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Passives Anlegen für Alte 😀  

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iviz
 iviz
(@iviz)
New Member

 Hallo Maschinist,

zuallererst ein riesiges Kompliment zu deinem tollen Blog. Ich war bisher eigentlich immer die stille Mitleserin. Zu mir: Ich bin 31 Jahre alt und habe genauso wie du erste eine Ausbildung, dann Berufstätigkeit, dann Abi und dann noch ein Studium absolviert. Nun arbeite ich wieder und investiere vorwiegend passiv.

Was mich nun schon seit Monaten umtreibt ist meine Mutter. Diese ist 58 Jahre alt, selbständig und nach langjähriger Pflegezeit meines Vaters verwitwet. Das waren harte Jahre, die wir manchmal mehr schlecht als recht überstanden haben. 
Um die Finanzen und Versicherungen meiner Eltern hat sich bisher der klassische "Vermögesverwalter" aka Schulfreund meines Vaters gekümmert... (Quasi der Klassiker) Das heißt meine Mutter hat einen fünfstelligen Betrag in aktiven Fonds investiert, von denen wenige den Leitindex schlagen. Soweit so schlecht. Nachdem ich das Thema Versicherungen mit meiner Mutter geklärt habe, wollen wir an die Finanzen. 
Es liegt relativ viel "cash" auf dem Girokonto und meine Mutter plant noch etwa 4-6 Jahre berufstätig zu bleiben. D.h. 4-6 Jahre guter und hoher Cashflow. Außerdem gibt es noch drei Immobilien  (C-Lage,1* selbstgenutzt, 1*Gewerbe (eigenes), 1* Drei-Parteienwohnhaus (vermietet); alle drei gut in Schuss und mit regelmäßiger Instandhaltung). Von der gesetzlichen Rente kann sie nicht viel erwarten.
So- und nun die Frage der Fragen: Was macht sie mit dem Geld? Wäre sie 30 Jahre jung, dann wäre es ganz klar. Aber sie hat vermutlich einen Anlagehorizont von 10 Jahren. Ich rechne schon lange hin und her und komme auf keinen grünen Zweig ihr etwas Vernünftiges raten zu können...

Was denkst du zu dem Thema?
Viele Grüße

Zitat
Veröffentlicht : 31/01/2018 6:42 pm
Maschinist zugestimmt
Maschinist
(@maschinist)
Admin Admin

Hallo Iviz,

danke fuer Deinen Beitrag und das Lob.

Mein Beileid wegen Deines Vaters und das, was Ihr die letzten Jahre durchmachen musstet!

Wie Du mit Deiner Frage richtig implizierst, hat der Aktienmarkt zwar seit 200 Jahren eine durchschnittliche jaehrliche Nettorendite von knapp 7% (minus Steuern auf die Dividenden und plus den jeweiligen Inflationsausgleich) aber kurz- und auch mittelfristig kann man die Kursentwicklung des Aktienmarktes nicht abschaetzen. Die Kurse koennen zwischendurch wie im Jahr 2008 um ca. 50% einbrechen um sich danach wieder zu erholen.

Im Endeffekt kommt es bei Deiner Situation darauf an, wie viel prozentualen Cashflow Deine Mutter in Ihrer Rentenphase aus Ihrem aktuellen Cash neben den Immobilien braucht.

Wenn Deine Mutter vorhat, Dir den Grossteil dieses Vermoegens zu vererben und gleichzeitig neben den (eventuell?) weiterlaufenden Mieteinnnahmen aus dem Dreiparteienhaus locker von der Aktienmarktdividende leben kann (und moechte), dann spricht auch in Ihrem Alter nichts gegen einen hohen passiven Aktien ETF Anteil fuer Sie.

Die Dividende aus einem Investment mit 70% Welt ETF:

https://global.vanguard.com/portal/site/loadPDF?country=de&docId=1011

und 30% Emerging Markets:

https://global.vanguard.com/portal/site/loadPDF?country=de&docId=1013

betraegt aktuell ca. 2,3% im Jahr. Zusaetzlich werden die beiden ETF ca. 3% im Jahr "wertvoller" durch Aktienrueckkeaufe und Gewinnsteigerungen der Unternehmen plus die Inflation wird langristig auch immer ausgeglichen).

