Big Hat, No Cattle – Wie Dich Deine Umgebung beeinflusst

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In meiner Zeit in den USA, lebte ich in einer der wohlhabendsten Gegenden des Landes. Das hatte sich durch den Standort meines damaligen Arbeitgebers ergeben.

Zur Verwunderung der meisten Europäer, befinden sich die reichsten Distrikte der USA nicht im Silicon Valley oder um New York City sondern westlich von Washington DC. Vier der zehn wohlhabendsten Bezirke des Landes liegen genau dort.

Der Kreis mit dem höchsten Familien Medianeinkommen (50% der Haushalte verdienen mehr) ist dabei Loudoun County in Virginia mit ca. $135.000 im Jahr. Das heißt 50% der Familien, verdienen dort mehr als $11.000 brutto im Monat!

Das ist nicht nur für die restliche Welt, sondern auch den USA ein extrem hoher Durchschnittsverdienst. Ohne weiteres Nachdenken kommt man auf die Idee, dass dort wahrscheinlich fast jeder Multimillionär ist und von Kapitalerträgen lebt oder mit seinem eigenen Unternehmungen nur noch das macht, was Ihm die größte Freude bereitet.

Aber dem ist nicht so

Das Privatvermögen in diesen Bezirken ist zwar höher als in anderen Gegenden der USA aber das viel weniger als man es vermuten würde.

Der Hauptgrund ist dort wie auch an jedem anderen Platz dieser Welt, dass der Großteil dieses riesigen Einkommens ohne großes Nachdenken direkt verkonsumiert wird und dadurch ist kein Geld übrig ist, um es zu investieren.

 

Big Hat – No Cattle!

Dieser wunderbare englische Begriff bedeutet, dass jemand der sein ganzes Geld für den größten Cowboyhut ausgibt, auffallend oft kein Vermögen besitzt, weil keines aufgebaut werden konnte.

Großer Hut – Kein Vieh!

Und was des Farmers Hut, ist des Bürgers geleaster Luxus PKW, das viel zu große Haus und Kinder auf Privatschulen ohne wirklichen Bildungsvorteil gegenüber den in Loudoun County exzellenten staatlichen Bildungseinrichtungen.

Ich hatte dort z.B. amerikanische Arbeitskollegen, die mit mir über Ihr Apple Aktieninvestment plauderten, bei dem Sie nun nach über zehn Jahren „Das Problem“ hatten, das dort viel zu viel Geld in einem Einzelwert lag.

Andere mit ähnlich deutlich sechsstelligem Verdienst dagegen beklagten, dass Sie auf der Suche nach einer Finanzierung für Ihre neueste Konsumausgabe seien, da das Leben „heutzutage einfach viel zu teuer ist“.

Gleichzeitig wurde mit dem finanziertem $80.000 SUV täglich zur Arbeit gependelt oder die Kinder damit zur Privatschule bugsiert. Und das viel zu große Haus sah von innen aus, wie aus einem Designerprospekt.

Vergleichbares Einkommen – Völlig unterschiedliches Ergebnis

Wer sich mit seinen medianen $135.000Brutto im Jahr eine dieser Villen plus ein SUV für jedes Familienmitglied finanziert, bei dem ist der Cowboyhut sehr groß.

Mit der Vermögensbildung wird es damit leider sehr schwer und der Hut glitzert leider auch nicht mehr als beim Nachbarn, der genau das Gleiche tut.

Wer dann nicht aufpasst und beim Rennen um den größten Hut wieder vorne sein will und nun sogar in den Bann der Konsumkredit-Sirenengesänge fällt, der mutiert von Familie Blank zu Familie Sklave und balanciert mit seinen Ratenzahlungen auf der Rasierklinge seines fremdfinanzierten Lebens.

Ein einziger Jobverlust und der wunderschöne Glitzerhut und damit das eigene Leben verwandeln sich in einen großen Haufen Kuhmist.

Die eigene Zukunft riskiert und verpfändet und das nur um die Nachbarn zu beeindrucken oder weil man denkt, das sei „normal“.

