Affenhirne im 21. Jahrhundert

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Wenn man nach Aussage von Warren Buffets Geschäftspartner Charlie Munger jemandem zum ersten Mal Heroin verabreichen würde, wäre sein Leben in den ersten Wochen danach temporär glücklicher als zuvor, bevor es nach Einsetzen der Sucht in einen tödlichen Abyss aus Leid, Schmerzen und körperlichem Verfall stürzen würde.

Bei einem Raucher ist es in deutlich abgeschwächter Form ähnlich. Nach dem jugendlichen, rebellischen und „aufregenden“ Start, geht es später nach Einsatz der Nikotinabhängigkeit, überwiegend darum, die einsetzenden Entzugserscheinungen mit dem nächsten Zug zu verhindern.

Das beruhigende und anregende Gefühl gibt es dann nur noch, weil man zuvor durch die Sucht im Stundentakt „beunruhigend und abgeregt“ wurde. Das Werbeversprechen der Freiheit entpuppt sich als Lüge und die freie Wahl eines Süchtigen ist nur eine Illusion.

Aber man muss gar nicht so weit gehen, als Suchtstoffe zu bemühen, die das Belohnungszentrum unseres Gehirns manipulieren.

Beispiele des kurzfristigen Glücks in Kombination mit langfristig extremem Nachteil gibt es auch ohne extern zugeführte Substanzen

Da gibt es z.B. Menschen, die sich dauernd neue Gegenstände kaufen, die Sie gar nicht brauchen und für die Sie auch gar kein Geld haben. Sportwagen werden geleast, Berge von Kleidung verstopft die Schränke und kurz vor der Pfändung stehender Schmuck glitzert wie Lametta am bankrotten Träger.

Diese Dinge scheint diesem Typ Menschen kurzfristigen Genuss und Vergnügen zu bereiten. Aber sind es auch die Gleichen die Ihn langfristig glücklich, gesund und zufrieden machen?

Mega-Nein!

Weshalb handeln diese Menschen dann trotzdem in solch selbstschädigender Weise?

Wieso kann unser Gehirn etwas wollen, obwohl der rationale Verstand oft genau weiß, wie schlecht viele dieser Exzesse langfristig für uns sind?

 

Der Grund für dieses auf ersten Blick unlogische Verhalten liegt in unserer Historie

Das Belohnungszentrum unseres Gehirns ist schon sehr alt. Das Basisgerüst stammt größtenteils noch aus unserer Zeit als Jäger und Sammler in der afrikanischen Savanne.

Und die Programmierung dieses Gehirnteils stellt für viele Menschen heute ein Problem dar.

Bezogen auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts hat es einen Bug:

  • Es belohnt kurzfristige Ziele und Vorteile übermäßig stark
  • Ein erst langfristig vorhandener Bennefit, ist Ihm dagegen meistens zu komplex und lässt es kalt

Es gab bis vor wenigen Jahrhunderten kaum Ziele, die einer jahrelangen Planung mit entsprechendem Durchhaltevermögen bedurften.

Entweder man erlegte zusammen mit seinem Tribe den Büffel und hatte dadurch zu essen (und erhielt ein direktes Glücksgefühl) oder eben nicht. Und wer bei dieser Büffeljagd oder dem Bekämpfen der feindlichen Gruppen besonders erfolgreich war, hatte auch ein gutes Ranking beim anderen Geschlecht und bekam dadurch direkt weitere glücklich machende Aktivitäten angeboten.

Die meisten Handlungen waren damals auf eine kurze Zeitspanne ausgelegt, weil auch alle bedeutenden Ziele kurzfristig erreichbar waren.

Nahrung, sozialer Status und potentielle Partner

 

Als wäre das nicht schon genug, waren auch die einzigen Menschen, die damals zum direkten Vergleich zur Verfügung standen, diejenigen aus der unmittelbaren Umgebung.

Wenn ein Tribefreund mehr Nahrung und sozialen Status hatte, war das ein Problem und das Gehirn unseres Jägers sorgte durch den passenden Hormoncocktail für ein Mangelgefühl und damit einer Motivation zu größerer Anstrengung. Was ein Mensch in einem anderen Jagdgebiet besaß, war dagegen unsichtbar und hatte deshalb auch keinen Einfluss auf unseren nach Status gierenden Menschen.