Wenn Deiner Mutter die Mieteinnahmen sowie die 2.3% Dividenden aus den ETFs reichen und Ihr euch durch die Schwankungen nicht aus der Ruhe bringen lasst, dann spricht nichts dagegen einen hohen Aktienanteil zu fahren.

Der Aktienanteil muss umso niedriger sein, je weniger stark Du oder Deine Mutter die Schwankungen des Aktienmarktes ertragt und/oder auch wenn der jaehrliche Kapitalbedarf im Rentenzeitraum jaehrlich deutlich hoeher als die Dividendenausschuettung ist.

Alles bis ca. 3.25% jaehrlichem Bedarf kann man durch die Dividende plus aktuell dann ca. max 1% jaehrlichem Bargeldverzehr (oder ETF Verkeaufen) abdecken. Historisch ist eine jaehrliche Entnahme von 3% beim US Aktienmarkt noch nie gescheitert, egal ueber welchen Zeitraum. Es war bisher ein endloses Portfolio/Cashflow und ich selbst plane fuer mich und meine Familie eine aehnliche endlose Entnahmerate.

Wenn Deine Mutter aber zum Beispiel spaeter jaehrlich 4% oder mehr aus den Aktieninvestments verbrauchen moechte, solltest Du das Geld aufgrund der aktuell relativ hohen Boersenbewertungen nur zum Teil in Aktien anlegen und den Rest bei einer reinen Euro Fokussierung erst einmal auf einem Tagesgeldkonto lassen, bis die Zinsen sich wie in den USA schon deutlich sichtbar wieder nach oben bewegt haben.

Aktuell ist dort von den Zinsbewegungen einiges im Fluss und die kurzlaufenden Zinsen steigen deutlich. Das Zinsumfeld normalisiert sich dort also wieder.

Schoenen Freitag und gib uns doch ein paar zusaetzliche Infos, dann koennen wir das besser einschaetzen.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 02/02/2018 12:21 am
auf_dem_Weg
(@auf_dem_weg)
Honorable Member

in eurem Fall wäre vielleicht eine Beimischung im Portfolio des Vanguard Corportae Bond Kürzel VWESX interessant. Ist deutlich schwankungsarmer und die Performance kann sich sehen lassen. Maschinist, was meinst Du dazu?? Trotz steigender Zinsen.....

AntwortZitat
Veröffentlicht : 19/03/2018 9:56 pm
Maschinist
(@maschinist)
Admin Admin

Hallo Auf dem Weg,

Dein Vorschlag sind langlaufende Unternehmensanleihen und darin wuerde ich aktuell nicht investieren, wenn die Zinskurse nun erstmals seit 1980 wieder fundamental dreht.

Ich wuerde in dem Fall eher in kurzlaufende Anleihe ETF investieren. Die Zinsen darauf sind zwar etwas geringer aber dafuer werden die Anleihen in diesem ETF aufgrund der kuerzeren Laufzeit deutlich oefter erneuert und dadurch ist der ETF viel weniger anfaellig gegen moegliche deutliche Kurseinbrueche bei einem weiteren Anstieg der US-Zinskurve.

Die aktuelle absolut schwankungsfreie Rendite im US Waehrungsraum ist der Vanguard US Geldmarktfond mit aktuell 1.62% Rendite:

https://personal.vanguard.com/us/funds/snapshot?FundId=0030&FundIntExt=INT&funds_disable_redirect=true

Dort sind so kurzlaufende Papiere enthalten, das der Preis dieses Fonds immer bei genau einem USD gehalten werden kann.

Als naechstes gibt es den Vanguard ultra short term bond Fund in dem halt nur sehr kurzlaufende Anleihen enthalten sind und die Schwankungsbreite deshalb nur sehr gering. Verzinsung aktuell  2.10%.

https://personal.vanguard.com/us/funds/snapshot?FundIntExt=INT&FundId=1492&funds_disable_redirect=true

Danach folgt der Vanguard short term corporate bond ETF und dieser ist im Gegensatz zu den ersten beiden erstgenannten nicht nur als Mutual Fond sondern auch als Boersen ETF erhaeltlich. Relativ geringe Schwankungen bei einer Verzinsung von knapp 3%:

https://personal.vanguard.com/us/funds/snapshot?FundIntExt=INT&FundId=3145&funds_disable_redirect=true

Dieser ETF Fond waere meine Empfehlung, wenn man Geld im US-Dollar Raum fuer die naechsten ca. 12 Monate parken moechte und eine ETF Struktur benoetigt. Mit einem Invest in die laengerlaufenden Anleihe ETF wuerde ich noch etwas warten. Die US Anleihe Kurse fallen derzeit zu stark (Renditen steigen wieder).

