Millionär Interview 17 – First Lady – High Heels Power

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Die Millionär Interviews rocken weiter. Und worüber ich mich besonders freue, ist der Fakt heute den ersten weiblichen Teilnehmer begrüßen zu dürfen.

First Lady beschreibt uns Ihren Weg zum Wohlstand!

Los geht’s:

Hallo Maschinist.
Geld und Geldanlage scheint immer noch ein Thema zu sein, dass von Männern getrieben und verantwortet wird. Ich warte schon geraume Zeit darauf, hier ein Interview mit einer Frau zu lesen und habe nun beschlossen die Erste zu sein.
Möglicherweise ist dies ja ein Anfang und Ansporn für andere.
Deine Fragen haben mich den Weg hin zu meinem heutigen Portfolio nochmal reflektieren lassen und leider auch all die Fehler, ohne die ich nicht da wäre, wo ich heute bin.
Einerseits wäre ich ohne diese Fehler geschätzte 200.000 Euro weiter, aber andererseits wäre ich möglicherweise auch deutlich zurück. Wer weiß schon, wie sich was in unserem Leben auswirkt?
Ich hoffe sehr, dass es keine Altersobergrenze gibt 😉 Ich habe mir auch überlegt, ob es in meinem Alter gar kein so großer Erfolg ist, die Euros in dieser Höhe zusammen zu haben. Wenn ich aber in meinen Bekanntenkreis schaue (Häuser, Pferde, Autos, Urlaube, …) denke ich doch, dass das Alter egal ist und dass es eine Haltungsfrage ist, wie das erwirtschaftete Geld genutzt wird. Wie viel konsumiert und damit weg ist und wie viel zur Verfügung steht um bald frei zu sein.
Das hast du in deinem Interview schön beschrieben. Deine / Eure Haltung, die dort durchscheint, entspricht sehr meinen und hat mir gut gefallen.
Zu den Fragen:

American Express Payback Card

  • Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?
Altersmäßig bin ich mit 51 Jahren im oberen Bereich derjenigen, die sich hier mit dem Thema beschäftigen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Diskussionen und Informationen zum Thema finanzielle Freiheit schon früher in mein Leben getreten wären, aber auch dabei ist die Entwicklung der Informationskultur über das Internet entscheidend. Oder vielleicht auch nicht.
Ich habe mich gerade daran erinnert, dass ich Bodo Schäfers „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ 1998 gelesen habe. Aber die Informationen waren längst nicht so weit gestreut und in der Menge wie heute nicht schnell zu bekommen.
Ich bin verheiratet mit einem 53 jährigen Mann, der sich ebenso wie ich mit dem Thema beschäftigt und der schon einen Schritt weiter ist als ich.
Sein Ziel: Noch bis Ende des Jahres arbeiten und dann … frei.
Wir sind seit Ende 2009 zusammen, seit zwei Jahren verheiratet.
Da für uns finanzielle Themen niemals zum Streitpunkt werden sollen, haben wir uns für folgendes entschieden:
Jeder hat und verantwortet sein Geld / Vermögen und wir schmeißen es nicht zusammen in einen großen Topf
Für Not- und andere Fälle: einen Ehevertrag mit modifizierter Zugewinngemeinschaft. Auch wenn ich davon ausgehe, dass es nicht notwendig wird, diesen irgendwann einmal zu nutzen.
Deswegen gibt es hier auch nur den Blick auf meine Hälfte der gemeinsamen Finanzen, die auch mengenmäßig in etwa die Hälfte unseres gemeinsamen Vermögens ausmachen.

 

  • Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?
Keine Kinder

 

  • Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?
In einer deutschen B-Stadt mit ca. 250T Einwohnern.
  • Was ist Dein jährliches Nettoeinkommen aus deinem Beruf sowie deinen Investments?
 60 T€


  • Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?
Ich habe irgendwann aufgehört ganz genau zu erfassen, wie hoch meine jährlichen Ausgaben sind. Es gab Zeiten, in denen ich jede einzelne Ausgabe aufgenommen und katalogisiert habe. Das war nicht gut für mich. Der sehr hohe administrative Aufwand war für mich in keinem guten Verhältnis zu den gewonnenen Erkenntnissen.
Ich bin von Haus aus eher sparsam (da kommt die Schwäbin durch) und habe keine große Freude am Shoppen. Egal ob Kleidchen, Schuhe, Handtaschen (hiermit sind die Klischees bedient) oder Wohnungseinrichtung/Technik das bringt mich nur selten in Versuchung.
Gerne gebe ich Geld für hochwertige Dinge aus, die mir wirklich gefallen und die dann auch lange überleben. Lieber ein Stück, das dann auch etwas teurer sein darf als 10 andere.
Mobilität findet bei uns ohne Auto statt. In unserer Stadt kommen wir gut mit ÖPNV/Fahrrad zurecht.
Sehr gerne gebe ich Geld für Reisen aus. Zuletzt: Porto mit Billigfluglinie und Airbnb. Ich bin beruflich sehr viel innerhalb Deutschlands mit der Bahn unterwegs und damit auch viel in Hotels (ca. 120-130 Tage/Jahr). Deshalb genieße ich es im Urlaub selbstbestimmt den Kühlschrank füllen und nutzen zu können und meine freie Zeit dann nicht in Hotels zu verbringen.
Vernünftiges Essen ist ein weiterer Punkt, für den ich gerne Geld ausgebe. Vernünftig ist da für mich: Gerne bio und fair, wenig Fleisch und manchmal auch nicht selbst kochen müssen und essen gehen.
Ich weiß, dass ich eine Sparrate von ca. 50% habe, ggf. etwas höher. Den Rest könnt ihr euch sicher ausrechnen.
  • Wie hoch ist Dein aktuelles Vermögen?
Die aktuelle Zählung meiner Euros hat gerade ca. 700 T€ ergeben.
Den Regeln der Millionär Interviews entsprechend müssten ca. 120 T€ abgezogen werden, da diese nicht selbst erwirtschaftet sondern im letzten Jahr geerbt wurde. Auch wenn ich gerne darauf verzichtet hätte und lieber noch Zeit mit meinen Eltern gehabt hätte, jetzt ist es da und wird dazu führen etwas früher mit dem Arbeitsleben abzuschließen.

 

  • Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld).
Das Vermögen ist wie folgt verteilt: Passive ETFs und ganz wenig übriggebliebene Einzelaktien (ca. 50 %), Giro- und Tagesgeldkonto (ca. 10%), Lebensversicherungen – Rückkaufwerte (ca. 8 %), vermietete Immobilie (ca. 11%), Langzeitarbeitskonto bei meinem Arbeitgeber, das ich für eine Auszeit oder vorgezogenen Rentenbeginn nutzen kann (ca. 15%) Pensionsfond (ca. 5%).

 

  • Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?
Nie mehr Geld ausgeben als einzunehmen ist für mich immer an oberster Stelle gestanden. Ich habe einmal bisher in meinen Leben meinen Dispokredit nutzen müssen, als ich am Anfang meiner Arbeitsphase (50% Gehalt bei 100% Arbeitsleistung) in einer kleinen Beratung gearbeitet habe, die nicht immer pünktlich zahlen konnte. Und wenn dann zwei Monate hintereinander das Gehalt nicht überwiesen wird, dann wurde es schon kritisch. Das konnte ich nicht abfedern.
Ich habe meinen Lebensstandard nie dem Einkommen entsprechend nachgezogen. Anfangs war mein Ziel immer mindestens 50% von den Gehaltserhöhungen automatisch zu sparen. Inzwischen ist die Quote höher.
Ich habe 10 Jahre „zu früh“ mein Ingenieursstudium abgeschlossen und bin in der Phase gelandet, in der weder Ingenieure und erst recht keine Ingenieurinnen auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wurden. Dadurch hatte ich 8 Jahre ein (dem Abschluss entsprechend) geringes Einkommen.
Dez. 99 bin ich bei einem großen Konzern eingestiegen bei dem ich in den ersten Jahren regelmäßig die nächsten Gehaltsstufen erreichen konnte. Das war ein im Aufbau befindlicher Bereich, der nicht den Konzernregularien entsprechend agiert hat. Sonst wäre eine so schnelle Entwicklung nicht möglich gewesen. Nach 5 Jahren war diese Zeit vorbei.
Regelmäßige Gehaltssteigerungen im Konzern (nach den Vorerfahrungen in einem kleinen Unternehmen) sehe ich immer noch als Luxus an. Inzwischen habe ich nun zum zweiten Mal die Möglichkeit wählen zu können ob ein Teil der Erhöhung in Urlaubstagen oder als Gehaltserhöhung auf dem Konto erscheinen soll.
Ich hatte lange kein klares finanzielles Sparziel sondern habe eher vor mich hin gespart um möglicherweise irgendwann mal ein Eigenheim anzuschaffen. Ich hatte aber keine klare Zukunftsvision. Früher habe ich immer den Wunsch gehabt bis 50 oder 55 zu arbeiten. Wenn ich diese Fehler nicht gemacht hätte, wäre ich dem Ziel sicher schon näher, aber ich bin nun auf einem guten Weg.