 

Wenn Du Dich also fragst, warum auch im Jahr 2019 viele Menschen Ihren PKW genau dann upgraden, nachdem es Ihr Nachbar getan hat, heißt die Antwort: Ostafrikanische Savanne.

Was früher der erlegte Büffel, ist heute z.B. der brandneue BMW von Hans, der den erst kürzlich erworbenen Passat vom Maier nebenan locker aus dem Wasser bläst und das eigene Belohnungszentrum zur Höchstleistung bei der Dopamin & Endorphin Ausschüttung anregt.

Da hat Hans es dem Maier ja schön gezeigt

Aber leider ist Hans mit seinem BMW jetzt auf Jahre verschuldet und damit auf Gedeih und Verderb an seinen Arbeitsplatz gefesselt. Chefs riechen so etwas. Wie wunderbar, wenn man für jede ungeliebte Sonderaufgabe einen verschuldeten Mitarbeiter hat, der unbewusst täglich um seinen Job bangt. Bei einem solchen braucht man noch nicht mal eine Gehaltserhöhung ins Spiel zu bringen.

Aber an all das denkt das Hans’sche Belohnungszentrum beim Autokauf nicht. Hauptsache mehr sozialer Status als Tribe-Konkurrent  Nachbar Maier.

Das Belohnungszentrum hat leider noch nicht gelernt, dass man im Supermarkt heutzutage auch ohne Kampf und Todesgefahr Essen bekommt und die meisten Frauen im 21. Jahrhundert souverän agierende Männer deutlich attraktiver finden als an sich selbst Zweifelnde im geleasten 300kW Luxus-Rollstuhl. Und um die Blanks dieser Welt, die das nicht tun, würde ich bei der Partnerwahl sowieso einen großen Bogen machen.

 

Außerdem hält der durch Konsum ausgelöste Hormoncocktail auch nicht lange an

Während Hans die ersten Tage nach dem Kauf noch ein Glücksgefühl spürte, läßt das nach einigen Wochen schon deutlich nach. Nach einem halben Jahr denkt er mehr an die drückenden Leasingraten, als an sein Auto. Der Konsumgegenstand ist zu dieser Zeit für Hans schon zum neuen „Normal Null“ geworden.

Und falls der andere Nachbar Schmitt die Impulse aus seinem Unterbewusstsein genauso wenig kontrollieren kann wie Hans, dann steht dort jetzt eine noch teurere Karre vor der Tür und der BMW ist betreff Sozialstatus damit gefühlt komplett entwertet.

Wie bei der Substanzabhängigkeit auch, wird aus dem kurzfristigen Genuss so oft ein langfristiger Alptraum aus dem es kein Erwachen gibt, wenn sich viele solcher Entscheidungen aneinander reihen.

 

Konsumschulden sind kein Spaß, sondern eine unglaubliche Dummheit

Mehrere solcher Käufe und man verurteilt sich damit selbst zu 40 Jahren Hamsterrad ohne Ausgang. Wenn der cholerische Chef dann schreit: „Spring!“ springt Hans auch noch mit 65 im von Neonlampen beleuchteten Büro anstatt seit mehr als einer Dekade von der Terrasse seiner Finca aufs Meer zu blicken.

Und das nur, weil sein Belohnungszentrum Jahre zuvor kurzzeitig Glückshormone ausgeschüttet hat, die Ihn zum Kauf verleitet haben.

Sind wir unserem Belohnungszentrum hilflos ausgeliefert?

Nein, das sind wir zum Glück nicht. Wir können unser Gehirn als Ganzes durch Lernen und Erfahrungen trainieren, so dass aus dem unbewussten Kaufzwang ein bewusstes Abwägen wird.

Dass das geht, bewiesen schon die vor ca. 40.000 Jahren aus Afrika nach Zentraleuropa eingewanderten Menschen. Diese mussten zwar auch nicht über Dekaden planen, aber zumindest für das eigene Überleben im nächsten Winter. Die germanisierten Immigranten haben das dann entweder gelernt oder Sie sorgten durch Ihr unbekümmertes Verhalten für das zügige Verschwinden aus dem Genpool.

