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Aktiv gemanagte Liquid Alternatives (LA's) auf der Basis von Hedge Funds (HF's)  

Maschinist
(@maschinist)
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Da Smartinvestor im Millionair Interview ein sehr grosses Wissen im Bereich Liquid Altvernatives auf Hedge Fonds Basis hat (aktiv gemanagte Fonds die moeglichst nicht mit dem Aktienmarkt korrelieren, hier diese Uebersicht.

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Veröffentlicht : 03/12/2017 4:09 pm
Smartinvestor
(@smartinvestor)
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Auf Bitte vom Maschinisten stelle ich hier gern eine Übersicht über mir wichtig erscheinende Informationen zu Liquid Alternatives auf Basis von Hedgefonds, insbes. CTA/Managed Futures und Global Macro, zur Verfügung (meist zusammenkopiert aus meinen anderen Beiträgen jeweils mit Link):

Zunächst zu meiner Anlagestrategie und Asset Allocation mit diesen Zutaten, da die nur im Portfoliokontext zur Absicherung und Diversifikation Sinn machen:

A) 30% weltweite regionale Aktienindexfonds und -ETFs 
B) 30% weltweite regionale REIT bzw. Real Estate Index ETFs
C) 40% Liquid Alternatives (LAs: 30% handelbare Managed Futures MF- und 10% Global Macro Fonds)
Meine Anlagestrategie orientiert sich am “Yale Model” von David Swensen mit maximaler Diversifikation in für mich gut zugängliche und verständliche Anlageklassen. Die investierten LAs weisen alle eine sehr geringe oder negative Korrelation zu Aktien und Anleihen und mindestens Aktien-ähnliche Rendite und Volatilität auf. Sie verbessern meine Gesamtrendite und reduzieren mein “Worst Drawdown”-Risiko signifikant. In diese alternativen Anlagen sollte man jedoch nur mit sehr tiefem Verständnis investieren, da die sehr seltenen Chancen dabei viel zu hohen Risiken gegenüberstehen, z.B. Schneeballsysteme à la Madoff, überhöhte Gebühren, insignifikante Performance.
Von E.1998-E.2015 habe ich bei meinen 75% Finanzanlagen trotz ein paar Anfängerfehlern mit 7% p.a. eine um ca. +1,7% per annum höhere Durchschnittsrendite bei einem um ca. -40% geringeren Worst Drawdown (mein wichtigstes Risikomaß) als der MSCI ACWI IMI TR Net Index (Rendite +5,3% p.a.) erzielt. Nicht ausgegebene Einnahmen sammle ich jeweils an, bis sie ca. 5.000 EUR erreichen und investiere die dann konzentriert in die am meisten unterallokierte(n) Einzelanlage(n).
Ich halte so wenig wie möglich renditeloses Bargeld und keine renditelosen Geldmarktanlagen, auch wenn größere Ausgaben oder andere Investitionen anstehen. Für den dann erforderlichen Cashbedarf nutze ich temporär meine Effektenkredite bis ich passende Einzelanlagen, die gerade am meisten überallokiert sind und hohe Kursgewinne aufweisen, verkauft habe. So partizipiere ich immer maximal an meiner Durchschnittsrendite aus hoch rentierlichen Finanzanlagen und bin trotzdem immer sehr liquide.

Dann weiter mit den erforderlichen Grundlagen zu LAs:

Hier zunächst ein vorbereitender Auszug aus „Unconventional Success“ von David Swensen. Der bringt Chancen und Risiken von Hedgefonds, von denen Liquid Alternatives (LAs) abgeleitet sind, gut auf den Punkt:

"…the experience of a number of sophisticated institutional investors indicates that some hedge fund strategies produce high, uncorrelated returns with low risk, adding an extremely valuable diversifying stream of returns to investor portfolios. Of course, successful investors in hedge funds devote an extraordinary amount of resources to identifying, engaging, and managing high-quality managers. On top of the enormous difficulties of identifying a group of genuinely skilled investment managers and overcoming the obstacle of extremely rich fee arrangements, investors confront a fundamental misalignment of interests created by the option-like payoff embedded in most hedge fund fee arrangements."

Wer sich damit ernsthaft befassen will, sollte daher unbedingt das Standardwerk „Pioneering Portfolio Management“ für institutionelle Anleger von Swensen vollständig durchgeackert und verstanden haben. Außerdem ist das frei verfügbare Buch „Managing Investment Portfolios“ von Maginn u.a. sehr zu empfehlen. Darin gibt es neben den Grundlagen des institutionellen Portfoliomanagements auch konkrete Anleitungen für das erforderliche Due Diligence.

Das vorweg strebe ich mit meiner erheblichen Allokation in LAs eine Renditeverbesserung bei gleichzeitig deutlich reduziertem „Worst Draw Down“ an. Die wiss. Grundlagen dafür wurden schon 1983 vom Harvard Prof. John Lintner publiziert in: “The Potential Role of Managed Commodity-financial Futures Accounts (and/or Funds) in Portfolios of Stocks and Bonds”.

Diese Erwartung hat sich bei meinen Anlagen bislang gut erfüllt und hat sich a) aus der ggü. Aktien höheren Rendite der LAs von durchschnittlich 9% p.a. seit E.98 und b) aus deren sehr geringen Korrelation von durchschnittlich +/- 0,2, die bei Aktiencrashes stärker negativ wird, ergeben. In Verbindung mit „https://www.onefpa.org/journal/Pages/Opportunistic%20Rebalancing%20A%20New%20Paradigm%20for%20Wealth%20Managers.asp x" target="true">Opportunistic Rebalancing“, bzw. mit der ganz ähnlichen „Swedroe 5 25 Rule“ ergibt sich mit diesen Korrelationseigenschaften eine rel. hohe Rebalancing-Prämie von ca. 1% p.a. seit `98, da man mit dieser Regel i.d.R. starke mehrjährige Gewinntrends nicht durch vorzeitiges (z.B. jährliches) Rebalancen abbricht. Diese Prämie steigt durch Nutzung des „Mean Reversion“-Effekts, wenn möglichst viele Einzelanlagen mit ähnlicher Rendite und Volatilität möglichst gering korrelieren. Es ist eine milde Form des systematischen Market Timings, die solange funktionieren wird, wie es „Regression to the mean“ in den Finanzmärkten gibt. Das wird m.E. noch lange der Fall sein, denn laut David Swensen: „Regression to the mean, one of the most powerful influences in the world of finance…

Aus dieser Zielsetzung ist meine aktuelle Soll-Allocation entstanden, die der des Yale Models ähnlich ist, natürlich mit viel weniger aktiven Anlagen, da mir nicht die Ressourcen eines David Swensen zum Management zur Verfügung stehen:

30% Aktien-ETFs:

• 7,5% VANGUARD FTSE EMERGING MARKETS UCITS ETF – USD DIS A1JX51
• 7,5% VANGUARD FTSE NORTH AMERICA UCITS ET – USD DIS A12CXY
• 15% VANGUARD FUNDS FTSE DEVELOPED EUROPE UCITS ETF – EUR DIS A1T8FS

30% REIT-ETFs:
• 7,5% ISHARES ASIA PROPERTY YIELD UCITS ETF – USD DIS A0LEQL
• 15% ISHARES EUROPEAN PROPERTY YIELD UCITS ETF – EUR DIS A0HGV5
• 7,5% ISHARES US PROPERTY YIELD UCITS ETF – USD DIS A0LEW6

40% Liquid Alternatives:
30% Managed Futures:
• 10% DB PLATINUM IV SYSTEMATIC ALPHA – I1C USD ACC A0YDDW
• 10% MAN AHL TREND ALTERNATIVE USD – IN ACC A1CXLA
• 10% SEB 3-Ass.Selection Opportun. Actions Nom.IC (EUR) o.N. A0NGJK

10% Global Macro:
• 10% NORDEA 1 ALPHA 15 MA FUND – BI EUR ACC A1JHT2

Ein weiteres Grundprinzip ist die saubere Trennung von kostengünstigstem passivem Beta (Aktien- und REIT-Index-ETFs) und teurerem aktivem Alpha (LAs), um den Missbrauch zu vermeiden, den long-bias Fonds mit dem Beta-Anteil treiben, ihn nämlich als überlegenes Alpha auszugeben und mit ungerechtfertigt hohen Gebühren zu belegen, siehe Expected Returns on Major Asset Classes von Antti Ilmanen. Da findet man auch gute Hinweise für die Auswahl geeigneter LAs:

… alpha–beta separation is the way to go: a barbell of very cheap index funds (beta providers) and more expensive hedge funds (alpha providers) can be more cost-effective than an investment in a traditional long-only fund.

