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Kolumne in der Zeit - Auf dem Weg in die Gesellschaft der Privatiers

Fuso
 Fuso
(@fuso)
Verdienter Freiheitskämpfer

Die Kolumne hinter dem Link ist aktuell ohne Paywall. 

Mich interessieren Eure Meinungen und Gedanken zu dem Geschriebenen. Wenn Ihr mögt teilt sie also gerne. Bestätigung bzw. Widerlegung von genannten Fakten natürlich ebenso. Schönen Abend! 

https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-01/privatiers-vermoegen-ungleichheit-wohlstand-demokratie/komplettansicht

Zitat
Themenstarter Veröffentlicht : 27. Januar 2023 21:03
Siduva
(@siduva)
Freiheitskämpfer Silber

Ich habe eine Aneinanderreihung altbekannter Vorurteile (Vermögende leisten keinen Beitrag, saugen den Staat aus) und unbelegter Pseudo-Argumente (Bildungs- und Gesundheitssystem ungenügend) gelesen. Weder orginell noch zielführend sind die Lösungsvorschläge - Grundsteuererhöhung trifft größtenteils Mieter und höhere Erbschaftssteuern für die obersten 1% fördert nur deren Kreativität in der Umgehung ebendieser. Orginell war eigentlich nur ein Vorschlag: Alle Privaties bitte in die Krebsforschung (wobei auch hier die unrealistische Annahme, alle Vermögenden seien Genies und könnten großes für das Allgemeinwohl leisten, unbewiesen bleibt).

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Veröffentlicht : 27. Januar 2023 22:20
Roman
(@roman)
Freiheitskämpfer Silber

Ich war geneigt bereits im 3. Absatz des Artikels auszusteigen, als sich der Autor auf Referenzen bezieht welche die Argumentation gar nicht unterstützen. Die verlinkte "Studie" hinter der Paywall ist ein Artikel in der FT vom Mai 2021 der auf das Wachstum von Milliardären in verschiedenen Ländern eingeht mit der Aussage, dass der Vermögensanteil dieser Gruppe in Ländern wie Russland, Schweden, Indien und den USA gemessen am GDP viel höher ist als in Deutschland und dass und die Vermögensquelle dieser Gruppe in Dtl. hauptsächtlich Erbe ist. Hier geht es um 136 Personen in Dtl. und ich habe nicht gefunden, dass sie während der Pandemie 100Mrd Zuwachs erzielt haben sollen.

Die Hauptursache des Vermögenszuwachses in der "Studie" ist übrigens "easy money pouring out of central banks", der im Artikel unerwähnt blieb. Für wen arbeitet der Autor des Artikels? Welch ein Zufall, in der EZB.

Die Essenz des Artikels ist: nur wer arbeitet und einen aktiven produktiven gesellschaftlichen Mehrwert liefert ist ein "guter Bürger" und die unproduktiven, "schlechten" Bürger werden erst dann wieder zu "guten" Bürgern werden wenn sie mehr Steuern zahlen.

Unterschlagen wurde auch, dass diese 1% Bevölkerungsgruppe auch Konsumenten sind, die direkt und undirekt den Arbeitsmarkt stützen und bereits einen erheblichen Anteil am Steueraufkommen beisteuern.

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 09:17
Praezisionsminister, Vossi78, Nero und 6 User mögen das
Maschinist
(@maschinist)
Maschinist

Die FAZ hat Marcel Fratzscher einmal als "Claqueur der SPD" bezeichnet.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/diw-chef-marcel-fratzscher-claqueur-der-spd-15076061.html

 

Ich würde Ihn genauer definiert als Claqueur der sozialistischen "Esken-Kühnert-SPD" bezeichnen.

Er ist offiziell ein Ökonom, aber schürt in Wirklichkeit nur Neid und Umverteilung statt Vermögensaufbaukonzepte und damit Stabilität und Absicherung für alle Bürger zu promoten.

Schönen Samstag

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 10:46
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Smmn
 Smmn
(@smmn)
Verdienter Freiheitskämpfer

Ich finde den Medientenor erschreckend. Ich konsumiere keine Medien, bekomme es aber hier im Forum, oder neulich beim Zahnarzt ("Hat Marx doch recht?" - Spiegel Cover!) mit.

Das erweckt den Eindruck, dass die in den Medien mit Mehrheit vertretene (radikale) Linke gerade eine Chance wittert und entsprechend Stimmung macht. Hoffentlich fällt die Mehrheit im Land nicht darauf rein, wobei ich diesbezüglich besorgt bin.

