Schmier Dir die Entfernungspauschale in die Haare

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Ich weiß, der Maschinist ist manchmal ein Witzbold. Keine Redewendung ist Ihm zu peinlich, um Sie nicht doch für seinen Blog zu verwenden. Hinter dem kleinen Spaß ist es Ihm allerdings völlig ernst. Schmier Dir die Entfernungspauschale in die Haare! Oder besser gesagt, versuch alles in Deiner Macht stehende zu tun, um Keine mehr zu erhalten!


An dieser Stelle geht jetzt bestimmt ein Sturm der Entrüstung über mich nieder. Die Entfernungspauschale ist ein Hauptgrund, warum viele unselbständig Beschäftigte überhaupt eine Steuererklärung machen. Und es ist auch ein Gebiet, auf dem mehr geschummelt wird als sonst wo. Wir sprechen hier also über ein Lieblingskind der Deutschen! Aber für Dich als schlauer Freiheitsmaschinennutzer ist es eins, dass Du mit aller Kraft vermeiden solltest!

Ich könnte mich jetzt über Kleinkram auslassen wie, dass die Entfernungspauschale die Marktpreise für Immobilien auf dem Land verzerrt und Du dadurch einen guten Teil des sowieso nur umverteilten Geldes wieder durch die erhöhten Wohnkosten verlierst, wenn Du Dich entschließt, in Hintertupfingen zu wohnen und Du Dich selbst mit der Pendlerpauschale beruhigst. Ja und ich kenne auch den Trick, dass fast jeder die längere und offiziell schnellere Wegstrecke angibt und nicht die kürzeste, die täglich genutzt wird. Aber mit diesen Dingen will ich mich gar nicht beschäftigen.

Hier geht es um den 500 Pfund Gorilla im Zimmer; Deiner Lebenszeit! Oder besser gesagt, geht es um die potenzielle selbstgenutzte Lebenszeit, die Du verschwendest, weil Du – an dieser Stelle muss ich ein paar Tränen zurückhalten- Dich wegen dreißig Eurocent pro gefahrenem Kilometer Wegstrecke absetzbarem Steuerausgleich todesverachtend in den Berufsverkehr stürzt und dort Deine so kostbare Zeit zusammen mit all dem Benzin und den Verschleißteilen in Schall und Rauch aufgehen lässt!

Ja, es sind diese eigentlich ca. sieben Stunden selbst nutzbare Lebenszeit pro Arbeitstag, über die wir gesprochen haben, und die es optimalerweise wären, wenn es nicht auch noch Dinge wie Einkäufe, Familienaktivitäten und ja eben auch das Pendeln geben würde! Für junge Eltern sind die sieben Stunden sowieso nur noch ein weit entfernter Traum, wenn Sie sich nachts im Schlafdelirium mit einem schreiendem Bündel auf dem Arm und Milchkotze auf der Schulter, wiederfinden. Der Maschinist hat diesen zwar schönen aber nichts desto trotz völlig verrückten Wahnsinn selbst zweimal überstanden und er kann Dir nur bestätigen, dass selbstbestimmte Lebenszeit in diesem Abschnitt so kostbar ist, wie Sauerstoff auf dem Mond.

Die dreißig Eurocent Pauschale pro Entfernungskilometer, über die wir hier sprechen, summieren sich zum Beispiel selbst im optimalen Fall (bei einem Einkommen von mindestens ca. 60.000 Euro für Singles und ca. 110.000 Euro für Ehepaare) und z.B. 25km einfacher Entfernung zur Arbeit, wie Sie ca. 8 Millionen Deutsche Pendler täglich zurücklegen, auf ca. 730 Euro Erstattung pro Jahr. Jetzt ist das zwar eine nette Geldsumme aber irgendwie müssen die ca. 11.000 Jahreskilometer, die dadurch für das Pendeln zusammen kommen, ja auch bewältigt werden. Wenn jemand die Strecke mit dem eigenen PKW zurücklegt, geht dieses Geld alleine schon für den Kraftstoff drauf. Verschleiß und Wertverlust können nur dann teilweise ausgeglichen werden, wenn es eine Fahrgemeinschaft gibt. Auch mit anderen Verkehrsmitteln sieht es (mal abgesehen von einem Fahrrad) nicht viel besser aus.