Gute Einführungen in Alternative findet man auch hier:
Managed Futures & Dealing With Uncorrelated Assets von Ben Carlson, 
Market-Neutral Investing—Strategy Overview and Evaluation, Vanguard Investment Counseling & Research von Vanguard, 

Die festen Kosten meiner ausgewählten LAs liegen zwischen 0,7…1,7% und im Schnitt bei 1,2% p.a. Bei den meisten kommt noch eine Performance Fees von 15-20% auf neue Gewinne gegenüber High Watermark plus z.T. ggü. Hurdle Rate (Mindestrendite i.d.R. Geldmarkt) dazu.

Die Absicherung ergibt sich aus meiner Strategie durch die in Krisen i.d.R. stark negativ korrelierten Managed Futures, die durch Trendfollowing sogen. „Crisis Alpha“, d.h. Kursexplosionen während Krisen, bieten. Das hat gleichzeitig die großen Vorteile,
1) dass in Krisen eine große Überallokation bei den LAs entsteht, die man dann abbauen und zu sehr niedrigen Kursen in ETFs investieren „muss“, wodurch die Rebalancing-Prämie bzw. die Gesamtrendite (antifragil durch Krisen) stark ansteigt,
2) dass mir in extremen Krisen eine hohe Liquidität erhalten bleibt bzw. dass ich bei kurzfristigem Cash-Bedarf nie Anlagen mit Verlust verkaufen muss, ohne ständig renditezehrendes Bargeld halten zu müssen, und
3) dass damit in der späteren Entnahmephase das Dilemma aus a) möglichst hohen und b) möglichst konstanten Entnahmeraten und c) Bankrottsicherheit des Depots weitgehend gelöst wird, s. Von den Zinsen leben – Entnahmestrategien unter der Lupe (Teil 1). Dort habe ich auch dazu gepostet.

Zu den von mir investierten LAs:

Die aufgeführten Fonds sind die aktuell günstigsten Klassen, aber die Strategien dazu gibt es alle schon viel länger, die MFFs von MAN AHL (Adam, Harding und Lück) und von DB Platinum (=Winton Diversified/Harding) seit Mitte 90er, der MFF von SEB (Bornemann) und der Global Macro von Nordea (Hansen) seit 2009.

Im Folgenden noch ein paar "Tricks of the Trade" des Managements einer "unkoventionellen" Anlagestrategie:

...ergänzenden Artikel zu meiner Anlagestrategie von “A Wealth of Common Sense” gelesen:

Peer Pressure” 

Er handelt von Swensen’s erfolgreichem unkoventionellen Portfolio-Management im Einklang mit seinen Kompetenzen. Wie schon erwähnt ist Letzteres eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Investieren in Alternative:

“Money manager due diligence is one of the trickier aspects of the institutional asset management business. Picking stocks and other securities is hard but picking the stock pickers is probably an order of magnitude harder.”

Da sich dabei die Mehrheit der institutionellen Anleger überschätzt, zu sehr an Peers und Tracking Error orientiert und schlechter als mit einem rein passiven traditionellen Aktien/Anleihen-Portfolio abgeschnitten hat, kam es zum “Curse of the Yale Model”

Swensen beschränkt sich bei seiner Asset Allocation (AA) im “Yale Endowment Fund” z.B. auf diskretionäre fundamentale Hedgefonds-Ansätze, da er nur die ausreichend versteht und deren Ergebnisse bewerten kann:

“…I’m an old-fashioned guy that wants to sit across the table from somebody who’s done the analysis and understand why they own the position. And then if it goes against them, I can have another conversation and try and figure out whether the thesis was wrong and we should exit, or whether the thesis is intact and we should increase the position. And I don’t understand any other way to invest.”

Ich selber habe mich auf die mir mehr liegenden systematischen quantitativen MFF fokussiert und versuche mich erst seit kurzem an mehr diskretionären quantitativen Global Macro- bzw. Multi-Strategien (Nordea 1 Alpha).

Wer nach intensiver Einarbeitung anhand der weiter o.a. Lit. seine eigenen Interessen in der vielfältigen alternativen Welt herausfinden will, der findet eine sehr umfassende und tiefgehende Darstellung der meisten Strategien in “EFFICIENTLY INEFFICIENT How Smart Money Invests and Market Prices Are Determined” von LASSE HEJE PEDERSEN.

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Veröffentlicht : 10/12/2017 1:30 pm Maschinist zugestimmt
Smartinvestor
(@smartinvestor)
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... F0rtsetzung mit weiteren speziellen Hinweisen zu LAs...

Zunächst zur Bewertung von LAs bei deren erfolgskritischer Auswahl:

Die Bewertung von Finanzprodukten macht nur mit den passenden Benchmarks Sinn. Bei meinen MFFs sind das keine Aktienindizes, sondern z.B. der Barclays 9-12 Month Treasury (passiv) bzw. der Credit Suisse Composite (aktiv), s.
http://investments.yale.edu/endowment-update/

Eine notwendige Voraussetzung zur Investition in LAs ist bei mir eine signifikante Outperformance ggü. den korrekten Benchmarks.

Hier noch etwas zu "Peer Pressure" und Swensens Erfolgsfaktoren, ohne deren tiefes Verständnis sogar viele institutionell Yale Model Kopisten scheitern:

...habe ich auch keinerlei Probleme mit “Peer Pressure”. Das ist m.E. ein sehr großer Vorteil, den Privatanleger ggü. Institutionellen haben und der dazu führen kann, dass erstere etwas “schaffen, was die Mehrheit der Fondsmanager nicht schaffen”, wie Berthold zu Recht fragt. Denn bei angestellten Fondsmanagern kommt der eigene Arbeitsplatz mit ins Spiel, und es gilt “lieber konventionell scheitern als unkonventionell Erfolg haben”. Wenn man als angestellter Fondsmanager kurzfristig ggü. Peers underperformt, ist der eigene Arbeitsplatz gefährdet, weil schnell mangelndes Können unterstellt wird. Das ist aber unsinnig, weil Zeiten kurz- bis mittelfristiger Underperformance sogar eine Voraussetzung für langfristig nachhaltige Outperformance bzw. einfacher höhere Risiken die Voraussetzung für höhere Renditen sind. Wenn man dann unkonventionell Erfolg hat, dann wird das oft unbegründet als unverdientes Glück hingestellt, s. Berthold. Da beides keine Relevanz für Privatanleger hat, haben diese eine gute Chance, bessere Ergebnisse als die meisten institutionellen Manager zu erzielen. Die Herausforderung liegt darin, seine eigenen Kompetenzen richtig einzusetzen bzw. sowohl “Overconfidence Bias” als auch “Underconfidence Bias” zu vermeiden.

Der Erfolg von David Swensen begründet sich u.a. darin, dass er sein “Investment Committee” überzeugen konnte, den unkonventionellen Weg seines “Yale Models” mitzugehen. Sein großer Erfolg hat nun zu der grotesken Situation geführt, dass sein unkonventioneller Weg heute zum konventionellen bei Institutionellen geworden ist und meistens naiv kopiert wird. Das hat zwei für die Performance schädliche Konsequenzen: 

1) Die angestellten Fondsmanager, die die früher konventionelle “passive” 60/40 Aktien-/Anleihenindex-Allokation anwenden, kommen nun in Erklärungsnöte, weil sie zu “passiv” sind, obwohl sie mit dieser Allokation langfristig meistens eine bessere Performance erzielen würden.

