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Private Equity - Erfahrungen bzw. Meinungen?

Paule
(@paule)
Verdienter Freiheitskämpfer

Hallo zusammen,

ich habe mich in letzter Zeit etwas mit dem Thema Private Equity beschäftigt.

Interessant finde ich Folgendes Angebot (soll keine Werbung sein):

https://s3.eu-central-1.amazonaws.com/static.liqid.de/info/LIQID+Private+Equity+Kurzinformationen.pdf

- es handelt sich um einen Dachfonds der in ca. 10 PE Fonds und damit in ca. > 500 Unternehmen in USA/Europa/Asien investiert. Der Dachfonds hat eine Laufzeit von 12 Jahren (+ optional 3 Verlängerungsjahre)

- Kosten auf Dachfondsebene: 0.86% pro Jahr + ggf. einmalig 1% Initialgebühr. Hinzu kommen noch die (deutlich höheren) Kosten auf Zielfondsebene, über die aber keinerlei Angaben gemacht werden.

- es gibt bereits 3 Vorgängerfonds (Auflagejahre: 2016/2017, 2018/2019, 2020/2021) für die auf der Internetseite von Liquid im passwordgeschützten Bereich auf bisherige Renditeergebnisse zu finden sind

- als Zielrendite werden 15% (IRR) nach Kosten angegeben, was von den Vorgängerfonds lt. Angaben auf der Website auch in etwa erreicht wurde.

- Mindestzeichnungssumme 200K Euro, die über 5 Jahre abgerufen werden (insgesamt voraussichtlich nicht mehr als insgesamt 3/4 der Zeichnungssumme). Es wird erwartet, das das gesamte Eingezahlte Kapital nach 6 - 7 Jahren zurückgeflossen ist.

- Angeboten wird das ganze von Liqid, einem Robo-Advisor, der hierzu mit einem rennomierten Family Office (HQ Trust) zusammenarbeitet

- Versteuerung: persönlicher Einkommensteuersatz auf 60% der Gewinne (um den Steuerstundungseffekt besser nutzen zu können, wird ein Vermögensverwaltende GmbH angesprochen)

- da alle 2 Jahe ein neuer Dachfonds aufgelegt wird, kann man sich durch Zeichnung mehrerer aufeinanderfolgender Fonds auch ein Portfolio aufbauen, dass nach einigen Jahren die Einzahlungen für neue Zeichnungen trägt und dazu einen stabilen Cashflow erzeugt. Hierzu folgender Artikel:

https://www.private-banking-magazin.de/wie-man-ein-private-equity-portfolio-plant-1/

 

Für mich sieht das wie eine vernünftige weitere Diversifikationsmöglichkeit aus, wenn man ein Anlagevermögen von sagen wir mindestens etwa 1 Mio besitzt und sich mit dem Betrag (150 bis 200K Euro) für die lange Laufzeit binden kann/will.

Ein ähnliches Angebot gibt es auch bei weltsparen.de, hier jedoch ohne eine Historie früherer aufgelegter Fonds und mit einem Fintech (Moonfare) als Partner.

Bei Liqid gibt es auch ein ähnliches Anbebot für einen Dachfonds mit Venture Capital Fonds. Hier ist es der Zweite aufgelegte Fonds der Serie, VC mit höheren Renditeerwartungen aber auch noch höherem Risiko und deutlich höheren Kosten auf Dachfondsebene (1.68% pro Jahr + Erfolgsabhängige Vergütung).

 

Mich würden zu dem Thema Meinungen bzw. Erfahrungen von Euch interessieren.

Gibt es einen Haken an der Sache, den ich nicht sehe?

 

 

Zitat
Themenstarter Veröffentlicht : 21. Mai 2023 11:43
stef
 stef
(@stef)
Verdienter Freiheitskämpfer

Danke @paule. Was genau findest du daran interessant?

AntwortZitat
Veröffentlicht : 21. Mai 2023 23:39
Paule
(@paule)
Verdienter Freiheitskämpfer

@stef 

Aus meiner Sicht bietet das genannte Produkt eine gangbare Möglichkeit, als Privatanleger zu akzeptablen Kosten und machbarer Mindestanlagesumme relativ breit gestreut über mehrere renommierte Fonds in die Anlageklasse Private Equity zu investieren.

