Gerd Kommer zum Thema Finanzielle Freiheit

Veröffentlicht am

Gerd Kommer hat auf seiner Internetseite einen polarisierenden Beitrag zum Thema Finanzielle Unabhängigkeit veröffentlicht:

https://www.gerd-kommer-invest.de/finanzielle-freiheit-fragezeichen/

Nachfolgend einige Zitate aus seinem Artikel:

“Zwei Beispiele für den Ansatz sind (…) und “Finanziell frei – Wie ich es geschafft habe mit 45 ohne Geldsorgen zu leben” von Monika Reich. Schon die Buchtitel lassen einen schmunzeln und in der Tat besteht beim Lesen der Texte stellenweise die Gefahr, die Ratgeberbücher mit Satire zu verwechseln.”

“So entpuppt sich der Begriff des passiven Einkommens bei näherer Betrachtung als Quacksalbermedizin, die im besten Fall nicht hilft und im schlechtesten Fall den Patienten vorzeitig unter die Erde bringt.”

“Entbehrung und Geiz werden zur “Unabhängigkeit” aufgehübscht”

“Wer sich über die Route Sparsamkeit “finanziell frei” machen möchte, muss akzeptieren, dass damit eine substanzielle Schrumpfung seines Lebensstandards verknüpft ist – sofort und in der Zukunft. Ein ungeplanter Nebeneffekt könnte die Verkleinerung des Freundes- und Bekanntenkreises sein.”

“…Warum existieren so viele FF-Ratgeberbücher und -blogs, wenn sie etwas propagieren, das bei der Steigerung des eigenen Vermögens selten hilft, oft sogar schadet oder mit einer drakonischen Senkung des Lebensstandards einhergeht? Die Antwort ist simpel: Diese Bücher und Blogs gibt es primär, um für ihre Autoren ein paar Krümel passiven Einkommens zu generieren.

Zitatende.

Der Artikel hat mich ob seiner Schärfe aus dem Mund eines Menschen, der wohlhabende Buerger bezüglich geeigneter Investmentprodukte berät und mehrere Dekaden Finanzmarkterfahrung besitzt, überrascht.

Generell möchte ich Hr. Kommer zu bedenken geben, dass jeder einzelne Euro von Menschen, die er nun berät und von denen er Geld nimmt, ursprünglich einmal durch Konsumverzicht entstanden ist.

Ohne diesen Konsumverzicht gäbe es keinen Kapitalismus und auch keinen Aktienmarkt, da niemand Geld zum investieren hätte. Und es gäbe dadurch auch keine Einkommensmöglichkeit für Honorarberater im Bereich der Finanzanlagen, wie er es aktuell ist.

Bevor ich meine eigenen Kunden indirekt des Geizes bezichtigen würde und mutmaße, dass Sie durch Ihre Sparsamkeit Ihre Freunde verlieren, würde ich noch einmal nachdenken.

 

Auch sein Beispiel mit “Hans”, der monatlich 6.400 Euro verdient, habe ich nicht verstanden

Natürlich wird Hans nicht frei, wenn er sein gesamtes Einkommen ausgibt und damit lebenslang von seinem Arbeitgeber abhängig ist. Wenn er von seinem hohen Gehalt aber monatlich die Hälfte spart und das Geld dann investiert, aber ohne Probleme und das in ca. zwei Dekaden.

Haben alle Menschen wie Hans, die dann z.B. “nur” von 3.200 Euro Netto im Monat “leben müssen”, keine Freunde oder sind generell geizig?

Hans könnte mit seinem so gesparten Geld dann zum Beispiel zu Hr. Kommer gehen, der Ihn gegen eine Gebühr berät, was er damit tun kann.

Wenn Hr. Kommer dann keine Rohstofffonds und Faktor ETF’s mit hohen Gebühren empfehlen würde, durch deren Empfehlungen aktuell ganze Bereiche gut verdienen (aber die Anleger wahrscheinlich nicht), sondern wie in den ersten Ausgaben seines eigentlich guten Buches, einfach passive Gesamtmarkt ETF nach Boogle, dann würde es auch etwas werden mit der finanziellen Unabhängigkeit.

 

Als nächsten Schritt könnte man sich fragen, wieso Hr. Kommer ein nach meiner Meinung solch geschäftsschädigendes Verhalten für sein eigenes Gewerbe an den Tag legt, da er damit indirekt nach meiner Meinung seine eigene Klientel, ob des Vermögensaufbaus und damit Konsumverzicht und Sparsamkeit, verlacht.

Dafür muss man vielleicht die menschliche Eigenschaft berücksichtigen, eigene Fehler zu verdrängen und Menschen die das anders gemacht haben, zu diskreditieren.

Bei meinen eigenen P2P Krediterfahrungen in den USA (z.B. mit Lendingclub) gab es z.B. unter meinen Kreditnehmern eine überraschend hohe Zahl von Menschen aus dem Finanzbereich, die von mir Geld geliehen haben wollten. Viele „Financial Advisors“ also Finanzberater, hatten dort sechsstellige Kreditkartenschulden.

Gleichzeitig berieten Sie andere Menschen, was Sie mit Ihrem Geld tun sollten und wollten von mir nun zusätzlichen Kredit.

Das bei diesem Beispiel dann Konzepte wie passives Einkommen und Unabhängigkeit von anderen Einkommensströmen durch Konsumverzicht und Investments, Fremdwörter sein könnten, ist für mich nach diesen Erfahrungen nun weniger verwunderlich.

 

Was denkt Ihr darüber? Liege ich vollkommen falsch mit meiner Meinung?
Hat Hr. Kommer Recht und das Thema Finanzielle Freiheit ist nur Bauernfängerei und funktioniert sowieso nicht?

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Gast

Hallo Maschinist,

mich hat sein Beitrag zum Thema Blogs und passives Einkommen auch sehr gewundert.
Vielleicht sollte ich meine Empfehlung für seine Bücher zu Amazon einfach rausnehmen und keine weitere Werbung machen. Seit Beginn meines Blogs habe ich darüber bestimmt schon dutzende seiner Bücher verkauft. Indirekt werden es wahrscheinlich sogar noch deutlich mehr sein. Mich wundert es auch, dass er auf dem Thema so herumhaut, wo er doch selbst hervorragend davon profitiert.

Ich wette mit Dir, dass die meisten Menschen seine Bücher nicht kaufen würden, wenn sie nicht vorher grundlegend davon überzeugt wären, dass sie die Finanzielle Freiheit erreichen können oder dass investieren sehr hilfreich ist. Besonders ohne die Vorbilder von Bloggern würde das nicht so klappen.

Mir soll es egal sein. Vielleicht war es auch nur sein Ziel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das hat nämlich ziemlich gut geklappt…

Schöne Grüße
Dominik

Gast
Karl

Sehr geehrter Blogersteller,

Ihnen fehlen leider grds. Kenntnissen der Marktwirtschaft. Kapitalismus und Konsumverzicht bedingen sich nicht im geringsten. Konsum ist eher elementarer Treiber eines kapitalistischen Systems.

Schade, dass hier so wenig Kenntnisse vorhanden sind.

Viel Erfolg.
KJ

Gast
Sven

Kurz um: Ich war schlicht enttäuscht. Ein so dezidiertes Buch zu schreiben, dem gebührt Respekt. Aber auch in diesem ließ sich zwischen den Zeilen eine gewisse Ignoranz für andere Herangehensweisen vernehmen. Der Artikel nun hat aber sehr viel mehr enttäuscht und nicht nur obige Fragen aufgeworfen. Einem Mann hätte ich in dem Alter schlicht mehr Weitsicht und Verständnis zugetraut. Am meisten erschrocken hat mich die Engstirnigkeit, Sparsamkeit mit beinahe Elend und Zerstörung des eigenen Soziallebens gleichzusetzen. Mir fehlt eine logische Erklärung zu diesem Verhalten eines so beschlagenen Mannes. Jedoch bleibt mir ein guter Rat übrig: Nicht von diesen kritischen, sachlich nicht richtigen Worten von den eigenen Zielen abbringen lassen.

LG Sven

Gast
Ruben

Ich verstehe auch nicht, wieso sich Herr Kommer, der zuvor durch seinen nüchternen und wissenschaftlichen Ansatz viel zur Etablierung von ETFs in Deutschland beitragen hat, nun so zynisch verhält. Er sucht sich Extrembeispiele, um diese zu verspotten. Sei es Bodo Schäfer, der in 7 Jahren den Reichtum verspricht oder eine Maria, die sich mit dem Kauf eines Mehrfamilienhauses mit geringem Eigenkapital übernimmt. Den Absatz mit Hans und 6400 Euro Nettogehalt verstehe ich überhaupt nicht. Er führt an, das Hans krank werden könnte. Wenn er nicht krank wird und einen Teil spart? Dann wird er wahrscheinlich von Herrn Kommer als geizig betitelt.
Darüber hinaus führt er Holger Grethe von Zendepot an, der jedoch meines Wissens die ärztliche Tätigkeit nur noch als Teilzeit ausführt und ebenso mehr freie Zeit anstrebt. Ebenso möchte Herr Grethe genauso wie Herr Kommer für wahrscheinlich nicht wenig Geld Anlageberatung betreiben. Aus meiner Sicht benötig man weder einen extra Finanzkurs, noch einen Anlageberater oder Roboadvisor. Es handelt sich hier einfach um unnötige Zwischenhändler, die auch noch einmal die Hand aufhalten. Mehr als zum Beispiel diesen super Artikel von Freiheitsmaschine benötigt man nicht um in der Praxis zu investieren: https://freiheitsmaschine.com/2018/05/24/investieren-investor-etf-traden-geldanlage-wohlhabend-werden/

Jedes sparen ist in Herrn Kommers Augen ein Verzicht. Wenn mich jemand zwingen würde mein Gehalt komplett auszugeben, dann wüsste ich gar nicht wie, obwohl ich kein Spitzenverdiener bin. Ich habe alles, was ich benötige und spüre keinen Verzicht. Sicher wird es nicht jeder zur kompletten Freiheit schaffen und vielleicht möchte das auch nicht jeder, nie mehr Arbeiten. Ich gehe auch gerne zur Arbeit. Ich habe aber schon des öfteren eine 4 Tage Woche ausprobiert und das würde mir erheblich mehr Lebensqualität bieten und wäre meiner Gesundheit sehr zuträglich. Ich möchte nie einen Kredit aufnehmen müssen. Bei einem Jobverlust und Krankheit möchte ich unter eigener Kontrolle abgesichert sein und mich nicht erst jahrelang durch alle Instanzen klagen müssen. Ich bin gesetzlich versichert, doch manches Mal konnte mir nur ein Privatarzt weiterhelfen. Auch möchte ich keine Angst haben von Altersarmut betroffen zu sein. Wenn ein Teil meines Geldes auf Nachkommen übergeht und vielleicht sogar mehr als eine Generation positiv durch einen stetigen zusätzlichen Geldstrom beeinflusst, würde ich mich auch darüber freuen. Man kann dieses Zusatzeinkommen sehr sinnvoll und nachhaltig nutzen, zum Beispiel für gute Bildung. Man kann auch andere Menschen und Projekte gezielt durch Spenden fördern. Meine Eltern hatten kein Geld, um mich in einem Studium zu unterstützen und Aktien wurden und werden nur verteufelt. Seit ich weiß, das ich durch Dividenden bzw. die 4% Regel wenigstens die Hälfte meiner Kosten decken könnte, bin ich viel ausgeglichener und ruhiger geworden. Vorher hatte ich immer etwas Unruhe, was wäre wenn… Ich könnte noch unzählige weitere Moviationsgründe für ein gutes Finanzpolster aufführen, was nichts mit dem Anstreben von sinnlos in den Tag hineinleben zu tun hat.

Was mich wirklich interessieren würde wäre deshalb die Motivation von Herrn Kommer, warum er Geld anhäufen will. Schließlich beschäftigt er sich nun schon mehrere Jahrzehnte sehr intensiv damit und das nicht ohne Grund. Er hat nun schon mehrere Bücher dazu geschrieben und sich über die Motivation anderer lustig gemacht, jedoch seine eigene Motivation meines Wissens nie genannt. Jeder Mensch möchte mehr Geld, die tieferen Gründe können jedoch recht vielfältig sein.

Alles Gute und weiter so!
Ruben

Gast
Freelancer Sebastian

Prima Beitrag, Ruben. Da schließe ich mich an.

Mein soziales Umfeld ist intakt wie eh und je. Konsumverzicht ist bei mir kein “Zwang”, sondern gesunde Lebenseinstellung. Kommer sollte mal bei Epikur reinlesen…..

Gast
Thomas

Ich verstehe die Aufregung nicht. Wenn man sich die Punkte von Hr. Kommer unvoreingenommen anschaut muss man ihm doch eigentlich recht geben. In der FF Bewegung werden doch meist die Unwägbarkeiten des Lebens ausgeblendet.

Gruß
Thomas

Gast
Sebastian

Hallo Thomas,

in der FF Bewegung werden doch die Unwägbarkeiten des Lebens “überwiegend” voll berücksichtigt. Natürlich gibt es auch mal schwarze Schafe aber das damit ganzheitlich zu pauschalisieren, halte ich für falsch.

Schaut man sich seine Punkte unvoreingenommen an, kommt man schnell zu dem Schluss das der Beitrag eine einseitige “Satire” mit fragwürdigen Argumenten GEGEN die Finanzielle Freiheit ist.

Lösungen werden auch keine aufgezeigt? Ähnlich einer einseitigen Propaganda die den Eindruck erweckt das es unmöglich ist die finanzielle Freiheit zu erreichen und die “Glaubsenssätze” der “Masse” in Frage stellt.

Nein! Hr. Kommer hat damit nicht Recht und auch in der Vergangenheit bereits selber gegen seine eigene Blog-Argumente argumentiert. Wer Videos von ihm kennt und seine Bücher gelesen hat, wird das sofort bemerken. Woher sein Sinneswandel?

Man könnte einige Zitate aus seinen Büchern und Videos dazu verwenden um diesen Blog-Eintrag zu widerlegen, was die Frage aufwirft ob er wirklch Verfasser dieses Interpretationsmeisterwerkes ist?!

Vielleicht schreibt ja auch Alexander Weis unter dem Deckmantel von Gerd Kommer?

Er ist Finanzberater bei der Gerd Kommer Invest GmbH und wird als erster über diesem Artikel erwähnt.

Gast
Blauer Max

Den Beitrag von Dr. Kommer halte ich persönlich für inhaltlich richtig. Analytisch klar, differenziert und lebenswirklich. Sein Schlussfazit kann ich unterschreiben.