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 12:01
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yok
 yok
(@yok)
Freiheitskämpfer Gold

Vielen Dank für das Verlinken dieses Artikels!

Zum einen ist mir, wie den meisten Liberalen in DE, Marcel Fratzscher schon immer ein rotes Tuch. Jeder darf seine Meinung haben und sie verkünden, damit habe ich kein Problem. Aber er tritt als Ökonom auf, vertritt damit eigentlich einen Zweig der Wissenschaft, wofür den Leuten oft ein gewisses Recht, ex cathedra zu sprechen, eingeräumt wird. Er nutzt diese Position aber schamlos dazu aus, als reiner Lobbyist für Positionen der Gewerkschaften aufzutreten. Eine wissenschaftliche Denkweise habe ich bei ihm nie feststellen können.

Trotzdem enthält der Artikel doch einige Wahrheit und spricht mich persönlich an. Ich sehe mich bereits seit einigen Jahren in dieser Position des Privatiers in der Krebsforschung. Wobei ich mir nach den heftigen Depotverlusten der letzten zwei Jahre nicht mehr ganz sicher bin, ob ich das alleine als Privatier ohne den Job hinbekommen würde für die Familie. Aber es gibt ja auch noch meine arbeitswütige Frau ;-)

Man muss schon klar sehen, dass Privatiers für die Gesellschaft nur funktionieren, wenn es nur ein kleiner Prozentsatz ist. Denn produktiv oder gemeinnützig ist es nicht, ohne zu arbeiten von seinem Vermögen zu leben. Letztendlich konsumiert man dann die erbrachten Leistungen von anderen, ohne sich selbst einzusetzen. Dazu kommt die persönliche Frage, ist mein Leben ausgefüllt genug ohne Job oder nicht? Die kann jeder nur für sich selbst beantworten, und ich weiss die Antwort für mich selbst noch nicht.

Und als generelles Lebenskonzept (im Sinne eines kategorischen Imperativs) würde es für die Wirtschaft nicht funktionieren. Stellt euch vor, die Hälfte der deutschen Arbeitsbevölkerung würde der Freiheitsmaschine beitreten und mit 40 FIRE machen. Das würde zwangsläufig zu zu wenig Arbeitskräften, zu wenig Produkten bei hohem Konsum führen. Als Folge würde eine starke Inflation so lange wüten, bis genug von den FIRE-Leuten wieder so arm geworden wären, um wieder dem Arbeitsmarkt beitreten zu müssen. Die Löhne wären stark gestiegen, Arbeit würde sich wieder stärker lohnen im Vergleich zum Kapital, das abgewertet worden wäre. Ein bisschen sehen wir das ja gerade, und ich glaube, dass auch FIRE nach den starken Assetpreisanstiegen, vor allem in den USA, zu dieser inflationären Tendenz beigetragen hat.

Ich möchte damit nicht die vielen falschen Schlussfolgerungen des Artikels beschönigen. Z.B. geht ja ein Teil der Privatvermögen via Aktien-Investment direkt in gesellschaftlich nützliche Bereiche. Die Diskussion um Staatsschulden versus Privatvermögen finde ich schwierig. Einerseits wäre ich bereit, eine einmalige Vermögensabgabe zu bezahlen, um den Staatshaushalt zu sanieren, andererseits müsste dann garantiert sein, dass keine neue Verschuldung betrieben wird. Und alle historische Erfahrung zeigt, dass die Politik solche Versprechen nicht halten würde, da sofort wieder irgendwelche Zusatzsubventionen oder Sozialleistungen kreiert werden würden, sobald kein finanzieller Druck von der Schuldenseite mehr da ist. Für Länder wie Italien, wo sowohl Privatvermögen als auch Staatsschulden weit grösser sind als hier, würde ich solch einen Schritt aber schon für sinnvoll halten. Für DE wäre eine echte Schuldenbremse ohne Ausweichmöglichkeit auf „Notfall“-Regelungen, völlig ausreichend.

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 12:35
Smmn
 Smmn
(@smmn)
Verdienter Freiheitskämpfer

Wie steht Mr Fratscher eigentlich zu Universellem Grundeinkommen? Vermutlich ein Fan?

Im Endeffekt würde das doch ähnliche Vorteile mit sich bringen. Gerade von den Linken wird immer propagiert, dass man sich dann den kreativen Aufgaben widmen kann und nicht so viel Druck hat Geld zu verdienen. Am Ende also "Privatier auf Steuerzahlerkosten" als Ziel.

