Will Dein Unterbewusstsein eigentlich das Gleiche wie Du?

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Ich habe meine Kindheit ohne großen Schnickschnack in einem Dorf verbracht. Ich hatte keinen Mangel an Essen, Kleidung oder Freunden, aber irgendwann fing ich an, mich dort zu langweilen. Ich hatte keine echte Ahnung von der Welt dort draußen. Aber ich wusste, ich wollte Sie mir ansehen.

Meine Eltern lebten das klassische Westdeutsche Nachkriegskonzept, bei dem mein Vater arbeiten ging und meine Mutter den ganzen Rest übernahm. Ich bin Ihnen für viele Dinge sehr dankbar. Besonders aufgrund meines Vaters habe ich z.B. früh den Sinn einer hohen Sparquote erkannt.

Als ich dann später mein eigenes Einkommen hatte und an der Börse anfing zu spekulieren, machte ich mir keine Gedanken darüber, ob ich ein Problem mit Geld haben könnte. „Geld ist gut also ist mehr Geld besser“ Mhhh, bei der zweiten Hälfte des Satzes wurde mir irgendwie komisch. Innerlich sträubte ich mich dagegen, konnte es aber nicht genau erklären.


Nach ein paar weiteren Jahren mit hoher Sparquote und der überwundenen großen Lehrstunde bezüglich hoher Gewichtung bei Einzelaktien im fallenden Trend, hatte sich ein schöner Geldbetrag auf dem Konto des Maschinisten angesammelt. Es war der Betrag, mit dem man sich vor zehn Jahren ein neues Haus hätte kaufen können.


Der Maschinist hatte noch kein Interesse an Häusern. Er war gerade erst aus seiner WG in eine nette Wohnung zusammen mit der zukünftigen Frau Schlau, ähhh ich meine Frau Maschinistin, gezogen. Er hatte aber Interesse daran, aus dem vorhandenen Geldbetrag beim Traden möglichst schnell einen noch größeren zu machen. Er dachte zumindest, das er das „wollte“. Die Fehler mit den riesigen Einzelaktienpositionen gegen den Haupttrend machte er ja nicht mehr und auch sonst hatte er einiges gelernt.

Trotzdem stieß er bei der Geldmenge plötzlich irgendwie an eine Grenze. Es war so, als würde Ihm jemand verbieten, nun noch mehr Geld anzusammeln, nachdem es in den letzten Jahren so gut funktioniert hatte. Das ging dann eine ganze Zeit lang so. Der Depotstand wuchs manchmal ca. 10% über den Wert und dann fiel er mit wenigen schnellen Verlusten wieder auf den ursprünglichen Betrag. Es war wie verhext. Der Maschinist wurde frustriert.

Irgendwie gab es eine Blockade, die er nicht lösen konnte. Irgend etwas hinderte Ihn daran, auf dem Depot eine größere Geldsumme anzusammeln, als diesen Gegenwert eines Einfamilienhauses in seiner alten Umgebung. In einem der vielen Tradingbücher, die er in den Jahren zuvor verschlungen hatte, stand etwas davon, wie wichtig die eigenen inneren Überzeugungen für den Erfolg beim aktiven Börsenhandel sind. Naja, schreiben kann man viel…

Aber irgendwie ging es einfach nicht weiter. Weder noch mehr Anstrengung noch die neueste Börsensoftware halfen. Also machte sich der Maschinist auf die Suche nach Hilfe. Er fand Sie schließlich in Form dieses zuvor erwähnten Buches, dass er Jahre zuvor gelesen hatte. Besser gesagt, durch den berühmten Trader Ed Seykota, der in dem Buch interviewt wurde und der weltweit Selbsthilfegruppen von Tradern gegründet hatte, damit diese Ihre unterbewussten Probleme und Hindernisse lösen konnten. Das ganze Thema ist sehr spannend.

Um es abzukürzen, war der Maschinist dann über einen längeren Zeitraum fast wöchentlich bei diesen Meetings in einer deutschen Großstadt. Während einer besonders intensiven Sitzung, bei der mit psychologischen Hilfsmitteln gearbeitet wird, um unterbewusste Kindheitserlebnisse zu verarbeiten, wurde Ihm mit einem Schlag klar, warum er nicht mehr als einen bestimmten Geldbetrag auf seinem Handelskonto ansammeln konnte: Er hatte keine Erlaubnis dazu!


Genauer gesagt, kam in einer dieser Sitzungen heraus, das meine Eltern zwar eifrige Sparer waren und mir das auch weiter gaben aber gleichzeitig eine negative Meinung gegenüber „Zu viel Geld“ hatten. „Zu viel Geld“ bedeutet für jeden etwas anderes. Für meine Eltern lag die Grenze dabei beim Gegenwert eines neuen Hauses. Ich hatte es längst verdrängt aber Sie hatten in meinem Beisein oft darüber gesprochen, dass reiche Menschen auch nicht glücklich sind und das bei einem abbezahlten Haus der Spaß doch aufhört.