Wirklich „frei“ im eigentlichen Sinne des Wortes ist aus meiner Sicht nur jemand, der in völliger Selbstbestimmung leben kann. Jemand, der über so viel finanziellen Spielraum verfügt, dass er damit praktisch nahezu sämtliche Schicksalsschläge abfedern kann und sich somit keine Sorgen machen muss. Also sprichwörtlich „finanziell unabhängig“ ist.

Andernfalls sprechen wir m. E. wohl eher über individuelle Risikotoleranz, Einstellung und Haltung zum Leben und Erwartungen an die Zukunft anstatt „FF“. Will sagen, zum Glücklichsein benötigen einige Zeitgenossen keinen eigenen Besitz.

Gast
Julian

Der Beitrag von Herrn Kommer hat mich auch etwas überrascht.
Ich kann mir den nur so erklären dass er damit bewusst einen Gegenpol zu etwas zu euphorisch formulierten FF Artikeln schaffen wollte. Das finde ich legitim und es ist durchaus hilfreich auch einmal andere Sichtweisen zu lesen.
Für sich genommen ist sein Artikel aber nicht ausgewogen, einseitig und polemisch.

Er verlässt auch dort seine wissenschaftliche und evidenzbasierte Argumentation die in seinen Büchern vorherrscht.

Für mich stellt sich auch die Frage was er persönlich mit der Bildung von Vermögen für sich erreichen will. Finanzielle Freiheit wohl eher nicht. Ist es ein Puffer für Notfälle, eine weitere Säule seiner Rente oder will er seinen Nachfahren etwas hinterlassen oder gemeinnützige Organisationen unterstützen? Das würde mich interessieren und wäre interessant einmal von ihm zu erfahren.

Gast

Mich hat ein Leser auf Kommers Statement hingewiesen. Finde es gut, dass es diskutiert wird. Ich kenne Kommer nicht. Halte ihn aber aufgrund seiner Bücher für einen klugen Mann. Keine Ahnung, was ihn zu so einem negativen Statement gebracht hat. Vor allem gibt es in der Finanzblogger-Welt einige Leute, die es als Angestellter oder Selbstständiger zur FF gebracht haben. Frugalismus muss nicht in Selbstkasteiung enden. Keine Ahnung, ob Gerd Kommer überhaupt noch weiß, wie es sich als “Normalverdiener” lebt.

Ich bin der Überzeugung, dass man früh FF werden kann, wenn man dieses Ziel früh genug vor Augen hat. Aber es kann mit anderen persönlichen Zielen kollidieren und ist mit Aufwand verbunden.

Gast

Hallo lieber Maschinist,

ich habe den Kommertext auch gelesen, und ich habe ihn anders aufgefasst als du: nämlich als ziemlich zutreffend. Polternd, pointiert. Ja. In-your-face von Dr.Gerd Kommer.

Mit den meisten der formulierten Ideen finanzieller Freiheit in der deutschen Bloglandschaft kann ich herzlich wenig anfangen. Diese Leute, die daran denken, ihre Autos zu verkaufen um anschließend ihre Lebensmitteleinkäufe kilometerweit zu Fuß oder per Fahrrad nach Hause zu verfrachen, da frage ich mich schon manchmal, ob da die Prioritäten richtig gesetzt sind. Sparpotentiale sind natürlicherweise begrenzt, aber das Potential von Einnahmenvermehrung ist praktisch unbegrenzt. Der richtige Fokus sollte auf Einkommensmaximierung liegen, nicht auf maximaler Kostenreduktion. Wenn ich 2000€ verdiene und den ganzen Tag nur nachgrüble, wo ich den nächsten cent einsparen kann, dann hilft mir das nicht weiter. Wenn ich 2000€ verdiene und den ganzen Tag nachgrüble, wie ich mein Einkommen vergrößern kann, dann werde ich wahrscheinlich schon bald mit ein paar brauchbaren Ideen um die Ecke kommen.

Was spricht beispielsweise gegen einen schicken Wagen*, wenn man ihn sich leisten kann? Ich will vor allem angenehm leben, und das geht mit schicker Wohnung, Urlaub und ordentlich PS unter der Haube nun mal besser als mit Billignudelsuppe in der preisgünstigen 10qm-Souterrainwohnung und dem 15 Jahre alten Fahrrad. Oder dem Altersruhesitz in Bulgarien, weil es dort ja so günstig ist.

Viele der von Kommer genannten Beispiele gehen in genau diese Richtung oder sind aus anderen Gründen nicht wirklich plausibel (z.B. schnell reich werden ohne Arbeit a la Bodo), und bei einigen Blogartikeln im letzten Jahr habe ich mich auch gefragt, ob das, was der Autor da schreibt, wirklich “Freiheit” ist (“Finanziell Frei mit Immobilien” oder die Idee, von Blogs und Büchern zu leben)

Was Herr Kommer aber leider komplett ausblendet in seinem Rant, ist der Aspekt, dass es nun mal ein paar Jahre dauert, bis man etwas Kapital angesammelt hat, das nennenswerte Renditen erwirtschaften kann. Das Schlussfazit “Um nennenswertes Einkommen zu erzeugen, muss man schon vorher reich sein” ignoriert leider die Situation von praktisch jedem aus Blogschreiber- und -Lesersicht: denn wirklich reich ist fast keiner von uns, aber ein paar könnten es schon werden. Irgendwann mal.

*meine aktuellen Favoriten: Hyundai i30n Performance (billige Lösung), Mercedes A-Klasse AMG (Kleinwagen), Porsche Boxster GTS (Sportcabrio) oder Mercedes CLS 53 AMG. Und keine Angst, ich investiere trotzdem weiter 🙂

Gast
Freelancer Sebastian

“Diese Leute, die daran denken, ihre Autos zu verkaufen um anschließend ihre Lebensmitteleinkäufe kilometerweit zu Fuß oder per Fahrrad nach Hause zu verfrachen, da frage ich mich schon manchmal, ob da die Prioritäten richtig gesetzt sind.”

Puh, damit meinst du “Leute” wie mich, obwohl wir als 5-köpfige Familie noch nie ein Auto besessen haben. Ich respektiere andere Lebenseinstellungen. Kannst du das auch?

Ich erkläre mich gerne: Es geht nicht ums sparen. Ich halte unser Leben ohne Auto schlicht für ein gutes, richtiges Leben. Mit tun die “Leute” eher leid, die ihr Leben am Automobil ausrichten müssen. Andere dürfen das gerne anders sehen. Gesund, umweltschonend, sparsam und wesentlich weniger stressbehaftet – schön das Leben ohne eigenes Auto. Zugegeben, auf dem Land problematisch, aber das ist dann wieder ein anderes Leben, für andere “Leute”.

Bin übrigens gerade von der Einkaufstour an der frischen Luft zurück. Zwei Körbe hingen am Rad, gefüllt mit viel frischem Obst und Gemüse. Ein Colakasten passt da natürlich nicht hinein. Warum auch?

Nichts für ungut und eine schöne Woche 🙂 !

Gast

Hey Freelancer,

natürlich wollte ich nicht den Verzicht auf ein Auto generell für absurd erklären (ich habe selbst neun Jahre ohne Auto gelebt). Es gibt viele gute Gründe, auf ein Auto zu verzichten. Umweltschutz, Angst, Alter, mangelndes Einkommen oder schlicht mangelnde Notwendigkeit sind durchaus nachvollziehbare Gründe, kein Auto sein Eigen zu nennen.

Es ging mir auch überhaupt nicht darum, diejenigen anzugreifen, die tatsächlich kein Auto haben, sondern anzumerken, dass ich im Rahmen der Ich-werde-finanziell-Frei-Euphorie einige Kommentare/Artikel gelesen habe, deren Argumentation eher in die Richtung ging, man müsse auf sein Auto verzichten, um die eigene Sparrate noch um das letztmöglichste Prozentchen zu erhöhen bzw. um die Kosten für die so näher gerückte finanzielle Freiheit zu drücken. Und ich habe ja nicht nur das Beispiel Auto genannt, sondern auch die weiteren Beispiele Wohnen und Auswandern.

Finanzielle Freiheit bedeutet für mich nicht, meinen Lebensstandart auf das niedrigstmögliche Niveau zu drücken, sondern ausreichend Mittel zu haben, um das Leben genießen zu können. Ich hoffe ich konnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken.

Viele Grüße von einem Anhänger Epikurs zum anderen!

Gast
Freelancer Sebastian

“Finanzielle Freiheit bedeutet für mich nicht, meinen Lebensstandart auf das niedrigstmögliche Niveau zu drücken, sondern ausreichend Mittel zu haben, um das Leben genießen zu können. Ich hoffe ich konnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken.”

Das konntest du, ich bin da ganz bei dir.

Also entschuldige mein übertriebenes Maß an Entrüstung, Dominik. Alles Gute weiterhin!

Gast
MrM

Ich glaube, hier ist die Frage nach dem Hintergrund eher das entscheidende. Was ich damit meine – bewusste Entscheidung aus zB gesundheitlichen oder Umweltgrunden oder um 200 Euro mehr zu sparen. Ich verzichte auch viel aufs Auto, aber bei schönem Wetter und leerer Bahnin den Porsche zu steigen und mit 290 über die Bahn zu fahren macht schon Spass. Motorsound, speed, etc. Macht man ja nicht jeden Tag.
Ansonsten nutze ich viel mein bike oder den Stadtwagen.
Bin aber auch Gerade dabei den Sportwagen abzugeben zwei Autos reichen.

Gast
Felix

Ich habe Kommers Artikel gerade gelesen und kann die Kritik daran nur schwer teilen. Ich sehe nicht, dass er sich gegen Sparen und Investieren ausspricht. Was er vielmehr tut, ist einigen FF-Jüngern die rosarote Brille wegnehmen. Natürlich sind Aussagen wie “Mit 28 Jahren in Rente” oder “In 7 Jahren zu ersten Million” hanebüchener Unsinn. Das weiß auch jeder klar denkende Mensch.
Der “normale” Mensch, der eine Familie gegründet hat, vernünftig wohnen will, nicht in Sack und Asche gehen will, seinen Kindern eine gute Ausbildung angedeihen lassen will, wird im Wesentlichen ein Leben lang arbeiten müssen. Natürlich macht Arbeit, wie das Leben insgesamt, nicht nur Spaß, ist aber auch nicht nur reine Sklavenarbeit. Gerade heutzutage werden gutausgebildete Fachkräfte von Firmen gesucht und gefördert. Wer trotz der oben genannten Ausgaben spart und investiert hat das entspanntere Leben und kann seine Arbeitsphase ggf. etwas abkürzen oder seine Arbeitszeit reduzieren.
Nun gibt es halt ein paar Extrembeispiele, wie es sie in jeder Disziplin gibt (die Ironmen eben), die das Ziel FF dennoch schaffen, weil sie bereit sind, den Preis dafür zu zahlen. Die berichten dann über ihren Erfolg und die Leser blenden das Negative, eben den o.g. Preis, aus und meinen es ginge auch mit ihren normalen Lebenstil. Und das tut es eben nicht und diese Illusion zeigt Kommer in dem Artikel auf.
Einer der Protagonisten der FF, der es mit minimalstischen Lebenstil geschafft hat, ist offensichtlich Tim Schäfer, dessen Blog sicher viele kennen. Er heroisiert seinen m.M.n extremen Lebensstil, der sicher frei von beruflichen Zwängen macht, aber auch ein Stück weit sozial isoliert, weil man eben nicht in die üblichen Strukturen eingebunden ist. Und nur im Wald spazieren gehen, auf kleinster Fläche wohnen, auf eine eigene Familie verzichten und dem Sparen die oberste Priorität einräumen, mag auch nicht jeder.

Gast
Dr.Bundy

Natürlich funktioniert finanzielle Freiheit, nennt sich auch Privatier. Und wenn ich davon früher gewusst hätte, hätte ich auch was anderes studiert, etwas, wo man schneller zu vernünftigem Gehalt und beruflichem Abschluss kommt (bin Arzt -.-).
“Wer sich über die Route Sparsamkeit “finanziell frei” machen möchte, muss akzeptieren, dass damit eine substanzielle Schrumpfung seines Lebensstandards verknüpft ist – sofort und in der Zukunft. ”
Das ist übertrieben. Nur, weil meine Sparquote 50%+ ist, ist mein Lebensstandard nicht niedrig, ich verzichte auch nicht auf Konsum, sondern denke mehr darüber nach, wo und wie ich etwas kaufe. Gutes Beispiel sind Reisen: Der typisch verblendete Konsumzombie rennt in ein Reisebüro und kauft sich was extrem teures und bekommt Kommerzprodukte, die in meinen Augen nichts wert sind. Ich reise lieber per Anhalter, Motorrad bzw. individuell, organisiere kleine Touren im Urlaubsland selbst oder fahre dort selbständig herum. Ich übernachte nicht in Hotels, weil die Menschen dort abstossend langweilig sind (Spiesser), sondern bin in Hostels oder bei Einheimischen untergebracht. Ich fliege auch lieber alleine als mit Leuten aus meinem Kulturkreis um sich der Kultur vor Ort hinzugeben. All diese Massnahmen sind viel günstiger und bieten eine intensivere Erfahrung als der kommerzielle Weg und ich könnte noch weitere Beispiele aufzählen. Der Punkt ist nur teilweise richtig, da es stimmt, dass es schöner ist sich schon zu Anfang keine Gedanken über Geld zu machen und einfach zu kaufen, worauf man Bock hat. Dann hätte ich mein BMW schon jetzt und kein Opel Astra. Aber für mich ist es rausgeschmissenes Geld, da mich auch ein Opel Astra von A nach B bringt.

Was ich auf jeden Fall zustimme ist, dass der Weg zur FF nur für eine Minderheit gedacht ist, die Masse ist einfach zu dumm dafür.

Gast
Gast

Den letzten Satz halte ich für arrogant.
Die despektierlich angesprochene “Masse” (man selbst is ja um so viel besser….) kann bzw. will es sich halt nicht leisten. Deine Art des Reisen sei dir unbenommen, jedoch deshalb nicht zwangsweise “besser”.
Für den Durchschnittsverdiener ist eine Sparquote von 50% ein Leben mit nicht mal 900€ im Monat.
In meinen Augen klar ein niedriger Lebensstandard, fällt per Definition sogar schon unter “armutsgefährdet”.

