Die Freiheitsmaschine macht blau – Costa del Sol

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Kommen wir heute zu unserem ersten Land der Länderübersicht für finanziell unabhängige Menschen.

Spanien, oder besser gesagt die Costa del Sol ist dabei für den Maschinisten eine Top Destination. Aber wieso gerade Südspanien und wie kommt der Maschinist eigentlich darauf?

 

Winter 1996 – „Die Reise“ des Maschinisten

Nach bestandenem Maschinenbau Grundstudium gönnt sich der Maschinist ein besonderes Erlebnis. Während die anderen Kommilitonen nur einen Tag nach der letzten mündlichen Prüfung schon wieder im Vorlesungsraum sitzen (Semesterferien sind bei technischen Studiengängen manchmal nur ein anderes Wort für „Prüfungszeitraum“), macht der Maschinist etwas Ungeheuerliches.

Er schnallt an einem kalten deutschen Februarmorgen den Reisesack auf sein Motorrad, drückt den Anlasser und fährt aus dem Rheinland kommend immer weiter nach Süden.

A48 – Trier – Thionville – Metz. Es ist bitterkalt und regnet. Die Regenkombi wird undicht und die ersten Wassertropfen laufen den Maschinistenrücken herunter. Der Seitenwind auf der französischen Autobahn ist so stark, dass er nach jeder LKW Vorbeifahrt auf gerader Strecke kurz in Schräglage gehen muss, um den Windstoß zu kompensieren.

Dion – Lyon – Perpignan. Es wird Abend und trotzdem wärmer. Der Maschinist wollte eigentlich dort übernachten bevor es am nächsten Morgen weitergeht aber die Vorfreude auf die nächsten zwei Monate lässt Ihn weiter fahren.

Durch die Nacht geht es über die spanische Grenze.

Barcelona – Valencia – Alicante. Es ist jetzt mitten in der Nacht und außer einigen LKW ist niemand mehr auf der Autopista. Die letzten Stunden gehen jetzt auch noch.

In den 90ern ist das letzte Autobahnstück zur Costa del Sol noch nicht gebaut. Auf der Landstraße geht es also schließlich übermüdet und auf dem Tankrucksack liegend über das kalte Granada im Sonnenaufgang auf der Südseite wieder die Sierra Nevada hinunter.

Im völlig verdreckten Regenkombi steht der Maschinist schließlich auf seinem Motorrad vor einer Ampel in den Straßen von Málaga.

Es ist mehr als 20°C – Um Ihn herum Palmen – Zwei weibliche Teenager im kurzen Kleid auf einer Vespa mustern Ihn interessiert. Einen solchen „Außerirdischen“ im Gummianzug vom winterlichen 50.ten Breitengrad haben Sie noch nie gesehen…

 

Das war der Start zu einer unvergesslichen zweimonatigen Sprachreise in Andalusien. Ich werde die Zeit dort niemals vergessen.

Mit anderen Sprachstudenten hatten wir ein Haus in einem Vorort von Málaga direkt am Strand gemietet. Fast jede Nacht war Party. Nachmittags erkundete ich mit meinem Motorrad die Gegend und abends die Clubs. Helmpflicht war in den 90ern in Andalusien so verbreitet, wie ein deutsches Rauchverbot in den 70ern.  Nachts beim Einfahren in die Stadt mit der neuen Bekanntschaft hätte das sowieso nur gestört.

Das Geld für den Trip hatte ich mir vorher verdient – Das Studium gab einen klaren Rahmen – Es gab keine Zwänge und keine Sorgen.

Die Rückkehr nach den acht Wochen war hart – Sehr hart! Das Semester war relativ gelaufen und ich brauchte die nächsten Wochen um mich wieder halbwegs in meinem Maschinenbaualltag zu Recht zu finden.

Südspanien hat mich seitdem nie mehr ganz losgelassen. Weitere Reisen mit Freunden folgten.  Von der reinen Lebensqualität, Kultur, Klima, Landschaft und Gastfreundschaft der Menschen her, war das immer ein Maßstab für mich, an dem sich andere Länder messen mussten.

Deshalb ist es hier auch das erste Ziel, dass ich betreff Lebensortwahl finanziell unabhängiger Menschen bewerten will.

 

Warum könnte es dort mit meiner Familie hingehen?