Unfassbar für jemandem, der sich damit noch nicht beschäftigt hat und wahrscheinlich auch schwer zu glauben. Der Maschinist hatte sich über ein Jahr an der Börse mit einer im Unterbewusstsein verankerten Kindheitsgeschichte herum geschlagen!

Jetzt laufen die meisten Menschen nicht direkt zum Psychologen, wenn Sie bestimmte feste Überzeugungen haben, die Ihren Mitmenschen sonderbar vorkommen. Ich kann Dir aber den guten Rat geben: Wenn du Geld nicht magst, oder Du dazu grundsätzlich eine negative Einstellung hast, dann verbergen sich dahinter wahrscheinlich von Deinem nächsten Umfeld übernommene Einstellungen aus Deiner Kindheit. Wir übernehmen in unseren ersten Lebensjahren sehr viele Dinge von unseren Eltern und nachher denken wir dann, dass es unsere eigenen Überzeugungen sind.

Geld an sich ist nichts schlechtes und kann es gar nicht sein. Es ist einfach ein aus Deiner Arbeitsleistung geschaffenes Werkzeug. Es ist der Fleiß und das Können eines Menschen, das damit ausgedrückt wird! Du wirst nur für Dinge bezahlt, die andere Menschen gebrauchen können. Das ist alles wunderbar und sinnvoll. Wieso soll es eine Geldmenge geben, bei der das nicht mehr gilt?

Das fragte sich der Maschinist danach auch und er stellte erleichtert fest, dass das Erkennen seines unterbewussten Programms, für die Löschung desselben gesorgt hatte. Es gab danach zwar immer noch Verlustphasen beim Börsenhandel, so wie bei jedem anderen auch aber es gab keine Geldmenge mehr, die auf einmal zu einem komplett anderen Verhalten führte.

Gerade bei Themen, bei denen Ihr sehr emotional werdet und die andere Menschen ganz anders sehen als Ihr, kann ich euch nur den Rat geben, euch einmal selbst in einer ruhigen Minute zu hinterfragen. Woher könntest Du diese innere Überzeugung haben? Hilft Sie Dir in Deinem Leben oder hast Du das Gefühl, Sie blockiert Dich?

Wenn Sie Dich an Deinem Fortkommen hindert, gibt es mittlerweile einige Wege, daran zu arbeiten und diese Blockade zu lösen. Beim Geld wie auch bei anderen Themen.

 

Epilog: Mir ist klar, dass das ein kontroverser Beitrag in einem sowieso schon kontroversen Blog ist. Es ist für die meisten Leser einfacher und auch symphatischer, einem jungen sparsamen Menschen zu folgen, der darüber diskutiert, wie er seine Lebenskosten weiter reduziert und wie er sein noch Dekaden entferntes Ziel erreichen will. Damit kann jeder Leben. Hier dagegen schreibt jemand, auf dessen Konto sich schon der Haufen Geld befindet und er ist dazu für einen Europäer noch jung. Und jetzt schreibt er auch noch, dass viele Glaubenssätze, die die meisten Menschen eigentlich als “Teil Ihres eigenen Charakters” eingeordnet hatten, von den Eltern oder dem nächsten Umfeld “einprogrammiert” wurden. Das ist ein unbequemes Gefühl.

Ich möchte den Blog trotzdem so authentisch wie möglich schreiben, weil es mir nicht um die Gewinn- oder Lesermaximierung geht, sondern darum etwas weiter zu geben.

Tata!: Da ist Sie! Die Freiheit tun und lassen zu können, was man will!

 

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16 Kommentare auf "Will Dein Unterbewusstsein eigentlich das Gleiche wie Du?"

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Gast

Also hat dein Unterbewusstsein über Jahre dafür gesorgt, dass du beim Traden – trotz bereits vorhandener Erfahrung – immer wieder – und wider besseren Wissens – Fehler gemacht hast, damit du nicht mehr Geld hast als der Gegenwert eines Hauses. Klingt interessant, aber auch etwas abenteuerlich für mich.

Kannst du denn im Nachhinein einzelne Fehler tatsächlich auf deine damalige Psyche zurück führen, oder hat es nach Aufarbeitung deiner Kindheit einfach geklappt und du hast dann daraus geschlossen, dass der mangelnde Erfolg zuvor an deiner Kindheitseinstellung lag?

Gruß!

Gast

Vielen dank für den Beitrag.

