Millionär Interview 29 – Karsten Jeske Big ERN EarlyRetirementNow

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Millionär Interview 29 Karsten Jeske EarlyRetirementNow2020 wird richtig gut!

  • Der Corona Schluckauf an der Börse ist so gut wie abgearbeitet
  • Das Wetter in Deutschland ist schon seit vielen Wochen phänomenal
  • Und jetzt starten auch die Millionär Interviews wieder durch

Aus eigener Anstrengung wohlhabend gewordene Menschen berichten uns von Ihrem Weg, Ihren Anstrengungen und Ihren Erfolgen zu einem siebenstelligem Vermögen.

Und heute kommt ein Paukenschlag.

Denn Karsten Jeske / Big ERN von EarlyRetirementNow ist heute bei uns zu Gast,

Nachdem ich vor einigen Jahren, mit meiner Familie in den USA lebend, erfasst hatte, dass ich mit etwas weiterer Anstrengung und Planung weiteres zwanghaftes Geldverdienen für die Maschinistenfamilie optional ist, traf ich bei meinen Streifzügen im Internet bald darauf auf Karstens Seite, ohne zu wissen wer sich hinter diesem Werk verbirgt.

Karsten brachte damals gerade die ersten Artikel seiner großen „Sichere Entnahmerate Serie für Aktiendepots“ heraus, die sich nach etwas einlesen klar als neuer Goldstandart auf diesem Feld entpuppte.

Als ich dann noch die immer sachlich aber hart in der Sache geführten Diskussionen von Ihm selbst dazu verfolgte, war ich mir ziemlich sicher, dass sich hinter dieser Seite wahrscheinlich kein typischer US-Amerikaner befand, deren Kultur oft dafür sorgt, Meinungsverschiedenheiten hinter einem Lob zu verstecken.

Die direkte Art der Diskussion roch neben der Sorgfalt und Detailfreude eher danach, dass hier ein Landsmann schreibt. Und so war es dann auch.

Karsten lebt als Deutscher schon seit mehr als zwei Dekaden in den USA.
Er ist seit einigen Jahren Multimillionär und finanziell unabhängig und hat auch seinen Angestelltenjob mittlerweile gekündigt. Er lebt nach mehreren längeren Reisen zusammen mit seiner Familie aktuell wieder an der US-Westküste.

Und jetzt Bühne frei für für Karsten aka “Big ERN” von Early Retirement Now

 

Wie alt bist Du (und der Partner falls vorhanden) und wie lange seid Ihr schon zusammen?

Ich bin 46 Jahre alt, meine Frau ist 37 und wir kennen uns seit 2006. Standesamtlich haben wir 2013 geheiratet und 2015 kirchlich.

 

Habt Ihr Kinder und wenn ja, wie alt sind sie?

Ja, wir haben eine Tochter, sechs Jahre alt. Sie ist momentan im Kindergarten (aber virus-bedingt ist da gerade Pause) und kommt im September 2020 in die erste Klasse.

 

Millionär Interview 29 Karsten Jeske Familie Berge

 

Wo auf der Welt lebt Ihr (in der Stadt oder auf dem Land)?

Ich lebe seit 1995 in den USA. Ich bin zunächst zum Austauschstudium hierhergekommen, dann aber hier geblieben und habe hier mein Studium, incl. Promotion absolviert.
Wir leben momentan im Bundesstaat Washington. Also nicht in der Hauptstadt, sondern an der Westküste, ganz am anderen Ende der USA. Die Stadt heißt Camas und ist ca. 20 Minuten von Portland, Oregon entfernt.

 

Millionär Interview 29 Karsten Jeske Bergpanorama

 

Was ist Dein (euer) jährliches Nettoeinkommen aus euren Berufen sowie euren Investments?

Wir sind bereits “Frührentner”.
Wir arbeiten im Moment also gar nicht, abgesehen von meinem Blog EarlyRetirementNow.com wo ich ein Paar Dollar nebenbei verdiene (ca. 10% unserer Lebenshaltungskosten). Davon abgesehen, leben wir von unseren Investments, also Zinsen, Dividenden, Kapitalerträge, Optionsprämien, usw.

 

Wie hoch sind eure jährlichen Ausgaben und gibt es Dinge für die Du gerne Geld ausgibst?

Wir haben im Jahr 2019 etwas über $100’000 ausgegeben aber das lag an vielen einmaligen Auslagen.
Wir haben 2018 ein Haus gekauft und dann noch ein paar Reparaturen und Renovierungen vorgenommen. Viele Einmal-Anschaffungen: Möbel, Gartengeräte, etc.
Und dann sind wir 2019 auch noch 4 Monate auf Reisen gewesen, inklusive zwei Kreuzfahrten. Unser Reisebudget im Jahr 2019 betrug dann auch so rund $30’000. Und das beantwortet auch die Frage wofür wir gern Geld ausgeben: Reisen, natürlich!