Gast
Gast

Ich finde solche Artikel sehr wertvoll, da auch andere Sichtweisen aufgezeigt werden.
Mein Kritikpunkt an den mittlerweile inflationär aus dem Boden schießenden Blogs sind die teilweise unrealistischen Heilsversprechen, die darin gemacht werden. Klar – müssen sie auch machen – ansonsten liest das doch keiner.

Ein paar Fakten nebst Rechenbeispiel zur “Erdung”: “Das mittlere Nettoeinkommen in Deutschland betrug im Jahr 2014 für einen Alleinstehenden 1731 Euro.” (http://www.spiegel.de/wirtschaft/einkommen-so-stehen-sie-im-europaeischen-vergleich-a-1188143.html). Ich vermute, dass vom Blogersteller bei seinen sehr optimistischen Annahmen zum Durchschnittseinkommen der Median und der arithmetische Mittelwert verwechselt wurde. Alleine aus dieser Zahl lässt sich schon herauslesen, dass finanzielle Freiheit für den “Durchschnittsdeutschen” eher unrealistisch ist.
Weitere oft getätigte Annahme die hinterfragenswert ist:
Die jährliche Inflation beträgt offiziell die geschätzten 2% p.a.
Fakt ist jedoch, dass der Mikrowarenkorb (Waren des täglichen Bedarfs) um einiges stärker steigt als die in den meisten Blogs angegebene Inflationsrate (z.B. hier nachzulesen: http://wko.at/statistik/indizes/PreiKoOester.pdf)

Die Grundintention des Blogs finde ich ausgezeichnet – bewusster Konsum, die Scheu vor dem Aktienmarkt nehmen.
Dem – ich unterstelle mal hehre intrinsische Motive – Optimismus, schon lange vor Renteneintritt die finanzielle Freiheit mit einem Durchschnittseinkommen zu erreichen kann ich jedoch aufgrund der Arithmetik leider nicht ganz folgen.

Zum Thema Kapital:
Simples Gedankenexperiment: Würden alle nur mehr ETFs kaufen und viel weniger konsumieren, senkt das den Umsatz der Firmen. Damit verringert sich der Gewinn und in weiterer Folge auch die Rendite der oft propagierten “größten Wohlstandsmaschine aller Zeiten” und damit die Aussichten auf “finanzielle Freiheit”.
Oder kurz gesagt: Konsum fördert Wirtschaftswachstum fördert ETF-Rendite.

Freue mich auf eine interessante Diskussion.

Gast
Philipp

Hallo Gast,
Du spricht mir aus der Seele. Ohne steigenden Konsum gibt es in einer Volkswirtschaft kein Wachstum und ohne Wachstum kann der Gesamtmarkt nicht im Wert steigen. Warum sollten sonst heute gekaufte Unternehmensanteile in Zukunft mehr wert sein, wenn das Unternehmen in Zukunft nicht mehr Gewinn macht? Ohne Kostensenkung, die meist auf Kosten der Beschäftigten geht, ist das nun mal nur über Absatzwachstum möglich. Zu bedenken ist aber, dass der Absatzwachstum nicht in unserem Wirtschaftsraum stattfinden muss. Wenn der gesättigte Industrieländler nicht mehr konsumieren, sondern ETFs besparen möchte, konsumiert eben ein Schwellenländler. Und die leute dort wollen irgendwann auch so leben wie wir, deswegen sehe ich für den Gesamtmarkt noch viel Potenzial.

Gast
Ulrich

Ich finde auch, dass der Kommer Artikel gar nicht so daneben liegt. Der Bodo Schäfer Weg funktioniert nicht, viel zu hohe Rendite Annahmen.
Es geht nur mit einem kontinuierlich (sehr) hohen Einkommen, dann ist es je nach Lebensstil in 10-25 Jahren möglich. Mr. MMM hat 10 Jahre ein sehr gutes Einkommen bei u.A. Cisco als Software Entwickler gehabt, nebenbei Häuser renoviert und mit Gewinn verkauft. Seine Frau hatte auch ein recht gutes Einkommen. Durch extreme Sparsamkeit und Ausnutzen jeder Steuereinsparungsmöglichkeit er es in 10 Jahren geschafft.
Der Hans aus dem Kommer Beispiel könnte es mit 50% Sparquote schaffen, wenn er es 25 Jahre durchhält bei einem Leben auf Mittelstandsniveau.

Es hilft nichts, man braucht ein hohes Einkommen, FF bei 2500 netto und 50% Sparquote bringt nur Leben an der Armutsgrenze,
dann kann man ja gleich H4 Empfänger werden.

8-10k netto bei 30-50% Investitionsquote, und man ist nach 25 Jahren durch, bei einem noch recht guten Lebensniveau.

Mitglied
Smartinvestor

Hallo Maschinist,
das stört mich genauso wie dich. Denn der Kommer ist aus bekannten Gründen selber absolut nicht frei von abstrusen Widersprüchen zur durchsichtigen Manipulation. So liest man auf seiner Homepage zunächst ganz Bogle-fromm und in leicht verständlichem Klartext nach Art des Finanzwesirs:
“Passives Investieren – keine risiko- und kostenerhöhenden Versuche, “den Markt zu schlagen”, also kein Stock Picking und kein Market Timing.”
Das kommt an. Der schnelle Leser fühlt sich gut aufgehoben und überfliegt den Rest nur noch mit halber Aufmerksamkeit. Wer jedoch aufmerksam bleibt, wie ich die dumme Angewohnheit habe, der fragt sich ein paar Zeilen weiter irritiert, ob der Kommer damit die Aufmerksamkeit und Intelligenz zukünftiger Kunden für die spätere Verwendung testen will:
“Erzeugung einer erhöhten Renditeerwartung durch Nutzung so genannter Faktor-Prämien (Smart Beta Investing).”
Was ist denn eine “erhöhte Renditeerwartung” anderes als “den Markt zu schlagen”. Hier nun im typischen Kommer-Stil verkompliziert, um es den Kunden unterzujubeln.

Es ist klar, dass Kommer ein sehr belesener Mensch ist, viele gute Artikel verfasst und auf meist eh schon offensichtliche Widersprüche sich labend hinweist. Aber was dem Maschinisten und mir auch sauer aufstößt ist die pauschale Verunglimpfung der schnell wachsenden weltweiten (!) FF-Bewegung. Die stellt ja wohl ganz offensichtlich ein grundlegendes Bedürfnis in unserer Gesellschaft dar angesichts der sich auftürmenden und ebenfalls wachsenden, ungelösten Probleme eines nachhaltigen Lebens auf diesem einen Planeten. M.W. bräuchten wir ca. 2,5 Planeten, um langfristig mit unserem sogenannten “Lebensstandard“ überleben zu können.

Wenn Kommer erste unbeholfene Lösungsansätze derart polemisch lächerlich macht, stellt er sich selber ein Armutszeugnis eines ewig gestrigen Zukunftsverweigerers und Innovationshindernis aus. Er übersieht dabei, dass Innovationen nur dann eine Überlebenschance haben, wenn sie anfangs abwegig und utopisch erscheinen. Das wusste und sagte so ähnlich schon Einstein. Denn die Innovatoren müssen das Mittel der Übertreibung bzw. Overselling einsetzen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Und daran weidet sich der naive Rationalist Kommer nun m.E. völlig daneben. Denn die gesellschaftlichen Trends z.B. mit schnell wachsender Bedeutung der frugalen, hocheffizienten Share-Economy, eines nach dem Studium noch lange anhaltenden frugalen Lebens und minimaler materieller Besitz, um möglichst lange mobil, flexibel und frei zu bleiben gehen nach meiner Beobachtung alle in die Richtung von FF als höchstem Wert kommender Generationen, weil die schon lange spüren, dass es ausschließlich so weitergehen kann, wenn des ach so hochgehaltene “Lebensstandard” nicht auch nur so ein Bullshit-Wort sein soll. Der Besitz eines KFZ ist z.B. in der Generation meiner Kinder und der meiner Bekannten zur absolut verpönten Ausnahme geworden, obwohl wir es ihnen alle angeboten haben. Völlig uncool, das abzurufen.

Lange war der Kommer wegen seiner Verdienste um die Etablierung passiven Investierens in D über jeden Zweifel erhaben. Aber bei solchen Entgleisungen und dahinter aufbrechenden Interessenkonflikten, die sich bedenklich mehren, s.u., muss er aufpassen, dass er in unserer hoch vernetzten Onlinewelt nicht ganz schnell von seinem Fensterplatz verschwindet.
Als Beispiel für eine andere irritierende Entgleisung hier ein pauschaler Ausfall gegen die ganze Finanzbloggerzunft und die kritische Presse aus seinem nun bald in hoher 2018’er Auflage kursierenden Hauptwerks “Souverän investieren“:
„Literaturhinweise zu Factor-Investing:
In deutscher Sprache existiert leider kaum wissenschaftliche Literatur zu FI. Das gilt auch für anspruchsvolle Praktikerpublikationen. Zwar veröffentlichen viele Finanzblogger Artikel zu Smart-Beta-Themen, doch die meisten bewegen sich eher an der Oberfläche oder enthalten substanzielle Fehler. Die Factor-Investing-Artikel in den regulären deutschsprachigen Medien sind nach meinem Eindruck beinahe durch die Bank sensationalistisch, holzschnittartig und/ oder voreingenommen. Es geht auch anders: Eine gelungene, allgemeine Einführung zu Factor-Investing aus Privatanlegerperspektive ist das Buch von Berkin und Swedroe »Your Complete Guide to Factor-Based Investing« (2016).“
https://books.google.de/books?id=xR8-DwAAQBAJ&pg=PT229&dq=%22In+deutscher+Sprache+existiert+leider+kaum+wissenschaftliche+Literatur+zu+FI%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjCqp7HhcnbAhWCblAKHRGOA68Q6AEIKDAA#v=onepage&q=%22In%20deutscher%20Sprache%20existiert%20leider%20kaum%20wissenschaftliche%20Literatur%20zu%20FI%22&f=false

Pikant ist dabei, dass dem von Kommer gern genutzten Zitatgeber Swedroe bei dem wohl weltweit renommiertesten Finanzforum “Bogleheads“ vom passiven Indexing-Pabstes John Bogle das Dauer-Posten zu Smart Beta untersagt wurde. Denn Kommer und Swedroe vertreiben wohl hauptsächlich die Produkte der sektenartigen US-Dreibuchstabenfirma DFA. Und die verdonnert Ihre „unabhängigen“ Vertriebsleute ausschließlich zu ihrer Philosophie:
„Wir kooperieren nur mit Kunden, bei denen wir uns sicher sind, dass sie unsere Investmentphilosophie teilen.“
https://www.bundesweitefinanzberatung.de/expertenartikel/ansicht/finanzberater-sind-wie-fitnesstrainer-14614/
Kommer scheint das besonders gut zu befolgen:
https://books.google.de/books?id=2hJaDwAAQBAJ&pg=PT77&lpg=PT77&dq=%22Dimensional+Fund+Advisors+ist+in+meinen+Augen,+neben+Vanguard%22&source=bl&ots=Q_WteCNuHA&sig=udAF5o3nqwYmlqOGqvhUVgp_maE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiz9NuU-8jbAhUCyaYKHdHmDycQ6AEIKDAA#v=onepage&q=%22Dimensional%20Fund%20Advisors%20ist%20in%20meinen%20Augen%2C%20neben%20Vanguard%22&f=false

Habe die allzu durchsichtigen Interessenkonflikte des Kommer-ziellen Smart Beta Finanzpornographen dazu beim Finanzwesir genauer durchleuchtet, der diese reinen Marketing-Gags treffend als „Very Dumb Alpha“ bezeichnet:
https://www.finanzwesir.com/blog/etf-laufende-kosten
Dort auf der Seite suchen nach „Dilemma mit diesem Kommer“ , da es dort keine Beitragslinks gibt.
Wünsche erleuchtende Lektüre…

Gast
Sebastian

Hallo Ulrich,

Der Bodo Schäfer Weg funktioniert nicht, nur mit einem sehr hohen EInkommen? Also funktioniert er ja doch. Schritt 4 vom Bodo Schäfer Weg sagt: Mehr Verdienen.

Wie kann ein Weg nicht funktionieren obwohl die Anahme wann es denn funktioniert doch schon Teil des Weges ist?

Bei einer durschnittlichen Wertsteigerung von 9.5 Prozent der letzten 200 Jahre empfinde ich die Annahme von Bodo Schäfer mit 8 Prozent als durchaus angemessen, wenn auch noch nicht inflationsbereinigt.

.. Unabhängig von seiner Annahme, dient es auch nur der veranschaulichung der Rendite-Entwicklung. Selbst bei inflations- und steuerbereinigten 5 Prozent schafft man es theoretisch in 7 Jahren.

Es ist nicht unmöglich und wir entscheiden in unserer Verantwortung darüber! Punkt!

Wie du schon geschrieben hast ,liegt der Schlüssel dabei im Verdienst ..

Das Beispiel vom Hans mit 50% Sparquote: Bei 6400€ und 3200€ Sparrate wäre unser Hans in gut 15 Jahren Inflationsbereinigter Millionär und würde trotzdem mit 3200€ Netto weit über dem durschnittlichen Nettoeinkommen von 1893€ leben. (Quelle: de.statista.com)

Eine Sparquote bei niedrigem Einkommen auf 50% zu erhöhen ist natürlich wirklich sehr Armutslastig.

Hier sollte man besser den Veridenst erhöhen und die Sparquote angemessen skalieren.

Gast
Ulrich

Hallo Sebastian, das der Weg mehr verdienen und clever (? ) investieren geht, weiß ich aus eigener Erfahrung, ich bemängel beim Schäfer Weg die unrealistischen Renditeannahmen um auf die 7 Jahre zu kommen.