2) Die Mehrzahl der institutionellen Fonds erzielt daher nun unkonventionell langfristig nicht mal die Performance einer konventionellen “passiven” 60/40 Allokation, da die Mehrzahl der angestellten Fondsmanager keine ausreichende Kompetenz für das schwierige “Yale Model” und insbes. für die Selektion “überlegen aktiver Manager” hat, was die Kosten unnötig in die Höhe treibt, vgl. “Curse of the Yale Model”. 

Die Hauptvoraussetzung für die erfolgreiche Anwendung von Swensen’s “Yale Model” ist also die Selektion “überlegen aktiver Manager”. Die sind i.d.R. teuer und selten. Im Gegensatz zu aktiven Aktienfonds für Privatanleger, die langfristig alle die korrekte Benchmark underperformen, gibt es eine Minderheit an LAs, die langfristig eine ihren Kosten entsprechende netto Outperformance des korrekten Benchmarks generiert. Für die erfolgreiche Auswahl von LAs ist somit eine gute Prognose deren zukünftiger Outperformance ggü. dem korrekten Benchmark bezogen auf die Kosten von höchster Relevanz. 

Aus alldem ergibt sich meine passive/aktive Core/Satellite-Strategie mit kostengünstigsten ETFs und sorgfältig selektierten LAs mit gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Damit wird m.E. insgesamt die höchste Kosten-Effektivität erzielt.

Bzgl. anderer und neuer Asset Classes oder Änderungen der Asset Allocation (AA) orientiere ich mich daran, was David Swensen beim Yale Endowment Fund macht und sonst noch so von sich gibt, z.B. kürzlich hier, wo besonders Fragen zum korrekten Einsatz unkorrelierter Assets adressiert wurden: 

Da Swensen bislang nicht in Gold, P2P oder Kyptowährungen investiert, interessieren mich die vorerst auch nicht als Bestandteile meiner AA. Wenn er etwas ändert, versuche ich das zuerst ausreichend zu verstehen. Dazu frage ich manchmal auch direkt in Yale nach den Hintergründen. Erst wenn ich das ausreichend verstehe und es dann auch Sinn für meine AA macht, baue ich das entspr. adaptiert ein, wie z.B. vor kurzem den vollständigen Ersatz von Anleihen durch LAs und deren Erhöhung in ähnliche Höhe wie Swensen die aktuell fährt. Ist echt gut, dass er das alles so transparent kommuniziert. Aber dass die meisten Instis das trotzdem nicht profitabel umsetzen können, zeigt die destruktive Wirkung der enormen dysfunktionalen Kräfte in heutigen Arbeitsorganisationen. Dadurch wird oft wider besseres Wissen gehandelt, um die eigene Haut zu retten, was dann viel Motivation zerstört.

Zu meinen persönlichen Erfahrungswelt mit der schillernden Welt der alternativen Anlagen:

Ich vermute, dass es wie bei vielen reinen Dachhedgefonds, die ich seinerzeit auch analysiert habe, u.a. an miserabler MFF-Auswahl lag [zur Schließung des “Graf Lambsdorff Vermögensverwaltung, Depot C mit Futures Fonds”]. Das scheint sehr viele zu überfordern. Auch ein sehr integrer Fondsshopbesitzer mit Fh-Finanzdiplom, über den ich meine ersten Apano-GFF-Zertifikate bezogen hatte, hat später auch dieses Phoenix-Schneeballsystem vertrieben. Nachdem das aufgeflogen ist, war der ganz aufgelöst und wollte von mir wissen, wie ich das vorher wissen konnte. Bei der anschließenden Diskussion kam heraus, dass es ihm an Statistik-Grundlagen zur richtigen Bewertung mangelte. War auch nicht mein Lieblingsfach, aber fast alles “tanzt” nach seiner Formeln.

Ja die 90er, das waren die wilden Jahre der Hedgefonds bzw. Managed Futures in D. Da das einerseits Rocket Science und andererseits Schmuddelecke war, hat es mich noch vor meiner systematischen Investorenzeit magisch angezogen, da ich damit zum ersten Mal die Finanzwelt zu verstehen begann. Auch das EMH-Dogma um die Zeit konnte mich nicht davon abbringen. Nach intensiver Analyse von fast 10 verfügbaren Angeboten, u.a. auch von 3 Schneeballsystemen von “Phoenix Kapitaldienst”, “Schwabenpool” und noch eins, die ich alle wegen Ungereimtheiten aussortiert habe, und geringer temporärer Test-Investition in 2 andere, bin ich schließlich ab ca. 97 mit bis zu 10% Anteil steigend in die Apano GFF-Zertifikate mit der AHL-Strategie eingestiegen, primär wegen attraktiver Performance und da ich die dahinterstehende industrielle Struktur als die nachhaltigste aller analysierten Angebote und den rein systematischen MF-Handelsansatz als am besten industrialisierbar von allen Hedgefondsstilen eingeschätzt habe. Wegen deren ungünstiger Garantiezertifikat-Konstruktion habe ich die dann aber in 2005 in das Original “MAN AHL Diversified” umgetauscht, und jetzt folgt der schrittweise Umstieg zu der sehr ähnlichen Klasse “MAN AHL Trend IN USD”, nachdem deren laufende Kosten auf ca. 1,7% plus 20% Perf. Fee gesenkt wurden. Die scheinen aber auch gerade so zum Überleben zu reichen, denn die Aktie der MAN Group entwickelt sich alles andere als prächtig. Vielleicht kann Felix was zu weiteren Hintergründen beitragen.

Hier noch ein sehr ausgewogener Artikel von Vanguard zu diesem “Institutional Portfolio Management”. Er ist sehr lehrreich und geht sehr fundiert und differenzierend auf den Einsatz von Alternativen in großen Portfolios ein:

A framework for institutional portfolio construction

Wie komme ich an meine LAs?

Ich komme an die LAs über B2B-Depots bei DAB und comdirect über einen Fondsvermittler ohne Aufgabeaufschlag und ohne Rücknahmegebühr.

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Veröffentlicht : 10/12/2017 1:59 pm Maschinist zugestimmt
Smartinvestor
(@smartinvestor)
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Und hier schließlich mein Beitrag mit weiteren speziellen Artikeln zu LAs, den Maschinist mich gebeten hat, hierher zu kopieren:

Da Liquid Alternatives (LAs) auf der Basis von Hedge Funds (HFs) und insbesondere Managed Futures (MFs) hier intensiver diskutiert wurden, möchte ich noch ein paar relevante Literaturstellen für die ergänzen, die sich tiefer einlesen wollen:

“Lintner Revisited: A Quantitative Analysis of Managed Futures”, Ryan Abrams, Ranjan Bhaduri and Liz Flores, 2014
http://www.cmegroup.com/education/alternative-investment-resource-center/research/lintner-revisited.html

Dieser Artikel ist eine sehr umfassende Aktualisierung des o.a. “Lintner Papers” von 1983, das für mich Mitte der 90er u.a. eine der wesentlichen Grundlagen für meine gesamte Anlagestrategie war, lange bevor es Swensen’s hervorrande Werke gab. Lintners Hypothesen der vorteilhaften Rolle von MFs in Portfolios wurden nach 30 Jahren gut bestätigt. Die wesentlichen Voraussetzungen für diese Vorteile sind aktienähnliche Renditen und Volatilitäten sowie eine möglichst geringe bis negative Korrelation zu allen anderen Anlageklassen.

“Just a One-Trick Pony? An Analysis of CTA Risk and Return”, Jason Foran, Mark C. Hutchinson, David F. McCarthy, and John O’Brien, 2017
http://www.fmaconferences.org/Lisbon/Papers/JustAOneTrickPony_Hutchinson_OBrien.pdf

“Allocating to Managed Futures: Performance Considerations within a Risk Parity Framework”, William Marr and Alexander Rudin, 2013
https://www.cmegroup.com/education/files/allocating-to-managed-futures.pdf

“The Role of Managed Futures and Commodity Funds: Protecting Wealth during Turbulent Periods”, John M. Mulvey, 2012.
http://docs.edhec-risk.com/mrk/120503_Princeton/Research_papers/JMulvey_The_Role_of_Managed_Futures_and_Commodity_Funds.pdf

CME Group Managed Futures: “Portfolio Diversification Opportunities.”
https://insigniafutures.com/Docs/CME_ManagedFutures.pdf

“An Overview of Managed Futures: An Introduction to the Asset Class and The iSTOXX® Efficient Capital® Managed Futures 20 Index”, Efficient Capital Management®
https://www.efficient.com/pdfs/AnOverviewOfManagedFutures.pdf

Und hier findet man noch viele weitere, die laufend ergänzt werden:
“Alternative Investment Research”, CME Group.
http://www.cmegroup.com/education/alternative-investment-resource-center/research.html

Dort findet man den Artikel "In Search of Crisis Alpha"

der die Rolle von CTAs/Managed Futures als Absicherungsinstrumente in Krisenzeiten sehr gut erläutert.

