem europäischen Handelsunternehmen mit Gehalt von 260k brutto). Es fühlt sich nicht so toll an, aber soviel freie Zeit hat man auf einmal nicht mehr. Schaue Dir doch auch alternative Anstellungsverhältnisse im Vergleich zu einer Festanstellung an: Interim-Management, Freelance Consultant, P/E-Advisor, etc. Ich glaube, dass man dadurch (bei vermutlich ähnlichem Gehalt) deutlich an Flexibilität gewinnt. Ich würde an Deiner Stelle auch die 50-60h Wochenstunden in Frage stellen. Du bist über 50 und das brauchst Du doch wirklich nicht mehr. (ich habe nach 10 Jahren 60-80h den ‘Stecker’ gezogen und auf 45h reduziert (in neuer Position).

Ich werde demnächst dann eine ähnliche Geschichte hier erzählen, wenn die 1Mio. voll ist (vorher zählt ja nicht).

Viele Grüße

David

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Gast
Sebastian

Wie schätzt du denn die Situation im Handel ein? Ich stehe gerade selbst vor der Frage im Bereich Lebensmitteleinzelhandel im Finanzbereich einzusteigen. Die Stelle klingt wirklich interessant, allerdings hört man viel negatives über den Handel an sich.

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Gast
David

Im Lebensmittelhandel gibt es Licht und Schatten. Ich war im Textilhandel tätig: da gibt es fast nur Schatten. Es hängt also sehr vom Unternehmen ab.

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Gast
Martin

Hallo Forest Dweller,

Du hast wirklich einen sehr zielstrebigen Lebenslauf hingelegt. Größten Respekt dafür. Ich selbst bin zwar während des Studiums in den USA gewesen und habe seither immer international gearbeitet, auf ein wirkliches Expat-Assignment wollte ich mich dann aber doch nie einlassen. Dafür bin ich wohl zu seßhaft oder kommod, als das ich mir mein Leben komplett durch einen jobbedingten Umzug auseinandernehmen lassen wollte.

Mit Deinen Investitionen in ETFs und Immobilien finde ich Dich sehr gut aufgestellt, vor allem die ETF-Position hat eine beeindruckende Größe erreicht! Da kommen sich die Lebensjahre dazu, du bist einfach auch 15 Jahre länger im Geschäft als ich 😀

Jedoch zeigt auch Dein Bespiel: Jeder kann es schaffen, jammern gilt nicht. Selten kommt in Deutschland jemand aus wirklich armen oder wirklich reichen Verhältnissen. Allermeistens sind die Startbedingungen mittelständisch. Aus dieser Position lässt sich einfach mit Durchhaltewillen, Risikobereitschaft und vor allem Eigenverantwortung doch so einiges machen! Auch ich als Einwohner Thüringens, das ja nun wirklich einen Gutteil an wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinter sich hat, habe “aus dem Nichts” eine ähnliche Vermögensposition aufbauen können.

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Gast
Alois Z.

Sympathischer Mensch!