Gast
Sebastian

Hallo an alle Freiheitsmaschinen und die es noch werden wollen .. Ich habe mir den Kommer-Beitrag durchgelesen und bin da wirklich anderer Meinung! Es werden hier sinnvolle Ansätze mit unsinnigen Lösungen gemischt und ein allgemeingültiges Fazit ans Ende gestellt, welches auch auf meine Interpretation passt. Aber schauen wir doch mal .. FF-Variante 1: Durch cleveres Investieren schnell und mühelos reich werden – “Ein Beispiel für diese FF-Interpretation ist das Finanzratgeberbuch “Der Weg zur finanziellen Freiheit – Die erste Million in 7 Jahren” von Bodo Schäfer.“ – „Das Problem: In dieser FF-Buchsparte wimmelt es von absurd unrealistischen Strategien zum Erreichen von Wohlstand und Reichtum .. Historisch war das FF-Konzept von Schäfer und seinen amerikanischen Vorläufern (der bekannteste darunter Robert Kiyosaki mit seinem Buch “Rich Dad, Poor Dad”)“ Niemand wird durch cleveres investieren MÜHELOS reich? Weder Bodo Schäfer, noch Robert Kiyosaki behaupten diesen Schwachsinn! Diese Interpretation ist einfach falsch. Wer das behauptet hat den Inhalt nicht verstanden oder nur halb gelesen. Die erste Million in 7 Jahren? Schauen wir doch mal etwas genauer .. 1. Reich Denken (Mindset) 2. Sparen 3. Planen (Anlagepolitik) 4. MEHR VERDIENEN 5. Investieren 6. Genießen Was fällt auf?! Mühelos?! Wohl kaum .. cleveres Investieren ist fast der letzte Schritt. Mehr verdienen folgt dem investieren?! Was ist jetzt absurd oder unrealistisch an diesem System? Es gibt unzählige Beispiele von erfolgreichen Menschen die diesen Weg gegangen sind. Wenn jemand im Multi Level Marketing oder im Vertrieb auf durchschnittlich 10.000 € anwächst und davon 8.000 € sparen würde, kann er in 7 Jahren finanziell Frei sein und das sogar ohne absurde Strategien – einzig mit purer ANSTREGENDER Leistung! Einkommen ist immer unbegrenzt! Natürlich kann das nicht jeder erreichen, aber das wird auch NIE behauptet. IST ES LEICHT? NEIN! Aber es lohnt sich ! FF-Variante 2: Radikal weniger arbeiten und/oder früher in Rente gehen – „Bei dieser FF-Version geht es in erster Linie darum, “die Kontrolle über sein Leben zurückzuerlangen” und “endlich nicht mehr fünf Tage Arbeit gegen zwei Tage Freizeit zu tauschen”. – “Ein Kernelement in dieser FF-Variante ist das Anstreben des frühzeitigen Ruhestands” Es geht dabei doch um das ZIEL sich von der Notwendigkeit zu lösen: Zeit gegen Geld tauschen zu MÜSSEN! Natürlich ist das anstreben des frühzeitigen Ruhestandes also eine daraus resultierende Variante. Das ist aber auch kein Weg, sondern das Ziel?! Die Strategie dahin steht ja auf einem ganz anderen Blatt und sollte nicht mit der Notwendigkeit des Erreichens vermischt werden. Ich kenne Menschen, die mit 45 losgelöst von allen Hamsterrad-Verpflichtungen und ohne Geldsorgen leben. Der Eindruck einer Satire, wenn Sie mir von Ihrem Weg aufzeigen entsteht dabei überhaupt nicht. Warum werden hier Gegenwart und Zukunft so lächerlich vermischt? Habe ich das Ziel erreicht, breche ich aus dem Hamsterrad aus, löse mich aus der Tretmühle des Angestelltendaseins und erziele ein effizienteres Selbstmanagement. Diese Punkte im Vorfeld zu wollen oder als Basis für die FF anzugeben ist pure Dummheit! Für mich die sinnloseste Betrachtung innerhalb der Varianten, da es das übergeordnete Ziel aus Variante 1,3 und 4 darstellen kann! FF-Variante 3: Durch Existenzgründung zur finanzielle Freiheit. -Erstens, als Firmengründer muss man sich nichts mehr von seinem bisherigen, inkompetenten Chef sagen lassen, ist also ab Tag eins schon “freier” als zuvor. Zweitens kann man nun endlich seine Kreativität “befreien” und drittens wird man, da der bisherige Vorgesetzte als ewiger Bremser entfällt, fast zwangsläufig auch mehr Geld verdienen Dem kann man nichts hinzufügen außer das man nicht zwangsläufig mehr Geld verdient! Eine Existenzgründung ist eine solide, wenn auch gleich riskante Möglichkeit seine finanzielle Freiheit zu erreichen. Im Kern geht es aber um die Erhöhung seines Einkommens. Es gibt Unternehmer, die verdienen weniger als Angestellte und andersrum! Denken-Sparen-Planen-Verdienen-Investieren-Genießen .. FF-Variante 4: Sich in die finanzielle Freiheit sparen. – “Hier wird propagiert, aus der “Konsumgesellschaft” auszusteigen, keine “überflüssigen” oder “sinnlosen” Produkte mehr zu kaufen und generell “radikal weniger Geld zu verschwenden” – “Praktisch bedeutet das, seine Konsumausgaben dauerhaft um 70% oder mehr zu senken. Im Ergebnis kann man sich leisten, deutlich weniger zu arbeiten, also z. B. nur noch einen Tag die Woche oder nur noch sechs von zwölf Monaten. Daraus resultieren naturgemäß mehr Spaß und Lebensgenuss.“ OK. Hier musste ich dann lachen. Ernsthaft?! Selten so eine amüsante Interpretation zum Thema Sparen in die finanzielle Freiheit gelesen. Es wird propagiert aus der Konsumgesellschaft auszusteigen, keine “überflüssigen” oder “sinnlosen” Produkte mehr zu kaufen und generell “radikal weniger Geld zu verschwenden??? Keine ernstzunehmende Quelle propagiert aus dem Konsum auszusteigen, sondern Systeme zu implementieren die den Konsum sogar bewusst berücksichtigen und steigern!! Wie kann so ein System aussehen? 50% Sparen 50% Leben. Bei einem Einkommen von 4.000 Netto: spart man 2000 € und lebt von 2000€ .. Wie kann jemand behaupten mit 2000€ Netto auf Konsum zu verzichten? Das Ziel dabei ist auch nicht deutlich weniger zu arbeiten sondern sein Sparpotential zu erhöhen ohne auf seinen Lebensgenuss und Spaß zu verzichten. Die Mischung macht das Gift .. Also was wenn jemand nur 2000€ Netto verdient? 10% Sparen 10% Konsumerhöhung 80% Leben Bei einem Einkommen von 2000e: spart man 200 €, gönnt sich MEHR von 200€ und lebt von 1600€. Höherer Verdienst, Höherer Sparbetrag .. mehr Konsum! .. natürlich wird man damit am Anfang nicht finanziell Frei aber Konsumverzicht um zu Sparen? Absolut nicht .. es geht beides .. Konsum ist immer berücksichtig und erhöhrt sich bei höherem Verdienst in angemessener Skalierung auf das Gesamtsystem! Es geht also wieder einmal darum mehr zu verdienen und diese “kleinen” Systeme zu skalieren! Wenn ich Sparen, Investieren und Genießen in eine bewusste Balance stelle, resultiert am Ende mein Spaß und der höhere Lebensgenuss. Balance zwischen Lebensstandard und Verzicht ! Nicht das Geld was wir verdienen macht uns reich, sondern das was wir behalten. Was ist mit unserem Hans und seinen 6400 Euro? -„Dann wäre es aus mit den 6.400 Euro – heute und im schlimmsten Fall für den Rest seiner Tage. Auch Hans ist in dieser Perspektive – und das ist kurioserweise die Perspektive der FF-Apostel selbst – nicht wirklich “finanziell frei” Natürlich ist Hans nicht finanziell Frei, weil… Read more »

Gast
Smartinvestor

Bei den Frugalisten läuft parallel eine ähnlich kontroverse Diskussion:
https://frugalisten.de/forum/topic/herr-kommer-belaecht-frugalisten/

Das ist gut, da das Thema offensichtlich brandaktuell ist und sich viele damit auseinandersetzen, wie sie damit umgehen können.

Gast
KostenRunter

Maschinist, ich sehe das ähnlich.

Herr Kommer hat soweit Recht, dass es nirgendwo “free lunch” gibt. Ohne ein (Start)Kapital, da zum Beispiel aus einem guten Job kommen kann, wird man nur mit enormen Glück mit 40 jahren finanziell frei sein. Ein Patentrezept dafür ware in der Tat Quacksalberei.

Mit einer Argumentation, die ich zur manipulativen Dialektik zähle, versucht er das auf alle auszuweiten, die was zu dem Thema publizieren und endet dann mit der Frechheit, dass die Blogger das primär machen, um sich damit Einkommen zu verschaffen. Ich könnte auch ein paar Extrembeispiele von Honoraberatern googlen und dann hinargumentieren, dass diese Branche doch alles Scharlatane wären. Mache ich aber nicht, ich schätze Honarberater durchaus.

Er unterstellt auch den Autorinnen und Autoren, heilsbringende Patentrezepte verkaufen zu wollen, dabei erzählen viele auch nur ganz offen und ehrlich ihre Geschichte, wie sie es gemacht haben. Das Buch von Monika Reich habe ich zwar nicht gelesen, aber öfters ihren Blog und der kommt ganz ohne einen Absolutheitsanspruch rüber.

Knuffig ist auch seine Argumentation, Leute, die Konsumverzicht leisten würden auch schnell ihren Freundeskreis verlieren. Ist da der häufige Umgang mit Kunden über 500 k etwas zu Kopfe gestiegen ? Sind die richtigen Freunde, die einen umgeben und bewundern, weil man halt so tolles Zeug hat (Auto, Haus, Urlaubsziele, Skiausrüstung, …) ? Ich hab das im engsten Familien- und Freundeskreis erlebt, man bekommt ein paar Minuten Aufmerksamkeit “neuer wagen, cool, wieviel PS hat den der” dann redet der andere wieder über sich. Wenn man wegen etwas, das man selber kann bewundert wird, ist das meist nachhaltiger.

Sein Argument mit dem Gutverdiener Hans geht als Argument ins Leere. Gerade wenn der auf den neuen 5er BMW und das 80 m2 Wohnzimmer verzichtet, kann hans ich so viel zurücklegen, dass ihm recht bald ein Verlust seine Humankapitals zumindest finanziell nicht mehr existenzbedrohend ins Kontor schlagen kann. Die Dopplung aus seinem guten Job und einer guten Kapitalreserve würde ihn antifragil (nach Taleb) machen. Das Bewußtsein einer höheren Antifragilität ist zumindest für mich zusätzliche Lebensqualität. Ich habe einen guten Job und mach den auch so gerne, so dass ich den jetzt auch nicht hinschmeiss, um am Strand zu gammeln. Aber meine assets nehmen mir die Sorgen, was den wäre, wenn ich aus welchem Grund auch immer diesen Job verlöre.

Sein Beispiel mit Maria ist zumindest ungenau, denn er schreibt erst von 4 % Rendite nach Kosten und Zinsen, dann bringt er nochmal das Fremdkapital ins Spiel und zieht die Fremdkapitalzinsen 1:1 ab, wohl in Unkenntnis der steuerlichen Absetzbarkeit. Und der Aufwand aktiver Arbeit zur Bewirtschaftung eines Mehrparteienhaus wird auch diffus übertrieben. Sicherlich ist er nicht Null, aber einige Zeilen höher wurde das noch mit einem Vollzeitjob verglichen. Bei mir sind das ein paar Stunden im Monat.