 

Millionär Interview 29 Karsten Jeske Reise Familie Berge

 

 

Millionär Interview 29 Karsten Jeske Urlaub Reise Familie Asien

 

Wir nehmen an, dass unsere Ausgaben in den nächsten Jahren etwas niedriger sein werden, so rund $80,000 im Jahr. Das beinhaltet übrigens ein großes Budget für Krankenversicherung. In den USA sind nicht nur die privaten Versicherungsprämien unglaublich teuer. Trotz der Versicherung muss man dann auch noch eine relativ hohe Selbstbeteiligung bezahlen, wenn man dann zum Arzt geht.

 

Wie hoch ist Dein (Euer) aktuelles Vermögen?

Ich mache da keine exakten Angaben aber es ist deutlich im 7-stelligen Bereich und hoch genug, dass wir unsere jährlichen Auslagen von $80’000 und sogar $100’000 locker aus unseren Kapitalerträgen tragen können. Falls es sich noch nicht in den deutschsprachigen Raum herumgesprochen haben sollte, ich habe eine ganze Serie von Blogposts über sichere Entnahme-Strategien geschrieben, wenn Ihr mehr Details herausfinden wollt.

 

Wie hast Du (Ihr) euer Vermögen investiert (z.B. Aktien, Aktienfonds, vermietete oder selbstgenutzte Immobilien, eigenes Business, sowie Bargeld (inkl. Giro- und Tagesgeld)

Wir haben ein bescheidenes Eigenheim, ohne Hypothek.
Unser Investment-Portfolio setzt sich wie folgt zusammen:
• Ca. 50% Aktien, hauptsächlich in passiven Indexfonds investiert.
• Mit ca. 36% unseres Investmentvermögens mache ich meinen regen Optionshandel. Ich shorte Put-Optionen auf den S&P 500 Index und generiere damit ein relativ stabiles Einkommen.
• Ca. 11% Mietimmobilien. Die Immobilien managen wir aber nicht selbst sondern das ist ausgelagert in Private Equity Fonds, die große Mietimmobilien managen.
• Ca. 3% kurzfristige, risikolose, liquide Anlagen, also Tagesgeld, Termingeld, etc.

 

Wie hast Du es geschafft, Dein Vermögen zu generieren?

Ich war im Jahr 2000 mit der Uni fertig und habe von 2000 bis 2018 fest angestellt gearbeitet. Zuerst bei der amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve Bank of Atlanta).
Von 2005 bis 2008 auch nebenbei als Gastprofessor an der Emory University in Atlanta.
Dann von 2008 bis 2018 bei Bank of New York Mellon im Bereich Asset Management.
Von 2000 bis 2008 betrug meine Sparrate so ungefähr 25-30%, aber dann doch deutlich höher als ich im Privatsektor gearbeitet habe: ca 50-60%.
Angelegt habe ich das Geld hauptsächlich in passiven Aktien-Indexfonds. Nebenbei hatte ich auch sowohl in Atlanta als auch in San Francisco ein Eigenheim. Genauer gesagt ein Haus in Atlanta und eine Eigentumswohnung in San Francisco. Beide Immobilien habe ich jeweils mit ordentlichem Gewinn verkauft, aber auch nicht so viel Gewinn, dass ich dadurch allein finanziell unabhängig werden konnte. Der Löwenanteil meines Vermögens kommt schon aus dem Aktiensparen.

 

Welche Fehler hast Du auf Deinem Weg gemacht, was würdest Du Deinem jüngeren Ich dazu raten und was können die Leser Der Freiheitsmaschine davon lernen?

Wenn Du mich vor Februar 2020 gefragt hättest, dann hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass wir zu lange gewartet haben mit FIRE / Rente. Wahrscheinlich hätten wir auch schon 2016 den Job an den Nagel hängen können. Mit der neuen Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten war das vielleicht doch gar nicht so falsch. Ansonsten denke ich nicht, dass ich substanzielle Fehler gemacht habe. Vielleicht hätte ich schon etwas früher meine Sparrate erhöhen können, aber einen ganz großen Unterschied hätte das auch nicht unbedingt gemacht.

 

Was hast Du während Deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit gelernt und was können andere Menschen davon für sich nutzen?