Ich glaube den von Dir beschriebenen Konflikt zwischen Glück und viel Geld haben viele Menschen in Deutschland.
Bei jedem wird die Ausprägung etwas anders sein, jedoch bleibt es dabei, dass es (Fast immer) im Kopf eigene Grenzen gibt. Wenn Dir immer vermittelt worden ist, dass es nicht gut ist viel Geld auf der hohen Kante zu haben und dass es unglücklich mache, wirst Du niemals reich werden.

Meine Eltern haben immer, wenn sie uns (meiner Schwester) irgendetwas nicht kaufen wollten oder konnten, was einer unserer Klassenkameraden besessen erhalten hat, über die reicheren Eltern gesagt:

“Die können sich vielleicht dieses oder jenes Spielzeug leisten, dafür haben die Eltern keine oder kaum Zeit für die Kinder, weil sie immer sehr viel arbeiten müssen, um dieses Geld zu verdienen.”

Dieser Aussage kann ich zwar teilweise zustimmen, dass viele Eltern mehr Geld hatten als wir, dafür die Eltern aber auch viel mehr gearbeitet haben. Dass dieser Zusammenhang zwischen Reichtum und der eigenen freien Zeit nicht unbedingt so bestehen muss, ist mir erst seit kurzem klar. Davor war ich der festen Überzeugung, dass ich für Reichtum meine gesamte Freizeit opfern müsste, nicht mehr machen konnte, was mir Spaß macht und irgendwann ausbrennen würde.

Weil diese Meinung so stark in mir verankert war, konnte ich nur sehr schwer davon loslassen, da ich ja dachte es sei eine Tatsache und keine Ansichtssache.

Schöne Grüße

Dominik

Gast

Mir wurde eingetrichtert, dass man keine Geschäfte innerhalb der Familie macht. Wenn man etwas also eh nicht mehr braucht, wird es verschenkt. Generell bin ich deswegen ein Mensch, der lieber verschenkt als es zu verkaufen. Weil ich mir denke: Besser als wenn es ungenutzt bei mir rumliegt. Mein Geschäftssinn lässt da etwas zu wünschen übrig. Andere machen ihre gebrauchten Sachen besser zu Geld.

Was mir meine Eltern gut vorgelebt haben: Kein Markenbewusstsein. Entweder erfüllt ein Gegenstand seinen Zweck oder eben nicht.

An sich hausiere ich nicht zu gerne in meiner Familie mit meinem Ersparten. Geld ist etwas, was man nicht hat. Das Leben legt einem immer Steine in den Weg, nichts ist sicher.

Mitglied

hallo Maschinist,

interessanter Artikel,
ich war ein Einzelkind und nicht verwöhnt, ich wollte all das haben was Nachbarskinder auch hatten, ständig neue Kleider, tolle Spielsachen, Urlaub am Meer…meine Eltern waren recht sparsam, meine Wünsche erfüllten sich selten, ich bekam zu hören “Die Nachbarn kaufen auf Pump, das ist nicht bezahlt”
Logische Antwort eines Kindes, “dann kauft doch auch auf Pump”
Hätte ich Kinder so würde ich es genau gleich machen, ich habe nie auf Pump gekauft und fände das heute das Allerletzte (Hypothek mal aussen vorgelassen und selbst da hab ich den grössten Teil so schnell als möglich abgezahlt)

Ich glaube durchaus dass das Unterbewusstsein eine Rolle spielt, nicht nur was Finanzen angeht, es gibt so viele psychosomatische Erkrankungen, früher hab ich das als völligen Blödsinn abgetan, bis es mir mal ähnlich ging, ich war mal mit Médecins Sans Frontières in Rumänien, nach dem Sturz von Ceaucescu, es war sehr hart und mir fehlte auch die nötige Reife für so eine Art von Einsatz, war ja kein wirklich medizinischer Einsatz, nach 4 Wochen hatte ich eine komplett verstopfte Nase, als wir dann ein Wochenende frei hatten und nach Bukarest fuhren konnte ich bereits nach 100km Autofahrt völlig frei atmen, Zufall? dachte ich erst, auf dem Heimweg war meine Nase dann wieder zu, es fiel mir schwer das zu glauben, ich habe den Einsatz nach einem knappen halben Jahr vorzeitig beendet, für mich war das nix.

