Ich gebe es zu; ich habe Dich angelogen! Wobei gelogen das falsche Wort ist. Genauer gesagt, habe ich zu etwas geraten, das ich zwar jetzt zur passiven Einkommensgenerierung für mich nutze, aber bei meinem eigenen Vermögensaufbau nur nebenbei angewandt habe. Ich rede von einem passiven Index Investment. In einen passiven Index ETF wie z.B. dem Vanguard S&P500 regelmäßig gespartes Geld zu investieren, ist besser als das was die meisten deutschsprachigen Mitteleuropäer aktuell mit Ihrem Vermögen machen.


Langfristig beträgt die Rendite mit einem solchen passiven Investment ca. 6,5% plus Inflationsausgleich. Das heißt, wir reden über eine Bruttorendite von ca. 8,5%. Diese Anlageklasse hat historisch Kriege und Hyperinflationen überlebt und wird es wahrscheinlich im Gegensatz zu z.B. Staatsanleihen wieder tun. Steuerlich fährt man damit ebenfalls sehr gut. Wenn man die Anteile niemals verkauft, müssen z.B. in Deutschland nur die Dividendenzahlungen versteuert werden, die aktuell weniger als 50% der gesamten Nettoperformance ausmachen. Es ist langfristig die beste mir bekannte Anlagestrategie, die man innerhalb von ca. 100 Stunden gesamt umfänglich verstehen und davon profitieren kann. Danach hat man nur noch minimalen Aufwand damit. Wieso sollte ich nicht selbst so mein Geld verdient haben, wenn es so erfolgreich ist?

Ein Grund ist, dass ich den Aktienmarkt vor über 15 Jahren bei weitem nicht so gut kannte wie heute. Ich wusste im Jahr 2000 nicht mal, dass es passive Index ETF gibt. Ich wusste auch nicht, was die langfristige Aktienmarktrendite ist und wieso die meisten Menschen an der Börse Geld verlieren.

Ich selbst habe einen guten Teil meines Vermögens mit der aktiven Börsenspekulation verdient, dem Traden. Dem Wetten auf steigende und fallende Kurse. Das, wovon alle Welt sagt, dass es nicht funktioniert und nur den Broker und das Finanzamt reich machen. Bei mir hat es funktioniert.

Ich kann Dir trotzdem nicht dazu Raten, es zu tun! Der Grund: Es ein eigener Beruf, also eine eigene „Berufung“. Die Berufung ist Dir in diesen Fall auch nicht direkt ersichtlich, sondern es kostet Dich tausende Stunden Deiner Lebenszeit, herauszufinden, ob Du dafür gemacht bist oder nicht. Der Weg bis zu diesem Punkt ist oft extrem schmerzhaft und auch einsam.

Im Jahr 2000, als ich nach dem Studium mein Arbeitsleben begann, wusste ich nichts über die 200 Jahre Performance des US-Aktienmarktes und auch nichts über die drei Prozent Regel. Ich wusste nur, dass alle um mich herum im Neuen Markt spekulierten und ich nun auch mitmachen wollte. „Zum Glück“ hatte ich damals kaum eigene Ersparnisse, als der Bullenmarkt, der während der gesamten 90er Jahre tobte, nach den ersten Monaten im neuen Jahrtausend zu Ende ging. Ich hatte gerade mein erstes Depot eröffnet, als meine wild spekulierenden, aber bezüglich der echten Anforderungen an einen Spekulanten völlig ahnungslosen Arbeitskollegen, den Großteil Ihres damaligen Vermögens verloren. Meistens war das verkraftbar, da wir fast alle ein junger, wilder Haufen waren, der den Großteil des Berufslebens noch vor sich hatte. Aber das Schicksal eines 50+ jährigen Kollegen, der einen siebenstelligen DM-Betrag mit einer bekannten US Internet Aktie erst machte und dann wieder verlor, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Als die Kurse aus völlig abstrusen Höhen anfingen zu fielen, kaufte er noch nach und endete nach mehr als zehn Jahren Haltedauer im Jahr 2003 mit weniger Geld als zuvor (deshalb kaufe keine Einzelwerte, wenn Du nicht weisst was Du tust, sondern kaufe Indize ETF’s).