Regelmäßiges Sparen und Investieren wirkt Wunder!
Viele Investoren machen den Fehler, mit dem Sparen und Investieren aufzuhören, wenn der Aktienmarkt mal ein wenig absinkt. Oder noch schlimmer, Leute ziehen das Geld komplett aus dem Markt, wenn’s mal bergab geht.
Großer Fehler!
Ich habe in den zwei großen Bärenmärkten 2000-2002 und 2007-2009 einfach weiter investiert. Nach ein paar Jahren ging’s wieder bergauf und ich habe mit den Investments, die ich in der Talsohle getätigt habe, Riesengewinne erwirtschaftet. Das ist der Lohn dafür, dass man die Nerven behält.
Weiterbildung ist wichtig. Selbst als promovierter Volkswirt habe ich mich noch weiterentwickelt und nie mit der Weiterbildung aufgehört. Ich habe z.B. mit Mitte 30 noch meine CFA Charter gemacht. Wer sich nicht weiterbildet fällt zurück!
Was machst Du aktuell um Dein Vermögen zu nutzen / zu erhalten oder noch zu erhöhen? Hast Du eine bestimmte Vermögenshöhe, die Du erreichen willst?
Wir haben im Moment genug Vermögen, um uns wahrscheinlich die nächsten 50 Jahre zu versorgen. Im Moment haben wir nicht vor, unser Vermögen aktiv noch weiter zu erhöhen. Wenn durch unerwartet hohe Kapitalerträge unser Vermögen noch weiter wächst, wäre das aber trotzdem schön.

 

Wo stehst Du aktuell? Was sind Deine Pläne für die Zukunft bezüglich Deine Lebensstils, Lebensortes oder Deiner aktuellen Arbeit?

Wir werden sicherlich in Washington bleiben bis unsere Tochter mit der Schule fertig ist, also mindestens bis 2032. Die Schulen in unserer Stadt gehören zu den besten im ganzen Bundesstaat Washington und das wollen wir sicherlich ausnutzen solange wir können. Aber auch sonst gefällt es uns hier ganz gut. Landschaftlich ist das hier sehr nett, sehr grün und es gibt viele Freizeitangebote, also Bergwandern das ganze Jahr, Skifahren im Winter, etc. Daneben haben wir eine größere Stadt, Portland gleich um die Ecke, also genug kulturelle Angebote.

 

Zusatzfrage für Karsten: Was gefällt Dir an den USA besonders gut und welche Punkte davon sieht die deutschsprachige Bevölkerung in Europa bisher noch nicht.

Ich bin 1995 zum Studium in die USA und für mich als Volkswirt, war das sicherlich die beste Location, weil ich dort Kontakte zu vielen bekannten VWL Professoren knüpfen konnte.
Ich habe an der University of Minnesota Vorlesungen bei Andrew Atkeson, V.V. Chari, John Geweke, Leonid Hurwicz (2007 Nobel), Tim Kehoe, Ellen McGrattan, Ed Prescott (2004 Nobel), Marcel Richter, und vielen anderen gehört. Das hat mir sicherlich professionell sehr geholfen.
Auch erwähnenswert: Wir haben in Amerika sehr hohe Einkommen, besonders für Fachkräfte im Finanzsektor, und dann auch noch viel niedrigere Steuern als in Deutschland.
Also die FIRE-Planung war hier in den USA schon etwas einfacher als in vielen europäischen Ländern.
Wir haben in Amerika unglaublich viele Möglichkeiten aggressiv Vermögen aufzubauen, also durch spezielle Rentenkonten (z.B. 401k), Broker-Firmen, Fonds, ETFs, etc. mit sehr niedrigen Gebühren. Zu viele Amerikaner nehmen diese Optionen natürlich nicht wahr, aber wer das nötige Durchhaltevermögen hat, und regelmäßig große Teile des Einkommens spart und steuerbegünstigt investiert, kann hier ziemlich schnell sehr viel Geld akkumulieren.
Außerdem muss ich auch betonen, dass Amerika trotz all dem was man in den Medien so hört und liest, immer noch sehr freundlich gegenüber Einwanderern ist.
Ich habe mich hier immer sehr Willkommen gefühlt.
Und ich darf natürlich auch nicht vergessen zu erwähnen, dass ich meine Frau hier kennengelernt habe. Das übertrumpft natürlich alle anderen Punkte! 🙂

 

Gibt es noch einen Rat, den Du den Menschen in Der Freiheitsmaschine gerne mitgeben möchtest?

Jeder kann investieren!
Viele Leute fragen mich ob ich gewisse Vorteile hatte, weil ich in diesem Bereich gearbeitet habe. Aber obwohl ich selbst im Finanzsektor tätig war, habe ich persönlich hauptsächlich einfach in Indexfonds investiert.
Man muss kein Finanzexperte sein, um erfolgreich am Aktienmarkt zu partizipieren.

Millionär Interview 29 Karsten Jeske Auf dem Berg

 

Das war das Millionär Interview mit Karsten / Big ERN von EarlyRetirementNow

Wer seine Webseite bisher noch nicht kennt, sollte unbedingt einmal vorbei schauen. Seine Safe Withdrawal Serie hat Goldstatus und sollte von jedem Börsianer gelesen werden, der mit Aktieninvestments die finanzielle Unabhängigkeit anstrebt.

 

Und jetzt Feuer frei im Kommentarbereich

Denn die gute Nachricht lautet: Auch Karsten hat sich bereit erklärt, eure Fragen zu beantworten.

Karriere & Leben in den USA, Optionshandel, Reisen mit Kindern. Mir fallen so viele interessante Themen ein und hier habt Ihr die Möglichkeit dazu. Seine Antworten kommen direkt von der anderen Seite des Atlantiks zu euch.

 

Außerdem

Schreib dem Maschinisten unter: maschinist@freiheitsmaschine.com und mach auch Du mit bei den Millionär Interviews!

Ich garantiere allen Interview-Teilnehmern nach Wunsch komplette Anonymität.

Neben dem Fakt, anderen Menschen hier viel zu geben, lernst Du durch das Interview selbst wieder etwas Neues und auch neue interessante Menschen kennen. Das Feedback und den Austausch kannst Du anschließend für Deinen weiteren Weg nutzen.

 

Mach 2020 zum besten Jahr Deines Lebens und gib Gas zusammen mit den anderen Freiheitskämpfern!

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Judge Dredd

Hallo Karsten,
vielen Dank für das motivierende Interview und die spannenden Einblicke. Glückwunsch zu dem selbsterschaffenden Vermögen und zur finanziellen Freiheit für dich und deine Familie. Deine beruflichen Stationen fand ich sehr spannend (insbesondere deine Station bei der Zentralbank). Da bekommt man bestimmt sehr spannende Einblicke und ein gutes Vertständnis für “das Große und Ganze”.

Ich fand es sehr interresant, dass du auch als Finanzvollprofi einen großen Teil deines Vermögens in passiven Indesxfonds hälst. Bei den Immobilieninvestments über Private Equity Fonds setzt diese Assetklasse wahrscheinlich eine entsprechende große Anlage von 500.000 Dollar oder mehr voraus, vermute ich. Hast du in diese daher erst später (quasi als Ergänzung zu deinen Aktien/ETF`s) investiert, als du entsprechendes Vermögen hattest?

Habe mir auch gerade deinen sehr informativen Blog angeschaut. Sieht sehr interresant aus und werde mich da in den nächsten Tagen bestimmt mal mit dem ein oder anderen Artikel beschäftigen.

Dir und Deiner Familie alles Gute und Gesundheit!
Beste Grüße,
Judge Dredd

Karsten
Gast

Hallo Judge! Vielen Dank!
Die Immobilienfonds haben normalerweise eine Mindestinvestition von offiziell $250’000, aber wenn man nachfragt, kann das auch schon auf “nur” $100’000 reduziert werden. Deshalb haben wir mit den Immo-Investments erst relativ spaet begonnen, so 2014, als wir schon reichlich Vermoegen akkumuliert hatten.
Viele Gruesse zuruck nach Deutschland!
K.

Gast
Julian

Wie siehst du die aktuellen Chancen im Immobilienbereich in den USA? Sind diese PE Fonds auch für deutsche Investoren offen? Wie bist Du bei der Auswahl vorgegangen?

Karsten
Gast

Im Immo-Bereich ist die Party wahrscheinlich erstmal vorbei. Da muss man sehen, wie viel Schaden die Rezession da anrichtet.

Ich habe bei den folgenden Firmen investiert:
Reliant Group, San Francisco, CA
Drever Capital Management, Tiburon, CA
Ich kenne die Leute, die dort arbeiten oder gearbeitet haben. Kann ich nicht beurteilen, ob die auch auslaendische Investoren akzeptieren. Einfach mal nachfragen?!

Viel Glueck! 🙂

Mitglied
Judge Dredd

Vielen Dank, dass du die PE Fonds mal genannt hast und danke für das Verlinken (kannte das Mission Money Interview mit dir noch gar nicht). darf ich fragen, ob du auch US REITS oder andere Immoaktien in Depot hast oder bist du ausschließlich über die PE Fonds in vermietete Immos investiert?