Die Costa del Sol hat ein perfektes Klima. Die Jahreszeiten bestehen aus Frühling und trockenem Sommer. Es gibt ca. 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Das Mittelmeer sowie der nur zwei Autostunden entfernte Atlantik und die nahe Sierra Nevada bieten viele Sport- und Erholungsmöglichkeiten.

Morgens in der Sierra Nevada Snowboarden, mittags am Mittelmeerstrand Fisch essen und nachmittags in Tarifa die Atlantikwellen surfen. Hier ist es möglich.

Die Andalusier sind sehr gastfreundlich und feiern gerne.  Das Essen ist hervorragend und das Zusammenspiel zwischen Meer, Bergen und mediterranem Klima findet man sonst wahrscheinlich nur noch in Südkalifornien. Man befindet sich trotzdem noch in Europa und durch den Flughafen in Málaga ist man in wenigen Stunden für kleines Geld überall auf dem Kontinent.

Das war jetzt einfach. Für finanziell unabhängige Menschen und besonders Familien gibt es aber noch eine ganze weitere Reihe von Kriterien, die für die Standortwahl wichtig sind.

 

Fangen wir an mit den Steuern

Was hilft der schönste Wohnort, wenn das Geld nicht reicht, weil die Steuerbelastung einen Strich durch die Rechnung macht.

Spanien hat wie Deutschland ein progressives Einkommenssteuersystem und ebenfalls eine separate Besteuerung von Kapitaleinkommen und Arbeitseinkommen. Nach der Finanzkrise hat die spanische Mitte-Rechts Regierung die Steuern grundsätzlich gesenkt und dabei besonders die Steuern auf Kapitalerträge reduziert. Die Steuersätze sind dabei mittlerweile niedriger als in Deutschland. Dafür sind die Freibeträge geringer und es gibt kein nennenswertes Kindergeld.

Die spanischen Steuersätze auf Kapitaleinkommen betragen aktuell:

19% (0-6,000 €), 21% (6,000-50,000 €) und 23% (>50,000 €), wobei grundsätzlich noch jeweils der persönliche Freibetrag von aktuell 5.550 € pro Erwachsenem und 2.400 € für das erste sowie 2.700€ für das zweite Kind abgezogen werden kann, falls keine weiteren Einkommen vorhanden sind.

Diese Regelung ist also besser als in Deutschland. Dort gelten die persönlichen Freibeträge nur auf Arbeitseinkommen und es besteht eine Wahlmöglichkeit Kapitaleinkommen auch als Arbeitseinkommen zu besteuern. (Günstigerprüfung).

Wie Deutschland hat auch Spanien mit vielen Ländern ein Steuerabkommen inkl. den USA. Dadurch haben z.B. amerikanische (oder irische ETF) Dividenden einen Quellensteuerabzug von nur 15% und diese Steuern sind auf die spanische Steuer anrechenbar.

Ich persönlich plane als Summe dieser Rahmenbedingungen mit einem Steuersatz von ca. 15% bei einem Dividendeneinkommen von z.B. max 45.000 € im Jahr (Durch die Freibeträge und Anrechenbarkeit Quellensteuer). Falls noch weitere Einkommensquellen vorhanden sind, ist die Steuerbelastung bei maximal 23% für Kapitalerträge gedeckelt.

 

Als Nachteil erheben alle spanischen Regionen, außer Madrid, aktuell eine Vermögenssteuer. Diese hat hohe Freibeträge von z.B. 700.000 €  Euro pro Person auf liquides Vermögen in Andalusien. Hinzu kommt noch ein weiterer Freibetrag von €300.000 Euro pro Person für eine selbstgenutzte Immobilie. Ein Ehepaar mit maximal 1.4M € investiertem Vermögen plus einer selbstgenutzten Immobilie im Wert von max. 600.000 € Euro bleibt also von dieser Steuer verschont. Außerdem startet die Steuer oberhalb dieser Freibeträge mit nur geringen Steuersätzen.

Trotzdem ist das unschön, da diese spanische Vermögenssteuer derzeit nicht bezüglich Inflation angepasst wird, so dass in Zukunft mehr Menschen dort hinein rutschen. Außerdem können bei einem einmal bestehenden Gesetz auch leicht die Freibeträge angepasst werden.

Die Abschaffung dieser Steuer ist zwar seit mehreren Jahren geplant aber wie auch beim deutschen Solidaritätszuschlag erzeugt eine einmal eingeführte Steuer direkt neue Begehrlichkeiten in der Politik und der Geldfluß wird bald darauf wie bei allen Dingen zur Gewohnheit und als neues “Normal Null” wahrgenommen.