Hier eine weitere gute Quelle von Hedgefonds-Informationen, insbes. CTAs.:
TopTradersUnplugged

Auch der Newsletter vom Betreiber  Niels Kaastrup-Larsen, mit dem ich mich häufig zu LAs austausche, ist sehr empfehlenswert.

MFFs zu identifizieren, die die bekannten Vorteile nachhaltig aufweisen, ist wie erwähnt nicht trivial. Absolut notwendig ist die Kenntnis und Vermeidung bekannter Fehler bei der Auswahl von HFs, die in folgendem Buch gut zusammengestellt wurden:

Kap. 15 “Hedge Funds” aus “The Only Guide to Alternative Investments You’ll Ever Need: The Good, the Flawed, the Bad, and the Ugly Hardcover”, Larry E. Swedroe, 2008.

Schließlich noch eine dicke Warnung von David Swensen dazu, damit der erforderliche Aufwand auf keinen Fall unterschätzt wird:

“Hedgefonds-Guru warnt Privatanleger”, Arvid Kaiser, Spiegel Online, 2007.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/gefaehrliche-investments-hedgefonds-guru-warnt-privatanleger-a-458049.html

Ich hoffe, dass dies einige Spezis hier interessiert, die sich zu LA-Experten weiterbilden und vielleicht darüber diskutieren wollen.

Viele Grüße
Smartinvestor

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Veröffentlicht : 10/12/2017 2:23 pm Maschinist zugestimmt
Maschinist
(@maschinist)
Admin Admin

Hallo Smartinvestor,

das ist Weltklasse - Vielen Dank!

Wuensche eine schoene Woche!

Bearbeitet:vor 2 Monaten 
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Veröffentlicht : 10/12/2017 11:22 pm
Smartinvestor
(@smartinvestor)
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Systematische Optimierung der Rebalancingprämie

Habe gerade bemerkt, dass es den Link auf das Paper "Opportunistic Rebalancing: A New Paradigm for Wealth Managers" by Gobind Daryanan" oben zerrissen hat. Da der wegen der rel. hohen Rebalancingprämie von mind. 1% p.a. für die Gesamtperformance der unkorrelierten LAs im Gesamtportfolio sehr wichtig ist, hoffe ich, dass es jetzt klappt mit dem unterlegten Link. Vielleicht kann der Maschinist das oben noch fixen, oder wie könnte ich das auch selber korrigieren?

Mit "Opportunistic Rebalancing" kann man die "Rebalancing-Prämie" hzw. die Gesamtrendite dadurch signifikant risikoadjustiert verbessern, dass man den "Momentum" und den "Mean Reversion Effect" im Finanzmarkt (= Marktineffizienzen oder -anomalien) systematisch nutzt. Dabei rebalanced man nach dem o.a. Artikel die investierten Sub-Anlageklassen erst bei größeren Abweichungen von der Soll-Allokation von relativ 20%, was die Gesamtvolatilitât des Portfolios nur unwesentlich erhöht. Diese Renditeverbesserung ist durch die von mir investierten unkorrelierten LAs wesentlich höher als ohne LAs, da deren Abweichungen von der Sollallokation durch deren geringe und in Crashphasen negative Korrelation zu Aktien viel größer werden. Ähnlich war das bislang bei passiv investierten Rohstoffen, mit denen man die "Diversifikationsrendite" durch Rebalancing erzielt hat. Durch "Over-Crowding" scheint das seit einiger Zeit aber nicht mehr zu funktionieren.

In diesem Zusammenhang habe ich kürzlich noch ein paar Überlegungen zur Performanceverbesserung bei regelmäßigen Neuinvestitionen von frischem Cash (Sparraten) angestellt, was im Artikel nicht behandelt wird. Wie beschrieben habe ich frisches Cash bislang immer in die am meisten unterallokierten Einzelanlagen (Unteranlageklassen = einzelne regionale ETFs bgw. einzelne LAs) investiert, weil ich das als optimales Cost Averaging zu niedrigsten Einstiegskosten betrachtet habe. Wenn man jedoch den "Momentum" bzw. "Mean Reversion Effect" mit einbezieht, sieht das möglicherweise anders aus, insbesondere wenn man zuvor ein "Opportunistic Rebalancing" durchgeführt hat und der dabei teilverkaufte Wert so weit gefallen ist, sodass er bei der folgenden Neuinvestition mit frischem Cash am meisten unterallokiert ist und somit wieder aufgestockt werden müsste. Die o.a. Marktanomalien bewirken jedoch häufig, dass der Preis des beim "Opportunistic Rebalancing" verkauften Einzelwerts eher weiter sinkt und der Preis des dabei gekauften EinzelWerts eher weiter steigt. Somit investiert man bei meinem bisherigen Vorgehen frisches Cash eher in weiter sinkende EinzelWerte und wirkt damit m.E. dem renditesteigernden Nutzens des "Momentum Effect" entgegen.

Um das zu verhindern, sollte es m.E. performancesteigernd sein, frisches Cash eher gleichmäßig über alle Sub-Anlageklassen verteilt entsprechend der Ist- und nicht entspr. der Soll-Allokation zu investieren, z.B. über den beliebten automatischen "Sparplan". Das würde sogar den Aufwand reduzieren. Dann kommt es zwar häufiger zu "Opportunistic Rebalancing Events", aber genau die bewirken ja die Rebalancing-Prämie.

Weitere Renditeverbesserungen können durch maßvolles "Over-rebalancing" und durch "Dynamic Asset Allocation", d.h. maßvolle Anpassung der Soll-Allokationen an die "Expected Returns" der Sub-Anlageklassen erzielt werden, wenn man für die "Expected Returns" gute Prognosen vorliegen hat. David Swensen verwendet beim Yale Endowment Fund m.W. nur "Dynamic Asset Allocation" nicht aber die eher taktischen Rebalancing-Ansätze und rebalanced laufend auf Soll-Allokation. Muss dort mal genauer nachfragen.

Würde dieses Thema "Systematische Optimierung der Rebalancingprämie" neben den LAs hier auch gern diskutieren und mich über weitere Meinungen und Erfahrungen dazu sehr freuen. Es ist neben der reinen Diversifikation quasi ein sehr systematisch und damit m.E. sicher erzielbares weiteres "Free Lunch" ohne riskante voll-aktive Eingriffe, ermöglicht durch den nicht völlig informationseffizienten Finanzmarkt.

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Veröffentlicht : 11/12/2017 10:04 am Maschinist zugestimmt
PImalDaumen
(@pimaldaumen)
Active Member

Hallo,
erstmal vielen Dank für die spannende Diskussion. Bin neu hier und hab nicht alle Historie.
Zu den Managed futures habe ich eher mittelprächtige Erfahrungen gemacht, daher die Frage wie lang das schon getestet wurde. Sie scheinen alle ein starkes Jahr 2014 zu haben aber seitdem flat.
Das ist ja noch ganz gut als unkorrelierte Anlage, aber würde jetzt auch für cash gelten. Und steigen Sie wirklich sicher bei einem "Aktien-Crash"?
Gruss

AntwortZitat
Veröffentlicht : 11/12/2017 9:57 pm Maschinist zugestimmt
Smartinvestor
(@smartinvestor)
Trusted Member

Ich habe das schon seit 20 Jahren erfolgreich getestet mit durchschnittlicher Rendite der MFFs allein von gut 9% p.a. Aktien lagen im Schnitt in der Zeit bei 6,5%.