 

  • Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?
Auf jeden Fall machen:
Eine klare Idee von dem wie ich leben und was ich erleben möchte entwickeln und das unabhängig von anderen.
Das soll nicht heißen, Partner oder Partnerin nicht mit einzubeziehen, aber an erster Stelle das für sich selbst klar formulieren. Denn erst wenn man für sich eine Idee oder Vision hat kann man diese mit anderen teilen und prüfen ob beide Visionen zusammenpassen bzw. eine gemeinsame entstehen kann.
Sich selbst gut informieren und nicht auf andere, besonders Bank- oder Finanzberater verlassen.
Was ich gemacht habe? Genau das: Ich bin bei MLP gelandet, habe dort sehr gerne Finanzprodukte vermittelt bekommen. Dann hat sich mein Berater (ja, er war nett und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt) selbstständig gemacht und ich bin bei ihm geblieben.
Ich habe dann auch einen Vertrag unterschrieben, in dem er 2 oder 2,5% des verwalteten Vermögens jährlich bekommt. Erst erschien mir das durchaus fair, denn er hatte meines Erachtens nach das Knowhow.
Als dann in Zeiten der schwächelnden Börse das Guthaben auf dem Verrechnungskonto nicht mehr ausgereicht hat und ich Geld nachschießen musste um die Gebühren für die Verwaltung zu begleichen habe ich angefangen nachzudenken und habe ein Depot bei der IngDiba aufgemacht und das Depot dorthin übertragen. Damit habe ich dann zwar eine Geburtstagkarte weniger bekommen, hat sich aber gelohnt.
Noch mehr Fehler? Völlig überteuerter Börsenbrief … mehr muss ich dazu sicher nicht sagen. Das war sehr doof und aus heutiger Sicht mehr als dumm. Damals schien es mit aber ein guter Weg zu sein um auszuprobieren.
Dann habe ich erst mal einige Jahre nichts mehr gemacht und alles Geld, das übrig war auf einem Tagesgeldkonto geparkt. Dadurch ist der Anteil des Tagesgeldes sehr stark gestiegen. Immer geschaut, wo es die meisten Zinsen gab und dann Konto-Hopping gemacht.
Aber irgendwann schien mir das auch nicht mehr ausreichend, zumal die Zinsen immer geringer wurden. Ich habe begonnen, mich intensiver mit dem Thema Geld und Anlagen zu beschäftigen. Die Fonds mit hohen Gebühren wurden verkauft und Indexfonds gekauft. Erst mal Deutschland fokussiert und kurz drauf mit noch tieferen und besseren Informationen der Weg hin zu breit gestreuten ETFs aus denen der Großteil meines Depots inzwischen besteht.
Noch mehr Fehler? Ich weiß nicht, ich würde es nicht als Fehler bezeichnen, sondern als Lernerfahrung. Noch ist ein kleiner Teil bei Scalable (Robo Advisor). Ich wollte es mal probieren, denn es hat sich gut angehört. Wenn ich die Ergebnisse der Anlagezeit mit meinem Depot/Tagesgeldkonto Ertrag vergleiche bringt mir das keinen Vorteil.
Ich denke aber, dass das für Menschen, die überhaupt keine Ahnung haben, besser ist als nur ein Tagesgeldkonto.
Aber für alle anderen: Macht es selbst.

 

  • Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?
Geld ist ein wichtiges Thema.
Dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen ist relevant um die eigene Zukunft zu gestalten. Die Quote Giro- / Tagesgeld zum Depot im Auge behalten. Ggf. Nachsteuern und nicht nur glauben, dass es gut verteilt ist. Ich habe mich in den letzten Jahren viel mit Holger Grete beschäftigt. Seine Idee des Zendepots entspricht mir. Dem folgend habe ich mein Depot aufgebaut.