 

Lebenshaltungskosten

Als generelle Info und wertvollen Link kann man auf der Webseite The Earth Awaits einen guten Überblick für die Lebenshaltungskosten in verschiedenen Ländern erhalten. Man kann dort auch in den Details einmal die Kaltmietkosten herausnehmen, falls man eine eigene Immobilie kauft.

 

Lebenshaltungskosten in Spanien und der Costa del Sol

Spanien ist genau wie Deutschland ein diverses Gebilde und es gibt dazu keine pauschale Antwort. In Städten wie Barcelona und Madrid erreicht man sicher leicht die Kosten einer deutschen B-Stadt. Im Hinterland der Extremadura kann man dagegen für wenige hundert Euro pro Monat leben. Da Spanien wie Deutschland in Europa liegt, sind viele Kosten wie Lebensmittel, Transport, Kleidung oder Urlaub relativ ähnlich und gut vergleichbar.

Ich persönlich plane für die Umgebung Málaga an der Costa del Sol mit ähnlichen Lebenshaltungskosten wie in Deutschland und liege damit auf der sicheren Seite.

 

Teilbereich Wohnkosten

Spanien durchlief im letzten Jahrzehnt eine große Immobilienpreisblase, die 2009 platzte. Die Preise fielen daraufhin bis 2014 um fast 50% und erholen sich seitdem wieder.

Diese Erholung fällt je nach Umgebung stark unterschiedlich aus. Während die Preise um Valencia oder Almeria bisher vom Tief kaum gestiegen sind, haben Sie sich um Málaga schon wieder deutlich erholt, da der Standort bei Expats beliebt ist. 3-Zimmer Wohnungen in Málaga kann man aktuell ab 800 € im Monat mieten. Zum Kauf einer schönen Finca in der Umgebung werden schnell ca. 400.000 € fällig. In den schicken Vierteln von Marbella auch deutlich mehr.

 

Womit plant der Maschinist

Ich selbst plane bei abbezahlter Immobilie und ohne Schulkosten jährlich mit ca. 35.000 € Nachsteuerausgaben für meine Familie und mich an der Costa del Sol.

Das bedeutet notwendige Bruttoeinnahmen von etwas über 40.000 € bei einer Steuerrate von 15%.  Nach der seit 200 Jahren absolut dauerhaft sicheren 3% Entnahmeregel für den Aktienmarkt brauche ich dafür knapp 1.4M € an investiertem Vermögen. Wenn ich diesen Schritt erst in einem Alter von 50 Jahren mache, kann ich auch mit 3.3 – 3.5% jährlicher Entnahme planen, da die Zeit bis zum Start der gesetzlichen Rente und der Betriebsrente dann immer kürzer wird.

Die Schulkosten (siehe unter Schulen) von jährlich 10k € im Jahr fallen bei mir nur einige Jahre an. Ich betrachte diese Kosten deshalb als Einmalausgaben (z.B.70k €  für 7 Jahre).

 

In Summe sind das also für die Costa del Sol:
  • 1.2M-1.4M € investiertes Vermögen
  • 100.000 €  für 6-8 Jahre private deutsche Schule für zwei Kinder und einmalige Kosten nach Umzug
  • 400.000 € Finca
Macht 1.7-1.9M € notwendiges Gesamtvermögen.

 

Durch die sehr konservative 3% Entnahmeregel, spätere Rentenzahlungen und Nichtbetrachtung anderer möglicher Einkommen, sind in dieser Rechnung mehrere Sicherheitsfaktoren enthalten.

Außerdem ist das generell im Vergleich zur restlichen Bevölkerung dort ein üppiges Budget. Selbst wenn ich den Earth Awaits Rechner auf die höchste Konsumstufe stelle, komme ich ohne Mietkosten auf monatlich nur auf 2.750$ bei einer vielköpfigen Familie. Das ist also ein sicheres Budget und ohne Kinder könnte man das sicherlich auch eine Nummer kleiner fahren.

 

Schulen

In der Gegend von Málaga gibt es neben dem öffentlichen spanischen Schulsystem auch einige britische und sogar eine deutschsprachige Schule.