Gast

An sich habe ich früher noch extremer gedacht. Ich dachte immer, dass man nie über einen längeren Zeitraum sorglos sein kann, weil “Karma” immer für einen Ausgleich sorgen würde. Deswegen konnte ich mich nie über etwas richtig freuen, weil ich davon ausging, dass danach umso schlimmere Zeiten folgen würden. Bei meinen Eltern war das nämlich teilweise so. Immer von Monat zu Monat gehangelt. Kaum kam Geld rein, war es schon wieder für eine Autoreparatur oder Zahnfüllung o.Ä. weg. Jetzt, wo mein Vater trotz Rente weiterarbeiten muss, um das Haus zu halten, spreche ich das Thema “Sparen” nur sehr zaghaft bei ihnen an. Meine Eltern haben auf vieles die letzten 25 Jahre verzichtet (keine Familienurlaube, schon ein schlechtes Gewissen, wenn man sich mal ein neues T-Shirt kauft) und gleichzeitig auch für unnötige Dinge ausgegeben. Z.B. Dekozeug bei meiner Mutter. Mein Papa ist Handwerker durch und durch. Während er für sein Werkzeug einen ganzen Keller braucht (Werkzeugkasten, Rasenmäher, Bohrmaschine, Akkubohrer, Hochdruckreiniger, Heißluftföhn, Sägebank..) und es ständig was am Haus zu machen gibt, reicht mir da aktuell eine Schublade (1 kleiner Hammer, 2 Schraubenzieher, 1 Rohrzange, ein paar Inbusschlüssel und ein verstellbarer Maulschlüssel). Werde ich bald vielleicht mal einen Artikel drüber schreiben. 😉

Meinst du Rollenmodelle im Sinne von: Wer Einfluss auf mich hatte? Was das betrifft, bin ich sehr flexibel. Ich schau mir einfach alles in meiner Umgebung an und analysiere, was ich davon gut und was schlecht finde. Ich habe von Negativbeispielen am meisten gelernt. Einerseits habe ich deswegen immer dieses “Sei froh über das, was du hast. Könnte schlimmer sein.”-Denken und gleichzeitig den Drang, etwas zu ändern und mehr aus meinem Leben zu machen müssen, weil ich das Potential dazu hätte.

Gast

Hallo Maschinist,

Sosehr ich deinen Blog schätze (ich habe alle Beiträge gelesen und tue es auch weiterhin) halte ich diesen Beitrag für Unsinn. Es gibt durchaus Zeiten wo man trotz konsequenter Anwendung des Tradingplans eine längere Durststrecke verkraften muss. Das geht auch erfolgreichen Fondsmanagern so und hat IMHO mit “mein Unterbewusstsein verbietet mir mehr Geld” nichts zu tun. Allenfalls ist es eine Erklärung um sich selbst zu beruhigen.

Ich habe auch einmal für drei Jahre am Stück an der Börse kein Geld verdient aber dank konsequentem Risikomanagement auch nichts verloren.

Hierbei trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Leute die stur weitermachen und durchhalten sammeln unter anderem dadurch Erfahrung und bleiben/werden erfolgreich, andere versuchen (zu schnell) etwas anderes und dilettieren mit vielen verschiedenen Ansätzen herum ohne jemals erfolgreich zu sein – ist nicht auf dich gemünzt.

Gruß

Mathias (der seit vier Monaten stolzes Mitglied im Doppelpunktclub ist)

Gast

Danke für die guten Wünsche. Du hast vermutlich recht, dass von mir auf andere schließen nicht unbedingt alles erklärt. Jedenfalls freue ich mich das du (schon lange) darüber hinweg bist und bereits nur noch dann arbeitest wenn du magst. Mache bitte weiter so mit dem Blog, ich lese deine Beiträge wirklich gern.

Mitglied

interessanter Artikel. Ich stimme dir zu, es läuft vieles auf der Welt ab, das irrational ist und wir nicht erklären können. Unsere Sinne können nur wenig von der Welt erfassen und wir alle kennen den Spruch Glaube versetzt Berge. Ich bin auch der Meinung, dass die richtige Einstellung fast bis zum Glauben sehr gesund ist um ein Ziel zu erreichen. Hier ein Beispiel:
Vor dem Eintritt in das Studium habe ich beschlossen, ich werde so viele Praktikas auf der ganzen Welt machen und so wenig wie möglich in Deutschland. Geld hatte ich kaum welches und meine Eltern sind nicht reich. Am Ende habe insgesamt 21 Monate meines Studiums im Ausland verbracht, 13 Monate davon am Stück, ich war in Afrika, Südamerika, Australien, Asien und natürlich Europa. Nein, ich habe auch nicht viel gearbeitet dafür. Es war die Zeit als Studiengebühren kamen und die Banken attraktive Studentenkredite gaben. Für 3 und am Ende 5 % Zinsen habe ich mich eingedeckt. Die Rückzahlung sollte über den Lohn aus der Schweiz erfolgen, dafür habe ich 2-3 Jahre Arbeitszeit eingeplant und letztendlich nur 2 Jahre gebraucht.

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