Ich selbst könnte ein eigenes Buch darüber schreiben, wie ich im Bullenmarkt 2004-2007 in Summe eine hohe dreistellige Performance machte (unter anderem mit hochgewichteten mehrjährigen Positionen in Solar- und Windaktien). Aber die Geschichte wäre nicht komplett, würde ich dabei nicht erwähnen, wie ich einen Teil davon Ende 2007 wieder abgab. Was haltet Ihr z.B. vom Buchtitel: „Wie ich in einer Stunde einen sechsstelligen Eurobetrag verlor (mit japanischen Yen) und danach mit meiner Frau ins Kino musste“ (weil ich Ihr vorher versprochen hatte, mit zu gehen). So ein Spaß… Ich dachte ich müsste sterben! Ehrlich, es war schrecklich! Aber lassen wir das.

Die letzten Jahre hier in den USA waren gut zu mir aber das auch nur, weil ich vorher durch die Hölle gegangen bin. Ich weiß, das will kein Anfänger hören, aber das Traden lernt man größtenteils durch Schmerzen beim Verlieren. Um bei der aktiven Spekulation erfolgreich zu sein, muss man einige widermenschliche Denkweisen verinnerlichen und seine Gefühle dabei zwar noch wahrnehmen aber Sie nicht mehr als Handlungsbasis heranziehen.

Die meisten Menschen verlieren bei der aktiven Börsenspekulation, weil Sie mit Ihren menschlichen Emotionen handeln und entweder noch gar keine Regeln haben oder diese noch nicht verinnerlicht sind. Viele schaffen es nie, Ihre Emotionen vom Börsenhandel zu trennen oder auch Ihren eigenen Regeln wirklich immer zu folgen. Ich sehe in Internetforen, wie die selben Trader jahrelang die gleichen Fehler machen. Manchmal ist es von außen offensichtlich, dass das so nichts wird. Wir sind alle ein Produkt unserer Emotionen und die Börse ist für viele Teilnehmer eine reine Emotionsmaschine, in der Sie Ihr kostbares Vermögen, und damit das eigene Freiheitspotenzial, gegen Gefühle wie Angst und Gier eintauschen.

Hat es sich finanziell für mich gelohnt und habe ich den Markt geschlagen? Ja, das hat es und das habe ich. Kann ich anderen Menschen empfehlen, das gleiche zu tun? Nein, das kann ich nicht! Und hiermit sind wir wieder beim Aufhänger dieser Geschichte: Aktives Spekulieren ist sehr zeitintensiv und sehr fordernd! Neben meinem Angestelltenberuf, war ich jeden Tag stundenlang damit beschäftigt. Ich hatte manchmal so große Positionen, das ich nachts nicht schlafen konnte sondern statt dessen laufend die Gold- oder Öl Futures Kurse in Asien kontrollierte. Ich konnte mit meiner damaligen Partnerin abends oft nichts unternehmen, weil z.B. irgendwelche Rohstoff Futures gerade so aussichtsreiche Kursbewegungen machten. Neben den privaten gab es für mich zusätzlich auch berufliche Opportunitätskosten. Ich habe bestimmt die ein oder andere Gehaltserhöhung oder vielleicht sogar Beförderung verpasst, weil ich gedanklich über viele Jahre so stark mit der Börse beschäftigt war.

Ich bin auf dieser Internetseite nun in der Rolle des Maschinisten geschlüpft, um vielen Menschen den Sinn des Sparens und Investierens näher zu bringen. Für mehr als 95% der Menschen ist das passive Investieren in gebührenarme und steueroptimierte Index Fonds/ETF‘s das beste Anlageprodukt überhaupt. Es funktioniert wunderbar! Es ist kaum Arbeit und macht Dich langfristig wohlhabend und frei!

Wenn Du trotzdem unbedingt auch spekulieren möchtest, dann eröffne ein zweites Konto und nimm dazu höchstens 20% des Geldes, dass Du auf Deinem passiven Depot liegen hast und lies, bevor Du auch nur einen einzigen Trade machst, dieses Buch. Es zeigt Dir warum Du an der Börse beim aktiven Handel nur das Fischfutter bist, wenn Du keine Regeln hast oder Ihnen nicht folgen kannst. Stelle Dich beim aktiven Börsenhandel darauf ein, dass Du mehrere Jahre brauchst, bis Du eigene Handelsregeln erstellt und danach auch verinnerlicht hast. Stell Dich zusätzlich darauf ein, dass Du während des Weges jede Menge über Dich selbst lernen wirst und nicht alles, was Du dort siehst, wird angenehm sein. Es ist wie der Altmeister Kostolany so schön formulierte: “Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter mehr” Er hat recht, denn es ist brutal und es sieht nur so aus als wäre es einfach. Es ist eine eigene Berufung und Du musst bereit sein, durch Deine persönliche Hölle zu gehen.