Mit welchen Fonds genau hast du wann welche "mittelprächtigen Erfahrungen" gemacht?

Ja, Cash ist auch unkorreliert aber bringt lange nicht die Rendite wie die aktienähnliche Rendite sorgfältig ausgewählter MFFs. Und meistens sind die bei Crashs stark negativ zu Aktien korreliert, natürlich nicht garantiert, wie Absicherungsstrategien mit Optionen, die aber allein schlechter rentieren. 

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 12/12/2017 10:04 pm Maschinist zugestimmt
Smartinvestor
(@smartinvestor)
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Ich möchte hier 2 Beiträge ergänzen, die ich an anderer Stelle gepostet habe und die für dieses Thema sehr relevant sind.

Der erste Beitrag kommt aus der Diskussion zu meinem Interview und geht auf eine spannende Frage ein, die mir dort ein Leser gestellt hat und deren Beantwortung mich etwas herausgefordert hat. Das war mir aber im eigenen Interesse sehr wichtig, um meine unkonventionelle Anlagestrategie abzusichern gegen mögliche Fehler, die sich in ungünstigen Konstellationen durch Fehlentscheidungen oder deren zu späte Korrektur ergeben können. Also lest euch das durch und gebt mir Rückmeldung, ob das plausibel ist, oder ob ich mir etwas vormache bzgl. meinem "Survivorship" und "Self Confirmation Bias":

@Fondsinvestor1966:
“Wobei das Hauptproblem bei der Betrachtung die Surviourship Bias ist: Damals wußte man noch nicht, das Man AHL eine der (wenigen) bisher erfolgreichen MF-Gesellschaften sein werden. So sah z.B. der Werbeprosepkt zum neuen E&R-Zertifikat 2006 aus: 
http://www.hedgeconcept.de/hedgeconcept/data/documents/34/broschre_er_global_xl.pdf  Man beachte den sehr erfolgreichen Track Record auf S. 3. Und das bekam man dann (auf “max” gehen):  https://www.boerse.de/zertifikate/Index-Zertifikat-auf-Estlander-Roennlund-Global-XL-Euro-Barclays-Bank-PLC-/DE000BC0BQB6

Ich bin diesem Hinweis noch weiter nachgegangen, da die Auswahl nachhaltig erfolgreicher MFFs und das Aussortieren aller Underperformer ex ante natürlich entscheidend für den langfristigen Erfolg meiner Anlagestrategie ist und eine Performance wie die des Estlander-Zertifikats den verhageln würde.

Ich habe also versucht, möglichst ehrlich und realistisch zu überlegen, ob ich in dieses Zertifikat unter Berücksichtigung meiner Entscheidungskriterien beim damaligen Kenntnisstand und Vorgehen investiert hätte:

Zunächst hätte ich überprüft, ob zuvor ausgegebene Zertifikate die Performance der Originalstrategie überhaupt akzeptabel abbilden. Daran hätte ich bereits erste Zweifel gehabt, denn das zitierte Zertifikat
https://www.boerse.de/historische-kurse/Index-Zertifikat-auf-Estlander-Roennlund-Global-XL-Euro-Barclays-Bank-PLC-/DE000BC0BQB6
scheint die nicht mal annähernd abzubilden, wie der Vergleich dessen jährlicher Ergebnisse mit dem (vermuteten) Original “ESTLANDER & PARTNERS ALPHA TREND” zeigt:
https://estlanderpartners.com/int/programs-products/estlander-partners-alpha-trend/

Daher hätte ich sehr wahrscheinlich schon nach dieser nicht bestandenen Standardprüfung nicht in das Zertifikat investiert, zumal ich zu der Zeit nach der Verfügbarkeit des original MFF “MAN AHL Diversified” alle meine Apano Zertifikate schon in den umgetauscht und gar keine MF-Zertifikate mehr gekauft habe. Sollten vorher ausgegebene Zertifikate die original Estlander-Strategie doch besser abgebildet und ich doch in das Zertifikat investiert haben, dann hätte ich es wahrscheinlich sehr bald wieder verkauft, wegen des ggü. der Originalstrategie und ggü. anderen gutes MFFs viel geringeren Crisis Alphas in der letzten Krise 2008/09.

Hätte ich statt dessen in die bis dahin noch recht passable Original-Strategie investiert, so hätte ich die vermutlich spätestens A.2015 verkauft, nachdem deren Kursentwicklung nicht den typischen Anstieg anderer MFFs in 2014 gezeigt hätte, was auf stark nachlassende Managementleistung hinweist:

https://estlanderpartners.com/int/programs-products/estlander-partners-alpha-trend/

Ich war bereits 10 Jahre zuvor ganz ähnlich bei 2 anderen underperformenden MFFs (einer davon war von GNI) vorgegangen, in die ich vor Kauf der Apano Global Futures Zertifikate von MAN AHL investiert hatte.

Wie auch immer, diese nach 2009 unterdurchschnittliche MF-Strategie von Estlander & Co wäre nicht (lange) Bestandteil meines Depots gewesen und hätten dessen Gesamtperformance somit nicht oder allenfalls vernachlässigbar beeinträchtigt. Ich glaube daher, dass die Survivorship Bias entgegen deiner Vermutung kein Problem bei meiner Betrachtung ist.

Aber diese Übung mit dem mir zuvor unbekannten Beispiel war dennoch für mich eine aufschlussreiche Challenge meines Vorgehens, die vielleicht eine Antwort auf Bertholds Frage nach Können oder Glück ist, oder nicht? Es wäre ja auch sehr wenig wahrscheinlich, dass ich über fast 20 Jahre permanent vom Glück verfolgt werde, obwohl mir das auch im beruflichen Kontext schon mehrmals Vorgesetzte gesagt haben, die meine Managementleistung nicht angemessen honorieren wollten, weil sie meinen Beitrag dazu nicht gesehen oder – wie ich vermute – nicht verstanden haben. Denn ich bin ein konsequenter Anhänger des chinesischen Philosophen LaoTze mit meinem ihm entliehenen antifragilen Wahlspruch und Leitmotiv, das hohe Effektivität und Effizienz im Vorgehen bewirkt:
Nichts tun, sodass nichts ungetan bleibt…
 
Quelle:
http://freiheitsmaschine.com/2017/11/17/millionaer-werden-sein-interview-nr-8-smartinvestor-power-of-antifragilitaet-zinseszins/#comment-1176

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Veröffentlicht : 27/12/2017 10:39 am Maschinist zugestimmt
Smartinvestor
(@smartinvestor)
Trusted Member

... Beim hier folgenden 2. Beitrag geht es auch um die Beantwortung weiterer spannender Fragen bzw. kritischen Feedbacks zu meiner Anlagestrategie wie im 1. Beitrag. Hier zunächst das Feedback:

Joerg

22. Dezember 2017 um 9:28

@Smarti, ist es nicht etwas verkuerzt, die wegen Kosten und Unterperformance geschmaehte „Anlageklasse“ Hedgefonds nur wegen der Pruegel als Contrarian-Signal zu sehen?
Die Fragen dahinter sind doch interessant: Warum ist es so gekommen? Der (schwierige) Markt ist Schuld? Die Hedgies sind duemmer geworden?
Hedgefonds leben doch ganz grob von einem Informations-/Schlauheitsvorteil gegenueber den anderen Anlegern, oder?
Was, wenn dieser Vorteil auf Grund von „der Markt hat aufgeholt bei Informationseffizienz und Schlauheit“ geschwunden ist?
(zB „normale Fonds“ machen inzwi auch ein bisschen Hedging/EventDrive/NeutraleMarktstrategien?)
Dann ist der Vorteil eben kleiner, oder wech … Der Markt bereinigt sich, nur die besten Hedgies bleiben uebrig, aber selbst diese backen auch kleinere Broetchen …

Ist es viell ein bisschen, wie auf die Rueckkehr der Tante-Emma-Laeden zu setzen? Klar, in katastrophischen Szenarien, kaufen wir ein Sack Kartoffeln auch wieder an der Ecke … aber als Strategie?