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 22. Mai 2023 10:22
Mrtn17
(@mrtn17)
Verdienter Freiheitskämpfer

Also für mich wäre das definitiv nichts. (a) Kosten. Knapp 1% p.a. und dazu noch die Kosten auf Fondsebene, das erscheint mir ziemlich teuer. (b) Intransparent. Ich mag grundsätzlich keine Dachfonds. In welche Unternehmen ist man denn letztendlich investiert? Woher kommt die angebliche Zielrendite von 15%? (c) Ticketgröße. 200k Mindestanlage sind einfach unpraktikabel, auch wenn man 1M hat. (d) Liquidität! Die Laufzeit beträgt 12 Jahre! Welche Ausstiegsmöglichkeiten habe ich zwischendurch, wenn es schlecht läuft oder wenn sich meine finanzielle Situation ändert? Geht IMHO gar nicht.

Wenn du PE in dein Portfolio nehmen willst, warum nicht über CEFs investieren? Das ist deutlich transparenter, direkter, kostengünstiger und börsentäglich handelbar. Ich habe z.B. HgCapital Trust in meinem Depot und bin damit in diverse nicht börsengehandelte Unternehmen, insbesondere im Bereich B2B und Software, investiert.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 22. Mai 2023 10:50
Paule mag das
stef
 stef
(@stef)
Verdienter Freiheitskämpfer

Jetzt verstehe ich dich glaube ich @paule. Du denkst, dass sei ein USP? Das ist aus meiner Sicht nicht der Fall. Wenn du ein 7-stelliges Depot bei einer Privatbank deiner Wahl parkst, dann wird sich sehr schnell ein Verkäufer ("Vermögensberater") bei dir melden über alle Kanäle, für welche du dein Opt-In vergeben hast. Im Verkaufskorb finden sich selbstverständlich auch Bruchstücke von PE. Daher halte ich das nicht für einen USP.

Was ich an der verlinkten Website nicht mag:

  1. Sie haben offensichtlich ein sehr hohes Marketing-Budget.
  2. Die Website wirbt für ein Finanzprodukt. Da erwarte ich Zahlen und Fakten, bekomme aber statt dessen auf einer Hochglanz-Website bekannte Gesichter und Namen ("Quandt") serviert.
  3. Wenn ich an Zahlen und Fakten möchte, wird mein Opt-In abgegriffen. Zugegeben, die Ausrede ist gut.

Für mich wäre das nichts.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 22. Mai 2023 11:03
Paule
(@paule)
Verdienter Freiheitskämpfer

@stef 

Weder habe ich, noch beabsichtige ich, ein 7-stelliges Depot bei einer Privatbank zu parken.

Es geht mir einzig darum, eine Anlage in PE als zusätzlichen Portfolibaustein in mein selbstverwaltetes Portfolio mit aufzunehmen.

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 22. Mai 2023 11:26
stef
 stef
(@stef)
Verdienter Freiheitskämpfer

@paule 

Ich wollte nur Alternativen aufzeigen, wenn du PE als Baustein nutzen möchtest. Übrigens kann man ein Depot bei einer Privatbank nicht nur "parken" - sorry, schlechte Wortwahl von meiner Seite. Privatbanken bieten mittlerweile durchaus konkurrenzfähige Depots zur Selbstverwaltung an. Den Marketing-Call eines Verkäufers bekommst du bei einem entsprechenden Volumen mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem, oder kannst einfach aktiv nach PE Bruchstücken fragen ;)

AntwortZitat
Veröffentlicht : 22. Mai 2023 11:54
Paule
(@paule)
Verdienter Freiheitskämpfer

@mrtn17 

Danke für deine Kommentare.

Ich sehe Deine Punkte durchaus, aber einiges sehe ich doch etwas anders, was wohl auch an meinem Lebendsalter und der damit verbundenen fortgeschittenen Phase im "FIRE Lebenszyklus" liegt.

Ich versuche mal, auf Deine Punkte zu einzugehen:

a) Kosten: Die 1% auf Dachfondsebene würde ich dafür Zahlen dass ich ein breitgestreutes PE Portfolio eingerichtet und administriert bekomme bzw. überhaupt Zugriff auf die Anlageklasse bekomme. Die Kosten auf Zielfondsebene hast Du bei einem CEF intern wohl in ähnlicher Form

b) Sobald das abgerufene Kapital investiert ist, werden die Unternehmen reportet. Jetzt bei Abschluss ist das in der Tat nicht transparent bzw. auch den Zielfonds noch nicht bekannt.