Heute mag es der Maschinist deutlich ruhiger. Ich habe mittlerweile einen Teil meines Vermögens in mehreren passiven Index ETF‘s und besitze auch starke Einzelaktien und ein paar andere Investments aus aller Welt. Ich genieße, wie hoffentlich Du auch, den passiven Cashflow.

Ich spekuliere weiterhin aktiv mit einem Teil meines Geldes, Aber das nur deshalb, weil es meine Berufung ist; und ich kann Dir genauso wenig raten Spekulant zu werden, wie ich Dir raten könnte Ingenieur zu werden. Es muss in Dir sein! Passives Investieren hingegen, sollte ein ganz natürlicher Vorgang für alle Menschen sein, den Großteil Ihres Vermögens so anzulegen und zu mehren.

Vertraue der Freiheitsmaschine und werde wohlhabend!

Schreibe dem Maschinisten unter: Maschinist@freiheitsmaschine.com

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8 Gedanken zu „Der Beitrag, der Dir tausende Stunden Deiner Lebenszeit sparen kann

  1. Hallo Maschinist!
    Zunächst vielen Dank für diesen in vielerlei Hinsicht inspirierenden Blog!

    Ich trade seit einigen Jahren neben meinem Job als Angestellter. Das erlernen des Tradens hat mich, genau wie du es beschreibst, sehr viel (zu viel) Zeit und große (auch finanzielle) Schmerzen gekostet. Viel privates ist dabei auf der Strecke geblieben. Dennoch möchte ich diese Zeit nicht missen, da ich sehr viel über mich, aber auch über die Welt gelernt habe. Inzwischen bin ich seit einigen Jahren profitabel unterwegs und erziele regelmäßig Nettorenditen von 15-20% p.a., was für einen Nebenjob ganz ok ist. So habe ich in der Zwischenzeit ein Depot von gut 100.000€ aufgebaut.

    Mein Plan ist nun nach und nach ein langfristiges Investmentdepot aufzubauen. Geplant ist die monatliche Einzahlung von 1500€ (vom Tradingdepot+Sparbetrag vom Gehalt) , mit denen dann nach und nach in ETF´s u.ä. investiert werden soll.
    Es ist also eine Art Sparplan angedacht. Dabei möchte ich natürlich den Cost Average Effekt nutzen. Die Idee ist daher in Zeiten in denen der S&P 500 den GD 38 unterschreitet den monatlichen Betrag auf 3000€ zu verdoppeln bzw. in Zeiten in denen der GD200 unterschritten wird sogar auf 5000€ zu erhöhen.
    Zumindest wenn ich mir die letzten 20 Jahre anschaue, müsste sich daraus eine überdurchschnittliche Rendite bei langfristig sehr geringem Risiko ergeben!?

    Für deine Meinung zu meinen Gedankengängen wäre ich dir sehr dankbar!

    VG
    Andreas

  2. Hallo Andreas,
    danke für Deinen netten und ehrlichen Beitrag.

    Das allerwichtigste beim passiven Investmentdepotaufbau ist, das Du es am Ende auch tust. Das heißt, dass Geld auch wirklich passiv anlegst und danach nicht mehr damit handelst. Gerade Trader schauen natürlich auf das Verhalten der Vergangenheit und versuchen dadurch für sich eine gute Einstiegsstrategie zu machen. Das heißt, es ist dann eigentlich wieder ein “spekulativer” Einstieg.
    Ich bin selbst zu viel Trader, um Dir davon grundsätzlich abzuraten aber wenn Du den US Aktienmarkt über die letzten 150 Jahre betrachtest und nicht nur die letzten zwanzig; siehst Du dass sich das gleiche Verhalten nie permanent wiederholt hat, sondern sich der Markt immer so verhält, dass möglichst viele Trader Geld verlieren. Vor dem Jahr 2001 hat z.B. niemand mit einem Ende des 18 jährigen Anstiegs im S&P500 gerechnet und vor dem Jahr 2008 hat niemand mit einem weiteren 50% Einbruch gerechnet. Nach 2008 war dagegen jeder voller Angst und in den letzten zwei Jahren lese ich immer noch mehrheitlich, dass viele wieder richtig Einsteigen wollen “wenn die Kurse deutlich zurück gekommen sind”.