Wir können uns ändern, weil wir neben unserem Belohnungszentrum und unserem Unterbewusstsein mit seinem automatisiert ablaufenden Programmen auch einen rationalen Verstand haben, den wir zur Erreichung unserer langfristigen Ziele nutzen können.

 

Und die gute Nachricht lautet: Dieses Verhalten kann jeder lernen

Menschen, die ein Projekt mit großen Willen und oft entgegen Ihrer eigenen kurzfristigen Impulse durchgezogen haben, sorgen dadurch für einen Lerneffekt im eigenen Gehirn, so dass ein vergleichbares Projekt beim nächsten Mal schon etwas leichter fällt.

Und Menschen, die zum Beispiel mehrmals die Woche über viele Jahre Sport machen, trainieren damit nicht nur Muskeln und Kreislauf sondern auch Ihr Durchhaltevermögen, das Ihnen betreff Erreichen weiterer Ziele dann immens hilft.

Wenn jemand z.B. Sommer wie Winter Joggen geht und das egal ob es regnet oder schneit, beweist damit auch eine sehr gute Impulskontrolle. Das Bier auf der Couch ruft beim Anblick des grauen Regenwetters vielleicht auch unseren Jogger. Aber sein rationaler Verstand setzt sich trotzdem durch.

 

“Hard Choices, Easy Life – Easy Choices, Hard Life”

Dieses Zitat von Jerzy Gregorek summiert die Thematik und Problematik in der heutigen Welt.

Wir werden leider auch im 21. Jahrhundert oft noch zu wenig durch den rationalen Verstand gesteuert und das auf kurzfristige Vorteile reagierende Belohnungszentrum kann dadurch Chaos anrichten.

Die Tüte Chips vor dem Fernseher erzeugt als „Easy Choice“ kurzfristig mehr Dopamin- und Endorphin Ausschüttung als die „Hard Choice“ eines regelmäßigen Sportprogramms oder dem Vorgang das Haushaltsbudget durchzugehen, dabei Sparpotential zu finden und dieses Geld dann regelmäßig am Aktienmarkt anzulegen.

Bei letzterem passiert beim untrainierten Neuling des Vermögensaufbaus auf der Belohnungsebene rein gar nichts. Und wenn das Belohnungszentrum dann noch erfährt, dass der überteuerte Sportwagen nun verkauft werden soll, die Wohnung nicht vergrößert und die Restaurantbesuche minimiert, ist es ganz vorbei und das Gehirn läuft Amok:

„Arrrghh! Mangel! Weniger als zuvor! Weniger Zurschaustellung von Ressourcen!

Schlecht für den sozialen Status im Tribe. Damit Mangel an Essen und Erfolg beim Steinzeitpartner.

Verhalten sofort ändern!“

 

Aufwachen! Es ist 2019!

Für uns Menschen ist es langfristig unglaublich positiv, wenn wir uns auf die wunderbare Reise des Vermögensaufbaus begeben. Schon bald darauf sind dadurch alle finanziellen Sorgen vergessen. Es kehrt Entspannung ein und wir können uns mehr auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Anstatt sich über Nachbar Meiers Auto und die nächste Leasingrate zu ärgern, gibt es mehr Zeit für Freunde & Familie oder um etwas Neues zu lernen. Deshalb macht Vermögen aus uns allen bessere Menschen.

Durch den Zinseszins werden sich später fast automatisch riesige Geldberge auf den Konten türmen mit denen wir neben der Absicherung als höchstes Gut auch noch eigene frei verfügbare Lebenszeit kaufen können.

 

Wie bekommt man möglichst viele Menschen auf den Weg dort hin?

In dem man Sie aufklärt, motiviert und den eigentlichen Weg als ein gemeinsames Projekt aufsetzt, bei dem jeder vom anderen lernen und alle sich gegenseitig unterstützen.

Eben das, was wir hier in der Freiheitsmaschine tun!

 

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Corcovado

Vielen Dank für den herrlich geschriebenen Artikel zum Sonntag Morgen .