 

  • Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen/erhalten oder noch zu erhöhen?
Nichts am Konsumverhalten ändern. Wie bisher das was übrig ist in ETFs investieren. Dabei habe ich keine regelmäßigen Sparpläne laufen sondern warte bis 3-7 T€ zusammen sind. Und kaufe dann, wenn ich denke: Dies ist ein guter Tag um zu kaufen (es ist immer der richtige und immer der falsche Tag). Ich halte mich von Einzelaktien inzwischen fern – kostet mich zu viel Zeit und Energie. 

 

  • Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?
Ich hätte gerne insgesamt 1 Mio. Euro in meinem Gemischtwarenladen ehe ich meine Arbeit komplett aufgebe. Wobei dabei mind. 600 T€ im Bereich Depot/Tagesgeld sein sollten.

 

  • Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deine Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?
So ganz klar ist unsere / meine Vision der nächsten Jahre noch nicht.
Ich kann mir noch nicht vorstellen, meinen Job ganz aufzugeben.
Der Mann hat die Idee 2021 auf Reisen zu sein. Ob ich das ganze Jahr auch freinehmen werde, wird sich in den nächsten Monaten klären. Mindestens 50% der Zeit möchte ich auf jeden Fall dabei sein. Meine Idee ist danach auf 60% zu reduzieren. Wann dies dann noch weniger wird? Das noch weniger wird dann 0% sein, das wird die Zeit zeigen und die Depotentwicklung 😉

 

  • Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?
Finde raus, was du im Leben wirklich willst, was dich glücklich macht und was du brauchst um zufriedene glückliche Momente zu erleben (und was auch nicht). Und dann: Arbeite darauf hin, übernimm Verantwortung und mach es.
Freiheit muss nicht heißen, nicht mehr abhängig zu arbeiten. Für mich bedeutet finanzielle Freiheit, das nicht mehr zu müssen und frei zu entscheiden, wann ich aufhöre und was Anderes mache. Für mich, für meine Familie, für die Gesellschaft.
Dabei aber unbedingt zu bedenken, dass das Leben endlich ist.

 

PS: Wenn es bei uns zeitlich klappt, werde ich in der Okercabana vorbeischauen. Ich bin sehr gespannt drauf – und nein, ich habe dies heute nicht geschrieben um Freigetränke zu bekommen. Da kann ich mich dir anschließen: lass stecken. Es war einfach Zeit, dies zu schreiben um mir selbst auch über manches klar zu werden.
Also danke für deine Fragen. … und das von jemandem, die es gewohnt ist, anderen ganz viele tolle Fragen zu stellen 😉

 

Das war das Interview mit First Lady.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und auch ein extra Dankeschön für Deine Rolle der „First Lady“, die anderen Freiheitskämpferinnen den Weg bereitet!

Und ich würde mich natürlich sehr freuen, Dich bei unserem Treffen dabei zu haben.

Und jetzt zu den Lesern. Welche Fragen habt Ihr an First Lady. Was würdet Ihr gerne von Ihr wissen?

Habt Ihr eigenes Vermögen aufgebaut und könnt niemandem davon im echten Leben erzählen? – Hier in der Freiheitsmaschine ist das anders!

Hier könnt Ihr anderen Menschen auf Ihrem Weg damit sehr helfen und beim zwanglosen Austausch dabei selbst noch neue Ideen erhalten.

Schreibt dem Maschinisten im Kommentarbereich oder betreff Interview unter maschinist@freiheitsmaschine.com und werdet selbst Teilnehmer bei den Millionär Interviews!

Und jetzt Feuer frei im Kommentarbereich!