Die Deutsche Schule bei Marbella hat einen guten Ruf und mit ca. 5.000 € pro Kind und Jahr sind die Schulkosten vergleichsweise günstig, da Deutschland die Auslandsschulen unterstützt. Bei einem Wohnortwechsel dorthin könnte ich z.B. diese Schule wählen, da meine Kinder nun schon einige Jahre das deutsche Schulsystem durchlaufen haben. Das spanische Schulsystem ist auch akzeptabel aber gerade im Bereich Fremdsprachen nicht wirklich gut und für Bildung würde ich immer Geld ausgeben.

 

Gesundheitssystem

Der Aufbau des spanischen Gesundheitssystems ist vergleichbar mit dem Deutschen. Das heißt, es gibt eine staatliche Gesundheitsversorgung, die rund 90% der Spanier in Anspruch nehmen und zusätzlichen einen privaten Bereich.

Das System funktioniert vergleichsweise gut. Der staatliche Bereich ist zwar vom Leistungsumfang etwas simpler als das deutsche System aber es funktioniert deutlich besser als z.B. das britische Health Care System. Wie auch in Deutschland scheint hier der private Krankenversicherungsbereich die Systemqualität auch für die gesetzlich Versicherten zu erhöhen, da eine gute Vergleichbarkeit gegeben ist.

Die Kosten für eine private Krankenversicherung in Spanien sind im Vergleich zu einem deutschen Angebot deutlich geringer. Für weniger ca. 300 Euro im Monat kann man hier eine ganze Familie privat versichern. Eine amerikanische Familie, die seit mehreren Jahren in Andalusien lebt, hat dazu einen schönen Versicherungsvergleich geschrieben.

Die Costa del Sol im Umland von Málaga ist voll von Ärzten und als internationale Destination gibt es auch viele englisch- und deutschsprachige Spezialisten. Das heißt die Gesundheitsversorgung ist auf hohem Niveau sicher gestellt.

 

Lebensqualität

Die Bewertung dieses Bereiches ist je nach persönlichen Vorlieben sicher subjektiv.

Wenn kein weiteres Arbeitseinkommen mehr notwendig ist, würde der Maschinist betreff Lebensqualität die volle Punktzahl vergeben.

Klima, Landschaft, Nähe zum Meer und den Bergen, Infrastruktur und der Schengen Raum sind eine perfekte Mischung. Die Sicherheitslage ist gut. Es gibt in den Touristengebieten zwar  Kleinkriminalität aber Gewaltverbrechen gegen Bürger gibt es dort nicht mehr als im deutschsprachigen Raum.

 

Chancen

Gerade Südspanien ist leider immer noch von hoher Arbeitslosigkeit geprägt. Besonders auffällig ist dabei die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Auch die Bürokratie südlich der Pyrenäen ist bestimmt kein Benchmark. Und gerade mit Kindern muss man neben der guten Schulbildung dabei auch auf den weiteren möglichen Weg achten.

Das Schulproblem kann man wie weiter oben beschrieben mit einer englischen oder deutschen Schule lösen. Aber es ist natürlich eine weitere Aufgabe, den eigenen Kindern klar zu machen, dass Sie an einem speziellen Ort leben und dass die besten Jobs und auch die Universitäten oftmals woanders sind.

Abgemildert wird das Problem durch die Wahl einer guten lokalen Umgebung mit einer Mischung aus Einheimischen und internationalen Expats. An der Costa del Sol leben viele wohlhabende Nordeuropäer (besonders Briten) mit zumindest mittelguter „Can do“ Mentalität.

In Málaga selbst gibt es einen interessanten Technologiepark, in dem sich auch einige internationale Unternehmen wie IBM oder Oracle angesiedelt haben. Von den Verdienstmöglichkeiten ist das natürlich nicht mit Deutschland oder den USA vergleichbar aber wer sich als gutausgebildeter und mehrsprachiger Expat langweilt oder für seine Kinder ein gutes Schulpraktikum sucht, wird dort sicher fündig.

Auf der generellen Positivseite stehen wie immer bei einem Landeswechsel die neuen kulturellen Erfahrungen, die gerade für junge Menschen auf ihrem weiteren Lebensweg sehr wertvoll sind.