Aber das schlimmste ist gar nicht das Geld; es ist die Zeit! Wie schon geschrieben, hast Du nur wenige Stunden selbstbestimmter Lebenszeit, die Du während der Arbeitswoche dazu nutzen kannst, etwas Neues zu lernen. Diese machen im Endeffekt den gesamten Unterschied, ob Du mit Mitte Sechzig immer noch im Berufsverkehr stehst oder schon seit vielen Jahren oder sogar Dekaden finanziell unabhängig am Ort Deiner Wahl leben kannst und den ganzen Tag für Dich selbst und Deine Liebsten zur freien Verfügung hast.

Zu der Tatsache, das Millionen von Pendlern jeden Tag einen guten Teil Ihrer kostbaren Lebenszeit auf den deutschen Straßen im Stau oder in einem überfüllten Zug hocken, ist die Pendeltätigkeit im Straßenverkehr selbst zusätzlich eines der größten Todesrisiken für den fleißigen Angestellten im mittleren Lebensabschnitt. Die selbstbestimmte Lebenszeit, nach der sich viele sehnen, endet so manchmal bedauerlicherweise an einem Baum oder im Gegenverkehr. Das Risiko, für einen Mitteleuropäer auf diese Weise unfreiwillig aus dem Leben zu scheiden, ist um Potenzen höher als das Todesrisiko von Terroranschlägen, Ebola, AIDS und der Vogelgrippe zusammen (was wieder ein Beweis ist, das Du generell weniger Nachrichten schauen solltet, die Dich nur auf die falsche Fährte setzen).

Bevor Du Dich also allen ernstes aus freien Stücken dazu entscheidest, für die maximale Steuererstattung von drei Euro und dreißig Cent pro Stunde (unsere 730 Euro im Beispiel bei 50 Tageskilometern pro Stunde, über 220 Arbeitstagen) auf Dich zu nehmen, denk nochmal gut nach!

Willst Du wirklich in den nächsten zehn Jahren aufgrund dieser Entscheidung 2.200 Stunden auf der Autobahn oder im Zugabteil verbringen? Das ist der mögliche selbst nutzbare Tageszeitabschnitt von 310 Arbeitstagen eines Singles (bei sieben Stunden pro Tag) und noch deutlich mehr, bei einem verheirateten Menschen mit jungem Nachwuchs oder zu pflegenden Eltern. Wenn Du nur einen Bruchteil dieser 310 Tagesabschnitte für Deine finanzielle Freiheit nutzen würdest, könntest du Jahre oder sogar Dekaden Deines zwangsweisen Angestelltendaseins in freie Lebenszeit umwandeln!

Deine Wohnortwahl ist deshalb eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt. Es geht dabei aber nicht um die zusätzliche Grundstücksgröße oder ein weiteres Badezimmer. Es geht darum, eine der wichtigsten Voraussetzungen für Deine finanzielle Unabhängigkeit zu schaffen. Nämlich, indem Du Dir Zeit bewahrst, um für dieses Ziel zu arbeiten und darüber nachzudenken!

Kämpfe mir aller Macht, darum, dass Deine Entfernungspauschale kleiner wird! Schmier Sie Dir am Besten ganz in die Haare!

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4 Kommentare auf "Schmier Dir die Entfernungspauschale in die Haare"

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Gast

Hallo Maschinist,
110% Zustimmung zu deinem Beitrag! Die Entfernungspauschale ist eine völlig sinnfreie Umverteilung von Steuergeldern, die im Endeffekt nicht mal die eigentlichen Kosten der km zur Arbeit deckt und der Weg zur Arbeit ist sowieso völlig verschwendete Zeit.
Ich habe mich von 5 km Arbeitsweg über 2 km Weg vor kurzer Zeit zum Homeoffice “runtergearbeitet”. Homeoffice ist sicher nicht für jeden etwas, für mich allerdings genau das richtige =)
Gruß
Jonas

Mitglied

Ich habe bisher immer dort gewohnt, wo ich arbeiten musste, der Weg zu Arbeit also sehr kurz. Diese Entfernungspauschale wie auch viele andere Dinge, die der Staat macht sollten einfach entfernt werden. Eines der Vorteile bei der finanziellen Freiheit ist, dass man dann nur noch ganz wenig Geld an den Staat verliert und seinen Wahn nicht mehr finanziert, auch nicht die hochineffektiven Versicherungssysteme, wo ich eher der Meinung bin, sie sind da um viel Geld an Bürokraten= Parasiten zu verteilen.

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