Die Zielrendite ergibt sich aus der Erwartung, dass die Zielfonds ähnlich performen wie Vorgängerfonds der entsprechenden Anbieter in der Vergangenheit. Was anderes ist eine Anlage im Aktienmarkt mit ETF ja letztendlich auch nicht, man setzt darauf, dass sich die langfristigen Marktrenditen der Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben lassen.

c) Bei einer Zeichnungssumme von 200K werden voraussichtlich insgesamt nur etwa 75% der Zeichnungssumme über einen Zeitraum von 4 bis 5 Jahren abgerufen. Das wäre für mich quasi wie ein Sparplan, in den ich einen Grossteil meines neu angesparten Geldes einzahle, ohne andere Investments verkaufen zu müssen. Da ist schon der Kauf einer ETW ein grösser Klumpen.

d) Ja, 12 Jahre ohne Ausstiegsmöglichkeit (ausser mit erheblichen Verlusten) hören sich erstmal verdammt lang an. Aber: Es gibt voraussichtlich ab Jahr 3 Ausschüttungen, etwa im Jahr 7 könnte das gesamte eingezahlte Kapital zurückgeflossen sein und nachfolgende Ausschüttungen wären dann Rendite.

Ich sehe auch nicht, dass (m)ein 7-stelliges Vermögen komplett kurzfristig verfügbar sein müsste. Im Gegenteil, ich möchte mich damit (noch) breiter und solider aufstellen, um gegen Marktschwankungen etwas besser abgesichert zu sein, ohne dass die Rendite leidet.

Der regelmässige Cashflow kann durchaus auch dazu beitragen, in der FIRE Entnahmephas", in der ich mich in einigen Jahren befinden werde, das "Sequence of Retrun Risk" zu reduzieren.

Und eine Anlage in CAFs kommt für mich schon deshalb nicht in Frage, weil ich letztendlich kein Interesse daran habe, mich regelmässig mit Investments in Einzelwerten zu befassen. Das tue ich bisher mit Aktien ja auch nicht ond setze komplett auf Fonds bzw. ETF.

 

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 22. Mai 2023 12:30
Paule
(@paule)
Verdienter Freiheitskämpfer

@stef 

Es ist eigentlich im Eingangspost klar beschrieben. Man kann Anteile des PE Dachfonds Zeichnen, ohne sonstige Geschäftsbeziehungen zum bzw. Investments beim Anbieter zu haben.

Un ums klarzustellen: Ich habe nicht die geringsten Probleme damit, einem Verkäufer ein klares "Nein" zu sagen, wenn ich kein Interesse an dem Angebot habe.

 

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 22. Mai 2023 12:32
stef mag das
Mrtn17
(@mrtn17)
Verdienter Freiheitskämpfer

@paule danke für deine Antworten.

Lebensalter - ich kenne deins nicht, ich bin 46. Wenn du einer fortgeschrittene Phase im FIRE Zyklus bist, spricht das nicht umso mehr dagegen ein intransparentes Investment zu tätigen, was 12 Jahre fix ist?

Kosten - unterschätze nicht wieviel 1% Kosten sind. Was ist denn die Alternative zu PE? Vermutlich ein All-World Aktien-ETF. Warum macht man PE? Weil man eine Überrendite erzielen möchte. Wieviel Überrendite erwartest du damit, vielleicht 2% oder 3%? Dann sind 1% die Hälfte oder ein Drittel deines Ertrags in dieses Investmentvehikel, denn im Vergleich zum Aktien-ETF mit normalen Marktrisiko gehst du hier diverse weitere und höhere Risiken ein, wofür die Überrendite ja die Entlohnung sein soll - und davon gibst du dann die Hälfte oder ein Drittel nur für die Verwaltungskosten weg.

Zielrendite - klingt für mich nach einem Marketingbegriff, anders als Track Record. Ja ich verstehe, der Anbieter beruft sich auf Vorgängerfonds der letzten Jahre. Aber, in den letzten Jahren ist alles toll gelaufen, man musste kein Genie sein um in den letzten 10 Jahren Geld zu verdienen. Rechne auch damit, dass das in den nächsten Jahren nicht so laufen wird.

CEFs - keine Lust auf Einzelwerte. Nun, ein CEF ist genauso kein Einzelwert wie dein hier genanntes Produkt. Sind doch beides geschlossene Fonds, die in eine Anzahl verschiedener PE Invests anlegen. Der Unterschied ist nur die Transparenz, die Kosten, der öffentliche Trackrecord.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 22. Mai 2023 13:20
Judge Dredd und Paule mögen das