 

Abschließende Gesamtbewertung Costa del Sol für finanziell unabhängige Menschen (0-10 Punkte System):

 

  •  Steuern: 7 von 10 Punkten.  Geringere Kapitalertragsteuern als Deutschland und Anrechenbarkeit der Freibeträge. Dafür nachteilig Vermögenssteuer (mit hohen Freibeträgen) und kein Kindergeld
  •  Lebenshaltungskosten: 7 von 10 Punkten. Umgebung von Málaga ist vergleichbar mit westdeutscher B-Stadt
  •  Lebensqualität 10 von 10 Punkten. Sicher subjektiv. Für den Maschinisten ist das eine Toplokation aber deshalb ist Sie ja auch hier in der Auswahl
  •  Chancen: Generell 4 von 10 Punkten. Bei Auswahl eines guten lokalen Lebensortes an der Costa del Sol durch die hohe Zahl von Expats und das Aufzeigen der Möglichkeiten nach meiner Einschätzung bis zu 7 von 10 Punkten möglich

 

So – Das war der erste Teil der Länderauswahl für finanziell unabhängige Menschen – Die Costa del Sol. Wer mehr über diese Gegend lesen willl oder einen guten Reiseführer für Andalusien sucht, wird hier fündig.

Habt Ihr selbst Länder, die Ihr nach dem Erreichen eurer finanziellen Unabhängigkeit besuchen oder dort leben wollt? Habt Ihr euch schon viele Gedanken gemacht, wie euer Leben dort aussehen könnte? Dann schreibt dem Maschinisten eure persönliche Länderbewertung unter maschinist@freiheitsmaschine.com und richtet euch dabei noch den hier beschriebenen Punkten.

Gewinnen könnt Ihr dabei, neben etwas Geld und einer besseren Perspektive, das gute Gefühl vielen anderen Menschen geholfen zu haben ein besseres Leben zu führen.

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16 Kommentare auf "Die Freiheitsmaschine macht blau – Costa del Sol"

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Gast

Danke, dass Du die Themen Lebenshaltungskosten, Schulen, Steuern und Gesundheitssystem in Spanien einmal beleuchtet hast.

Andalusien mag ich auch sehr gerne. Die Sprache und die Kultur gefallen mir.
Die letzten 15 Jahre haben wir fast alle unsere Sommerurlaube in Spanien verbracht, davon einige in Andalusien. Ich bin immer wieder gerne dort und habe mich schon manches mal gefragt wie es wohl wäre dort dauerhaft zu leben.

Vor 15 Jahren habe ich in Granada einen 2-wöchigen Spanischkurs gemacht, mit Blick auf die Alhambra gewohnt, die Semana Santa miterlebt, jeden Tag ein paar Brocken mehr verstanden und bin eingetaucht in das Nachtleben dort. Wenn die Leute in den Bars nachts irgendwann anfangen Flamenco zu tanzen. Herrlich.

Sehr gut gefällt mir auch Cadiz an der Costa de la Luz.

Seitdem versuche ich das wenige Spanisch was ich verstehe und die wenigen Sätze die ich spreche im Urlaub immer wieder anzuwenden.

In Andalusien dauerhaft zu wohnen wäre auch ein Traum von mir.

Leider ist es mit der ganzen Familie schwierig dorthin umzusiedeln. Meine Frau hat sofort abgewunken als ich ihr das vor ein paar Tagen als Gedankenspinnerei vorgestellt habe. Familie und Freunde sind hier, die Kinder haben auch ihre Freunde und sind hier in der Schule.

So bleibt es erst mal bei einem Traum. Der in der kalten Winterzeit wärmt.
Ich verfolge diese Serie mit Interesse. Mach weiter so.

Gast

Das schöne ist: Dieses Thema ist so wunderbar different und persönlich, dass man hundert Meinungen dazu hören kann. Ich z.b. liebe Deutschland eben wegen der Jahreszeiten – ich genieße den Herbst und den Winter genauso wie den Sommer oder das Frühjahr. Allerdings gibt es auch für mich diesen “Traum” vom Aussteigen. Das wäre in meinem Fall Mittel- bis Nordnorwegen mit dem heimischen Winterquartier in Deutschland. Es gibt für mich schlicht kein schöneres Land und kein schöneres Leben

Mitglied

Sehr interessant. Spanien ist sicherlich toll zum leben. Bist du wirklich an einem Tag von NRW nach Spanien gefahren? Schon verrückt. Meine Fahrt von Zentralschweiz nach Tossa de Mar habe ich auf 2 Tage verteilt um die Landschaft auch in Frankreich mitzuerleben.