 

 

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Joerg
Gast
Joerg

@Marta, Beim zweiten Mal entdeckt die EIB ein Muster?!
(educated idiot box)

Naja, was fuer Muster koennte man erkennen?:
– MLP / Finanzverkaeufer sind meistens baaeh
– SCALABLE besser als Tagesgeld
– Breit-ETFs kicks ass
– Einzelaktien sind was fuer ADHSler 😉
– es geht auch ohne Immos (ok, wahrscheinlich gibt’s 90% mehr Immo-Mios als ETF-Miaus?), wie sieht Eure Filterblasen-schaetzung aus?
– Kinder sind eher keine Hilfe fuer die Turbo-FIREs (schaaade, so suess die kleinen, … wenn sie schlafen ;-))
– Geld allein macht auch nicht gluecklich (Binse)
– viel, hilft viel (Erbe, Gehalt, etc)

Man kann sich ja auch mal in der Bestaetigung seiner Denkmuster sulen, oder?
(kurz, jetzt aber weiter …)

Alexandra
Gast
Alexandra

Hallo, ich finde es toll, auch mal einen Beitrag von einer Frau zu lesen. Ich bin nicht viel jünger (48), allerdings längst nicht so weit wie Du, was das Gesamtvermögen angeht. Ein paar Sachen kommen mir bekannt vor (Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen, ungünstige Beratungen in der Vergangenheit). In ETF und Aktien bin ich auch unterwegs, dazu kommt ein abbezahltes kleines Häuschen in einer Stadt mit guter Infrastruktur. Eine 60 %-Stelle hab ich schon (zuerst kindbedingt) und jetzt leiste ich mir den Luxus, Freizeit zu haben. Was Konsum angeht, bin ich sehr bewusst unterwegs. Ich tracke auch noch unsere Ausgaben, weils mir Spaß macht. Und weil ich gerade auch die Gelegenheit nutze, mich in dem Rahmen, mit meiner Tochter (17) über Themen wie Geldsparen, bewusster Konsum, ETF-Sparpläne usw. auszutauschen. Ich mache leider die Erfahrung, dass in meinem Umfeld die Frauen sich mit Finanzen buchstäblich garnicht beschäftigen. Das finde ich echt schade, und dumm noch dazu.

First Lady
Gast
First Lady

Na, das abbezahlte Häuschen ist doch schon was 😉 Ich finde es toll, dass du das Thema mit deiner Tochter durchdringst und sie schon in diesen jungen Jahren daran teilhaben lässt.
Ich freu mich an jeder Frau, die Finanzen auch zu ihrem Thema macht, sich damit beschäftigt und hier für sich oder die Familie (Mit-)Verantwortung übernimmt.
… und an der 60 % Stelle denke ich noch dran rum. Das Interview zu schreiben hat mich noch mal viel zum Nachdenken gebracht.

Anfänger
Gast
Anfänger

Wer wünscht sich nicht manchmal, seinem jüngeren Ich rückwirkend einen Ratschlag geben zu können? Analog hat mir First Lady gerade diesen Gefallen getan. Ein ganz herzliches Dankeschön an sie und dieses Format hier!

Das Interview hat mir den letzten Schub verpasst, meinen MLP “Berater” in den Wind zu schießen. Ich durfte mir zwar wortgewaltig anhören, dass ich gerade finanzielles Harakiri begehe und arm, krank und frustriert enden werde, aber ich fühle mich (noch) gut 🙂

Ich bin noch 20 Jahre von First Lady’s Weisheit entfernt, aber habe mich schon als Student einlullen lassen. Die Verlustrechnung für überteuerte Fonds und unnütze Versicherungen mache ich lieber nicht auf. Jedenfalls ist jetzt Schluss damit und der Sparplan des “gefährlichen MSCI World ETF” (O-Ton Berater) hochgeschraubt.

First Lady
Gast
First Lady

Sehr gerne! Das freut mich.
Und ja, auf keinen Fall anfangen nachzurechnen. Was gewesen wäre wenn hilft einfach nicht weiter. Damals war es für dich eine richtige und gute Entscheidung und irgendwann dann eben auch nicht mehr.
Für mich gab es damals auch gute Gründe, das zu tun. Ich war fast ganz unbedarft in dem Thema und es war ein guter Zwischenschritt und der Impuls überhaut damit anzufangen mich mit dem Thema zu beschäftigen war wichtig.
Und jetzt – lösungsorientiert nach vorne schauen und bessere Wege nutzen.

Gast
marsupilami

Gut so.
Ich würde es auch so halten sich komplett selbst um die Finanzen zu kümmern. Jeder Mittelsmann kostet Geld und verdient am eigenen Vermögen mit.