Gast
Oliver

Vor allem an den Bewertungen sieht man, dass das Thema sehr kontrovers geführt wird. Tendentiell denke ich nicht, dass Komer in den meisten Punkten recht hat, es aber durchaus einige Kernpunkte gibt, die ich ähnlich sehe. Zum ersten: Warum glaube ich nicht, dass er im Kernpunkt Recht hat? Ich bin so ein Mensch, der nach seiner Ansicht nicht existieren dürfte. Ich bin seid etwa einem halben Jahr mit 51 Jahren finanziell frei geworden. Das war ich, als ich einen normalen Monat zu 100% mit passiven Einnahmen abdecken konnte, wenn auch knapp. Ich habe keine Einschränkungen, allerdings habe ich persönlich auch nie das Verlangen nach einem sehr großen Haus oder einem großen Auto oder anderen sehr teuren Dingen gehabt. Das Gen besitze ich einfach nicht, wofür ich sehr dankbar bin. Andererseits lebe ich nicht von 1.200 oder 1.500 EURO monatlich, d.h. ich möchte natürlich gewisse Freiräume besitzen. Jetzt kommt noch etwas ganz wesentliches: Momentan wohne ich in München in einer etwas zu großen Mietwohnung und wenn ich woanders hinziehe, was ich vor habe, dann habe ich sogar ein gewisses Sicherheitspolster. Überall kann man günstiger in Deutschland wohnen als in München. Hier ist der erste Knackpunkt, wo sich Herr Komer irrt. Er spricht von seinen persönlichen Einschränkungen, weil er einen anderen Lebensstil hat wie z.B. ich. Der kann vielleicht so hoch sein, dass es für ihn trotz seiner erfolgreichen Bücher und wahrscheinlich auch Mandate für vermögende Personen zum Anlegen von Geld trotzdem nicht reicht, so viel passives Einkommen anzusparen. Eine alte Regel ist ja, dass nur Geld für dich arbeiten kann, was Du nicht ausgibst. Wenn er (das sind alles Annahmen und müssen nichts mit der Realität zu tun haben) z.B. 15.000 EURO monatlich erwirtschaftet und gleichzeitig 12.000 EURO ausgibt, bleiben ihm 3.000 EURO zum sparen. Es ist ganz klar, dass hier immer eine Differenz bestehen bleibt, da Menschen mit hohem Lebensstil eher dazu tendieren, die Ausgaben als normal zu sehen und diese sogar zu steigern. Und klar hat das etwas mit Lebensqualität zu tun, wenn ich mich daran gewöhnt habe. Ich hatte eine ähnliche Diskussion mit einem guten Studienfreund von mir. bei unserem letzten Treffen sagte er mir, dass er mich um meine Situation beneide. Er selber würde auch gerne so viele Rücklagen haben, aber trotz sehr gutem Verdienst bleibt ihm kein Geld übrig. Im Gegenteil, in schlechten Monaten ist er im Minus. Er verdient mehr als ich, aber natürlich hat die Lebensqualität mit teurer Wohnung, Auto und teuren Urlauben sowie immer mal wieder einigen teuren Konsumsünden damit zu tun, dass es nicht reicht. Dazu kam dann die Pflegebedürftigkeit seiner Mutter, die finanziell wohl alles durcheinander wirbelt. Wenn man so weit drinnen ist, kommt man selbst mit sehr viel Kraft nicht so ohne weiteres raus, weil viele Ausgaben einfach als gegeben gesehen werden. Und ich schätze, dass trifft auf mindestens 80% unserer Bevölkerung zu. Unter dieser Prämisse hat Herr Komer sogar recht: Ohne die Aufgabe gegebener Kosten, die als Lebensqualität eingestuft werden, ist es kaum möglich finanziell frei zu werden. Die Sparraten gemessen an den Ausgaben sind einfach zu niedrig. Und deshalb ist sein Statement mit der substantiellen Schrumpfung des Lebensstandards aus seiner Warte nicht von der Hand zu weisen. Das es einem ins Grab bringt, finde ich dann doch übertrieben. Der Denkfehler dabei ist: Es ist seine Warte. Jeder Mensch hat andere Erwartungen an sein Leben und wenn meine Erwartung ist, alles teure mitzunehmen, wird die finanzielle Freiheit keine Lösung für mich sein. Genauso wie man weder die perfekte Hausfrau und gleichzeitig die Vorstandsvorsitzende von Siemens sein kann. Es sind konträre Ziele, die einfach nicht zusammenpassen und wenn von außen nicht irgend etwas besonders außerordentliches passiert wie z.B. Geburt in einer steinreichen Familie, ist es nicht umzusetzen. Mein Rat an jedem: Sich zu überlegen, was man in seinem Leben möchte und dann versuchen, dieses umzusetzen. Zur Inflation von Bloggern zu diesem Thema ist ja schon einiges geschrieben worden. ich finde es nicht schlimm, dass es mehr Leute gibt, die sich in diesem Punkt engagieren. Im Gegenteil: Es zeigt, dass viele Leute Problemlösungen zur völlig unqualifizierten Strategie in Bezug auf Renten des deutschen Staates suchen. Es ist für mich eindeutig positiv besetzt. Wird viel Quatsch geschrieben? Ja, natürlich, aber das ist nur der Lernprozess jedes einzelnen. Selbst alte Hasen, die lange investieren und viel Erfahrungen besitzen, produzieren auch immer wieder Quatsch, vielleicht nur ein bisschen seltener. Aber als Leser kann ich selbst von Quatsch noch lernen, wenn ich selber mein Hirn einschalte und nicht alles glaube, was irgendwo steht. In den professionellen Medien werde ich auch immer wieder von Quatsch heimgesucht, ich brauch mir ja nur die Kommentare beim Spiegel durchzulesen oder die Nachrichten anzuschauen. Manche sind euphorisiert, weil ihnen der Gedanke “finanzielle Freiheit” so gut gefällt und dann mit zu hohen Renditen rechnen. Es sei ihnen verziehen, so lange sie nicht demotiviert werden und stur weiter sparen, auch wenn sie feststellen, dass es länger dauert. Neben der Sturheit, der Regelmäßigkeit und des regelmäßigen Verdienstes gehört leider auch ein bisschen Glück dazu. Die Börsen sind auf mittelfristiger Sicht nicht sonderlich berechenbar und selbst ich traue es mir nicht zu, obwohl ich seid 1984 Aktionär bin, etwas verbindlich vorauszusagen. Hoffnung ist sicherlich eine Komponente, die man dabei hat. Die richtigen Firmen zu erwischen, in Börsenphasen zu investieren, die für mich positiv sind und nichts durch äußere Lebensumstände verkaufen zu müssen. Von daher wird nicht jeder finanziell frei, es ist kein Spaziergang, auch wenn manche Leute das meinen. Das wichtigste ist, sich einen Kapitalstock zu schaffen und dann zu hoffen, dass er irgendwann die Hauptarbeit für mich stemmt. Seien wir ehrlich: mit 500 EURO monatlicher Sparrate werde ich erst nach sehr langer Zeit auf die Million kommen. Wenn man sich die Zinsrechner anschaut, erreiche ich das in erster Linie, weil ich durch die Beträge den Kapitalstock geschaffen habe. Ist er einmal da, dann kann ich durch Zeit tatsächlich damit rechnen, dass er die meiste Arbeit für mich übernimmt. Aber das kann dauern und wenn schwache Börsenphasen dazwischen kommen, auch gerne mal 10 Jahre… Read more »

Gast
Sunnyberny

Ich stimme Kommer in den meisten Punkten zu. Insbesondere ist mir überhaupt nicht klar, was finanziell frei überhaupt bedeuten soll.

Eine von vielen möglichen Definitionen wäre, dass man nicht mehr arbeiten müsste um seinen derzeitigen Lebensstandard fortzuführen. Inwieweit ist das jedoch wirklich relevant? Ich kenne genügend Beispiele von Menschen die gerne arbeiten (sogar über das Rentenalter hinaus) und ihre Arbeit selbst als Teil der Selbstverwirklichung ansehen. Teilweise kommt es mir so vor, dass Arbeit als Sklaventreiberei dargestellt wird von der man so schnell wie möglich „frei“ kommen müsste. Nur was dann? Endlich frei, endlich richtig leben? Viele Menschen gehen mit tausenden von Zielen (noch ein Studium, Freiwilligenarbeit etc) in den Ruhestand und verwirklichen davon dann doch nur wenig. Ich denke zudem dass die meisten Menschen die signifikantes Geldvermögen ansparen, mit einem großen Teil dieses Geldes sterben. Dh effektiv genutzt wird die „geglaubte Freiheit“ dann letztendlich doch nicht.

Eine andere Definition wäre dass Geld keinerlei Beschränkung darstellt. Hierunter würde nur ein sehr kleiner erlauchter Personenkreis fallen. Wer kann sich schon mal eben die 10 Millionen Villa in Bogenhausen leisten ohne dass ihn die Kosten überhaupt interessieren würden?

Die gleichen Terminologie Probleme habe ich mit dem Wort passives Einkommen. Rendite ist normalerweise Prämie für Risiko oder Illiquidität. Dh es könnte durchaus sein (wenn auch unwahrscheinlich), dass selbst über einen sehr langen Zeitraum eine negative Rendite entsteht. Der Begriff Einkommen bezeichnet für mich allerdings sichere Zahlungsströme. In der Vergangenheit wurden sichere Zahlungen jedoch langfristig mit einer inflationsbreinigten Nullrendite entlohnt.

Gast
Sunnyberny

Noch ein weiterer Punkt: Konsum sowie berufliche und private Ziele passen sich immer auch (zumindest ein Stueck weit) den Moeglichkeiten an. Das ist Teil der menschlichen Natur und macht es schwer zu sagen: “jetzt ist genug, genug gearbeitet, genug verdient, genug erreicht (beruflich/ privat), genug gesehen etc”. Dies fuehrt dazu dass der “zukuenftige Konsumwunsch” (der bei “gewuenschter finanzieller Freiheit” durch entsprechend Kapital gedeckt sein muesste) praktisch kaum vorhersagbar ist. Auch deswegen ist “finanzielle Freiheit” eher ein theoretisches Konzept. Hinzu kommt noch, dass das Leben tausende ungeplante Wendungen nehmen kann – eine Lebenssituation die vorher als “finanziell frei” angesehen wurde, koennte ploetzlich nicht mehr als solche gelten, oder umgekehrt.

Ein Beispiel: ihr seid 60, angestellt, habt fuer euch und eure Familie “ausgesorgt”, und plant eigentlich jetzt in Fruehpension zu gehen. Ploetzlich wird euch eine Stelle angeboten die euch nochmal richtig viel Geld + hoehere Pensionsansprueche bringt. Koennt ihr wirklich “finanziell frei” entscheiden ob ihr die Stelle annehmt oder in Rente geht? Mit dem zusaetzlichen Geld koenntet ihr euren geplanten Lebensstil (oder den anderer euch wichtiger Personen) in jedem Fall ein Stueck weit erhoehen, unabhaengig wie hoch dieser schon ist. Aus meiner Erfahrung endet das nie (ausser man beschraenkt sich entsprechend selbst), dh die Moeglichkeiten zusaetzliches Geld auszugeben sind praktisch unbeschraenkt, zB bessere Altersversorgung/ Unterbringung, schoenerer/ groesserer Wohnraum, Urlaube, Schmuck, Autos, Uhren, Moebel, Essen, Weitergeben an Familie oder Wohltaetigkeit (siehe Bill Gates, Warren Buffett). Fuer quasi jede Vermoegenshoehe, gibt es ein entsprechendes Angebot.

Theoretisch koennte man jeden der die Grundbeduerfnisse decken kann, als finanziell frei bezeichnen (im Extremfall selbst einen Arbeitslosen mit entsprechender staatlicher Unterstuetzung), wer ist jedoch praktisch wirklich finanziell frei – ausser vielleicht “dem Milliardaer” oder “dem einsam auf einer Insel lebenden” fuer die Geld keinerlei Beschraekung darstellt? Im uebrigen kann selbst ein Milliardaer durch die Aussicht auf noch mehr Geld/ Macht etc angetrieben sein, und ist damit auch unter Umstaenden nicht finanziell “frei”.

Gast
Joerg

Hallo, sich Entruesten macht auch mal Spass, gell?

der Blog-Beitrag war leider nur die 3.Schicht(Dritt-Verwertung) nach:
1.Schicht = Vortrag Muenchen (siehe Youtube-Beitrag von Geldfrau https://www.geldfrau.de/vermoegensaufbau/finanzielle-freiheit-ist-eine-illusion-gerd-kommer-kapital-gipfel-2018/)
2.Schicht = Folien vom Vortrag (siehe https://www.gerd-kommer-invest.de/wp-content/uploads/Finanzielle-Freiheit-%E2%80%93-Ein-Schlagwort-mit-zu-vielen-Fragezeichen.pdf)
3.Schicht = Blog-Beitrag (Link, siehe ganz oben)

Wer sich also fuer weitere Erkenntnisse interessiert, koennte in der Reihenfolge die Beitraege durchlesen/hoeren.
Wer nur den Blogbeitrag liest, verpasst ggfls die tiefere Herleitung der Kritik an FF von GerdK?

Fuer mich sind folgende Thesen in dem Material-Dreiklang nachvollziehbar und korrekt:
1) Nicht alle verstehen unter FF das selbe.
(fuer mich: FF ist erreicht, wenn theoretisch nicht mehr einer berufl. Taetigkeit nachgegangen werden MUSS, um den gewuenschten Lebensstandard mit hinreichender Sicherheit bis zum Ableben zu halten [ok, schon zu schwammig :-)];
Wenn die Arbeit aber Spass macht, ist FF rel. irrelevant …)

2) Die meisten Konzepte fuer FF sind entweder nicht fuer den Mainstream geeignet oder ueber-optimistisch
Bsp: Unternehmertum [Miet-Immos? Firmen?]; extr. Sparsamkeit [finanziell-umdenken? frugalisten?]; unreal. Reich-rechnerei mit Nominal-Renditen (B.Schaefer? u.vi.an.)

3) Ueberschaetzung der zukuenftigen Realrenditen
Diesen Punkt fand ich pers. am interessantesten (https://www.geldfrau.de/vermoegensaufbau/finanzielle-freiheit-ist-eine-illusion-gerd-kommer-kapital-gipfel-2018/#comment-194) und glaube,
dass er unter Finanzbloggern/Kommentatoren am weitesten verbreitet ist (http://grossmutters-sparstrumpf.de/darf-ich-mir-nur-eine-aktie-kaufen/#comment-1101).
Dazu gibt’s zwei Fallstricke:
a) Inflation (die 100k von heute sind eben nicht 100k Kaufkraft in der ferneren Zukunft).
Weil es jedoch schwer vorstellbar/unbekannt ist, wieviel unser Geld in weiterer Zukunft “wert” ist, bzw wieviel ich fuer den pers. Lebensstandard in 20, 30, 40 Jahren brauchen werde?
Schlaegt GerdK vor, die langfristige durchschnittl. Realrendite von 5,2% p.a. (nach Inflation und Steuern auf Ausschuettungen, aber vor Kosten und Steuern beim Entsparen) eines breiten Weld-Index,
um 1/3 (33,3%) fuer Kosten (TD/TER, Verkaufskosten) und Steuern (zZ 26,375% auf Ausschuettungen/Kursgewinnrealisierung) zu bereinigen.
Also gleich mit 3,5% p.a. Realrendite zu rechnen (bezogen auf ein 100% Welt-ETF-Portfolio)
[Hier treffen wir uebrigens die ~4% Entnahme-Faust-Regel wieder und sehen auch, weshalb sie auf Kante genaeht ist: die mittel/langfristigen Realrenditen geben kaum mehr her … 3,5% sind sicherer]
b) Es wird mit optimistischen Vergangenheits-Aktienmarkt-Renditen gerechnet (das eigene Geld virtuell in die Zukunft verzinseszinst), obwohl
– i.d.R. selten 100% marktbreite Aktiendepots vorliegen, sondern Depots mit 100% minus Geld/Bonds% (mit 0% oder NEGATIVER realer Rendite; also tatsaechlichem Uebervermindern des Aktien-Anteils!)
Bsp: 70% Welt-Aktien-ETF mit 5,2% p.a. und 30% Tagesgeld mit -1,5% p.a. ergibt eine Erwartung von einer Gesamtrealrendite von 5,2*0,7 – 0,3*1,5 = 3,64% – 0,45% = 3,2% p.a. Realrendite.
Hand auf’s Herz, wer rechnet mit einem Rendite-Malus auf seinen Aktien-Depot-Anteil durch alle Geldwerten-Anlagen im pers. Besitz?
– Steuern werden – wenn ueberhaupt – nur auf Ausschuettungen beruecksichtigt (netto Rendite) jedoch nicht auf das wesentlich wichtigere:

4) angesparte Aktien/ETF-Vermoegen: wenn du zB heute 360k Depotvol erreicht hast, dann besteht das Depot aus (je nach Genese) 30-60% Kursgewinnen.
D.h. die 360k “gehoeren” dir nicht wirklich, obwohl der Depotauszug das anzeigt. Sondern bei 50% Kursgewinnen, gehoeren dir nur 180k Sparanteil + (~180k Kursgewinne x 0,75 =) 135k = 315k “nach Steuern”.
Also, wenn du alles heute liquidierst und nach NeuSeeland auswanderst, gibt’s einen ploetzlichen, realen Kaufkraftschwund!
45k die du in deinem Depot von 360k “siehst” gehoeren in Wirklichkeit Papa Staat (ausser du wanderst fuer ein Jahr nach Portugal aus ;-).
Trotzdem tust du so, als koenntest du sie “irgendwann” verfruehstuecken.
Nun sind sie auch nicht zu ignorieren, weil sie ja dazu helfen neue Euronen zu gebaehren und du Steuern zZ bis zum Anteils-Verkauf stunden kannst.
Aber als konservativer Kaufmann, koenntest du auch mit 305k Depotvolumen rechnen und waerst dann eben realistisch, “weniger finanziell frei” bzw noch vor deinem Ziel von “echten, eigenen” 360k, die dir hoffentl. unendlich 1.000 EUR netto Ertrag/mo ermoeglichen.

