Die Glücksforscher sind sich einig; das Lebensglück der Bürger der westlichen Welt hat statistisch die Form eines U. Wenn man Menschen aller Altersklassen befragt, wie zufrieden Sie mit Ihrem Leben sind, berichten viele von einem Hochpunkt mit Anfang Zwanzig. Obwohl die Menschen dann in den folgenden Jahren so erstrebenswerte Dinge tun, wie im Berufsleben durchzustarten, zu heiraten und Kinder zu zeugen, sinkt die Lebenszufriedenheit statistisch bis zum Ende des vierten Lebensjahrzehnts signifikant ab. Die Gesundheit kann dabei keinen bedeutenden negativen Einfluss haben. Bis zum Ende des fünften Lebensjahrzehnt bleiben die Allermeisten von echten körperlichen Problemen verschont.

Aber gerade dann wenn es eben weit in das fünfte Lebensjahrzehnt hinein geht, dass heißt die Gesundheit einiger Bürger vielleicht erste Probleme macht und auch die Karriere langsam an Ihr Ende kommt, werden die Menschen der westlichen Welt statistisch wieder glücklicher. Dieses zweite Hoch des Lebensglücks hält dann an bis Anfang/Mitte Siebzig, wenn es statistisch gesundheitlich deutlich bergab geht. Das macht keinen Sinn, oder?


Ich bin kein Wissenschaftler aber ich bin gerade mitten in meinem vierten Lebensjahrzehnt und habe all die statistisch relevanten Dinge wie Studium, Beruf, Heiraten, und Kinder zeugen getan. Ich war trotzdem noch nie glücklicher als genau heute; vielleicht nur vergleichbar mit Anfang zwanzig als ich noch studierte. Der Grund, warum ich so ein statistischer Outsider bin, ist nach meiner Einschätzung kein Zufall, sondern es ist der gleiche Grund warum viele andere in diesem Zeitraum am unglücklichsten sind. Die Menschen im vierten Lebensjahrzehnt der westlichen Welt haben die höchste Dichte an Verpflichtungen und gleichzeitig die geringste Menge an persönlich verfügbarer Lebenszeit. Männer arbeiten nach der Geburt der Kinder mehr und länger als zuvor, da Sie jeden Tag die Verpflichtung spüren, finanziell für die Familie zu sorgen und Sie spüren plötzlich, wie viel Geld noch fehlt. Viele Frauen in den deutschsprachigen Ländern arbeiten in diesem Lebensjahrzehnt vielleicht nur halbtags aber Sie übernehmen dafür immer noch den Großteil der Familien- und Haushalts-Aufgaben.

Der Unterschied, der nach meiner Meinung für den Großteil des gefühlten Lebensglücks verantwortlich ist, ist der Umfang in dem die Menschen sich fremdbestimmt fühlen und der damit einhergehende Stress. Alles andere wie das neue große finanzierte Haus oder der schicke Sportwagen, sind dagegen nur Schmerztabletten für einen Schwerkranken. Sie wirken nur kurzfristig und wenn man nicht aufpasst, braucht man immer mehr davon.

Wenn ich meinen Kindern nur einen Rat geben könnte, wäre es der, in jeder Lebensphase deutlich unter Ihren Verhältnissen zu leben – früh ein großes Finanzpolster aufzubauen – und dann wenn möglich auch möglichst früh die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Wenn weiteres Einkommen aus einer sehr zeitintensiven und oft stressigen Tätigkeit wie einem Beruf optional ist, dann ändert sich alles. Selbst wenn man den Beruf dann erst einmal weiter ausübt, ist der ganze Stress nicht mehr vorhanden. Gefällt Dir irgendwas an Deinem Unternehmen nicht? Kein Problem. Wenn Du jederzeit kündigen könntest, kannst Du Dir die Arbeit dort mehr oder weniger einfach aussuchen, die Du machen möchtest. Keine Lust auf Überstunden? Dann mach halt keine. Sag Deinem Vorgesetzten einfach in einem guten Moment, das Du die Arbeit bei Ihm nur noch machst, weil Sie Dir Spaß macht und Du gerne für Ihn arbeitest aber das Du finanziell nicht mehr darauf angewiesen bist. Ich garantiere Dir, das es dadurch für Dich kaum noch negativen Stress gibt, den Du nicht freiwillig haben möchtest.

Falls Du von all dem genug hast, tue es! Geh, aber geh im Guten. Prahle nicht damit herum aber mach, was Du schon immer machen wolltest und was Deine finanzielle Unabhängigkeit nicht in Gefahr bringt. Lächle über die Statistiken, die Dich gerade in einer stressreichen und unglücklichen Lebensphase sehen und danke Deinem eigenen jüngeren Selbst, dass es so gut für Dich gesorgt und an Dich gedacht hat.

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Das Lebensglück hat eine U-Form; außer Du bist finanziell unabhängig

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