Schoenen Tag!

AntwortZitat
Veröffentlicht : 21/03/2018 10:47 am
Natman
(@natman)
Honorable Member

Noch eine Frage an den Maschinisten zu dem VAN USD Corp 1-3 Fond. Er hat nur ein Volumen von unter 100 Mio. Empfiehlst du ihn deshalb nur für eine Dauer von 12 Monaten? Oder generell weil man Geld ja nicht so lange parken sollte - Stichwort das Geld arbeiten lassen...

AntwortZitat
Veröffentlicht : 09/05/2019 8:07 pm
Maschinist
(@maschinist)
Admin Admin

Hi Natman,

nein, die aktuell noch geringe Verbreitung dieses ETFs in Irischer Variante hat nichts damit zu tun.

Der fast gleiche Vanguard US Fonds hat eine Marktkapitalisierung von ca. $30 Milliarden:

https://advisors.vanguard.com/web/c1/fas-investmentproducts/VCSH

Es ging oben um die Empfehlung, was man mit Geld in den nächsten 12 Monaten tun sollte, bis entweder die Zinsen wieder gestiegen sind (und damit Anleihe ETF mit langlaufenden Anleihen, wieder deutlich im Kurs gefallen wären) oder man sonst klarer weiß, was man mit dem Geld machen will.

Anleihen mit einer Bruttorendite von z.B. 2,7% im Jahr haben eine Nettorendite nach Inflation und deutscher Kapitalertragsteuer von 0%!

(2,7% x 0,737 Steuer -2% Inflation) = 0%

Anleihen haben im Gegensatz zu Aktien und Immobilien keinen Inflationsschutz und die deutsche Kapitalertragssteuer nimmt darauf keine Rücksicht und besteuert die gesamte Ausschüttung.

Das heißt dieser ETF mit kurzlaufenden US Corporate Anleihen liefert Dir ca einen Inflationsausgleich nach allen Kosten und der Inflation. Das ist besser als Bargeld aber nicht vergleichbar mit einem Aktienmarkt ETF, der im aktuellen Inflationsumfeld ungefähr so aussieht:

(8,5 Gesamtrendite -2% Inflation - (0,2638 x 3%) Kapitalertragsteuer nur auf die Dividenden / alt. neue Fondsbesteuerung = 5,7% langfristige Realrendite nach Steuer und Inflation.

Wir rechnen hier meistens mit 5% real und sind damit auf der sicheren Seite.

5,7% Netto nach Inflation bedeutet eine Kapitalverdopplung alle gut 12 Jahre

Jahr 0: 100.000 Euro

Jahr 12: 200.000 Euro

Jahr 24: 400.000 Euro

Jahr 36: 800.000 Euro

Wer im Alter von 20 Jahren die Summe von 100.000 Euro in einen passiven Welt ETF investiert, das Ganze dann vergißt und nie mehr in seinem ganzen Leben einen Cent spart hat mit 60 Jahren durchschnittlich eine Million Euro inflationsbereinigt.

Da die meisten Eltern so langfristig nicht denken, machen wir das hier mit einer hohen Sparquote ganz nebenbei selbst 😉

Schönen Tag!

This post was modified vor 4 Monaten 6 times by Maschinist
AntwortZitat
Veröffentlicht : 10/05/2019 1:54 pm
Natman
(@natman)
Honorable Member

Und High Yield Anleihen wären noch schlimmer, da zu wenig Rendite im Vergleich zu Aktien aber ein ähnliches Risiko und für Alte sowieso nicht geeignet...

AntwortZitat
Veröffentlicht : 10/05/2019 6:32 pm
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Spare Geld mit dem Maschinisten: