Erinnerungen an einen Freund

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Ich hatte einen Freund.

Ich habe Ihn vor 38 Jahren im ersten Schuljahr zum ersten Mal getroffen. Er war der lustigste und freigiebigste Mensch, den man sich vorstellen kann. In unserer Jugendzeit machte es mit niemand anderem so viel Spaß, gemeinsam auf die Piste zu gehen und die Nacht unsicher zu machen.

Gemeinsam haben wir ein paar unvergessliche Dinge erlebt und bei manchen davon bin ich froh, wenn meine Kinder Sie nicht nachmachen werden.

Im Gegensatz zu mir waren diese Dinge für Ihn aber irgendwann keine besonderen Ausnahmen mehr um danach „Im normalen Leben“ wieder entspannt zu funktionieren sondern sie wurden zu immer regelmäßigeren Gewohnheiten für Ihn – Und andere Sachen kamen später noch hinzu.

Die gleiche Vorgehensweise gab es auch beim Thema Finanzen. Das gute Geld, dass zuerst mit einem Beruf und später mit einer Selbständigkeit verdient wurde, flog mit beiden Händen wieder aus dem Fenster hinaus. Geliehenes Geld kam hinzu.

Aus dieser Gemengelage heraus hatte ich schon vor zwei Dekaden das Gefühl, dass das Ganze vielleicht nicht gut ausgeht.

Durch Studium und Arbeitsplatz lebten wir später in unterschiedlichen Ecken und die lustigen und erlebnisreichen Zusammenkünfte wurden seltener.

Wir gründeten beide eine Familie aber seine zerbrach und in den Jahren vor und während meines USA Aufenthaltes wurde der Kontakt dann noch sporadischer. Aber ganz aus den Augen verloren haben wir uns nie.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen meinen alten Freund über die kommenden Weihnachtstage wieder einmal zu besuchen.

Aber das ist jetzt nicht mehr möglich – Denn mein alter Freund lebt nun nicht mehr.

Er hat sich letzte Woche das Leben genommen.

Gestorben durch seine eigene Hand bleibt neben der Trauer nun nichts anderes mehr für mich und auch die anderen um Ihn herum, als die Lehren für das eigene Leben daraus zu ziehen.

 

Wieso hat er sein Leben so gelebt?

Warum hat niemand etwas gemerkt?

Warum betreibe ich eigentlich diesen ganzen Aufwand in meinem Leben?  Sparquoten und Investieren –  Abwägen von Optionen – Das ganze drum herum?

Im Endeffekt nicht wegen des Geldes – Das ist nur ein Hilfsmittel. Ich mache es als letzten Grund auch nicht um „Frei“ zu sein. Das bedeutet sowieso für jeden etwas anderes.

Ich mache es um mich glücklich zu fühlen – Für ein Gefühl!

Ich habe gelernt, dass ich umso entspannter und ausgeglichener bin, je antifraglier ich bezüglich Geld- Fitness, Gesundheit und sozialen Kontakten werde.

Ich habe gelernt, dass ich mit einem eigenen Vermögen und dem passiven Einkommen daraus mehr selbstbestimmte Lebenszeit zur Verfügung habe, um mein Leben so zu leben wie ich möchte und meine Familie so auch mehr Möglichkeiten hat.

 

Wir sind in letzter Konsequenz alle Glückssucher.

 

Darin unterscheiden wir uns nicht von Menschen wie meinen alten Freund. Der Unterschied liegt darin, wie wir das Thema versuchen umzusetzen.

Wer mehr Geld ausgibt als er einnimmt oder gewohnheitsmäßig suchterzeugende Substanzen einnimmt, konsumiert seine eigene Lebensenergie aus der Zukunft. Wenn man es dabei übertreibt, ist irgendwann nichts mehr übrig und es tun sich Abgründe auf.

 

Er wollte eigentlich das gleiche wie ich – Einfach glücklich sein.

 

Aber neben der mangelnden Erfahrung in Finanzdingen, fehlte Ihm wahrscheinlich oft die Geduld. – Impulskontrolle.

Ist eine der wichtigsten Eigenschaften für ein langfristig glückliches und selbstbestimmtes Leben, wirklich nur die Eigenschaft, den Keks (des Lebens) nicht direkt zu essen, sondern geduldig darauf zu warten bis Mehrere daraus geworden sind – Indem man den Keks verleiht oder in eine Keksfabrik investiert?

Und das egal ob im Großen oder im Kleinen? Egal ob beim Thema Geld, Beziehungen oder Gesundheit?

Für mich sieht es so aus.

Aber vielleicht bin ich ja mittlerweile selbst ein Gefangener bei diesem Thema und mein alter Freund muss gerade schallend im Himmel lachen, wenn er mir beim Planen und Rechnen zuschaut und er den fechsten Engeln hinterher pfeift.

 

Ein nachdenklicher Maschinist schließt damit für heute und macht sich auf den Weg ins Fitnessstudio – Einfach nur um sich ein wenig glücklicher zu fühlen.

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11 Kommentare auf "Erinnerungen an einen Freund"

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Gast

Das ist eine sehr traurige Geschichte..Mein Beileid.

Wir alle glauben, wir haben noch so viel Zeit. Zeit unsere Pläne und Ziele zu verwirklichen, Freunde wiederzusehen. Manchmal kommt es anders.

Drogen und Schulden sind geborgtes Glück aus der Zukunft. Glück für das keine Anstrengung notwendig ist. Der Zahltag kommt. Mit diesem geborgten Glück eher früher als später.

Ich denke auch dass man als Lehre daraus ziehen sollte, sein Leben verständig einzuteilen. Es gibt eine Zeit in der man sich die Hörner abstößt und viele Dinge ausprobiert. Die man dann aber irgendwann sein läßt weil einem der Verstand sagt, dass das nicht dauerhaft gut sein kann. Und es reicht, diese Erfahrung einmal gemacht zu haben.

Manche Menschen werden süchtig nach diesem leichten Glück und können davon nicht lassen.

Jeder der es schafft diese Lernkurve zu durchlaufen, nicht jeder Versuchung sofort nachzugeben, sich beizeiten zu wappnen gegen Unglücksfälle, sollte dankbar sein.

Gast

Traurige Geschichte, die leider das Leben schreibt. Mein Beileid. Ein Freund der Familie hat vor ein paar Jahren angekündigt, dass er ins Ausland geht (war immer sein Plan) und er sich vermutlich eine Weile nicht mehr melden wird. Kam uns zwar komisch vor, aber letztlich glaubten wir ihm, dass er sich diese Auszeit nimmt. Erst Monate später erfuhren wir, dass er beerdigt wurde. Es ist traurig, wenn man an die schöne Zeit denkt, die man noch zusammen hätte haben können. Aber letztlich tröste ich mich damit, dass er letztlich nun da ist, wo er sein möchte. Dass er nun einfach weiter weg ist als vorher. Er hat so viele Menschen geprägt – vielleicht war mit seinem Leben die Aufgabe auf der Erde erfüllt und es sollte letztlich alles so sein.

Gast

Mein Beileid

Gast

Einer der ehrlichsten, emotionalsten und hilfreichsten Blogbeiträge in diesem Jahr. Danke, dass du deine Emotionen und Gedanken mit uns teilst. Mein Beileid.

Mitglied

Hallo Maschinist.

Viele haben dieses unangenehme Erlebniss, dass du gerade durchmachst, erlebt. Man ist die nächsten Wochen etwas aus der Spur und hinterfragt viele Sachen. Diese vielen Fragen. Hätte..dann.. wäre. Letztlich ist jeder Mensch für sich selbst verantwortlich, aber vor Allem hat er Verantwortung für seine Familie und Kinder. Es ist die “einfachste” Situation sich aus dem “Staub” zu machen. Im Endeffekt mach man das Leben für die Familie viel schwieriger.
Ich kann mir schon vorstellen, dass die Betroffenen da keinen Ausweg sehen und sich im Kreis drehen, aber es gibt einen Ausweg. Man muss lernen nicht sich zu bemitleiden sondern für andere da zu sein.
Jeder hatte schon eine Zeit, wo er unten war, aber gleich aufgeben? no way

Ich schreibe das, weil ich weiß wie schwierig es für die Kinder ist damit klarzukommen.

Gast

Sehr traurig. Vielen Dank das du das mit deinen Bloglesern teilst. Regt sehr zum Nachdenken an.

Gruß Moritz