Insofern bin ich GerdK dankbar fuer diese Geraderueckung. GerdK in die Verschwoerungsecke von DFA zu schieben hilft hier auch nicht weiter?

Meiner Persoenlichkeit schadet es nix, erstmal ein’s vor’s Schienbein zu bekommen, “pruefet alles und das Gute behaltet …”

Gast

Lieber Maschinist,
warum selbst so arrogant? Kommer ist ein nüchterner Analytiker. Nur so kommt man ihm bei.
Dass er mit seiner Analyse provoziert, war sicher genauso beabsichtigt. Warum? Weil Kommer vielleicht in die Bloggerszene, die er schätzt by the way, bei diesem Thema mal frischen Wind reinbringen wollte. Und weil er gern doziert? 🙂 Inhaltlich stimme ich ihm in vielen Punkten zu, ohne darauf einzugehen. Wurde genug geschrieben.
Nur eines: Die Kunden, die Kommer betreut, müssen 500.000 € Vermögen besitzen. Hier ist anzunehmen, dass diese Menschen soviel Geld verdienen, dass von Konsum-Verzicht nicht die Rede sein kann.
Frohes Weiterdiskutieren – Dani

Gast
Smartinvestor

@Oliver
“Selbst alte Hasen, die lange investieren und viel Erfahrungen besitzen, produzieren auch immer wieder Quatsch, vielleicht nur ein bisschen seltener.”

Ich würde sagen, der Kommer produziert sogar sehr viel Quatsch am laufenden Band, nämlich seit er sich mit dieser sektenähnlichen Dreibuchstabenfirma DFA eingelassen hat und deren Smart Beta / Dumb Alpha US-Schrott in den deutschen Markt reindrückt, obwohl das keiner haben will und fast alle wirklich smarten Blogger und Medien erfreulich dagegen halten, natürlich laut K. “an der Oberfläche oder enthalten substanzielle Fehler, sensationalistisch, holzschnittartig und/ oder voreingenommen”. Wenn ein angeblich so rationaler Mensch so blumig wird, hat er es wohl sehr sehr nötig.

Ich frage mich echt, ob der diesen schon auf seiner Homepage zu findenden Widersinn a) selber glaubt, b) wider eigenes besseres Wissen verbreitet, um mithilfe DFA absahnen zu können oder c) auch provozieren und sehen will, wer es alles nicht merkt. Die kann er dann nach Belieben zum Absahnen manipulieren. Seine Zeit in der Finanzindustrie hat ihm jedenfalls nicht gutgetan. Aber es wird mehr und mehr bemerkt, wenn man dies hier alles oder auch in anderen Foren und Blogs liest, wie z.B. beim Finanzwesir:

“Werter Finanzwesir,
Leider gibt es auch andere Kollegen, die aus verschiedenen Motivationsgründen alles wieder viel komplizierter darstellen und das einzig Wesentliche, überhaupt breit gestreut investiert zu sein, aus den Augen verlieren und die Anleger verunsichern. Danke das du dazu beiträgst, den Großteil der bislang nicht investierten deutschsprachigen Anleger den Zugang der Börse zu erleichtern.”

Quelle:
https://www.finanzwesir.com/blog/etf-laufende-kosten#1528321597

Welche Vermögensschäden er damit anrichtet, findet man auch beim Finanzwesir von totalen Anfängern:
“Aber “normale” ETFs? Jetzt hat Kommer es geschafft, dass ich auf Multifaktor setzen möchte. Ich finde, wenn man sich einfach daran hält, was er als mehr oder weniger geeignet befindet, macht man bestimmt nichts falsches.”

Multifaktor Smart Beta ETFs sind bekanntlich reine Marketing-Gags, die die ETFs nach längerer Durststrecke endlich wieder in für die gierige Finanzbranche lukrativere Gebührenbereiche liften sollen.

Und damit möglichst viele Kommer-Kopisten folgen, hat er all die wegen Wettbewerbsdruck weniger lukrativen Single Faktor ETFs aus seinem Weltportfolio eliminiert und empfiehlt jetzt ausschließlich Multifaktor-ETFs. Und das obwohl er schon selber festgestellt hat, dass seine Empfehlung von Rohstoff-ETFs total in die Hose gegangen ist und er jetzt zum ungünstigsten Zeitpunkt seinen Tracking Error Regret verlustreich in breiter Öffentlichkeit realisiert. Das sieht zwar sehr offen aus, aber damit bringt er auch wieder Bewegung in die Kundendepots hin zu teureren Dumb Alpha Produkten hinein, dem sicher so einiges Dumb Money folgen wird.

Ich finde das alles widerlich, wie der sich erst so einen total anlegerorientierten Ruf bei der Etablierung von “normalen” marktbreiten ETFs aufbaut, um dann mit großer Popularität die Massen in die überteuerten Produkte reinzudrücken.

Gast
Daenzer

Hast du etwas weiterführende Literatur für die Aussage, Multifactor ETF seien bekanntlich reine Martketing-Gags?

Gast
Smartinvestor

Gerne, hier:
https://www.researchaffiliates.com/en_us/publications/articles/626-live-from-newport-beach-its-smart-beta.html.html

“Live from Newport Beach. It’s Smart Beta! By Feifei Li John West, AUGUST 2017

Key Points

The outperformance observed before a typical smart beta index is launched virtually disappears once it’s live, yet most investors are making decisions on backtest results.
Two traits common to backtests—overfitting (or data-snooping bias) and ignoring transaction costs—bias investors’ live return expectations higher than may be realistic.
By expecting lower performance than backtest results show, questioning how those results were achieved, and selecting a strategy built on sound economic theory, smart beta investors can frame more realistic performance expectations. “

Gast
Daenzer

Vielen Dank für den interessanten Link! Der Ansatz, der verfolgt wird ist, ist bei den Autoren natürlich richtig und nachvollziehbar. Vor allem das Berücksichtigen der trading costs ist essentiell, wenn man einen Vergleich anstellen möchte. Andererseits ist mir persönlich der Untersuchungsbereich des Autorenduos zu eng. Es wird lediglich der US-Markt untersucht, was leider nicht meiner asset allocation entspricht und daher für mein Portfolio wenig Aussagekraft bietet. Zum anderen halte ich es für methodisch schwierig, eine derart kurze live duration zu untersuchen. Dass das nicht anders geht, liegt in der Natur der Sache, da auf einige Faktoren die handelbaren ETF noch nicht früher verfügbar waren.

Leider findet sich in dem Artikel nichts zu einem integrierten Multifaktorkonzept. Es werden lediglich einzelne Faktoren untersucht.

Ich halte es da persönlich eher mit Kommer: Man kann es machen, aber tatsächlich auch nur dann, wenn einem die Herleitung und wissenschaftliche Basis der Faktorprämien einleuchtet und man weiß, was man da tut.

Gast
Smartinvestor

Genau, wissen was man tut ist immer der beste Weg. Und der gründet sich ausschließlich auf den eigenen gesunden Menschenverstand, wie ich ihn genau parallel zu deinem Beitrag näher beleuchtet habe. Und der scheint dem Kommer, obwohl er selber dazu rät, m.E. entweder total abzugehen, aber das schon in fast autistischem Ausmaß, oder er verleugnet ihn aus durchsichtigen Gründen. Beides wäre für einen so populären Finanzbuchautor nicht rühmlich und für Anleger in Deutschland sehr vermögensschädigend.

Gerade ist mir eine Idee zur wirksamen Bekämpfung dieser Massenverblödung gekommen: Legen wir alle zusammen und lassen die original Bogle-Bible “The Little Book of COMMON SENSE INVESTING” übersetzen? Die Hinweise für die spezifischen Gegebenheiten am deutschen Finanzmarkt können wir dann gemeinsam über einen kollaborativen open source Ansatz ergänzen. Und dann stellen wir das kostenfrei online zur Verfügung mit Downloadzähler, breit kommuniziert über alle Finanzblogger und Frugalisten, und geben es über alle anderen gängigen Buchformate zu Selbstkosten ab, um endlich ein wirksames Zeichen zu setzen. Vielleicht kann man so auch schon die Übersetzung angehen. Was haltet ihr davon?

Gast
Smartinvestor

Ich wollte gerade anfragen, ob eine Übersetzung der Bogle-Bibel ins Deutsche vielleicht schon geplant ist, da entdecke ich genau dieses hier:
https://www.amazon.de/Das-kleine-Handbuch-vern%C3%BCnftigen-Investierens/dp/3959721323/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1528840251&sr=8-4&keywords=john+bogle
Hab ich gleich vorbestellt: “Dieser Titel wird am 8. Oktober 2018 automatisch drahtlos an Ihren Kindle geliefert…”

Endlich kommt Hoffnung für deutsche Anleger auf. :-)))

Gast
Smartinvestor

Um solche und die Vielzahl der anderen Marketing-Gags der gierigen Finanzbranche auch ohne aufwändige Literaturrecherche leichter erkennen und von den ganz seltenen wertvollen Finanzinnovationen unterscheiden zu können, wie z.B. Indexfonds/ETFs vor fast 20 Jahren oder Liquid Alternatives vor ca. 10 Jahren, ist es m.E. am besten, den gesunden Menschenverstand zur trainieren und walten zu lassen. Der setzt sich aus guten Grundlagenkenntnissen und einer auf dieser Basis trainierten Intuition zusammen. Sehr hilfreich zu deren Training ist nach eigener Erfahrung der Begründer des passiven Investierens, John Bogle, um ein solides Anwendungswissen der Effizienzmarkt-Hypothese (EMH) aufzubauen, die er dort didaktisch meisterhaft aufbereitet hat:
“The Little Book of COMMON SENSE INVESTING – The Only Way to Guarantee Your Fair Share of Stock Market Returns”, http://213.55.83.214:8181/Management/01278.pdf:

“When active managers of equity funds claim to have a way of uncovering extra value in our highly (but not perfectly) efficient U.S. stock market, investors will look at their past record, consider the manager’s strategies, and invest or not. These new [factor] index managers are in fact active managers. But they not only claim prescience, but a prescience that gives them confidence that certain sectors of the market (such as dividend-paying stocks) will remain undervalued as far ahead as the eye can see.“

Das heißt, ich rate konkret, sich eine zeitlang fast religiös in dessen Werke und ewigen Weisheiten zu vertiefen. Dann kann man fortan auf dieser Wissensgrundlage Abweichungen von der EMH viel besser und sicherer bewerten. Mir war z.B. nach eigenem Bogle-Bibelstudium Ende der 90er Jahre dann vor ca. 10 Jahren klar, dass die damals gehypten Rohstoff-ETFs auch genau so ein Marketing-Gag waren. Kommer hat sich dessen natürlich entweder naiv rational oder wider besseres Wissen nach Kräften bis vor kurzem bedient. Erst jetzt in der 2018-Auflage seines Buchs “Souverän investieren” muss er zugeben, dass es eine Täuschung aufgrund der bekannten Marktdynamik war – jetzt mit “Finanzialisierung der Commodities” verbrämt, damit es als ganz neuer Effekt erscheinen soll – und bläst jetzt 2018 erst zum wahrscheinlich ungünstigsten Zeitpunkt im Preistief zum Aus- bzw. Umstieg in die nächste – jetzt aber offensichtlich bewusste – Täuschung mit Multifaktor.

Bei diesem ganzen durch Multifaktor jetzt noch multiplizierten Smart Beta-Zeugs fragt man sich also, wie kann man mit einer massenhaft gehypten pseudo-aktiven Anlagestrategie auf Basis eines starren passiven Index langfristig Outperformance erzielen? Der dank Bogle oder auch Finanzwesir gesunde(te) Menschenverstand sagt einem doch auch hierbei, dass das in sehr effizienten Märkten gar nicht möglich ist. Denn die sorgen auch hier zuverlässig dafür, dass breit bekannte Ineffizienzen, die ausschließlich im überoptimierten Backtest virtuelle risikoadjustierte Mehrrendite generiert haben, bald verschwinden.

Man kann ganz allgemein wie Bogle davon ausgehen, dass das ausschließlich klappen kann, wenn man die richtigen aktiven Manager auswählen kann. Das ist jedoch nicht trivial. Alles andere ist Investment-Pornographie. Die vertritt Kommer somit auch auflagenstark und wirft kräftig mit Steinen in seinem Glashaus. Das wirkt schizophren oder lächerlich und ist vermutlich bewusste Täuschung, denn dumm ist der ja nicht. Aber sehr viele fallen leider wegen mangelhafter oder meist völlig fehlender Finanzbildung auf solche billigen Marketing-Gags selbstschädigend herein und nähren diese Leute reichlich mit Dumb Money.

Und zum Dank oder vielmehr zur Erhaltung ihrer zweifelhaften Existenzgrundlage bekämpfen diese Leute nun mit dümmlich provozierenden Reden und Artikeln die Wurzeln ihres eigenen Erfolgs. Denn dieser Kommer hat ja vor langer Zeit auch mal als kleiner Revoluzzer gegen das Finanzestablishment gestartet, dessen Grundannahmen noch wirklich passiven Investierens à la Bogle zu der Zeit von dem damaligen Establishment mit breitem Konsens ebenso lächerlich gemacht wurden. Jetzt ist er selber vom früher zu Recht bekämpften Finanzestablishment eingefangen worden, vertritt dessen zweifelhafte Erfolgsgrundlage und Markteting-Gags und schwingt deren primitive Keule gegen neue Revoluzzer, die sich bei der heutigen Entwicklungsdynamik eher früher als später in der Breite durchsetzen werden.

Da bin ich mir ganz sicher. Denn das Haus des wahren passiven Revoluzzers John Bogle, der als einer der ganz Wenigen seiner Revolution bis jetzt ins hohe Alter von fast 90 absolut konsequent treu geblieben ist, setzt als weltweit zweitgrößter Vermögensverwalter jetzt mit fast unglaublichem Wachstum von +15% p.a. ggü. dem (noch) ersten Blackrock mit nur 8% zum Überholen zur weltweiten Dominanz an. Sobald das eingetreten ist, hoffe ich, dass vielleicht doch endlich ein allmählicher grundlegender Wandel in der Finanzwelt zum besseren rationalen und ethischen Verhalten einsetzen wird. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Glück zuletzt. Bekämpfen wir mit aller argumentativen Kraft die Bekämpfer dieser Hoffnung, die sich noch immer durchgesetzt und das Leben auf diesem Planeten ein kleines bisschen besser gemacht hat. Es lebe FF – frugal und antifragil.