Zum Glueck steckst Du aber so tief drin, dass du nur auf die Besten Hedgies setzt/gesetzt hast …
Da haben wir Faulen LA-Verweigerer leider keine Chance …
Bleibt nur Hoffnung auf Deine Gnade: Darf ich mir im naechsten Crash guenstig Geld von dir leihen?

Quelle:
https://frugalisten.de/das-sequence-of-returns-risiko-entnahmestrategien-teil-2/#comment-2893

Und hier mein 2. Beitrag mit detaillierter Stellungnahme, zu der ich mich auch über weiteres Feedback sehr freuen würde, da das den Kern meiner Strategie betrifft, der wasserdicht sein muss, um nicht eines Tages einzubrechen:

Smartinvestor

23. Dezember 2017 um 15:56 Antworten

@Joerg:
Nein, das ist m.E. nicht verkürzt dargestellt, sondern es sind bekannte Zusammenhänge anschaulich auf den Punkt gebracht. Deine Sorgen kann ich trotzdem gut verstehen. Denn die hat praktisch jeder, egal ob Privatanleger oder Profi, der diese ganz besondere Anlageklasse „Managed Futures Fonds“ (MFFs) / CTAs in Form von Liquid Alternatives (nur darauf bezieht sich dieser Beitrag, nicht allgemein auf „Hedgefonds“) nicht kennt, weil die sich eben so võllig anders zu allem anderen verhält, was man sonst so kennt, s. z.B.:
http://awealthofcommonsense.com/2017/04/managed-futures-dealing-with-uncorrelated-assets/

Das ist aber genau der größte Vorteil dieser „unkorrelierten“ Anlageklasse zur wirksamsten Diversifikation, die überhaupt verfügbar ist. Denn die funktioniert umso besser, je geringer die Korrelation, d.h. je ungewöhnlicher die Entwicklung ist, was gute MFFs darüberhinaus auch noch vor „Over-crowding“ und entspr. Ertragserosion schützt. Die letzte große Krise hat das eindrucksvoll mit einer Korrelation von praktish -1 gegen Ende 2008 gezeigt. Ich musste genau dann ein „Opportunistic Rebalancing“ rein systematisch durchführen, wie es die lange zuvor festgelegten Regeln erfordern, einen erheblichen Teil meiner explodierten MFFs verkaufen und den, wie immer, schnell zur Verfügung stehenden Erlös* kurz vor der letzten Steuerreform in Aktien und REITs zu absoluten Schnäppchenkursen reinvestieren, die mittlerweile enorme steuerfreie Kursgewinne aufweisen.

Aber ich kann dich beruhigen, dass es sich auch dieses mal wieder nur um denselben Schweinezyklus handelt, wie immer: MFFs performen dann am besten, wenn viel Emotion im Markt ist, die die rationalen Sinne vernebeln, wie typischerweise vorm Anfang von Krisen oder während deren oft crashartigen Anfang. Danach verschwindet die Emotion der Marktteilnehmer wie nach einem reinigenden Gewitter und kommt je nach deren Schwere erst langsam wieder auf. Daher der Einbruch der MFF in 2009 und deren schleppender Verlauf danach im Vergleich zu sehr gut performenden Aktien. Auch ausgedehntere und massivere Zentralbankinterventionen als sonst ... haben die MFF-Renditen bislang gedrückt. Diese im Börsenzyklus praktisch um 180 Grad phasenverschobenen Phänomene bie MFFs und Aktien wiederholen sich jedoch regelmäßig in den meisten Börsenzyklen und sind ausreichend wiss. untersucht, um sie als festen Teil in einer nachhaltigen Anlagestrategie zu nutzen, s. z.B.: „Is This Time Different? Trend Following and Financial Crises“:
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2375733

Ich habe daher meine Allokation in MFFs dieses Jahr von 20 auf 40% erhöht, da MFFs immer noch rel. günstig waren (und noch sind) und um an den aufgrund der jetzt wieder wachsenden Emotion im Markt wieder ansteigenden Renditen der MFFs noch besser zu partizipieren. Aufgrund der o.a. Erkenntnisse denke ich außerdem darüber nach, deren Soll-Anteil direkt in der nächsten Krise nach deren Explosion wieder auf 20% Allokation abzusenken bzw. in Akien und REITs zu „over-rebalancen“, um den dann wieder erwarteten Einbruch der MFFs abzudämpfen und an der anschließenden Erholung der Aktien und REITs ebenfalls noch besser zu partizipieren.

David Swensen praktiziert solch eine „dynamische Asset Allocation“ auf Basis der „Expected Return“-Methode schon viel länger als ich erfolgreich und hat entsprechend in den letzten Jahren ebenfalls die Allokation des „Yale Endowment Funds“ in „Absolute Return“ um 50% erhöht [dieser Fonds enthält jetzt zusammen mit geringen Anteilen Anleihen und Cash insgesamt über 30% unkorrelierte Anlageklassern]. Er hat dieses Vorgehen kürzlich in einem empfehlenswerten Interview gut erläutert:
https://www.youtube.com/watch?v=lmHgg3-REl0

Was die Auswahl guter MFFs betrifft, so habe ich kürzlich einen sehr guten Artikel dazu gelesen, der die Relevanz von Auswahlkriterien erläutert. Er kommt zu dem auch meiner Erfahrung entsprechenden Ergebnis, dass primär die Statistik der bisherigen Ergebnisse für zukünftige Ergebnisse von MFFs relevant ist, solange es sich um etablierte und seriöse Anbieter mit ausreichend langem Track Record handelt. Rel. irrelevant sind weiche Einflussfaktoren, wie z.B. Prozesse und Kompetenzen, s. „10 Fallacies when Selecting CTAs“ von Bornemann auf S. 32 in dem insgesamt empfehlenswerten „MANAGED FUTURES / CTA What a Difference a Year makes! – A Case Paper“:
http://hedgenordic2.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2015/03/Hedgenordic_CTA_Report_2015_low.pdf

Auch wenn man guter Unternehmensführung, wie bei anderen Branchen, den Ergebniseinfluss bei CTAs nicht absprechen will, so hat man als Investor in deren Produkte den Vorteil, dass sich alle relevanten Ergebniseinflüsse – auch wenn man die nicht mal alle kennt – praktisch vollständig in den vielen Details deren Ergebnisstatistik abbilden, aus der sich folglich viel mehr ablesen lässt als aus summarischen Key Performance Indikators (KPIs) von Unternehmen anderer Branchen. Und die unseriösen CTAs erkennt man erst recht an deren entsprechend auffälliger Statistik, wie z.B. bei Madoff lange vor dessen Entlarvung, s.:
http://www.fraud-magazine.com/article.aspx?id=313

Nur interpretieren können muss man diesen umfassenden statistischen Fingerabdruck halt. Schon vor 20 Jahren habe ich mit dieser Methode alle 3 CTA-Schneeballsysteme, die mir zu der Zeit in Deutschland angeboten wurden („Phoenix Kapitaldienst“, „Schwabenpool“…), viele Jahre vor deren Auffliegen identifiziert und aussortiert. Aus den restlichen 7 zu der Zeit in D verfügbaren habe ich dann mit dieser Methode genau den davon m.W. einzigen jetzt noch existierenden MFF, den „MAN AHL Diversified“ bzw. „…Trend Alternative“, herausgefiltert und seinerzeit nach 2-jähriger Beobachtung und Detailanalyse als einzigen investiert, da ich bei allen anderen Schwächen in deren Statistik erkannt habe, die deren nachhaltigen Erfolg in Frage gestellt haben. Der nicht unerhebliche Aufwand dafür lohnt sich jedoch nach meiner Erfahrung aus 2 Jahrzehnten, in denen ich während der letzten 5 Jahre noch einige wenige m.E. brauchbare MFFs hinzugenommen habe, nachdem die seit 2009 vermehrt auf dem Markt für Privatanleger angeboten werden.

M.E. haben somit auch Privatanleger eine gute Chance, die richtigen MFFs mit nachhaltig renditesteigernder Outperformance ex ante zu finden, wenn sie wie Value-Investoren beim „Stock Picking“ ein angemessenes „Due Diligence“ beim „CTA Picking“ durchführen, die beide vom Aufwand her ähnlich groß aber unterschiedlich im Vorgehen sind.