Zwangsweises Geldverdienen bis zum Beginn der gesetzlichen Rente oder noch darüber hinaus inklusive. Und dabei darf rein gar nichts schiefgehen, sonst bricht alles zusammen.

 

Aus Deutschland kommend und in einem Arbeiterhaushalt aufgewachsen (und in dem es mir an nichts wirklich wichtigem gefehlt hat), konnte ich zu Beginn nicht glauben, warum diese Menschen nicht merken, was Sie dort eigentlich tun.

Später wurde mir klar, dass wir alle in unserem eigenen „Loudoun County“ leben, das wir für „vollkommen normal“ halten und dort fast den gleichen Blödsinn betreiben.

Denn wer über die finanzierten Villen mit 500 Quadratmeter Wohnfläche lächelt oder sich über überdimensionale geleaste SUV mokiert, dem sei gesagt:

 

Für Menschen aus der zweiten und dritten Welt ist auch der gesamte deutschsprachige Raum ein einziges Loudoun County.

Kaum jemand im Rest der Welt kann sich vorstellen, dass die Bürger hier überhaupt noch eigene kostbare Lebenszeit in abhängiger Beschäftigung oder auch mit selbständiger Arbeit die einen nicht mehr wirklich erfüllt, verbringen müssen weil sonst alles zusammen bricht.

Flachbildfernseher stehen bei uns am Straßenrand, weil das aktuelle finanzierte Modell mehr Pixel und einen schmaleren Rand hat. Neue PKW und 1.000 Euro Smartphones werden auch von vielen deutschen Mustermann-Familien nur noch als regelmäßig upzugradende Grundversorgung mit monatlicher Leasingrate wahrgenommen.

Was wir beim Blick auf Loudoun County und Milliarden anderer Menschen beim Blick auf Deutschland, Österreich und der Schweiz leicht übersehen, ist das die meisten Bewohner dort hauptsächlich damit beschäftigt sind, Ihren Cowboyhut noch ein wenig grösser zu machen.

Und das nur, weil es alle um Sie herum genauso tun.

 

Diese Bürger vergessen dabei leider den einzigen Menschen, der Ihnen neben Ihrer Familie am wichtigsten sein sollte: Sich selbst!

Aber dieses Drama der Selbstverleugnung und des nicht auf sich selbst aufpassen, ist von außen nicht sichtbar.

Stattdessen ist es wichtiger, dass die Nachbarn glauben, man ist „erfolgreich“ und wohlhabend.

Man soll so aussehen als sei auf dem Konto und im Aktiendepot schon kein Platz mehr für weiteres Geld.

Das passive Einkommen übertrifft nach dem optischen Eindruck bestimmt schon die monatlichen Ausgaben und all der Stress im Büro oder die Nachtschicht in der Fabrik ertragen diese Menschen sicher nur, weil Sie daran pure Freude ohne weitere Verdienstabsicht haben.

Auch bei uns im deutschsprachigen Raum, sind die Menschen wahrscheinlich lieber die meiste Zeit Ihres Lebens nicht zu Hause bei Ihrer Familie, oder verbringen mehr Zeit mit Ihren Kindern und Freunden.

So wie es aussieht, sitzen Sie stattdessen lieber jeden Tag auch bei einem schlechten Arbeitgeber im Büro und lassen sich von Ihrem Chef anpflaumen oder müssen jetzt zum vierten Mal das Projekt durchbewerten, auch wenn das Pferd nicht nur tot ist, sondern schon nur noch Knochen im Sand liegen.

Einer geht noch und das auch noch mit 55 oder 63, wenn dann der neue, zwanzig Jahre jüngere, Chef ein bisschen Zucht in den Laden bringen möchte.

Man kann ja gehen, wenn es einem nicht passt.

Kann ja gehen….

 

Kannst Du dann gehen?

Oder hast Du leider die meiste Zeit an Deinen großen und glitzernden Cowboyhut gedacht anstatt an Deine Viehherde?