Gast

No offense, aber die 7 Punkte im Bereich Steuern halt ich für stark übertrieben!

Du hast wohl zu lange in Abzockstaaten wie Deutschland gelebt, um eine derartige Steuerbelastung wie in Spanien gut finden zu können. Länder mit Kapitalertragssteuern von 0 Prozent sind akzeptabel. Von mir aus auch ein paar Prozent, wenn der Rest perfekt ist und das Land konkurrenzlos dasteht.

Realistisch gesehen muss man für Spanien mit Kapitalerträgen >50k rechnen. Das ist der Steuersatz, welcher für die Betrachtung wichtig ist.

Wenn Spanien bei dir 7 Punkte bekommt, wie viele Punkte gibst du Deutschland? Wie viele skandinavischen Ländern? Das müssten dann einmal 4-5 und einmal 0-3 sein. Da der Schwerpunkt hier im Blog auf Aktienerträgen liegt, sehe ich alle Länder mit Kapitalertragssteuern bei unter 5 Punkten. So ehrlich muss man sein, und wenn der Rest dafür perfekt ist, kann man sich immernoch überlegen, ob es einem das wert ist.

Gast

Der Grundfreibetrag pro Person von 8.820€ (für 2017) gilt in Deutschland so weit ich weiß bei auch ohne Arbeitseinkommen. Außerdem gibt es zusätzlich noch Abzüge von 801€ Sparerpauschbetrag und 36€ Sonderausgaben.
Das maximale steuerfreie Kapitaleinkommen ohne andere Einkommen dürfte in Deutschland also bei 9.657€ pro Person liegen.
Für darüberliegende Einkommen fängt der Grenzsteuersatz in Deutschland bei 14% an, niedriger als in Spanien mit 19%.
Wenn ich richtig gerechnet habe sind die spanischen Kapitalertragssteuern für Privatiers nur für relativ hohe Kapitaleinkommen niedriger als in Deutschland.
In Spanien ist der Freibetrag mit 5.500€ wesentlich niedriger, und für ein in Deutschland gerade noch steuerfreies Einkommen von 9.657€ müssten dort schon 19% auf 4.157€ = 789,83€ Steuern bezahlt werden.

Leute, die keine Kurvendiskussionen mögen, können den nächsten Absatz überspringen.
Die folgenden Werte habe ich aus einem Vergleich einer Tabellenkalkulation für die Spanische Steuer mit der deutschen Einkommensteuertabelle für 2017, (die Spalten um 800€ verschoben weil der Pauschbetrag in ihr nicht berücksichtigt ist):
Bei ca 13.000€ ist der deutsche Grenzsteuersatz mit 21% so hoch wie in Spanien, damit ist dort auch die Differenz deutsche/spanische Steuer am höchsten (ca 590€ in DE, 1450€ in ES = ca 860€ maximaler Steuervorteil für DE).
Danach verringert sich die Differenz und wechselt bei etwa 27.500€ das Vorzeichen, danach ist die Steuer in Spanien niedriger. Bei 50.000€ Kapitaleinkommen pro Person dürfte der Steuervorteil in Spanien schon etwa 4.000€ betragen. Dann zieht aber die Günstigerprüfung schon nicht mehr weil der persönliche Steuersatz höher ist als die Abgeltungssteuer.

Ab 2018 gilt zusätzlich die neue Fondsbesteuerung, dann könnte für Leute, die hauptsächlich in Aktienfonds investiert sind deren 30% Teilfreistellung die Besteuerung in Deutschland generell günstiger machen (26,38% – 30% = 18,47% in DE gegen 19% bis 23% in ES).

In Deutschland müsste auch der Krankenversicherungsbeitrag (zumindest zum Teil) als Vorsorgeaufwendung das zu versteuernde Einkommen senken. Ich weiß nicht wie es sich damit in Spanien verhält.

Wenn man es nicht ganz ausschließt wieder nach Deutschland zurückzuziehen, würde ich auch wegen der Einordnung in die Krankenversicherung aufpassen. Wenn man es nicht mehr schafft in die Krankenkasse der Rentner eingestuft zu werden, werden die vollen Kranken- und Pflegekassenbeiträge auch für Kapitalerträge fällig. Wenn in der KVdR versichert ist sind Kapitalerträge NICHT beitragspflichtig. Leider konnte ich nichts finden, inwieweit Auslandsaufenthalte sich auf die Vorversicherungszeiten auswirken.