PS: Hier meine sehr überschaubare persönliche Liste der Hoffnungsträger in der zur Zeit noch trostlosen Finanzwüste in alphabetischer Reihenfolge, auf die man zur Schulung der eigenen Urteilsfähigkeit bedenkenlos setzen kann: Bogle, Warnecke (Finanzwesir), Soros, Swensen, Taleb.

Gast
Oliver

Hallo Smartinvestor,
so kritisch sehe ich Herrn Kommer nicht wie Du. Er macht auch nur sein Ding. Ich habe zwar mit solchen Vehikeln nichts am Hut und ich möchte für meine Finanzanlagen so wenig Zwischenhändler wie möglich, aber um es wirklich beurteilen zu können müsste ich mich mit diesen Papieren auseinandersetzen. Diesen Drang spüre ich nicht, weil ich inzwischen größtenteils aus der aktiven Investmentphase draußen bin. Ich lege nur noch überflüssiges Geld an, wenn ich aktiv mal wieder einen IT Auftrag nach Lust und Laune übernehme. Ich habe sowieso wesentlich mehr dieses Jahr angelegt, als ich geplant hatte. Juni wird der erste Monat sein, wo ich seid Urgedenken keine neue Aktien kaufe.

Alles in allem habe ich kein ETF-Sparen betrieben. Wo ich angefangen habe, gab es die schlicht nicht. Aktive Aktienfonds haben mich damals interessiert, die Gebühren waren mir zu hoch. Ich habe in einer Bank eine Ausbildung gemacht und von daher war ich bei den Themen schon damals gut informiert. Danach habe ich für eine kurze Zeit sogar für eine amerikanische Investmentbank gearbeitet und Anleger zu Aktieninvestments beraten und gehandelt. War spannend und seitdem lege ich mein Geld rein in Aktien an. Ausnahme ist ein kleiner Posten World-ETF. Die sind von Blackrock, wo ich natürlich Aktien besitze. Blackrock war bisher um Längen besser :).

Zu Herrn Kommer: Er weiß, dass es einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt und natürlich viele Leute, die seine Anlagetheorien gerne mögen. Mir ist er in Blogs durch Artikel und Kommentare immer wieder über den Weg gelaufen, allerdings konnte ich mich nie sonderlich für seine Strategien begeistern. Ein wesentlicher Vorteil von ETFs ist doch, dass ich mich nicht großartig mit Einzelunternehmen befassen muss und ich selbst mit 100 EURO Anlagebetrag eine Riesenabdeckung bekomme und damit den eventuellen Dramen einzelner Unternehmen ausweichen kann. Das waren für mich immer die besten Argumente für ETFs. Andererseits habe ich es nicht verstanden, warum man sich unterschiedliche ETFs zulegen möchte, wenn es die Welt-ETFs gibt? Letztendlich wenn ich es ganz langweilig will, kauf ich immer den gleichen großen ETF eines bekannten Anbieters und alles ist prima. Dieses Schwellenlandding oder dann ein zweiter oder dritter Index habe ich nie verstanden. Ein ETF ist auch nichts anderes als ein Aktienportfolio, nur sehr viel diversifizierter. Chancen und Risiken sind ziemlich ähnlich zu einem Portfolio mit 50 Aktien, solange es gängige bekannte Firmen sind.

Jetzt kommst Du ins Spiel: Herr Kommer sagt also, dass man zusätzlich in Multifaktor Smart Beta ETFs gehen soll. Ehrlich gesagt: Ich verstehe noch nicht mal, was diese irrsinnige Zusammenballung von komischen Wörtern überhaupt ausdrücken soll? Wenn ich es mir dann durchlese (was ich nicht machen werde, weil ich besseres zu tun habe), würde ich es wahrscheinlich verstehen. Ich bin auch kein Fan von Rohstoff-ETFs. Da gibt es zum einen die schönen Goldmünzen und zum anderen die schönen Rohstoffunternehmen als AGs. Wenn es mir nach diesen Dingen ist, dann würde ich genau dort zuschlagen. Ich bin z.B. seid einigen Jahren u.a. bei der BHP Billiton Aktionär, damit habe ich sehr viele Rohstoffe abgedeckt. Wenn man sich den Kursverlauf anschaut, gibt’s da auch Hoch- und Tiefphasen. Gold besitze ich wenig, da ich davon als Anlageklasse nicht so viel halte, aber sie sind mir immer noch lieber als so ein Rohstoff-ETF.

Was jetzt die Beweggründe von Herrn Kommer sind, solche Dinge zu propagieren, weiß ich nicht. Ist mir aber auch egal. Ich bin der Meinung, dass man seinen Kopf selber einschalten soll und nicht irgendwelchen Leuten hinterherlaufen, über die häufig geredet wird. Man sollte sich immer seine eigene Strategie festlegen. Und seien wir ehrlich: Bei den ersten 100.000 EURO ist mit Abstand das wichtigste, wie viel ich selber spare. Die tollen Renditen werden erst mit einem vorhandenen Kapitalstock interessant. Alles andere ist doch nur Folklore. Wenn jemand wenig Arbeit möchte, kauft er einfach stur einen Welt-ETF und dann ist es gut. Es muss ja nicht jeder so wie ich Einzelaktien kaufen. Das machen nur die, die das Thema interessant finden und sich gerne mit Unternehmen auseinandersetzen. Halt so unverbesserliche Leute wie ich. Von daher hat er Herr Kommer mir nichts zu bieten, was mich weiterbringen könnte, egal was er anpreist. So sollte es übrigens bei fast jedem hier sein. Menschen wie Herr Kommer können einem Ideen bieten, Entscheidungen sollte man aber immer selbst treffen.

Grüße Oliver

Gast
Smartinvestor

“so kritisch sehe ich Herrn Kommer nicht wie Du.”

Hallo Oliver,

Das kann ich aus deiner Sicht gut nachvollziehen. Aber so abgeklärt und eigenständig wie du sind halt nur ganz ganz wenige. Das erkennt man an solchen Beiträgen von Einsteigern in Finanzblogs und Foren, hier beim Finanzwesir:

“Ich bin totale Anfängerin, hab vor ca. drei Monaten mit dem Thema Geldanlage angefangen.

Aber “normale” ETFs? Jetzt hat Kommer es geschafft, dass ich auf Multifaktor setzen möchte. Ich finde, wenn man sich einfach daran hält, was er als mehr oder weniger geeignet befindet, macht man bestimmt nichts falsches.”

Quelle: https://www.finanzwesir.com/blog/etf-laufende-kosten

Kommers vorgebliche Neutralität als Verfechter des passiven Investierens und seine hohe Popularität veranlasst vermutlich fast alle Einsteiger, die sein Buch meistens lesen, sich mehr oder weniger blind auf seine Empfehlungen zu verlassen. Das bewirkt er geschickt durch eine total verkomplizierte Darstellung eigentlich recht einfacher Zusammenhänge, wenn man passiv ernst meint, wie Bogle und Finanzwesir. Ein Gesamtwelt-ETF, z.B. auf MSCI ACWI IMI, buy-and-hold und gut ist es, wie du schreibst. Das wäre für mindestens 99% aller Anleger in der Tat das Allerbeste. Wahrscheinlich sogar für >99,99%. Denn um darüberhinaus Mehrrendite herauszuholen, muss man richtig “aktiv” werden und nicht nur so pseudo-aktiv mit Smart Beta = Dumb Alpha wie bei Kommer. Und das gelingt langfristig erfolgreich nur <0,01% Durch Kommer verführt, versuchen es aber vermutlich weit mehr als 90%, wie man bei Amazon leicht feststellen kann. Denn der oben zitierte Beitrag kommt ja nur von der 1%-Eisspitze, der aktive Onlinebeiträge schreibt. Aber die meisten kennen ja solche wertvollen Blogs und Foren überhaupt nicht. Die schauen nur kurz bei Amazon vorbei
http://www.amazon.de/gp/aw/d/B077BW4RXY/ref=ya_aw_dod_pi?ie=UTF8&psc=1
lesen die Jubelrezensionen der erdrückenden Mehrheit der anderen Verführten und folgen blind. Denn damit macht bei der durch totale Verkomplizierung zur Schau gestellten Kompetenz "bestimmt nichts falsches".

Natürlich macht man sich dann, eingelullt in diesen offensichtlich hoch-ansteckenden Kommer-ziellen naiven Rationalismus, auch das Gedankengut anderer seiner Schriften, wie die hier diskutierte FF-Schmähschrift, schnell und leichtgläubig zu eigen.

Wie gesagt, könnte ich mich als Alpha-Jäger ja nur freuen über das damit massenhaft erzeugte Dumb Money und ruhig sein, um diese ergiebige Marktineffizienz aufrecht zu erhalten. Aber vielleicht regt mein Denkanstoß mit naheliegenden Zusammenhängen doch den einen oder anderen zum Nachdenken an, um dann, wie du, auf das einfach profitabelste weniger ist viel mehr zu kommen. Mein Alpha-Ertragspotenzial würde davon nicht mal angekratzt. Und vielleicht ist es auch ein bisschen heilsam zu wissen, dass man mit dem blinden Folgen des Kommer-ziellen Widersinns außer Kommer und Co auch solchen Profiteuren, wie mir, die Taschen füllt. 😉

Gast
MrHappy

Ich habe mal versucht den Artikel von Herrn Kommer zu analysieren. Wer nicht alles lesen möchte, was ich gut verstehen kann, hier meine Kurzzusammenfassung: 1. Herr Kommer wirft ständig das KONZEPT FF, die WEGE dorthin und die FOLGEN von FF durcheinander. Dadurch geht die Argumentation oft ins Leere. 2. Herr Kommer sieht viele Dinge kritisch. Bei manchen muss ich vehement widersprechen (“Sparen = Senkung Lebensqualität”, Frugalimus geht erst bei 70% Sparquote los, “passives Einkommen = schädlich”), bei anderen stimme ich ihm zu (Risiken von Unternehmertum/Immobilienbesitz sollten beachtet werden, teilweise zu hohe Renditeversprechen, wer seinen Job nicht mag, sollte wechseln). 3. Es scheint ganz unterschiedliche FF-Communities zu geben. Herr Kommer kritisiert in Teilen eine sehr unseriöse Community, die ich so nie bewusst wahrgenommen habe. Mir erschienen viele der Beiträge, die ich gelesen habe, sehr durchdacht. 4. Herr Kommer verwendet eine Polemik, die in meinen Augen oft wenig zielführend ist. Ich habe nichts gegen Überspitzungen, jedoch sollten diese einem Ziel dienen. Hier nun meine Gedanken zu einzelnen Abschnitten: “Betrachtet man genauer, was “finanzielle Freiheit” (nachfolgend der Textökonomie halber “FF” abgekürzt) im Finanzratgeberbuchmarkt und in der Bloggerszene heißt, wird schnell klar: Der unbedenklich klingende FF-Begriff bedeutet alles – und sein Gegenteil.” –> Also ich versuche es mal mit folgendem Ansatz eine Definition, bei dem wahrscheinlich viele Blogger aus der Szene halbwegs mitgehen würden: “Finanzielle Freiheit bedeutet, dass die passiven Einnahmen einer Person jegliche Ausgaben übersteigen.” Herr Kommer, welcher Blogger vertritt jetzt das Gegenteil, also “Finanzielle Freiheit bedeutet, dass die passiven Einnahmen einer Person unter jegliche Ausgaben liegen.”? Ich habe den Eindruck, dass hier die Definition von FF und der Weg dorthin bzw. die Folgen in einen Topf geworfen werden. Sollte man vermeiden. “FF-Variante 1: Durch cleveres Investieren schnell und mühelos reich werden. Ein Beispiel für diese FF-Interpretation ist das Finanzratgeberbuch “Der Weg zur finanziellen Freiheit – Die erste Million in 7 Jahren” von Bodo Schäfer.” –> Auch wenn ich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Schäfers Strategie aufgeht, für eher geringe halte, wo steht bei ihm etwas von mühelos? Prinzipielle teile ich aber Kommers Einschätzung, dass dieser WEG zur FF eher unrealistisch ist. “FF-Variante 2: Radikal weniger arbeiten und/oder früher in Rente gehen. Zwei Beispiele für den Ansatz sind die Ratgeberbücher “Erfolgreiche finanzielle Freiheit im Schlaf” von Elisabeth Raynor und “Finanziell frei – Wie ich es geschafft habe mit 45 ohne Geldsorgen zu leben” von Monika Reich. Schon die Buchtitel lassen einen schmunzeln und in der Tat besteht beim Lesen der Texte stellenweise die Gefahr, die Ratgeberbücher mit Satire zu verwechseln.” –> Radikal weniger arbeiten ist eine mögliche FOLGE von FF, aber keinswegs die Definition von FF. Warum man dieses Ziel nicht verfolgen sollte, wenn man denn möchte, erschließt sich mir nicht. Genauso wenig begründet Herr Kommer, wieso er meint, dass die Ratgeber Satire wären.   “FF-Variante 3: Durch Existenzgründung zur finanzielle Freiheit.” –> Auch hier wieder, dies ist ein Weg zur FF und nicht dessen Definition. Existenzgründung ist in meinen Augen mit einigen Risiken verbunden. Aber sicher kann man damit sehr erfolgreich sein.   FF-Variante 4: Sich in die finanzielle Freiheit sparen. “Hier wird propagiert, aus der “Konsumgesellschaft” auszusteigen, keine “überflüssigen” oder “sinnlosen” Produkte mehr zu kaufen und generell “radikal weniger Geld zu verschwenden”. Praktisch bedeutet das, seine Konsumausgaben dauerhaft um 70% oder mehr zu senken. Im Ergebnis kann man sich leisten, deutlich weniger zu arbeiten, also z. B. nur noch einen Tag die Woche oder nur noch sechs von zwölf Monaten. Daraus resultieren naturgemäß mehr Spaß und Lebensgenuss. Ferner schont man dabei die Umwelt, denn man verbraucht nur noch, was “wirklich notwendig ist”.  Hierzulande nennt sich dieser FF-Ansatz “finanzieller Minimalismus”, im amerikanischen Original “Frugalism”. Dahinter verbirgt sich Brachialsparen als Pfad zur FF. Frugalismus hat sich mittlerweile zum weltweit dominierenden FF-Konzept entwickelt. Die Bücher und Blogs dazu haben längst die Grenze der Zählbarkeit passiert. Der vielleicht Berühmteste Frugalist ist Mr. Money Mustache in den USA.” –> Wo hat Herr Kommer denn diesen Quatsch her? Auch eine Person auf dem Weg oder in FF muss noch konsumieren. Wer hat das je abgestritten? Wo kommt die 70% her? Wieso geht es nicht mit 69%? Egal, Frugalismus ist ein WEG zur FF und nicht dessen Definition. “Zwischenfazit: Die unterschiedlichen Rezepte, die insgesamt rund um die emanzipatorisch klingende Sprechblase “finanzielle Freiheit” vermarket werden, sind entweder trivial (“gib’ nur Geld für wirklich wichtige Dinge im Leben aus”), schließen sich gegenseitig aus (“raus aus dem Hamsterrad” versus “werde schnell reich”) oder sind altbekannte, abgedroschene Investmentpornographie (“die erste Million in sieben Jahren” etc.).” –> Wenn dies alles so trivial ist, warum berichten dann so viele Menschen davon, dass ihnen durch die Bloggs quasi die Augen geöffnet wurden? Wegen zur FF stehen sich manchmal diametral gegenüber! Ja und? Viele Wege führen nach Rom. Die Bedenken, dass unter dem Mantel FF “halbseriöse Investmentpornographie” betrieben wird, teile ich jedoch auch. “Der Düsseldorfer Arzt und Finanzblogger Dr. Holger Grethe (www.zendepot.de) veröffentliche 2017 einen hellsichtigen Artikel mit dem Titel “Finanzielle Freiheit ist eine Illusion”. Grethe hat Recht. Wer etwas genauer nachdenkt, muss zum selben Schluss kommen. Warum hält er FF für eine Schimäre?” –> In dem Artikel geht es aus meiner Sicht eher darum, dass viele Jahren sich zum Job zu zwingen den Gewinn der FF nicht wert ist. Sehe ich auch so. Kann man auch anders sehen. Muss jeder selbst entscheiden. “Unterstellen wir für einen Augenblick, jemand – nennen wir ihn Hans – hat bereits einen tollen, ihn intellektuell und ethisch erfüllenden Job mit intelligenten, sympathischen Kollegen. Hans verdient 6.400 Euro netto, also viermal so viel wie ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer (gemessen am Median-Arbeitnehmereinkommen). Sein Gehalt empfindet Hans als angemessen und mehr als auskömmlich. Ist Hans “finanziell frei” oder wenigstens auf dem Weg zur finanziellen Freiheit? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.” –> Ich verstehe den Sinn des Beispiels nicht. Es kommt doch ganz darauf an, was Hans an passivem Einkommen hat, um eine Aussage zu seiner FF oder seinem Weg dorthin treffen zu können. FF-Befürworter würden Hans empfehlen passives Einkommen aufzubauen, falls es zu erwähntem Krankheitsfalls kommt. Ist doch in Ordnung. Woran stößt sich Herr Kommer? “Wie sieht… Read more »