    Ich habe keine Ahnung was passiert, aber vielleicht kommt der Markt nun noch 10 oder mehr weitere Jahre nicht zurück. Das heißt, dass wichtigste ist, das du auf jeden Fall monatlich einen für Dich substanziellen Betrag dort anlegst. Achte dabei auf geringe Gebühren aber auch darauf, dass der Fond die Werte auch wirklich physisch hält und den Index nicht nur synthetisch nachbildet.

    Der US Markt ist historisch betrachtet aktuell relativ teuer, aber durch die Nullzinspolitik und Interventionen kann er noch viel, viel teurer werden und der Ausbruch auf neue Allzeithochs in den letzten Wochen zeigt ja die Richtung. Wenn Du Dich ein wenig mehr damit beschäftigen willst, kannst Du Dir die generelle Bewertung der großen Aktienmärkte hier anschauen: http://www.starcapital.de/research/aktienmarktbewertungen . Schau dabei auf das “Shiller CAPE”. Das ist der 10-jährige Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne im Verhältnis zur Bewertung des Marktes. Die Emerging Markets sind aktuell deutlich günstiger bewertet als die USA und Europa, obwohl sie deutlich stärker wachsen. Singapur und Hong Kong z.B. sind aktuell sehr günstig bewertete Aktienmärkte aus verlässlichen Ländern mit immer noch starkem Wachstum. Alleine die Dividende des ganzen Index liegt bei jeweils fast 4%.

    Das heißt anstatt nur den US Markt zu sehen und diesen versuchen zu timen, würde ich mein Investitionsgeld über mehrere ETF’s streuen, die neben den USA z.B. gebührenarm die Emerging Markets abbilden und dort regelmäßig investieren. Sogar eine kleine Portion Europa ist ok. Die Probleme dort sind aktuell deutlich größer aber dafür ist die Bewertung auch niedriger.

    Generell führt langfristig kein Weg an Aktien vorbei und bei der aktuellen massiven Blase bei den Staatsanleihen, ist die Entscheidung noch klarer.

    Ich wünsche Dir auf Deinem weiteren Weg viel Erfolg und freue mich wieder von Dir zu hören.

  3. Synthetik-Unterwaesche oder Baumwolle?

    Wieso hast du eine Abneigung gegen synthetische abbildende ETFs?
    https://www.justetf.com/de/news/etf/synthetisch-replizierende-etfs-wie-risikoreich-ist-ein-swap-etf.html
    http://www.morningstar.ch/ch/etfs/etfsolutions.aspx?docid=352083
    auch huebsch aufgearbeitet bei deinen Blogger-Kollegen:
    http://www.finanzwesir.com/blog/perfekter-etf-replizierer-swapper
    http://www.finanzwesir.com/blog/etf-thesaurierend-ausschuettend
    http://zendepot.de/den-richtigen-etf-finden-ein-job-fuer-sisyphos/

    Persoenlich halte ich es ca. 50/50. Man weiss ja nie …
    Aber wenn es Probleme bei synthetischen (SWAPern) gibt, brennt’s vermutlich wo anders auch noch.
    Da sind dann ggfls schwere Zeiten, die es erstmal zu ueberstehen gilt … da wird man womoeglich auch die physischen replizierer ungern zu Kohle machen … und sich erstmal eingraben?

    Immerhin sind Swaper in manchen Maerkten kosteneffizienter und guenstiger (schon bei WORLD, EM, bei Exotischeren noch mehr …). Deshalb finde ich halb / halb synth/phys. fuer mich OK.

    1. Hallo Joerg, danke für die Links.

      Der Finanzwesir schreibt sehr fundierte Artikel, wirklich klasse!