Wie schon gesagt, Chancen existieren immer, aber sie zu ergreifen ist leider alles andere als einfach. Sehr hilfreich beim frühzeitigen Erkennen und Nutzen von Chancen und Risiken, insbesondere im reflexiven Finanzmarkt aber auch sonst in Leben, ist das sehr zu empfehlende Hauptwerk vom bekannten Risikoforscher Nassim Taleb: „Antifragile – Things that Gain from Disorder“ (mein Lieblingsbuch):
http://cpor.org/af/Taleb_Antifragile.pdf

Das gibt es auch als kostenfreies Hörbuch:
https://www.youtube.com/watch?v=Xm64GC9qzPw

Taleb ist Autor vom weltweiten Bestseller „The Black Swan – The Impact of the Highly Improbable“:
https://www.fichier-pdf.fr/2012/06/26/taleb-the-black-swan-the-impact-of-the-highly-improbable-probabi/taleb-the-black-swan-the-impact-of-the-highly-improbable-probabi.pdf

* Ein weiterer großer Vorteil von MFFs ist, wie du richtig vermutest, die enorme Liquidität von Futures und Optionen, da durch deren „Marked to Market“-Mechanismus täglich alle Gewinne und Verluste in Cash auf dem Konto ausgeglichen werden und da die Clearingstellen bei Unterschreiten der Margin-Grenzen, die ständig an die Risiken angepasst werden, sofort erbarmungslos durchgreifen und glattstellen. Und sollte es zu einer apokalyptischen Katastrophe des globalen Finanzmarktes kommen, werden die Clearingstellen der Terminmärkte sicher am ehesten und am längsten gerettet, da deren Zusammenbruch bei den dort gehandelten Summen und deren globaler Hochgeschwindigkeits-Vernetzung den augenblicklichen Zusammenbruch der gesamten Weltwirtschaft zur Folge hätte. Somit sind MFFs für mich signifikant risikoadjustierter Renditebooster und Krisenschutz gleichermaßen. Was will man mehr?
Geld würde ich dir dann aber trotzdem keines leihen, denn wir wollen doch online Freunde bleiben…

PS: Weitere Hintergründe und Antworten auf deine Fragen findest du in meinem letzten Beitrag in Teil 1:
https://frugalisten.de/von-den-zinsen-leben-entnahmestrategien/#comment-2888

Quelle:
https://frugalisten.de/das-sequence-of-returns-risiko-entnahmestrategien-teil-2/#comment-2898

Wenn man diese Zusammenhänge durchschaut, ist meine Verdichtung doch legitim auf den Punkt gebracht, "die wegen Kosten und Unterperformance geschmaehte Anlageklasse" Managed Futures Fonds "wegen der Pruegel als Contrarian-Signal zu sehen", oder? Das bezieht sich allerdings keinesfalls auf Hedgefonds allgemein, wie Jörg das großzügig erweitert hat, sondern ganz scharf abgegrenzt auf trendfolgende MFFs. Und mit "auf Rueckkehr der Tante-Emma-Laeden zu setzen" und "in katastrophischen Szenarien, kaufen wir ein Sack Kartoffeln auch wieder an der Ecke" hat das m.E. absolut nichts zu tun, sondern ist der entscheidende Kern meiner Anlagestrategie, die mit meinem Verständnis das Beste aus den aktuellen Gegebenheit auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft macht.

Bearbeitet:vor 2 Monaten 
AntwortZitat
Veröffentlicht : 27/12/2017 10:45 am Maschinist zugestimmt
Natman
(@natman)
Active Member

Hallo Maschinist und Smartinvestor, ich lese schon eine Weile mit und habe derzeit die Aktienquote von 25% auf 40% erhöht und jetzt kommt die interessante Strategie von Smartinvestor und ich bin  verunsichert was ich jetzt tun soll... 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 30/12/2017 6:24 pm
Maschinist
(@maschinist)
Admin Admin

Hallo Natman,

das was Smartinvestor betreibt ist eine Art von aktivem Handel. Das ist ok, wenn man wirklich weiss, was man tut. Aber die meisten Menschen unterperformen auch mit dieser Art des Handelns ein einfaches Buy and Hold von passiven Index ETF.

Es ist absolut ok permanent den ueberwiegenden Teil des eigenen Vermoegens passiv in einem breit gestreuten Aktien (ETF) Korb zu halten.

Ich bin aktuell immer noch knapp 120% long in Aktien ETF und Einzelaktien. Wenn die weltweiten Aktienmaerkte noch deutlich weiter steigen, werde ich das auf 100% reduzieren und dann das neue gesparte Geld in kurzlaufende Anleihe ETF parken, bis ich dort max. 20% des Vermoegens aufgebaut habe.

Meine Aktienquote wird aber immer ueber 60% betragen. Alleine schon, weil ich die Kursgewinne gar nicht realisieren will.

Also mach Dir keine Sorgen und besonders verkaufe niemals Aktien nach einem groesseren Kurseinbruch!

Die Kurse erholen sich immer! Besonders dann, wenn in der Presse steht, das es dieses Mal anders kommt.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 30/12/2017 10:56 pm Smartinvestor zugestimmt
Smartinvestor
(@smartinvestor)
Trusted Member

Möchte einen weiteren zum Thema passenden Beitrag posten, den ich schon beim Privatier gepostet habe, wo es um philosophische und strategische Aspekte meiner Anlagestrategie und um eine Simulation meiner Strategie geht, solange ich die schon so ähnlich verwende (19 Jahre):
https://der-privatier.com/aenderungen-in-der-depot-struktur-2017/

Privatier sagte am  :

@smartinvestor:
„Daher auch meine (wiederholte) Frage nach den verwendeten Kriterien, wie…Privatier genau die Bewertungen als Trigger für seine eingangs erwähnte Erhöhung der Liquidität festlegt.“

Es gibt keine Kriterien. Es ist eher das „nicht sonderlich systematische, sondern eher situative Vorgehen“. 😉

Weiter oben hatte ich in meiner Aufzählung der unterschiedlichen Voraussetungen, die sich bei verschiedenen Anlegern ergeben, noch die Persönlichkeitsstruktur (oder auch Charakter) vergessen. So gibt es (viele!) Anleger, die sich gerne an festen Regeln orientieren, ihre Entscheidungen anhand von Messgrößen, Kennzahlen usw. festmachen (nicht nur in Finanzfragen). Und sich dabei an anerkannten „Gurus“ orientieren, sei es nun Buffet, Graham, Swensen oder Kaminski.

Ich mache dies zwar auch, aber nicht ausschließlich und auch nicht in erster Linie. Für mich steht meine persönliche Einschätzung von Märkten und Situationen an erster Stelle. Da breche ich dann auch einmal gerne sämtliche Regeln. Manchmal mit Erfolg, manchmal auch nicht.

Und was die Frage nach der Absicherung angeht, so ist dies sicher erst eimal eine Definitionsfrage: Was genau ist denn damit gemeint?

Bei versfachwirt hatte ich ursprünglich den Eindruck, dass er ausdrücken wollte, dass eine hohe Cash-Quote (und Crowdinvesting) jemand davor bewahren kann, während eines Aktien-Crashes verkaufen zu müssen. Hat er Recht. Insofern eine Art der Absicherung.
Weiterhin ist eine Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und eine Streuung innerhalb der Klassen auch eine gewisse Form der Absicherung.

Konkrete Produkte zur Absicherung wie z.B. long Puts o.ä. habe ich momentan nicht. Das Problem bei solchen Produkten ist immer, dass sie sich in der Regel, solange die befürchtete Situation nicht eintritt, zu ordentlichen Renditekillern entwickeln.

Da mögen die Produkte noch so schöne Marketingwirksame Bezeichnungen wie „crisis alpha“ oder „smart beta“ haben – am Ende kochen alle nur mit Wasser. Und zumindest von einer Regel bin ich sehr überzeugt: „There is no free lunch“.