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Hallo Maschinist,
Danke für die Erinnerung und den unterhaltsamen Sonntag heute früh! Du hast recht, eigentlich muss man nur seine Gewohnheiten etwas ändern und bald legt die Gans regelmäßig goldene Eier. Mit den Konsumschulden hast du natürlich auch zu 100% recht. Entscheidend ist etwaige Schwächen, bei mir war es mal ein BMW Cabrio zu genießen aber trotzdem auf dem Weg zum Sparen und Investieren zu bleiben. Die Ausdauer dazu ist wichtig – wenn man da seine Ziele weiter verfolgt dann ist schon mal der Traum von einem tollen Urlaub oder ein schönes Auto auch möglich. Die Reihenfolge sollte halt sein, zuerst Kredite oder Schulden weg, dann Sparen und gelegentlich mal die Priorität zu setzen um etwas zu genießen ☀️
Viele Grüße
Bergfahrten

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Donut

Guten Morgen Maschinist,
als stiller Mitleser Deines Blogs habe ich mich nach diesem Artikel zum ersten Mal dazu hinreißen lassen, einen Kommentar zu verfassen.
Diesen Artikel sollte man sich bei verführerischen Konsumgedanken immer wieder vor Augen halten und auf Wiedervorlage legen! Für mich gehört er schon jetzt in die Kategorie “Evergreen”!
Vielen Dank für deine Arbeit, mach weiter so…:-)
LG von der Nordsee

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BenediktLu

Lieber Maschinist, vielen Dank für Deinen tollen Beitrag.

Ich stehe aktuell selbst vor einer “hard choice”.

Soll ich meinen Studenten-Kredit schneller tilgen, oder mein ETF-Depot schneller aufbauen?

Was würdet Ihr machen?

Aktuell tilge ich so wenig wie möglich, weil ich mein Depot schnell aufbauen will. Für mich fühlt sich das besser an (wegen dem kurzfristigen Belohnungssystem?) und macht wirtschaftlich gesehen mehr Sinn. Ich lese immer wieder, dass man zuerst seine Schulden tilgen soll. Bin ich hier vlt. zu naiv unterwegs?

Zu meiner Situation:

Studenten-Kredit : 25k Schulden; Zinssatz 2%; 120€ monatliche Tilgung

ETF-Depot: 55k Vermögen; 1700 € monatliche Sparrate; ca 68% Sparquote
Girokonto:2k
Mein Vermögensziel: 300k

Ich bin verheiratet und wir haben keine Kinder (sind aktuell aber in Planung).

Meine Frau verdient und spart monatlich noch ein wenig mehr als ich und hat keine Schulden.

Liebe Grüße
Benedikt

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Hartmut

Hallo BenediktLu!

68% Sparquote ist gigantisch. Ich bin mit der Hälfte zufrieden.
Ganz offensichtlich belohnt dich das Wissen um dein Vermögen durchaus.

2% Zinsen (Zinsen nicht bezahlen und Zinsen bekommen ist rechnerisch kein Unterschied) bei null Risiko und null Steuerbelastung – den Studentenkredit so schnell wie möglich tilgen ergibt auch kommerziell Sinn. Risiko berücksichtigend ist dein ETF-Depot schlechter.
Und wenn er weg ist, hast du den Kopf frei.
Gut .. ich habe das Spiel mit einem 10* so großen Hauskredit gespielt, aber das Gefühl der letzten Rate ist einfach nur geil!
Mein Rat wäre:
* 2k Giro ist nicht viel. Die nächsten Monate den Tagegeldpuffer auffüllen: 6 Monatsausgaben Tagegeld beruhigen ungemein. Du willst doch keine Aktien verkaufen weil den Kühlschrank und deine Waschmaschine im selben Monat kaputtgegangen sind wie die Heizungswartung und die Anzahlung für den Sommerurlaub fällig war.
* dann den Kredit abräumen so schnell es der Vertrag hergibt. Und richtig feiern, wenn er weg ist.
* und dann erst mit dem ETF weitermachen.

Ich geb ja auch total gern Geld aus. Früher am liebsten für ISHARES, und aktuell viel UBS, und ich überlege gerade, ob ich nächsten Monat nicht doch A1JX52 einkaufen soll.