      Für mich ist ein synthetischer ETF einfach ein unnötiges Risiko.
      Wieso sollte jemand, der z.B. den Großteil seine jährlichen Einkommens aus ETF’s bezieht, so etwas tun?

      Mit etwas Suche bezahlt man für die direkten Nachbildner fast gar keinen Aufpreis mehr. Deshalb ja meinen Hinweis auf Vanguard. Du weisst nie, welche Regeln im Rezessionsfall beim Emmitentenausfall auf einmal gelten. In Zypern wurden zehntausende wohlhabende Kontenbesitzer teilenteignet. Von den europäischen Banken sind in der nächsten Rezession definitiv einige von der Pleite bedroht.

      Ich würde zum Beispiel aktuell nie ein synthetisches Produkt der Deutschen Bank halten. Die Bank schafft es ja kaum, die aktuellen Mindestkapitalanforderungen zu erfüllen. Wieso sollte ich Ihren Versprechungen glauben?

      Gruss!

      1. Hallo Maschinist,

        an dieser Stelle möchte ich mich auch einmal zum Thema Swap-ETFs zu Wort melden.
        Schon mehrmals ist mir in deinen Beiträgen und Kommentaren aufgefallen, dass deine Argumente gegenüber Swap-ETFs teilweise nicht ganz richtig sind. Du sprichst zum einen immer von dem Risiko eines Emmitentenausfalls, zum anderen nennst du die Deutsche Bank und Blackrock als Beispiele. Kann es sein, dass du Swap-ETFs mit Indexzertifikaten verwechselst? Indexzertifikate sind ein “Versprechen” der Bank, dir die Performance des Index zu liefern. Geht die Bank pleite, ist damit auch ihr Versprechen wertlos und du stehst mit leeren Händen da. Ein Swap-ETF ist aber kein so ein “leeres Versprechen”, sondern Sondervermögen. Geht die Bank pleite, geht das Sondervermögen einfach wieder an dich zurück. Das ist bei Swap-ETFs genauso wie bei physisch replizierenden ETFs, das Sondervermögen ist in beiden Fällen der gesamte NAV. Das Emmitentenrisiko eines Swap-ETFs ist mit dem eines physisch replizierenden ETFs daher identisch und somit KEIN Argument gegen Swap-ETFs. Was bei Swap-ETFs im Gegensatz zu physisch replizierenden ETFs erhöht ist, ist das Kontrahentenrisiko. Das ist aber nicht das Risiko, dass der Herausgeber des ETFs, pleite geht, sondern der Swap-Partner. Genauer gesagt: Das Risiko dass der Swap-Partner die Index-Performance nicht mehr an den Emmitenten liefern kann und der Wert der Swap-Sicherheiten unterhalb des Index liegt.
        Das Kontrahenten-Risiko ist aber keinesfalls so riesig, wie man bei deiner Abneigung gegen Swaps denken könnte.
        Comstage-Swap-ETFs haben zum Beispiel ein Trägerportfolio aus europäischen Bluechip-Aktien, dazu eine 105%-ige Übersicherung mit deutschen Staatsanleihen. Wenn also die Commerzbank (das ist der Swap-Kontrahent der Comstage-Swaps) pleite geht, dann verlierst du erst Geld, wenn gleichzeitig der getrackte Index so weit abschmiert, dass gegen den Kontrahenten noch erhebliche Forderungen bestehen UND der Wert der Staatsanleihen unter ~95% des getrackten Index rutscht. Das wäre ein enormer finanzieller Meltdown!
        Also ja: Es gibt ein erhöhtes Risiko bei Swap-ETFs. Aber es ist weder das Emmitentenrisiko noch ist es so hoch, dass von Swap-ETFs grundsätzlich und immer abzuraten wäre.

        Dass du häufig Blackrock und die Deutsche Bank als Beispiele nennst, passt auch nicht ganz: Weder Blackrock (iShares) noch die Deutsche Bank (db-x trackers) bieten Swap-ETFs mehr an.

        Achja, bei just-ETF gibt es eine – wie ich finde – sehr gute und detaillierte Beschreibung zu den Mechanismen und Risken bei Swap-ETFs:

        https://www.justetf.com/de/news/etf/synthetisch-replizierende-etfs-wie-risikoreich-ist-ein-swap-etf.html

        Ich persönlich investiere zur Zeit auch fast ausschließlich in Swapper, da ich von der Steuerstundung profitieren möchte. Mit der künftigen Änderung des Investmentsteuergesetzes in Deutschland wird dieser Vorteil aber wahrscheinlich dahin sein.
        Alles andere gleich würde ich dann vermutlich auch in pyhsisch replizierende ETFs investieren.