Karsten
Gast

REITs mag ich nicht so gern. Waehrend der ganzen Niedrigzins-Misere ist da so viel Geld in the REITs geflossen und ich fand die ziemlich ueberteuert. Wenn man ueber private Fonds investiert hat man da bessere Chancen auf gute Ertraege. Und darueber hinaus auch noch Steuerliche Vorteile.

Natman
Mitglied
Natman

Tag Karsten, super Interview und herzlichen Glückwunsch! Sehr inspirierend. Meine Frage ist, sind Optionen wirklich so gut geeignet, damit ein stabiles Einkommen zu generieren.

Ich habe immer Mal wieder bei Lynx dazu Grundlagenartikel gelesen, fand es für mich aber zu riskant. Auch weil die Einzelaktien auch nicht übermäßig laufen. Da wollte ich mich nicht in Teufels Küche bringen? Wie lange hast du dich damit grob beschäftigt, um gut mit Optionen umgehen zu können oder ist das Risiko überschaubar?

Karsten
Gast

Hallo Natman!
Vielen Dank. Gute Frage! Es kommt halt darauf an, wie man die Options-Strategie formuliert. Zu viel Hebel und es kann ganz boese nach hinten losgehen, siehe meinen Beitrag dazu:
https://earlyretirementnow.com/2018/12/18/the-optionsellers-debacle/
Ich habe mich rein theoretisch schon sehr lange mit dem Thema beschaftigt. In den 90er Jahren gab’s mal “Diskount-Zertifikate” auf den DAX Index, also covered calls auf den Index und das fand ich ganz interessant. Weiss gar nicht ob es sowas noch gibt. 2011 habe ich dann Theorie in die Praxis umgesetzt und ich handle seitdem mit echtem Geld. Wer das wie ich mit grossen Summen, mit Hebel und mit “naked short Puts” implementieren will, sollte schon etwas von Optionen verstehen (Option Math, incl, Greeks), damit man das Risiko einschaetzen kann.
Aber covered-calls, also man hat die Aktie und man verkauft Calls, out-of-the money, sollte auch fuer nicht so mathematisch bewanderte machbar sein. Das hat ja weniger Volatilitaet als Einzelaktion ohne Optionen.
Viele Gruesse!

ugly duckly
Gast
ugly duckly

Hallo Karsten, cool, das Interview war mein Sonntags-Highlight! Deinen Blog lese ich sehr gerne und es gibt zufällig auch ein paar persönliche Übereinstimmungen: Ich bin auch 46 Jahre alt und habe 2018 meinen Job gekündigt. Unsere Tochter ist allerdings erst 15 Monate alt 🙂 .
Umso mehr bin ich an Anregungen und Erfahrungen aus Eurem “Frührentner-Leben” interessiert. Füllt es Euch bisher beide gleichermaßen aus? Hast Du neben Deinem Blog und dem Optionshandel noch weitere regelmäßige Beschäftigungen oder Hobbys? Kannst Du Dir Euer jetziges Leben für die nächsten Jahrzehnte vorstellen, oder bist Du auch für Änderungen offen? In den USA gibt es das FIRE – Modell ja häufiger als hier, hast Du Kontakt zu anderen “Frührentnern” (außerhalb der Bloggerszene)?
Unseren Lebensunterhalt bestreite ich mit der Vermietung von Immobilien und habe bisher ganz bewusst nur sehr wenige Arbeiten delegiert. Auf diese Weise habe ich immer eine mehr oder weniger regelmäßige Beschäftigung, die sich auch noch sinnvoll anfühlt.

Neugierige Grüße von der Ente

Karsten
Gast

Hallo ugly duckly!
Glueckwunsch zur gelungenen Fruerente! Gerade mit kleinen Kindern ist das schon sehr viel wert!
Ja, wir fuehlen uns ganz gut ausgefullt. Im Moment muessen wir jetzt auch noch “home schooling” machen, weil der Kindergarten bis zum Sommer geschlossen ist. Aber Aenderungen werden wir sicherlich schon vornehmen. Ich werde mich wohl demnaechst mal nach einem Teilzeit college teching job umsehen. Nicht weil wir Geld brauchen, sondern weil ich immer gerne Vorlesungen gehalten habe.
Nebenbei gibt es hier auch eine sehr aktive FIRE-Szene, also nicht nur FIRE blogger, sondern auch sehr viele FIRE Fans (sowohl retired als auch pre-retirement). Langweilig wird das hier sicherlich nicht! 🙂
Hast Du jetzt nur oder fast nur Immobilien? Oder nebenbei auch noch ein bisschen Aktienvermoegen? Immobilien sind ja in Deutschland jetzt ganz gut gelaufen, aber ich haette jetzt ein bisschen Sorge wegen fehlender Diversifikation, wenn man nur Immos macht!
Viele Gruesse aus Washington!
K.

ugly duckly
Gast
ugly duckly

Danke für Deine ausführliche Antwort. Ja, einen Lehrauftrag anzunehmen ist bestimmt eine gute Idee!
Mit der mangelnden Diversifikation hast Du absolut Recht, das ist mein Schwachpunkt. Immerhin bin ich nur in Wohnungen investiert, kein Gewerbe, das ist schon ziemlich krisenfest. Außerdem ist von Einzimmer-Apartments bis zu Einfamilienhäusern jede. Größe abgedeckt, also wenigstens in dieser Hinsicht diversifiziert. Mit dem Restrisiko, z.B. hinsichtlich demographischer Entwicklung oder staatlicher Regulierung, muss ich wohl leben.

Gast
Glücksjäger

Hey Karsten!
Nicht immer einfach in einem neuen Land Fuß zu fassen und Erfolg (privat und beruflich) zu haben – well done, Chapeau!
Es freut mich sehr, dass ihr euer Glück in Washington State gefunden habt – toll! Habe einen alten Bekannten in Bellingham – unglaubliche Sehenswürdigkeiten in dem Bundesstaat.
Ich schaue etwas besorgt Richtung USA – ohne finanzielles Polster ist man zZt übel dran, ich hoffe die betreffenden Menschen werden nicht den totalen Reset bekommen wie in 2008. Um so wichtiger einen intakten Plan zur finanziellen Sicherheit zu haben!

Karsten
Gast

Danke!
Ja, Washington State ist schon eine nette location. Sehr abwechslungsreich.
Amerika was immer ein Land ohne ein grosses safety net. Das hat Vorteile und Nachteile. Einerseits trifft es viele Leute, die kein grosses finanzialles Polster haben wahrscheinlich ganz hart. Aber Unternehmen muessen nicht Millionen von Angestellten weiterbeschaeftigen und werden wahrscheinlich gesuender aus der Krise hervorgehen, als in vielen anderen Laendern. Wir werden sehen, wo es besser wieder bergauf geht.
Aber, uebrigens muss ich auch feststellen, dass hier in Amerika schon viel getan wurde, um die Arbeitslosigkeit abzufedern: stimulus Zahlungen, extra AL-Geld, etc. Keine perfekte Loesung, aber immerhin haben die Politiker diesmal nicht nur die Grossbanken geschuetzt! 🙂

Dirk
Gast

Schönes Interview. In Amerika kann man wirlich seinen Traum leben, wenn man sich anstrengt!

Karsten
Gast

Danke! Viele Gruesse zuruck nach D! 🙂

Gast
Subdreamer

Hallo Karsten,

ich finde deine Geschichte sehr inspirierend. Kann es sein, dass ich deinen Lebensweg auf einem anderen Blog schon einmal gelesen habe? Bei Tim Schäfer vielleicht?

Besonders bewundere ich Menschen, die den Sprung über den großen Teich gewagt haben. Dieser Schritt hat sicherlich einen großen Teil zu deinem Erfolg beigetragen.

Fiel es dir leicht Familie und Freunde zurückzulassen? Bzw. wie regelmäßig hast Deutschland besucht?

Ich erwische mich selbst regelmäßig bei dem Gedanken auszuwandern. Länder wie die USA oder die Schweiz bieten meiner Meinung nach gerade für sehr gut ausgebildete und ambitionierte Menschen eine große Chance.

Viele Grüße und genieße deine Zeit, du hast sie verdient!

Karsten
Gast

Danke!
Bei Tim Schaefer war ich noch nicht. Aber ich habe letztes Jahr mal Mission Money ein interview gemacht:

Gar nicht so einfach, wenn man taeglich Englisch spricht und dann auf Detusch ein Interview machen muss! 🙂

FIRE_CH
Gast
FIRE_CH

Hallo Karsten,

erstmal vielen Dank für das Interview! Ich hätte nie erwartet, dass BigERN auf einer deutschen FI-Webseite mal aus dem Nähkästchen erzählt!

Ich bin bisher nur stiller Mitleser bei der freiheitsmaschine gewesen, aber wenn man schon mal die Möglichkeit hat einem Guru Fragen zu stellen 🙂

Deine SWDR-Serie habe ich verschlungen, und ich muss dir dafür echt ein Kompliment machen. Der Maschinist bezeichnet es als Goldstatus, und er hat vollkommen Recht damit. Du hilfst damit sehr vielen Menschen und hast es geschafft, die Sache sowohl für Laien als auch für Profis gut zu erklären. Also ein sehr guter Kompromiss zwischen Verständlichkeit und nötiger Detailtiefe (inkl. der dahinterstehenden Mathematik). Hut ab!