Liebe Grüße
Hartmut

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Kleinunternehmer

Hallo Hartmut,
ich habe das gleiche Spiel seit 3-4 Jahren. Hypothek zurückzahlen oder ETF Depot bauen. Hab mich für das ETF Depot entschieden. Ich habe variablen Zinssatz 3MEuribor +1,3 (einige Jahre früher hatten Freunde noch mit +0,8 abgeschlossen). Solange das Zinsniveau so bleibt alles ins Depot.
Genau gestern (heute leider nicht mehr) hat das Depot den Kreditrestbetrag überholt.

Ich wollte gerade heute beim Banker nachfragen ob ich die Hypothek nicht doch erhöhen und verlängern soll, bzw. kann. So sollte meine Verklumpung von der eigengenutzen Immoblien ins ETF Depot umgeschichtet werden.

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Ruben

Hallo Maschinist,

danke für für den motivierenden Beitrag und das Zitat von Jerzy Gregorek. Nach meinen Beobachtungen ist nicht immer nur das zur Schau stellen der Grund für neue Anschaffungen oder Ausgaben. Ständig soll alles noch besser sein, ständig braucht es neue Reize. Immer das neueste Smartphone statt ein 2 Jahre altes, obwohl damit nur ein wenig gesurft oder getextet wird, Thermomix statt Herd, 65 Zoll Fernseher statt 40 Zoll Fernseher, kabellose Staubsauger oder Stereoboxen obwohl die alten noch funktionieren. Immer mehr wollen einen Mini Panzer (SUV) fahren und klagen anschließend über die Spritpreise. Für den Urlaub tut es auch nicht mehr ein Strand in Deutschland oder europäischen Land, da muß es schon exotischer sein, z.b. Tahiti am anderen Ende der Welt.
Viele von uns leben im totalen Überfluss und merken es nicht einmal. Nicht selten wird nur geklagt, warum nicht noch mehr drin ist. Das finde ich ein wenig schade. Mir gelingt es auch nicht immer, doch ich versuche für alles dankbar zu sein, für das was ich habe.

Schönen Sonntag,
Ruben

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Hio Maschinist,

vielen Dank für deinen Artikel. Nachdem ich alle deine Artikel verschlungen hab, aber dein Zitat “Woche über viele Jahre Sport machen, trainieren damit nicht nur Muskeln und Kreislauf sondern auch Ihr Durchhaltevermögen” hat mir gezeigt, was jeden Tag 40 km Fahrradfahren auch mit mir gemacht haben: Ich schreibe seit über drei Jahren an meinen Buch, bespare seit drei Monaten ETFs und werde bald auch über meine ersten Finanzschritte ein Blog anfangen => ich bleibe hartnäckig dabei und bin offen für neues.

Bitte schreib weiter solche tollen Artikel – in jeden Artikel merke ich, wie viel Herzblut du in finanzielle Aufklärung steckst.

Grüße

Matthias

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Hausmeister

Hi Maschinist,

die verschiedenen Teilaspekte unseres Konsumverhaltens super auf den Punkt gebracht. Total einleuchtend unser Konsum und damit Belohnungsverhalten in die Zeit, als wie noch in Afrika jagen und sammeln waren, zurückzuführen.

Die größte und damit oft einmalige Chance im Leben auf eine hohe Sparquote und damit schnellen Vermögensaufbau hat jeder in der Zeit, in der er vom Azubi oder Student in den Vollzeitjob wechselt. Einen solch großen Einnahmesprung von einem auf den nächsten Tag bekommen die meisten nur einmal im Leben.
Du hast es erwähnt, jede Rückstufung vom aktuellen Wohlstandslevel auf ein niedrigeres Level ist extrem schwer. Also kleinere Wohnung, kleineres Auto usw.
Sein, als Student, niedriges Wohlstandslevel für einige Jahre beizubehalten und nur ggf. minimal anzuheben ist sehr viel einfacher.