Warst Du damit beschäftigt, Ihn noch ein wenig grösser zu machen und noch mehr zum Glänzen bringen?

Oder hast Du auch an Deine eigene Zukunft gedacht und einen großen Teil Deines Einkommens in Deine eigene Freiheitsmaschine investiert, die Dich dafür nun mit einem endlosen Strom an passivem Einkommen belohnt und Dir damit eine schier endlose Zahl an Optionen eröffnet.

Die größte Option dabei ist, den Großteil Deiner Lebenszeit so verbringen zu können wie Du möchtest. Und die meisten Dramen dieses Lebens mit Geld entweder direkt abwenden oder zumindest deutlich abmildern zu können.

Menschen ohne eigenes Vermögen, oder noch schlimmer mit Konsumschulden, sind dagegen nichts anderes als Sklaven.

Wenn deren Chef sagt: „Spring!“, dann ist die einzige Gegenfrage, die diese Menschen stellen können: „Wie hoch?“

Mit ausreichendem investiertem Vermögen könnten diese Menschen dagegen schallend lachend aus dem Büro spazieren und zusammen mit Ihren Lieben in Ruhe überlegen, was Sie besseres mit Ihrer kostbaren Lebenszeit tun können.

Z.B in einem Unternehmen mit deutlich weniger Wahnsinn sinnvolles tun und das egal, wie viel dafür bezahlt wird. Oder Dinge auf eigener Basis unternehmen, die anderen Menschen helfen und einem selbst die größte Freude bereiten.

 

Investiere in Deine eigene große Viehherde!

Mache Geldverdienen optional und belohne Dich damit selbst mit dem größten aller Geschenke: Selbstbestimmter Lebenszeit.

 

 

 

 

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Renee

Das ist ja wohl der geilste Ausdruck, den ich seit langem lesen durfte:”balanciert mit seinen Ratenzahlungen auf der Rasierklinge seines fremdfinanzierten Lebens”.
Herzlichen Dank, you made my day!

Renee

Gast
Julian

Sehr interessanter Artikel.

Rational betrachtet macht es natürlich keinen Sinn für etwas mehr Geld als notwendig auszugeben. Also keinen Premium-Aufschlag und Neuigkeits-Aufschlag für etwas zu zahlen, wenn die deutlich günstigere Variante eigentlich alles abdeckt was man braucht.

Ein große Rolle spielt sicherlich das Herdenverhalten und das Status-Denken. Was machen meine Freunde, was macht mein Nachbar? Was denken die über mich? Wie ordnen die mich ein? Bin ich in deren Augen erfolgreich oder nicht? Erfolg mißt sich eben für viele in dem was sichtbar ist. Das sind meist Dinge die für einen hohen Preis gekauft werden und deren Preis auch allen bekannt ist. Daran bemisst sich der Status.

Es sind im Grunde die Rangabzeichen von Zivilisten. Zu früheren, kriegerischen Zeiten bemaß sich das Ansehen in der Gesellschaft oftmals daran welchen Rang jemand im Militär hatte. Das wurde für jedermann sichtbar als Uniform und Abzeichen getragen. Damit kann man heute in unserer Welt so gut wie niemanden mehr beeindrucken.

Trotzdem ist das Bedürfnis seinen Status nach außen zu zeigen immer noch da. Es ist tief verankert im Menschen.
Man muß das erkennen und für sich entscheiden, inwieweit man das mitspielen muss, will und kann.

So wie früher jemand sein Leben aufs Spiel gesetzt hat um durch Tapferkeit aufzusteigen und seinen Status zu erhöhen, setzen heute viele ihre finanzielle Gesundheit (und damit indirekt auch ihre eigene Gesundheit) aufs Spiel um ihren Status zu erhöhen.

Gast
Felix

Wieder ein schöner, zum Nachdenken anregender Artikel mit globaler und persönlicher Perspektive.

Die Frage, die sich stellt: Warum sind die Menschen so (verblendet)? Es ist sich keine Frage der Intelligenz. Vielleicht einer der Erziehung, der Sozialisation.

Und es gibt ja auch das andere Extrem, wo der Betreffende überhaupt keinen Hut mehr auf hat und alles ins Vieh steckt – das ist wieder die Frage des Genug.

Gast
Dr.Bundy

Die meisten Menschen sind verblendet, weil es Menschen gibt, deren Geschäft und deren Lebensaufgabe es ist andere Menschen zu blenden, nennt sich Propaganda bzw. PR. Es ist ja nicht nur so, dass die Leute, die dort arbeiten nur das Ziel haben andere Leute zu blenden, sondern auch noch dafür ausgebildet werden, also die Erfahrungen von anderen Blendern zugetrichtert bekommen. Eigentlich müsste man anders herum behaupten, es ist eine grosse Leistung, dass sich manche Leute von diesen Mechanismen befreien konnten.

Gast
Chris

Ein sehr schöner und gut geschriebener somit lesenswerter Artikel, der kritisch unsere Verhaltensweisen (im Konsum, bzw. in der Wohlstandgesellschaft) hinterfragt. Vorallem gefällt mir, dass Du auf uns implizit aufzeigst, dass diese Lebensweise nicht die einzig mögliche ist, um glücklich zusein. Herzlichen Dank und weiter so!

Gast
Jürgen

Hallo Maschinist,

nehmen wir an, mein Umfeld lebt diesen Konsumwahn und leistet sich das dicke Auto, das große Haus und teure Urlaube, ohne dabei Geld auf die Seite zu legen.

Ich fahre einen Kleinwagen, wohne in einer Mietwohnung und mache günstig Urlaub.
Dadurch spare ich monatlich 50% und bin in 20 Jahren finanziell frei.

Mein Umfeld kapiert diese Denkweise nicht. Beim gemeinsamen Grillen fällt mir auf, dass vorwiegend über Konsum gesprochen wird und jeder sich überbieten möchte. Und wenn jeder so berichtet, wo er Urlaub gemacht hat und welche coole Karre er fährt, dann kann ich da nicht mitreden, bzw. die Anerkennung ist gleich null.

Wirklich wichtige Themen werden nicht angesprochen. Also Themen, die mir wichtig sind, wie z.B. Finanzen, Zufriedenheit oder sogar Spaß im Job, Beziehungen, Umwelt…

Was ist daraus die Konsequenz? Umfeld verlassen, damit auch alte gute Freunde und neues Umfeld suchen?

Gruß
Jürgen

Gast
Julian

@Jürgen
Vielleicht narrt mich der Zufall, aber wie der Zufall so spielt lese ich gerade ‚Skin in the Game‘ von Nassim Taleb.

Dort steht in Kapitel 10 der Satz ‚People can only be social friends if they don’t try to upstage or outsmart one another‘

Das find ich ganz passend zu der Frage, was es für den eigenen Freundeskreis bedeutet, wenn man sich ein frugaleren Lebensstil angewöhnt. Die Freunde es aber nicht tun.

Ich selbst habe mir in den letzten Jahren einen sparsameren Lebensstil angewöhnt. Aus der Einsicht heraus dass ich viele materielle Dinge nicht haben muß und dass das für das langfristige und dauerhafte Ziel der finanziellen Unabhängigkeit hinderlich ist.

Meine Freunde machen das eher nicht. Dort ist es die Regel alle drei Jahre einen Neuwagen zu kaufen oder zu leasen, alle 1-2 Jahre ein neues Smartphone, usw…

Ich habe jedoch kein Problem damit und meine Freunde haben mit meiner partiellen Konsumverweigerung auch kein Problem. Ich versuche auch nicht meine Freunde zu belehren oder zu missionieren mit Überzeugungen die ich für mich als richtig oder passend erkannt habe. Das wäre auch vollkommen sinnlos. Ich kritisiere meine Freunde auch deswegen nicht. Im Gegenteil. Ich freue mich mit ihnen wenn sie ein neues Auto haben. Ich liebe Autos und fachsimpel gerne mit meinen Freunden darüber.

