Der Beitrag, den Du am Besten gar nicht lesen solltest

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Teile die Freiheitsmaschine

Ich gebe es zu. Ich habe Dich angelogen.

Wobei gelogen das falsche Wort ist. Ich habe zu etwas geraten, das ich zwar jetzt überwiegend zur passiven Einkommensgenerierung für mich nutze aber bei meinem eigenen Vermögensaufbau nur nebenbei angewendet habe. Ich rede vom passiven Index Fond/ETF investieren.

Ich selbst habe einen guten Teil meines Vermögens mit der aktiven Börsenspekulation verdient, dem Traden. Dem Wetten auf steigende und fallende Kurse. Das, wovon alle Welt sagt, dass es nicht funktioniert und nur den Broker und das Finanzamt reich macht. Bei mir hat es funktioniert.

 

Ich kann Dir trotzdem nicht dazu Raten, es zu tun

Der Grund: Es ein eigener Beruf, also eine eigene „Berufung“. Die Berufung ist in diesen Fall auch nicht direkt offensichtlich, sondern es kostet Dich tausende Stunden Deiner Lebenszeit, herauszufinden, ob Du dafür gemacht bist oder nicht. Der Weg bis zu diesem Punkt ist oft extrem schmerzhaft und auch einsam.

Im Jahr 2000, als ich nach dem Studium meinen ersten Job hatte, wusste ich nicht, dass es passive Indexfonds gibt. Ich wusste nichts über die 200 Jahre Performance des US-Aktienmarktes und auch nichts über die drei Prozent Regel. Ich wusste nur, das alle um mich herum im Neuen Markt spekulierten und ich nun auch mitmachen wollte. „Zum Glück“ hatte ich damals kaum eigene Ersparnisse, als der Bullenmarkt, der fast während der gesamten 90er Jahre tobte, nach den ersten Monaten im neuen Jahrtausend zu Ende ging. Ich hatte gerade mein erstes Depot eröffnet, als meine wild spekulierenden, aber bezüglich der echten Anforderungen an einen Spekulanten völlig ahnungslosen Arbeitskollegen den Großteil Ihres damaligen Vermögens verloren. Meistens war das verkraftbar, da wir fast alle ein junger, wilder Haufen waren, mit dem Großteil unseres Berufslebens noch vor uns. Aber das Schicksal eines 50+ Kollegen, der einen siebenstelligen DM-Betrag mit einer bekannten US Internet Aktie erst machte und dann wieder verlor, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Als die Kurse aus völlig abstrusen Höhen anfingen zu fielen, kaufte er noch nach und endete nach 10 Jahren Haltedauer mit weniger Geld als zuvor.

Ich selbst könnte ein eigenes Buch schreiben, wie ich z.B. im Bullenmarkt 2004-2007 mehrere Hundert % Performance machte aber die Geschichte wäre nicht komplett, würde ich dabei nicht erwähnen, wie ich die Hälfte davon Ende 2007 wieder in einer Woche verlor. Was haltet Ihr z.B. vom Buchtitel: „Wie ich in einer Stunde zweihunderttausend Euro verlor (mit japanischen Yen) und danach mit meiner Freundin ins Kino musste“ (weil ich Ihr vorher versprochen hatte, mit zu gehen). So ein Spaß… Ich dachte ich müsste sterben. Aber lassen wir das.

Die letzten Jahre waren sehr gut zu mir aber das auch nur, weil ich vorher durch die Hölle gegangen bin. Das Traden lernt man größtenteils durch Schmerzen beim Verlieren. Um bei der Spekulation erfolgreich zu sein, muss man sich ein paar wider menschliche Denkweisen aneignen, und seine Gefühle dabei zwar noch wahrnehmen aber Sie nicht mehr als Handlungsbasis heranziehen.

Die meisten Menschen verlieren bei der aktiven Börsenspekulation, weil Sie mit Ihren menschlichen Emotionen handeln und entweder noch gar keine Regeln haben oder diese noch nicht verinnerlicht sind. Manche schaffen es nie, Ihre Emotionen auszublenden oder auch Ihren eigenen Regeln wirklich immer zu folgen.

Hat es sich finanziell für mich gelohnt und habe ich den Markt geschlagen? Ja, das hat es und das habe ich. Kann ich anderen Menschen empfehlen, das gleiche zu tun? Nein, das kann ich nicht. Und hiermit sind wir wieder beim Aufhänger dieser Geschichte; aktives Spekulieren ist sehr zeitintensiv und sehr fordernd. Neben meinem Angestelltenberuf, war ich jeden Tag stundenlang damit beschäftigt. Ich hatte manchmal so große Positionen, das ich nachts nicht schlafen konnte sondern statt dessen laufend die Gold- oder Öl Futures Kurse in Asien kontrollierte. Ich konnte mit meiner damaligen Partnerin abends oft nichts unternehmen, weil z.B. der Schweizer Franken oder Sojabohnen gerade so aussichtsreiche Kursbewegungen machten. Neben den privaten- gab es für mich zusätzlich auch berufliche Opportunitätskosten; ich habe bestimmt die ein oder andere Lohnerhöhung oder sogar Beförderung verpasst, weil ich gedanklich über viele Jahre so stark mit der Börse beschäftigt war.

Ich bin auf dieser Internetseite in der Rolle des Maschinisten, um vielen Menschen den Sinn des Sparens und Investierens näher zu bringen. Für mehr als 95% der Menschen ist das passives Investieren am besten in kostengünstige Index Fonds/ETF‘s. Das funktioniert wunderbar. Es ist kaum Arbeit und macht Dich langfristig wohlhabend und frei.

Wenn Du trotzdem unbedingt auch spekulieren möchtest, dann eröffne ein zweites Konto und nimm dazu höchstens 20% des Geldes , dass Du auf Deinem passiven Depot liegen hast und lies bevor Du auch nur einen Trade machst, dieses Buch. Es zeigt Dir warum Du an der Börse beim aktiven Handel nur das Fischfutter bist, wenn Du keine Regeln hast oder Ihnen nicht folgen kannst.

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