Gast
Glücksjäger

Ich finde Deine Einstellung klasse! OMG – 51 ist aber nicht alt! Habe auch viele Hotelübernachtungen und Kundenessen wegen der Arbeit, man freut sich tatsächlich zuhause essen zu können und in Urlaub machen wir selber was (mit den lokalen Zutaten) dank Ferienwohnung – wir genießen auch die Restaurants Vorort. Es ist nicht jedermann seiner Sache so viel unterwegs zu sein. Tolle Leistung beim Vermögensaufbau – es zeigt wieder Time in the market oder Zeit (mit Disziplin/Motivation/Glück) und Plan der Motor ist. Weiterhin viel Erfolg!

First Lady
Gast
First Lady

zu den 51, siehe zwei Kommentare weiter oben – es geht nicht um die 51 an sich sondern Menschen, die mir in den bisherigen Interviews begegnet sind und die sich mit diesem Thema beschäftigen 😉
Die 51 sind klasse!
Schön Gleichgesinnte hier zu treffen, die manches nachvollziehen können.

Zawinul
Gast
Zawinul

„Ich habe 10 Jahre „zu früh“ mein Ingenieursstudium abgeschlossen und bin in der Phase gelandet, in der weder Ingenieure und erst recht keine Ingenieurinnen auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wurden. Dadurch hatte ich 8 Jahre ein (dem Abschluss entsprechend) geringes Einkommen“.

Weil hier offenbar viele Ingenieure und Ingenieurinnen unterwegs sind (wieso eigentlich – hat das etwas mit rationalem Denken und Planen zu tun ?), muss ich auch mal meinen Senf dazu geben (Einer der besten Finanzblogs übrigens).

Der „zu frühe“ Einstieg in den Arbeitsmarkt könnte ungefähr 1991 gewesen sein. Damals gab es in vielen Firmen Kurzarbeit und allgemeine Einstellungsstopps für die meisten Fachrichtungen. Einige Absolventen sind damals in den Softwarebereich ausgewichen sind oft dabei geblieben, obwohl es nicht der Studienschwerpunkt war. Später gab es wieder jede Menge offene Stellen, einige Jahre vorher übrigens auch. Ist halt ein Schweinezyklus. Solche nicht beeinflussbaren Randbedingungen haben natürlich ihre Auswirkungen auf das ganze Berufsleben und speziell auch auf die Vermögensbildung.

Jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile. Hätte es damals schon Internet bzw. Online-Banking gegeben, hätte ich und viele Altersgenossen wohl schon viel früher mit dem Depotaufbau begonnen. Aber das Procedere mit der Sparkasse war umständlich, kompliziert und teuer. Also kam der Einstieg erst im Jahr 2000, rechtzeitig für den ersten Crash (Gutes Timing…). Zum „Ausgleich“ haben die Jüngeren heute aber andere Probleme im Job, die es damals so nicht gab, aber das ist ein anderes Thema.
Übrigens glaube ich nicht, dass Ingenieurinnen damals schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt gehabt haben, wie das aus dem Text herauslesen könnte. Es gab eben nur ganz wenige und es sind heute immer noch nicht viele.

First Lady
Gast
First Lady

Ne, war 92 😉 und ja, ich muss dir recht geben, jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile, wichtig ist, was wir daraus machen.
Ich muss noch mal drüber nachdenken, ob ich meine Geschichte noch mal neu denken muss und es geschlechtsunabhängig war, dass ich erst mal keinen Job gefunden habe. Das war für mich immer eine schöne Erklärung dafür.
Da ich im Arbeitsleben danach an keiner Stelle ein Thema oder gefühlten Nachteil dadurch hatte/habe dass ich eine Ingenieurin bin spricht vieles für deine Hypothese. Das ein sehr guter Hinweis von dir. Danke dafür.

Sven
Gast
Sven

Hallo First Lady,

eindrucksvolle Geschichte und Sicht auf das Leben!
Was mir aber noch besser gefällt, ist die Art und Weise, wie du dich ausdrückst.
Ein unheimlich toller und direkter Schreibstil.