Es gibt abseits von Konsumentscheidungen noch so viele andere Themen über die ich mich mit meinen Freunden austauschen kann, die einfach über diesen Dingen stehen.

Gast
Freelancer Sebastian

Ein Schlüssel zur Freiheit ist sicherlich ein ausgeprägtes positives Selbstwertgefühl. Wenn ich mit mir zufrieden bin, das Leben mit meiner Familie, meinen Freunden, meinen Hobbies und Tätigkeiten genieße, brauche ich keine Statussymbole, die mir den Respekt “der Gesellschaft” verschaffen. Die suggerieren würden, ich sei “etwas wert”.

Gut, ein fettes Portfolio ist dem Selbstbewußtsein auch nicht gerade abträglich. Man wird gelassener, mutiger, muss den Zirkus nicht mitmachen. Ich habe dann die Freiheit zu sagen: “Nicht mit mir!”

Ich frage mich immer, woher dieses Selbstwertgefühl kommt, das wohl alle Freiheitsliebenden eint. Sind es die Gene, die Erziehung, ist es erlernt? Warum haben andere die Staussymbole nötig? Warum haben wir die Show um den äußeren Schein nicht nötig, um glücklich zu sein?

Wie auch immer, ich lebe in einem Freundeskreis, in dem Status durch materielle Dinge keine Rolle spielt. Wir kennen uns seit Schulzeiten, da spielte das keine große Rolle. Die finanzielle Bildung läßt allerdings zu wünschen übrig….

Wie immer ein klasse Artikel, Maschinist!

Gast
Felix

Unmittelbar dazu:
Nathaniel Branden, Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls

Gast
Ruben

Das Beste an deinem Beitrag ist der Schwenk wie uns wohl die Menschen aus den ärmeren Ländern sehen. Der Unterschied muss noch um einiges gravierender sein als der Vergleich zwischen uns und manch besonders verschwenderischen Exemplaren unserer ersten Welt. Letztendlich können wir es uns wohl nicht vorstellen.

Den Überfluss, den sich die meisten Menschen hier leisten können ist der Wahnsinn. Leider nehmen die wenigsten ihre privilegierte Situation auch als solche wahr. Im Prinzip kann ich mit fast niemandem darüber sprechen, sondern es wird nur erwartet in das Klagelied einzustimmen, wenn es denn doch nicht für noch mehr reicht. Noch mehr kann sein der noch größere oder ein weiterer Urlaub, das noch größere Auto, die neueste Technik usw. also alles was mit den Grundbedürfnissen rein gar nichts mehr zu tun hat.

Doch so ist der Mensch scheinbar grundsätzlich, immer schnell an den bestehenden Wohlstand gewöhnen und davon ausgehend nach noch mehr zu streben. Schmerzlich wird es dann, wenn ein bestehendes Niveau nicht mehr gehalten werden kann, was als selbstverständlich galt.

Ich versuche mich immer so gut es geht zu erden. Deshalb interessieren mich stets Berichte, wie andere Menschen in anderen Erdteilen leben. Vor Ort die Lebensumstände sehen oder diese gar selbst erleben ist natürlich noch einmal ein ganz andere Erfahrung. Zudem höre ich auch hier immer Menschen aufmerksam zu, die mit weniger auskommen müssen. Dennoch ertappe ich mich des öfteren, wie auch ich weiter nach oben schaue. Wohlhabend sind immer nur die anderen. Anbei ein paar passende Berichte:

https://www.zeit.de/2016/40/selbstwahrnehmung-geld-besserverdiener-gefuehlte-ungleichheit
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/loehne-auf-einen-blick-so-verdient-deutschland-a-1158777.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf

Gast
Smartinvestor

Worüber ihr diskutiert ist “Hedonic Adaption”. Ich bin da schon gleich in meiner ersten Arbeitsstelle an der Uni draufgekommen, dass das das Grundübel unserer ganzen Gesellschaft ist und habe mich ab da entsprechend “gehackt”. D.h. keinerlei Gewöhnung ab irgend was, was nur etwas über dem als notwendig Erachteten liegt. Denn das schleppt man ab da immer mehr kostentreibend durchs Leben, ohne irgend einen nachhaltigen Lustgewinn. Ohne das weiß man überhaupt nicht, das einem was fehlt. Der umgekehrte Weg des Downsizing gelingt kaum einem.
Z.B. fahre ich jetzt immer noch als Geschäftswagen dasselbe Mittelklasse-Modell einer sehr bekannten Marke in der x-ten Generation, dessen Platzangebot, Technik und Fahrkomfort mir in meiner Studentenzeit schon notwendig erschienen und bis jetzt immer noch völlig ausreichend erscheinen. Die Kollegen-Kommentare sind sehr interessant und aufschlussreich. Das geht von “kannst du dir nichts anderes leisten” über “ich fahre den, obwohl ich den eigentlich nicht bräuchte, weil dann vom AG wegen des höheren Geldwerten Vorteils mehr in meine BAV eingezahlt wird” (krass) bis hin zu “Jetzt zahle ich schon das doppelte an eigener Beteiligung als du und meine Kiste ist unpraktisch groß, technisch überladen und bleibt mir alle 3 Monate liegen, weil die unausgereifte neueste Technik ausfällt – ich hätte deinen statt meiner E-Klasse mit Vollausstattung nehmen sollen, einfacher, praktischer und alles was man braucht zu halben Kosten.” Noch krasser, oder?
Daher war ich sehr erfreut, als ich das, was ich seit jetzt gut 30 Jahren in Maßen praktiziere, ohne je was vermisst zu haben, bei MMM finde:
https://www.mrmoneymustache.com/2018/04/10/hacking-hedonic-adaptation/
Bekanntlich ist daraus eine Tochter in gut bezahltem High-Tech-Beruf hervorgegangen, der die bescheidene Wohnung im Nebengebäude auf dem Bauernhof eines Künstlers zur Untermiete, die seit Monaten leer stand und die sie in knapp 2,5 Tagen abgearbeitet hat, aber mitten in der Natur als die Erfüllung ihrer aktuellen Träume erscheint. Sparrate gut 75%.

Gast
Oliver

Ich war die meiste Zeit meines Lebens selbstständig bis auf meine Anfangszeiten. Dadurch habe ich sehr viele Unternehmen und Menschen kennen gelernt. Viele, die erfolgreich im Job waren/sind, sorgen sich fast ausschließlich um ihren Hut. Ich dachte, dass der Spruch aus Texas kommt, aus England war mir neu. Aber die Erweiterung des Hutes ist für viele, durchaus schlaue, erfolgreiche Menschen der Antrieb, möglichst viel Geld zu verdienen. Zum anderen habe ich immer festgestellt, dass viele überhaupt keine Idee haben, wie sie richtig sparen können.

Als ich die ersten Aufträge von Intel bekam, ging ich damals mit einigen der Leute zum Mittagessen. Die Themen waren schöne teure Autos (der Parkplatz ist ein El Dorado für Autoliebhaber), die Finanzierung des eigenen Hauses inkl. Swimmingpool und was auch immer, die neue Photovoltaikanlage oder der neue Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff. Der Manager, der mich beauftragt hatte, besaß ein 80.000 EURO Sportwagen, der quasi nie gefahren wurde und der in der Garage neben zwei weiteren Autos stand. Dazu ein japanischer Garten und eine Küche mit alleinstehenden Herd. Er hat sehr viel gearbeitet, sehr viel Verantwortung gehabt und seine Gesundheit nicht geschont, was ihm zum Verhängnis wurde. Insgesamt ein sehr angenehmer Mensch, aber Vermögensbildung war nicht seine Stärke. Er hat zum Glück das Drama bei Intel knapp verpasst, wo dieses Unternehmen angefangen hat, umzustrukturieren und viele der sehr gut verdienenden Leute entlassen hat, wenn auch mit z.T. irren Abfindungen.