Ich hätte zwei Fragen an dich?
1. In den USA gibt es mit 401k, Broker-Firmen etc eine ganz anders ausgeprägte Aktienkultur. Deine Webseite fokussiert sich natürlich auf die USA. Ist die 4%-Regel aus deiner Sicht auch so in Deutschland/Schweiz/Europa anwendbar? Es gibt doch einige Unterschiede bzgl Steuern etc. Von den Bloggern, die 4% propagieren, einen Grossteil aber über ihre Webseite einnehmen, reden wir nicht.

2. Bzgl Optionen: du bist mathematisch sehr begabt, und hast auch immer viele Rechenmodelle in den Blogposts. Ist das von dir beschriebene Optionstrading auch für den normal begabten Informatiker machbar? Bzw hast du ein paar Tipps, wie man sich dort weiterbilden kann? Gibt es Bücher, gute Webseiten etc. Ich habe das bisher nur am Rande verfolgt, und bei vielen Bloggern hatte ich in der Tat ein schlechtes Bauchgefühl.

Ich selber wohne und arbeite in der Schweiz. Hohe Gehälter, aber leider auch hohe Lebenshaltungskosten. Ein Vorteil hier ist, dass Kursgewinne beim Verkauf von ETFs nicht versteuert werden müssen. Um FI zu erreichen, ist die Schweiz in Europa wahrscheinlich das beste Land.

Viele Grüsse nach Camas, und danke nochmal für die Zeit und den Aufwand den du mit deiner Webseite betreibst.

PS: natürlich gilt das Lob auch dem Maschinist! Es ist wirklich toll, Erfolgsgeschichten von anderen Personen zu lesen. In die Erfolgsgeschichten U35 schaffe ich es leider nicht mehr 😉

Karsten
Gast

Danke!
1: in den USA ist das wahrscheinlich etwas einfacher. Wenn man sich so die Gebuehren bei der Riester-Rente anschaut, da bekommt man schon das Grausen. Man muss dann sicherlich schon bei vielen europaeischen FIRE-Fans einen kleinen Abschlag bei der 4% Regel vornehmen, weil dort nicht so effizient investiert werden kann. Die Schweiz ist da sicherlich anleger-freundlicher. Vielleicht sogar noch freundlicher als die USA.
2: Es gibt verschiedene Optionsmodelle. Einfache “covered calls” sollten eigentlich fuer jeden machbar sein, denn da ist das Risiko natuerlich niedriger als beim einfachen Aktien-Investieren. Sobald man naked options macht, also naked short puts (meine Strategie), Short straddles/strangles, Iron Condors, etc. wird’s riskant. Leider, leider fliegen da zu viele Akteure blind in Sachen risk modeling.

Ein gutes Referenz-Buch ist von Robert Whaley (“Erfinder” des VIX). Leider sehr, sehr teuer (>$100). Das Buch selbst ist mehr als man jemals brauchen wuerde und man kann die gleichen Infos wahrscheinlich auch kostenlos im Web finden. Aber allein die CD-ROM mit dem option pricing Excel plugin ist die $100 wert. Die Formeln wuerde ich lieber nicht selbst in Excel programmieren wollen! 🙂

https://www.amazon.com/gp/product/0471786322/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1789&creative=9325&creativeASIN=0471786322&linkCode=as2&tag=earlyretir007-20&linkId=d7648fb59b4ec09774e9acf87c32adb8

FIRE_CH
Gast
FIRE_CH

Vielen Dank für dein Feedback und die Buchverlinkung! Mit den 100$ kann ich leben. Muss eher schauen, wo ich noch ein portables CD-LW rumliegen habe 😉

Dass die Schweiz sogar anlegerfreundlicher sein könnte als die USA, habe ich so bisher nie bedacht. Danke für den Gedankenanstoss! 🙂

Sunnyberny
Gast
Sunnyberny

Kommt in der Schweiz sehr darauf an wo man wohnt. Wir wohnen in Basel und die Vermoegenssteuer betraegt hier bis zu 0.90% des Vermoegenswertes pro Jahr! Hinzu kommt noch eine Besteuerung von Dividenden/ Thesaurierungen (>30%). Insgesamt kommt man schnell auf > 1% Steuern das Vermoegenswertes p.a. fuer alle Anlagen ausserhalb der steuerlich beguenstigten Saeule 3a. Eine 4% Regel wird dann so zur “deutlich unter 3%” Regel. Keine Frage, Vermoegensaufbau ist hier sehr gut moeglich, FIRE aber dennoch eine Herausforderung, auch aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten.

