Jeder kennt ja die banalen Contra-Aussagen zu Immobilien, wie „Immobilien sind immobil“ oder „Immobilien sind illiquide“. Und so banal die Aussagen klingen, die komplette Bedeutung und Tiefe ist mir nun erst klargeworden, nachdem ich nun meinen ersten Verkaufsprozess hinter mir habe. Von daher dachte ich, ich schreibe das hier mal als kleinen Erfahrungsbericht kurz zusammen.
Ich habe im August 2025 einen Makler damit beauftragt mich bei dem Verkaufsprozess einer Eigentumswohnung zu begleiten. Die Wohnung war ca. 3 Autostunden von meinem Wohnort entfernt, daher kam nur ein Verkauf über einen Makler in Frage. Die Wohnung war in einem Tip-Top Zustand in einer gefragten Lage in einer mittleren Stadt im Süden Deutschlands. Der Preis war so ziemlich der marktübliche Durchschnitt. Also alles in allem kein Ladenhüter. Und dennoch hat es viele Besichtigungen und Kommunikation gebraucht bis dann gegen Ende Oktober ein Käufer gefunden war. Der Notartermin fand dann im Dezember statt. Also zusammengefasst: von Inserat bis Notartermin sind gut 4 Monate vergangen.
Dann vergingen bis zur Löschung der Grundschuld und der tatsächlichen Kaufpreiszahlung weitere zwei Monate ins Land – was sicher zu einem guten Teil den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel geschuldet ist. Im Februar 2026 war der Verkaufsprozess nun endlich abgeschlossen und der Kaufpreis auf meinem Konto.
Aber damit ist die Geschichte für mich noch lange nicht zu Ende, denn die Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2025 und sogar für Januar 2026 laufen noch auf mich. Das bedeutet konkret, dass ich irgendwann Mitte 2027(!!), wenn die Hausverwaltung die Abrechnung für 2026 erstellt haben wird, ich die finale Abrechnung mit dem Käufer machen kann. Erst dann ist der Prozess tatsächlich komplett abgeschlossen. Absoluter Wahnsinn!
Im Nachhinein bin ich so froh einen guten Maler beauftragt zu haben, denn selbst wenn die Wohnung hier um die Ecke gewesen wäre, hätte mich der ganze Prozess und Aufwand so dermaßen genervt. Der Aufwand ist wirklich nicht zu unterschätzen: Es müssen Unterlagen aufbereitet werden, Abrechnungen, Protokolle der WEG-Versammlung und so weiter uns so fort! Das Exposé samt Fotos muss erstellt werden etc, die Besichtigungstermine, die Kommunikation mit den Interessenten...
Ich habe das vorher tatsächlich nie so im Detail durchdacht und reflektiert, aber der Aufwand und Zeitraum ist geradezu irrwitzig im Vergleich zu einem Aktienverkauf: Ins Depot einloggen, Verkaufen klicken und am nächsten Tag das Geld auf dem Konto haben!
Danke für deinen Erfahrungsbericht.
Klingt so, als ob viele der Probleme/des Aufwands darin begründet waren, dass das Objekt ein Teil eines Mehrfamilienhauses war. Meinst du, dass der Verkauf eines Einfamilienhauses einfacher geht?
@robi Klar, die ganze nachgelagerte Abrechnung entfällt zum großteil. Und ein Kapitalanleger braucht mehr Infos/Dokumente als ein Selbstnutzer eines EFH.
Aber der ganze zeitliche Overhead wird ja durch die Art der Immobilie nur unwesentlich beeinflusst. Hier sind einfach zu viele Parteien involviert (Käufer, Verkäufer, Notar, finanzierende Banken, Grundbuchamt). Man kann das sicherlich forcieren, wenn es dringen ist - aber man hat es eben nicht komplett selbst in der Hand.