Grüße vom Hausmeister

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Felix

Prima Artikel, der die menschlichen Verhaltensweise gut auf den Punkt bringt. Wobei ich eigentlich dieses gegenseitige Überbieten bei den Autos nicht mehr feststellen kann, jedenfalls bei den Jüngeren.
Mich erstaunt immer wieder, wieviel psychologisches Wissen ein Maschinenbauingenieur hat – toll.

Was mich noch interessierten würde, wäre neben dieser Metaebene auch eine Diskussion über konkrete Aset-allokationen und Finanzprodukte. Ich denke auch könnten wir vom Maschinisten viel lernen und uns gemeinsam weiterentwickeln.
Vielen Dank an dieser Stelle für diese fundierte Lebensberatung.

P.S. Nach Braunschweig ist es mir etwas zu weit. Ich wünsche aber der Veranstaltung einen regen Austausch.
In die Gegend komme ich nur alle 10 Jahre, wenn ich mir in der Autostadt einen neuen Diesel 🙂 hole.

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Oliver

Dieses gegenseitige überbieten wird vielen Leuten schon von klein auf antrainiert. Letztendlich sind Markenklamotten oder Handy schon in der Schule Statussysmbole. Wer am besten aussieht, am meisten auffällt, bekommt wie Du richtig beschrieben hast die heißesten Schnitten – äh schönen Erlebnisse. Manche tun sich mit dem Erklimmen der Pyramide etwas einfacher, wenn sie schön sind (gilt vor allem für Frauen) oder groß (das ist bei den Männern so). Status heißt Zugriff auf die besseren Ressourcen, deshalb jagen die Leute genau diesen hinterher. Und der Status wird natürlich registriert. Ich kann mich noch gut erinnern, wie einige ganz fasziniert davon waren, dass ein gemeinsamer Schulfreund entweder im Privatjet oder bevorzugt in der ersten Lümmelklasse fliegen durfte, weil er indische Investmentfonds managte.

Meine Mutter hatte vor 15 Jahren einen Freund, der recht einfach gestrickt war. Er hatte erst Bäckerhandwerk gelernt und irgendwann war er es leid, so früh aufzustehen. Dann hat er sich umorientiert und am Flughafen München Koffer /Gepäck betreut. Dabei hatte er alle schönen Vorteile mit Billigtickets. Die hat er nie genutzt, weil er Angst vorm fliegen hatte. Aber er hat natürlich angemerkt, das er dieses Privileg hat. Dann fragte er mich, welches Auto ich fahre. Da sagte ich ihm: Privat gar keins, manchmal nehme ich einen unserer Firmenwägen, die wir geleast haben oder bei Sixt etwas. Aber das kommt kaum vor. Das konnte er gar nicht verstehen. Er meinte, zu einem richtigen Mann gehört ein richtiges Auto. Da sind wir uns natürlich nicht einig geworden, da Autos für mich weder als Statussymbol noch als Fortbewegungsmittel jemals wichtig war. Ich komme auch ohne eigenes Auto überall hin wo ich möchte. Ich muss zu seiner Ehrenrettung sagen, dass es furchtbar viele Leute gibt, die genau so denken.

Andererseits weiß ich, dass ich Glück mit meiner Einstellung habe. Ich mache mir recht wenig aus Dingen. Mir sind andere Punkte im Leben sehr viel wichtiger. Und fast alles kostet nur begrenzt Geld, manches hat mir sogar einiges Geld gebracht. Dafür gelte ich manchmal als Außenseiter. Aber was solls, ich kann und will es mir leisten.

Trotzdem merke ich, dass auch ich ein Gewohnheitstier bin. Ich habe mir irgendwann angewöhnt, möglichst immer mehr zu verdienen als auszugeben. Also keine defizitären Monate zu produzieren. Und das gelingt mir regelmäßig, wobei es heute sehr viel einfacher ist als früher. Ich habe sehr viel von den Überschüssen investiert und zum Leben muss ich seid einem Jahr nicht mehr arbeiten. Letzten Sommer habe ich auch nichts getan, aber ansonsten immer wieder etwas. Und das komische ist: Obwohl es nicht notwendig ist, werde ich unruhig, wenn ich mal einen Monat keine Aktien kaufe. Das ist wie anerzogen, auch wenn es immer nur ein paar sind. Man kann sich also eine vernünftige Finanzplanung über die Jahre anerziehen, ähnlich wie ich sportliche Aktivitäten regelmäßig betreiben kann oder das ich jeden Nachmittag mir 2 Stück Kuchen einverleibe. manches ist von Anfang an ganz nett und schafft wenig Anstrengung. Anderes ist mit Überwindung verbunden. Investieren war hier zum Glück etwas, was bei mir persönlich keine Anstrengung erfordert hatte. Ich denke, es ist Anstrengung, wenn man tatsächlich primär so getaktet ist, alle Konsumgüter mitzunehmen, die man nett findet. Männlein und Weiblein sind da sehr ähnlich gepolt, nur das die Gegenstände etwas differieren.

Aber wenn man tatsächlich nur den Grundsatz Einnahmen > Ausgaben mal unabhängig von dem, was man tatsächlich als Überschuss hat beachtet, kann einem schon kaum etwas passieren. Wenn man sich dann Gedanken macht, was man mit seinen Überschüssen anstellt und diese dann investiert, kommt man zwangsläufig über die Jahre in eine sehr komfortable Situation. Theoretisch können diese Gedanken auch nicht sonderlich schlaue Leute nachvollziehen, es ist intellektuell wirklich sehr simpel. Deswegen gibt’s auch Leute, die nie eine großartige Schulbildung hatten und auch nicht sonderlich viele Interessen, und einige sind trotzdem sehr wohlhabend. Aber es ist ähnlich wie bei fast allem: Man braucht die Ausdauer eines äthiopischen Marathonläufers und den Dickkopf meines alten Rauhaardackels um nach Jahren an das Ziel zu kommen. Und genau das ist das Problem: Die Praxis ist ohne Eigenmotivation so schwierig wie die Auflösung des gordischen Knotens. Nur: Alexander der Große hat eine Lösung dafür gefunden und jeder kann für diese Problemstellung für sich persönlich auch seine Lösung finden. Aber man muss es wollen, sonst klappts nicht.

Grüße Oliver

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Zapata

Leider habe ich diesen Blog erst vor kurzem entdeckt, bin aber jetzt schon ein begeisterter Leser. Großes Lob Maschinist

Gerade auf Twitter gefunden, zeigt perfekt das Dilemma der meisten Menschen in der Konsumgesellschaft
https://mobile.twitter.com/fietsprofessor/status/1090257855318417409/photo/1

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Zapata

Lieber Maschinist,

Ich habe inzwischen jeden einzelnen deiner Artikel gefühlt mehrfach gelesen und habe sehr davon profitiert. Selber habe ich noch nie an der Börse Geld investiert und dennoch den Weg in die finanzielle Freiheit “Selfmade” mit 37 Jahren geschafft. Ähnlich wie bei dir wurde die Börse von meinem Verwandten- und Freundeskreis als das
Werk des Teufels verkauft.
Ich würde dennoch gerne auch an der Börse investieren, hadere aber noch wegen einer Unsicherheit. In deinen Blogs erwähnst du immer wieder, das die durchschnittliche Rendite der letzten 200 Jahre bei über 8 Prozent lag. Mich würde interessieren, wie deine tatsächliche Rendite lag. Ich weiss das Transparenz nicht jedermanns Sache ist und Angriffspunkte bietet, mir würde es nur in meiner Entscheidung unglaublich helfen, wenn du nur bei deinen etfs deine Rendite als Summe in Prozent, keine absoluten Beträge, jeweils zum Jahresende mit uns teilst. Je mehr Informationen, desto besser, aber ich wäre schon überglücklich wenn du die Rendite der Jahre 2016, 2017 und 2018 veröffentlichst. Oliver von den frugalisten.de hat sein gesamtes Portfolio 2018 im letzten Blog veröffentlicht und bei mir einen deutlichen Sinneswandel bewirkt, das auch mit einem schlechten Jahr, wie das Jahr 2018 eines war, grundsätzlich nichts daran ändert, weiter an der Börse zu investieren.

P.S. Ich habe vollstes Verständnis, wenn du die Infos restriktiv handhabst.

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Philosofa

Hallo Maschinist,

ich wechsle auch mal ausnahmsweise vom Passiv- in den Aktivmodus 🙂

Durchaus schöner Artikel. Ich merke in den letzten Jahren immer mehr, wie ein Übermaß an (Konsum-) Gütern mich eher belastet als erfreut – immer mehr, was geputzt, instandgehalten, aufgräumt werden muss, anstatt wirklich gebraucht (!) zu werden. Und immer mehr von der einzigen streng limitierten Ressource, der Lebenszeit, in Anspruch nimmt.
Ich versuche, leider gegen Widerstände, gegenzusteuern, auszumisten und die Arbeitszeit zu reduzieren. Gerade mit Familie nicht immer einfach.

Eine Sache, die mir bei Dir und anderen Blogs aber immer auffällt: es wird ein gewisser Konsumverzicht bzw. eine möglichst hohe Sparquote angeregt, und das für möglichst viele Menschen. Aber untergräbt das nicht unsere Bemühungen, an den Börsen dieser Welt unser Geld zu vermehren? Würden morgen alle vom Saulus zum Paulus und ihre Sparquoten auf 50% steigern (ich weiß, rein hypothetisch), hätten wir eine ordentliche Krise an der Backe. Ohne Nachfrage gingen viele Firmen in die Pleite, es würde viel weniger Produziert und es gäbe für unser Geld weniger Güter, sie wir erwerben könnten.

Das soll keine Grundsatzkritik an der Anlageform Aktie sein (ich bin selbst seit zwei Jahren zufriedener Passiv-Investor). Ich denke nur, dass es eben kein Konzept für die große Masse ist, da sonst die Grundlage für die Gewinnsteigerungen und damit die steigenden Aktienkurse wegfiele.

Das ist etwas, was mir schon länger durch den Kopf spukt und ich würde mich freuen, Deine/Eure Meinung dazu zu hören.

Gruß vom Philosofa

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Sehr schöner Artikel.

Leider (oder zum Glück) sind wir keine Homo oeconomici. Rationale Argumente haben im Alltag relativ wenig Einfluss auf Entscheidungen, vor allem bei allen, die nicht Ingenieure sind 🙂

Ich habe zwei “Techniken” für mich entdeckt, die einen Konsumrausch unterbinden oder zumindest eindämmen:

1. In einer “Hin-zu”-Kategorie denken und nicht mehr in einer “Weg-von”. Will sagen: Verzicht ist unsexy, aber die Vorstellung, was mir 500 Euro Einsparung in zehn Jahren mit Zinseszins bringen könnten, ist anziehend.

2: Tabula rasa im Haushalt machen. Sich der Tortur unterziehen, alle Gegenstände anzufassen und zu entscheiden: behalten, verschenken oder entsorgen. Das ist die Pest und kosten wahnsinnig viel Zeit. Nach dem Reset sich selber versprechen, alle NEUEN Gegenstände bis zum bitteren Ende zu nutzen oder sich wieder dem Spiel “Behalten, verschenken oder entsorgen” zu unterziehen. Am besten am Ende jeden Jahres, wie bei einer Inventur. Die Aussicht auf diese Inventur ist, wie der Amerikaner sagen würde, ein party pooper…

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Uwe

Hallo Maschinist,

ich habe vor kurzem diesen Blog entdeckt und jetzt schon paar Mal deine Beiträge hier gelesen. Mit gefällt das diese nicht nur interessant sind, sondern auch gut zu lesen mit einem Schuss Humor.

Ich hätte mal zwei Fragen zu ETFs:

1. Ist das Risiko bei synthetischen ETFs signifikant höher als bei physischen ETF ? Ich bin in dem Glauben das ein Ausfall des SWAP Partners nur einen Teil des ETF Vermögens gefährden kann ?

2. Siehst Du ein Risiko wenn man alle ETF in einem Depot hat und/oder ein grosser Teil der ETFs vom gleichen Anbieter sind? Also was sind die Risiken wenn die depotführende Bank oder ein ETF Anbieter im Extremfall Pleite gehen ? Mir ist zwar bekannt das ETF Sondervermögen sind, aber vielleicht gibt es trotzdem Risiken die ich nicht erkannt habe ?

Danke, liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Uwe