Natman
Mitglied
Natman

Was in D gut klappen würde: arbeiten zum FIRE Aufbau in einem strukturstarkem Gebiet und dann Umzug in billigere Gegend / gleich abroad. Für die Schweiz fehlen mir dann noch ein paar Fränkli, mir gefällt insbesondere die Italienische Schweiz gut.

Wupp
Mitglied
Wupp

Habe 5 Jahre im Tessin gewohnt, in Ascona. Ist wirklich sehr schön dort aber es ist einfach exorbitant teuer dort das muss man immer bedenken. Und die Steuern sind alles andere als niedrig. Lebenshaltungskosten,Einkommensteuer, Vermögensteuer, Sozialabgaben etc. das hat mich fast umgehauen…..schnell wieder weg. CH nein danke.

FIRE_CH
Gast
FIRE_CH

Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind definitiv nicht zu unterschätzen. Allerdings ist die Steuerbelastung selbst in Hochsteuerkantonen deutlich niedriger als in Deutschland. Es kommt aber auch auf die persönliche Situation an: als Single mit hohem Verdienst würde ich immer die Schweiz vorziehen. Als Familie mit zwei Kindern und nur einem Verdiener fährt man sicherlich in Deutschland besser.

Meine (!) Erfahrung ist, dass man in der Schweiz deutlich mehr (absolut gesehen) sparen kann als in Deutschland. Wenn man ständig ausgeht, teure Reisen unternimmt oder einen Porsche fährt, ist auch hier das Geld schnell weg

Wupp
Mitglied
Wupp

CH oder D keines von beidem ist das allerbeste, meine Erfahrung
Aber im direktem Vergleich ist CH das kleinere Übel von beiden das stimmt schon

Karsten
Gast

Ja, genau! Das haben wir ja ohnehin innerhalb der USA gemacht. Von San Francisco nach Camas, Washington.
Italienische Schweiz ist sicherlich sehr nett! Vielleicht auch Portugal? Wahrscheinlich etwas billiger! 🙂

FIRE_CH
Gast
FIRE_CH

Hoi Sunnyberny,
lustig, dass wir in der gleichen Stadt wohnen.
Ein paar Anmerkungen zu deinem Kommentar: die Vermögenssteuer für 1’000’000.- beträgt 0.605%, d.h. man bezahlt CHF 6’050.- pro Jahr. 0.9% gibt es in Basel-Stadt nicht. Die maximale Vermögenssteuer beträgt 0.8% ab einem Nettovermögen von 75 Mio CHF. Bis dahin ist es noch ein Stück Weg 😉 Die Progression steigt allerdings über 1 Mio CHF relativ stark an und nähert sich ab 2.5 Mio CHF an die 0.8%

Dividenden werden pauschal mit 35% vorab versteuert, wovon man sich aber mit der Steuererklärung im nächsten Jahr Geld wieder zurückholen kann. Auch Dividenden werden dann mit dem persönlichen Steuersatz berechnet (laut meinem Wissen).

Kantone wie Zug oder Schwyz sind bzgl Besteuerung von Vermögen und Einkommen natürlich besser. Die Frage ist: wo will man lieber leben?

FIRE in der Schweiz ist die Königsdisziplin. Wenn man hier finanziell frei ist, dann ist man es überall auf der Welt.

Sunnyberny
Gast
Sunnyberny

Stimmt, 0.9% sind der maximale Grenzsteuersatz, auf das Gesamtvermögen ist der Wert dann etwas geringer. Dennoch sind auch 0.6-0.8% nicht ohne, zusätzlich mit Dividenden komme ich jährlich bei > 1% raus. Ich rechne mit einer FIRE Entnahme von maximal 3.5%. Ein Prozent Steuern bedeutet dann ~30 Prozent mehr benötigtes Vermögen.

Karsten
Gast

Ah, verstehe! Eine Vermoegenssteuer ist natuerlich ein Retirement-Killer! Aber gibt wohl auch andere Kantone mit neidrigeren Steuern. Z.B. Zug ist ja sehr beliebt bei den Hedge Fonds! 🙂

Wupp
Mitglied
Wupp

Das einzige was manche machen können, geht aber nur mit sehr grossen Vermögen. Man handelt eine Pauschalbesteuerung mit dem jew. Kanton aus. Ist aber für normalsterbliche kaum machbar. Deshalb CH kann man eigentlich getrost vergessen was Retirement oder max. Vermögensaufbau angeht. USA ist deutlich besser im Vergleich…noch.