Einen habe ich letzten Winter bei einer Veranstaltung zufällig getroffen. Ich habe daraus gelernt, dass es nicht nur eine Konsuminflation gibt (das wusste ich schon vorher), sondern auch eine Inflation in der Anspruchshaltung eines gutbezahlten Jobs mit entsprechendem Hintergrund bei den Aufgaben, den es nunmal nicht wie Sand am Meer gibt. Es ist meines Erachtens ein persönlicher Glücksfall, eine Arbeit zu finden, die interessant und zusätzlich sehr gut bezahlt ist. Es ist, auch wenn man gut ist, fast immer zeitlich begrenzt, weil jeder von uns ersetzbar ist und die technologische und gesellschaftliche Entwicklung stetig voranschreitet. Von daher haben viele Menschen nur einen begrenzten Zeitraum sehr hohe Einnahmen – wenn überhaupt – und nehmen an, dass dies ewig so weitergeht, wenn nicht sogar besser läuft. Dieser Exmitarbeiter besitzt ein Riesenhaus, hat viele Ausgaben und erzählte dann irgendetwas von Einzelunternehmung, wo man den Eindruck hatte, dass es nichts anderes als ein Feigenblatt ist um den alten Status Quo aufrecht zu halten. Kein Einzelfall, wie ich festgestellt habe. Nur leider auch hier genau das gleiche: Schlicht mangelhafte Vermögensbildung trotz bester Voraussetzungen. Eigentlich sehr schade, weil bei konsequenter Investition in guten Zeiten kann einem fast nichts mehr danach passieren.

Ich bin Ende letzten Jahres dazu übergegangen, sehr viel weniger zu arbeiten. Ich hatte keine bösen Auftraggeber – ganz im Gegenteil – habe aber festgestellt, dass ich einfach weniger arbeiten möchte. Im Juni habe ich gar nichts gearbeitet und es ist mir nichts abgegangen. Jetzt werde ich wieder was kleines, interessantes machen. Der Geldaspekt ist mir dabei nicht wichtig, aber natürlich verlange ich angemessene Stundensätze. Habe ich tatsächlich mal einen blöden Auftraggeber, kann ich ihm schnell die rote Karte zeigen. Meistens bekäme er dabei die wesentlich größeren Probleme als ich. Eine für mich persönlich natürlich sehr schöne Position. Man muss dabei ganz eindeutig sagen, dass ich diese Position nicht hätte, wenn ich nicht vorher konsequent gespart und investiert hätte. Gutes Einkommen hilft einem dabei, aber die Konsequenz ist mindestens genauso wichtig. Und daran mangelt es leider sehr vielen Menschen. Mir tut das immer ein bisschen leid. Gerade gutzahlende größere Unternehmen restrukturieren regelmäßig und die älteren Mitarbeiter zittern davor, weil sie nicht vorgesorgt haben. Viele scheinen es auch zu verdrängen und stehen dann mit ihren großen Wünschen ohne entsprechendes Einkommen da. Dabei spielen sich durchaus Tragödien ab bis hin zu H4 mit 55 und garantierter Mickerrente ab 67+, weil die späten Renteneinzahlungen fehlen.

Von daher ist es verwunderlich, warum hier nicht die Masse der Bevölkerung aktiver ist. Jeder hat es selber in der Hand. Stattdessen liest man häufig nur Ausreden, warum man nicht sparen könnte.

Grüße Oliver

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Gast
Dr.Bundy

Schön deutlich gemacht, warum der Konsum einfach nur dämlich ist. Vor kurzem hatte ich Besuch und der Gast war am Boden zerstört,weil sein mehrere Hundert teurer Apple nicht funktioniert, tja, das kann mir an meinem 80€ wiko Smartphone fast egal sein.Mein Vater nervt mich auch, dass ich den über 10 Jahre alten Opel Astra doch verkaufen sollte, denn als Arzt sollte ich was besseres fahren…ähm.