Gast
Jürgen

Hallo,

ich war eher amüsiert beim Lesen seines Beitrags. Die Kritik daran kann ich verstehen. Ich glaube, dass die Wortwahl zu seiner Persönlichleit passt: intelligent, eher kühl-distanziert, überlegen und tendenziell humorarm oder mit einem etwas spezielleren Humor eben; Typ „Homo faber“.

Gruß

Jürgen

Gast
Smartinvestor

Sehr guter Vergleich mit “Homo Faber”. Nach Taleb ist das ein naiver Rationalist mit der “Sowjet-Harvard-Illusion:
“Diese Sicht hängt auch mit der fatalen Annahme der sogenannten „Sowjet-Harvard-Illusion“ (der Begriff spricht für sich selbst!) zusammen, man könne sämtliche politischen und gesellschaftlichen Prozesse durch den reinen Intellekt zentral überwachen und steuern.”
http://www.egotrip.de/?p=8385

Gast
Tino

Hallo zusammen!

Ich denke, es fühlen sich durch den Kommer-Artikel all jene angegriffen, die entweder selbst die FF anstreben, oder sie bereits erreicht haben. Hier gerät der eigene Lebensentwurf unter Beschuss und das mögen die wenigsten von uns.
Da ich zwar bescheiden lebe, aber keine FF anstrebe, kann ich hingegen nichts Verwerfliches an dem Artikel finden. Kommer sagt, FF sei undefiniert. Da würde ich ihm zustimmen. Der Maschinist ist bereits 1,5facher Millionär, geht aber immer noch arbeiten, um weitere Reserven zu generieren. Frugalisten-Olli möchte sich schon mit weniger als einer halben Million zur Ruhe setzen. Die einen möchten in der FF-Phase gar nichts mehr arbeiten, andere nur noch, was Spaß macht. Es bleibt eine Frage der individuellen Ansprüche, wann man sich sicher fühlt.
Der Maschinist regt sich darüber auf, dass Kommer behauptet, man verlöre seine Freunde, wenn man spart. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Er sagt nur, dass man Freunde verlieren KÖNNTE. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Freunde ähnlich sind wie ich und ein ähnliches Einnahmen- und Ausgabenverhalten haben wie ich, könnte das schon passieren. Wenn ich meine Konsumausgaben plötzlich drastisch reduziere und nicht mehr mit meinen Kumpels zum Wellnessurlaub nach Bali, zum Shoppen nach NY oder zum gemütlichen Essen ins Sternelokal mitkomme, KÖNNTE ich einige Freunde verlieren. Ich könnte, durch meinen neuen Lebensstil auch neue Freunde gewinnen. Daher ist das imho kein valides Argument, als Konjunktiv jedoch auch nicht verkehrt.
Monika Reichs Buch bezeichnet er als Satire. Auch hier stimme ich ihm eher zu. Bücher werden meistens von den Erfolgreichen geschrieben. Frau Reich ist hohe Risiken eingegangen und hat dabei gewonnen. Wären ihre Immobilien in die Zwangsversteigerung und sie selbst in die Privatinsolvenz gegangen, könnten wir darüber vermutlich in keinem Buch lesen. Wer ihren Weg heute als Blaupause betrachtet und ihn erneut zu gehen versucht, setzt sich erheblichen Risiken aus.

Alles in allem scheint mir sein Beitrag polemisch und an einigen Stellen überspitzt. Aber letzten Endes sagt er nur, dass die FF kein Konzept für die Masse ist und damit stimme ich überein. Trotzdem glaube ich, dass sie für den Maschinisten und Frugalisten-Olli aufgehen wird und wünsche ihnen weiterhin viel Glück dabei.

Für mich selbst muss ich feststellen, dass mein Verhalten gewissen Moden unterliegt. Früher hatte ich Auto und Motorrad und habe generell viel Geld ausgegeben. Heute betrachte ich eine eigenes Kraftfahrzeug als belastenden Besitz und spare über 50%. Auch für mich ist die FF verlockend. Aber ich denke, ich bin zu alt und meine Sicherheitsbedürfnisse sind zu groß, als dass ich sie noch erreichen könnte. Solange jeder der die FF anstrebt, seine eigene Wankelmütigkeit und den Grundsatz, dass Planung nur den Zufall durch den Irrtum ersetzt, im Hinterkopf behält und keine untragbaren Risiken zur Erreichung dieses Ziels eingeht, wünsche ich allen bei diesem Versuch viel Erfolg!

Gruß, Tino

Gast
Smartinvestor

Kommer behauptet in seiner FF-Schmähschrift: “Wer sich über die Route Sparsamkeit “finanziell frei” machen möchte, muss akzeptieren, dass damit eine substanzielle Schrumpfung seines Lebensstandards verknüpft ist – sofort und in der Zukunft. Ein ungeplanter Nebeneffekt könnte die Verkleinerung des Freundes- und Bekanntenkreises sein.”

Mir ist noch etwas aufgefallen, warum mich dieser Artikel so gereizt hat. Obwohl der Kommer ja sonst versucht, nur etwas zu behaupten, was mit ausreichend wissenschaftlicher Evidenz tausendfach nachgewiesen ist, egal wie naiv rationalistisch, ergeht er sich in diesem Artikel im Konjunktiv “könnte”. Die größte Frage ist dabei für mich, warum plötzlich diese auffällige Abweichung vom gewohnten Verhalten?

Also ich glaube, der Kommer versucht hier manipulativ, aus reinem Eigennutz zu suggerieren, dass Lebensstandard etwas mit Lebensglück zu tun hat.

Mit antifragilem Verständnis verhält es sich nämlich genau umgekehrt. Und das ist tausendfach wissenschaftlich nachgewiesen. Je frugaler man lebt, desto weniger verweichlicht man und gewöhnt sich nicht an unnötige kostentreibende Dinge. MMM in den USA hat das sehr gut dargestellt, dass man mit den meisten Konsumartikeln nur einen relativ kurzen Kick besseren Wohlbefindens erhält, der aber dummerweise schnell wieder auf den vorherigen Wert abfällt. Danach schleppt man das ständig zunehmende Zeugs ohne gefühlten Gewinn kostentreibend durch sein Leben. Also sollte es der pragmatisch rational Denkende und Handelnde doch lieber gleich sein lassen, oder?
https://www.mrmoneymustache.com/2018/04/10/hacking-hedonic-adaptation/

Mit nicht anders gewöhnter, ständiger Abhärtung, z.B. durch Kaltduschen, Fahrrad bei jedem Wetter fahren, gerade ausreichende min. Hygiene z.B. auf einem Bauernhof, vollwertig vegetarisch essen, kein Übergewicht, keine verblödende Unterhaltung, Alkohol, Nikontin, Drogen…, lebt man doch viel viel reicher und gesünder und unabhängiger und von Anfang an freier und flexibler und und und… mit minimalen Strukturkosten.

Das sind triviale BWL-Lehrinhalte im erstem Semester und strebt jedes gut geführte Unternehmen an. Das habe ich gleich am Anfang meiner Berufslaubahn bei einem seit über 100 Jahren erfolgreichen, technologischen Weltmarktführer gelernt. Cash muss in der Kasse bleiben und ich darf nur “gute Kosten” verursachen, die für Investitionen in die Zukunft stehen.

Aber diese konsumfeindliche Einstellung wird wohl weder von der Industrie im Allgemeinen noch von der Kommer-ziellen Finanzindustrie im Speziellen begrüßt. Denn der frugal Eingestellte kommt, wie wir alle hier sehen, natürlich durch viel mehr konsum- freie Zeit eher auf die Idee, dass man bei der eigenen Vermögensverwaltung auch viel Geld sparen, dadurch statt der Finanzbranche selber reich werden und noch viel Wertvolles dabei lernen kann, u.a. diese Kommer-zielle Verblödung zu durchschauen.

Also stimmt zwar die o.a. Aussage des Kommer rein sachlich. Aber sie ist manipulierend irreführend für jemand, der an einem wirklich guten Leben interessiert ist. Aber wer ist das eigentlich nicht? Konsumfeindlich ist Anti-Kommer-ziell und regt ganz natürlich den manipulierend suggerierenden Zorn des Kommer-z an. Das ist m.E. der Hauptgrund für diese ganze lächerlich widersprüchliche Schmähschrift.

Ich bin jedenfalls mit meinem monetär und auch sonst reichen frugalen Leben sehr zufrieden und wollte es mit keinem anderen eintauschen, der “standesgemäßer” lebt. Manchmal lasse ich mich gedankenlos vom Konsum verführen. Ich habe es noch jedes Mal bereut und bereinige das früher oder später durch Verkaufen, Verschenken oder Spenden. Und ich beobachte zumindest bei meinen Kindern, dass die ganz von allein eher noch mehr in diese frugale Richtung gehen, ohne je was von der Bewegung gehört zu haben, einfach weil es dem progressiven Zeitgeist entspricht. Meine Tochter arbeitet jetzt z.B. als hochqualifizierte Expertin sehr gut bezahlt in der zentralen F+E-Abt. bei einem HighTech-Weltmarktführer ohne eigenes Auto und wohnt zur Untermiete hard core frugal bei einem lokalen Künstler auf seinem Bauernhof und fühlt sich am Ziel ihrer aktuellen Träume. Man kann sich ausmalen, auf welche disruptiven Ideen sie dort vielleicht noch kommen wird. Vor denen haben Kommer und Konsorten wahrscheinlich die größte Angst.

Damit schließt sich für mich sogar der Kreis zurück zur Finanzwelt. Selbst dort funktioniert dieses antifragile frugale Prinzip. Für meine seit 20 Jahren deutlich den Markt schlagende Anlagestrategie gibt es z.B. nur ganz wenige Finanzprodukte, die das bewerkstelligen können: 1) Kostengünstigstes reines Beta in Form von wenigen marktbreitesten Standard ETFs insbes. von Vanguard, kombiniert mit 2) unkorreliertem reinem Alpha in Form von ganz seltenen wettbewerbsfähigen Managed Futures Liquid Alternatives. Damit hatte ich bei dieser ganzen unsinnig verwirrenden Vielfalt an Finanzprodukten bislang noch nie die Qual der Wahl verspürt. Ich hatte eher das umgekehrte Problem, überhaupt genügend der einzig richtigen Finanzprodukte zu finden, mit denen sich meine antfragile Strategie umsetzen lässt.

Ein Gutes haben Kommer u.a. sogar für mich, allerdings ganz anders als gedacht. Er generiert mit seinem auflagenstarken Hype von Smart Beta / Dumb Alpha im Verbund mit anderen Irrlehrern des Finanzestablishments nämlich viel Dumb Money, dass der langfristigen Erhaltung von wertvollen unkorrelierten Alpha-Ertragspotenzialen dient. Denn die speisen sich aus dem irrationalen Verhalten der meisten Marktteilnehmer. Das befeuert er damit, indem er dieses Zeugs auflagenstark in den Markt drückt und dadurch stärkere zyklische Unter- und Überbewertungen bewirkt.

Weniger ist also tatsächlich fast unglaublich viel mehr. Und aus dem belastenden Kommer-ziellen Überfluss der Mehrheit “könnte” der antifragil Frugale also noch mehr Profit schlagen, wenn er will. Und damit kann – nicht nur könnte – man wirklich viele Freunde anziehen, wenn man das überhaupt will. Hoffentlich kommt er nicht so schnell dahinter, welchen Bärendienst dieser Kommer sich und anderen damit erweist, mal ganz rational unter uns frugalen Glaubensbrüdern gesprochen. 😉

Gast

Hallo lieber Maschinist,
Mit Deiner Verwunderung über den – wohl doch etwas unsachlichen – Artikel von Hrn. Kommer bist Du nicht alleine. Auch ich habe den Artikel – wie hr. Kommer selbst meint wohlwollend – kommentiert:
https://meinefinanziellefreiheit.com/
Viele Grüße
MFF