Gruß, Der Privatier

Hallo Privatier,

ich mache auch alles falsch, da ich die Märkte verfolge und mir meine persönliche Meinung bilde. Aber ich glaube eben nicht an die einzige perfekte wissenschaftliche Methode, weil auf vielen Themengebieten der einfachste Weg oft der erfolgreichste war.

@ Privatier und versfachwirt,

irgendwie scheine ich immer wieder Missverständnisse auszulösen. Sorry. Also versuche ich mal (wieder) die Dinge zurecht zu rücken:

Wie vermutet, versuche ich SCHON, meine Anlagestrategie möglichst umfassend in Regeln, Kennzahlen... festzulegen, um all die menschlichen emotionsgetriebenen Entscheidungsschwächen so gut es geht in den Griff zu bekommen. Das hat sich mittlerweile seit fast 20 Jahren gut bewährt bzgl. Performance, Minimierung des Arbeitsaufwandes, Entscheidungsstärke und Seelenfrieden. D.h. frei nach Kostolany esse UND schlafe ich damit gut. Dabei nutze ich ABER viele möglichst unterschiedliche und sich widersprechende (mehr oder weniger wissenschaftliche) Erkenntnisse der EMH, der Behavioral Finance bis hin zur Mystik (u.a. W.Bernstein, Bogle, Buffett, Kommer, LaoTze, Lintner, Markowitz, Soros, Swedroe, Swensen, Taleb, Talmud, Zen), aus denen ich mir eine völlig eigenständige Meinung, mein schlüssiges mentales Finanzmarktmodell, bilde, das ich konsequent rational befolge. Das versuche ich ABER trotzdem frei nach Einstein "so einfach wie möglich, aber nicht einfacher" zu gestalten. Wenn ich mit diesem Modell dann die Märkte und Situationen einschätze, liege ich meistens richtig, rein intuitiv ohne diese Systematik meistens falsch. Damit kann ich also völlig frei von Emotionen und Konsens völlig rational handeln, wie z.B. geschehen Mi. 2000 erheblich Aktien nahe Höchststand verkauft und damit REITs nahe rel. Tiefststand gekauft oder E.2008 dito MMFs/Aktien und in 3.2016 dito USA/EM Aktien.

Wie Privatier schon erwähnte, sollte jeder versuchen, seine zu ihm passende Vorgehensweise zu finden. Ich liege mit meiner gefühlt genau drauf. Sehr interessant sind dabei für mich die widersprüchlichen Bewertungen derselben mit entspr. Kommentaren von Diskussionspartnern von "perfekte wissenschaftliche Methode" (von versfachwirt) bis "Außenseiterposition in Finanzökonomie, denn wissenschaftsbasierter Investmentansatz ist nicht mit einem spekulativen kombinierbar" (Honorarberater). Ich würde mich ABER eher allein beim 1. Teil der 2. Bewertung sehen, DENN "perfekt" kann es im hoch reflexiven Finanzmarkt nicht geben, schon gar nicht rein wissenschaftlich, denn (fast) jede wissenschaftliche Erkenntnis gilt dort nur zeitlich eng begrenzt bei ganz bestimmten Voraussetzungen. Und dass ein wissenschaftsbasierter Ansatz, gemeint war Indexing, mit einem spekulativen, gemeint waren meine aktiven LAs, nicht kombinierbar sein soll, ist unlogisch, denn nur damit kann ich am Beta und Alpha des Marktes gleichzeitig optimal partizipieren. Anyway, diese Bewertungen meiner Vorgehensweise sagen m.E. mehr über die aus, die sie bewerten, als über diese selber.

Unter Absicherung verstehe ich alle Ansätze, die verschiedene Risiken und Volatilitäten sowie insbes. den WDD deutlich reduzieren, sodass die nicht mehr stören, bedrohen, aufregen... Dafür gibt es zwei grundverschiedene Ansätze: 1) Meist verwendete "garantierte" oder risikoarme Ansätze, wie z.B. Put-Optionsstrategien, Zero Bonds, Anleihen, Cash... kosten erheblich Rendite. Die vermeide ich daher mittlerweile komplett. Ich nutze hingegen ausschließlich 2) nicht garantierte aber trotzdem gut funktionierende statistische Ansätze, die möglichst große Diversifikation mit möglichst gering bzw. un-korrelierten Anlagen mit aktienähnlicher Rendite: trendfolgende Managed Futures (MFs) und andere Absolute Return Strategien (Global Macro und Value-driven, Contrarian MFs). Wem diese nicht zusagen, der kann stattdessen auch Event-driven oder Dedicated short-bias Strategien nutzen, die zu Aktien ebenfalls un- und bei ausgeprägten Crashes negativ korreliert sind und trotzdem rel. gute Renditen abwerfen können. Allen statistischen Ansätzen (2) gemeinsam ist die Verwendung von Leerverkäufen, denn nur die können m.W. nennenswerte zu Aktien un- und negativ korrelierte Renditen generieren. Die reduzieren damit alle sehr wirksam das Gesamtrisiko und erhöhen in Verbindung mit "Opportunistic Rebalancing" zudem noch die Gesamtrendite signifikant. Swensen erläutert das aus aktuellen Anlass in diesem sehr empfehlenswerten neuen Youtube Video, weil das nicht nur "eine gewisse Form der Absicherung" sondern aus seiner (und meiner) Sicht die zur Zeit leistungsfähigste und somit beste Form ist: "A Conversation with David Swensen - Council on Foreign Relations", Dez. 2017  https://m.youtube.com/watch?v=lmHgg3-REl0
Ich habe das bei "Die Freiheitsmaschine" noch ausführlicher erläutert, wens interessiert: "Aktiv gemanagte Liquid Alternatives (LA's) auf der Basis von Hedge Funds (HF's)" 
http://freiheitsmaschine.com/freiheitsforum/alternative-investments/aktiv-gemanagte-liquid-alternatives-las-auf-der-basis-von-hedge-funds-hfs/#post-343

Natürlich gibt es kein "free Lunch". Aber mit unkorrelierten und während Crashs stark negativ korrelierten Anlagen (insbes. trendfolgende MFs und Dedicated Short-bias mit "Crisis Alpha") kommt man der Sache schon sehr nahe, denn damit kann man sogar einen beträchtlichen Teil des systematischen Risiko des gesamten Marktes wegdiversifizieren, was laut der "no free lunch"-Hypothese nicht möglich sein soll. Die synergistische Kombination der EMH und der Behavioral Finance machen dieses "semi-free lunch" m.E. doch möglich, wenn man sich mal den sehr gleichmäßigen und trotzdem stärker als der Benchmark steigenden Verlauf folgender einfachsten Simulation meiner Strategie mit dem MSCI ACWI IMI Index und dem populären MFF "MAN AHL DIVERSIFIED PLC", den ich selber seit ca. 20 Jahre halte, anschaut:
http://freiheitsmaschine.com/wp-content/uploads/wpforo/default_attachments/1515337137-Portfolio-Simulation.pdf

Sehr vorteilhaft ist bei dieser Strategie, dass sie offensichtlich von so wenigen verstanden und genutzt wird, denn das schützt die gut vor Erosion deren Outperformance durch Overcrowding, s.: “Managed Futures & Dealing With Uncorrelated Assets” von Ben Carlson, 
http://awealthofcommonsense.com/2017/04/managed-futures-dealing-with-uncorrelated-assets/

PS: "Crowd Funding" halte ich übrigens genau wie "P2P-Kredite", "Bitcoin" und mit kleinen Einschränkungen "Smart Beta" bzw. "Factor Investing" mit ETFs für riskante Hypes, von denen ich die Finger lasse. "Crisis Alpha" ist hingegen m.W. keine vom Marketing gehypte Bezeichnung, sondern ein Insider-Fachbegriff, um die Vielzahl von Hedgefondsstrategien zu klassifizieren. Ich habe ihn selber erst vor wenigen Monaten zum ersten Mal gehört und nutze ihn gern, weil er sehr treffend ist. "Smart Beta" hat übrigens auch eine Insider-Bezeichnung, die ich auch gern nutze: "Dumb Alpha". Auch sehr treffend, oder?
😉

 

Bearbeitet:vor 2 Monaten 
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Veröffentlicht : 07/01/2018 4:38 pm
  
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