Die Herausforderungen wären dann aber doch vergleichbar mit den Privatiers, nur dass das Problem noch viel größer wird, oder?

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 12:39
Yakari mag das
BananenRapper
(@bananenrapper)
Freiheitskämpfer Silber

Eine Reform der Erbschaftssteuer, mit einer effektiven Flat Tax von 15 Prozent, und eine deutlich höhere Grundsteuer sind die offensichtlichen Antworten.

 Das finde ich doch einen spannenden Gedanken. Schade, dass es nicht weiter ausgeführt wird. 

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 15:16
Siduva
(@siduva)
Freiheitskämpfer Silber
Veröffentlicht von: @smmn

"Hat Marx doch recht?" - Spiegel Cover!

Der Spiegel ist wie die Bild ein Extrem, vielleicht sogar das größere Extrem. Ein Nachrichtenmagazin, dass sich aufgrund seiner mehr als lang zurückliegenden Historie selbst als etwas Besonderes wahrnimmt. Während die Bild in meinen Augen zu ihrem reißerischen und emotionsüberfrachteten Auftreten steht, versucht der Spiegel, diese Eigenschaften in seinen Artikeln hinter pseudo-seriösem Journalismus zu verstecken.

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 19:17
Smmn mag das
langfristinvestor
(@langfristinvestor)
Verdienter Freiheitskämpfer

Fratzscher bleibt Fratzscher - besser als die Eigenverantwortlichkeit ist nur der Staat - man frage Ihn einmal nach seinen Prognosen zur Inflation in jüngster Zeit? Seiner These zum Euro im Allgemeinen, der Umverteilung in Europa und zur Staatsverschuldung? (z.T. habe ich das persönlich getan bei Vorträgen)

Man kann eben nicht alles haben - ein starker Staat vermindert eben die Anreize bei der Bevölkerungsgruppe mit weniger Einkommen selbst vorzusorgen und Vermögen aufzubauen.

Er erwähnt auch absichtlich nicht, dass die Welt im internationalen Wettbewerb steht und seine Umverteilungspläne* massive negative Anreizwirkungen entfalten (Abwanderung Hochqualifizierter; Vermögensflucht). Man wage einen Blick auf skandinavische Milliardäre. Auch wenn die vermögensbezogenen Steuern in Deutschland niedriger sind, so ist das doch eine einseitige Betrachtung der Gesamtsituation.

Gibt es Steuerungerechtigkeit in Deutschland? Ja! Man schaue sich nur die Ausnahme von der Ausnahme der Besteuerung von XY an und häufig die Möglichkeit sich ab XX.Millionen steuereffizienter zu stellen. Seine Maßnahmenvorschläge treffen wieder eher die "Kleinen"-Millionäre als die wirklich Wohlhabenden.

Das Thema Staatsschulden in Deutschland wird mMn auch medial auf einen einfachen Nenner heruntergebrochen, der die Komplexität und Dimension von Einzelentscheidungen in keiner Weise würdigt.

 

Edit:*die über das gesagte im Artikel ja deutlich hinausgehen, wenn man seine Thesen schon länger verfolgt (Vermögensabgabe/steuer etc.)

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Veröffentlicht : 28. Januar 2023 22:24
viper2333
(@viper2333)
Verdienter Freiheitskämpfer
Veröffentlicht von: @bananenrapper

Eine Reform der Erbschaftssteuer, mit einer effektiven Flat Tax von 15 Prozent, und eine deutlich höhere Grundsteuer sind die offensichtlichen Antworten.

 Das finde ich doch einen spannenden Gedanken. Schade, dass es nicht weiter ausgeführt wird. 

Tatsächlich war der erste Punkt für mich das einzig sinnvoll lesbare am Artikel.

Am meisten amüsiert hat mich, dass die ca. 1 Mio. Privatiers das Problem wären. Die über 20 Mio. Rentner. Arbeitslose. Etc. jedoch nicht. Das ist lächerlich.

Aber um ehrlich zu sein, die Idee einer Erbschaftssteuer als Flat Tax mit 15%, wovon 10% ins allgemeine Steueraufkommen fließen zur zwingenden Reduzierung von entweder Einkommenssteuer oder zur Reduzierung der Beitragssätze der SV Versicherungen und 5% zur Bildung des Kapitalstocks eines "Deutschlandfonds", fände ich persönlich in erster Instanz eine gute Idee. 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 30. Januar 2023 08:26