Liebe Grüße aus NRW und auf deinem Weg weiterhin viel Erfolg,

Sven

Gast
marsupilami

Hallo First Lady,

Glückwunsch zum bereits erreichten! Ich habe vor allem deswegen Respekt dafür da es zu der Zeit als du 30 warst (bin selbst 30) noch bedeutend schwieriger war sich finanziell zu bilden und sein Geld kostengünstig in ETFs anzulegen. Der freie Zugang zu Informationen und die stetig sinkenden Verwaltungsgebühren bei ETFs machen das heute bedeutend einfacher. Finde es toll dass sich hier auch eine Frau zu Wort meldet! Wegen zu alt – man ist nur so alt wie man sich fühlt. Und in deinem Alter das zu erreichen muss man erst mal schaffen. Dir weiterhin alles Gute!

Oliver
Gast
Oliver

Hallo First Lady,
ein sehr angenehmes Interview, in dem ich mich in vielen Punkten wieder finde. Bin 52 Jahre alt und Anfang letzten Jahres finanziell frei geworden. Da Du noch grübelst, wie Du ihr es angehen wollt, schreibe ich ein paar Zeilen, wie es bei mir inzwischen gelaufen ist.

Im Grunde war ich zu rigoros mit meinen Bemühungen. Ich habe erst umgestellt, als ich wirklich 100% aller Kosten abgedeckt hatte. Das wäre im Nachhinein gar nicht notwendig gewesen, weil das Ziel, nur noch 100% Freizeit zu haben nicht vorhanden war. Ich habe die Dinge gerne gemocht, die ich gearbeitet habe. Allerdings habe ich meine Arbeitszeit bzw. den Umfang meiner IT-Projekte inzwischen reduziert. Das kuriose war, dass ich auf einmal sehr gute Dinge angeboten bekommen habe mit mehr Bezahlung und weniger Aufwand, nachdem ich meine vorherige Tätigkeit eingeschränkt hatte. Letzten Sommer habe ich alles auslaufen lassen und einfach die Zeit genossen. Das war für eine gewisse Zeit recht schön, wir waren auf reisen und ansonsten ziemlich faul. Meine Freundin ist noch nicht ganz so weit, aber auch bei ihr ist es absehbar, wobei sie aus meinem “Fehler” gelernt hat und nicht bis 100% eisern spart. Die kommen von ganz alleine mit der Zeit, wenn man bei ca. 70 – 80% angelangt ist. Letzten Herbst habe ich wieder Projekte angenommen, aber nur das, worauf ich Lust habe und mit den Leuten, wo ich gut und gerne zusammen arbeite.

Meine Situation ist inzwischen so, dass ich monatlich weit mehr Geld habe als ich benötige. Das aktive Einkommen aus den Projekten deckt meine Ausgaben zumeist ab, nicht selten habe ich einen Überschuss. Ich arbeite noch 3 Tage die Woche effektiv im Durchschnitt und lege immer noch Geld in Aktien an. Eine Angewohnheit, die ich noch nicht ablegen konnte. Inzwischen decken die Einnahmen aus meinem Portfolio ca. 115 – 120% meiner Ausgaben ab, Tendenz stetig steigend. Über Geld mache ich mir inzwischen keine großartigen Sorgen mehr und es beherrscht auch nicht meine Gedanken. Im Gegensatz zu dir habe ich in Einzelaktien investiert und werde auch nicht mehr auf ETFs umsteigen, weil es schlicht nicht notwendig ist.

Ich hatte mir immer wieder mal Gedanken gemacht, eine Zeitlang aus Deutschland wegzuziehen. Ich bin mir noch nicht schlüssig. Griechenland im Sommer auf einer Insel ist sicher ganz nett und Thailand im Winter finde ich auch nicht so schlecht. Aber ehrlich gesagt war es noch nicht so, dass wir es unbedingt machen wollten. Wir gehen jetzt lieber im Juni nach Madeira und ein bisschen bergsteigen. Aber die Option ist offen und vielleicht machen wir es in den nächsten Jahren.

Der Bereich, herauszufinden, was man im Leben wirklich will fand ich bei deinen Antworten am wichtigsten. Diese Frage scheinen sich erstaunlich wenige Menschen zu stellen. Sonst würde das in den Tag hineinleben und ständig auf Kante leben nicht so häufig vorzukommen. Deine Fehler finde ich nicht sonderlich schlimm. Jeder von uns macht die massenweise und das gute ist, dass man daraus lernen kann, wenn man will.

Grüße Oliver