  4. Hallo Oliver,
    ich möchte den Blog nicht zu einer Swap vs. physischer Nachbildung Diskussion machen. Nach meiner Einschätzung gibt es ein Ausfallrisiko eines Teils des Geldes im Rezessionsfall. Der Artikel hier beschreibt die Problematik ganz gut: 2http://www.3sat.de/page/?source=/boerse/magazin/181410/index.html
    Und dieser hier im zweiten Teil die Swap-Problematik:http://www.welt.de/finanzen/article151903777/Boom-der-Indexfonds-erhoeht-Risiko-fuer-neue-Krise.html

    Gegen Black Rock habe ich nichts. Ich habe die beiden US ETF: EWH und EWS selbst im US Depot.

    Die Deutsche Bank sieht fuer mich als Trader und Quartalsberichtleser nach einem kommenden Insolvenzfall aus. Natürlich wird man die Bank nicht pleite gehen lassen, sondern im Falle des Falles mit Steuergeld retten.

    Ich persönlich würde keine großen Mengen Swap ETF’s halten. Ich habe 2001 bis 2003 erlebt und auch 2008.

    Schönen Sonntag!

    1. Ich bin selbst über englischsprachige Literatur an ETF gekommen (das war ein obskures Buch von Statistik-Profs mit dem Titel “Tanz mit dem Glück”). Da hieß es dann ganz einfach: einen ETF auf den S&P 500 kaufen und alles ist gut. Leider ist das nicht so einfach für deutsche Anleger. Ich möchte die Diskussion hier nicht völlig ins Detail abgleiten lassen, werfe aber das böse Wort “steuerhässlich” in den Raum, das mir unzählige Tage bis Wochen von Recherche eingebracht hat. Von “ausschüttungsgleichen Erträgen” und Eigenrecherche im Bundesanzeiger stand nämlich nichts in dem oben genannten Buch. Und eigentlich muss ich an der Stelle mich sehr intensiv mit dem deutschen Steuerrecht auseinandersetzen im Unterschied zum Tagesgeldkonto. Nicht dass ich das Tagesgeldkonto damit irgendwie rechtfertigen würde.

      Und wenn ich beim Beispiel S&P500 bleibe: dort habe ich als deutscher Privatanleger nur die Wahl zwischen synthetischen Swappern oder steuerhässlichen ETF, die mir beim Verkauf Doppelbesteuerung bescheren. Doch halt. Inzwischen ist seit Anfang 2016 wieder alles ganz anders und etwa iShares stellt gerade aufgrund der Problematik die meisten ETF auf steuereinfach um. Und die Reform der Versteuerung von Fonds steht 2018 auch vor der Tür, die evtl. wieder alles ändert. Nur erfahre ich das erst im Detail, wenn ich permanent Spezialisten-Diskussionen folge. Und die hier in den Kommentaren angerissene Diskussion um Swap-Konstruktionen ist auch ein Indiz, dass das Thema ganz schön tief geht.

      Würde ich trotzdem ETF kaufen? Auf jeden Fall. Denn als Alternative zum Nullzins sehe ich nur aktive Fonds oder ein Depot aus Einzelaktien – und beides ist für den normalen Anleger die deutlich schlechtere Entscheidung. Wie oben beschrieben: ohne Aufwand auch keine Rendite. Das hat der Artikel auf den Punkt gebracht. Dieser Maschinist hat mal wieder Recht, ist ja typisch!

  5. Hi sir.unkult.
    Das Deutsche Steuerrecht bezueglich ETF’s und anderer Anlageprodukte ist wirklich vertrackt und ich habe das hier zu Beginn auch zu wenig beachtet. Der Hinweis von Oliver und anderen, dass differenziert zu betrachten, war auf jeden Fall berechtigt.

    Und ja, wie Du schreibst, geht trotz allem kein Weg daran vorbei. Nicht nur aus Renditegruenden, sondern langfristig sind Aktien auch viel sicherer als Geld.

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